GBW AG: LG München hebt Barabfindung leicht an

Die Minderheitsaktionäre des Immobilienkonzerns GWB haben vom Landgericht München eine höhere Barabfindung zugesprochen bekommen. Statt der ursprünglich angebotenen 21,32 Euro sollen sie nun 21,97 von der Antragsgegnerin, der ehemaligen Pearl AcquiCo Eins GmbH & Co. KG, erhalten.

Die Richter des Landgerichts München hatten in ihrem Beschluss vom 20. November 2015 (Az. 5 HK 5593/14) im Wesentlichen nichts an dem durch Ertragswertmethode ermittelten Unternehmenswert auszusetzen. Nur die Marktrisikoprämie von ursprünglich 5,5 Prozent nach Steuern senkten sie auf 5 Prozent. Der Wert hatte sich zuvor an den Empfehlungen des Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) der Instituts für Wirtschaftsprüfer (IDW) orientiert.

Die 1936 gegründete Bauträger AG des Bayerischen Handwerks München, wie die GBW früher hieß, zählt mit heute rund 32.000 Wohnungen zu den größten Wohnungsunternehmen in Bayern. Zum Spruchverfahren war es schließlich gekommen, als das Unternehmen im April 2013 durch den damaligen Hauptaktionär, die BayernLB, veräußert wurde. Letztere hatte auf vermeintlichen Druck der EU-Kommission ihre Anteile an ein durch die Patrizia Immobilien AG geführtes Co-Investment von Versorgungskassen, Versicherungen und Sparkassen abgegeben. Der Kaufpreis betrug nach offiziellen Angaben 17,59 Euro je Aktie.

Nach Zukauf weiterer Aktien versammelte die neue Hauptaktionärin rund 97 Prozent des Grundkapitals auf sich. Am 19. Juni 2013 wurde die Absicht bekannt gegeben, die verbliebenen Gesellschafter gemäß §§ 327a ff. AktG auszuschließen. Der entsprechende Beschluss wurde von der Hauptversammlung am 28. November 2013 gefasst. Als Barabfindung wurde der durchschnittliche Börsenkurs im Drei-Monats-Zeitraum vor der Bekanntgabe der Squeeze-out-Absicht in Höhe von 21,32 Euro festgesetzt. Am 5. März 2014 wurde der Squeeze-out mit Eintragung im Handelsregister vollzogen.

98 ehemalige Aktionäre der GBW haben daraufhin gegen die von der Patrizia geführte Pearl AcquiCo Eins GmbH & Co. KG (Antragsgegnerin) ein Spruchverfahren zur Überprüfung der Barabfindung eingeleitet.

Die Antragsgegnerin argumentierte unter Verweis auf den zuvor an die BayernLB gezahlten Kaufpreis, der unter dem Aktienkurs gelegen habe. Demgegenüber argumentierten die Antragsteller, dass für den Verkauf der Anteile der BayernLB der Kaufpreis nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Im Vordergrund hätten stattdessen soziale Belange des Mieterschutzes gestanden, welche in einer Sozialcharta festgehalten wurden.

Gegen die Entscheidung des LG München I können die Beteiligten innerhalb von einem Monat ab Zustellung Beschwerde einlegen.

 

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