GROHE AG - 2015-11-12 - OLG-BESCHLUSS - BGV

1-26 W 9/14 (AktE)
18 0 115/06 (AktE)
LG Dortmund
Verkündet am 12.11.2015
OBERLANDESGERICHT DÜSSELDORF
BESCHLUSS
In dem Spruchverfahrer
zur Bestimmung des vertraglich geschuldeten Ausgleichs
und der angemessenen Barabfindung betreffend den
Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der
und der
-Grohe AG,
an dem beteiligt sind:

hat der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf durch die Vorsitzende
Richterin am Oberlandesgericht
den Richter am - Oberlandesgericht
und die Richterin am Oberlandesgericht
auf die mündliche Ver-
handlung vom 2210.2015
beschlossen:
Auf die sofortigen Beschwerden der Antragsteller zu 1), 5), 6), 9) und 10) vom
24.03.2014, der Antragstellerin zu 7) vom 01.04.2014 und der Antragstellerin
zu 8) vom 26.03.2014 wird der Beschluss der 18. Zivilkammer/IV. Kammer für
Handelssachen des Landgerichts Dortmund vom 06.03.2014 - 18 0 115/06
(AktE) - teilweise abgeändert und wie folgt neu gefasst
Die angemessene Ausgleichszahlung gemäss § 304 Abs. 1 AktG aus dem, zwi-
schen der Antragsgegnerin und der Grohe AG:am 11.07.2006 geschlossenen
Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag wird auf 2,79
.
Euro brutto je auf
den Namen lautender Stückaktie der Grohe AG festgesetzt.
Die angemessene Abfindung gemäss §. 305 Abs. 1 AktG aus dem zwischen
der Antragsgegnerin und der Grohe AG am 11.07.2006 geschlossenen Be-
herrschurrgs= und Gewinnabführungsvertrag wird auf-37,06 je auf den Na-
men lautender Stückaktie der Grohe AG festgesetzt.
Die weitergehenden Beschwerden werden zurückgewiesen.
Die Antragsgegnerin trägt die Gerichtskosten des Spruchverfahrens erster und
zweiter Instanz einschliesslich der Vergütung und Auslagen des gemeinsamen
Vertreters der aussenstehenden Aktionäre. Zudem werden ihr die ausserge-
richtlichen Kosten der Antragsteller erster und zweiter Instanz auferlegt mit
Ausnahme der erstinstanzlichen aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller
zu 2), 3) und 4); diese tragen ihre aussergerichtlichen Kosten selbst.
Der Geschäftswert für das Verfahren in erster Instanz und für das Beschwer-
deverfahren wird auf 326.434 festgesetzt.

Die Antragsteller sind Aktionäre der Grohe AG mit Sitz in Hemer. Deren Geschäft
besteht insbesondere in der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Sanitär-
annaturen, die unter dem Markennamen GROHE vertrieben werden.
Die Grohe AG gehört dem Grohe Konzern an. Sie wurde 1999 als Grohe Consult
GmbH gegründet; seit September 2004 bestand zwischen ihr und der Antragsgegne-
rin als herrschendem Unternehmen ein Beherrsdhungs- und Gewinnabführungsver-
trag. Im Dezember 2004 wurde die Grohe Consult GmbH in die Grohe AG umge-
wandelt Ihre Funktion im Konzern beschränkte sich zunächst weiterhin auf die Kom-
plementärstellung bei der - operativ tätigen - Grohe Water Technology AG & Co. KG,
an der sie zu rd. 99,69 % beteiligt war. Diese Beteiligung bildete zugleich ihren we-
sentlichen Vermögensgegenstand. Im Februar 2005 wurde die Grohe Water Techno-
logy AG & Co. KG auf die verschmolzen. Die Überprüfung der Angemes-
senheit der im Verschmelzungsvertrag vorgesehenen Abfindung und baren Zuzah-
lung ist Geöenstand eines gesonderten Spruchverfahrens, das durch Beschluss des
Landgerichts Dortmund vom 25.06:2015 18 18 0 63/06 (AktE) - entschieden worden
ist das Beschwerdeverfahren ist vor dem Senat zum Aktenzeichen 1-26 W 8/15 (Ak-
tE) anhängig. Infolge der Verschmelzung, die mit der Eintragung ins Handelsregister
im darauffolgenden Jahr wirksam wurde, endete zum Ablauf des Geschäftsjahres
2006 der seit September 2004 zwischen der vormäligen Grohe Consult GmbH und
der Antragsgegnerin bestehende Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag
(§ 307 AktG). Dies veranlasste die Unternehmen, am 11.07.2006 den hier streitge-
genständlichen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abzuschliessen. Die
Antragsteller begehren die gerichtliche Überprüfung der darin vorgesehenen Barab-
findung und des Ausgleichs gemäss §§ 304, 305 AktG.
Die Grohe AG führt ihren Ursprung wirtschaftlich auf die 1911 in Herner gegründete
Metallgiesserei Berkenhoff & Paschedag zurück, die 1936 von Friedrich Grohe erwor-
ben wurde. Seitdem verzeichnete die Grohe-Gruppe ein starkes Wachstum. Die
Grohe
.
AG-Gruppe verfügt weltweit über eine dezentrale Vertriebsorganisation mit 20

Vertriebsgesellschaften, zwölf Vertriebsniederlassungen und mehr als 30 freien Ver-
triebsagenten. Insgesamt sind Grohe Produkte-in mehr als 100 Ländern erhältlich. Im
Geschäftsjahr 2005 entfielen 21 % des Umsatzes auf Deutschland, 50,7 % auf das
restliche Europa und 28,3 % auf die Märkte in Übersee. Rund 32 % des Konzernum-
satzes wurden in Fremdwährung erzielt. 1999 erwarb die britische Beteiligungsge-
sellschaft BC Partners die Mehrheitsbeteiligung am Grobe Konzern, Ende 2004 der
US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) und die Credit Swiss First Boston Pri-
vate Equity, eine Beteiligungsgesellschaft:der Credit Suisse, Diese Übernahme löste
wenig später die ,,Heuschreckendebatte" um die Rolle.von Finanzinvestoren in der
deutschen Wirtschaft aus, Im Januar 2014 ist die Grohe Group von.der japanischen
Lixil Group und der Development Bank of Japan übernommen worden.
Zum Zeitpunkt der Strukturmassnahme ist die Grobe AG die wesentliche operatiVe
Gesellschaft innerhalb, des Grohe-Konzerns. Sie produziert an drei inländischen
-Standorten (Lahr,. Hemer und Porta VVestfalica) sowie an vier ausländischen Ferti-
gungsstätten in Thailand, Portugal, Kanada und China.
Das Grundkapital der Grobe AG beträgt 60.928.959 Euro und ist in 60.928.959 auf den
Namen lautende, nicht bötsennotierte Stückaktien eingeteilt Davon hält die Antrags-
gegnerin mit-60.710.281 Aktien rd. 99;64 %. 43.664 Aktien hält zum 31.05.2006 die
Grohe AG als eigene Aktien, die sie von ehemaligen -Karnmandististen der Grohe
Water Technology AG & Co. KG aufgrund des Abfindungsangebots im Verschmel-
zungsvertrag erworben hat; für weitere 450 Aktien ist das Abfindungsangebot ange-
nommen worden. Die übrigen Aktien (174.564) werden von aussenstehenden Aktio-
nären gehalten.
Der Vertrag sieht für die aussenstehenden Aktionäre eine feste Ausgleichszahlung in
Höhe von 2,72 Euro je Aktie und das Angebot einer Barabfindung in Höhe von 35,19 Euro je
Aktie vor. Der Berechnung von Ausgleich und Abfindung liegt ein von der
- bezogen auf den 25.08.2006 als Bewertungs-
stichtag - erstelltes Bewertungsgutachten vom 07.07.2006 zugrunde. Diese hatte,
anhand der Ertragswertmethode und unter Berücksichtigung des IDW S 1 2005 ei-
nen Unternehmenswert von 2142.644 TD Euro und demzufolge einen Wert pro Aktie
von 35,19 Euro errechnet; diese Bewertung basierte auf der unternehmenseigenen Pla-

nung für die Geschäftsjahre 2006 bis 2010, die jedoch hinsichtlich des geplan-
ten Kosteneinsparpotentials teilweise - ertragswertreduzierend - korrigiert hatte. Den
Basiszins hatte sie mit 4,25 % vor bzw. - unter Berücksichtigung der typisierten per-
sönlichen Erträgssteuer (35 %) - 2,76 % nach Steuern ermittelt, den Risikozuschlag
unter Anwendung des Tax-Capital Asset Pricing Modell als Produkt aus der Marktri-
-sikoprämie nach persönlichen Ertragssteuern (5,5 %) und unverschuldetem Betafak-
tor von 0,81 mit 4,46 %, so dass sich für die 1. Phase ein Kapitalisierungszinssatz
von 7,22 % ergab. Für die 2. Phase hielt sie einen WachstumsabsChlag in Höhe von
1 % für angemessen, so dass sich ein Kapitalisierungszinssatz von Q22 % errechne-
te.
Die vorn Landgericht zur Vertragsprüferin gemäss § 293c AktG bestellte
bestätigte die Angemessenheit von Ausgleich
und Abfindung mit Testat vom 11.07.2006.
Die Hauptversammlung der Grohe AG stimmte dem Unternehmensvertrag am
25.08.2006 zu. Dieser wurde am 12.10.2006 in das Handelsregister des Amtsge-
richts lserlohn eingetragen und zuletzt am 23.11.2006 bekannt gemaCht
Die Antragsteller haben die-angebotenen-Kompensationen für zu gering gehalten;
Die Annahmen zur Planung seien zu pessimistisch, Zu Unrecht hätten die Bewer-
turigggutachter des Einsparpotential um 11 Mio. Euro gekürzt; zudem seien die Thesau-
rierungen der Jahresüberschüsse nicht angemessen berücksichtigt Der Kapitalisie-
rungszinssatz sei zu hoch angesetzt, dieses gelte für den Basiszins ebenso wie für
den Risikozuschlag. Der Betafaktor.sei unzutreffend ermittelt worden. Der Wachs-
tumsabschlag sei zu gering.
Mit Beweisbeschluss vom 15.07.2011 hat das Landgericht die Einholung eines
Sachverständigengutachtens u. a. zu der Frage angeordnet, ob die von
vorge-
nommene Kürzung des Einsparpotentials gerechtfertigt erscheine. In seinem Gutach-
ten vom 28.08.2013 hat der Sachverständige einen Unternehmenswert von
rd. 2.256.196 TD Euro und daraus resultierend einen Wert pro Aktie i.H.v. 37,06 Euro er-
rechnet. Zwar sei die Unternehmensplanung durch die Bewertungsgutachter korrekt
und widerspruchsfrei übernommen worden. Die Thesaurierung der Jahresüber-

schüsse sei ausreichend berücksichtigt. Ebenso sei der Basiszins mit 4,25 % vor
Steuern zutreffend ermittelt und der Risikozuschlag methodisch korrekt berechnet
worden, dabei sei jedoch von einer Marktrisikoprämie von 5 % (statt 5,5 %)' und ei-
nem unverschuldeten Betafaktor von 0,88 (statt 0,81) auszugehen, so dass sich im
Ergebnis ein Risikozuschlag von 4,4 % und somit für die 1. Phase ein Kapitalisie-
rungszinssatz von 7,16 % ergebe. Der für die Phase der ewigen Rente angenomme-
ne Wachstumsabschlag in Höhe von 1 % sei angemessen. Hingegen erscheine die
Kürzung des Kosteneinsparpotentials von :11 Mb. aus dem 2004 besChlossenen
Kostensenkungsprograrnm "willkürlich" und sei rückgängig.zu machen. Dies führe im
Ergebnis zu einem um 90 Mio. höheren Ertragswert, was ca. 1,50 pro Aktie mehr
entspreche.
Daraufhin hat die Antragsgegnerin die von vorgenommene-Kürzung mit Schrift-
satz vom 28.11.2013 näher. erläutert. Das Kostensenkungsprogramm "World Class
Grohe" habe ein fünf Sparten betreffendes Eirtsparpotential von rd. 150 Mio. pro
Jahr ab dem Jahr 2008 vorgesehen; der Betrag habe einen Maximalwert widerge-
spiegelt. Darüber hinaus sei heabsichtigt gewesen, zusätZlich :einen Betrag i.H.v.
11 Mio. einzusparen; diese- Einsparungen hätten dazu dienen sollen, Kostensteige-
rungen aufgrund gestiegener 'Messingpreise auszugleichen. Jedoch habe es keine
konkreten Planungen gegeben, wie die zusätzlichen Einsparungen hätten realisiert
werden-sollen. Deshalb habe den Einsparbetrag-gekürzt-uncl ein Einsparpoten-
tial i.H.v. 150 Mb. angesetzt, wie sie durch. Zeugnis des Wirtschaftsprüfers-
unter Beweis stelle. Auch die Grohe Holding GmbH sei in ihrer Unter-
nehmensplanung von einem Einsparpotential I.H.v. 150 Mio. Euro ausgegangen, wie
sich aus ihrem im Januar 2007 veröffentlichten Wertpapierprospekt ergebe.
Durch den angegriffenen Böschluss vom 06 -.03.2014 hat das Landgericht die Anträge
der Antragsteller zu 2), 3) und 4) als unzulässig, die übrigen Anträge als unbegründet
zurückgewiesen. Dabei ist es im Wesentlichen der Bewertung des gerichtlich laestell-
ten Sachverständigen gefolgt; die von ihm vorgenommene Korrektur des geplanten
Einsparpotentials hat es jedoch rückgängig gemacht und die von vorgenomme-
ne Kürzung zugrundegelegt. Die Kürzung sei nachvollziehbar, weil es nach den Dar-
legungen der Antragsgegnerin keine plausible Planung gegeben habe, wie die zu-
sätzlichen Einsparungen hätten erreicht werden sollen. Der daraus resultierende Un-

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ternehmenSwert gebiete keine höhere Abfindung und keinen höheren Ausgleich als
in dem Unternehnnensverträg vorgesehen. Die -angemessene Barabfindung betrage.
den Feststellungen deS Sachverständigen zufolge - rechnerisch - 35,56 Euro pro Stück-
aktie; die: sich daraus ergebende Differenz zu der im Unternehmensvertrag angebo-
tenen Barabfindung sei.jedoch mit 0,37 Euro pro Aktie - wenig mehr als 1% - so gering-
fügig, dass es keiner gerichtlichen Erhöhung bedürfe. DieS gelte ebenso hinsichtlich
,

der Ausgleichszahlung, bei der die Differenz rechnerisch 0,07 Euro - - betrage. Da-
bei sei zu berücksichtigen, dass der Unterriehmenswert letztlich nicht mathematisch
exakt bestimmt werden könne, sondern Ergebnis einer Schätzung sei. Wegen der
weiteren Ausführungen wird -auf die-Gründe.-des angefochtenen-Beschlusses ve► wie-
sen.
Hiergegen richten sich die sofortigen Beschwerden der Antragsteller zu 1), 5), 6), 9),
10) sowie_der Antragstellerinnen zu 7) und 8).
Sie rügen, das Landgericht hätte die Barabfindung den Ausführungen des gerichtli-
Chen Sachverständigen folgend - mindestens auf 37,06 Euro, die Ausgleichszahlung
auf 2,79 Euro pro Stückaktie erhöhen müssen: Indem es - die gutaChterliche Anpassung
im Bewertungsgutachten zugrundelegend - die Korrektur. des Sachverständigen
rückgängig gemacht habe, habe es ungerechtfertigt in die eigentliche Er-
tragsplanung der Grohe. AG eingegriffen. Weder aus dem Vertragsbericht noch dem
Prüfbericht ergebe sich, dass der Vorstand die Unternehmensplanung geändert hät-
te. Es sei auch wenig lebensnah, dass der Vorstand ein Einsparpotential zahlenmä-
ssig beziffere, aber nicht plausibel machen könne. Die landgerichtliche Schätzung
lasse unberücksichtigt, dass "Grolle" jüngst für einen Kaufpreis Von 3 Mrd. Euro verkauft
und noch 2004 für rund 1,5 Mrd. Euro übernommen worden sei. Der Unternehmenswert
habe sich innerhalb yon nur zehn Jahren verdoppelt. Die vor dem Bewertungsstich-
tag erstellte Planung anlässlich der Verichmelzung mit der Grohe Water Technology
AG & Co. KG habe berücksichtigt werden müssen. Die tatsächlich erwirtschafteten
Ergebnisse zeigten, dass die Ertragsannahmen des Landgerichts unzureichend sei-
en. Die Annahmen zu den Thesaurierungen seien unzutreffend, es sei auf das bei
Grohe in der Vergangenheit zu beobachtende Niveau abzustellen. Kapitalisierungs-
zinssatz, Bäsiszins und Marktrisikoprämie seien zu hoch angesetzt worden. Die aus
einer Vergleichsgruppe entnommenen Betafaktoren grösstenteils ausländischer und

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US-amerikanischer Unternehmen seien nicht vergleichbar. Der Wachstumsabschlag
von 1 % sei zu gering. Bei der Berechnung der Ausgleichszahlung sei auf den vollen,
risikoadjustierten Kapitalisierungszins abzustellen. Wegen des weiteren Vorbringens
wird auf die Beschwerdebegründungen Bezug genommen.
Die Antragsteller beantragen,
den Beschluss aufzuheben und eine angemessene Barabfindung sowie einen
angemessenen Ausgleich festzusetzen.
Der gemeinsame Vertreter der aussenstehenden Aktionäre schliesst sich den Ausfüh-
rungen an. Auch er hält eine Marktrisikoprämie von 5 % für noch zu hoch, den mit
1 % angesetzten Wachstumsabschlag für zu niedrig; angemessen sei ein Wachs7
tumsabsählag von "mindestens" 1,35 %.
Die Antragsgegnerin beantragt,
die Beschwerden zurückzuweisen.
Sie verteidigt den angefochtenen Beschluss.
Der Senat hat Beweis erhoben durch Vernehmung des sachverständigen Zeugen
und. Anhörung des gerichtlich bestellten Sachverständigen. Zuvor war
der Anträgsgegnerin aufgegeben worden, Unterlagen bzw. Korrespondenz vorzule-
gen, die die von vorgenommene Kürzung des Einsparpotentials betreffen.
Wegen des weiteren Sach- und Streitstands wird auf die gewechselten Schriftsätze
nebst in Bezug genommener Anlagen sowie das Protokoll der Senatssitzung verwie-
sen.
B.
Die sofortigen Beschwerden sind zulässig und in dem aus dem Tenor ersichtlichen

Diese Voraussetzungen liegen hier vor.
1. Unternehmenswert
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Umfang begründet.
I.
Bedenken gegen die Zulässigkeit der Rechtsmittel bestehen nicht. Sie sind formge-
recht eingelegt; die zweiwöchige Frist des § 22 Abs. 1. Satz 1 FGG i. V. m. § 17 Abs.
1 Satz 1 SpruchG in der bis zum 31.1)8..20.02 gültigen und hier gemäss Art. 111 Abs. 1
FGG-RGW massgeblichen Fassung wurde jeweils gewahrt (vgl. für die Antragsteller zu
1), 5), 6), 9) und 10) BI. 423, 428; für die Antragstellerin-zu-7) BI. 425,.437; für die
Antragstellerin zu 8) BI. 421, 433 GA).
Auch in der Sache haben die Rechtsmittel Erfolg. Sie führen zur Abänderung der
landgerichtlichen Entscheidung in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang.
Nach §§ 304 Abs. 1, 305 Abs. 1 AktG haben die aussenstehenden Aktionäre für die
Einschränkung ihrer Rechtsposition durCh den Behemschungs- und Gewinnabfüh-
rungsvertrag einen Anspruch auf angemessenen Ausgleich und angemessene Ab-
findung. Sind die in der Struktumnassnahme bestimmten Kompensationsleistungen -
Abfindung und Ausgleich - nicht angemessen, sind sie auf Antrag gerichtlich zu be-
stimmen (§§ 304 Abs. 3 Satz 3, 305 Abs. '5 Satz 2 AktG).
Der Senat schätzt den Wert der Grohe AG zum hier massgeblichen Bewertungsstich-
tag am 25.08.2006 auf 2,256 Mrd.
Diese Schätzung beruht insbesondere auf der gutachterlichen Bewertung des ge-
richtlich bestellten Sachverständigen die er in der Senatssitzung vom
22.10.2015.- unter Einbeziehung der Aussage des zuvor durch den Senat vernom-
menen sachverständigen Zeugen - ergänzend erläutert hat.

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1.1 Das Landgericht hat bei seiner Schätzung des Unternehmenswerts zutreffend die
Ertragswertmethode angewendet. Diese ist als eine, geeignete Methode der Unter-
nehmensbewertung anerkannt (vgl. nur BGHZ 156, :57 - "Ytong"; Paulsen in:
Münchkomm, AktG, 4. A. (2015), § 305 Rn. 80) und verfassungsrechtlich unbedenk-
lich (vgl. BVer-2E 100, 289, 307 - "DAT/Altana"); sie wird von den Verfahrensbetei-
ligten auch nicht in Frage gestellt.
1.2 ZU Recht rügen die Antragsteller jedoch, dass das Landgericht ohne weitere Auf-
klärung nicht dem Sachverständigen gefolgt ist, sondern allein auf der
Grundlage der Stellungnahme der Antragsgegnerin dazu das von im Rahmen
der Planung gekürzte Kosteneinsparpotential zugrundegelegt hat. Dadurch hat es
den Unternehmenswert zu gering eingeschätzt.
Wie das Landgericht - im Ansatz zutreffend ausführt, ist als Planungsgründlage
grundsätzlich die im Unternehmen verfügbare Unternehmensplanung zu verwenden
(Vorrang der unternehmenseigenen Planung; vgl. nur Grossfeld, Recht der Unter-
nehmensbewertung, 7. A. Rn. 401 ff.; Ruiz de Vargas in: Bürgers/ Körber, AktG, 3.
A., Anh. §
.
305 Rn. 27). Aufgabe des sachverständigän Bewerters ist es, darauf ba-
sierend einen Ertragewert zu ermitteln, der sachgerecht .erscheint und als solcher
dem Abfindungsangebot des Unternehmens im Unternehmensvertrag zugrundege-
legt werden kahn. Deshalb hat er Planungen des Unternehmens im Zuge der Bewer-
tung nicht kritiklos zu übernehmen, sondern auf Plausibilität zu überprüfen (vgl. IDW
S 1 2005 Tz. 89). Die Rechtsprechung geht dabei von einer eingeschränkten Über-
prüfbarkeit der Planung und der darin enthaltenen Prognosen aus. Planungen und
Prognosen sind in erster Linie ein Ergebnis der jeweiligen unternehmerischen Ent-
scheidung der für die Geschäftsführung verantwortlichen Personen (Senat, Be-
schlüsse v. 6.4.2011 -1-26 W 2/06 (AktE) Rn. 47; 17.11.2008 -1-26 W 6/08 (AktE)
Rn. 26; OLG Stuttgart, Beschluss v. 14.02.2008 -:20 W 10/06 - Rn. 22, alle juris;
1812.2009 20 W 2/08 - Rn. 148, AG 2010, 513 ff.). Danach beschränkt sich die
Überprüfung darauf, ob die in der Planung enthaltenen Entscheidungen auf zutref-
fenden Informationen (Tatsachengrundlgen) und daran orientierten, realistischen
Annahmen aufbauen; diese dürfen zudem nicht in .sich widersprüchlich sein (vgl. nur
Ruiz de Vargas in: Bürgers/Körber, aaO § 305 Rn. 24 m.w.N.).

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Aber auch wenn nach diesem - eingeschränkten - Prüfungsmassstab eine unplausible
Planung vorliegt, ist der Bewerter grundsätzlich gehalten, diese durch den Vorstand
korrigieren zu lassen, bevor er sie seiner Bewertung zugrundelegt (ähnlich auch
Lauber in:. Fleischer/Hüttemann, Rechtshandbuch Unternehmensbewertung, § 28
Rn. 49). Der Bewerter ist grundsätzlich nicht befugt, die Geschäftspolitik an sich zu
ziehen. Entscheidet sich hingegen der Vorstand, seine Planung zu ändern, ist fortan
diese neue Planung im Zuge der weiteren Unternehmensbewertung und sodann
auch im gerichtlichen Spruchverfahren zugrundezulegen (vgl. OLG Stuttgart, Be-
schlüsse v. 24.07.2013 - 20 W 2/12 - Rn. 128 f, AG 2013, 840 ff;
.
05.06.2013 - 20
W-6/10 - Rn. 162, AG 2013, 724-ff.). Voraussetzung-dafürT dass-aine gutachterliche
Plananpassung einen sachgerechten Ausgangspunkt für_ die Unternehmensbewer-
tung bilden kann, ist daher, dass die mit der Unternehmensführung befassten Orga-
ne ihre Unternehmensplanung tatsächlich nachhaltig, geändert bzw. eine nachhaltige
Planänderung beschlossen haben, denn nur dann kann davon ausgegangen werden,
dass die Ausgangsplanung des Unternehmens' durch die Planänderung überholt und
infolgedessen die angepasste Planung zugrundezulegen ist Dies ist insbesondere
dann zweifelhaft, wenn bereits eine unabhängig.erstellte Mehrjahmsplanung des Un-
ternehmens vorliegt, die auf der Grundlage eines formalen Planungsverfahrens ent-
standen ist, und der Bewerter speziell im Hinblick auf eine von ihin zu erstellende
Bewertung Anpassungen vornimmt (so auch OLG Stuttgart, Urteil v. 07.02.2001 - 20
U 52/97 - Rn. 350, juris). "Sonderplanungen", die ausschliesslich zu Bewertungszwe-
cken ausserhalb des Planungsprozesses erstellt werden, werden von der Recht-
Sprechung regelmässig als kritisch angesehen (vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss v.
08.07.2003 - 1-19 W 6/00 (AktE) - Rn. 60, AG 2003, 688 ff.; ähnlich OLG Stuttgart,
Urteil v. 07.02.2001 - 20 U 52/97 Rn. 350 ff., DB 2001, 854 ff.; OLG Frankfurt, Be-
schluss v. 05.03.2012.- 21 W 11/11 - Rn. 25, NZG 2012, 549 ff.; OLG Karlsruhe,
Beschluss v. 12.07.2013 = 12 W 57/10 - BeckRS 2013, 13603; Ruiz de Vargas in:
Bürgers/Körber, AktG, 3. A. Anh. § 305 Rn. 27; Sinnon/LeVerkus in: Simon, SpruchG,
Anh. § 11 Rn. 76). Gutachterliche Anpassungen, die ausschliesslich zu Bewertungs-
zwecken erfolgen, genügen dafür grundsätzlich nicht.
Danach hat der gerichtlich bestellte Sachverständige die von den Bewertungsgutach-
tern vorgenommene - ertragswertreduzierend wirkende - Kürzung des Einsparpo-
tentials zu Recht wieder rückgängig gemacht Dass die Unternehmensführung der

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Grohe AG ihre Planung nachhaltig geändert hätte, lässt sich nach dem Ergebnis der
durchgeführten Beweisaufnahme - auch unter I3erücksichtigung des nicht nachge-
lassenen Vorbringens der Antragsgegnerin mit Schriftsatz vom 28.10.2015 - nicht
feststellen.
Zu Recht hat der Sachverständige auf die - hinsichtlich des Einsparpotentials unver-
änderte - konsolidierte Planungsrechnung für die Jahre 2006 bis 2010 bestehend
aus dem im Dezember 2005 aufgestellten Budget für das GeschäftSjahr 2006 sowie
der im Frühjahr 2006 erstellten mittelfristigen Planung 2007 bis 2010 abgestellt (Gut-
achten S. 25 f.; Prüfbericht S. 16, 17, 26), Diese hat der Vorstand der Grohe AG An-
fang 2006 erstellt; der Aufsichtsrat hat sie in seiner Sitzung vom 07.06.2006 verab-
schiedet.
Die im Gutachten vollständig dargestellte Planungsrechnung sah keine Anpassungen
bei den Einsparungen vor (Gutachten, Anhang S. 26: "Adjustments (line not used)").
Auch die sachverständige Prüferin sah es, angesichts dessen keineswegs als
zwingend an, der Unternehmensbewertung die durch vorgenommene Anpas-
sung zugrundezulegen. Der Prüfbericht verweist vielmehr :im Hinblick auf die zug-
rundezulegende Unternehmensplanung ebenfalls auf den Aufsichtsratsbeschluss,
mit dem-die Planungsrechnung ,;als Zielvorgabe für das Management der Grohe AG"
verabschiedet worden ist (Prüfbericht S. 26). Dies hat veranlasst; im Prüfbe-
richt verschiedene Szenariorechnungen zu erstellen, US. - entsprechend den späte-
ren Annahmen des gerichtlich bestellten Sachverständigen - ohne die Anpassung im
Bewertungsgutachten, mit dem Ergebnis, dass sich ein Unternehmenswert der Gro-
he AG in Höhe von rund 222 Mio. Euro ergebe (Prüfbericht S. 28 u. 46).
Im Einklang damit steht nach den nun - nach Schluss der mündlichen Verhandlung -
von der Antragsgegnerin vorgelegten Unterlagen, dass die dem Aufsichtsrat _präsen-
tierte Strategieplanung ausdrücklich - bis auf die Einführung eines Rohstoffzuschlags
zum 01.07.2006 - keine Anpassungen der Anfang 2006 erstellten strategischen Pla-
nung vorsah, weil der Vorstand erwartete, dass Effekte der gestiegenen Rohstoff-
preise und der US-Dollarabwertung durch. die Einführung des Rohstoffzuschlags
ausgeglichen würden (Schriftsatz v. 2810.2015, Anlage 2 S. 4). Das Vorstandsmit-
glied hat die Grundannahmen für den Strategieplan sowie dessen Haupt-

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risiken in der Aufsichtsratssitzung vom 07.06.2005 erläutert; der Aufsichtsrat hat da-
raufhin. die Unternehmensplanung des Vorstands einstimmig beschlossen.
Folgerichtig ist die Unternehmensführung auch davon ausgegangen, dass der Unter-
nehmensbewertung anlässlich der in Rede stehenden Strukturniassnahme der An-
fang 2006 erstellte -Strategieplan zugrundezulegen iet..(vgl. Schriftsatz v.28.10.2015,
Anlage 2 S. 2 unten; Anlage 1 S. 7). Das neue Vorbringen der Antragsgegnerin,der
AUfsichtsrat habe sich die von "modifizierte" Planung_ in seiner nachfolgenden
Sitzung am 07.07.2006 "zu eigen gemacht", überzeugt nicht Laut dem nun vorgeleg-
ten Protokollidieser, Sitzung hat der Aufsichtsrat in dieser das Protokoll-der Sitzung
vom 07.06.2005 genehmigt, die TageSordnung für die Hauptversammlung am
25.08.2005 beschlossen und dem Gewinnäbführungs- und Beherrschungsvertrag
sowie dem Vertragsbericht zwar zugestimmt Dass er sich in dieser Sitzung r in einer
35-minütigen Telefonkonferenz überhaupt erneut mit der strategischen Planung
öder gar einer nachhaltigen Planänderung inhaltlich befaSst hätte, ist indessen nicht
ersichtlich.
Aus den Angaben des Zeugen der seit April 2006 mit den Bewertüngs-
arbeiten befasst war, folgt nichts andereS. Seiner Aussage zufolge lag ihm die auf
eine Unternehmensberatung -Von zurückgehende ,Unternehmensplanung
I vor, die von einem nachhaltigen Einsnervglutnen von insgesamt 161 Mio. Euro jährlich
beginnend ab dem Jahr 2006 ausging. Dabei war ein Betrag von insgesamt
150 Mio. Euro Teil .des Programme "World Class ?rohe"; hierzu lagen auch weitere Un-
terlagen der Unternehmeneberatung NICISinsey vor, die das Einsparpotential im Zeit-
verlauf und mit erwartbareri Härtegeraden daretellten. Darüber hinaue ging aus der
Planung ein zusätilicher, ab 2006 eingeplanter Einsparbetrag - "Add. Teiget WCG/
Others" in Höhe von 11 Mio. Ejährlich hervor, zu dem man_ troti mehrfacher münd-
licher und schliesslich schriftlicher Nachfrage mit Fragenkatalog vom 27.04.2006 sei- .
tens des Unternehmens "keine zufriedenstellende Antwort' erhalten habe. Aus die-
sem Grund sei der Betrag von als unplausibel gewertet und "herausgenommen"
worden, die Intention habe darin bestanden, für die Bewertung einen
.
Erwartungswert
zu erhalten, und nicht einen Zielwert. Diesee Vorgehen sei "Mit Grohe" -
von der Controlling-Abteilung - "abgestimmt". gewesen..
Schriftlich ist dies jedoch an keiner Stelle dokumentiert. Dies ist insbesondere des-

16
halb ungewöhnlich, weil nach der Aussage des Zeugen der Fragenkatalog vom
27.04.2006 gerade aus dem Grund noch einmal schriftlich gestellt worden sein soll,
weil es um eine mögliche Anpassung der Bewertungsgutachter zu der früher vom
Vorstand beschlossenen Planung gegangen sei. Angesichts dessen hätte es jedoch
erst Recht nahegelegen, das Ergebnis des Abstimmungsprozesses schriftlich festzu-
halten.
Danach kann nicht davon ausgegangen werden, dass die mit der Unternehmensfüh-
rung befassten Organe der Grohe AG ihre Ausgangsplanung nachhaltig geändert
hätten. Der. Zeuge hat schon die Darstellung der Antragsgegnerin, die zusätzlichen
Einsparungen 1171.v. 11 Mio. Euro hätten dazu dienen sollen, Kostensteigerungen auf-
grund gestiegener Messingpreise auszugleichen, nicht zu bestätigen vermocht Der
Aussage zufolge, bei der er trotz mehrfachen Vorhalts geblieben ist, war - wie
die Unternehmensführung in der Sitzung des. Aufsichtsrats vom 07.96.2006 7 der
Meinung, dass der Messingpreisanstieg durch den ab dem 01.07.2006 erhobenen
Rohetoffzuschlag kompensierbar war. Die zusätzlichen geplanten Einsparungen soll-
ten andere Planabweichungen oder aktuelle Entwicklungen ausgleichen, die mit dem
Messingpreisanstieg nichts zu tun hatten. Im Einklang damit haben die Bewertungs-
gutachter im Vertragsbericht darauf abgestellt, dass für einen Teil des Jahresbedarfs
Sicherungegescträfte abgeschlossen waren und zusätzlich ab dem Q1;07.2006 eine
Preiserhöhung von 6 % in Form- eines Rohstoffzuschlages erhoben würde, der bei
erfolgreicher Duichsetzung die Kostensteigerung ausgleichen würde (Vertragsbericht
S. 100), Der Zeuge hat auch nicht bestätigt, dass der für unplausibel erachtete Be-.
trag von 11 Mio. vollständig gekürzt worden wäre; vielmehr hat er auf Vorhalt der
im Vertragsbericht auf Seite 102 und im Gutachten des Sachverständigen
auf Seite 26 dargestellten Planungsrechnung einräumen müssen, dass die ab 2006
eingeplanten Einsparungen erst ab dem Jahr 2008 gekürzt:-. also ,,gedeckelt" - wur-
den.
Auf. die Frage, ob das zusätzliche Einsparziel 11-1.v. 11 Mio. tatsächlich unplausibel
war, kommt es nicht weiter an. Dagegen spricht nicht nur, dass sich eine nachhaltige
Planungsänderung durch die Unternehmensführung nicht feststellen lässt, sondern
auch die fehlende Dokumentation der Änderung im Rahmen der. Arbeiten zum Ver-
tragsbericht und letztlich auch, dass der Zeuge die Kostenkürzung im

17
Übrigen nicht nachvollziehbar erläutern konnte. Dass die für die Unternehmensfüh-
rung zuständigen Organe die von vorgenornmene Anpassung mit der Intention
einer nachhaltigen Änderung ihrer Ausgangsplanung beschlossen hätten, ist nicht
belegt. Insbesondere hat die Antragsgegnerin trotz gerichtlicher Aufforderung davon
abgesehen, Planungsunterlagen der Folgejahre vorzulegen, aus denen sich eine
solche Planänderung 2wanglos,ergeberi Müsste. Angesichts dessen-reicht der Wert-
papierprospekt der Grohe. Holding aus dem Jahr 2007 zum Nachweis-nicht aus, da
schon nicht festgestellt werden kann, dass er hinsichtlich des geplanten Einsparvo-
lumens Anspruch auf Vollständigkeit geniesst Ebenso gut ist denkbar, dass er sich
lecliglich_zu den im-Rahmen des Programms "Wiarld Class-Grohe geplanten Ein-
sparrnassnahmen iirLv. 150 Mio. Euro verhält, Während es sich bei dem hier in : Rede
stehenden Betrag - "Add. Target WCG/ Others" - um ein zusätzliches, anderes Ein-
sparziel handelte.
1 _ 3 Die weiteren Einwände der Antragsteller gegen die landgerichtliche- Schätzung
des Unternehmenswerts vermögen indes nicht zu überzeugen.
Zu Unrecht meinen einzelne Antragsteller, es hätte die "nur wenige Monate vor deM-
Bewertungsstichtag erstellte" Unternehmensplanung berücksiChtigt werden müssen,
die.clem VerSchmeJzungsvertrag mit der Grohe Watet Technology_AG -8i Co. KO zug-
rundeleg. Wie bereita ausgeführt, sind bei der Uniernehmensbewertung grundsätz-
lich die Planungen und Prognosen der jeweiligen für die Geschäftsführung verant-
wortlichen Personen zu verwenden. Der Sachverständige hat daher völlig zu Recht
feStgestellt, dass sich ein Rückgriff auf dieUnternehmensplanung der Grohe Water
Technology AG & Co. KG schon deshalb verbietet, weil es sich um völlig verschie-
dene Unternehmen und Unternehmensplanungen handelt Zudem sind der Unter-
nehmensbewertung die in die Zukunft gerichteten Planungen und darauf aufbauen-
den Prognosen zugrundezulegen, die aus der Sicht des BeWertungsstichtages - vor-
liegend am 25.08.2006 - massgeblich waren. Damit lässt sich die Planung, die dem
Verschmelzungsvertrag vom 24.02.2005 zwischen der Grohe Water Technology AG
& Ca. KG und der als aufnehmender Gesellschaft zu Grunde lag, auch
zeitlich nicht vergleichen, wie der Sachverständige zutreffend festgestellt hat (Gut-
achten S. 25).

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Ohne Erfolg rügen einzelne Antragsteller auch, dass das Landgericht die Kaufpreise
ausser Betracht gelassen hat, die Medienberichten zufolge anlässlich der Übernah-
men 2004 und 2014 "für Grohe" gezahlt worden sein sollen. Preise, die am Markt von
der herrschenden/übernehmenden Gesellschaft oder Dritten gezahlt werden, stellen
in der Regel keine verlässliche Grundlage für die Beurteilung der Angemessenheit
der Abfindung dar, schon weil sie durch subjektive Wertvorstellungen und Sonder-
überlegungen beeinflusst sein können (vgl. Senat, Beschlüsse v. 09.01.2014 - 1-26
W 22/12 (AktE) n.v.; 08.08.2013 - 1-26 W 15/12 (AktE) NZG 2013, 1393 ff.; OLG
Frankfurt, Beschluss v. 24.11.2011 - 21 W 7/11 - Rn. 88, AG 2012, 513 ff.; Paulsen
in: MünchKomm AktG, aa0, § 305 Rn. 82; Stephan in: K. Schmidt/Lutter, AktG, 3. A,
§ 305 Rn, 111).
Umstände, die vorliegend zu einer anderen Bewertung führen würden, liegen nicht.
vor. Die Preise, die anlässlich der Übernahnnen 2004 und 2014 gezahlt worden sein
sollen, sind naturgemäss geprägt durch die jeweiligen situations- und zeitpunktbezo-
.

genen, wertrelevanten Umstände und Erkenntnisse, was im Zeitablauf ohne weiteres
zu abweichenden Ergebnissen führen kann..Die Veräusserungssituation in Bezug auf
die übergeordnete Unternehmensgruppe Grohe Group lässt schon für sich betrachtet
keine Rückschlüsse auf die Bewertung der Grohe AG zum Bewertungsstichtag zu.
Diese war - wie die Antragsgegnerin zu Recht aufgezeigt hat - im Jahr 2014 dadurch
mit beeinflusst, dass die Grohe Group in den Jahren 2011 bis 2013 - mehrere Jahre
nach dem Bewertungsstichtag - die Mehrheitsbeteiligung der Joyou AG erworben
hatte, die in der Folgezeit in die Grohe Holding GmbH bzw. inzwischen die Grohe
Group eingegliedert wurde. Diese sind jeweils indirekte Muttergesellschaften
der Grohe AG, die demzufolge selbst keine Beteiligungen an der Joyou-Gruppe hielt.
Nach alledem geht auch die Schlussfolgerung fehl, dass sich "der Unternehmens-
wert" zwischen 2004 und 2014 verdoppelt hätte.
Ebenso wenig kommt es auf die von der Antragstellerin zu 8) behauptete Abwei-
chung der Planzahlen vom Ist-Ergebnis des Unternehmens der Jahre 2006 bis 2009
an. Diese vermag eine fehlerhafte Unternehmensbewertung nicht zu begründen, weil
die im Rahinen des Ertragswertverfahrens zu erwartenden Gewinne naturgemäss nur
aus einer ex ante-Betrachtung des massgeblichen Stichtages, d.h. des Zeitpunkts der
Beschlussfassung der Gesellschaft Ober den Unternehmensvertrag, geschätzt wer-
den können. Die Ertragsaussichten der abhängigen Gesellschaft sind daher rückbli-

19
ckend von einem längst vergangenen Zeitraum aus zu beurteilen und zwischenzeitli-
che Entwicklungen auszublenden, sofern sie nicht schon im Ansatz angelegt waren
(vgl. BGH NZG 1998, 379, 380; Senat, Beschluss vom 25.08.2014 - 1-26 W 24/1 2
(AktE), n.v.). Für eine ex post-Betrachtung ist also kein Raum.
Zutreffend hat das Landgericht überdies _ausgeführt, dass die Planansätze für die
ewige Rente nicht unplausibel zu Lasten der Aktionäre unterzeichnet waren. Die Pla-
nung geht von einer jährlichen Steigerung des Gesamtumsatzes von rund 7 % aus,
das bereinigte Ergebnis vor Steuern führt jedoch zu einer jährlichen Wachstumsrate
von rund 16,4 % bezogen auf das letzte Ist-Jahr 2005 und den-Beginn der-ewigen
Rente ab 2011. Danach beruhten die Steigerungen in der Detailplanungsphase auf
einer äusserst ambitionierten Planung Mit umfangreichen Einsparzielen. Angesichts
dessen ist die landgerichtliche Bewertung nicht zu beinstanden, dass sich die ge-
planten Steigerungen nicht unendlich fortsetzen lassen und sich die PIanansätze für
die Zeit der ewigen Rente gegenüber dem letzten Jahr der Detailplanungsphase nur
noch massvoll erhöhen.
1.4 Gegen die Thesaurierungsquote bestehen keine Bedenken.
Das Landgericht ist auch hier den Annahmen des Sachverständigen gefolgt, der die
Annahmen im Bewertungsgutachten - übereinstimmend Mit der sachverständigen
Prüferin - für angemessen und ausreichend erachtet hat. Die Bewertungsgutachte
sind von einer Ausschüttungsbelastung der Anteilseigner durch persönliche Steuern
in Höhe des vom IDW empfohlenen typisierten persönlichen Steuersatzes von
17,5 % (Halbeinkünfteverfahren) ausgegangen. Zur Ermittlung der Thesaurierüngs-
quote war es vorliegend nicht rnöglich, auf die bisherige und die geplante Ausschüt-
tungspolitik in dem betroffenen Unternehmens zurückzugreifen (vgl. 1DW S 1 2005
Tz. 45). Die Grohe AG war bis zum Bewertungsstichtäg lediglich Komplementärin der
bis dahin operativ tätigen Grohe Water Technology AG & Co. KG; gleichzeitig han-
delte es sich bei jener um eine Personengesellschaft, bei der das Jahresergebnis
den Gesellschaftern immer in voller Höhe (100. %) zugerechnet wird.. Angesichts
dessen ist es zur Abbildung eines realitätsnahen Ausschüttungsverhaltens sachge-
recht, dass die Bewertungsgutachter eine peer group gebildet und auf Kapitalmarkt-
daten des Finanzdienstleisters Bioomberg L. P. zurückgegriffen haben, um im Wege

20
der Schätzung zu einem plausiblen Ansatz zu gelangen; auch war es im Rahmen der
typisierenden Betrachtung nicht geboten, einzelne "Ausreisser" zu eliminieren. Auctr
dies hat der Sachverständige für ausreichend erachtet (Gutachten S. 37 f.).
2. Kapitalisierungszinssatz
Das Landgericht hat den Kapitalisierungsginssatz - dem Sachverständigen folgend -
für die erste Phase sachgerecht angesetzt.
2_1 Gegen den vom Landgericht zu Grunde gelegten Basiszins von 4,25 % vor Steu-
ern bestehen keine Bedenken. Das Landgericht ist auch hier dem Sachverständigen
gefolgt, der den im -Bewertungsgutachten ermittelten und zugunsten der An-
tragsteller auf 4,25 % abgerundeten Basiszins - übereinstimmend mit dersachver 7
ständigen Prüferin - gebilligt hat (Gutachten S. 40; Prüfbericht S. 21). Der Basiszins
ist ausgehend von einer Zinsstrukturkurve abgeleitet worden,. die unter Berücksichti-
gung des aktuellen Zinsniveaus und von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten
Zinsstrukturdaten ermittelt wurde ("Svensson-Methode"). Diese Methode hat den
Vorteil, dass zum Bewertungsstichtag eine in die Zukunft gerichtete Bewertung der
Unternehmensentwicklung erfolgt, deren Datengrundlage aus öffentlich zugänglichen
und damit objektiven Quellen stammt Die Rechtsprechung legt die Zinsstrukturkurve
in Spruchsachen inzwischen regelmässig für die Berechnung des Basiszinse& zu-
grunde (vgl. Paulsen in: MünchKomm AktG, 4. A., § 305 Rn. 113 m.w.N.).
2.2 Auch der im angefochtenen Beschluss zu Grunde gelegte Risikozuschlag bedarf
keiner Korrektur.
Dieser wurde aufbauend auf dem nicht zu beanstandenden Capital Asset Pricing
Modell (vgl. Senat, Beschluss vom 27.05.2009 - 1-26 W 5/07 (AktE) - Rn. 122, WM
2009, 2220, 2226) methodisch korrekt nach dem sog. Tax-CAPM ermittelt, das sich
von der Grundform des CAPM im Wesentlichen bei der Berücksichtigung der persön-
lichen Ertragssteuern unterscheidet (vgl. IDW S 1 2005 Tz. 132; vgl. hierzu Senat,
Vorlagebeschluss v. 28.08.2014 - 1-26 W 9/12 (AktE) - Rn. 65, AG 2014, 817 ff.
m.w.N.; OLG Frankfurt, Beschluss v. 28.03.2014 - 21 W 15/11 - Rn. 29, AG 2014,
822 ff.; OLG Stuttgart, Beschluss v. 1812.2009 - 20 W 2/08 - Rn. 217, AG 2010,
513).

21
Die von dem Sachverständigen mit dem Landgericht mit 5 % veranschlagte Marktri-
sikoprämie liegt am unteren- Rand der Empfehlung des. Arbeitskreises Unterneh-
mensbewertung des IDW; der - insbesondere basierend auf der Studie von Stehle
(WPg 2004, 906 ff.) - für die- IVlarktrisikoprämie nach persönlichen Ertragssteuern
eine Bandbreite von 5% bis 6% vorschlägt (vgl. hierzu Simon/Leverkus in: Simon,
SpruchG, Anh. § 11 Rn. 128). Der Sachverständige hat_Seinen Ansatz_überzeugend
erläutert. Insbesondere hat er sich ausführlich mit der Mittelwertbildung der Marktrisi-
koprämie auseinandergesetzt und hierzu auf _eine eigene Sensitivitätsanalyse ver,
wiesen, in der er unter Verwendung der von Stehle veröffentlichten Renditereihen
untersucht hat, welche geometrischen und arithmetischen Marktrisikoprämien sich
nach persönlichen Steuern im Zeitablauf (alternativ 25, 30, 35, 40;45 bzw. 50 Jahre)
ergeben. Er ist zu dem Ergebnis gelangt, dass- jedenfalls derzeit - beide Varianten
als_ gleichwertig anzuseAen und eine historische Marktrisikoprämie nach Steuern in
einer Bandbreite von 5,0 % bis 5,5 % angemessen ist.
Innerhalb dieser Bandbreite hat sich der Sachverständige mit nachvollziehbaren Ar-
gumenten für einen Ansatz am unteren Rand entschieden. U. a. hat er plaUsibel er-
läutert; dass es sich bei den von Stehle ermittelten Werten um historische Marktrisi-
koprämien handelt und zukünftig für viele Anleger eine höhere Diversifikation als in
den 1950er bis 1980er Jahren, auch über eine verbesserte internationale Ausrich-
tung der Kapitälmärkte, nichtausgeschlossen werden kann. In derSenatsSitzung- hat
der Sachverständige überdies erläutert, dass das von einzelnen Antragstellern er-
wähnte Gutachten des in einem Spruchverfahren vor dem Landgericht
Hannover für 'die vorliegende Bewedung schon deshälb nicht aussagekräftig sein
kann, weil es einen Bewertungsstichtag im Jahr 2009 betrifft. Nach alledem ist die
vorliegend mit 5 % angesetzte Marktrisikopränfte im Rahmen einer Schätzung, die
sich zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Werte zu bewegen hat, - auch bezo-
gen auf den vorliegenden Bewertungsstichtäg 25.08.2006 - nicht zu beanstanden;
eine weitere Herabsetzung ist nicht geboten.
Auch der vom Landgericht - dem Sachverständigen folgend - angesetzte Betafaktor
von 0,88 ist nicht zu beanstanden. Da die Grohe AG nicht börsennotiert ist, hat der
Sachverständige - wie bereits zuvor - den Betafaktor anhand von Be-
ta-Faktoren börsennnotierter Vergleichsunternehmen ermittelt. Diese Methode ist
gebräuchlich, wenn das zu bewertende Unternehmen - wie hier - nicht an der Börse

22
notiert und folglich ein unternehmenseigener Betafaktor nicht ableitbar ist (vgl. Paul-
sen in: Manchkomm AktG, aaO, § 305 Rn. 12.0; Sirnon/Leverkus in: Simon,
.SpruchG, Anh. § 11 Rn. 129, jeweils m.w.N.). Auch die sachverständige Prüferin hat
diese Vorgehensweise und den so ermittelten Wert vor dem Hintergrund des Bewer-
tungsanlasses ausdrücklich gebilligt und ausgeführt, dass sie mit derselben Vorge-
hensweise 21.1 einem Betafaktor von 0,99 und damit einem erheblich niedrigeren Up7
ternehmenswert gelangt ist (Prüfbericht S. 22).
Die gegen die herangezogene Vergleichsgruppe geäusserten Bedenken greifen nicht
durch. Der Sachverständige hat die von ihm herangezogene GrUppe von Vergleichs-
unternehmen (Toto Ltd., Masco Corp., Geberit AG, Noble AB) nachvollziehbar be-
gründet und in der Senatssitzung nochmalS überzeugend erläutert. Im. Rahmen der .
Analyse wurde eine Reihe von. Unternehmen aus dem Bereich der Sanitärtechnik
und -ausstattung verworfen; da deren Aktien im relevanten Zeitraum entweder nicht
-börsenpotiert waren oder nur in sehr geringem Umfang, gehandelt wurden (Villeroy&
Boch AG, Joyou AG, Reese SA, Norcros
.
PLQ, Svedsbergs i Dalstorp AB). Wie die
Antragsteller nicht in Abrede.stelten, haben die herangezogenen Unternehmen ihren
Produktionsschwerpunkt - wie die Grobe AG - im Bereich der, Sanitär-. und Küchen-
ausstattung. Dass sich die herangezogene Vergleichsgruppe auch aus internationa'
len Unternehmen zusamm.ensetzt, ist nicht zu beanstanden. Die Grohe AG-Gruppe
ist selbst weltweit tätig. Insgesamt sind Grohe-Produkte in mehr als 100 Ländern er-
hältlich. Im Geschäftsjahr 2005 wurden 79 % der Umiätze ausserhalb Deutschlands
erzielt, davon 50,7 % ausserhalb Deutschlands in Europa. Daher erscheint es auch
überzeugend, dass der Sachverständige zur besseren Vergleichbarkeit mit der Noble
AB ein Unternehmen in die Bewertung mit einbezogen hat, das ausschliesslich Um-
sätze auf dem europäischen Markt erzielt. Das Landgericht hat nach alledem zu
Recht keinen Grund gesehen, die peer group zu beanstanden.
3. Wachstumsabschlaq.
Auch der in Übereinstimmung mit'dem gerichtlich bestellten Sachverständigen, der
sachverständigen Prüferin und den Bewertungsgutachtern angesetzte Wachstums-
abschlag für die Phase der ewigen Rente in Höhe von 1 % ist nicht zu beanstanden.

23
Wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, hängt der Wachstumsabschlag vorn
Einzelfall ab; wobei Werte zwischen 0,5 % und 2 % als üblich angesehen werden.
Entscheidend ist, ob und in welcher Weise das konkrete Unternehmen aufgrund der
Unternehmensplanung und der Erwartungen an die Marktentwicklung und die Inflati-
onserwartung in der Lage sein wird, nachhaltige Wachstuniserwartungen zu erfüllen;
die Geldentwertungsrate kann delle' nur ein erster Anhalt sein (3.rgl. Senat, Beschluss
v. 27.05.2009 71-26 W 5/07 (AktE) - Rn. 126, WM 2009, 2220 ff. m.w.N.; Paulsen in:
MündhKomm AktG, aaO, § 305 Rn. 134).-Der pauschal gebliebene Einwand einzel-
ner Antragsteller, ein "Miniwachstum unter der jährlich zu erwartenden Inflationsrate"
widerspreche der erklärten-Wachstumsstrategie des Unternehmens und-entspreche
realen Ergebnisrückgängen, vermag vor diesem Hintergrund nicht zu überzeugen.
Nach den Ausführungen im Vertragsbericht ist das. Marktumfeld der Grohe AG da-
durch gekennzeichnet, dass die westeuropäischen-Märkte bereits überwiegend einen
hohen Grad an Marktreife und Bedarfssättigung aufweisen. Eine Ausweitung des
Umsatzvolumene der Grohe AG hält das- Unternehmen in diesen Märkten zum einen
über die Verdrängung von Wettbewerbern für möglich, des weiteren kann durch In-
novationen zusätzliches- Absatzpotenzial geschaffen werden. Die Ausweitung von
Marktanteil und Umsatzvolumen ist jedoch schwieriger als in Märkten mit höherem
Marktwachstum. Im Gegensatz dazu weisen
-
die aufstrebenden Märkte in Osteuropa,
dem mittleren Osten und Asien aufgrund der deutlich niedrigeren Ausstattung mit
Sapitärprodukten und Armaturen noch ein höhes- Marktwachstum auf. Wie der Sach-
verständige ausgeführt hat, ist es daher erklärtes Ziel des Vorstands, die globalen
Wachstumschancen in den schnell wachsenden oder noch wenig erschlossenen
Märkten zu nutzen und das organische Wachstum durch ausgewählte Unterneh-
menskäufe und Joint Ventures zu ergänzen. Bestandteil dieser Expansionsstrategie
ist die Expansion in den grossen Wachstumsmärkten, insbesondere in China und In-
dien, aber auch den USA (Gutachten S. 77 ff., 79).
Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass die Bewertungsgutachter - von
der sachVerständigen Prüferin gebilligt - beim Ansatz des Wachstumsabschlags
auch die zur Wachstumsfinanzierung erforderliche Mittelbindung berücksichtigt ha-
ben; daneben sind in die Einschätzung die Wachstumschancen des Marktes sowie
die Möglichkeiten der Grohe AG eingeflossen, Preissteigerungen an den Kunden
weiterzugeben (Vertragsbericht S. 118 f.). Der gerichtlich bestellte Sachverständige

24
hat ebenfalls bestätigt, dass ein. Wachstumsabschlag von 1 % ausreichend und an-
gemessen ist. Zudem hat er in seinem Gutachten hat er herausgestellt, dass die vor-
liegend angesetzte Thesaurierungsquote von 37 % bereits ein erhebliches Gewinn-
wachstum impliziert, das neben das inflationsinduzierte Wachstum tritt (Gutachten S.
72).
Naäh alledem ist mit dem Sachverständigen von einem Unternehmenswert von rd.
2256.196 TD Euro und daraus resultierend einer angemessenen Barabfindung 1,11.v.
37,06 Euro pro Aktie auszugehen.
4. Ausgleichszahlung
Der angemessene Ausgleich nach § 304 AktG beträgt- ausgehend von dem o.g.
Unternehmenswert - 2,79 Euro brutto.
Der Sachverständige hat unter Beachtung der Rechtsprechung des Bundesgerichts-
hofes (BGH, Beschluss vom 21.07.2003 - II ZB 17/01 -, BGHZ 156, 57 ff.) die Net-
toausgleichszahlung ermittelt, indem er den Unternehmenswert je Aktie mit einem
risikoangepassten Kapitalisierungszinsfuss vor Steuern von 6,02 % verzinst hat; da-
raus hat er den Bruttoausgleich abgeleitet Dabei ist er zutreffend davon ausgegan-
gen,-dass der Ausgleich nach dem Halbeinkünfteverfahren, d.h. unter Zugrundele-
gung des hälftigen typisierten EinkomMenSteuersatzes mit 17,5 % besteuert wird.
Die Verwendung eines. Mischzinssaftes aus risikofreiem Basiszins und risikoadjus-
fiedern Kapitalisierungszinssatz ist in der Wirtschaftswissenschaft gebräuchlich (vgl.
nur Grossfeld, Recht der UnternehmenSbewörtung; 7. A., Rn. 84 rn.w.N.) und in der
Rechtsprechung anerkannt (vgl. OLG Stuttgart, Beschluss v. 05.11.2013 - 20 W
4/12- Rn. 134, AG 2014, 291 ff. m. w. N.; OLG München, Beschluss vom
17.07.2007 - 31 Wx 60/06 - Rn. 52, AG 2008, 28 ff.; Paulsen in: MünchKomnri, aaO,
§ 304 Rn. 77 m.w.N.).
Die Entscheidung über die Kosten folgt aus § 15 SpruchG a.F..
Die im Beschwerdeverfahren entstandenen Gerichtskosten hat die Antragsgegnerin