Advanced Inflight Alliance AG - 2016-04-25 - LG-Beschluss - Verschmelzungsrechtlicher Squeeze-out

Landgericht München 1
Az. 5HK 9122/14 (ver4det am 25.4.2016
In dem Spruchverfahren

gegen
wegen Barabfindung

erlässt das Ländgericht Mündhen ; 5. Kammer für Handelssachen durch Vorsitzen-
den Richter am Landgericht Handelsrichter und Handelsrichter
nach mündlicher Verhandlung vom '30.4.2015' und 14.82015 am 12,2.2016
folgenden
Die von der Antragsgegnerin an die ehemaligen'Aktionäre der Advanced'Inflight
Alliance AG zu leistende Barabfindung wird auf .Euro 8;09 je Aktie festgeSetzt. Die-
.
ser Betrag ist unter Anrechnung geleisteter Zahlung ab dem 18.04.2014 mit 5
Prozentpünkten über dem BasiszinSsatz zu Verzinsen.
11. Die Antragsgegnerin trägt die Kosten des Verfahrens einschliesslich der ausser-
gerichtlichen. Kosten der Antragsteller, :
HI. Der Geschäftswert für däs Verfahren erster Instanz sowie der Wert für die Be-
messung der vbn der Antragsgegnerin an die gemeinsame Vertreterin der nicht
selbst als Antragsteller am Verfahren beteiligten ehemaligen Aktionäre zu .leis
tende Vergütung werden auf Euro 669.030,90 festgesetzt.

Diä Antragsgegnerin; eine_ mittelbare Tochtergesellschaft der in -den Ver-
einigten Staatän von AMerika börsennotierten
hielt zum 19.4.2013.94,07 däs damaligen Grundkapitals der Ad-
vanced Inflight AllianCe 'AG (im Folgenden 'auch: die Gesellschaft), Wobei.
sich dieser:Anteil in der Fölgezeit aufgrund von Optionsausübungen auf
93,95 % reduzierte;.Das Grundkapital der Gesellschaft belief sich nach
den Optionsausübungen und damit verbundenen Kapitalerhöhungen auf e
-24.052.493,-- und
.
war in .ebenso viele Inhaberstückaktien eingeteilt. Die
damalS noch als AktiengesellsChaft firmierende Antragsgegnerin und die
Advanced Inflight Alliance AG schloSsen am 19.12.2013 einen Ver-
schmelzungsvertrag,' wonach ein BeschluSs dergestalt gefasSt werden
sollte, dass die Aktien der Minderheitsaktionäre der Advanced. Inflight
ance AG im Zusammenhang mit der Verschmelzung 'auf die:Antragsgeg-
nenn übergehen sollten.
Die Hauptversammlung der . Gesellschaft fasste dernentsprechend am
21.2.2014 den Beschluss; die Aktien der Minderheitsaktionäre gegen
währung einer Barabfindung in.Höhe von Euro 7,63 je auf den Inhaber lau-
: teride namenlose Stückaktien auf die Antragsgegnerin zu übertragen. Am
31.7.2013 'hatte die .Gesellschaft, deren Aktien im regulierten Markt der
Frankfurter Wertpäpierbörse gehandelt wurden, mittels Ad hoc-Mitteilung
bekannt gemacht, sie sei von der Antragsgegnerin über deren Absicht in
.
formiert Worden, in Verhandlungen über . den Abschluss eines Verschmel-
zungsvertrages zwischen der Advanced Inflight Alliance AG als übertra-
gender Gesellschaft und der Antragsgegnerin -als .übernehmender Gesell-
schaft zu treten,, Wobei in diesem Zusammenhang- die anderen Aktionäre
aus der Gesellschaft gegen Zählung einer angemessenen Barabfindung-

ausgeschlossen werden sollten. In einem Zeitraum von drei Monaten vor
dem 31.7.2013 lag der umsatzgewichtete rechnerische Durchschnittskurs
der Aktien der Advanced .Inflight Alliance AG, nach Bescheinigungen der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bei Euro 5,56 je Aktie.
Der Unternehmensgegenstand. der Gesellschaft liegt auSweislidh von .§ 2
Abs. 1 ihrer Satzung in der Erbringung sämtlicher Dienstleistungen im Zu-
_ sammenhang mit Unterhaltungsprogrammen insbesondere an Bord von
Flugzeugen einschliesslich der Entwicklung von Applikationen für Unterhal-
tungssysteme sowie im Handel mit und dem Verleihen von Filmrechten.
Nach § 2 Abs. 2 der Satzung ist die Gesellschaft zudem zu allen Geschäf-
ten und. Massnahmen berechtigt, die den Gegenstand des Unternehmens
unmittelbär oder Mittelbar zu fördern geeignet sind. Zu:diesem Zweck darf
sie im 102 und Ausland Zweigniederlassungen errichten, andere Unter-
nehMen gleicher oderverwandter Art gründen, erwerben oder sich an die-
sen beteiligen.. Die . Gesellschaft selbst fungiert-als KonZernholding eines;
Konzerns (im Folgenden auch: Advanced lnflight Alliance-Konzern) von 23.
in- und ausländischen TochtergegellSchaften; an denen sie unmittelbar
oder mittelbar zu jeweilA 100 % beteiligt ist und die sämtlich in den Kon-
zernabschluss der Gesellschaft einbezogen sind. Diese Tochtergesell-
Schaften sind für .
dag Operative -GesChäft zuständig. Dieses teilt sich »dabei
im Wesentlichen in die beiden Geschäftsfelder Content SerVice ProViding
(CSP), das die:Bereitstellung der Inhalte für die Wortunterhaltungssyste-
me beinhaltet, sowie Tontent", das den Händel mit Filmrechten umfasst,
wobei der Schwerpunkt auf dem Einkauf und der Vermarktung von Inhäl:
ten für die Bordynterhaltung liegt .
Im Vorfeld der Hauptversammlung vom 21.2.2014 liess die Antragsgegne-
rin von der
eine gutachterliche Stellungnahme:zum objektivier-
ten Unternehmenswert der Advanced inflight Alliance AG sowie zur Ermitt-
lung der angemessenen Barabfindung (Anlage ASt 2) erstellen, in der un-
ter Anwendung der Ertragswertmethode ein Unternehmenswert von Euro

176,667 Mio. oder,vori Euro 7,35 je Aktie ermittelt wurde. Dabei gingen die
Bewertungsgutachter von von einer die Jahre 2014 bis 2016 umfas-
senden Detailplanungehase aus; an die sich ab den Jahren 2017 ff. die
Ewige Rente anschloss, wobei die für. die Ermittlung des nachhaltigen
Umsatzniveaus in diesem Zeitraum anzusetzenden Umsatzerlöse des
Jahres 2016 mit einer WachstumSrate von 1 % fortgeschrieben sowie da-
,
rauf aufbauend eine EBITDA-Marge von 13 % und eine EBIT-Marge von
9,9 %- angesetzt wurde. Bei der Kapitalisierung der ErgebniSse setzten die
BewertungsgUtächter einen einheitlichen BasigzinSsatZ von '2,75 % vor
Steuern an. Der unter Anwendung des (Täx-)CAPM ermittelte Risikozu-
schlag wurde unter Berücksichtigung des Finanzierungsgtrukturrisikos auf
5,7 %, 5,8 % und 5,9 % in den Jahren der Detailplanungsphase sowie auf
-5,9 % im .Terminal Välue 'angesetzt. Ausgangspunkt
,
dieses Ansatzes war
eine IVIarktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern sowie -ein aus einer Peer
Group abgeleiteterBeta-Faktor, wobei sich die Peer:Group mit Ausnahme'
der Deutsche LufthanSa AG aus ausländiSchen Unternehmen .der Berek
chen Fluggesellschaften, FilMstudios/Content, .IFE-
Solutions/Hardwareherstellern sowie Videospieleherstellern zusarnmen7
setzte., In der Ewigen Rente gingen die BeWertungsgutachter von. einem
Wachstumsabschlag von 1 % aus. Zudem setzten sie zum .Bewertungs-
stichtag Sonderwerte aus Aktien an der
sowie Aktienoptiönen an dieser. Gesellschaft 'von insgesamt Euro 29,714 Mio.
- und eine Uherschussliquidität von 13,645 Mio. an.
Die vom Landgericht München f mit Beschluss vom 9.8.2013 Az. 5HK 0
17799/1 .3 zur Abfindungsprüferin bestellte
gelangte in
ihrem Prüfungsbericht vom 13.12.2013. (Anlage AG 3) zu dem Ergebnis,
von der Antragsgegnerin festgelegte Barabfindung von Euro 7,35 je
Stückaktie stelle sich als angemessen dar.
- Infolge einer Erhöhung des Börsenkurses der
kam es zu einer Änderung der Bewertung entsprechend der Stich-
.
vom 21.2.2014 (Anlage tagserklärung der Bewertungsgutachter von

AG 8), weshalb die angemessene Barabfindung auf e 7;63 erhöht wunde.
Die Abfindungsprüfer von bestätigten mit einer Erklärung
ebenfalls vom 21.2.2014 (Anlage AG.9) die Angemessenheit dieses Be-
trages.
Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten der Unternehmensbewertung .und
des Prüfungsberichts' Sowie der Stichtagserklärungen wird in vollem Um-
fang auf die Anlagen AG 2, AG 3, AG 8 und AG 9 Bezug genommen.,
❑er BeschlusS über den Squeeze. out und die -Verschmelzung wurde je-
weils arni1 .5.4.2014 :in das Handelsregister der Advanced Inflight Alliänce
AG eingetragen; die. Eintragung des VerSchmelzungsvertrages in das
Handelsregister der Antragsgegnerin erfolgte am 16.4.2014. Die -Be-
kanntmachfing der Eintragung des Squeeze out und der Verschmelzung
in das, Handelsregister der AdVanced Inflight Alliance AG erfolgte am
. 16.4.2014; während die Eintragung der Verschrnelzung in das Handelere-:
gister der Antragsgegnerin am 17.4.2014 gemäss § 10 HGB bekannt ge2
macht wurde. Alle Antragsteller, waren am 16.4.2014 Aktiönäre der Ge-
selischäft:
Zur Begründung ihrer spätestens
.
am 17.7.2014 zumindest per Telefax beim
Landgericht München 1 eingegangenen -Anträge machen die Antragsteller im
Wesentlichen geltend, die festgelegte Barabfindung müsse angesichts ihrer
Unangemessenheit erhöht werden.
Zur Begründung dieser Anträge berufen sie sich zunächst darauf, bereits
zentrale Planannahmen seien zu ihren Gunsten korrekturbedürftig.
(1) Dies zeige sich bereits an einer mit drei Jahren zu kurz bemessenen
Detailplanungsphase. Auch könne das Jahr 2014 nicht als echtes
Planjahr angesehen werden, weil die Hauptkunden der Gesellschaft
deren Produkte und Dienstleistungen bereits im Jahr 2013 eingekauft

hätten. Ebenso deute die Vergangenheitsanalyse auf eine mangeln-
de Zuverlässigkeit der Planung hin. Vorgenommene Bereinigungen
seien nur schwer nachvollziehbar. Diee zeige sich beispielsweise an
widersprüchlichen Angaben zur EBIT-Marge der Vergangenheit im
Geschäftsfeld "Content" und den unklaren Ursachen für die Planab-
weichungen beim Personalaufwand in den Jahren 2011 und 2012.
Bei Flügen der Bestandskunden handele es sich nicht um einmalige
Sondereffekte aus dem letzten Quartal des Jahres 2013. Auch hätten
aktuellere Daten als die aus der Hochrechnung 2013 angesetzt wer-
den müssen. Fehlerhaft stelle sich weiterhin die ,Anpassung der
sonstigen betrieblichen Erträge angesichts ihrer Darstellung im Be-
wertungsgutachten auf dessen Seiten 39 und 45 dar.
Ebenso gebe es Anhaltspunkte dafür, die Von den Bewertungsgut-
achtern herangezogene Marktstudie von IMDC sei interessengeleitet
Zudem berücksichtige die Planung nur unzureichend bestehende
Abhängigkeiten der Entwicklung der Luftfahrtbranche und der Film-
' branche zur Gesellschaft bzw. der Bordunterhaltung. Ebenso müss-
ten die Auswirkungen ökologischer Anforderungen auf die Gesell-
schaft gesehen werden. Zwingend erforderlich sei eine Bereinigung
der Kostenfortschreibungen um die Kosten des Squeeze out.'
(2) In jedem Fall aber bedürfe die Planung im Einzelnen angesichts zu
pessimistischer und nicht mehr plausibler Annahmen der Korrektur.
(a) Bei der Planung der Umsatzzahlen stehe das stagnierende
Umsatzwachstuni im Widerspruch zu den Ist-Zahlen des Jahres
2013. Die Planung vernachlässige weiterhin die Verdrängung
kleinerer Wettbewerber mit der Folge der Möglichkeit von
Preiserhöhungen durch die Gesellschaft Angesichts des zu
erwartenden steigernden Passagieraufkommens stelle sich die
Umsatzplanung als zu pessimistisch dar, zumal in der Vergan-
genheit höhere Wachstumsraten zu verzeichnen gewesen sei-

(b)
en. Anaesichts der Prognosen des Deutschen Zentrums für
Luft- und Raumfahrt sowie der IATA müsse die im Bewertungs-
gutaChten von abgegebene Prognose der Urnsatzverän-
derungen der globalen Airline-Branche zur fehlenden Plausibili-
tät der Planung.der Gesellschaft führen. Auch eine Presseerklä-
rung von AuCtüs Capital:Partners des' Jahres 2011 belege die
zu .pessirriistisähen Planannahmen.- Weiterhin vernachlässige
die Planung die Stellung der Gesellschaft als Marktführer mit
einem Marktanteil von etwa 50 %; diese Position müsse ein hö-..
heräs UmSatzwachstum als 7,5 % nach:sich ziehen. Zu Unrecht
-sei auch:der Markteintritt neuer Wettbewerber angesichts hoher
Markteintrittsbarrieren regulatorischer. Art angesetzt worden.
Auch fliesse zu wenig das Ertragspotenzial ein, das sich aus
dern Wettbewerb der. Luftfahrtunternehmen ergebe, die sich
aus einer guten Bordunterhaltung Wettbewerbsvorteile ver-
schaffen Wollten, .wovon die .Antragsgegnerin. deutlich Stärkär
profitiere. Ebenso hätten däs Wachstum in Sdhwellenländern
'sowie die Möglichkeit zu ohne grossen Aufwand:möglichem Ein-
bau von Bordunterhaltung' in anderen Verkehrsmitteln stärker
berücksichtigt werden müssen.
Im Rahmen der Aufwandsplanung müsse die Planung des Per-
sonalaufwands im Gleichschritt mit der Umsatzentwicklung er-
folgen; gerade im Bereich CSP falle det Anstieg zu hoch aus,
weil bei steigenden
.
Umsätzen Effizienzsteigerungen zu erwar-
ten seien Der hohe Anstieg stehe auch im Widerspruch zu den
tatsächlich zu erwartenden Gehaltssteigerungen, die zu hoCh
angesetzt seien.
Der Anstieg des Materialaufwands lasse Kostendegressionsef-
fekte fehlerhaft ausser Betracht. Ebenso fehle dem geplanten
Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen die Plausibi-
lität:

Ebenso erfölge angesiChts der Niedrigzinsphase ein zu hoher
Ansati des ZinSaufwands. 'Unplausibel stelle sich auch der
Rückgang der Abschreibungsdauer von zehn auf fünf Jahren
bei der BTI Software Inc. dar..
(3) Die Ansätze in der Ewigen Rente seien bereits deshalb fehler-
haft, weil am Ende des Jahres 2017 kein eingeschwungener
Zustand erreicht worden sei und demZüfolge der Ansatz einer
Gröbplanungsphase zwingend erforderlich gewesen wäre. Der
Rückgang der EBITDA- Wie auch der EBIT-Marge auf sdhlech-
tere Werte als in-den meisten Jähren der Detailpranungsphase
lasse sich nicht nachvollziehen. Der Einsatz der . WISE-
Technologie müsse sich in höherenWachStumsraten manifes-
tieren. Zudem könne ein überproportionaler;Anstieg des Mate-.
rialaufwands in der Ewigen - Rente nicht .erklärt werden.
) Fehlerhaft erfolge eine vollständig fehlende Ausschüttung ui
den -Jahren 2013 und . 2014, zumal die GeSellschäft am
27.2:2014 die Zählung einer Sonderdividende in :Höhe von Euro
7,50 je Aktie angekündigt habe, was einer Zahlung von Euro
62,888 Mio. entspreche. Der Ansat einer AusschüttungSquote
von 50 % im: Terminal Value könne angesichts vorhandener.
Studien mit unter 40 % liegenden Aussdhüttungsquoten nicht
mehr als Sachgerecht bezeichnet werden.
In diä Planung hätten zudem Synergieeffekte aus dem Zusam,:
menschlüss mit der Konzernoberg.esellschaft einfliessen müs-
Die Unangemessenheit der Barabfindung :beruhe zudem auf einem zu
hoch festgesetzten KapitalisierungszinSsatz, der einer Korrektur in allen
. Komponenten bedürfe.

(1)
Beim Basiszinssatz verbiete sich eine. Rundung zum Nachteil der
Minderheitsaktionäre. Das Erfordernis einer Reduktion resultiere wei-
terhin aus der Existenz von Cred.it Default Swaps auch auf deutsche
Bundesanleihen. Zudem müsse bei der Ermittlung des Basiszinssat-
zeS der Finanzierunjshorizont derGesellsähaft mit deutlich kürzeren
Laufzeiten der Kredite und Investitionen der Gesellschaft berücksich-
tigt werden. Angesichts der Anlagemöglichkeiten nur zum Stichtag
müsse vor. allem auch auf das aktuell gültige, deutlich niedrigere
Zinsniveau abgestellt werden.
(2)
Ebenso rnüsse der Risikozuschlag reduzied werden, sofern ein sol-
cher überhaupt angesetzt werden dürfe, was abzulehnen sei. Das
zur Ermittlung herangezogene (Tax-)CAPM stelle sich hierfür jeden-
.
falls als ungeeignet dar. Keinesfalls könne die auf Basis einer Emp-
fehlung des FAUB des IDW in der Mitte einer Bandbreite von .5 % bis
6'% angesiedelte Marktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern sachge-
recht sein; das niedrigere Niveau des Basiszinssatzes rechtfertige
diesen Ansatz nicht Anstelle der arithmetischen Mittelwertbildung
müsse namentlich das geometrische Mittel herangezogen werden.
Das unternehmensspezifische Risiko müsse über den originären Be-
ta-Faktor abgebildet werden und nicht über eine ohnehin fehlerhaft
zusammengesetzte Peer Group. Zudem lasse der Beta-Faktor die
Besonderheit der Existenz eines Grossaldionärs ausser Betracht, der
das Risiko der Gesellschaft deutlich absenke.
(3)
Der in der Ewigen Rente herangezogene Wachstumsabschlag von 1
% müsse erhöht werden, weil dies künftige Trends wie namentlich
den Einsatz von 3. -D-Filmen missachte und die dynamische Entwick-
lung der Vergangenheit für einen höheren Wachstumsabschlag
spreche. Der Ansatz eines unterhalb der zu erwartenden Inflationsra-
te liegenden Wachstumsabschlages führe zu einem dauerhaften
Schrumpfen des Unternehmens und lasse sich folglich nicht rechtfer-
tigen.

Das nicht betriebsnotwendige Vermögen beinhalte bezüglich der über-
schüSsigen Liquidität einen zu niedrigen AnSatz. Fehlerhaft erfolgt sei die
Berücksichtigung des Werts, der Aktien des
weil er fiktiv mit Steuern belastet worden sei und ein DurChschnitts-
kürg nicht hätte herangezogen werden dürfen. Bei der Bewertung der Ak-
tienoptionen dieses Unternehmens hätte zudem dag ,sogenannte Black
Scholes-Modell herangezogen werden müggen. Zudem fehle ein. Ansatz
für den Wert der Marke ,;Advanced lnflight,Alliance".
Der Börsenkurs, hätte nicht anhand des geWichteten Durchgchnittskurses
der BundeSanStalt .für FinanzdienstleiStundsaufsicht ermittelt werden drjr--
,
fen, weil zwischen der Bekanntgabe der Strükturmassnahrne an die Kapi-
lalMärkte und, dem Tag der Hauptversammlung ein ejn längerer Zeitraum - lie-
ge und daher eine Hodhrechnung hätte erfolgen müsSen. Zudem müsse
die Höhe des Kaufpreises für. die HletZten Aktien ermittelt werden.
Die Antragsgegnerin beantragt _demgegenüber die ZurückweiSung der Ahträge,
weil -die fegtgesetzte Barabfindung angemessen Sei. Darüber hinaug fehle bei
den Antragstellern 'zu 41) und 43). die -Benennung eines gemeinschaftlichen
Vertreters. Die, ihr nur als Fragment übermittelte Antragsschrift des Antragstel-
.
lers zu 53) müsse ohne Unterschrift beim Landgericht München I eingegangen'
sein, was die Unzulässigkeit des Antrags nach sich ziehe.
.Die Planannahmen der Advanced inflight Alliance AG sejen hinreichend
plausibel und folglich einer Anpassung.nicht zugänglich.
(1). Das von der Gesellschaft angewandte Planverfahren mit einer drei
Jahre umfassenden Detailplanungsphase sei sachgerecht unter An-
Wendung eines bottom up-Verfahrens durchgeführt worden. Qhne
sachlichen Fehler sei die Vergangenheitsanalyse für die Jahre 2011
bis 2013 vorgenommen worden. Die Abschreibungsdauer einiger
selbst erstellter immaterieller Vermögenswerte sei durch die Starke

Verkürzung der App-Zyklen gerechtfertigt und beruhe auf einem
Hinweis der Abschlussprüfer , Im Übri-
gen seien alle ausserordentlichen .und periodenfrernde Ergebniseffek-
te zutreffend bereinigt worden.
(2) Das in der Planung angenornmene Umsatzwachstum für die Jahre
2013 unter Berücksichtigung der Hochrechnung bis 2016 betrage 7,5
% und liege deutlich über dem Durchschnittswachstum des Vergan
genheitszeitraums und könne folglich nicht als_ zu pessimistisch be-
,
-schrieben werden. Auch falle_ das prognostizierte Umsatzwachstum
nicht hinter die UmsatzZahlen der Vorjahre ZurücK Die Planung wei-
se auch ein höheres Marktwachstum in
.
Relation zu dem bis zum
Jahr
.
2019 prognostizierten UmsatzwaChStum der kommerziellen
Luftfahrt in Höhe von 1 % bis 5 % aus. Aus der Entwicklung in
SchWellehländern könne mangels dortiger Aktivitäten: der _Gesell-
.
sähaft kein anderer Schluss gezdgen werden. .Von einer VernächläS-,
sigung von 'Chancen in Nachbarmärkten wie Kreuzfahrten, Bus- oder
Zugreisen könne keine Rede sein; im Bereich der Aktivitäten bei
Kreuzfahrtschiffeh und Zugreisen erziele die Gesellschaft nur sehr
geringe Umsatzerlöse, wobei dieser Ahsatz aufgrund des hohen 'In-
vestitionsbedarfS nichtweiter verfolgt werde.'
Die leicht" rückläufig geplante. Marge im Geschäftsfeld "Content"
Müsse angesichts der nachvollziehbaren UrSachen in Form eines'
leicht überproportionalen Ahstiegs des Personalaufwands und der
Notwendigkeit der Berücksichtigung inflationsbedingter Kostensteige-:
rungen der sonstigen betrieblichen'AUfwendungen bei der Emphäsis
Video Entertainment Ltd. und einer im Zuge der Verlängerung des
Mietvertrages über ein Bürogebäude erwarteten Erhöhung der Miete
nicht erhöht werden.
Die Planung erfasse alle 23 in- und ausländischen Beteiligungen der
Gesellschaft und nicht lediglich 9 Tochterunternehmen.

(3) Von.einer überhöhten AufWandsplanung könne keine Rede sein,' die
in der Planung angesetzte Umsatzsteigerung von konzernweit
durchschnittlich 7,5 % p.a. von der Hoctirechnung 2013 bis zum Jahr
2016 könne nur unter Einsatz zusätzlichen Personals im Vertrieb und
bei der Produktentwicklung erwirtschaftet werden, wobei sich die
Planung der Anzahl der Mitarbeiter an der geplanten Weiterentwick-
lung gerade auch neuer Technologien wie, beispiersweise WISE ori-
entiere. Die BerückSichtigung von :Skaleneffekten zeige sich an
,
ei-
nem im -Vergleich zum Umsatzwachstum niedrigeren prozentualen
:Anstieg des pertonalaufwands. Gerade im Geschäftsfeld .CSP müs
sä die zur Advanced lnflight Alliance AG :gehörende DTI-Gruppe zu-
sätzliche Mitarbeiter in .Kanada 'und Dubai einstellen: Beim Material-
aufwand unterstelle die Gesellschaft sachgerecht die Fortsetzung-der
in der Vergangenheit begonnenen Realisierung besserer Einkaufs-
konditiopen für Filmrechte. In Relation zu den Unisatzerlösen kohme
es, demzufolge - zu einer deutlichen Reduktiön- der Materialaufwands-
quote von 61,6- °A) in 2012 über 57 : % in 2013 auf 56,8 % in 2016.
Auch beim sonstigen betrieblichen Aufwand verhalt&sich die Auf :-
wandsquote trotz der Annahme eines leichten Anstiegs in Relation
zum Umsatz nahezu konstant.
,
Bei der Ergebnisprognose müsse auch .der Eintritt neuer Wettbewer-
ber in den Markt berüCksichtigt werden. Zudem werde der Zugang
zum Internet an Bord eines FlugzeugS die-Branche erheblich verän-
dern -. Unzutreffend sei auch die Annahme; die Gesellschaft habe als
Folge ihrer Marktführerschaft eine Preissetzungsrnacht, was zu wei
teren Gewinnmargensteigerungen. führen solle. Diese Rüge überse-
he vor allem die Weitergabe des Preiedrucks der Fluggesellschaften
imjRahrnen der Ausschreibung ihrer Bordunterhaltungsprogramme.
(5) Unechte Synergieeffekte seien nicht anzusetzen gewesen, weil bio-:
sse Hoffnungen oder gar Schätzüngen keine tragfähige Grundlage
hierfür seien. Der Untergang der Verlustvorträge bei der Gesellschaft
. . ' ' . - - ..

müsse nicht als echte Synergie aus der Bewertung herausgerechnet
werden angesichts des Erwerbs von mehr als 50 % der Aktien der
Gesellschaft durch die PAR. Investmentpartners LP bereits im Jahr
2012 und damit zeitlich weit vor und unabhängig von der Übernahme
durch die Antragsgegnerin. Von bei der Gesellschaft vorhandenen
ertragsteuerlichen Verlustvorträgen. in Höhe von 2,13 Mio. seien
nur E 1,55 Mio. nutzbar.
(6)
Im Terminal Value bedürfe es keiner Korrekturen. Die Ewige Rente
bilde einen eingeschwungenen Zustand ab, nachdem die Bewer-
tungsgutachter von
die EBITDA-Marge des Konzerns auf ein
nachhaltiges Niveau reduziert hätten. Aufgrund des Einsatzes neuer
Technologien und der Nutzung eigener Endgeräte im Flugzeug durch
die Passagiere komme es zu einem weiteren Rückgang der von den
Fluggesellschaften bezogenen Bordunterhaltungsprogramme. Die
durchschnittliche EBITDA-Marge von rund 13 % spiegele die nach-
haltig 2u erwartende Rentabilität des operativen Geschäfts der Ge-
sellschaft angemessen wider. Namentlich bei der DTI-Gruppe könne
die hohe EBITDA-Marge nicht als nachhaltig angesetzt werden, weil
auch die Entwicklung von WISE den Trend zu einer geringeren Bor-
dunterhaltung nicht aufhalten werde.
(7) Die -
AusschCittungsquote in der Ewigen Rente sei zutreffend ange-
setzt, weil sie in der Mitte der am Markt Zu beobachtenden Quoten
-
liege und auch in der Rechtsprechung anerkannt werde.
Methodisch und inhaltlich zutreffend sei die Ermittlung des Kapitalisie-
rungszinssatzes erfolgt.
(1) Dies gelte zunächst für die Ermittlung des Basiszinssatzes anhand
der Zinsstrukturkurve zum Bewertungsstichtag. Angesichts der Lauf-
zeitäquivalenz müsse der Finanzierungshorizont der Gesellschaft
nicht berücksichtigt werden. Aus der Existenz von Credit. Default

Swaps könne nicht auf einen überhöhten Basiszinssatz geschlossen
werden. Die vorgenommene Rundung könne ebenso wenig bean-
- standet; werden wie der Ansatz eines einheitlichen Basiszinssatzes.
Ein Abstellen auf die Wiederanlagemöglichkeiten nur zum aktuell gül-
tigen Zinssatz für Bundesanleihen komnie nicht in Betracht:
(2) Der notwendigerweiSe anzusetzende Risikozuschlag sei zutreffend
mit Hilfedes weithin anerkannten. (Tax-)CAPM -unter Berücksichti-
gung der Volatilität der Luftfahrtindustrie_ als Kunden der GesellSchaft
ermittelt worden. Die Marktrisikoprämie sei mit 5,5. % nach Steuern.
angesichts der konstant realen Renefiteförderungen von Aktionären
nicht zu beanstanden, Das Heranziehen des arithmetischen und
nicht des geometrisChen . Mittels .eptspreche.den betriebswirtschaftli-
chen Erkenntnissen.: Der- zur Berechnüng .des Risikozuschlages er-
mittelte Beta-Faktor von unverSchuldet 1,0 habe über eine sachge-
recht zusammengesetzte Peet Gröpp ermittelt werden können ange-
sichts der fehlenden Aussagekraft des :unternehmenseigenen Beta-
Faktors der Gesellschaft, dem es an der statistischen Signifikanz feh-
le. Die Liquidität der Aktie'der Gesellschaft sei zu gering, um den ori-
ginären. Beta:faktor heranzuziehen. Allein das Vorhandensein eines
Hauptaktionärs lasse auch keinen -Rückschluss auf den AusSChluss
eines unternehmerischen. Risikos zu. Zutreffend erfolgt. und 'damit
nicht korrekturbedürftig sei der Ansatz des WachstumSabschlagS mit
-1 %. Angesichts des grossen Preisdrucks im .Inflight Entertainment-
Markt sei es der Gesellschaft schwer möglich, Preissteigerungen im
Einkauf dann an ihre Kunden weiterzugeben, zumal die Befürchtung -
bestehe die Nutzung eigener Endgeräte wie Smartphones im. Efüg-
zeug werde eine rückläufige Nachfrage und eine weitere Reduktion
erzielbarer Preise, nach sich ziehen. Hohe Marktanteile könne die
Gesellschaft weitaus schwerer verteidigen angesichts der Versuche
der Kunden, Abhängigkeiten zu vermeiden. Nicht ersichtlich sei, Wa-
rum die künftige Verwendung.der .3 D-Technologie zu Umsatzwachs-
tum führen solle: Der WachstUrnsabschlag müsse nicht der allgemei-

nen Inflationsrate entsprechen, die allenfalls ein erster Anhaltspunkt
sein könne:
c. Beim nicht betriebsnotwendigen Vermögen seien die Aktien ebenso wie
die Optiönen auf Aktien der zutreffend un-
ter Belastung mit Steuern berücksichtigt Worden. Bei den Aktien dürfe ein
DurchschnittSkurs herangezogen werden; ebenso korrekt sei die Bewer-
tung der Optionen mithilfe eine Binominalmodells erfolgt. Die Höhe der
Überschussliquidität müsse nicht erhöht werden, weil ausser dem aus ei-
nem Verkauf einer 'Minderheitsbeteiligung und dem Erfordernis zum Vor-
halt von Liqüidität zur Rückführung eines Darlehens im März 2014 keine
anzusetzende Überschussliquidität vorhanden gewesen sei. -Immaterielle
Vermögensgegenstände wie die Marke "Adyanced Inflight Alliance" ge-
nannt werden seien. Unangemessen sei auch der Ansatz einer 'EBIT--
Marge von nurmehr 9,9 % Eine Korrektur zugunsten der Minderheitsakti-
onäre Müsse auch in allen drei Elementen deS KapitalisierungSzinssatzes
erfolgen.
.

Der Borserikurs könne :angesichts seiner Höhe von Euro5,56, im zutreffend
angesetzten. Referepzzeitraum
.
keine .Rolle ,:spielen; eine Hochrechnung
verbiete sich, weil kein längerer Zeitraurn vorliege und sie .zudem ange-
sichts der branchenspezifischen Weiterentwicklung von deutlich unter 40
% zu keiner höheren Barabfindung als Euro 7,63 führen könne. Von der An-
tragsgegnerin gezahlte Vorerwerbspreise seien - nicht massgeblich.'
4.
Das Gericht hat mit BeschluSs vom _ 19.113014 (31: 141 d.A.)
zur gemeinsamen 'Vertreterin der nicht
selbst Antragsteller am Verfahren beteiligten ehemaligen ,Aktionäre be-
stellt. Mit Verfügung vom selben Tag (BI. 142 d.A.). hat der Vorsitzende die
Bekanntmachung dieser Bestellung im. elektronischen Bundesanzeiger
veranlasst. Die gemeinsanie Vertreterin rügt in erster Linie den unterblie-
benen Ansatz- der höheren Ist-Zahlen anstelle. der Hochrechnung 2013

sowie von Synergieeffekten, nachdem infolge der Übernahme auch Ver-
bundeffekte genannt wär'den seien. Unangemessen sei auch der Ansatz
einer EBIT-Marge -von nunmehr 9,9 % Eine Korrektur zu Gunsten der
Minderheitsaktionäre müsse Zudem auch in
,
allen drei Elementen des Ka

pitalisierungszinssatzes vorgenommen werden..
In der mündlichen Verhandlung vom 30:4.2015 und 14.8;2015 hat das Ge-
richt den geriähtlich bestellten Abfindung,sprüfer von
- angehärt. Ferner hat
das Gericht den Abfindungsprüfr mit BeSchlüssen vom 30:4.2015 (BL
2T4/275 d.A.) und vom 14.8.2015 (BI: 329 d A. ) gebeten, zu Einzelfragen
der Unternehmensbewertung ergänzende Aussagen zu machen und Al-
'ternativberechnungen mit geänderten Kapitalisierungszinssätzen vorzu- :
_nehmen, Hinsichtlich des Ergebnisses der mündlichen -und schrifflichen
Anhörung des, gerichtlich besteilten Abfindungsprüfers wird Bezug ge-
nommen auf die Protökälle der -mündlichen Verhandlung vorn 30,4.2614,
(Bi. 246/275 .d.A.) und vom 14.8.2015 (BI. 3021329 d.A.) sowie die allen
Beteiligten übermittelten ergänzenden Stellungnahmen deS Abfindungs-
. prüfers vom 2.6.2015 (p. 281/298 dA'.) und vom 19.10.2015:(BI. 366/382
Zur Ergänzung des wechselseitigen Vorbringens der Beteiligten wird Bezug
genommen auf die gewechselten Schriftsätze samt Anlagen sowie: die Protokol-
' le der mündlichen Verhandlung vom 30.4.2015 (BI. 246/275 'd.A.) und vom
14.8.2015 (BI 302/329 d.A.).

Die Anträge auf Festsetzung einer angemessenen Barabfindung sind zulägsig und
begründet, nachdem diese auf Euro 8,09 je Aktie festzusetzen war.
Die Anträge aller. Antragsteller sind zulässig.
Alle Antragsteller sind antragsbefugt im Sinne des -§. 3 Satz 1 Nr. 2 SpruchG,
weil .sie ausgeschiedene Aktionäre der Advanced Inflight Alliance AG im-Sinne
des § -1 Nr. 3 SpruchG sind. Massgebender: Zeitpunkt für die Aktionärsstellung
kann dabei angesichts der Besonderheiten eines auf § 62
.
Abs. 5 UmWG ge:
.

stützten Squeeze out-Beschlusses nicht die :Eintragung dieses Beschlusses im
Handelsregister der Advanced Inflight Alliance AG sein; vielinehr ist bei dem
hier gegebenen verschmelZungsrechtlichen Squeeze out die Eintragung des
VersChmelzungsbeschlusses in das Handelsregister der. Antragsgegnerin
massgeblich, die am 16.4.2015 erfolgte. Erst durch diese Eintragung verlieren
die Minderheitsaktionäre ihre Stellung als Aktionäre, was sich aus der Regelung
in § 62 Abs. 5 Satz 1 und: Satz 7 UmwG ergibt. per Squeeze Out wird nach die-
sen zwingenden rechtlidhen Vorgaben nämlich erst gleichzeitig mit der Eintra-
gung der Verschmelzung in das Handelsregister der übernehrnenden Gesell-
schaft, mithin der Antragsgegnerin wirksam.
Die Antragsgegnerin hat dep entsprechenden reChtzeitigen Sachvortrag aller
Antragsteller von vornherein nicht bestritten oder spätestens in der rnündlichen
Verhandlung vorn: 30.4.2015, unstreitig gestellt. Dementsprechend geht » der je-
wege Sachvorttag aller Antragsteller zu dem Zeitpunkt ihrer Aktionärseigen-.
schaft gemäss §§ 8 Abs. 3 SpruchG, 138 Abs. 3 ZPO als zugestanden. Dies gilt
insbesondere auch für die Antragsteller zu 41) und 43) bei denen nicht erkenn-

bar ist, dass ein gemeinsames Depot vorliegen- könnte; dies zeigt sich schon
daran, daSs sie zum NachweiS Bankbescheinigungen unterschiedlicher Kredit-
institute vorgelegt Sollte die Bezeichnungdes Antragstellers zu 43) auf
einem Schreibversehen beruhen und die Antragstellerin zu 44) gemeint sein,
nachdem auf die Sparkasse Neuried und deren ,Bankbescheinigung Bezug -ge7
nommen wird, kann im Ergebnis "allerdings _nichts anderes gelten, auch wenn
die Antragsteller. zu 41) und 44) ein gemeinsames Depot unterhielten. Dabei
muss dann,nämlich'davon ausgegangen werden, daSs der Antragsteller zu 41)
durch die ihm erteilte Verfahrensvollmacht zugleich auch die Stellung eines
gemeinsamen Vertreters im Sinne des § 69-Abs. :1 AktG eingeräumt wurde -,
Die Anträge wurden jeweils innerhalb der Frist des § 4 Abs. 1 Nr. 3 SpruchG
.
beirr) Landgericht München I eingereicht, also innerhalb einer Frist von drei Mo-
naten ab BekanntMachung des Eintragungsbeschlusses entsprechend den
'Vorgaben aus § 10 HGB. Die Bekanntmachung der Eintrageg des Verschmel-
zungsbeschlüsses als weSentliches Ereignis daS zum AusScheiden der Min-:
derheitsaktiönäre führte und auf das bezüglich des massgeblichen Datums der
Bekanntmachung abgestellt werden Muss; erfolgte am 17.4:2014; weshalb die
Frist dann am 17.7,2017 endete. -An diesem Tag gingen ausweislich der Ge-
richtsakten alle Anträge zumindeSt per Telefax und damit fristwahrend beim
Landgericht München 1 ein. Dies gilt auch für den Antrag des Antragstellers zu
53) (Olav Nleügebauer), dessen Antrag per Telefax vollständig und unterschrie-
ben am 15.7.2014 einging. Angesichts dessen 'kann nicht entscheidungserheb-
- lich sein, inwieweit das Fehlen der Unterschrift entsprechend den Ausführungen
der Antragsgegnerin die Unwirksamkeit des-Antrags nach sich zieht oder nicht.
Alle Antragsteller !laben innerhalb der Frist des. § 4 Abs. 1 Spruch& -konkrete
Einwendungen gegen die Angemessenheit der Kompensation erhoben, wes-
halb die Voraussetzungen von § 4 Abs." 2. Nr. 4 Satz .1 SpruchG erfüllt sind.
Aufgrund dieser. Vorschrift Sind- konkrete Einwendungen gegen die Angemes-
senheit nach § 1 SpruchG oder gegebenenfalls den als Grundlage für
. die Kom

pensation ermittelten Unternehmenswert in die Antragsbegründung aufzuneh-
men: Diesen Anförderungen werden alle Anträge gerecht, weil die Anforderun-
gen an die Konkretisierungslast nach der ständigen Rechtsprechung der
.
Kam-
mer in Übereinstimmung mit dem BGH nicht ülDerspannt werden dürfen (vgl.
BGH NZG 2012, 191, 194 = ZIP 2012, 266, 269 = WM 2012,280,. 283 = DB
2012, 281, 284; LG Mündhen I, BeSchluss vom 21.6.2013, Az. 5HK
19183/09, Beschluss vom 28.6..2013, AZ. 5HK 0 18685/11; Beschluss vom
9.8.2013, Az. 5HK 0 1275/12; `Besdhlyss vom 28.5.2014, Az. 5HK 0.22657113,
" S. 34 ff.; Drescher in: Spindler/Stilz AktG, 3. Aufl., § 4 SpruchG Rdn. 21). Die
Antragsgegnerin hat insoweit auch keine Bedenken geäussert,. weshalb weitere
Ausführungen hierzu nicht veranlasst sind.
Die Anträge auf Festsetzung einer angemessenen Barabfindung sind auch begrün-
. det, weil diese Euro
.
8,09 je Aktie beträgt. Dieser Betrag ist ab dem 18:4.2014 .mit einem
ZinsSatz in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeWeiligen Basiszinisatz zu verzin-
sen.
Aufgrund von §§ 62 Abs. 5 Satz 8 UmwG, 327 b Abs. 1 Satz 1 AktG legt der Haupt-
aktionär die Höhe der Barabfindung fest; sie muss die Verhältnisse der Gesellschaft
im Zeitpunkt der Beschlussfassung ihrer Hauptversammlung berücksichtigen. pie
Barabfindung ist dann ahgemessen, wenn sie dem ausscheidenden Aktionär eine
volle Entschädigung. dafür verschafft, was seine Beteiligung än dem arbeitenden Un:
ternehffien wert ist, die also den vollen Wert seiner Beteiligung entspriCht Zu ermit-
telh ist also der Grenzpreis, zu dem der aussenstehende Aktionär ohne Nachteil aus
der Gesellschaft ausscheiden .
kann (vgl. nur OLG IVtünchen WM 2009, 1848 f. = ZIP
2009, 2339, 2340; ZIP'2007, 375, 376; Beschluss voM 11.9.2014, Ag.- 31 VVx 278/13;
OLG Frankfurt AG 2012, 513, 514 Z1P 2012; 124, 126; Beschluss vom 28.3.2014,
Az. 21 W 15/11, zit. nach juris; OLG Stuttgart ZIP 2010, 274, 276 = WM.2010, 654,

646; LG München I ZIP 2015, 2124, 2127; Beschluss -vom 1012.2010, Az. 5HK 0
11403/09, S. 18; Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17096/11, S. 21).
Der Unternehmenswert Wurde im Ausgangspunkt zutreffend .unter Anwendung
der Ertragswertniethode ermittelt. Danach bestiMmt sich der UnternehrhensWert
primär nach dem Ertragswert des betriebsnotwendigen Vermögens; er wird er-
gänzt durch eine gesonderte Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermö-
gens, das regelmässig mit dem Liquidationswert angesetzt wird.
Der Ertragswert eines Unternehmens wird - dabei durch Diskontierung der den,
.
Unternehmenseignern=künftig zufliessenden finanZiellen ÜbersChüsse -gewon-
nen, die aus den künftigen handelSrechtlichen Erfolgen abgeleitet werden. Da-
bei. ist allerdings zu berücksichtigen, dasS es einen exakten oder "wahren" Un-.
terhehmenswert zum Stichtag nicht geben kann..Vielmeht kommt dem Gericht
die Aufgabe zu, unter Anwendung anerkannter betriebsWittschaftlicher Metho-
den den Unternehmenswert als Grundlage der Abfindung im:Wege der Schät-.
zung nach :§ 287 Abs. 2 ZPO zu bestimmen ,(vgl. nur OLG München WM 2009,
1848, 1849 =. ZIP 2009,.2339; 2340; AG 2007, :287, 28; Beschluss vom
11.9:2014, Az. 31 Wx 278/13; OLG Stuttgart AG 2007,1 -28, 130; OLG Düssel-
dorf WM 2009; 2220,2224; OLG frankfurt AG 2012, 513, 514 = ZIP 2012, 124;
126. ; LG München Der Konzern 2010, 188, 189; ZIP 2015, 2124, 2127; Be-
schluss vom 28.6.2013, Az. 5HK.0 18685/11).
Grundlage für die Ermittlung der künftigen Erträge ist die Planung für die
Gesellschäft, die auf der Basis einer Vergangenheitsanalyse vorzuneh-
men ist und vorliegend auch - vorgenommen wurde. ,Bei Anwendung des
_ Ertragswertverfahrens sind die in die Zukunft- gerichteten Planungen- der
Unternehmen und die darauf aufbauendend PrognoSen ihrer Erträge aller-
dings nur eingeschränkt überprüfbar. Sie sind in erster Linie ein Ergebnis
der jeweiligen unternehmerischen Entscheidung der für die GesChäftsfüh-
rung verantwortlibnen Personen. DieSe Entscheidungen haben auf zutref-
fenden Informationen und daran orientierten, realistischen Annahmen auf-
'
zubauen; sie dürfen zudem nicht in sich widersprüchlich sein. Kann die

Geschäftsführung auf dieser Grundlage vernünftigerweise annehmen, ihre
Planung sei realistisch, darf diese Planung nicht durch andere- - letitlich
ebenfalls nur vertretbare - Annahmen des Gerichts oder anderer Verfah-
rensbeteiligter ersetzt werden (vgl. BVerfG NJW 2012, 3020, 3022 = NZG
2012, 1035, 1037 = AG 2012, 674, 676 =. ZIP 2012, 1656, 1658 = WM.
2012, 1683, 1685 f.; OLG iVlünchen BB 2007, 2395, 2397; ZIP 2909, 2339,
2340 WM 2009, 1848, '1849; Beschluss voni - 11.9:2014, Az. 31 Wx
278/13; OLG Stuttgart NZG 2007, -112, 114; AG 2006, 420, 425; 2007,
705, 706) -. Demzufolge kann eine Korrektur der Planung nur dann erfol-
gen, wenn diese nicht plauSibel und unrealistisch ist (vgl: München
WM 2009,- 1148, 1849 = Z1P 2009, 2339, 2349:: OLG Frankfurt ZIP 2010,
729, 731; OLG Karlsruhe AG 2013, .35`3,'354; OLG Stuttgart AG 2014,
291, 296 -f.; LG München I Der Könzern 2010, 188, 1'89 f.; ZIP 2015, 2124,
'2127; Beschluss vom 24..5.2013, Az. 514K 0 17095/11, Beschluss vom
28.6:2913,'Az. 5F-IK 0 18685/11).
Unter Zugrundelegung dieses Prüfungsmassstabes bedürfen die Planan-
nahmen der Organe der Advanced Inflight Alliance AG keiner Korrektur.
(1) Dies gilt zunächst für die allgemeinen Erwägungen, die der Planung
zugrunde gelegen häben und.die. vorn AbfindungSprüfer entspre- `
chend seinem gesetzlichen Auftrag untersucht wurden.
(a) Aus der wirgenommenen Vergangenheitsanalyse lässt sich
keine Grund für eine unsystematische Vorgehensweise bei der
',Durehführung der planung äbleiten, die zur Felge haben könn-
te, dass bereits deshalb die angenommenen Planzahlen für die
Detailplanungsphase als unplausibel einzustufen wären und
keinen Bestand haben könnten. Die Vergangenheitsanalyse
dient vor allem dem Zweck zu errnitteln, inwieweit die Zukunfts-
prognose hinreichend zuverlässig ist. .Der Abfindungsprüfer,
_erläuterte im Termin vom 30.4:2015 in
Ergänzung zu seinem Prüfungsbericht ünd den Ausführungen

im Bewertungsgutachten von warum alleine aus den 'Ab-
weichungen der Ist-Zahlen von den Planansätzen in den Jahren
2011 und 2012 sowie dei Hochrechnung 2013 vom Budget
2013 eine mangelnde Eignung der Planungssystematik nicht
abgeleitet werden kann und vor allem auch 'kein Rückschluss
auf zu pessimistische .Planansätze .gezogen
.
werden kann, auch
wenn gerade in den Jahren 2011 und 2012 die Ist-Ergebnisse
über.den PlanZahlen lagen. DieUrsachen für dieSe Entwicklung
im Verlaufe der jeweiligen iPlanjahre der Vergangenheit könnten
im Zeitpunkt der Ersteung. der .Planung nicht abgesehen wer-.
den: Im Jahr.2011 kam es zu den im Zeitpunkt der AUfstelliang
der Planung noch nicht berücksichtigten AkquiSitionen der Ge-
sellschaften Entertainnient. in .Motion, Inc., Los Angeles und
Emphasis Video Entertainrinent Ltd., Hong Kong; ohne die Um-
.
satzerlöse dieser beiden Unternehmen .wäre es zu einem Ver-
fehlen der geplanten Umsatzerlöse -gekommen. Das prognosti--
zierte EBiT von 8,254 Mio..wurde um ca. 20,7 %-verfehlt, was..
seine Ursache in ebenfälls ungeplanten Sonderaufwendungen
im Persorialf,iereich hätte,' weshalb die .positiyen: Effekte aus
den Akquisitionen überkompensiert,wurden. Aussehlaggebend
waren hier vor allem Effekte im Zusammenhang mit dem
Wechsel von Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern 'sowie
von Restrukturierungsmassnahmen. Zur Ermittlung der PlaL
nungstreue mussten derartige nicht vorbersehbar'e Ereignisse
ebenso bereinigt werden wie die Einmaleffekte aus Wertverän-
derungen von im Vorratsvermögen enthaltenen Filmrechten, die
sich ergebniserhöhend im Jahr: 2012. auswirkten und Auflösün-
gen von Rückstellungen für. Lieferantenrechnüngen, die gleich-
falls Ergebnisveränderungen zur Folge hatten. Bei den sönsti-
gen .betrieblichen Erträgen kam, es zu Bereinigungen bezüglich
von Währungskursgewinnen in den Jahren 2011 und 2013, in.
Bezug auf die bei der Tochtergesellschaft Inflight Productions
Ltd:, London erzielten Erträge aus dem Verkauf einer Woh-

nung, sowie im Jahr 2012 aus -einer Anpassung von Earn-Out-
Verbindlichkeiten aufgrund nicht erreichter Ertragsziele akqui-
rierter Gesellschaften und von Erträgen aus zukünftig nicht
mehr anfallenden Weiterbelastungen von Kosten an die
im Jahr 2013. Weiterhin waren bei
den aktivierten Entwicklungskosten ausserplanmeige Wertmin-
derungen ergebniserhöhend bei den AbSchreibungen der Ge-
schäftsjahre 2011 und 2012 zu bereinigen.
Aus der Analyse der bereinigten Vergangenheitsergebnisse zog
die Schlussfolgerung, die Planung WeiSe die not-
wendige Qualität auf; sie stellt somit für die Ermittlung eines ob:
jektivierten Unternehmenswertes eine geeignete Grundlage

dar, Die nach, der Bereinigung einer. Vielzahl: von Einzeleffekten

verbleibenden Werte zeigen einen durChschnittlichen Anstieg
der Unisatzerlöse in dem Zeitraum von 2011 bis 2013 um 2,3 %
mit unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Ge-
.schäftsfeldern. Im Bereibh CSP ergibt sich ein kumulierter Er-
lösrückgang vor allem aus dem Verlust umsatzstarker Verträge
mit.Fluggesellschaften - vor allem mit der DeutSche Lufthensa
AG und United/Continental. Der Verlust der Deutsche Lüfthan-
sa AG als Kundin der Inflight Productiöns Ltd wirkte sich von
2011 auf 2012 mit einem Umsatzrückgang in Höhe von Euro 2,5
Mio. aus. Bei United/Continentäl Airlines zog der Verlust im
Jahr 2012 einen Umsatirückgang in Höhe von 'Euro 10 Mio. nach
sich. Zudem verlor die inflight Productions Ltd. samt Tochterge:
sellsChaften Oman Air als. Künden, was anteilig im Geschäfts-
jahr 2012 und im. gesamten Geschäftsjahr 2013 im Vergleich
zu 2011 mit" Mindereinnahmen von insgesamt Euro 3,1 Mio. zu Bu-
che schlug. _Ohne Akquisition von Tochtergesellschaften und
dadurch hinzu gewonnene Umsätze, die im.Augenblick där
Planungserstellung so nicht vorhersehbar waren, wären die
Umsatzzahlen sowohl -im Geschäftsjahr_ 2011 als auch im Ge-

schäftsjahr 2012 gesünken. Organisches Umsatzwachsturn
aufgrund von » nennenswerten Kündengewinnen ist , weder in
diesen Jahren noch im Jahr 2013. in dem Kundenverluste nicht
durch Akquisitionen ausgeglichen werden konnten, zu ver-
,
zeichnen gewesen. Dagegen konnte im Geschäftsfeld "Con-
tent" der Umsatz mehr als verdoppelt werden, wobei dies aller-
dings auch auf Akquisitionen beruhte.
Insgesamt aber kam der Abfindungsprüfer in seinem Bericht zu
der Erkenntnis, dass die Entwicklungen der einzelnen Ertrags-
und
.
Aufwandspositionerrin Saldo zu Plan-Ist-AbWeichungen im
EBIT in einem Umfang führten:, der nach seiner .Erfahrung alS
nicht unübliCh einnistufen ist. Der AbfindungsPrüfer wies zu-
dem bei seiner Anhörung darauf hio; dass es nach der Bereini-
gung einen klaren Trend mit stabilen Ergebnisgen gegeben ha-
be in Richtung auf eine Verbegserung des Ergebnisses; woben
sich dieser Trend dann auch in der Detailplanungsphase -ent
sprechend den Planannahmen der Gesellschaft fortgesetzt ha-
be.
.(b) Für die Durchführung einer saChgerechten Vergangenheitsana-
lyse musste keine gesonderte und dezidierte Untersuehung des
Marktanteils der Gesellschaft in den Jahren 2011 bis 2013 er-
folgen. In seiner ergänzenden Stellungnahme wies der Abfin-
dungsprüfer nämlich darauf hin, dass für den Markt der Bordun-
terhaltung keine von unabhängigen Marktforschungsinstituten
oder Verbänden 'erhobene- Daten zum Marktvolumen -oder zu
Marktanteilen ekistierten, sondern dass Angaben diesbezüglich
in den tageberichten auf Schätzungen der Gesellschaft, unab-
hängiger Berater' oder der Fluggesellschaften beruhten. Dies,
war auch die Basis für die AuSsage zu einem Marktanteil der
Gesellschaft von jeweils rund 50 % in den Geschäftsjahren
2011 und 2012, während die unterjährige I3erichterstattung als

33
alleinige Informationsgrundlage hierfür keine Aussagen erhielt,
wobei es allerdings nach Auskunft des Prüfers keine Anhalts-
punkte für eine substantielle Veränderung gegeben- habe: Die
Akquisition zweier Tochtergesellschaften führte zwar zu einer
Überkompensation der Umsatzverluste aus dem vorhandenen
Geschäft in den Geschäftsjahren 2011 und 2012, ohne dass
dies eine nennenswerte Erhöhung des Marktanteils zur. Folge
gehabt haben. könnte:
Die Abweichungen zwischen den HoChrechnurigen für das Ge
.schäftsjahr 2013 .und dem tatsächlich nach Abschluss des Ge-:
Schäftsjahres ausgewiesenen Ist-Ergebnis führen nicht zur An-
nahme einer Ungeeignetheft, der Planungsstruktur: Die Abitei-
chüng zwischen der Hochrechnung und dem tatsächlichen `Er-
gebnis liegt per Saldo bei etwa 1,4 % dabei handelt es sich
um eine Grössenordnung, die angesichts der Unwägbarkeiten,
die mit einer selbst: in. die nähere Zukunft gerichteten Prognose
begriffsimmanent verbunden sind, hingenommen werden muss.
Es kam zudem im vierten Quartal des GeschäftSjahres 2013
teilweise zu erheblichen Wieatzsteigerungen wie beispielSwei:
se mit Qatar Airways, American Airlines und Emirates, die ihre
Ursache in der Steigerung von Plugbewegungen hatten. Ande-
rerseits gab es auch gegenläufige Entwicklungen mit den Kun-
den Cathay:Pacific/Dragonair, wo es-zu einem Umsatzeinbruch -.
kam:
(d) Die Berücksichtigung des Gewinnens neuer und. Verlierers be-
stehender Kunden ist zur Überzeugung der Kammer bei der
buttorn up erfolgenden Planung sachgerecht erfolgt. Dabei stellt
sich dieser Vorgang als normaleS Procedere dar. Wenn es kon-
krete HinweiSe auf das Gewinnen eines neuen oder das Verlie- '
ren eines bestehenden Kunden gab, wurden - die -Erbse wie
auch die Aufwendungen der kommenden -Geschäftsjahre auf

dieser Erkenntnisgrundlage. geplant. Zudem fliessen in die 'Pla-
nung aber auch noch nicht 'identifizierbare Neukunden derge-
stalt ein, dass in die Planannahmen ein "Puffer" aufgenommen
wird, dem allerdings noch keine konkretisierten Umsatzerlöse
gegenüberstanden. Dabei gab es bei den Gesellschaften der
Adyaneed Inflight Alliance AG keinen.isolierten Puffer, den man
ohne weiteres beziffern könnte, weil die planung buttom up er-
folgte und. .von den einzelnen Unternähmen bZw. Unterneh-
mensgruppen mit den -dort erwarteten Umsätzen ausgegangen
wurde. Da' die Gesellsehaft bZvy deren Techtergesellschaften.
einen relativ hohen Anteil an Litteatzerlösen mit vergleichswei-
se. wenigen Kunden erzielt, sind die abgeschloSsenen Verträge
eine geeignete Grundlage für die Planung, für die es einen Pla-
nungshorizont von rund 1 1 / 2 Jahren gibt, naphdeM die Laufzeit
der Verträge üblicherweise in einer Grössenordnung 'Zitisehen
zwei und drei Jahren liegt. Da die &imdung auf einerri stabilen
Fortbestand der Vertragsbasis aufbaut, führt der angenommene
Puffer tatSächlich zu zusätzlichem Geschäft.
Aus der beschleunigten Auflösung der Rückstellungen lässt
sich kein Rückschluss auf unzureichende Planansätze Ziehen.
Der Abfindungsprüfer hat sich mit diesem Sachverhalt einge-
. hend befasst und dargelegt, warum ein 'grösserer Umfang -ange-
bracht war... Daraus resultierte:rieben den anderen genannten
Aspekten eine Veränderung : der Ist-Zahlen gegenüber den
Planannahmen bzw. der Hochrechnung für: das Geschäftsjahr
2013. DieS wurde dem Abfindungsprüfer auch in den Aktualisie-
rungsgeSprächen erläutert, ohne dass sich daraus das Erfor-
dernis einer Plananpassung ergeben hätte. Zum einen fehlt es
an Auswirkungen auf die'Cash7Situation der Gesellschaft. Zum
anderen wirken sich die aus den Veränderungen der Rückstel-
lungen ergebenden Effekte infolge von Phasenverschiebungen
allenfalls beim Zinsergebnis marginal aus.

35
Die EBIT-Marge im Vergangenheitszeitraum für das Geschäfts-
feld "Content" wurde in dem Bewertungsgutachten von
nicht Widersprüchlich dargestellt. erläuterte bei
seiner Anhörung, dass die Unterschiede auf der Darstellung der
konzerninternen Geschäfte beruhen, die in - den Rücksteilurigen
auf Seite 57 und Seite 65.des BewertungSgutachtens einmal
berücksiChtigt wurden und-einmal unberücksichtigt blieben,
(g) Die angesetzte Dauer der DetailplanungsphaSe mit drei Jahren
von 2014 bis 2016 muss nicht korrigiert werden, auch wenn sie
.eher am .unteren Rand der üblichen Dauer angesetzt ist, die bei
drei bisfürif Jahren Hegt, wie der Kammer aus einer Vielzahl bei
ihr rechtshängig gewordener Spruchverfahren bekannt ist. Die
Frage, für welchen Zeitraum eine Unternehmensplanung erstellt
wird; stellt sich als eine unternehmerische Entscheidung des _
Vorstandes dar,_ die :insbesondere auch nicht dem Einfluss des
Vertragsprüfers unterliegt und auch vom Gericht nur einge-
schränkt überprüftwerden kann. Bei der Länge der Detallpla-
. nungsphase, die der Vorstand festlegt, ist zu berücksichtigen,
dass die Prognosegenauigkeit im Zeitablauf naturgemäss immer
weiter abnimmt -Lind folglich mit einer längeren Detailpianungs-'
phase kein Erkenntnisgewinn erwartet werden könnte. Dies gilt
hier vor allem auch deshalb, weil die Dauer der vertraglichen
Bindungen mit den Fluggesellschaften hier regelmässig bei niaL
xiMal drei Jahren liegt. Pemgemäss entspricht diese Dauer der
Detailplanungsphase durchaus auch dem Geschäftsmbdell: Am
Ende der Phase I sind demnach wahrscheinlich alle oder we-
nigstens sehr viele der bestehenden Verträge ausgelaufen.
Dann aber besteht eine hohe Prognoseungenauigkeit; ob -es zu
einer Erneuerung der Verträge mit den Fluggesellschaften
kommen wird oder nicht

Das Jahr 2014 durfte bereits als echtes Planjahr in die Planan-
nahmen einfliessen. Im Herbst 2013 wurde endgültig budgetiert
Lind die Hochrechnung als Basis für das Planjahr 2014 erstellt.
Im Rahmen der Aktualisierungsprüfung waren dann die be-
schriebenen Sondereffekte zu berücksichtigen, die in die Hoch-
rechnung noch nicht einfliessen konnten. Auch wenn angesichts
gültiger Verträge zunächst gut prognostiziert werden kann;
bleibt das Jahr 2014 daS erste Planjahr, zumal zum. Stichtag
der Hauptversammlung noch nicht einmal 1/6 des Jahres ver-
gangen war.
(2) Die Planung der UmsatzerlöSe muss angesichts ihrer Plausibilität
nicht verändert werden.
(a). In der Entwicklung der Umsatzzahlen kann kein Widerspruch zu
den Ist-Zahlen des Jahres 2013 gesehen werden: Auch in der
Detailplanungsphase geht die -Planung von einem Umsatz-
wachstum aus, das sich lediglich langsamer ausweitet, aber
insgesamt nicht unerheblich über der Steigerungsrate der Jahre
der Vergangenheitsanalyse mit einer durchschnittlichen jährli-
chen Wachstumsrate von 2,3 % liegt. Dabei lässt sich eine zu
pessimistische Planung gerade nicht aus dem erwarteten stei-
'genden Passagieraufkommen ableiten. Dieses ist nämlich ge-
rade nicht, identisch mit dem Geschäft der Advanced Inflight Al-
liance AG, vielmehr resultiert der Anstieg der Umsatzerlöse in
einem Volumen von dürchschnittlich 7,5 % p.a. vor allem aus
den FLUgbewegungen als Treiber: Das Passagieraufkommen
spielt demgegenüber für die Phase I - ebenSo wie,in der Ewi-
gen Rente - keine zentrale Rolle. Etwas anderes lässt sich in
Bezug auf die Plausibilität der Planannahmen auch nicht aus,
den Prognosen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raum-
fahrt und der internationalen Luftverkehrs-Vereinigung IATA ab-

leiten, nachdem sich die von diesen beiden Institutionen publi-
zierten Zahlen auf Passagiere oder Passagierkilometer bezie-
hen, die für das Geschäftsmodell der Gesellschaft unbeachtlich
sind. Wesentlich ist der Trend der Flugbewegungen, der dann
aber auch mit einem Anstieg in der Planung abgebildet und be-
rücksichtigt ist. Eine lineare Ableitung der Margen, die die Ge-
sellschaft aus der Anzahl prognostizierter Kilometer erwirtschaf-
ten kann, ist nicht zulässig.
Das unterschiedliche Wachstum der Gesellschaft in einzelnen
Regionen floss in die Planung ein und wurde dort unter Beach-
tung des Einflusses auf die Geschäfte der Gesellschaft gerade
in den Märkten dargestellt,-in denen sie besonders vertreten ist.
Dabei wurden bekannte grössere Verträge eingepreist, wobei
auch budgetiert war, inwieweit ein höhereS oder geringeres
Wachstüm in den jeweiligen Verträgen zu erwarten war. -Dabei
war auch die Entwicklung in den Schwellenländern nicht in zu
geringem Ausmass in die Planannahmen eingeflossen. Auch
hier muss nämlich,gesehen werden, dass die Planung sowohl
bereits vorhandene als auch künftige Verträge berücksichtigt.
Ein höheres Potenzial kann auch diesbezüglich in Überein-
stimmung mit den Erläuterungen von nicht an-
genommen werden.
(b) Ein höheres Wachstum der Umsätze lässt sich, auch nicht aus
der ErWägung heraus ableiten, dass die Gesellschaft Marktfüh-
rer ist und der Durchschnitt des Wachstums bei 6,65 % p.a. bis
2016 liege. Aus der Stellung als Marktführer lässt sich nicht au-
tomatisch eine Preissetzungskompetenz ableiten, weil der Ge-
sellschaft mit den Fluggesellschaften starke Verhandlungs7
partner gegenübersitzen. Dabei muss beachtet werden, dass
die Gesellschaft eine begrenzte Zahl von potenziellen Ver-
tragspartnern hat, nachdem der relevante Markt aus insgesamt

etwa 100 Fluggesellschaften besteht. Seitens 'der Luftfahrtun-
ternehmen kann dann ein erheblicher Druck auf Zulieferer aus-
geübt werden, wobei dies gerade dann gilt, wenn diese höhere
'Margen erzielen als die Luftfahrtgesellschaft. Diese Entwicklung
ist der Kammer auch aus anderen Spruchverfahren bekannt,
wonach Zulieferer bei den Preisen einem erheblichen Druck
ausgesetzt sind, wenn es nur einen begrenzten Markt vor allem
auch an starken Abnehmern ihrer Produkte -'gibt. Mengen-
wachstum führt deshalb nicht zwingend zu
. einem Umsatz-
wachstum in derselben Höhe.
Ebenso wenig kann zur Überzeugung der Kammer davon aus-
gegangen werden, die Planung berücksichtige zu wenig das Er-
tragspotenzial der Luftfahrtunternehmen, die sich durch gute
Bordunterhaltung Wettbewerbsvorteile . verschaffen wollten.
Auch wenn Anbieter mit beSonders guten Projekten diesen
Umstand preissetzungsrnässig theoretisch vermarkten könnten,
steht dem. die ÜlDerlegung entgegen, dass sich die Airlines kei-
ne Preise diktieren lassen. Zudem gibt es neben dem Marktfüh-
rer Advanced lnflight Alliance AG samt Tochtergesellschaften
mit' Spafax%Inc., London einen weiteren grossen Wettbewerber
und auch weitere kleinere Gesellschaften, die im Wettbewerb
zur Gesellschaft stehen. Dies verhindert, dass die Advanced In-
flight Alliance AG einen entsprechenden Preisdruck auf die
Luftfahrtunternehmen ausüben kann. Auf längere Sicht muss in
diesem Zusammenhang der Eintritt weiterer Wettbewerber in
den Markt ebenso beachtet werden wie die sich ändernden In-
halte der Bordunterhaltung, die zudem - wie' das Beispiel der
DeutSchen Lufthansa AG zeigt - auch von den Fluglinien selbst
erstellt werden und dann nicht mehr teuer hinzugekauft werden
müssen. -

(c)
Ein zu pessimistischer Ansatz der Umsatzerlöse läSst sich nicht
aus dem Ansatz des Markteintritts neuer Wettbewerber ablei-
ten. Regulatorische Anforderungen im Zusammenhang mit
Vorgaben zur Gewährleistung der Luftverkehrssicherheit treffen
alle Wettbewerber in gleicher Weise. Für den Markteintritt be-
darf es keinen hohen Kapitalstocks, weshalb entsprechend den
Ausführungen von im Termin vom 30.4.2015
keine hohen Markteintrittsbarrieren angenommen werden kön-
nen. Folglich konnte die Planung auch den Umstand des Auf-
tretens neuer Wettbewerber berücksichtigen.
(d) Soweit die Antragsteller zu 49) biS 51) auf die Gewinnung von
zwölf neuen Fluglinien im Bereich "Content" und dem Ausbau
bestehender- Kundenbeziehungen wie beispielSweise mit Air
Singäpore und Air China hinweisen und sich zur Untermaue-
rung auf Äusserungen des Chief Executive öffiders der
am 8.8.2015 stützen, steht dies nicht
in Widerspruch zu den Planannahmen der Gesellschaft. Der
Abfindungsprüfer hatte nämlich erläutert, dass und wie die Pla-
nUng der Akquise neuer Kunden in die Umsatzplanung einge-
flossen sei, Das Marktwachstum spiegelt sich in den Planzah-
len wider; Neukunden wurden - soweit bekannt L- konkret und -
ansonsten pauschal berücksichtigt. Abgesehen davon kann an-
gesichts des massgeblichen Stichtagsprinzips aus Äusserungen,
die knapp 1 % Jahre nach dem massgeblichen Stichtag erfolg-
ten und denigemäss auch neue Entwicklungen berücksichtigten,:
nicht darauf geschlossen werden, dass die Erkenntnisse zum
Stichtag der Hauptversammlung 'in unzureichender Form bei
der Planung berücksichtigt worden seien.
Aus dem Geschäftsbericht der
wie er für das Jahr 2014 mit Umsatzerlösen für den Bereich
"Content" angegeben wurde, kann ein Widerspruch zu den

Planzahlen und daraus resultierende mangelnde Plausibilität
nicht abgeleitet werden. Hiergegen spricht bereits der Zeitpunkt
der Aufstellung des Konzernabschlusses des Mutterkonzerns
mehr als ein Jahr nach dem 'Bewertungsstichtag. Alleine aus
einer anderen Entwicklung aus der Sicht ex pos'( kann nicht
zwingend auf die fehlende .Plausibilität der ex ante aufzustel-
lenden Planung geschlossen werden. Vor allem aber sind in
den Konzernabschluss Erlöse eingeflossen, die von anderen
Konzerngesellschaften stammen; der Mehrerlös von US-$ 36,5
Mio. entfällt gerade nicht vollständig auf die zum (Unter-
)Konzern der Advanced Inflight Alliance AG' gehörenden Ge-
sellschaften. Auch unterscheidet sich die Segmentierung in den
Konzernabschlüssen bzw. der hier massgeblichen Planung der
Gesellschaften des Advanced Inflight Alliance-Konzerns von
derjenigen im Konzernabschluss der
weshalb wegen der nicht hinreichend gegebenen
Vergleichbarkeit ein RüCkschluss auf eine fehlerhafte, .unplau
sible Planung als unzulässig angesehen werden muss.
(e) -Die. Möglichkeit, in anderen Verkehrsmitteln Bordunterhaltung
einzubauen, musste nicht in stärkerem Masse berücksichtigt
werden. Der Abfindungsprüfer wies darauf hin, dass damit al-
lenfalls sehr geringe UmsatzerlöSe erzielt worden sein können,
weil ihm etwas anderes in Erinnerung' geblieben wäre: Die Ver-
fahrensbevollmächtigten der Antragsgegnerin wiesen hierzu er-
läuternd in nachvollziehbarer Weise darauf: hin, dass der Vor.-:
stand keinerlei Pläne zu einer Ausweitung seines Geschäfts auf
andere Verkehrswege als. den Luftverkehr hege. Eine derartige
Ausweitung hätte umfangreiche technologische Umrüstungen
sowie die Konzeption anderer -Lizenzverträge mit entsprechen-
dem Aufwand erforderlich gemacht: Wenn aber nach den von
den Verfahrensbevollmächtigten der Antragsgegnerin plausibel
wiedergegebenen Erläuterungen der AnsätZe der GeSellschaft

41
keinerlei Pläne zur Erweiterung auf andere Verkehrsträger be-
standen, können diese nach der Wurzeltheorie auch nicht be-
rücksichtigt werden. Bei der Ermittlung des Unternehmenswer-
tes sind nämlich entsprechend den Grundsätzen der Wur-
zeltheorie nur solche Faktoren zu berücksichtigen, die zu den
am Stichtag herrschenden Verhältnissen bereits angelegt wa-
ren (vgl. nur BGHZ 138, 136, 140; 140, 35, 38; OLG ,München
AG 2015, 508, 511 = ZIP 2015, 1166, 1169; OLG' Düsseldorf
WM 2009, 2220,.2224; OLG Stuttgart NZG 2007, 478, 479.; AG
2008, 510, 514; LG München I, Urteil vom 181.2013, Az. 5HK
0 23928/09; Beschluss vom 24.5.2013; Beschluss vom
28.3.2014, Az. 5HK 0 18925/08; Beschlussvom 28.5.2014, Az.
5 HK 0 22657/12, S. 74; Beschluss vom 6.3.2015, Az. 5HK 0
662/13; Riegger in:- Kölner Kommentar zum AktG, 3. Aufl., Anh
§ 11 SpruchG Rdn. 1(X Riegger/Wasmann in: Festschrift - für
Goette, 2011, S. 433, 435; Grossfeld, . Recht der Unternehmens-:
.

bewertung, 7.. Aufl., Rdn. 315): Davon kann aus den genannten
Gründen fehlender Erweiterungsabsichten nicht 'ausgegangen
werden,
(f) Einen Widerspruch zur äesartitentwicklung in der Luftfahrt-
branche vermag die Kammer nicht zu erkennen, auch wenn die
Entwicklung der Fluggesellsähaften von hoher Bedeutung für
einen Zulieferer wie die Advanced Inflight.Alliance AG ist. Eine
lineare Entwicklung der Märkte der Airlines und des Marktes
"Inflight Entertainment" kann allerdings nicht angenommen
werden. Dies stünde nämlich nicht in Einklang mit den Beson-
,derheiten des Geschäftsmodells der Advanced Inflight Alliance
AG samt ihrer Tochtergesellschaften. Nicht. bei jeder Fluglinie
und für jedes Flugzeug gibt es ein entsprechendes Angebot
und eine 'entsprechende Aüsstattung. Die Konzerngesellschaf-
ten der Advanced Inflight Alliance AG kordentrieren sich vor al-
lem auf die Premium-Airlines sowie Mittel-'und Langstrecken-

flöge. In der Detailplanungsphase beruhen WachStumseffekte
aber auch auf dem künftigen Einsatz in kleineren Flugzeugen
und auf kürzeren Flügen. Allerdings gilt auch hier, dass dem
'Treiber zunehmender Flugbewegungen der Preisdruck auf die
Zulieferer entgegenschlägt, der seine Ursache in einer geringen
und vor allem stark schwankenden. Profitabilität der Luftver-
kehrsgesellschaften hat, worauf der Abfindungsprüfer deutlich
hingewiesen hat. Die Nachholeffekte bei kleineren Maschinen
und kürzeren Flugzeiten spiegeln sich gerade in der sehr positi-
ven. Entwicklung der Umsatzzahlen der DTI Software Inc. mit
der WISE-Technologiewider, bei der in der Detailplanungspha-
se mit einem 'durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum
von 12,5 % gereöhnet wird.
Positive und negative Effekte Werden sich im Saldo voraus-
sichtlich so entwickeln wie die Anzahl der Flugbewegungen. Al-
lerdings muss durchaus gesehen werden, dass Produkte zum
Teil in geringerem Umfang als bisher angeboten werden. So
geht die Tendenz sehr wohl in Richtung auf die Endgeräte der
Passagiere, auch wenn dies nicht das Hauptgesähäft der Ge-
sellschaft sein wird, nachdem es, nach den Ausführungen des
Abfindungsprüfers auch in grösseren Maschinen weiterhin bord-
eigene UnterhaltungSgeräte geben wird.
(g) Aus der Presseerklärung von Auctus Capital Partners aus dem
Jahr 2011 kann kein Rückschluss auf-eine unplausible Planung
gezogen werden. Dies zeigt sich bereits daran, dass sie zu ei-
.
nem Zeitpunkt von mehr als zwei Jahren vor dem Stichtag der
Hauptversammlung veröffentlicht wurde; andererseits steht sie
aber auch nicht in Widerspruch zu den Planannahmen, bei de-
nen gerade keine Verschlechterung eintreten söll.

' (h) Die Kammer hat keinen Anhaltspunkt dafür, die Planung ver-
nachlässige die Folge des Verdrängens von kleineren Wettbe-
werbern mit der Konsequenz einer unzureichenden Berücksich-
ligung daraus resultierender Preiserhöhungen.. Angesichts der
bereits geschilderten fehlenden Preissetzungsmacht auch für
einen Matktführer kann nicht davon ausgegangen werden, das
Verdrängen von Wettbewerbern, werde zu. einer Preisset-
zungsmacht führen: Zudem muss nach den Erläutörungen
durch den Abfindungsprüfer im Gegenteil die Gefahr des Ein-
tritts neuer Wettbewerber gesehen werden.
(i) Soweit es um die Planung der IFE Alliance Licensing GmbH
geht, musste eine Offenlegung im Detail nicht erfolgen. Eine
Anordnung der Vorlage der entsprechenden Unterlagen durch
das Gericht war auch unter Berücksichtigung des in §§ 17 Abs.
1 SpruchG, 26 FamFG normierten Amterrnittlungsgrundsatzes
nicht geboten. Mit einer Übermittlung würden Geschäftsges:
heimnisse preisgegeben, weshalb insbesondere auch § 7 Abs.
7 Satz 1 SpruchG nicht zu einer Vorlageanordnung verpflichtet.
Die Antragsgegnerin hat für die Kammer nachvogehbar vorge-
tragen, dass in der Detailplanung Betriebsgeheimnisse und ver-
trauliche Informationen über die Finanzplanung 'enthalten sind,
was zudem für die Planung der Advanced Inflight Alliance AG
insgesamt' gilt. Details von Vertragsgestaltungen im Geschäfts-
bereich "Content", also dem Handel mit Filnirechten, in dem
auch die IFE Alliance Licensing GmbH ihren Beitrag zum Un-
ternehmenserfolg leistet, und strategische Überlegungen zur
Finanzplanung lassen Rückschlüsse auf. Details der Tätigkeit in
einem nicht unerheblichen Geschäftszweig der Gesellschaft zu,
wobei dies insbeSondere auch für Rückschlüsse auf die Kalku- .
lation der Preise gilt.
Eine Übermittlung dieser Information ausschliesslibh an die
Kammer oder gar nur den Vorsitzenden ist nicht möglich, weil

44
dieser Vorgehensweise grundlegenCle rechtsstaatliche Beden-
ken entgegenstehen. Die Antragsteller haben entsprechend
dem in Art. 20 Abs. 3 GG verankerten Rechtsstaatsgrundsatz
einen Anspruch darauf, dass nur solche Tatsachen zur Grund-
lage einer gerichtlichen Entscheidung gemacht werden, zu de-
nen sie sich äussern konnten, ihnen also auch rechtliches Gehör
im Sinne des Art. 103 Abs. 1 GG gewährt wurde (vgl. Puszka-
jler in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn.
76). Dies wäre dann nicht der Fall, wenn das Gericht Exklusi-
verkenntnisse erlangt, wobei es letztlich keinen Unterschied
machen kann, ob diese zugunsten oder zulasten der Antrag-
steller verwertet würden. Vorliegend muss zudem berücksichtigt
werden, dass die Aktionäre in dem. Bewertungsgutachten von
wie auch im Prüfungsbericht von- einge-
hende Informationen zu den Grundstrukturen der Planung er-
hielten; dabei muss insbesondere berücksichtigt werden, dass
im Geschäftsbereich "Content" der Hauptumsatzbringer gerade
nicht die IFE Alliance Licensing GmbH, sondern die Entertain-
ment in Motion Inc. ist, und dass die Umsatzerlöse extern und
innerbetrieblich zusammengefasst werden konnten, wobei die
durchschnittliche jährliche Wachstumsrate mit 4,2 % ausgewie-
sen wurde. Die IFE Alliance Licensing GmbH als zentrale Ein-
kaufsgesellschaft kann nur mittelbar zu den Umsatzerlösen und
Gewinnmargen beitragen - andererSeits können gerade aus
Einzelheiten der Einkaufspolitik Rückschlüsse auf die interne
Preisgestaltung zulassen. Dann aber kann nicht davon ausge-
gangen werden, nur mit der Kenntnis weiterer Details, die dann
aber Rückschlüsse auf die geheim zu haltende Geschäftsstra-
tegie zuliessen, könnten die Antragsteller sachgerecht vorgehen
und insbesondere hinreichend bestimmte Rügen gegen die An-
gemessenheit der Planung erheben. In dieser Situation muss.
das Interesse der Gesellschaft an der Geheimhaltung überwie-
gen. Ein "in-camera-Verfahren", wie es beispielsweise in § 99

VwGO mit der Vorlage von Unterlagen ausschliesslich an ein
Gericht vorgesehen ist, kann nur der Gesetzgeber ano- rdnen
(vgl. OVG Münster, Urteil vom 1.4.2014, Az. 8 A 654/12), was
indes im Fall des § 7 Abs. 7 SpruchG so nicht vorgesehen wur-
de.
(3) Die AnSätze zur Aufwandsplanung müssen als plausibel bezeichnet
werden.
(a) Die Annahmen zur Entwicklung des Personalaufwands bedür-
fen keiner Korrektur, weil dieser Kostenpunkt plausibel geplant
wurde. Der Anstieg der Personalkosten im Bereich CSP, der
mit 11,9 % über dem angesetzten Umsatzwachstum liegt, hat
seine Ursache nach den Erläuterungen von in
entsprechenden Aufsdhlägen auf die Personalkosten, die in
Kanada gemacht wurden, um Mitarbeiter halten zu können, die
wesentlich für die weitere Entwicklung der Gesellschaft sind.
Um. dieSes Ziel des Haltens von Mitarbeitern erreichen zu kön-
nen. sind höhere Gehaltszahlungen ein probates Mittel, auch
wenn dadürch absolut ein höherer Personalaufwand entsteht.
Dieser Anstieg des PersonalaufwandS im Segment CSP lässt
keinen Rückschluss auf .eine fehlende Plausibilität zu. Auch
wenn bei steigenden Umsätzen Effizienzsteigerungen erwartet
werden können, darf nicht ausser Acht gelassen werden, däss
entsprechend den Erläuterungen von im Termin
vom 30.4.2015 derartige Effizienzsteigerungen zum Teil wiede-
rum durch die steigenden Löhne und Gehälter kompensiert
werden. Zusätzlicher Einsatz -von Mitarbeitern unter Effizienz-
gesichtspunkten ist angesichts unterschiedlicher Qualitätsan-
forderungen an die Mitarbeiter nicht möglich, weshalb diese
nicht ohne weiteres aus anderen Zweigen abgezogen werden

können. Auch muss beachtet werden, dass nicht jedes Ge-
schäftsmodell Skaleneffekte aufweisen kann.
Ein Widerspruch zu dem tatsächlich zu erwartenden Ge-
haltstrend kann in dem überproportionalen Anstieg nicht gese-
hen werden, weil innerhalb des Advanced Inflight Alliance-
Konzerns nur vergleichsweise wenig Mitarbeiter in Deutschland
angestellt sind. Gehaltssteigerungen an den ausländischen
Standorten in einer Grössenordnung zwischen 4 % und 5 % sind
angesichts der dort zu beobachtenden positiveren Wirtschafts-
entwicklung nicht ungewöhnlich.
(b) Dem Anstieg .des Materialaufwands kann die Plausibilität nicht
abgesprochen werden.
(aa) Dabei kann von einer unzureichenden Berücksichtigung
von Kostendegressionseffekten nicht ausgegangen wer-
den. Derartige Effekte können beim Konzern der Advan-
ced Inflight Alliance AG nur über den Ansatz von Flat Ra-
tes erreicht werden, bei denen unabhängig von der Nut-
zungsdauer ein fixes Entgelt an die Lizenzgeber entrichtet
wird. Der Abfindungsprüfer war sich sicher, dass dies in
der Planung enthalten war, während er weitere Kostende-
gressionseffekte nicht erkennen konnte.
(bb) Ebenso flossen die sich aus der beschleunigten Auflösung
von Rückstellungen ergebenden Effekte in die Berech-
nung der Gesellschaft ein, wobei im Rahmen der Aktuali-
sierung zum Stichtag der Hauptversammlung die Auswir-
kungen der weiteren vorgenommenen Änderungen eben-
falls analysiert wurde, wie der Abfindungsprüfer in seiner
ergänzenden Stellungnahme vom 2.6.2015 eingehend
dargestellt hat Dabei geht es in erster Linie uni die Rück-

stellungen für Lieferantenrechnungen in den Unternehmen
der IFP Prodüction Ltd. Grüppe. Diese buchen parallel zur
Erfassung der zugehörigen Umsatzerlöse die selbst ent-
sprechend der Verträge errechneten Aufwendungen für
Lizenzgebühren, im Wesentlichen gegenüber der Filmin-
dustrie. In der Vergangenheit erfolgten die Buchungen
weitgehend manuell; nach Ablauf von, sechs Jahren wur-
den die verbleibenden, im Konzernabschluss unter den
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ausge-
wiesenen Rückstellungen als Ertrag gegen den Material-
aufwand aufgelöst. Demgemäss wurden in den Geschäfts-
jahren von 2008 bis 2012 Rückstellungen in Höhe von
jährlich GBP 303.000,-- bis GBP 862.000,-- aufwandsmin-
dernd aufgelöst. Mit Hilfe eines WirtschaftSprüfers nahm
die Unternehmensleitung im Jahr 2013 aufgrund verbes-
'seer Datenqualität eine detailliertere- Analyse des Zu: :
stands der Rückstellungen und der. Verbrauchsablaufmus-
ter vor, die zu der Erkenntnis zu hoch, angesetzter Rück-
stellungen führte. Daraus resultierte die sachlich gebotene
Änderung der Methodik, wonach künftig alle noch nicht
verbrauchten Rückstellungen, bei denen die Leistung
mehr als zwei Jahre zurückliegt, im dritten Jähr vollständig
aufzulösen war. Zudem wurden die Rückstellungen aus
den beiden letzten Geschäftsjahren, die noch nach 'der
bisherigen Methodik gebildet worden waren, um 20 %
vermindert. Darauf aufbauend ergab :sich in der Hoch
rechnung für das Jahr 2013 eine zusätzliche, also be-
schleunigte Auflösung von Rückstellungen in einem Um-
fang von umgerechnet Euro 2,342. Mio.; für . die Planjahre
2014 bis 2016 resultierte daraus eine weitere Auflösung.
von Rückstellungen in Höhe von Euro 1102 Mio., Euro 952.000,-
- sowie von Euro 1,17 Mio., .die in der Planungsrechnung

(d)
48
ebenso wie im Rahmen der Aktualisierungsprüfung be-
rüCksichtigt wurden.
Danach zeigt sich, dass der Materialaufwand absolut nied-
riger liegt als ohne die beschleunigte Auflösung der Rück-..
stelluhgen und dementsprechend die Materialaufwands-
quote entsprechend niedriger ausfällt. in der ergähzenden
Stellungnahme verwies der Abfindungsprüfer auch auf die
von den Bewertungsgutachtern vorgenommenen Bereini
-gungen im Rahmen der Vergangenheitsanalyse, indem
sie die Materialaufwandsquote des Geschäftsjahres 2013
um die beschleunigte Auflösung von Rückstellungen be-
. reinigten, um auf diese Art und Weise eine Vergleichbar-
keit herzustellen. Dabei zeigte sich ein Bruch zwischen
dem Gesähäftsjahr 2012 mit einer MaterialaufwandsqUote
von noch 61,6 % und der Hochrechnung für das Jahr 2013
mit ,einer unbereinigten. Materialaufwandsquote von 57 %..
Aber auch die auf bereinigter Basis sich ergebende Quote
liegt für das _Hochrechnungsjahr 2013 mit 58;8 % noch
deutlich unter der der Vorjahre. Dies ist auf operative Ver-
besserungen zurückzuführen, wobei die Materialauf-
wandsquote in den Jahren der Detailplanungsphase rück-
läufig geplant wurde. Aufgrund des 'Vorzieheffekts erfolgte
dies auf höherem Niveau allerdings mit einem nur als
geringfügig zu bezeichnenden Barwerteffekt.
(c) Eine Bereinigung der Kosten um die für den Squeeze out ange-
fallenen Aufwendungen war nicht geboten, weil diese von der
Antragsgegnerin getragen wurden und folglich-auch nicht in der
Planungsrechnung 'enthalten gewesen sein können.
Die Annahmen zu den steigend geplanten sonstigen betriebli-
chen Aufwendungen müssen nicht angepasst werden, weil die-
.

se Ansätze plausibel sind. Sie entwickeln sich in etwa gleichlau-
fend mit den Umsatzerlösen. pie Quote der sonstigen betriebli-
chen Aufwendungen bleibt stabil bei ca. 3,5 % und liegt insge-
samt unter den Werten des Vergangenheitszeitraums; in der sie
bei 4,4 %, 3,6 % bzw. 3,9 % lag. Dies zeigt dann aber auch,
dass Kostendegressionseffekte berücksichtigt worden sein
müssen. Insgesamt kann bei den im Rahmen der sonstigen be-
trieblichen Aufwendungen erfassten Aufwendungen für Wer-
bemassnahmen nicht vernachlässigt werden, dass selbst zum
Halten von Marktanteilen erhebliche Aufwendungen erbracht
werden müssen.
(e) Sachgerecht erfolgte die Verkürzung der Abschreibungsdauer
bei der DTI Software Inc. von Zehn auf fünf. Jahre angesichts
einer nachvollziehbaren. Neueinschätzung der Nutzungsdauer:
❑ ie durchschnittliche Abschreibungsdauer der in n Unternehmen
genutzten Vermögensgegenstände hat sich nach den Erkennt
nissen des Abfindungsprüfers im Vergleich zur ursprünglich zu-
grunde gelegten Nutzungsdauer verringert. Gerade beim Ein-
satz von Apps bei der DTI Software Inc. muss angesichts der
technologischen Entwicklung eine Nutzungsdauer von fünf Jah-
ren auch -nach Einschätzung der Kammer als sehr viel realisti-
scher angesehen werden, als die ursprünglich angenommene
Spanne von zehn Jahren.
(f) Kein Korrekturbedarf besteht beim Zinsaufwand, der ungeach-
tet der aktuellen und bereits zum Zeitpunkt der Hauptversamm-
lung zu beobachtenden Niedrigzinsphase nicht zu hoch geplant
wurde. Der Zinsaufwand wurde nämlich aus den bestehenden
Darlehensverträgen - abgeleitet, bei denen zum Stichtag
31.12.2013 entsprechend der Hochrechnung ein durchschnittli-
cher Sollzinssatz von 4,7 % angesetzt wurde. Im Terminal Va-
lue erfolgte die Ermittlung des Zinsaufwands aus der fortgeführ-

ten Planung der finanziellen VerbindliChkeiten bei einem kon-
stanten durchschnittlichen Zinssätz, der aufbauend auf den be-
stehenden Verträgen mit 4,7 °/0 angesetzt wurde. Bei einem
Basiszinssatz von 2,75 % b±w. exakt 2,70 % kann ein Spread
von 200 Basispunkten auch nicht als aussergewöhnlich hoch
bezeichnet werden. Aus den durchschnittlichen Beständen der
sich aus der Finanibedarfsberechnung ergebenden - zinstra-
genden Verbindlichkeiten für die Jahre der Detailplanungspha-
se mit JahreklurchschnittsWerten von E.6,541 Mio., 7,903 Mi-
o. und E 9,048 Mio. wurde dann ein Zinsaufwand für diesen
Zeitraum in Höhe von 309.000,-, 373.000,-- und
427.000,-- abgeleitet.
Das Auslaufen eines höher verzinslichen Darlehkis in der De-
tailplanungsphase hat keinen Einfluss auf dän gesamten Zins-
aufwand, weil berücksichtigt werden muss; dass die erneute
Aufnahme vergleichbarer risikobehafteter. Mittel nur zu ebenfallS.
höheren Zinssätzen erfolgen. bzw_ die Ablösung der niedrig ver- .
zinslichen Verbindlichkeiten bei Entfallen der rangniedrigeren
Verbindlichkeiten nur zu einem höheren Zinssatz erfolgen kann.
Im Terminal Value wurde entsprechend der allgemeinen
Wachstumsrate für das Referenzjahr 2017 ein Durchschnitts-
bestand von Euro9,769 Mio: und ein Zinsaufwand von 461.000;
zugrunde gelegt.
(4) Die VVechselkursännahmen bedürfen keiner Korrektur; wie der Ab-
- :
findungsprüfer vor allem in seiner ergänzenden Stellungnahme erläu-
tert hat: Ein Korrekturbedarf lässt sich namentlich nicht aus der Er-
wägung heraus ableiten, der Euro häbe zum Stichtag der Häuptver-
sarnmlung seine Schwäche im Verhältnis zum US-Dollar bereits
überwunden; Die Aktualisierung der Wechselkurse macht keine
Plananpassung erforderlich. Die vier wichtigsten Fremdwährungen
machen am KonZernui -nsatz fast 97 % aus - gemessen am Anteil der

51
Umsatzerlöse der jeweils in ihrer Heimatwährunä berechneten Ein-
heit an dem in Euro umgerechneten Konzernumsatz. Die Aktualisie-
rung der in ihrer jeweiligen Heimatwährung berichtenden Gesell-
schaften führt zu einem zum Stichtag lediglich rund 0,5 % höheren
Umsatz im Vergleich zu 'einer Verwendung der Weehselkurse zum
31.8.2013. Diese Abweichung ist indes so marginal, dass daraus
kein Rückschluss auf die fehlende Plausibilität der Planannahmen
gemacht werden kann, wie sie dann letztlich der Planung zugrunde
gelegt wurden. Zudem müssen auch die zugehörigen Aufwendungen
der berichtenden Gesellschaften in Euro, weshalb insgesamt der Er-
gebniseffekt tatsächlich vernachlässigt werden kann:
Synergien mussten nicht berücksichtigt werden. Bei der Ermittlung
des Ertragswerts -im Zusammenhang mit aktienrechtlichen Struktur-
.
massnahmen finden angesichts des grundlegenden Stand-alone-
-
Prinzips nur solche Synergien oder Verbundeffekte Berücksichti-
gung, die auch ohne die geplante Strukturmassnahme durch Ge
sehäfte mit anderen Unternehmen hätten realisiert werden können
(vgl. OLG Stuttgart NZG 2000, 744, 745 f. = AG 2000, 428.,429; AG
2011, 420; BayObIG AG 1996, 127,128; LG München I,- BeschluSs
vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12; Beschluss vom 21.12.2015,
Az. 5HK 0 24402113; Zeidler in: Semler/Stengel, UmwG, 3. Aufl., § 9
- Rdn. 47). Gegen diese Grundsätze wurde nicht verstossen.
erläuterte im Termin vom 30.4.2015, keinerlei Anhalts-
punkte für das Vorliegen unechter. Synergien gefunden zu haben.
Dies 'begründete er für die Kammer überzeugend aus der Überle-
gung herauS, dass die übrigen Konzerngesellschaften ein anderes
Geschäft betrieben und die Advanced height Alliance AG für die'
Konzernobergesellschaft während
des Aufbaus von Verwaltungsstrukturen diese Funktion übernommen
hat und die Kosten' dann weiter berechnet hat. Wäre eine gemein-
(5)

same Verwaltung von vornherein effizienter gewesen, wäre dies, so
nicht aufgebaut worden.
Soweit es einen Leistungsaustausch
, zwischen dem
und dem Konzern der Advanced Inflight Alliance
AG gab, geschah dies zu marktüblichen Konditionen, was der Ab-
schlussprüfer entsprechend bestätigt hat. Diese Erkenntnis kann
vom Abfindungsprüfer im Rahmen einer aktienrechtlichen Struktur-
inassnahme zugrunde gelegt werden. Es gibt keine hinreichenden
Anhaltspunkte difür, dass der testierte Abschluss zum 31.12.2012
unzutreffend gewesen sein könnte, weshalb der Abfindungsprüfer
darauf aufbauen konnten und durften (vgl. hierzu auch OLG Mün-
chen, Beschluss vom 7.12.2012, Az.: 31 Wx 163/12: LG München I,
Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK 0 19183/09),
Die Aussagen im Verlauf einer Investorenkonferenz im NOvember
2012 seitens 'Verantwortlicher der
sowie die Bekanntgabe der Halbjahreszahlen ,2015 mit dem Hinweis,
das Wachstum im Geschäftsbereich "Cöntent" 'beruhe auf der erfolg-
reichen Realisierung von Synergien aus früheren Ankäufen rechtfer-
tigt keine . ändere Beurteilung. Bereits wegen des Stichtagsprinzips
verbieten sich zwingende Rückschlüsse auf die Annahme einer feh-
lerhaften Planung. Die Investorenkonferenz fand etwa 15 Monate vor
dem Bewertungsstichtag statt, während die Bekanntgabe der Halb-
jahreszahlen 2015 rund 18 Monate nach dem Stichtag .erfolgt. Prog-
nosen und Planannähmen können sich im Laufe der Zeit verändern
und müsSen an Veränderte Umstände angepasst werden, weshalb
die Erkenntnisse der Prüfer zum Fehlen unechter Synergien auf ei=
nem sehr viel- aktuelleren Planungsstand IDeruhten .als die Aussagen
auf der Investorenkonferenz vom November 2012. Der Halbjahresbe-
riCht reflektiert zwar die erfolgreiche Realisierung von Synergien. Da-
bei wird indes nicht ansatzweise deutlich, dass es sich um unechte
Synergiän gehandelt hat, die alleine angesichts des Stand alone-
Grundsatzes in die Planung. der Advanced lnflight Alliance AG ein-

53
fliessen dürfen. Gerade die Erfahrung macht deutlich, dass derartige
Synergien vielfach erst nach der Strukturmassnahme realisiert wer-
den und zum Zeitpunkt der Hauptversammlung gerade noch nicht in
der Wurzel angelegt waren. Auf Hoffnungen einer möglichen Reali-
sierung lässt sich eine Berücksichtigung nicht rechtfertigen, selbst
wenn sie sich nach dem Stidhtag realisiert haben sollten, weil sie
zum Ertragskraft der Stand alone zu bewertenden Gesellschaft
nichts beitragen.
(6) Die Ansätze im Terminal Value bedürfen keiner Korrektur, wobei dies
namentlich auch für die zugrunde gelegten Margen gilt.
(a)
Die Ausgangsannahmen für die Ableitung der Ewigen Rente er-
folgten sachgerecht. Dabei ,
konnte ein eingeschwungener Zu-
stand dadurch erreicht werden, dass die Marge im Vergleich
zur 'Detailplanungsphase leicht reduziert wird. Ein derartiger
Gleichgewichtszustand liegt dann vor, wenn sich Vermögens-,.
Finani- und Ertragslage des Bewertungsobjektes: am Ende von
Phase I im sogenannten Gleichgewichts- oder Beharrungszu-
stand befinden und sich die zu kapitalisierenden Ergebnisses
annahmegemäss nicht mehr wesentlich verändern bzw. mit ei-
ner konstanten Rate, der mit dem Wachstumsabschlag im Kapi-
talisierungszinssatz Rechnung getragen wird, verändern. Dabei
zeichnet sich die Ewige Rente durch die Berücksichtigung lang-
fristiger Entwicklungstendenzen bei der Projektion der in der
Detailplanungsphase gewonnenen Erkenntnisse aus (vgl. OLG
Stuttgart, Beschluss Vom 14.9.2011, Az. 20 W 7/08 - zit. nach
juris; Simon/Leverkus in: Simon, SpruchG, 1. Aufl., Anh. § 11
Rdn. 72; Paulsen in: Münchener Kommentar zum AktG, 4.
Aufl., § 305 Rdn. 97).
Dabei musste nicht zwingend auf den Margenannahnnen des
letzten Jahres der Detailplanungsphase aufgebaut werden;
vielmehr konnte das EBITDA normalisiert werden. Die Detail-

planungsphase, in der EBITDA-Margen von 15,7 %, 15,8 %
und 16,5 % erwarten wurden, zeichnet sich im Vergleich zu den
Jahren der Vergangenheitsanalyse durch ein deutlich stärkeres
Wachstum aus als im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013 be-
reinigt erzielt werden konnte; ,in diesen drei Jahren lag die be-
reinigte EBITDA-Marge bei 11,8 %, 11,6 % und 13,7 %. Nach-
haltig können die hohen Margen der Phase I nicht herangezo-
gen werden. Das Bewertungsgutachten von dessen Rich-
tigkeit diesbezüglich im Rahmen seiner Anhörung
ausdrücklich bestätigt hat, verweist auf die Marktführerschaft
mit über 50 % Anteil am Markt des lnflight Entertainment, wo-
raus langfristig ein nur mehr geringes Umsatzwachstum' erwar-
tet werden kann. Der Margendruck der Fluggesellschaften, dem
diese unterliegen, wird an Lieferanten wie die Advanced Inflight
Alliance AG samt deren TochtergesellSchaften Weitergegeben.
Deshalb ist im klassischen Kerngeschäft des Konzerns mit ei7
neni weiteren Preisrückgang zu rechnen, der nur über ein
nicht unbegrenzt mögliches = Mengenwachstum . ausgeglichen
werden kann: Nicht zu vernachlässigen ist weiterhin, dass infol-
ge .neuer Technologien und dem bereits zu beobachtenden -
Trend zur Nutzung eigener Endgeräte ein Rüdkgang des von
den Filmgesellschaften bezogenen Bordunterhaltungspro:
gramms zu erwarten ist. Bei dem nachhaltigen EBITDA musste
berücksichtigt werden, dass die Margen der Planung im Ge-
schäftsfeld CSP in Relation zu den Vergangenheitswerten zu-
treffenderweise als ambitioniert einzustufen waren. Die Ursache
für diese Ansätze liegen in einer deutlichen Verbesserung von
Lizenzierungsmöglichkeiten sowie den Annahmen zur Umsatz-
und Margenentwicklung der neuen Technologie, deren erstma-
liger Einsatz im ersten Planjahr 2014 angestrebt ist. Aktuell
kann die Gesellschaft höhere Margen vor allem im Bereich
"Spiele" erzielen, weil sie dort mit über 90 % Marktanteil prak-
tisch über eine Monopolstellung verfügt. Weit überdurChschnitt-

iiche EBITDA-Margen im Detailplanungszeitraum sollen unter
Einsatz neuer Technologien von der DT1-Gruppe erwirtschaftet
werden, durch die Spiele. im Rahmen der Unterhaltung an Bord
'durch Spiele auf eigenen Endgeräten der Fluggäste ersetzt
werden können. Allerdings kann dies nicht nachhaltig zugrunde
gelegt werden, nachdem erwartet wird, dasS der DTI-Gruppe in
wenigen Jahren einer grösseren Konkurrenz durch neue Tech-
nologien ausgesetzt sein wird, durch die vorhandene Eintritts-
barrieren für Wettbewerber deutlich reduziert werden, weshalb
sich die DTl-Gruppe stärker in Richtung auf ein Softwareunter-
nehmen hin entwickeln wird. Demgemäss verwies der Prüfungs-
bericht auch auf die in der Softwarebranche durchschnittlich zu
erzielenden EBITDA-Margen. Folglich würde eine durchschnitt-
liche nachhaltig erzielbare EBITDA-Marge für die DTI-Gruppe
von 38,5 % berechnet -- ein Wert, der höher liegt als die von
dieser Gruppe in der Vergangenheit erzielte Marge. Hinsichtlich
der für den Ansatz im Terminal 'Value entscheidenden Ge-:
sämtmarge des Konzerns muss gesehen .werden; dass die Ge-
sellschaften der DTI-Gruppe 19,8 % der Umsatzerlöse lieferten
bei einem Anteil von etwa 1/5 kann daraus nicht geschlossen
werden, angesichts der Höhe der EBITDAWarge für die Ge-
sellschaften der DTI-Gruppe müsse die EBITDA-Marge des
Advanced 1nflight Alliance-Konzerns höher liegen als in dem
Bewertungsgutachten und im PrüfungSbericht angesetzt.
(b) Bei der nachhaltigen . Marge muss auch gesehen werden, dass
aus dem Bestehen exklusiver Lizenzbindungen kein Rübk-
schluss auf zu niedrig angesetzte Margen im Terminal Value
gezogen werden kann. Die Marktstellung aus bestehenden Li-
zenzen ist angesichts einer Laüfzeit von regelmässig bis zu drei
Jahren auch. nur für diesen Zeitraum gesichert; der durch-
schnittliche Zeitraum der Bindung ist sogar geringer. Nach Aus-
laufen der Lizenzverträge werden sie mit den Airlines neu aus-
.

geschrieben, weshalb auch Wettbewerber die Chance erhalten,
anstelle der Advanced Inflight Alliance AG bzw. deren Tochter-
gesellschaften Verträge abzuschliessen. Dabei kann nicht unbe-
rücksichtigt bleiben, dass der herkömmliche Markt für Bordun-
terhaltung ein reiferer Markt ist als der für neue Technologien,
bei dem die Markteintrittsbarrieren geringer sind und vor allem
auch Softwareunternehmen bessere Produkte schaffen können.
Demgemäss besteht die realistische Gefahr des Markteintritts
von Wettbewerbern auch aus anderen Industriezweigen. Wäh-
rend in der Detailplanungsphase die Effekte auf das Umsatz-
und Ergebnisniveau, durch WISE und Airside hinreichend be-
rücksichtigt wurden, ist es im Terminal Value nicht möglich, das
Niveau des letzten Jahres der Detailplanungsphase nachhaltig
aufrechtzuerhalten. Zudem ist es nachvollziehbar, wenn erheb-
liche Aufwendungen für Forschung und Entwicklung erforderlich
sein werden, um bestehende Vorteile halten zu können. Die
Aufwendungen, die in der jüngeren Vergangenheit für For- '
schung & Entwicklung entstanden und die in Phase I für diesen
Bereich angesetzt wurden, sind von ihrem Umfang her nicht
geeignet, nachhaltige Überrenditen. zu erwirtschaften. Sie müs-
sen fortgesetzt werden und mindern langfristig die erzielbaren
Margen. Daraus lässt sich indes nicht herleiten, dass aus dem
höheren Aufwand und der Fortschreibung bei WISE über den
Planungszeitraum hinaus höhere Wachstumsraten abzuleiten
seien. Zwar liegt dem Einsatz ein langfristiger Trend zugrunde.
Die Tochtergesellschaft , DTI Software Inc. entwickelte eine
Softwarelösung, wie man ohne bordeigenes Endgerät Borden-
tertainment auf von den Fassagieren mitgebrachten Geräten
wird betreiben können, was mittel- und langfristig die einzige
Möglichkeit der Bordunterhaltung bedeuten wird. Diese Techno-
logie führt allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum zu ei-
nem Zusatzwachstum; mittel- und langfristig muss sie aber als
Ersatz für bestehende Angebote angesehen werden, weshalb

der Ansatz einer niedrigeren EBITDA-Marge gerebhtfertigt ist.
ES stellt also gerade nicht nachhaltig ein dauerhaftes Plus dar,
sondern subsituiert vorhandenes Geschäft.
Angesichts dessen wurde für die all Software Inc. über einen
längerfristigen Zeitraum modelliert, wie die Umsatzerlöse des
konventionellen Kerngeschäfts abschmelzen und die Erlöse
aus neueren Technologien anwachsen werden. Die Marge des
konventionellen, alten Kerngeschäfts hat eine höhere Marge,
die aber in einem ersten Schritt ebenso sinken wird wie diejeni-
ge für die neue Technologie. Daraus ergibt sich in der Summe
dann aber eine sukzessive Reduzierung der Marge bei der DTI
Software Inc., wobei diese Reduktion über einen Zeitraum von
15 Jahren hinweg erfolgen Wird. Zur Bestimmung der Zielmarge
wurden dann die von Unternehmen aus def SoftWare-, Multi-
media- und Unterhaltungsbranche erzielten Margen herange-
zogen. Das Absinken der Marge bei der DTI Software Inc. hat
dann naturgemäss auch eine niedrigere Marge im Gesamtkon-
zern der Advanced_ Inflight Alliance AG zur Folge, nachdem die
DTI Software Inc. mit einer ambitionierten Margenplanung für
die neue Technologie über der Marge des Gesamtkonzerns lag.
Die genaue Entwicklung der Auswirkungen der Umstellung vor
allem auf die neue Technologie entsprechend der Kalkulation
und den Annahmen der Gesellschaft hat der Abfindungsprüfer
- aufbauend auf den dern'Gericht überlasSenen Unterlagen - in
seiner ergänzenden Stellungnahme vom 19.10.2015 als Artlage
2 nachgereicht.
Zudem beruht das Absinken der Marge im Terminal Value im
Vergleich zum letzten Planjahr aus der Reduktion der Marge
bei der IFP-Gruppe, nachdem im letzten Planjahr noch die Auf-
lösung von Rückstellungen enthalten war - dieser Effekt konnte
nachhaltig nicht mehr angesetzt werden.

Der Vergleich mit den von der Gesellschaft in der Vergangen-
heit erzielten EBITDA-Margen, die zwar von 16,5 % auf 13 %
sinken wird, liegt indes immer noch deutlich über den Werten
'der Vergangenheit, als die EBITDA-Marge unbereinigt bei 8,6
cYcl bzw. 11,2 % und nur in der Hochrechnung für 2013 mit 16,3
% über dem Wert der Ewigen Rente lag; der Durchschnitt die-
ser drei Jahre liegt bei rund 12 %.
(c)
Dem Ansatz für die Margen in der Ewigen Rente kann nicht die
Entwicklung der. Nettogewinne für alle Luftverkehrsunterneh-
Men von Euro 12,9 Mrd. auf Euro19,7 Mrd. in 2014 entsprechend den
Erkenntnissen der IATA entgegengehalten werden. Die Luftver-
kehrsbranche weist einen wellenförmigen Zyklus auf, weshalb
der soeben- beSchriebene Anstieg nicht perpetuiert werden
kann. Die Tendenz geht nach Auskunft von eher
in die Richtung, dass in dieser Branche über die Jahre hinweg
eher Geld verloren geht. Gerade deshalb wird von der Luftvers
kehrsindustrie erheblicher Druck auf die Zulieferunternehmen
ausgeübt.
(d) Die Ansätze einer sinkenden Marge durch den Einsatz der WI-
SE-Technologie steht nicht. in Widerspruch zu den .Planannah-
men in .der Detailplanungsphase, die durch den Einsatz dieser
Technologie getrieben waren. Zum einen muss bereits gesehen
werden, dass für die. Phase I eine konkrete Planung der Gesell-
schaft vorlag und das neue Geschäft für einen bestimmten Zeit- -
raum auch zusätzliche Umsatzerlöse nach sich ziehen und zu
höheren Margen führen soll. Dabei weist auch die GTI Software
Inc. mit einem Marktanteil von 90 % und einer faktischen Allein-
stellung eine höhere Marge auf, weshalb angesichts des
Wachstums in allen Bereichen auch das Ergebnis in Phase 1
stärker steigen muss: Langfristig muss es indes in Überein-
stimmung mit den Einschätzungen des Abfindungsprüfers. als

59
unwahrscheinlich angeSehen werden, dass die DTI Software
Inc. diese Marktposition wird halten können. Zudem muss bei
der Entwicklung der Margen berücksichtigt werden, dass es ei-
ne - auch in anderen Spruchverfahren angesprochene und da-
her dem Gericht gut bekannte - Entwidklung gibt, wonach Zu-
lieferunternehmen, die bessere Margen erzielen als der End-
produzent, mit der EntWicklung ihrer Margen unter Druck gera-
ten, weil der Abnähmer und Endproduzent nicht bereit ist zu
akzeptieren, dass in der Zulieferkette jedenfalls deutlich besse-
re Margen erwirtschaftet werden, weshalb erheblicher Druck
auf die Preispolitik der Zulieferer ausgeübt wird.
Eine doppelte Berücksichtigung von Risiken ist mit diesen An-
sätzen in der Detäilplapungsphase wie auch im Terminal Value
nicht verbunden. Die Planung geht, worauf ange-
sichts der Zahlen hingewiesen hat, sehr viel' eher von einem
best case- als von einem worst case-Szenario aus. Sie ist ge:
kennzeichnet durch Chancen und Risiken der Gesellschaft so-
wie durch die Stärken in ihrem 'Marktumfeld. Das Risiko der
Verfehlung von Planannahmen spiegelt sich dagegen im Risi-
käiuschlag wider und ist daher im Nenner des Bewertungskal-
küls anzusetzen.
(e) Nicht zu beanstanden ist der fehlende Ansatz des Materialauf-
wands in der Ewigen .Rente. Dieser kann begriffsnotwendig
nicht geplant werden, weil für den Zeitraum ab 2017 ff. eine
Planung der Gesellschaft gerade nicht mehr vorlag. Demgemäss
musste entsprechend den obigen Ausführungen die EWA-
Marge für diesen Zeitraum prognostiziert werden, die aus den
soeben angeführten Gründen sachgerecht ermittelt wurde.
(7) Hinsichtlich der Annahmen zur Thesaurierung bzw. zur Ausschüttung
der Jahresüberschüsse kann eine Änderung der hierzu in der Bewer-
tung getroffenen Überlegungen nicht vorgenommen werden. Dies gilt

sowohl hinsichtlich der Detailplanungsphase als auch der Ewigen
- Rente.
(a) Die Ansätze zur Thesaurierung und Ausschüttung der . Jahres-
überschüsse im Verlaufe der Detailplanungsphase entspricht
dem Unternehmenskonzept der Gesellschaft und kann daher
nicht in Frage gestellt werden. Es wird nämlich regelmässig da-
von ausgegangen, dass sich der Umfang der Ausschüttungen
bzw. Thesaurierung in der Planungsphase 1 an den konkreten
Planungen der Gesellschaft zu orientieren hat (vgl. nur LG
Mürfchen I, Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5 HK 0 17095/11, S.
37; Beschluss vorn 6.11.2013, Az. 5 HK 0,2665112; Beschluss
vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12).
Soweit namentlich der Antragstelfer zu 62) geltend macht; in
Phase [seien in den Jahren 2013 und_ 2014 keine Ausschüt-
tungen in die Planung eingeflössen beruhen diese Überlegun= _
gen offensichtlich auf einem - wenn auch nachvollziehbaren -
Versehen bei der Abfassung seines Schriftsatzes, was auch für
den Hinweis auf eine angekündigte Sonderausschüttüng in Hö-
he von Euro 7,50 je Aktie für Ende April 2014 gilt. Die Planung für
das Jahr 2014 ging ausweislich der Feststellungen im Bewer-
tungsgutachten und im Prüfungsbericht von einer Ausschüttung
in Höhe von Euro 2,503 Mio.. aus, Das Jahr 2013 ist zum einen
kein Planjähr, weil es zum Stichtag der Hauptversammlung be-
reits beendet war; zum anderen war auch in der Hochrechnung
für das Jahr 2013 eine Ausschüttung in Höhe von 15 % des
Jahresüberschusses angesetzt gewesen. Die Presseerklärung
vom 24.2.2014, auf die sich der Antragsteller bezüglich der
Sonderausschüttung beruft, stammt offensichtlich nicht von der .
Advanced lnflight Alliance AG, sondern - worauf auch die An-
tragsgegnerin in ihrer Erwiderung unwidersprochen hingewie-
sen hat - von einer anderen Gesellschaft.

Die in der Phase der Ewigen Rente angenommene Ausschüt-
tungsquote von 50 % bedarf keiner Korrektur. Sie liegt inner-
halb der Bandbreite der ermittelten Thesaurierungsquoten von
anderen Unternehmen. Da für den Terminal Value eine konkre- .
te Unternehmensplanung gerade nicht mehr vorliegt, ist es
sachgerecht, auf den Durchschnitt der. Marktteilnehmer abzu-
stellen (vgl.. OLG München AG 2015, 508, 511 = ZIP 2015,
1166, 1170; OLG Stuttgart AG 2011, 560, 563; LG München I,
Beschluss vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12; Beschluss
vom 29.8.2014, Az. 5HK 0 7455/13). Die ,:durchschnittliche
AussChüttungsquote bei den Aktiengesellschaften liegt zwi-
schen 40 und 60 %. Die vorliegend vorgesehene Ausschüt-
tungsquote von 50 % liegt innerhalb der Bandbreite, wie sie aus
einer Vielzahl von Spruchverfahren gerichtsbekannt angenom-
men wird.
Ein Abstellen auf den Durchschnitt der. 30 in den DAX aufge-'
nörnmenen Gesellschaften ist nicht angezeigt. Zum einen ist
das Ausschüttungsverhalten dieser. Unternehmen in den Jahren
ab 2004 sehr schwänkend und deckt vor allem nicht den Ge-
samtmarkt ab. Zum anderen gehörte die Advanced lnflight Alli-
ance AG nie zu den im DAX 30 verzeichneten Unternehmen.
Eine andere Ausschüttungsquote rechtfertigt sich auch -nicht
aus einem Vergleich mit den in die Peer Group aufgenomme-
nen .Unternehmen. Deren Ausschüttungsquoten bewegten sich
entsprechend den Ausführungen im Prüfungsbericht zwischen'
Werten von knapp unter 10 % biä teilweise über 100 % mit ei-
nem arithmetischen Mittel von 34 % Angesichts -dieser Unein-
heitlichkeit kann. nicht auf die Vergleichsunternehmen abgestellt
werden.

(c) Die ' Steuerbelastung thesaurierter Gewinne in Höhe von
13,1875 % - mithin des hälftigen Abgeltungssteuersatzes von
25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag - muss nicht korrigiert
werden.
Die Festlegung eines Steuersatzes bedarf typiSierender An-
nahmen. Aus empirischen Studien, die es wenigstens in den
Vereinigten Staaten von Amerika, wenn auch nicht für Deutsch-
land gibt, erkennt man eine Haltedauer zwischen 25 und 30
Jahren. Auch wenn diese lange Dauer entsprechend den Er-
kenntnissen der Kammer aus anderen Spruchverfahren mit der
Existenz von sehr langfristig engagierten Pensionsfonds zu-
sammenhängt und dies für Deutschland nicht zwingend sein
mag, kann es beim angesetzten Steuersatz bleiben. Dem lässt
sich insbesondere auch nicht die Regelung aus § 52 a Abs. 10
EStG entgegenhalten. Ohne eine typisierende Betrachtung lie-
sse sich närnlich ein einheitlicher Unternehmenswert nicht fest-
legen. Die Verwendung typisierter Steuersätze ist die notwen-
dige Folge der- Ermittlung eines objektivierten Unternehmens-
werts 'und folglich unvermeidbar. Es ist deshalb auch nicht zu
beanstanden, wenn eine inländische unbeschränkt steuerpflich-
tige natürliche Person als Anteilseigner angenommen wird:
Wenn für Stichtage nach dem 1.1.2009 im Rahmen der Ermitt-
lung der Zuflüsse an die Anteilseigner von der Besteuerung der
Veräusserungsgewinne auszugehen ist, im Einzelfall aber ein
Anteilsinhaber einen steuerfreien Veräusserungsgewinn haben
kann, so muss dies bei der notwendigen Typisierung ausser Be-
tracht bleiben (vgl. OLG München NJW-RR 2014, 473, 474; AG
2015, 508, 511f. = ZIP 2015, 1166, 1170; Beschluss vom
18.6.2014, Az. 3.1 Wx 390/13, S. 5; OLG Siuttgart AG 2013,
724, 728; AG 2014, 208, 211; Beschluss vom 18.12.2009, Az.
20 W 2108; LG München I, Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK
0 19183/09, S. 131; Beschluss vom 28.6.2013, Az. 5HK 0

63
18685111, S. 39 f.; Beschluss vorn 7.5.2014, Az. 5HK 0
21386/12, S. 40 f.; ; Beschluss vom 31,.7.2015, Az. 5HK 0
16371/13; Kunowski/Popp in: Peemöller, Praxishandbuch der ,
.Unternehmensbewertung, 6. Aufl., S. 1060 f.; in diese Richtung
auch Grossfeld, Recht der Unternehmensbewertung, a.a.O.,
Rdn. 488 ff., insbesondere 491).
Ein Abstellen auf die individuelle Haltedauer und die individuel-
len Steuersätze eines jeden _einzelnen Aktionärs - gegebenen-
falls auch mit Sitz im Ausland - würde eine Unternehmensbe-
wertung unmöglich machen, zumal die Gesellschaft über Inha
beraktien verfügt und folglich die Aktionäre nicht einmal, na-
mentlich bekanMt sind. Angesichts dessen ist die hier vorge-
nommene typisierende Betrachtungsunausweichlich.
Angesichts dieser' Überlegungen . ergeben sich folgende Nettoausschüt-
tungen:
NA Konzern
Ergebnis vor Zinsen und Steuern .
2014
TE
2015
TEuro
2016
TEuro
ab 2017
TE
(EBIT) 16.914 18.095 . 20.652 - 1.5.884
Zinsertrag 12 12 16 26
Zinsaufwand -309 -373 -427 -461
Ergebnis vor Steuern (EBT) 16.617 17.734 20.240 15.449
Unternehmenssteuern . -4.103 -5.184 -5.855, -4.617
Ergebnis nach Unternehmenssteuern 12:514 12.550 14.385 10.832
Thesaurierung - -10.011 -9.413 . -10.070 -5:416
Ausschüttung 2.503 3.138 4 7316 5.416
Persönliche Ertragsteuern -660 -828 ' -1.138 -1.428
Ausschüttung nach persönlichen
Ertragsteuern
1.843
.
2.310 3.177 3.988'
Fiktive Hinzurechnung von Thesau-
- rierung 10.011 9.413 . 10,070 - 5.416
Persönliche Ertragsteuer auf fiktive
Hinzurechnung -1.320 -1.241 -1.328 -714
Fiktive Zurechnung von Thesau-
rierung nach pers. Ertragsteuern 8.691 8.171 8.742 4.702
Veränderung "Net Debt" zum Erhalt
der nachhaltigen Verschuldungsquo-
te
97

zu diskontierene Nettoausschüt-
tüng 11.919 8.787
Der'Wert der Ausschüttungen muss nach der Ertragswertmethode mit
fe des KapitalisierungZinssatzes auf den Tag der Hauptversammlung ab-
gezinst werden. Mit Hilfe des KaPitalisierungs±inssatzes, der vorliegend im
Risikozuschlag einer Korrektur nach unten bedarf,- soll eine Beziehung
zwischen dem bewerteten Unternehmen und den anderen Kapitalanlage-
möglichkeiten hergestellt werden.
Zutreffend iSt der AusgangsPunkt bei der Ermittlung des. Kapitalisierungs-
.
Zinssatzes unter: Berücksichtigung perSönlicher Ertragsteuern in der Be-
wertUng durch die Antragsgegnerin. Da die finanziellen ÜberschOsse_aus

der alternativ am Kapitalmarkt zu tätigenden Anlage der persönlichen Er-
. . .
tragsbesteuerung der Unternehmenseigner unterliegen, ist der=Kapitalisie-
rungszinssatz unter Berücksichtigung der _persönlichen Steuerbelastung
e
zu ermitteln (vgl. OLG München NJW-RR 2014, 473, 474, AG 2007, 287;
296; zip 2066,1722, 1725; OLG Stuttgart AG 2007, 128, 134: OLG Karls-
_ ruhe AG-2013, 353, 355) -. Dabei ist im Rahmen der Unternehmensbewer-
tung
.
nach dem im Zeitpunkt der Hauptversammlung: Massgeblichen Steu-
.
erregirne der Abgeltungssteuer von einem Steuersatz' von 25 % entspre-
chend der gesetzlichen . Regelungen in §§ 43, 43 a Abs. 1 Nr. 1, 32
.
d Abs.
1 Satz 1 EStG auszugehen, der auch angesetzt wurde. Zudem ist der So-
lidaritätszuschlag zu. beachten, woraus sich dann ein Steuersatz von ,
26,375 %_erreChnet.
(1) Der Basisänssatz war unter Heranziehung der Zinsstrukturkurve der
. Deutschen Bündesbank auf 2,75 % vor Steuern und demgemäss 2,02
% nach. Steuern festzusetzen..
(a) Der Basiszinssatz bildet eine gegenüber der Investition in das
zu bewertende Unternehmen risikolose und laufzeitadäquate
Anlagemöglichkeit ab. Die Ermittlung des Basiszinssatzes an-

hand der Zinsstrukturkurve von Zerobonds quasi ohne Kredit-
/ ausfallrisiko kann methodisch nicht beanstandet werden. Es ist
nämlich betriebswirtschaftlich gefordert, dass der Kapitalisie-
Tungszinssatz für den zu kapitalisierenden Zählungsstrom hin-
, sichtlich Fristigkeit, Risiko und Besteuerung äquivalent sein
muss. Die Zinsstrukturkurve stellt den Zusammenhang zwi-
schen der VerzinSung und den Laufzeiten von dem Markt ge-
handelten Anleihen dar und gibt den Zusammenhang zwischen
Verzinsung bzw. Rendite einer Anleihe und deren Laufzeit wi-
der.. Die nach der sogenannten Svensson-Methode ermittelte
Zinsstrukturkurve bildet den laufzeitspezifischen Basiszinssatz
- .den sogenannten Zerobond-Zinssatz äb.. Sie ist in der
Rechtsprechung zu Recht weithin anerkannt (vgl. OLG Kartsru-
he, Beschluss vom -15:11.2012, Az. 12 W 66/06; OLG Frankfurt
NZG 20.12,.1382, 1383; 2013, 69, 70; OLG München ZIP 2009,
2339, 2341 = WM 2009, 1848, 1850; AG 2012, 749, 752 = Der
Konzern 2012, 561, 564. ; AG 2015, 508, 512 = ZIP 2015, 1166;
1170; Peemöller/Kunowski in Peemöller, Praxishandbudi der
Unternehmensbewertung, a.a.O., S. 323 f.). Nur dadurch kann
der. Grundsatz der Läufzeitäquivalenz verwirklicht werden. Die
Annahme, es müsse auf den zum Bewertungsstichtag aktuellen
Zinssatz .für langläufige Bundesanleihen abgeStellt werden,
übersieht, dass die Unternehmensbewertung auf die Ewigkeit
ausgelegt ist.
Zur Glättung
,
kurzfristiger Marktschwankungen kann dabei al-
lerdings nicht auf den stichtagsgenauen Basiszinssatz abge-
stellt werden; vielmehr errechnet sich der Basisiinssatz aus ei-
nem Drei-Monats-Durchschnitt, wobei der massgebliche Zeit-
raum hier von der Hauptversammlung auszugehen hat. Dies
ergibt sich aus dem Grundgedanken, dass die Barabfindung
gemäss § 327 b Abs. 1 Satz 1 AktG die Verhältnisse der Gesell-

66
schaft im Zeitpunkt der Beschlussfassung der Hauptversamm-
lung berücksichtigen muss.
Während der Prüfung ergab sich*für einen derartigen Zeitraum
ein Basiszinssatz von' 2,76 % vor Steuern entsprechend den
Angaben im Prüfungsbericht; die Antragsgegnerin verwies irr ih-
rer Erwiderung auf den massgeblichen stichtagsbezogenen Ba-
siszinssatz von 2,69 %, der dann auf den der Unternehmens-
wertung zugrunde gelegten Wert von 2,75 % aufgerundet wer-
den konnte. Gegen diese Rundung können grundlegende Be-
denken nicht angebracht werden. Die Verpflichtung:zur Zahlung
einer angemessenen Barabfindung, die dem vollen Wert der
Beteiligung entspricht, liegt ein einfach- wie auch verfassungs-
.
rechtlich gebotener Ausgleich der jeweils geschützten gegen-
,
läufigen Interessen der Minderheitsaktionäre und der Antrags-
gegnerin als Hauptaktbnärin zugrunde. Die Heranziehung von
Parametern, die den richtigen Werten möglichst nahe kommen,
wird dem gesetzlich vorgegebenen Interessenausgleich am
ehesten gerecht Die vorgenommene (Auf-)Rundung auf 2,75
% vor Steuern ist daher von § 287 Abs. 2 ZPO gedeckt (vgl,
OLG Frankfurt Der Konzern 2011, 47, 50 f.; LG München I, Be-
,
schluss vom 28.5.2014, Az. 5HK 0 22657/12 Beschluss vom
21.8.2015, Az. 5HK 0 1913/14). Da in die Unternehmensbe-
wertung zudem nur der Nachsteuerwert einfliessen kann, redu-
ziert sich der Unterschied auf etwa 0,03 Prozentpunkte - bei
einer derart geringen Differenz sind die Auswirkungen auf den
Ertragswert als niarginal zu bezeichnen.
(b) Eine Reduktion wegen der Existenz von Credit Default Swaps
muss nicht erfolgen. Allein der Umstand, dass am Markt auch
Credit Default Swaps in Bezug auf staatliche Anleihen der Bun-
desrepublik Deutschland zu beobachten sind, rechtfertigt nicht
den Ansatz einer Kürzung des Basiszinssatzes. Zum einen ist:

die Bundesrepublik Deutschland ungeachtet einer möglichen,
aber keinesfalls sicheren Verwirklichung von Haftungsrisiken
als Folge der Staatsschuldenkrise innerhalb des Euro-Raums
unverändert ein sicherer Schuldner. Auf ein theoretisches
Restausfallrisiko.kommt es nicht entscheidend an, weil völlig ri-
sikofreie Anlagen ohnehin nicht verfügbar sind. Zudem ist aus
anderen Spruchverfahren gerichtsbekannt, dass es zwar Spe-
kulationen gegen die Bundesrepublik Deutschland gibt; diese
sind indes zahlenmässig so gering, dass eine Berücksichtigung
beim Basiszinssatz nicht gerechtfertigt sein kann, Weiterhin
kann auch nicht unberücksichtigt bleiben, dasS die Staatsschul-
den der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der Neurege-
lungen in Art. 109 Abs. 3 und Art. 115 Abs. 2 GG zumindest
nicht in dem Ausmass ansteigen dürfen, wie dies in der Vergan-
genheit immer wieder'zu beobachten war (vgl. OLG Frankfurt,
Beschluss vorn 24.11.2011, Az. 21 W 7/11; LG München 1, Be-.
schluss vom 7.5.2014, Az. 21386/12; Beschluss vom
28.5.2014, Az. 5HK 0 22657/12; Beschluss vom 29.8.2014, Az.
5HK 0 7455/14; Beschluss vom 6.3.2015, Az. 5HK 0 662/13;
Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0 16371/13; Beschluss
vom 21.12.2015, Az. 5HK 0 24402/13).
(c) EbenSo wenig ist es geboten; den Basiszinssatz in Phase I je-
weils für ein konkretes Planjahr geSondert auszuweisen. Die
einheitliche Festlegung des Basiszinssatzes für den gesamten
Beurteilungszeitraum stellt eine allgemein übliche und nicht zu
beanstandende Vorgehensweise dar (so ausdrücklidh OLG
München NJW-RR 2014, 423, 474). Dies ergibt sich letztlich
auch aus der Überlegung, dass Erträge zwar jährlich erzielt und
ausgeschüttet werden sollen, die Dauer des llnternehMens und
damit die Ermittlung des Ertragswertes in die Ewigkeit angelegt
ist und demzufolge auch nicht von einer jährlich neu stattfin-
denden Alternativanlage ausgegangen werden kann, wenn Be-

Wertungsanlass das Ausscheiden eines Aktionärs aus der Ge-
sellschaft ist (vgl. LG München I, Beschluss vom 30.3.2012, Az.
5 HK 0 11296/06; Beschluss ' vom 31.7.2015, Az. 5HK O-
16371/13; Beschluss vom 21.12.2015,.Az. 5HK 0 24402/13).
Aus demselben Grund muss auch nicht auf die durchschnittli-
che. Läufzeit der FinanzierungSkredite der Advanced Inflight
liance AG von zwei bis vier Jahren abgeStellt werden.
(d) - Diesem Ansät lässt. sich nicht entgegenhalten, aus den Bei-
Spielen der PlIGS-.Staaten ergebe sich die konkrete, Gefahr ei-
ner Insolvenz auch der. öffentlichen Hand, Auch hier 'gilt eS zum
einen zu berücksichtigen,' dass" es sich bei Anleihen der Bun-
desrepublik Deutschland.um hinreichend (quasi-)sichere Papie-
re handelt. Zum anderen muss aber Vor
,
allem gesehen werden,
dass infolge der Neuregelungen: im GründgeSetz, die auch 'als` :

"Schuldenbremse". bezeichnet _ werden, die Gefahr eines
Staatsbankrotts der Bundesrepublik DeütAbhland als in höchs-
tem Masse unwahrscheinlich bezeichnet werden muss und folg-
lieh vernachlässigt-werden kann.
(2) Für die ErMittlung des. Kapitalisierungszinssatzes Muss der. Basis-
zinssatz um einen Risikozuschlag erhöht werden, der nach § 287
Abs. 2 ZPO zu schätzen ist und vorliegend :nach Steuern auf 5,2 %_
im Jähr 2014, 5,3 % im Jahr 2015, 5,35 % im Jahr 2016 sowie auf
5,4 % in der Ewigen Rente festgesetzt werden muss.
Der, Grund für den- Ansatz eines RiSikozuschlages liegt.darin, dasS
Investitionen in Unternehmen im VergleiCh zur-Anlage in sichere-oder
zumindest quaSi-sichere öffentliehen Anleihen einem höheren Risiko
ausgesetzt-sind: Dieses Risiko wird bei einem risikoaversen Anleger
durch höhere. Renditechaneen und damit einen erhöhten Zinssatz
ausgeglichen, weshalb der. -Ansatz eines Risikozüschlages unum-
gänglich- ist, zumal det Verzicht.auf diesen die ohnehin nicht durch

die Planung abgegoltenen Risiken wie politische Krisen, Naturkata-
strophen oder weitere nicht in die Planungsrechhung einzubeziehen-
den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken vernachlässigen würde.
Ebenso kann die Gefahr des Verfehlens der Planungsziele nicht völ-
lig unberücksichtigt bleiben. Angesichts desseh geht die heute nahe-_
zu einhellig vertretene obergerichtliche Rechtsprechung vom Erfor-
dernis des Ansatzes eines Risikoiuschlages aus (vgl. nur OLG Mün-
chen ZIP 2009, 2339, 2341 = WM 2009, 1848, 1850; KG NZG 2011,
1302, 1304 = AG 2011; 627, 628 f. = ZIP 2011, 2012, 2013 = WM
2011, 1705, 1706 f.; OLG Stuttgart, Beschluss vom 17.10.2011, Az._
20 W 7/11; AG 2014, 208, 211; OLG Frankfurt NZG 2012, 549, 550 =
Der Konzern 2012, 199,. 205 f.; ebenso Peemöller/Kunowski in:
Peemöller, Praxishandbuch der Unternehmensbewertung, a.a.O., S.
325).
(a) Die Frage, wie der Risikozuschlag im Einzelnen zu ermitteln ist;
wird in-Rechtsprechung und Literatur nicht einheitliCh beurteilt.
(aa) Mehrheitlich wird davon ausgegangen, der Risikozuschlag
- könne mittels des (Tax-)CAPM (Capital Asset Pricing Mo-
del) ermittelt werden. Danach wird die. durchschnittliche
Marktrisikoprämie, die anhand empirischer Daten aus der
langfristigen Differenz zwischen der Rendite von Aktien
und risikolosen staatlichen Anleihen errechnet wird, mit
einem spezifischen Beta-Faktor
.
multipliziert, der sich aus
der Volatilität der. Aktie des zu bewertenden Unterneh- .
mens ergibt. Zur. Begründung der Massgeblichkeit dieses
kapitalmarkttheoretischen. Modells wird vor' allem ausge-
führt, dass bei der Feststellung des Unternehmenswertes
intersubjektiv nachvollziehbare Grundsätze unter Zugrun-
delegung von KapitalMarktdaten Anwendüng fänden und
dass es kein anderes Modell gebe, das wie das CAPM die
Bewertung risikobehafteter. Anlagenmöglichkeiten erläute-

re. Demgegenüber verfüge die herkömmliche Multipli-
katormethode über kein festes theoretisches, sondern e-
her ein empirisches Fundament und werde zudem nicht
durch die theoretische Forschung unterstützt. Mit dem
CAPM werde gegenüber der Risikozuschlagsmethode ei-
ne ungleich höhere Qualität infolge der grösseren Nach-
prüfbarkeit erreicht (vgl. OLG Düsseldorf WM 2009, 2220,
2226; OLG Stuttgart AG 2010, 510, 512; AG 2008, 510,
514 f.; NZG 2007, 112, 117 = AG 2007, 128, 133 f.; Paul-
sen in: Münchener Kommentar zum AktG; 4. Aufl., § 305
Rdn. 126; Simon/Leverkus in: Simon, SpruchG, a.a.O.,
Anh § 11 Rdn. 126 f.).
(bb) Die Kammer vermag der vielfach vertretenen alleinigen
Massgeblichkeit des (Tax-)CAPM in dieser Allgemeinheit
nicht zu folgen. Es ist nämlich nicht erkennbar, dass das
(Tax-)CAPM den anderen Methoden zur Ermittlung des
Risikozuschlages eindeutig überlegen wäre. Auch bei ihm
hängt das Ergebnis in hohem Masse von der subjektiven
Einschätzung des Bewerters ab, die nur nicht unmittelbar
durch die Schätzung des Risikozuschlages selbst ausge-
übt wird, sondern mittelbar durch die Auswahl der Para-
meter für die Berechnung der Marktrisikoprämie sowie des
Beta-Faktors. Die rechnerische Herleitung des Risikozu-
schlages täuscht darüber hinweg, dass aufgrund der Viel-
zahl von Annahmen, die für die Berechnung getroffen
werden müssen, nur eine scheinbare Genauigkeit erreicht
wird und nicht etwa eine exakte Bemessung des für die
Investition in das konkrete Unternehmen angemessenen
Risikozuschlages. Schon die zu treffende Aussage, in-
wieweit die Daten aus der Vergangenheit auch für die zu-
künftige Entwicklung aussagekräftig sind, unterliegt sub-
jektiver Wertung. Dies zeigt sich bereits am Auswertungs-

zeitraum, für den die Überrendite ermittelt wird. Aus einer
Vielzahl anderer Spruchverfahren ist gerichtsbekannt,
dass es eine Reihe von Studien gibt, die für unterschiedli-
che Zeiträume Werte für die MarktrisikOprämie vor Steu-
ern in Anwendung des arithmetischen Mittels zwischen
4,90 % und 10,43 % ermittelten; hinsichtlich des geometri-
schen Mittels werden Studien aufgezeigt, die vor Steuern
Werte zwischen 1,7 % und 6,80 % ergaben. Ebenso ist
die Auswahl der Unternehmen, die in eine Peer Group
vergleichbarer Unternehmen einbezogen werden, stark
von der subjektiven Einschätzung desjenigen abhängig,
.der über die Vergleichbarkeit der Unternehmen im Einzel-
nen entscheidet (vgl. .
. OLG München WM 2009, 1848,
1850 f. = ZIP 2009, 2339, 2341; Grossfeld, Recht der Un-
ternehmensbewertur4 a.a.O., Rdn. 694 f.; auch Reuter
AG. 2007, 1, 5; sehr kritiSch zum CAPM auch EmmeriCh
Festschrift für Uwe H. Schneider, 2011, S. 323, 328 f.,
331).
-Auch sieht die Kammer in- der Anwendung des arithmeti-
schen Mittels mit einer jährlichen Wiederanlage des voll-
ständigen Aktienportfolios, wie es in, den einzelnen .IDW-
Standards empfohle.n wird; kein hinreichend taugliches
Kriterium. Insoweit liegt nämlich ein Widerspruch zu der
Annahme einer auf Ewigkeit angelegten Unternehmensiä- -
tigkeit vor. Für das aktuelle steuerliche .Regime der Abgel-
tungssteuer unter Einschluss der Verstederung von Ver-
äusserungsgewinnen gehen empirische Untersuchungen -
nämlich von einer sehr viel längeren Haltedauer aus.
Wenn der Wert. des Unternehmens in die Ewigkeit ermittelt
werden soll und vor allem auch die Alternativanlage in Ak-
tien anderer Unternehmen vergleichbar sein soll, steht die
Annahme eines jährlich stattfindenden vollständigen Akti-

enaustausches hierzu in Widerspruch. Weiterhin ist gegen
das arithmetische Mittel als alleiniger Massstab 'zur Ermitt-
lung :des Risikozuschlages zu berücksichtigen, dass in all
den Fällen, in denen die Anlageperiode nicht 1 ist, es zu
Verzerrungen kommt (vgl. WagnerKlonas/ Ballwieser/
1 - chöpel WPg 2006, 1005, 1017 f.).
Die Alternative zum arithmetischen Mittel liegt im geomet-
rischen Mittel, bei dem die Wertpapiere zu Beginn des Un-
-tersuchungzeitraumes gekauft und an dessen Ende ver-
kauft werden; die jeweiligen Erträge werden dabei jährlich
wieder angelegt. Dabei wird allerdings auch zu berück-
sichtigen sein, dass das geometrische Mittel ebenso wie
das arithmetiSche Mittel zu Verzerrüngen des Unterneh-
menswertes führt, wenn die Anlageperiode nicht gleich 1
ist '(vgl: Wagner/Jonas/Ballwieser/Tschöppl WPg 2006,
1005, 1017 f.).
Insoweit geht die Kammer in ständiger Rechtsprechung
unter Berücksichtigung der gebotenen kritischen Ausei-
nandersetzung mit diesem Modell davon aus; zwischen
diesen beiden Extremen liegende Werte anzusetzen (vgl.
nur LG München I, Beschlüss vom 6.11.2013, Az. 5HK 0
2665/12; Beschluss vom 28.3.2014, Az. 5HK 0 18925/08;
Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12; Beschluss
vom 29.8.2014, Az. 5HK 0 7455/13; in diese Richtung
auch OLG Karlsruhe Der Konzern 2015, 442, 448 f.).
(cc) Vielmehr ist der Risikozüschlag mittels einer empirischen
Schätzung zu gewinnen, die im Rahmen einer Gesamt-
würdigung aller massgeblichen Gesichtspunkte, der konkre-
ten Situation des zu bewertenden Unternehmens Rech, -
nung trägt.. Dabei können auch die unter Anwendung des
CAPM gewonnenen Daten als eines der Elemente für die

Schätzung des Risikozuschlages herangezogen werden
(so auch OLG München ZIP 2009, 2339, 2342 = WM
2009, 1848, 1851).
(b) Beim (Tax-)CAPM als einem der massgeblichen Elemente zur
Ermittlung des anzusetzenden Risikozuschlags ergibt dieser
aus dem Produkt von Marktrisikoprämie und dem Beta-Faktor.
(aa) Dabei geht das -kapitalmarktorientierte (Tax-)CAPM von
einer Marktrisikopränlie aus, die sich aus der Differenz der
erwarteten Rendite des Marktportfolios und dem risikolo-
sen Zinssatz ergibt. Allerdings vermag die Kämmer den
Ansatz einer entsprechend einer aktuellen Verlautbarung
des FAUB des IDW vom 19.9.2012 und einer aufgrund
von aktuellen Marktbeobachtüngen und Kapitalmarktstu-
dien von Ratingagenturen basierenden implizit errnittelteri
Märktrisikoprärnie von 5,5 % nach Steuern nicht iu teilen.
Der Ansatz einer implizit aus Prognosen von Finanzana-
lysten und Ratingagenturen ermittelten Marktrisikoprämie
ist nicht geeignet, diese Überrendite abzuleiten. Gerade
die Schätzung von Finanzanalysten und Ratingagenturen
ist in hohem Masse abhängig von deren subjektiver Ein-
schätzung. Angesichts -dessen täuscht die rechnerische
Herleitung dps RisikoZuchlages darüber hinweg, dass
aufgrund der Vielzahl der zu treffenden Annähmen nur ei-
ne scheinbare Genauigkeit erzielt werden kann und nicht
etwa eine exakte Bemessung des für die Investition in das
konkrete Unternehmen angemessenen Risikozuschlages.
Ebenso wie die zu treffende Aussage, inwieweit Daten aus.
der Vergangenheit auch für die zukünftige Entwicklung
aussagekräftig sind, unterliegen die Überlegungen und
Einschätzungen vön Ratingagenturen, Finanzanalysten

oder auch von KapitalmarktStudien subjektiven Einschlä-
gen, weshalb es mehr als problematisch ist, aus ihnen die
künftige Marktrisikoprämie unter Einfluss der Folgewirkun-
gen der Finanzmarkt,- und Staatsschuldenkrise abzu-
schätzen. Gegen diesen Ansatz spricht insbesondere
auch die Überlegung, dass die Marktkapitalisierung -als In-
put-Parameter für die Bemessung. der Marktrisikoprämie
herangezogen wird (zu diesem Erfordernis ausdrücklich
Wagner/Madkenstedt/SchieSzl/LencknerNVillershausen
WPg. 2013, 947, 957). Das Modell zur Ermittlung impliziter
Kapitalkosten muss konsistent zum Aewertungsmodell
vorliegend also zum Ertragswertverfahren sein. Ein in al-
le Verfahren einfliessender Parameter ist der Unterneh-
menswert bzw. der Marktwert des Eigenkapitafs. Dabei
wird üblicherweise auf den Aktienkurs bzw. die Marktkapi-
talisierung zurückgegriffen. Würden aber die übrigen zur.
Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten und damit der
impliziten Marktrisikoprämie erforderlichen Parameter reit
Ausnahme des gesuchten Risikozuschlags entsprechend
den Annahmen im Bewerfungsmodell angenommen, ist
die Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten nicht er-
forderlich, weil die Verwendung eines so ermittelten Ei-
genkapitalkostenansatzes exakt
.
zum Börsenkurs führen
und dann unmittelbar auf diesen abgestellt: werden könnte
(vgl. LG' München 1 ZIP 2015, 2124, 2130; Beschluss vom
14.2.2914, Az: 5HK 0 16505/08; Beschluss vom
28.3.2014, .Az. 5HK 0 18925/08; auch Zekl-
ler/Tschöpe/Bertram CF 2014, 70, 72 f.).
Eine im. Vergleich zu der früheren Empfehlung des FAUB
des IDW Um einen Prozentpunkt erhöhte Marktrisikoprä-
mie lässt sich auch nicht mit den :Besonderheiten' der
Auswirkungen der. Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise

begründen. Auch die Vergangenheitszahlen, die die
Grundlage der vom IDW bis zur der angesprochenen Ver-
lautbarung angesetzten Empfehlung einer Marktrisikoprä-
mie nach Steuern unter Geltung des Steuerregimes der
Abgeltungssteuer mit Werten in einer Bandbreite von 4 bis
5 % bildete, umfassten mehrere konjunkturelle Zyklen mit
Phasen des Aufschwungs wie auch des konjunkturellen
Abschwungs. Wenn davon auszugehen ist, dass es nach
der Finanzmarktkrise zu einem - wenn auch unerwartet
raschen - erneuten Aufschwung kam, ergcheint bereits
fraglich, ob es sich dabei um eine schwere und lange
Wirtschaftskrise handelt (vgl. LG Frankfurt, Beschluss vom
8.6.2015, Az. 3-05 0 198/13): Die These einer konstant
realen Aktienrendite, die angesichts eines historisch nied-
rigen Basiszinssatzes vertreten wird, läst
.
sich empirisch
nur schwer untermauern. In der Bewertungsliteratur wird.
zwar wiederholt auf Marktanalysen verwiesen, wonach die
Gesamtrenditeerwartung der Anteilsnehmer nicht gesun-
ken, sondern konstant geblieben sei (vgl.. Wag-
ner/Mackenstedt/ Schieszl/Willershausen WPg 2013; 948,
950 ff.; Zeidlerftschöpe/Bertram CF 2014, 70, 77 ff.;
Baetge/Nierneyer/Kümmel/Schulz in: Peernöller, Praxis- .
handbuch der Unternehmensbewertung, a.a.O., S. 396 f.).
Allerdings ist diese These - wie die Kammer aus anderen
Spruchverfahren weiss - gerade nicht unumstritten, son-
dern ebenso vertreten wird, die Kapitalmarktteilnehmer
würden infolge des Verharrens des Renditeniveaus quasi-
risikoloser Bundesanleihen auf dem aktuell niedrigen
Stand auch ihre Renditeerwartungen für. risikobehaftete
Investitionen reduzieren.
Auch andeie Versuche zur Begründüng, wie sie zum Teil
über den Unterschied zwischen der Rendite deutscher

Staatsanleihen und dem Interbankenzins - mithin dem
Zinssatz, zu dem sich ein Kapitalmarktteilnehmer mit dem
geringsten Risiko und folglich dem geringsten Zinssatz
verschulden kann - vorgenommen werden, vermögen
nicht restlos zu überzeugen. Nach einem Anstieg dieses
Spreads im Gefolge der Finanzmarkt- und der europäi-
schen Staatsschuldenkrise noch bis in das Jahr 2013 hin-
ein kam es wieder zu einem Rückgang des Delta des 12-
Monats-Euribor, wobei Werte erreicht wurden, die nicht
deutlich über dem Spread aus der Zeit vor der Finanz-
marktkrise Jagen. Dann aber lässt sich auch aus dieser
Überlegung heraus nicht der Schluss auf eine um 1 Pro-
zentpunkt erhöhte Marktrisikoprämie ziehen.
Für den Ansatz einer Marktrisikoprämie von 5 % nach
Steuern im Anwendungsbereich des (Tax-)CAPM spre-
chen auch die Wertungen des Gesetzgebers, auf die zu-
rückgegriffen werden kann. In § 203 Abs. 1 BewG legte
der Gesetzgeber für das vereinfachte Ertragswertverfah-
ren einen Risikozuschlag von 4,5 % fest, wobei diesem
Ansatz ein durchschnittliches Marktrisiko zugrunde hegt.
Auch wenn diese Vorschrift nur im vereinfachten Ertrags-
wertverfahren zur Anwendung gelangt, kann die darin zum
Ausdruck gekommene Grundentscheidung und Wertung
des Gesetzgebers nicht gänzlich ausser Acht gelassen
werden (vgl. OLG München WM 2009, 1848, 1851 = ZIP
2009, 2339; 2342; AG 2014, 453, 455 = Der Konzern
2014,172, 174 = NJW-RR 2014, 473, 474 f.; AG 2015,
508, 512 = ZIP 2015, 1166. 1170). Zwar lag zum Zeitpunkt
des Inkrafttretens der Neuregelung. in § 203 Abs. 1 BewG
der Basiszinssatz deutlich .höher. Doch wird die Wertung
des Gesetzgebers bei einer Erhöhung der Marktrisikoprä-
mie um einen Prozentpunkt zu stark in den, Hintergrund

gedrängt. Die Kammer erachtet den Ansatz, ein Investor
berücksichtige bei seiner Renditeerwartung auch den
Rückgang des Basiszinssatzes, weshalb die Überrendite
in ihrer Höhe keiner Veränderung bedürfe, als jedenfalls
nicht weniger gut geeignet, um die Märktrisikoprämie fest-
zulegen.

Bei dieser Ausgangslage mit dem Fehlen eindeutiger em-
pirischer Studien, die konstant reale Renditeforderungen

bestätigen oder ausschliessen, und den unterschiedlichen
- auch vor dieser Kammervorgenommenen - Erklärungs-
versuchen zur_ Rechtfertigung der Empfehlung des FAUB:
des, IDW - ist eine im Wege der Schätzung gewonnene
Marktrisikoprämie von 5 % , die sich im Schnittbereich der
ursprünglichen Empfehlung deS Fachausschusses Unter-
nehmensbewertung des IDW mit den angepassten neue-
ren Enhpfehlungen ansiedelt, zur Überzeugung der Kam
mer sachgerecht (so schon LG München I ZIP 2015,
2124, 2130 f.):
(bb) Der zur Ermittlung des unternehmensindividuellen Risikos
im Rahmen der Anwendung des (Tax-)CAPM herangezo-
genen. Beta-Faktors konnte aus einer Peer Group ver-
gleichbarer Unternehmen abgeleitet werden, weil das un-
ternehmenseigene Betä der Advanced Ineght Alliance AG
nicht als aussagekräftig eingestuft werden kann. Die feh-
lende Massgeblichkeit des originären Beta-Faktors der Ge-
sellschaft beruht auf nachstehenden Erwägungen:
Der Abfindungsprüfer verwies in seinem Prüfungsbericht
auf den originären Beta-Faktor der Gesellschaft von 1,7
bei einem fünfjährigen Zeitraum auf .Basis monatlicher
Renditen. Dieser Ansatz, der ohnehin zu einem deutlich
niedrigeren Unternehmenswert führen würde, ist aber'

78
nicht geeignet, das unternehmensindividuelle Risiko zum
Stichtag der Hauptversammlung abzuleiten, weil es in die-
sem Zeitraum zu erheblichen Veränderungen im Ge-
schäftsmodell der GeSellschaft'karri. Der von Herrn Wag-
ner ermittelte originäre Beta-Faktor für einen Zwei-Jahres-
Zeitraum mit monatlichen Renditeintervallen betrug minus
0,1. Ein negativer Beta-Faktor in einer sehr volatilen und
auch konjunkturabhängigen Branche ist nicht nachvoll-
ziehbar, weil dies bedeuten würde, dass das Risiko eines
Investments in eine Aktie dieser Gesellschaft einem gerin-
geren Risiko unterliegen würde als in eine (quasi-)sichere
Staatsanleihe. Dies widerspricht den tatsächlichen Gege-
benheiten (vgl. auch OLG Stuttgart, Beschluss vom
8.7.2011, Az. 20 W 14/08- zit. nach Juris).
Entscheidend gegen den Ansatz des unternehmenseige-.
nen Beta-Faktors spricht aber die mangelnde Liquidität
der Aktien der Advanced Inflight Alliance AG. Zum einen
war das Handels)iolurnen in Stück innerhalb des Zeit-
raums von Juli 2008 bis Juli 2013 nur wenige Male- auffäl-
lig hoch. Vor allem aber zeigt sich. die geringe Liquidität
der Aktie an dem Bid-Ask-Spread, der über einen. Zeit-
raum vom 31.7.2008 bis ,zum 30.06.2013 bei 2,14 %. so-
wie über einen Zeitraum vom 5.8.2011 bis zum 26.7.2013
bei 1,86 % lag. Bei Aktien mit einem geringen Handelsvo-
lumen liegt der Bid-Ask-Spread deutlich über dem sehr li-
quider Aktien. Daher müssen Käufer bzw. Verkäufer einer
Aktie mit geringem Handelsvolumen einen erheblich höhe-
ren Abschlag auf ihre Bruttorendite hinnehmen als Käufer
bzw. Verkäufer einer Aktie mit hohem Handelsvolumen.
Infolge dessen wird ein, rationaler Investor nicht Unmittel-
bar auf jede neue Kapitalmarktinformation reagieren; weil
er bei jeder Transaktion erhebliche Renditeabschläge hin-

nehmen müsste durch die höheren Bid-Ask-Spreads.
Folglich zeigt -sich das tatsächliche Risiko eines Unter-
nehmens nicht am empirisch ermittelten Beta-Faktor, da
der Kurs aufgrund der hohen Transaktionskosfen nur trä-
.
ge auf neue Kapitalmarktinformationen reagiert. Üblicher-
weise wird bei Bid-Ask-Spreads, die unter 1'--% liegen, die
Liquidität der Aktie bejaht. Angesichts der hier ermittelten
durchschnittlichen Werte von - je nach Betrachtungszeit-
raum - knapp über bzw. knapp unter 2 % kann nicht von
einer hinreichend liquiden Aktie ausgegangen werden,
weshalb der unternehmenseigene Beta-Faktor nicht her-
angezogen werden kann.
Dieser. Ansatz über die Höhe der Bid-Ask-Spreads ist
auch nicht deshalbi untauglich, weil ein. Vergleich mit DAX-
Gesellschaften gezogen wird. Wesentlich ist nämlich der
Vergleich zum Gesamtmarkt. Angesichts des sehr viel
stärkeren Handels mit Aktien von im DAX 30 notierten
Geselischäften haben diese einen sehr viel niedrigeren
Bid-Ask-Spread. Entsprechende Untersuchungen für -den
CDAX, bei denen die Bid-Ask-Spreads der CDAX-Aktien
in Centile eingeteilt sind, dienen der Einschätzung, ob ein
geringer oder höherer Spread vorliegt.
Der Ansatz eines »unverschuldeten Beta-Faktors von 1,0,
der das operative. Risiko der Gesellschaft widerspiegelt,'
über eine Peer Group muss nicht korrigiert werden. Dabei
können 'grundlegende Bedenken gegen die Zusammen-
setzung der Peer Group aus insgesamt 13 Unternehmen
der Luftfahrtbranche, der Film- sowie der IFE-
Solutions/Hardware- und der Videospielehersteller nicht
erhoben werden. Keiner. der direkten Wettbewerber des
Konzerns der Advanced lnflight Alliance AG ist börsenno-

80
fiert, wobei dies vor allem für Spafak Inc. als grösstem der
unmittelbaren Wettbewerber der Gesellschaft gilt. Daher
konnte und musste bei der Auswahl der Vergleichsunter-
nehmen auf solche Gesellschaften zurückgegriffen wer-
den, die in den relevanten Märkten der Gesellschaft tätig
sind. Die Risikoläge ist sowohl beim Zulieferer als auch
beim Abnehmer vergleichbar. Dies gilt auch für die Filmin-
dustrie. Bei seiner Anhörung verwies der Abfindungsprüfer
im Termin vom 14.8.2015 überzeugend darauf, dass sich
in den Fällen, in denen die Filmindustrie 'keine Abnehmer
für die von ihr produzierten Filme findet das Geschäfts-
modell

der Advanced Inflight Alliance AG samt Tochterge-
sellsChaften ändern wird und dann hinfällig würde, wenn
die Fluggäste ausblieben. Die Orientierung der Gesell-
schaft geht vermehrt in Richtung auf Spiele und-Software-
Lösungen, weshalb ,euch Activision Blizzard Inc. und
Ubisoft Entertainment SA in die Peer Group aufgenom-
men werden konnten. Nicht gestrichen werden muss auch
Rockwell Collins Inc., weil dieses Untärnehmen neben an-
deren IT-Aysteme entwickelt, die der Luftfahd zugute-
kommen. Angesichts eines unlevered Beta von 0,9 dieses
Unternehmens Wirkt sich dessen Einbeziehung ohnehin
nicht zum Nachteil der Minderheitsaktionäre aus, weil das
unlevered Beta den Durchschnitt über die Peer Group ge-
ringfügig senkt:
Sachgerecht erfolgte die Aufnahme der Deutsche Luft-
hansa AG, Qantas Airwiys Ltd., Cathay Pacific Ltd. oder
Singapore Airlines Ltd.; sie gehören entweder zu den
Premiumanbietern oder aber zu den grössten Kunden des
Konzerns der Advanced lnfiight Alliance AG. Die Luftfahrt-
gesellschaften Emirates, Etihad. und Qatar konnten man-
gels Börsennotiz nicht in die Peer Group aufgenommen

werden, weil ein Beta-Faktor angesichts fehlender Bör-
sennotiz nicht ermittelt werden konnte. Fluglinien, bei de-
nen das Segment "Bordunterhaltung" eine wesentlich ge-
ringere Bedeutung hat, müssten aufgrund dieses qualitati-
ven Kriteriums ausgeschlosen werden. Ebenso konnten
Fluggesellschaften, die nicht in der Zielregion der Gesell-
.

schaft und ihrer Tochterunternehmen operieren, ausge-
schlossen bleiben. Dasselbe gilt, wenn sich bei der Analy-
se der Betä-Faktoren der vergangenen fünf Jahre Struk-
turbrüche zeigten. Nicht in die finale Peer Group aufge-
nommen werden mussten auch- solche Unternehmen, die
in den letzten fünf Geschäftsjahren nicht wenigstens
überwiegend profitabel gewirtsöhaffet haben, weil es an-
derenfalls zu einer Verzerrung der Risikosituation gekom-
men wäre. Bei mangelnder Liquidität der Aktie oder einer
ungenügenden Zahl von Datenpunkten war es ebenfalls .
unmöglich, diese. Unternehmen zur Ermittlung des Beta-
Faktors durch eine Peer Group heranzuziehen. Liquidität
und eine ausreichende Zahl von Datenpunkten sind indes
zwingende VoraussetZungen, um einen aussagekräftigen
Beta-Faktor bestimmen zu können.
Grundlegende Bedenken gegen die Zusammensetzung
der Peer Group können auch nicht mit dem Argument er- .
hoben werden, es seien däbei zu viele Unternehmen mit
Sitz im Ausland einbezogen worden, nachdem nur die
Deutschä Lufthansa AG in, Deutschland ansässig ist. Es
ist in der Rechtsprechung weithin anerkannt, dass- auch
ausländische Unternehmen in eine Peer Group aufge-
nomMen werden können (vgl. OLG Celle AG 2007, 865,
867 = ZIP 2007, 2025, 2028; OLG Düsseldorf WM 2009,
2220, 2226; LG München I, Beschluss vom 28.5.2014, Az.
5HK 0 22657/12; Beschluss vom 21.12.2015, Az. 5HK 0

_:24402113). Dies resultiert neben der Verflechtung der Ka-
pital- und Aktenmärkte vor allem auch aus der Erwägung
heraus, dass alle Unternehmen der Peer Group in gleicher
Weise wie die Gesellschaft mit ihren Tochtergesellschaf-
ten auf internationalen Märkten tätig sind.
Als Referenzzeitraum konnten bei den Peer Grouri-
Unternehmen fünf Jahre herangezogen werden. Ein zWin-
, gender Grund für den Ansatz von zwei Jahren, der zu
nem geringfügig niedrigeren unlevered Beta-Faktor führen
würde, kann nicht bejaht werden. Die weltweite Luftfahrt-
industrie als Endabnehmer der, Produkte der Gesellschaft
und letztes-Glied in einer Kette. von Zulieferern weist Zykli-
zitäten auf; die deutlich näher an dem hier herangezoge-

-
,
nen Fünf-Jahres-intentall liegen. als ein Zeiträum von. Zwei:
Jahren, Der AbfindyngSprüfer verwies in seiner ergänzen
den Stellungnahme vom 1910.2015 auf die Entwicklung
der EBIT-Märgen in der weltweiten Luftfahrtindustrie.
Nach einer leicht positiven durchschnittlichen EBIT-Marge
im Jahr 2000 fiel diese im darauf folgenden Geschäftsjahr
2001 dramatiSch ab, verbesserte sich zwar in den Folge-
jahren leicht, erreichte jedoch erst 2007 wieder einen posi7
tiven Wert. Nach einer weiteren Verbesserung im Jähr
2008 kam - es 2009'in Konsequenz der durch den Züsam,
nnenbruCh der US-amerikanischen Investmentbank Leh-
mann Bräthers Inc. zu einem dramatiSchen 'Abfall, um sich
dann wieder aut einen _deutlich positiven Wert zu verbes-
sern. In. den Jahren 2011 und 2012 fiel die EBIT-Märge,
um danach wieder anzusteigen. Aus diesen Zahlen sind
Zyklen mit einer Dauer von acht, drei und- vier Jahren zu
erkennen, wobei der letzte Zyklus noch nicht vollständig
abgeSchlossen ist. Daher wird der Darstellungszeitraum
von fünf Jahren der. durchschnittlichen Länge der be-

obachtbaren Zyklen deutlich besser gerecht als ein sol-
cher von zwei Jahren und entspricht folglich eher dem
Geschäftsmodell der Gesellschaft einschliesslich der Toch-
terunternehmen. In den anderen für die Bewertung der Ri-
sikösituation der Advanced Inflight Alliance AG wesentli-
chen Branchen kapn eine derartige Zyklizität nicht so ein-
deutig belegt werden. Vor allem die Filmindustrie, von der
die Gesellschaft die Filmrechte für die Bordunterhaltung
erwirbt, ist in ihrer Entwicklung von einzelnen "Blöckbüs-
tern" abhängig, die allerdings auch danh produziert wer-
den können, wenn sich die Weltwirtschaft in einer Rezes-
sionsphase befindet. So entstand beispielsweise "Atavar"
als eine der erfolgreichsten kinoproduktionen überhaupt
im 'weltweiten Krisenjahr 2009. Für einen längeren Be-
obachtungsgeitraum spricht auch die generell höhere sta-
tistische Validität und Stabilität, sofern nicht Strukturbrü'-,
che die gemessenen Beta-Faktoren verzerren. Die durch-
schnittliche LiZenzvergabe von drei Jahren rechtfertigt
keine andere Beurteilung. Die Risikolage der Vergleichs-
unternehmen bestimmt sich gerade nicht durch die Lauf-
zeit der Verträge beim Advanced' Inflight Alliance-Konzern:
Zudem sagen die Verträge über drei Jahre nur etwas zur
Sicherheit über den Vertrag als, solches aus, aber nichts
.über die Anzahl von Flugbewegungen, die ganz wesent-
lich für die Ertrags- und Risikosituation bei der Gesell-
schaft ist. Auch in den anderen Teil-Peer Groups besteht
keine Verknüpfung zur Laufzeit der Verträge mit Kunden
der Gesellschaft und dem Geschäft und Risiko 'der Ver-
gleichsunternehmen.
Vorliegend konnte die Regression auch einheitlich gegen
den MSC! World Index erfolgen und nicht gegen den je-
weils grössten nationalen Index. Für diese Lösung spricht

die Erwägung, dass' der breitest mögliche Index genutzt
werden soll, der die Aktienentwicklung weltweit abbildet.
.Dies gilt bei der Advanced inflight Alliance AG auch des-
halb, weil sie international tätig ist und auch die Peer
Group-Unternehmen international aufgestellt sind. Die
Tatsache, dass es Schwankungen zwischen Euro und US-
Dollar gibt, muss in dieser Situation hingenommen wer-
den. Diese Schwankungen zwischen Euro- und Dollar-
Raum sind indes nicht so gravierend, als dass deshalb die
Regression gegen den RISC! World Inde2 unzulässig wäre
(vgl. LG Dortmund, Beschluss vom 4.11.2015, Az. 18 0
52/13 [AktE], BeckRS 2015 20235; LG München I, Be-
schluss vom 28.5.2014, Az. 51:IK 0 22657/12; im Grund-
satz auch Franken/Schulte/Dörschell, Kapitalkosten für die
Unternehmensbewertung, 3. Aufl., S. 50). Demgemäss
rechtfertigt auch der Einwand der Antragsteller zu 29) rine
30), es sei bei Pace plc. nicht gegen den grössten nationa-
len britischen Aktienindex gerechnet worden, keine andere
Beurteilung.
Ein Abstellen auf die Branchenindices der vier herangezo-
genen Branchen führt zu keinem höherem Erkenntniswert,
weil darin ein im Vergleich zum Abstellen auf die von den
Bewertungsgutachtern von und dem Abfindungsprü-
fer gewählte Vorgehensweise eine gröbere Vorgehend-
weise gesehen werden muss. Ebenso wenig konnte auf
den Beta-Faktor des Grossaktionärs abgestellt werden.
'Dies ergibt sich bereits aus dem Umstand der vergleichs-
weise kurzen Börsennotierung der
woraus dann keine aussagefähigen Werte
ermittelt werden können. Zudem war das operative Ge-
schäft des Mutterkonzerns bis zur Übernahme der Advan-
ced Inflight Alliance AG nicht mit dem der Gesellschaft

- vergleichbar, worauf die Verfahrensbevollmächtigten der
Antragsgegnerin im Termin vom 14:8.2015 unwiderspro-
chen hingewiesen haben.
Neben dem operativen Risiko 'muss auch das Finanzie-'
rungsstrukturrisiko beim unternehmensindividuellen Risi-
ko, wie es mit Hilfe von Beta-Faktären ermittelt wird, ein-
fliessen. Demgemäss erhöht sich das Risiko der Eigenkapi-
talgeber mit steigender Verschuldung des Unternehmens,
so dass dann der operative unverschuldete Beta-Faktor
entsprechend angepasst werden muss. Angesichts des
niedrigen und im Verlaufe der .DetailplanungsOhase ledig-
lich geringfügig ansteigenden Verschuldungsgrades, der
'seine Ursache in dem wachstumsbedingten operativen
Kapitalbedarf des Konzerns der Advanced lnflight Alliance'
AG hat, erhöht sich der Beta-Faktor kaum. Da Thesaurier
ruhgen sowohl in der Detailplanungsphase als auch in der
Phase der Ewigen Rente den Anteilseignern fiktiv zuge-
rechnet werden, standen diese Mittel für eine Tilgung von
Finanzverbindlichkeiten, die dann zu einem (noch) niedri-
geren Verschüldungsgrad und demgemäss einem sinken-
den Beta-Faktor führen würde, nicht zur Verfügung.
(c) Der so ermittelte- Risikozüschlag mit Werten zwischen 5,2 % und
5,4 % für die einzelnen Geschäftsjahre und den Terminal Value
steht in Einklang mit den sich aus der speziellen Risikosituation
der Gesellschaft am Markt ergebenden Risiken, die auch unter
Berücksichtigung der. günstigen Finanzierungsstruktur leicht
über dem Marktdurchschnitt liegen. Dies resultiert vor allem aus
der Erwägung heraus, dass die Abnehmer der Produkte der
Gesellschaft in Folge von regulativen Veränderungen, Ölpreis-
schwankungen - wie generell die Entwicklung von Rohstoff-

preisen - nur schwer prognostizierbar und daher sehr erratisch
sind, sowie einer Vielzahl anderer Faktoren' ein sehr schwan-
kendes Geschäftsmodell haben und ein Lieferant wie die Ad-
vanced Inflight Alliande AG mit ihren Tochtergesellschaften
unmittelbar daran partizipiert. Gerade die Luftfahrtbranche ent-
wickelt sich nicht gleichmässig und ist konjunkturellen Schwan-
kungen unterworfen, worauf der Prüfer - wenn auch in ande-
rem Zusammenhang - in seiner ergänzenden Stellungnahme
vom 19.10.2015 deutlich hingewiesen hat. Zudem muss die
vergleiChsweise starke Stellung der Abnehmer'der Produkte der.
Gesellschaft hingewiesen werden, was als ein das Risiko erhö-
hender Faktor in die Gesamtwürdigung einfliessen muss. Über
die Preispolitik können die grossen Fluggesellschaften Druck auf
ihre Zulieferunternähmen ausüben, wobei dies vor allem dann
gilt, wenn diese Margen erzielen konnten, die Ciber denen der
Endabnehmer lagen: Dieser Umstand begrenzt deutlich die
insgesamt am Luftfahrtmarkt zu beobachtenden Chancen. Auch
darf nicht verkannt werden, dass sich die Filmindustrie nicht nur
einseitig positiv mit entsprechenden Blockbustern in jedem Jahr
entwickelt. Auch dort ist eine Negativentwicklung' Sehr wohl
denkbar. Dies relativiert insgesamt die sich aus der guten
Marktstellung und auch den durchaus positiven Entwicklungen
in der Zukunft ergebenden Chancen. ,Angesichts dessen muss
das operative Risiko als leicht überdurchschnittlich bezeichnet
werden angesichts der volatilen Verhältnisse im Bereich der
Bordunterhaltung, bei der es gerade im Bereich der Software-
Industrie und dem Spielesektor angesichts der Kurzlebigkeit .
dieser Technologien und dem raschen Fortschritt zu Entwick-
<
lungen kommen kann ' , die sich deutlich negativ auf das Ge-
schäftsmodell der Gesellschaft auswirken können. Wenn der
Trend zum Abspielen Von Filmen und Spielen auf kundeneige-
nen Endgeräten während des Flugs verstärkt wird, kann sich
dies auf das Geschäftsmodell der Gesellschaft negativ auswir- -

ken und zu entsprechenden Planverfehlungen führen. Auch
dies muss bei der Gesamtabwägung berücksichtigt werden.
Das sich aus der Finanzierungsstruktur ergebende Risiko führt
nur zu einer geringfügigen Erhöhung des operativen Risikos der
Gesellschaft, weil die Gesellschaft nur über vergleichsweise ge-
ringe zinstragende Verbindlichkeiten in Relation zum Eigenkapi-
. tal verfügte. Demgemäss führt die Finanzierungssituation der
Gesellschaft nur zu einem geringfügig höheren Risiko der Ei-
genkapitalgeber.
Allein aus der Existenz eines Grossaktionärs läst sich nicht, auf
ein deutlich reduziertes Risikos schliessen. Zum einen ist zu be-
achten, dass die Antragsgegnerin - 'ohne das Bestehen eines
Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages über keinerlei
rechtliche Weisungsmöglichkeiten in Bezug auf die .Advanced
lnflight Alliance AG verfügte. Selbst bei Bejahung eines fakti-
schen Konzerns zwischen diesen beiden Gesellschaften hätte
die Antragsgegnerin keine Möglichkeit, verbindliche Weisungen
zu erteilen. Zudem senkt die ExiStenz eines Grossaktionärs nicht
claS unternehmerische Risiko des Unternehmens, zumal aus
Sicht der Aktionäre der abhängigen Gesellschaft noch das In:-
solvenzrisiko des Grossaktionärs als zusätzliches Risiko zu be-
achten ist. Allein das Vorhandensein eines Grossaktionärs än-
dert nichts 'an dem UMstand, dasS es sich bei einer Aktie um
ein Risikopapier, handelt (vgl, OLG München ZIP 2007, 375,
379 = Der Konzern 2047, 356, 360; -OLG Stuttgart, Beschluss-
vom 19.1.2012, Az. 20 W 3/09; LG München I, Beschluss vom
6.11.2013, Az. .5 HK 0 2665/12; Beschluss vorn 2112.2015,
Az. 5HK 0 24402113).
(d) Da der so festgesetzte Risikozuschlag mit Werten zwischen 5,2
% und 5,4 % dem allgemeinen Risiko der Gesellschaft am
Markt entspricht, muss kein weiterer Beweis zu der Frage erho-

ben werden; ob der Ansatz von Beta-Faktören für die einzelnen
Peer Groüp-Unternehmen rechnerisch fehlerhaft erfolgte, wie
der Antragsteller zu 79) schriftsätzlich unter Hinweis auf eigene,
einen Beta-Faktor von 0,8 ergebenden Berechnungen vorge-
tragen hat. .Ein unlevered Beta-Faktär von 0,8 entspricht dem
Durchschnitt deä operativen. Risikos aller Unternehmen. Dies
kann jedoch bei der Advanced Inflight Alliance AG gerade we
gen' ihrer Abhängigkeit von der Entwicklung in der Luftfahrtin-
dustrie als einziger Abnehmerbranche, die erheblichen
Schwankungen unterliegt, nicht mehr als sachgerecht bezeich-
- net werden. Vielmehr ist das operative Risiko der Gesellsdhaft
- wie ausgeführt - leicht über dem Branchendurchschnitt anzu-
siedeln. Da auch die Ermittlung des künftigen Risikos unter Be-
rücksichtigung der Verschuldung der Vergleichsunternehmen
stets nur auf einer Schätzung beruhen kann und das RiSikö der
Advanced Inflight Alliance AG nur geringfügig über dem opera-
tiveh liegt, 'kommt es letztlich nicht entscheidungserheb-
lich darauf an, wie hoch exakt der VerSchuldungsgrad der Peer
Group-Unternehmen im Einzelnen ist.
) Der mit 1 % angesetzte Wachstumsabschlag im Terminal Value
muss nicht erhöht werden.
(a) Mit dem Wachstumsabschlag wird zugunsten der Aktionäre be-
rücksichtigt, dass sich. die Geldentwertung bei festverzinslichen
Anleihen Stärker auswirkt als bei einer Unternehmensbeteili-
. gung._ Das Unternehmen hat in der Regel die fVlöglichkeit,, die
. _
Geldentwertung zumindest zu einem Teil durbh Preiserhöhun-
gen aufzufangen, während die Anleihe ohne Inflationsausgleich
zum Nominalwert zurückgezahlt wird. Die Höhe des festzuset-
zenden AbSchlages ist dabei abhängig von den Umständen des
Einzelfalles. Massgeblich ist vor allem, ob und in welcher Weise
Unternehmen die erwarteten. PreisSteigerungen an die Kunden

weitergeben können; daneben sind aber auch sonstige prog-
nostizierte Margen und Strukturänderungen zu berücksichtigen
(Vgl. OLG Stuttgart AG 2007,-596, 599; NZG 2007, 302, 307;
AG 2008, 783, 788 f.; OLG München WM 2009, 1848, 1851 =
ZIP 2009, 2339, 2342; AG 2015, 508, 512 = ,ZIP 2015, 1166,
1171; OLG Düsseldorf WM 2009, 2220, 2227; OLG Karlsruhe
Der Konzern 2015, 442, 450 f.; 2016, 35, 41). Ausschlagge-
bend ist dabei primär die individuelle Situation des Unterneh-
mens, nicht die allgemeine Entwicklung zum Bewertungsstich-
tag. Dabei kann nicht auf Umsätze und deren Entwicklung in
Relation zur Inflationsrate abgestellt werden; entscheidend ist
vielmehr das Wachstum der Ergebnisse. IndeS kann die erwar-
tete durchschnittliche Inflationsrate nur einen ersten Ansatz-
punkt für die Höhe des Wachstumsabächlages bilden. Es ist
nämlich zu beachten, dass - wie auch aus anderen Verfahren
gerichtsbekannt ist Unternehmensergebnisse anderen
Preiseinflüssen als der Verbraucherpreisindex unterliegen, weil
Chancen und Risiken nominaler Ergebnisveränderungen so-
wohl von der Marktlage und Wettbewerbssituation als auch der
Struktur jedes einzelnen Unternehmens abhängen.
Gerade im. Geschäftsfeld der Advanced lnflight Alliance AG
muss bei den Möglichkeiten, Kostensteigerungen auf der Be-
Schaffungsseite auch im eigenen Unternehmen auf die Kunden,
also die Fluggesellschaften, abzuwälzen, gesehen werden,
dass die in der Vergangenheit operativ und originär erwirtschaf-
teten Umsatzsteigerungen in aller erster Linie auf grössere
Mengen zurückzuführen waren, während die Preise unter Druck
standen. Aus diesem Befund wird sich angesichts der Beson-
derheiten des Geschäftsmodells der Bordunterhaltung auch in
Zukunft nichts grundlegend verändern. Die Löhne und Gehälter
werden auch Weiterhin ansteigen, ohne dass diese Entwicklung

steigenden Personalaufwands vällständig an die Kunden wei-
tergegeben werden kann.
Ein dauerhaftes Wachstum eines einzelnen Unternehmens au-
sserhalb des Wachstums in der gesamten Volkswirtschaft im
Rahmen der Ewigen Rente muss zudem als widersprüchlich
bezeichnet werden, weil 'in diesem Fall das Unternehmen un-
endlich lange stärker als die Volkswirtschaft wachsen würde;
dieser Ansatz ist nicht nachvollziehbar (so OLG Frankfurt Der
Konzern 2012, 199, 209), wobei auch hier zu berücksichtigen
ist, dass die Gesellschaft in einem engen Markt tätig ist. Gegen
einen höheren VVachsturnsabschlag spricht weiterhin die Über-
legung, dass mit diesem Wert von 1,% ein Durchschnittswachs-
tum angesetzt wird und es gerade auch angesichts der geschil-
derten konjunkturellen Abhängigkeit der W.E.T. AG sehr wohl
denkbar ist, dassin .den Jahren der Ewigen Rente es zu niedri,
geren.Wachstumsraten der Überschüsse oder gar zu Jahres
fehlbeträgen kommen kann.
(b) Selbst wenn dieses inflationsbedingte WaChstum unterhalb der
erwarteten allgemeinen Preissteigerungsrate liegen sollte, von
der zum Stichtag 'ausgegangen -wurde, rechtfertigt dies- nicht
den Schluss auf ein dauerhaft real schrumpfendes Unterneh
Men. Es müssen nämlich auch die Fölgen der Thesaurierung in
die Betrachtung zum künftigen Wachstum einfliessen. Der An-
satz thesaprierungsbedingten Wachstums ist angesichts der
Aufgabe der VollauSschüttungshypothese notwendig. Durch die
Berücksichtigung der Thegaurierung in der Ewigen Rente kann
reales Wachstum begründet werden. Dabei muss insbeSondere
gesehen werden, dass die früher der Unternehmensbewertung
zugrunde gelegte Vollausschüttungshypothese den Realitäten
nicht entsprochen hat, so dass der Ansatz von Thesaurierung
und deingernäss auch von thesaurierungsbedingten Wachstum

in der Ewigen Rente als sachgerecht und zutreffend bezeichnet
werden muss (vgl. auch LG München I, Beschluss vom
28.3.2014, Az. 5 HK 0 18925/08, S. 55 f.; Beschluss vom
7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12, S. 56).
Diesem Ansatz können auch nicht neuere Studien aus der Lite-
ratur.entgegengehalten werden, wie der Kammer aus anderen
Verfahren bekannt ist. Dies gilt zunächst für eine Dissertation
von Bärk. Dieser Arbeit ist nämlich nicht zu entnehmen, inwie-
weit der Umstand von Gewinnsteigerungen auch zu Wertsteige-
rungen deS Unternehmens führt. Der auf Zahlen der Deutsähen
Bündesbank mit der Entwicklung des bilanziellen Eigenkapitals
beruhenden Aufstellung ist zu entnehmen, dass das bilanzielle
Eigenkapital stärker wuchs als die Gewinne; Ursachen für diese
Entwicklung können der Zahlenreihe indes nicht entnommen
werden. Das Gewinnwachstum der Vergangenheit konnte nicht
kostenlos erfolgen, sondern erforderte Thesaurierungen: Dann
aber bestätigen .die Zahlen aus der Arbeit von Bork diese Über-
legungen = je höher das Wachstum, desto geringer ist der aus-
schüttungsfähige Teil der Ergebnisse. Auch aus einer Studie
von Creutzmann lässt sich erkennen, dass die Ergebnisse
wachsen und das bilanzielle Eigenkapital stärker Mitwächst. Al-
lerdings kann ihr nicht entnommen werden, inwieweit dies tat-
sächlich eine Wertsteigerung nach sich zieht. -
Somit ergibt sich ein sich aus dem Ertragswert der Ausschüttungen und
der fiktiven Zurechnung der Thesaurierung zusammensetzender Ertrags-
wert der .Advanced lnflight Alliance AG in Höhe von Euro 144,299 Mio. wie
folgt:
AIA Konzern 2013 2014 2015 ' 2016 ab 2017
Wertbeitrag aus Dividenden TEuro TEuro TEuro TE TEuro
Zu diskontierende Nettoausschüttung _1.712 1.843 2.310 -3.177 3.988
Kapitalisierungszinssatz ' 7,2% 7,2% 7,3% 7,32% 6,38%

Barwertfaktor 0,9660 0,9009 0,8397 0,7824 12,2679
Barwert 1.654 1.660 1.940 2.486 48.919
Wertbeitrag aus Dividenden zum 31.
Dezember 2013 56.659
Aufzinsungsfaktor 1,0100
Wertbeitrag aus Dividenden zum 21.
Februar 2014 57.225
MA Konzern 2014 2015 2016 ab 2017
Wertbeitrag aus Thesaurierung TEuro TEuro TEuro TEuro
Zu diskontierender Wertbeitrag aus
Thesaurierung 8.691 8.171 8.742 4.799
Kapitalisierungszinssatz 7,22% 7,29% 7,32% 6,38%
Barwertfaktor 0,9660 0,9004 -0,8389 13,1543
Barwert 8.396 7.357 7.334 63.127
Wertbeitrag aus Thesaurierung zum
31. Dezember 2013 , 86.214
Aufzinsungsfaktor 1,0100
Wertbeitrag aus
.
Thesaurierung zum
_
21. Februar 2014 87.075
Ertragswert 144.299
c. Für das nicht betriebsnotwendige Vermögen wurde zusammen mit den
Sonderwerten zutreffend ein Wert von Euro 50,281 Mio. angesetzt.
(1) Die Aktien der wurden entsprechend
der Aktualisierungserklärung zum Stichtag nunmehr mit einem Wert
von US-$ 15,49 oder Euro 11,26 anstelle von US-$ 12,61 oder Euro 9,21
angesetzt, nachdem sich der Kurs im Anschluss an' die Prüfung zu-
gunsten der Minderheitsaktionäre nach oben verändert hafte. Dabei
.
floss in die Berechnung der Aktienwerte ein Durchschnittskurs über
einen Referenzzeitraum von -drei Monaten vor dem Stichtag' der
Habptversammlung ein. Sachgerecht ist dabei der erfolgte Ansatz
eines Referenzzeitraums; die fiktive Veräusserung einer grossen Zahl
von Aktien zu einem Stichtag' könnte zu einem Kursverfall führen.
Daher muss - ähnlich wie bei der Ermittlung des Börsenkurses des
Bewertungsobjekts selbst (hierzb siehe unten unter -B. II. 2. a. (1))
zur Vermeidung irrationaler Verzerrungen auf den Durchschnittskurs

auf einen längeren Zeitraum abgestellt werden. Dies steht auch in
Einklang mit den Vorgaben aus §§ 62 Abs. 5 UmwG, § 327 b Abs. 1
AktG, wonach die Verhältnisse der Gesellschaft im Zeitpunkt der Be-
schlussfassung der Hauptversammlung zu berücksichtigen sind. Zu
den im Berücksichtigungszeitpunkt massgeblichen Verhältnissen ge-
hört aber nicht nur der Tageskurs, sondern ein auf diesen Stichtag
bezogener Durchschnittskurs (vgl. BVerfGE 100, 289, 310. = NJW
.1999, 3769, 3772 = NZG 1999, 931, 933 = AG 1999, 566, 569 = ZIP
1999, 1436, 1442 = WM 1999, 1666, 1670 = DB 1999, 1693, 1696 =
B.B 1999, 1778, 1781 = JZ 1999, 942, 945 - DAT/Altäna),
Die Besteuerung der Veräusserungsgewinne aus den Aktien der
war zwingend notwendig und erfolgte
zutreffend unter Berücksichtigung der steuerreChtlichen Gegebenhei-
ten einschliesslich der Vorgaben aus § 8 c KStG. Bei der Annahme
der fiktiVen Veräusserung 'der zum nicht betriebsnotwendigen Vermö-
gen gehörenden Aktien müssen die sich aus der Veräusserung erge-:
benden. Gewinne der Besteuerung unterworfen werden. Der Wert
des Unternehmens bestimmt sich nämlich nach der Höhe der Netto-
zuflüsse. unter Berücksichtigüng der Ertragsteuern des Unterneh-
mens wie auch der persönlichen Ertragsteuern der Unternehmens-
eigner, die aufgrund des
.
Ereignisses im Unternehmen entstehen.
Dann aber ist es sachgerecht - auch VeräusserungsgeWinne der Be-
steuerung zu unterwerfen, sofern die Voräussetzungen des Körper-
schaftsteuergesetzes erfüllt sind: Diese wurden, beachtet, wie die
Feststellungen deS Abfindüngsprüfets nach seinen Erläuterungen im
Termin zur mündlichen Verhandlung ergeben haben,
(2)
.
Keiner Korrektur bedürfen auch die zum Stichtag vorgenommenen
erhöhten Ansätze zu den -Aktienoptionen, die von der Gesellschaft
gehalten wurden und deren Wert mit Hilfe eines Binominalmodells
sachgerecht ermittelt wurde, Dieses Modell bildet nach, dass die
Kaufoptionen der Advanced Inflight Alliance AG auf Aktien der

entsprechend ihrer rechtlichen Ausgestal-
tung während der gesamten Laufzeit der Option ausgeübt Werden
kann. Für verschiedene Ausübungszeitpunkte werden dabei eine Er-
höhung und eine Minderung des-Basiswerts - also des Werts der Ak-
tien der zum jeweiligen Zeitpunkt -
gegenüber dem Wert zum vorherigen AusübungSzeitpunkt errechnet.
S6 bildet sich ein Entscheidungsbaum, bei dem sich die Anzahl der
möglichen Entwicklungen des Basiswerts mit jeder weiter vom Start-
punkt entfernten Simulation erhöht. Aüs der Verbarweilung der Kno-
tenpunkte

resultiert dann der Wert der Option. Die Bewertungsgut-
achter von berechneten, ohne dass dieser Ansatz Frage zu
stellen wäre; 200 SimulationSperioden und nahmen eine Abzinsung
mit dern risikolosen laufzeitäquivalenten Zins der Vereinigten Staaten
von Amerika vor. Als Volatilität legten sie einen Wert von 35 % zu-
grunde, was nach den Erläuterungen von in der er-
.gänzenden Stellungnahme vom 2.6.201 .5 angesichtS der geringeren
historischen Volatilität der Aktien dieser Gesellschaft eine Annahme
zugunsten der Minderheitsaktionäre darstellt. Nach den OPtionsbe-
dingungen 'war von einem Ausübungspreis von US-$ 10,77 und einer
Fälligkeit zum 7.6.2017 auszugehen. Zur Ermittlung des Nettowerts
musste vom gesamten Zeitwert in - Höhe von Euro 3,326 Mio. nach Ab-
zug des Buchwerts von Euro 173.000,-- und unter Zugrundelegung ei-
nes -kombinierten Ertragsteuersatzes der Advanced Inflight Alliance
AG von 32,98 % auf den errechneten Veräusserungsgewinn von Euro
2,613 Mio. ein Nettowert der Option zum Stichtag der Hauptver-
sammlung VOM 21.2.2014 von Euro 2,464 Mio. angesetzt werden.
Eine Berechnung des Werts der Aktienoptionen nach der Black
Scholes-Methode konnte und musste nicht erfolgen, weil dieser An-
satz nur bei solchen- Optionen passt, bei denen die Ausübung aus-
schliesslich zum Ende der Laufzeit erfolgen kann, was vorliegend in-
des nicht der Fall war.

(3)
Der Ansatz der nicht betriebsnotwendigen Liquidität mit einem Betrag
von 13,635 Mio. muss nicht angepasst werden. Aus der den. Be-
wertungsgutaChtern und den Prüfern vorgelegten Unterlagen zur
Kalkulation ergab sich, dass ein Söckelbetrag in Höhe von Euro 4,5 Mio.
als betriebsnotwendige Liquidität anzusetzen ist. Zum 31.12.2013 lag
ein. Planwert von 18 Mio. an'Liquidität vor, DaraLis muss dann aber
nätwendigerweise der SchluSs, gezogen werden, dass die darüber
hinaus vorhandene Liquidität als nicht betriebsnotwendig einzustufen .
ist. .
(4) Weitere. Sonderwerte oder, sonätiges nicht betriebsnotwendiges Ver-
mögen mussten nicht in den Unternehmenswert einfliessen. Dies gilt
namentlich für den Wert der Marke ,Advanced !nflight Alliance".
Die Marke dient nämlich unmittelbar dem Erzielen der Erlöse; wes-
. halb ihr Wert über die Ertragsplanung in die Unternehmeneewer- :
tung einfliesst und derrizufolge nicht im Rahmen des nicht betriebs-'
notwendigen Vermögens Berücksichtigung finden kann; anderenfalls
käme es zu einer unZulässigen Doppelerfassung (vgl. OLG Stuttgart;
Beschluss vom 19.1.2011, Az. 20 W 3/09; LG München 1, Beschluss
vom 21.11.2011; Az. 5HK 9 14093/09; Beschluss vom 21.6.2013,
Az. 5HK 0 19183/09; Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5 HK 0
21386/12; Beschluss vom 28::5.2014, Az. 5HK 0 22657/12; Be-
schluss vom 31.10:2014, Az. 5HK 0 16022/07; Beschluss vom
31:7.2015, Az. 5HK 0 16371113; Beschluss vom 21:12:2015, Az.
5HK 0 24402/13; LG Frankfurt am Main, Beschluss vom 9.8.2010,"
Az. 3-5 0. 73/04).
Somit ergibt sich folgender. Unternehmenswert der Advanced Inflight Alliance
AG:
Ertragswert 144,299 Mio.
Sonderwerte

GEE-Anteile
Aktienoption
Überschussliquidität
Summe des nicht
betriebsnOtwendigen
Vermögens
Unternehmenswert
34,182 Mio.
2,464 Mio.
13,635 Mio.
50,281 Mio.
194,580 Mio.
Angesichts dessen war die angemessene Barabfindung bei einem Unterneh-
menswert von Euro 194,58 Mio. und 24.052.493 Aktien auf 8,09 festzusetzen. Da
diese um 6,03 % über dem im Beschlüss der Hauptversammlung festgelegten
Betrag liegt, musste auch eine Erhöhung ausgesprochen werden. Dem kann
nicht 'die Überlegung entgegengehalten werden, angesichts der auf § 287 Abs.
2 ZPO beruhenden Seilätzung liege die Erhöhung noch innerhalb einer zulässi-
gen Bandbreite, die die Angemessenheit der Kompensation nicht in Frage stel-
- le. Es ist nämlich nicht möglich, einen mathematisch exakten oder "wahren" Un-
ternehmenswert zum Stichtag zu ermitteln, da dieser, angesichts seiner Zu:-
kunftsärientiertheit und der damit zwangsläufig verbundeneh Ungenauigkeit
vom Gericht auf der Basis von § 287 Abs. 1 ZPO nur geschätzt werden kann
und somit eine Bandbreite von Werten angemessen sein muss (vgl. OLG Düs-
seldorf, Beschluss 'vom 6,4.2011, Az. 26 W 2/06 (AktG), OLG Karlsruhe NZG
2008, 791 Ls; BayObLG NZG 2006, 156, 157- = AG 2006, 41, 42
.
- Pilkington).
Die Grenze innerhalb derer Werte noch als angemessen anzusehen sind, wird
bei nicht unter .5 % angesiedelt (LG München I, Beschluss vom'27.6.2014, Az.
5HK 0 7819/09; Beschluss vom 21.12.2015, 5HK 0 24402/13; in diese Rieh-
. tung: OLG Frankfurt ZIP 2012, 371, 376; auch Kiszkajler BB 2003, 1692, 1694
für den Fall einer Verschmelzungswertrelatien; die Grenze sogar erst bei 10 %
ziehend Paschos ZIP 2003, 1017, 1024; Simon/Leverkus in: Simon, SpruchG,
§ 11 Rdn. 11). Da die -Grenze von 5 % allerdings wie hier nicht un-
erheblich überschritten -wird, muss insbesondere auch unter Berücksichtigung
des Eigentümsgrundrechts der Minderheitsaktionäre aus Art. 14 Abs, 1 GG eine
Erhöhung erfolgen.

97
1-
Aus anderen Gründen lässt sich eine höhere Barabfindung als 8,09 je Aktie
nicht rechtfertigen.
Dies gilt zunächst für den Börsenkurs, nachdem der umsatzgewichtete.
rechnerische Durchschnittskurs im massgeblichen Referenizeitraum ent-
sprechend den Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsauf-
sicht bei Euro 5,56 je Aktie und folglich deutlich unter dem mit Hilfe des Er-
tragswerts ermittelten Barabfindungsbetrag lag.
Der Ansatz eines Börsenkurses von 5,56 je Aktie. ad der Basis ei-,
nes Referepzzeitrams von drei Monaten vor der Bekanntgabe des
von der Antragsgegnerin förmlich gestellten Verlangens nach § 327 a
AktG zur Übertragung der Aktien am 31:7.2013 durch die Advanced ,
Inflight Alliance AG ist rechtlich zutreffend erfolgt und führt daher zu
keiner höheren Barabfindung.
Nach 'der Rechtsprechung insbesondere auch des Bunde§verfas-:
sungsgerichts ist bei der Bemessung der Barabfindung nicht nur der
nach betriebswirtschaftlichen Methoden zu ermittelnde Wert der quo-
talen Qnternehrnensbeteiligung, sondern als Untergrenze
.
der Abfin-
dung wegen der Wertung des Eigentumsschutzes aus Art. 14 Abs. 1
Satz 1 GG der Börsenwert zu berücksichtigen (vgl.. BVerfGE 100,
289, 305 ff: = NJVV. 1995, 3769, 3771 ff. = NZG 1999, 931, 932 f. =
AG 1999, 566, 568 f. =ZIP .1999, 1436, 1 21.41 ff. = WM 1999, 1666,
1669 -ff. = DB' 1999, '1693, 1695 ff. = BB 1999, 1778, 1781 f. = JZ
1999, 942, 944 f. DAT/Altana; BVerfG WM 2007, 73 = ZIP 2007;
175, 176 = AG 2007, 119 f.; BGH NJW 2010, 2657, 2658 = WM.
2010, 1471, 1473 = ZIP 2010, 1487, 148e f. = AG.2010, 629, 630 =
NZG 2010, 939, 940 f. = DB 2010, 1693, 1694 f. = BB 2010, 1941,
1942 = Der Konzern 2010; 499, 501 - Stollwerck; OLG München AG
2007, 246, 247; OLG Frankfurt AG 2012, 513, 514; Hüffer, AktG, 11.
'Aufl., § 327 b Rdn. 6 und § 305 Rdn. 29; Schnorbus in:
Schmidt/Lutter, AktG, 3. Aufl., § 327 b Rdn. 3; Habersapk in: Em-

merich/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht, 7. Aufl., § 327 b
Rdn. 9; Simon/Leverkus in: Simon, SpruchG, a.a.O., Anh § 11 Rdn.
197 f.; Meilicke/Kleinertz in: Heidel, Aktienrecht und Kapitalmarkt-
recht, 4. Aufl., § 305 AktG Rdn. 36).
Der BGH geht nunmehr in Übereinstimmung mit der überwiegend
vertretenen Ansicht in Rechtsprechung und Literatur, und unter teil-
weiser Aufgabe seiner früher vertretenen Auffassung mit Beschluss
vom 19.7.2010, Az. II ZB 18/09 (vgl. BGH NJW 2010, 2657, 2658 ff.
= WM 2010,,1471, 1472 ff. = ZIP 2010, 1487, 1488 f. = AG 2010,
629, 630 ff. = NZG 2010, 939, 941 ff. = DB 2010, 1693, 1694 f. = BB
2010, 1941, 1942 ff. = Der Konzern 2010, 499, 501 ff. - Stollwerck;
bestätigt durch BGH AG 2011, 590 f. = ZIP 2011, 1708 f.; ebenso
OLG Stuttgart ZIP 2007, 530, 532 ff. = AG 2007, 209, 210 ff. = NZG
2007, 302, 304 ff. - DaimlerChrysler; ZIP 2010, 274, 277 ff.; OLG
Düsseldorf ZIP 2009, 2055, 2056 ff. = WM 2009, 2271, 2272 ff.; Der
Konzern 2010, 519, 522; OLG Frankfurt NZG 2010, 664; AG 2012,
513, 514; Paulsen in: Münchener Kommentar zum AktG, 4. Aufl., §
305 Rdn. 88 f.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 305 Rcin. 45; Emmerich in:
Emmerioh/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., §
305 Rdn. 45, 46 und 46 a; Tonner in: Festschrift Karsten Schmidt,
2009, S. 1581, 1597 ff.) davon aus, der einer angemessenen Abfin-
dung zugrunde zu legende Börsenwert der Aktie müsse grundsätz-
lich aufgrund eines nach Umsatz gewichteten Durchschnittskurses
innerhalb einer dreimonatigen Referenzperiode vor der Bekanritma-
chung einer Strukturmassnahme ermittelt werden.
Die Drei-Monats-Frist lief angesichts der Bekanntgabe des Squeeze
out-Verlangens.am 31.7.2013 vom 30.4.2013 bis zum 30.7.2013, al-
so bis zum Tag vor der Bekanntgabe an die Kapitalmärkte. Da die
HauptVersammlüng am 21.2.2014 stattfand, also sechs Monate und
drei Wochen nach der Bekanntgabe kann ein längerer Zeitraum, 'der
eine Hochrechnung erforderlich machen würde, nicht angenommen
werden. Ein Zeitraum Von doch nicht unerheblich unter 7 1/2 Mona-

99
ten kann nach 'nicht als längerer Zeitraum angesehen werden (vgl.
hierzu BGH NJW 2010, 2657, 2660 = WM 2010, 1471, 1475 = ZIP
2010, 1487, 1491 = AG 2010, 629, 632 = NZG 2010; 939, 942 ,= DB
2010, 1693, 1697 = -BB 2010, 1941, 1944 = Der Konzern 2010, 499,
503 - Stollwerck). Es liegt in der Natur der Sache der Vorbereitung
eines Squeeze Out-Beschlusses, dass sich .diese über einen Zeit-
raum von mehreren Monaten erstreckt, nachdem insbesondere ein
Bewertungsgutachten zum Unternehmenswert der Advanced Inflight
Alliance AG zu erstellen ist und ein - wenn-auch zulässigerweise im
Wege der Parallelprüfung erstellter - Prüfungsberiqht gefertigt wer-
den muss, der angesichts der Struktur der Advanced Inflight Alliance
AG als Konzernholding ohne eigenes operativeS Geschäft diesplan-
daten einer Reihe von Tochtergesellschaften berücksichtigen muss.
AuSweislich des Bewertungsgutachtens von erfolgte die Man-
datierung dieser Gesellschaft mit Schreiben vom 9.8.2013; der Be
sChluss über die Bestellung von als Abfindungsprü,
fer durch das Landgericht,München I datiert gleichfalls vom 9.8.2013.
Dies zeigt, dass eine unangemessene Verzögerung durch die An-
tragsgegnerin nicht angenommen werden kann. Würde man den
längeren Zeitraum dagegen bereits unterhalb der vom:BGH gezoge-
nen Grenze von 7 1/ 2 Monaten ansetzen, bestünde zudem die Ge
fahr, dass die als Ausnahme konzipierte Rechtsprechung des II. Zi-
vilsenats des BGH zur Regel wird (vgl. 'OLG Saarbrücken AG 2014,
866, e67 f. = ZIP 2014, 1784, 1786; Wasmann ZGR 2011, 83, 94 'ff.,
96.; Bungert/Wettich BB 2010, 2227, 2229; Decher ZIP 2010, 1673,
1675 f.).
Soweit in einer jüngeren Studie die Ansicht vertreten wird, angesichts
eines Durchschnitts von vier Monaten und drei Tagen im Median
müsse bei einem längeren, also über diesen Durchschnitt hinausge-_
henden Zeitraum eine
.
Anpassung im Sinne einer Hochrechnung er-
folgen (vgl. Weimänn, - Spruchverfahren .nach Squeeze out, 2015, S.
409), kann dem nicht gefolgt werden. Selbst wenn diese Zeitspanne

der Durchschnitt sein mag, führt nicht jede Überschreitung um. etwas
mehr als-einen Monat zu der Annahme, es müsse eine Anpassung
oder.Hochrechnung erfolgen. Dieser Ansatz in der Literatur berück-
sichtigt nämlich nicht hinreichend die BeSonderheiten des Einzelfal-
les wie. beispielsweise die Grösse und Komplexität des zu bewerten-
den Unternehmens.'
(2) Angesichts der zutreffenden Ableitung des Börsenkurses aus dem
soeben beschriebenen Referenzzeitraum kann es keine Rolle spie-
len, ob der Börsenkurs im weiteren Verlauf nach der Bekanntgabe
und insbesondere vor der Einstellung des Börsenhandels deutlich
oberhalb der . von der HauptversamMlung festgesetzten Barabfindung
oder auch über der nunmehr von der Kammer festgesetzten Brab-
.finclung lag. Die Hohe dieser Kurse spielt bei der Bemessung der
-Barabfindung nämlich keine Rolle mehr und ist folglich nicht ent-
scheid u ngserheb lich.-
Eine höhere Barabfindung 'kann auch nicht über gezahlte Vbrerwerbsprei-
se abgeleitet werden, weil diese.für die ErrnittlUng'der Barabfindung ohne
Bedeutung Sind. Soweit teilweise in Rechtsprechung' und -Literatur. die AriL
sieht vertreten wird, Vorerwerbspreis seien zu berücksichtigen, weil auch
. eine sogenannte "Kontrollprämie" Teil des Unternehmenswertes sei (vgl..
LG Köln AG 2009,- 835, 838 = Der Konzern 2009; 494, 496 f.; Schüp7
penfTretter in: Frankfurter Kommentar zum WpÜG,- 3. Aufl.,. § 327 b AktG
Rdn. 16; Behnke NZG 1999, 934; in 'diese Richtung auch Emmerich in :
EmmerichWlabersack, - Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 305
Rdrt 50; für einen Sonderfall auch LG -Frankfurt, Beschluss vom
25.11.2014, Az: 3-05 0.43/13), vermag dem die Kammer nicht zu' folgen.
ErwerbSpreise, die ein Grossaktionär in sachlichem und zeitlichem Zu-
sammenhang mit einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag
. entrichtet, spielen für die Bemessung der. angemessenen Abfindung keine
Rolle. Der Preis, den ein Mehrheitsaktionär an die Minderpeitsaktionäre zu
zahlen bereit ist, hat zu dem "währen" Wert des Anteilseigenturns .in der

101
Hand der Mindestaktionäre regelmässig keine Beziehung. In ihm kommt
nämlich der Grenznutzen zum Ausdruck, den der Mehrheitsaktionär an
den erworbenen Aktien ziehen kann. Dieser ist wesentliCh dadurch be-
stimmt, dass der Mehrheitsaktionär mit den so erworbenen Aktien ein
Stimmenquorum erreicht, das aktien- oder ümwandlüngsrechtlich Voraus-
setzung für bestimmte gesellschaftsrechtliche Massnähmen ist. Daher ist
der Mehrheitsaktionär: vielfach bereit, einen "Paketzuschlag" zu zahlen.
Aus der Sicht des Minderheitsaktionärs ist der vom Mehrheitsaktionär au-
sserbörslich bezahlte (erhöhte) Preis nur erzielbar, wenn ,es ihm gelingt,
gerade seine Aktien an den Mehrheitsaktionär zu veräussern.. Darauf aber
hat der Minderheitsäktionär weder verFassüngsrechtlich aus Art. 14 Abs. 1
GG noch einfachrechtlich angeäichts des Grundsatzes der Vertragsfreiheit
einen Anspruch (vgl. BVerfGE 100, 289, 306 f..= NJW- 1999, 3769, 3771 =
NZG '1999, 931, 932 = WM 1999, 1666, 1669 = AG 1999, 566, 568 = ZIP
1999, 1436, 1441 = DB 1999, 1693, 1695 = BB 1999, 1778, 1780 = JZ
1999, 042, 944 - DAT/Altana;. BGHZ 186, 229, 241 = NJW 2010, 2657,
2660 = NZG 2010, 939, 943 = ZIP 2010, 1487, 1491 = AG 2010, 629,
632 = DB 2010,1693, 1697 = WM 2010, 1471, 1475 = Der Konzern 2010, .
499, 503 - Stollwerck; LG München 1, BeSchluss vom 10.12.2010, Az.
5HK 0 11403/09, S. 48 f.; Beschluss vom 24.5.2013; Az. .5HK 0
17095/11, S. 57 f.; Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0 16371/13; Be-
schluss vorn 21.12.2015, Az. 5HK 0.24402113; Vetter AG 1999, . 569, 572).
c. Ebenso wenig ergibt sich- die Unangemessenheit der _Barabfindung aus ._
dem Vortrag einiger Antragsteller, die so ermittelte Barabfindung bedeute
einen Verstoss gegen von der BundeSrepublik DeutsChland abgeschlosse-
ne Investitionsschutzabkommen, wonach bei Enteignungen, Verstaatli
chungen oder anderen Massnahmen, die einer Enteignung oder Verstaatli-
chung gleichkömmän, dem Investor eine den,üblichen Marktwert der Kapi-,
talanlage entsprechende Entschädigung .zu leiSten ist und
.
sich die Höhe
nach den Faktixen zu dem Zeitpunkt richte, zu dem der Beschluss zur
Enteignung angekündigt oder öffentlich bekannt gemacht wurde. Dieser
Grundgedanke aus den Investitionsschutzabkommen kann schon deshalb

keine Anwendung finden, weil es sich bei einem Beschluss über einen
Squeeze out nicht um eine Enteignung'handelt (vgl. BVerfGE 14, 363 ff. -
Feldmühle; BVerfG WW 2007, 3268, 3269 7 ZNG 2007, 587, 588 = AG
2007, 544; 545 = ZIP 2007, 1261, 1262 = WM 2007, 1329, 1330 = BB
2007, 1515; 1516 - = DB 2007, 1577 = Der Konzern 2007, 524, 525; 'Ha-
bersack in: Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht,
§ 327 a Rdn. 7). Zum anderen .aber liegt keine Enteignung oder ei-
ner Enteignung gleichstehende Massnahme durch den Vertragsstaat vor;
vielmehr geht es um den Beschluss der Hauptversammlung einer privat-
,
rechtlidh organisierten Aktiengesellschaft. Diese ist nicht Adressat: der Re-
gelung, weil sie nicht der andere Vertragsstaat .ist (vgl -. bereits LG Mün-
chen I, Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11; Beschluss vom
'7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12; Beschluss vom, 31.7.2015, Az. 5HK 0
.16371/13; Beschluss vom 21.'12.2015, Az. 5HK 0 24402/13).
Soweit vereinzelt gerügt wird, die Durchführung des verschmelzungsrecht-
lichen Squeeze out sei rechtsmissbräuchlich erfolgt, kann daraus ein an-
deres ErgebniS nicht begründet werden. Diese Rüge kann nämlich im
Spruchverfahren. nicht berücksichtigt werden, weil diese die :Wirksamkeit
des Hauptversammlungsbeschlusses in Frage stellt und allenfalls eine
Gesetzesverletzung im Sinne des § 243 Abs. 1 AktG begründen würde,
der indes nach dem Ablauf der Anfechtungsfrist und der Eintragung in das ,
Handelsregister bestandskräftig wurde.
Weitere Massnahmen zur Aufklärung des Sachverhaltes sind auch unter Be,
rücksichtigung des in §§ 17 Abs: 1- SpruchG, 26 FamFG verankerten Amtser-
mittlungsgrundsatzes nichtveranlasst..
Dabei 'ist namentlich die Durchführung einer gesonderten Beweisaufnah-
me durch die Einholung des Gutachtens eines gerichtlich bestellten Sach-
verständigen nicht erforderlich, weil die Anh6rung der gerichtlich bestellten

103
Abfindungsprüfer zu diesem für die Kammer überzeugenden Ergebnis ge-
führt hat.
(1) Ein gerichtliches Sachverptändigengutachteh muss nur dann einge-
holt werden, wenn nach der Anhörung des Prüfers, die sachlich auf §
8 Abs. 2 Satz 1 SpruchG gestützt wurde, weiterer Aufklärungsbedarf
besteht (vgl. OLG München Der Konzern 2014, 172, 173; AG 2015,
508, 512' = ZIP 2015, 1166, 1172; Klöcker in: Schmidt/Lutter, AktG,
a.a.O., § 8 Rdn.4 Fn.7; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., § 8 Rdn.
21; im Grundsatz auch Drescher in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 8
SpruchG Rdn. 8). Aufgrund des Berichts des Abfindungsprüfers, der
ausführlichen Erläuterungen in zwei Anhörungsterrininen und den
aufgrund von § 7 Abs. 6 SpruchG eingeholten ergänzenden Stel-
lungnahmen des Abfindungsprüfers hat die Kammer keinen Zweifel
an der Plausibilität der Planannahmen sowie den Feststellungen zur
Ewigen Rente einschliesslich der Grundfragen des Kapitalisierungs-
zinssatzes sowie zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen.
Dem kann nicht entgegengehalten werden, die Anhörung der gemäss
§§ 327 c Abs. 2 Sätze 2 bis 4, 293 c Abs. 1 AktG bestellten Abfin-
dungsprüfer diene nur der Aufklärung über ihre anlässlich der Prü-
fung getroffenen Feststellungen, nicht jedoch der Überprüfuhg der
inhaltlichen Angemessenheit der Planung und sonstiger Bewer-
tungsparameter (in diese Richtung auch Puszkajler in: Kölner Kom-
mentar zum AktG, a.a.O., Vorb. §§ 7 bis 11 SpruchG Rdn. 29 und §
8 Rdn. 32 f.). Diese Auffassung ist mit dem vom Gesetzgeber ver-
folgten Zweck des § 8 Abs. 2 SpruchG nichtvereinbar. Mit der Anhö-
rung des sachverständigen Prüfers soll nach dem Willen des' Ge-
setzgebers die Erkenntnisbasis schon zu Beginn des Verfahrens
verbreitert und eine eventuell zusätzlich notwendig werdende Beauf-
tragung eines gerichtlichen Sachverständigen zur Begutachtung be-
stimmter Fragen erleichtert werden. Damit allerdings erschöpft sich
nicht die Zielsetzung dieser Vorschrift. Bereits aus der Formulierung

104
in der Begründung des Regierungsentwurfs zu § 8 SpruchG, die sich
der Deutsche Bundestag erkennbar zu eigen gemacht hat, ist zu
entnehmen', dass der Gesetzgeber davon ausgeht, es könne auch
aufgrund der Anhörung des Prüfers eine abschliessende Entschei-
dung des Gerichts getroffen werden. Hierfür spricht insbesondere
auch der Gedanken in den Gäsetzesmaterialien, die Prüfungsberich-
te sollten künftig verstärkt als Grundlage zig Entscheidungsfindung
der Gerichte beitragen; der Beschleunigungseffekt soll sich dann ge7
rade auch daraus ergeben, dass ein gerichtliches Sachverständigen-
gutachten als Folge der Bestellung und letztlich auch der Anhörung
ganz- vermieden werden 'kann BT-Drudksache 15/371 S: 14
- - .
und 18; auch Riegger/Gayk in:.Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O.,
Ein; SpruchG Rdn. 50). Dann aber muss 'es:dem Gericht möglich
sein, auch . .Aussagen des .gerichtlich bestellten _Sachverständigen zu


Bewertungsfragen im _Rahmen seiner Entscheidung zu verwerten.
Ddrn steht letztlieh auch nicht die `Formulierung in :§ 8 Abs. 2 Sati 1
SpruchG" entgegen, _wenn dort die Anhörung des Prüfers als "sach-
verständiger Zeuge' beschrieben wird. Auch wenn dies suggeriert, er
solle dem Gericht nur Tatsachen bekunden, die er aufgrund seiner
besonderen Sachkunde wahrgenommen hat (Vgl. :§ 414 ZPO), kann
seine Rolle nicht auf die eines sachverständigen Zeugen beschränkt'
werden; weil anderenfalls der vorn Gesetzgeber bezweckte Effekt
der Beschleunigung des Verfahrens konterkariert würde. Dies gilt
.

umso mehr, als das Problem der rechtlichen Einordnung des geridht
lieh bestellten Prüfers in den Gesetzesmaterialien nicht weiter prob-
.

lematisiert wurde.
Die weitere Einschaltung eines gerichtlidh bestellten Sachverständi-
gen wird namentlich auch nicht
.
vorn Schutz der Minderheitsaktionäre
gefordert, Die Einschaltung eines vom Gericht bestellten sadhver-
ständigen Prüfers im Vorfeld der Strukturmassnahmen soll dem prä-
ventiven Schutz der Anteilseigner im Spruchverfahren dienen; des-
halb kann sein Prüfungsbericht zusammen mit dem Ergebnis einer

auf § 8 Abs. 2 SpruchG gestützten Anhörung zusammen mit der auf-
grund von § 8 Abs. 2 Satz 3 SpruchG eingeholten ergänzenden Stel-
lungnahme im gerichtlichen Verfahren berücksichtigt werden. Im Üb-
rigen haftet der sachverständige Prüfer nach §§ 327 c Abs. 2 Satz 4,
293 d Abs. 2 AktG, 323 HGB auch gegenüber den Anteilsinhabern.
Gerade durch die Verweisung auf die für Abschlussprüfer geltenden
Bestimmungen der §§ 319 Abs: 1 bis Abs. 3, 323 HGB ist die Unab-
hängigkeit des Prüfers sichergestellt. Der Umstand der Parallelprü-
fung, also der Prüfung zeitgleich mit dem Erstellen deS Berichts des
Hauptaktionärs, vermag an der Unabhängigkeit der Prüfung nichts zu
ändern und begründet für sich genommen keine Zweifel an der Un-
parteilichkeit und Unvoreingenommenheit des vom Gericht bestellten
Prüfers {vgl. OLG München ZIP 2007, 375, 377 f.; AG 2014, 453,
454; OLG Stuttgart AG 2007, 128, 129 f.; LG München 1, Beschluss
vom 29.6.2012, Az. 5HK 0 6138/11, S. 38 f.; Beschluss vom
28.6.2013, Az. 5HK 0 18685/11; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O.,
§ 8 Rdn. 21; Emmerich in: Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-
Konzernrecht, a.a.O., § 8 SpruchG Rdn. 6).
(2) Die Kammer.hat keinen Zweifel an der Richtigkeit der Feststellungen
des gerichtlich bestellten Abfindungsprüfers. verfügt
zweifelsohne über die zur Beurteilung auch komplexer Fragen der
Unternehmensbewertung erforderliche Fachkompetenz. Er hat so-
wohl im Prüfungsbericht als auch bei seiner mündlichen Anhörung
samt der ergänzenden Stellungnahmen die vorgenommenen Prü-
fungshandlungen deutlich dargestellt und dabei auch begründet, wa-
rum er - auch in Auseinandersetzung mit unterschiedlichen in der
betriebswirtschaftliöhen Literatur vertretenen Auffassungen - die An-
sätze aus dem Bewertungsgutachten von für angemessen und
sachgerecht begründet erachtet. Dies macht deutlich, dass sich
seiner Aufgabe und Funktion als Prüfer in vollem Umfang
bewusst war und die Feststellungen der Bewertungsgutachter kri-
tisch durchleuchtet hat.. Im Rahmen seiner mündlichen .Anhörungen

Branchenstudie ein strategischer. Baustein in einem.Langzeitplan zur
Bestellung -von-Herrn Adepoju, der im. 4hr 2012 noch für IMDC ver- -
antwortlich gezeichnet habe; als Vorätand der Advanced Inflight Alli-
ance AG zur Volitändigen Übernahme der Gesellschaft gewe- un
d
seri sein soll. Derartige_ Märktstudien, wie sie von herangezo-
gen wurden,-dienen der Überprüfung yon Planannahmen der Gesell-
schaft, bilden aber gerade nicht die Grundlage der Planung; wie sie_
vom Vorstand erstellt würde. Zudem muss gesehen werden, dass die
genannte Studie von IIVIDC nicht die einzige am 'Markt verfügbare
Studie war und sich ganz offensichtlich keine grundlegenden Unter-.
schiede ergeben haben. Vor allem aber hat das.Bewertungsgutech-
ten von die Marktätudie nach den Angaben in Tz 65 des Bewer--
turigsgutachtens im Wesentlichen dazu herangezogen, den Markt
des inflight-Entertainment zu begchreiben. der Würdigung der
Unternehmensplanung, namentlich in Tz 202 des Bewärtungsgutath--
_
tens fehlt jegliche Bezugnahme auf die Märktstudie von IMDC. Der
von den Antragstellern zu 49) bis 51) nicht in Abrede gestellte Erstel-
lungszeitraum von mehreren Monaten vor der Übernahme lässt kei-
nen Rückschluss auf eine zielgerichtete Studie zu-, deren einziges
Ziel in .einer Möglichst preisgünstigen Übernahme der AdVanced In
flight Alliance AG liegen sollte. Zudem wies der AbfindungSprüfer da-
rauf hin, bei der Analyse deutlich mehr Wert auf die aktuellen Ent-
' wicklungen gelegt zu haben als auf den Inhalt einer im Prüfungszeit-
raum bereiti rund zwei,Jahre alten Studie.
wie -auch bei seinen ergänzenden Stellungnahmen hat er sich einge-
hend; umfassend und kenntnisreich mit den erhobenen Rügen. und
Einwendungen gegen die Grundlagen der Ermittlung des Unterneh-
mengwee der Advanced Inflight Alliance AG auseinandergesetzt.
An seiner Fachkompetenz hat die Kammer keinen Zweifel._
Soweit bei der Prüfüng, der Plausibilität von 'Planannahmen auch
Marktstudien von IMDC herangezogen wurden, steht dem nicht ent-
gegen, dass nachdem Vortrag der Antragsteller zu 49) bis 51) die

Deshalb besteht , kein weiterer Aufklärungsbedarf durch Einholung eines
weiteren Gutachtens zu EinZelaspekten der Unternehmensbewertyng.
Die Vorlage von PlanungSunterlagen der Gesellschaft oder der Arbeitspa-
piere der beteiligten VVirtschaftsprüfungsgesellschaften war nicht veran-
lasst, weil die Voraussetzungen von § TAbs. 7 Satz 1 SpruchG nicht er-
füllt sind.
(1;) , Nach dieser sehr weit gefassten Vorschriffsind sonStige Unterlagen,
die für die Entscheidung des :Gerichts erheblich sind, auf Verlangen
der Antragsteller oder 'des Vorsitzenden des Gerichts und gegebe-
nenfalls eines vom Gericht bestellten gemeinsamen Vertreters .un-
verzüglich vorzulegen: ZWar gehören auch Plänungsunterfagen einer
Gesellschaft zu den sonstigen Unterlagen. im Sinne dieser.Vorschrift
(vgl..nur Winter in: Simon"SpruchG, a.a.O., § 7 Rdn. -55). Allerdings:
haben die Antragsteller die Entscheidungserheblibhkeit der Vorlage'
der vollständigen Planungsunterlagen nicht plausibel dargelegt, was
indes zwingende Voraussetzung für eine entsprechende Anordnung
wäre (so.OLG Stuttgart, BeSählusS vom 14.10.2010, Az. 20 W 17/06;
Puszkajler in: Kölner Kommenter zurri AktG, a.a.O., § 7 SpruchG
Rdn. 57; LG »München 1; Besehluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0
21386/12). " Eine derartige Entscheidungserheblichkeit vermag die
Kammer nicht zu erkennen. In diesem ZuSammenhang ist entschei-
dend :zu berücksichtigen, dasS wesentliche Grundlagen der Planung
im 'Prüfungsbericht der gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer darge-
stellt wurden., weshalb dieser eine ausreichende Basis für die Erhe-
bung hinreichend substantiierter Einwendungen bildet
(2) Die. Antragsgegnerin ist weiterhin nicht verpflichtet, die Arbeitspapie-
re der Bewertungsgutachterin sowie der Abfindungsprüfer von
vörzulegen. Einern derartigen 'Verlangen steht nach
h.M. bereits die Regelung in -§ 51 b Abs. 4 WPO entgegen, weil es
keinen durchsetzbaren Anspruch des Auftraggebers -' hier also der

Antragsgegnerin - gegen den Wirtschaftsprüfer auf Herausgabe
,
der
Arbeitspapiere gibt (vgl. nur Bungert/Mennicke BB 2003, 2021, '2029;
VVasmann/Rosskopf ZIP 2003, 1776" 1780; Winter in: Simon,
SpruChG, § 7 Rdp. 58; Emmerich in: Emmerich/Habersack,
Aktien- und GmbH-Konzernrecht, ä.a.0., § 7 SpruchG Rcln. 8).' Ob
dem mit Blick -auf § 17 Abs. 1 SpruchG 1 V. rn..§ 26 FamFG in je-
dem Fall zu folgenden sein wird (kritisdh zur:h:M. Drescher-in;
ler/Stilz, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 9), kann vorliegend aber dahin-
stehen. Es fehlt nämlich jedenfalls an der Entscheidungserheblich-
. keit. Zwar sind 'die Arbeitspapiere in der BegründOng Zum, Regie-,
rungSentWurf des SpruchverfahrensgeSetZes (vgl. 617-Drucks. 15/371
15) beispielhaft 'aüfgeführt; Dies bedeutet indes:nicht, dass die An-
tragsteller verlangen können,- ihnen müStten Sämtliche Unterlagen in
jedem Fall Zugänglich gemacht werden, die die Wirtschaftsprüfer
verwendet und in ihren Arbeitspapieren festgehalten 'haben. Der Be-
richt der Hauptaktionärin
.
wie auch der Bericht des gerichtlich bestell:.
ten Prüfers soll neben den allgemein zügänglichen Erkenntnisquellen:
nur eine Plausibilitätskontrolle ermögliChen. Diese ` ist die Vor7
. .
lage des Berichts der Hauptaktionärin' sowie . deä Prüfüngsberichts
des gerichtlich bestellten AbfindungSprüfers gewährleistet. Zudem
fehlt es yörliegend an einem begründeten Vorlageverlangen der Ah-
tragsteller, die sich auf einen Anspruch nach § 7 Abs: 7 Satz 1 ,
SpruchG hinsichtlich der Arbeitspapiere berufen. Sie haben nicht hin-
- reichend begründet; warum ihnen nur mit Hilfe der.Vorlage der Ar-
,.
beitspapiete eine hinreichend substäntiierte Rüge namentlich in Be-
zug auf die Planung möglich .sein sollen; dies wäre indes erforderlich
gewesen (vgl. OLG Karlsruhe AG 2006, 463, 464 = NZG 2006, 570,
671. f.; PusZkajler in: Kölner Komentar zum AktG, a.a.O. § .7
SpruchG Rdn. 57; Drescher in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 7
SpruchG Rdn.. 9; Klocker in: Schmidt/Lutter, AktG, a.a.O., § 7
SpruchG Rdn: 13). Gerade auch unter diesem GesiChtspünkt können.
- wie oben ausgeführt - keine uberspannten Anforderungen an die
SubstantiierungSlast bezüglich einzelner Rügen gestellt werden.

Soweit namentlich die Antragsteller zu 49) bis 51) die Vorlage von
Planungsunterlagen der IFE Licensing GmbH gefordert haben, kann
zur Vermeidung von Wiederholungen auf die obigen Ausführungen
unter B. II. 1. a. -(2) (i) verwiesen werden, warum dies nicht erfolgen
muss.
Die Entscheidung über die Zinsen beruht auf § 327 b Abs. 2 1. Hs. AktG.
Die Verzinsung beginnt dabei mit der Bekanntmachung der. Eintragung in
das Handelsregister, die.hier am 17.4.2014 erfolgte. Da die Zinspflicht mit
Ablauf des Tages beginnt, an dem die Bekanntmachung vorgenommen
wurde (vgl. Singhof in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 320 b Rdn. 11), war
die Verzinsung ab dem 18.4.2014 auszusprechen. Eine bereits mit dem
Tag der Hauptversammlung beginnende Verzinsung kann nicht ange-
nommen werden. Die an die Bekanntmachung der Eintragung anknüpfen-
de gesetzliche Regelung entspricht verfassungsrechtlichen Vorgaben (vgl.
BVerfG NJVV 2007, 3268, 3271 = NZG 2007, 587, 589 f. = AG 2007, 544,
546 = ZIP 2007, 1261, 1263 = WM 2007, 1329, 1330 = DB 2007, 1577,
1579 = BB 2007, 1515, 1517; OLG Stuttgart ZIP 2006, 27, 30 = AG 2006,
340, 343 = WM 2006, 292,.296; LG München I, Beschluss vom 30.3.2013,
Az. 5HK 0 11296/06, S. 56; Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0
17095/11, S. 59 f.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 305 Rdn. 26). Dabei durfte ins-
besondere berücksichtigt werden, dass die Aktionärsstellung und darnit
der Verlust des durch Art. 14 Abs. 1 GG geschützten Aktieneigentums erst
mit der Eintragung des Beschlusses in das Handelsregister eintritt, nicht
aber bereits im Zeitpunkt des Beschlusses der Hauptversammlung.
Die Höhe des Zinssatzes ergibt sich unmittelbar aus § 327 b Abs. 2 1. Hs.
AktG.

Die Entscheidung über die Gerichtskosten hat ihre Grundlage in § 15 Abs.
1 SpruchG n. F., weil das Verfahren nach dem .1.8.2013 eingeleitet wurde
und deshalb aufgrund der Überleitungsvorschrift in § 136 Abs. 5 Nr. 2
GNotKG bereits neues Recht anwendbar ist. Nachdem es zu einer Erhö-
hung .der Kompensätiensleistung kam, besteht für eine vom Grundsatz
des § 15 Abs, 1 SpruchG n. F. abweichende Regelung kein Anlass; dem-
gemäss hat die - Aritragsgegnerin die Gerichtskosten zu tragen.
BeZüglich der aussergerichtlichen Kosten beruht die Entscheidung auf § 15
.Abs. 2 SpruchG n.F.; danach ordnet das Gericht an, dass die Kosten der
AntragAteller, die zur zweckentsprechenden Erledigung der Angelegenheit
notwendig waren, ganz oder zum Teil. vom Antragsgegner zu erstatten
sind, wenn dies unter Berücksichtigung des Aüsgangs des Verfahrens der-
Billigkeit entspricht. Davon muss vOrliegend ausgegangen werden. Soweit
teilweise in der_ Rechtsprechung die Auffassung Vertreten wird, selbst bei
- einer Erhöhung der Kompensationsleistung unterhalb einer Grössenor&
nung von 15 bis 20 %, sei eine Kostenteilung angemessen (vgl. OLG
Frankfurt, Beschluss vom 5.11.2009, Az. 5 W 48/09), vermag dem die
Kammer nicht zu folgen. Auch-wenn es wie hier zu- einer Erhöhung der
massgeblichen Kompensationsleistung von ca. 6 % kommt, ist eine Kos-
tenaufteilung nicht gerechtfertigt. Da Informationgnängel hinsichtlich der
Angemessenheit der Kompensation ebense wenig wie die Rüge der feh-
lenden Angemessenheit eine erfolgreiche Anfechtungsklage begründen
können, was sich bezüglich Informationsmängeln nunmehr aus § 243 Abs.
4 Satz 2' AktG ergibt, indes schon vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Dn
ternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechtes am
1.11,2005 auch für den Squeeze out von, der h.M. vertreten wurde, stellt
sich die Kostenbelastung der Antragsteller bei Anträgen, die sogar zu ei-
ner Erhöhung der Barabfindung führen - unabhängig von prozentualen
Werten im Einzelnen -, als dazu angetan dar, Aktionäre von ihrem

Rechtsschutz abzuhalten, wenn sie selbst bei einem erfolgreichen Aus-
gang des Spruchverfahrens einen Teil ihrer aussergerichtlichen Kosten
selbst tragen müssten (so ausdrücklich Ertimerich in: Em-
merich/Habersack; Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 15
SpruchG Rdn. 20 f.).
Der Geschäftswert war in Anwendung von § 74 Satz 1 GNotKG festzusetzen.
Der Erhöhungsbetrag je Aktie beträgt Euro 0,46. Bei insgesamt 1454.415 aussen-
stehenden Aktien, die von dem Squeeze out betroffen waren, resultiert daraus
dann der Geschäftswert von Euro 669.030,90. Dieser Wert bildet aufgrund von § 6
Abs. 2 Satz 3 SpruchG auch die Grundlage für die von der Antragsgegnerin
aufgrund von § 6 Abs. 2 Satz 2 SpruchG geschuldete Vergütung der gemein-
sarnen Vertreterin.
Rechtsbehelfsbelehrung:
Gegen' diesen Beschluss findet das Rechtsmittel der Beschwerde statt.
Die Beschwerde ist innerhalb einer Frist von einem Monat durch Einreichung einer Be-
schwerdeschrift beim Landgericht München I (Justizgebäude Lenbachplatz 7, 80316 Mün-
chen) einzulegen. Die Beschwerde kann nur durch Einreichung einer von einem Rechtsan-
walt unterzeichneten Beschwerdeschrift eingelegt werden.
Die Frist beginnt mit der schriftlichen. Bekanntgabe des Beschlusses. Erfolgt diese durch
Zustellung nach den Vorschriften der Zivilprozessordnung, ist das Datum, der Zustellung
massgebend. Erfolgt, die schriftlichen Bekanntgabe durch Aufgabe zur Post, und still die Zu-
stellung

im Inland bewirkt werden, gilt das Schriftstück drei Tage nach Aufgabe zur Post als
bekannt gegeben, wenn nicht der Beteiligte glaubhaft macht, dass ihm das Schriftstück nicht
oder erst zu einem späteren Zeitpunkt zugegangen ist. Kann die, schriftliche Bekanntgabe an
einen Beteiligten nicht bewirkt werden, beginnt die Frist spätestens mit Ablauf von fünf Mo-