Deutsche Postbank AG: Sachverständiger hält Barabfindung für zu niedrig

Im Spruchverfahren zwischen ehemaligen Aktionären der Deutschen Postbank AG und der Deutsche-Bank-Tochter DB Finanzholding GmbH vor dem Landgericht Köln hat der 2013 bestellte Sachverständige sein Gutachten vorgelegt. Demnach war die Barabfindung der Aktionäre nicht angemessen.

Im Spruchverfahren zwischen ehemaligen Aktionären der Deutschen Postbank AG und der DB Finanzholding GmbH liegt seit dem 29. Februar das Gutachten des Sachverständigen, Prof. Dr. Christian Aders, vor. Dieses war mit Beschluss vom 25. September 2013 vom Landgericht Köln unter Vorsitz des Richters Dr. Georg Lauber bestellt worden.

In dem Spruchverfahren (Az. 82 O 77/12) soll die angemessene Barabfindung und der angemessene Ausgleich aufgrund des am 30. März 2012 zwischen der DB Finanz-Holding GmbH als herrschendem und der Deutsche Postbank AG als beherrschtem Unternehmen abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages bestimmt.

Der Sachverständige kommt zu dem Ergebnis, dass die von der DB Finanz-Holding GmbH – einer Tochtergesellschaft der Deutsche Bank AG – gewährte Barabfindung in Höhe von 25,18 Euro je Aktie und der Ausgleich in Höhe von 1,66 Euro (netto) je Aktie nicht angemessen sind.

Lauber hält stattdessen

- eine Barabfindung in Höhe von 29,74 Euro je Aktie (Erhöhung um gut 18 Prozent) und

- einen Ausgleich von jährlich 1,78 Euro je Aktie (Erhöhung um gut 7 Prozent)

für angemessen. Diese Werte liegen deutlich unter dem – von der Antragsgegnerin seinerzeit abgelehnten – Vergleichsvorschlag des Gerichts im Beweisbeschluss, der eine Erhöhung der Barabfindung auf 36,00 Euro vorsah.

Aus Sicht der Antragsgegnerin würde die Erhöhung der Barabfindung zu einer Nachzahlung in Höhe von mehr als 61 Millionen Euro zuzüglich Zinsen führen.

Fraglich ist, ob sich die über 100 Antragsteller im Spruchverfahren und die Antragsgegnerin mit dem Ergebnis des Sachverständigen zufrieden geben. Sie werden vermutlich die von dem Sachverständigen errechnete Erhöhung als nicht ausreichend ansehen. Ein Grund: Anpassungen an der Planung wurden vom Sachverständigen kaum vorgenommen. Die wesentlichen Unterschiede sind im Kapitalisierungszinssatz und der Berechnungsmethode begründet.

Der Sachverständige hält einen Einbezug persönlicher Ertragsteuern für nicht angebracht. Schon aus diesem Grund divergieren die Berechnungen. Die Marktrisikoprämie hat der Sachverständige unter Einbezug "impliziter" Prämien auf 6,0 Prozent (vor Steuern) erhöht, den Betafaktor von 1,2 auf 1,0 gesenkt und den Wachstumsabschlag von 1,0 auf 2,0 Prozent erhöht. Auf diese Weise gelangt er zu einem Ertragswert von 30,48 Euro je Aktie. Darüber hinaus hat der Sachverständige vereinfachte Multiplikatorenberechnungen vorgenommen, welche er im Mittel mit 28,99 Euro beurteilt. Hieraus hat er einen Mittelwert in Höhe von 29,74 Euro je Aktie errechnet.

Aufgrund von Änderungen im Verrentungszinssatz für den jährlichen Ausgleich liegt dessen Erhöhung unter der der Barabfindung.

Die Verfahrensbeteiligten haben nun Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb von 8 Wochen ab Zugang des Gutachtens.


Zielgesellschaft:

Deutsche Postbank AG (WKN 800 100 / ISIN DE0008001009)