MAN SE - 2015-07-31 - LG-Beschluss - BGV

Landgericht München I
Az. 5HK 0 16371/13
In dem Spruchverfahren

erlässt das Landgericht München I, 5. Kammer für Handelssachen durch Vorsitzen-
den Richter am Landgericht , Handelsrichterin und Handelsrich-
ter nach mündlicher Verhandlung vom 12.6.2014, 1..10,2014 und 16.12.2014
am 31.7.2015 folgenden
Beschluss:
Die Anträge der Antragsteller zu 94) und zu 95). auf Festsetzung eines "ange-
rnessenen Ausgleichs und einer angemessenen Abfindung werden verworfen.
11. Die von der Antragsgegnerin gemäss Ziffer 5.1 des Beherrschungs- und
winriabführungsvertrages zwischen der und der MAN SE zu
zahlende Barabfindung wird auf Euro 90,29 festgesetzt. Der Betrag ist ab dem
18.7,2013 mit 5 Prozentpunkten über :dem jeweiligen Basiszinssatz unter Be- -
rücksichtigung geleisteter Zahlungen zu Verzinsen.
111: :Die weiteren Anträge auf Festsetzung eines angemessenen Ausgleichs werden
zurückgewiesen,
IV. Von den ausschliesslich nach dem GNotKG berechneten Gerichtskosten tragen
die Antragstellerin zu 94) und 95) je 1/162, die Antragsgegnerin 80/81 -; die wei-,
teren GerichtSkosten trägt die Antragsgegnerin. Die Antragsgegnerin -trägt ihre
eigenen aussergerichtlichen Kosten sowie die aussergerichtlichen Kosten der
Antragsteller - ausgenommen die aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller
zu 94), zu 95), zu 122) und zu 125), die ihre aussergerichtlichen Kosten. ebenso
wie die Antragsgegnerin selbst tragen.

Der 'Geschäftswert für -das-Verfahren sowie der Wert für die von der Antrags-
,
gegnerin an die _Gemeinsame Vertreterin der nicht selbst alS Antragsteller am
Verfahren beteiligten Aktiönäre werden auf Euro 7,5 Milliohen festgesetzt.

19
Gründe
1. Die Antragsgegnerin - eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der
- und die MAN SE (im Folgenden auch: die Gesellschaft) schlossen -am
26.4.2013 einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, aufgrund des-
sen Ziffer 1.1- die MAN SE die Leitung ihrer Gesellschaft der Antragsgegnerin
unterstellte, die demgemäss berechtigt sein sollte; dem Vorstand der MAN SE
hinsichtlich der Leitung -der Gesellschaft Weisungen zu erteilen ,und zu deren
Befolgung der Vorstand verpflichtet wurde. Die GesellSchaft verpflichtete sich in
Ziffer 2.1 zur Abführung ihres gesamten nach Massgabe der-handelsrechtlichen
VorSchrlften - vorbehaltlich' einer Bildung oder Auflösung von Rückstellungen
nach näherer Bestimmung im Vertrag - ermittelten Gewinns. In Ziffer 3.1 ver-
pflichtete sich die Antragsgegnerin zur Verlustübernahrrie unter Verweis auf die
Vorschriften des -§ 302 AktG.
In Ziffer 4.2 des Vertrages verpflichtete sich- die. Antragsgegnerin,. den aussen-
stehenden Aktionären der Gesellschaft ab dem Geschäftsjahr der MAN SE, für
das der Anspruch auf Gewinnabführung der Antragsgegnerin gemäss Ziffer 2
des Vertrages wirksam wird, für die Dauer des. Vertrages als angemessenen
:Ausgleich eine ehrliche Barausgleichszahlung ("Ausgleich") zu'zahlen. Als Hö-
he. des Ausgleichs legte der Vertrag einen Betrag von Euro 3,30 brutto für jede
Stammaktie und jede Vorzugsaktie abzüglich des Betrages etwaiger Körper-
schaftssteuer sowie Solidaritätszuschlag nach dem, eweils für diese Steuern für
das betreffende Geschäftsjahr geltenden Steuersatz fest, wobei der Abzug nur
auf den Teilbetrag des -Bruttoausgleichsbetrages in Höhe von Euro 1,43 je MAN-

Aktie vorzunehmen ist," der sich auf die mit deutscher Körperschaftssteuer be-.
lasteten Gewinne der MAN SE bezieht.
Alternativ zu dieser Ausgleichszahlung nach-Ziffer 4 des Vertrages verpflichtete
sich die Antragsgegnerin in Ziffer 5.1 des Vertrages auf Verlangen eines jeden
äussenstehenden Aktionärs der Gesellschaft deren MAN-Aktien gegen eine
Barabfindung in Höhe von jeweils Euro 80,89 je MAN-Stammaktie Und Vorzugsak-
tie-zu erwerben. Zudem enthielt der Beherrschungs- und GewinnabführungsVer
trag in Ziffer 5.6:folgende Regelurigen:
"Endet dieser Vertrag aufgrund einer Kündigung der öder der
MAN1SE] zü.einem Zeitpunkt, in dem die in Ziffer 5.2 bestimmte Frist zur An-
rfahrrie där Abfindung nach Ziffer '5.1 bereits abgelaufen ist, Wist jeder zu diesem
Zeitpunkt aussenstehende Aktionär der MAN berechtigt, seine zum Zeitpunkt der
:Beendigung dieses Vertrages von ihm 'gehaltenen MAN-Aktien gegen Zahlung
der in Ziffer. 51 bestimmten Abfindung je MAN-Stammaktien bzw. je MAN-
.

VorzugSaktie an .die zu veräussern und-_die
ist verpflichtet, die Aktien jedes aussenstehenden Aktionärs auf dessen

Verlangen zu . erwerben. Wird die in Ziffer .5.1 bestiMmte Abfindung. je MAN-
Stammaktie bzw.' je MAN-Vorzugsaktie durch rechtskräftige Entscheidung in ei-
nen) Spruchverfahren oder .durch einen Vergleich. zur Abwendung öder Beendi-
gung eines Spruchverfahrens erhöht, wird die die Aktien der
aussenstehenden Aktionäre unter den ih Satz 1 genannten Voraussetzungen ge-
gen Zahlung des im Spruchverfahren oder dem Vergleich je MAN-Stammaktie
oder je MAN-Vorzugsaktie festgesetzten BetragS erwerben. Dieses.. Veräusse-
rungsrecht ist. befristet. Die Frist endet zwei Monate nach. dem Tag, an dem die .
Eintragung der Beendigung' dieses Vertrags im Handelsregister der MAN [SE]
nach § 10 HGB bekannt gemacht worden ist. Ziffer 5.3 und Ziffer 5.4 gelten ent-
sprechend."
Die Hauptveisdniiiliuny über 140.974.350 und 6.065.65ü Vorzugs-
aktien Ohne Stinunreöht eingeteiltes Grundkapital von Euro, 376.422.400,-- verfü-
genden MAN SE, deren satzungsgemässer Unternehmensgegenstand in der
Beteiligung an Unternehmen aller Art, inäbegändere des Mäschinen-, Anlagen-,
Fahrzeug= und Motorenbaus sowie .des Handels und der Herstellung solcher

Erzeugnisse sowie der Bearbeitung von Werkstoffen aller Art, stimmte dem Be-
herrschungs- und Gevyinnabführungsvertrag
.
am 6.6.2013 zu. Am 25.4.2013
hatte bereits die Gesellschafterversammlung der Antragsgegnerin ihre Zustim-
mung zu diesem Vertrag erteilt.
Die Bekanntgabe der Absicht zum Abschluss des.Beherrschungs- und Gewinn-
, abführungsvertrages an die KaPitalmärkte erfolgte mittels Ad hoc-Mitteilung am
9.1.2013. in einem Zeitraum zwischen dem 9.10.2012 und dem 8.1.201 .3 betrug
der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht veröffentlichte ge-
wichtete Durchschnittskurs Euro 79,03 je Stamm- und Euro 73,39 je Vorzugsaktie der
MAN SE.
2. Im Vorfeld der Hauptversammlung erstatteten die von der Geschäftsführung der
Antragsgegnerin und dem Vorstand der MAN SE beauftragten
und
eine ge-
meinsame gutachterliche Stellungnahme zum Unternehmenswert der MAN SE
(Anlage LL 2), den sie mit Euro 11,894 Mrd. veranschlagten. In Anwendung der Er-
tragswertmethode gingen die beiden Bewertungsgutachter von
einer die Jahre 2013 bis 2017 umfassenden Detailplanungsphase aus, wobei
sie neben den Planannahmen für die MAN-Gruppe vor allem Planungsunterla-
gen für MAN Truck & Bus, MAN Latin America, MAN Diesel & Turbo, Renk so-
wie Zentrale/Konsolidierung heranzogen. Im Anschluss daran wurde ab den
Jahren 2018 ff. das Ergebnis der Ewigen Rente abgeleitet. Bei der Kapitalisie-
rung der Überschüsse legten die beiden Bewertungsgutachter einen Basiszins-.
sätz von 2,5 % vor Steuern zugrunde; der. Basiszinssatz:der dem Hauptver-
sammlungsbeschluss zugrunde lag, betrug entsprechend einer Stichtagserklä-
rung

2,25 % vor Steuern. In Anwendung des (Tax-)CAPM gingen die Bewer-
ttungsgutachter von einer Marktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern aus und
leiteten dann einen Risikozuschlag von 5,82 %, 6,06 %«5,95 %, 5,7 % und 5,67
% in den Jahren der Detailplanungsphase sowie von 5,4 % in der Ewigen Rente
aus verschuldeten Beta-Faktoren von 1,06, 1,1, 1,08, 1,04 und 1,03 sowie von

0;98 im Terminal Value; der aus einer Peer Group ermittelt wurde, ab. Im Zeit-
raum der Ewigen Rente setzten einen Wachstumsabschlag
von 1 % an. Zudem berücksichtigten sie nicht betriebsnotwendige Immobilien
mit einem Wert von 57 Mio. und ein Körperschaftssteuerguthaben, das auf
den Tag der BeschluSs fassenden' Hauptversammlung diskontiert 7 Mio. be-
trug.
' Die vom Landgericht München I mit Beschluss vom 17.01.2013, Az. 51-1K 0
1167/13 zur Vertragsprüferin bestellte
gelangte in ihrem Prüfungsbericht vom 26.4.2013 (Anlage LL 3) zu dem
ErgebniS, der im Beherrschungs-und Gewinnabführungsvertrag vorgesehene
AusgleiCh in Höhe von jeweils
.
Euro 3,07 netto je MAN-Stamrn- und VorZugsaktie
sei ebenso angemessen wie die Abfindung von einheitlich Euro 80,89 je Stamm-
und Vorzugsaktie der Gesellschaft.
Nach der Vorlage des Bewertungsgutachtens und des Prüfungsberichts. der
Vertragsprüfer kam es zu Plananpassungen gegenüber den .ursprünglich geL
.

planten Erträgsprognosen, die der Vorstand der MAN SE in einer StichtagSer-
klärung gegenüber darstelite, Diese Anpassungen betrafen
das Service-Geschäft des Bereichs MAN Diesel & Turbo; zusätzlich entstande-
hen Rübkätellungsbiedarr im Zusammenhang mit einem Grossauftrag Zur. Errich-
tung Schlüsselfertiger Dieselkraftwerke sowie im Rahmeneiner -Betriebsprüfung
aufgetretener erheblicher steuerrechtlicher Risiken für die Veranlagungszeit-
' räume 2004 bis 2006. Da zudem der Basiszinssatz zum Bewertungsstichtag auf
2,25 % vor Steuern geSunken war, errechneten die Bewertungsgutachter einen
aktualisierten Untemehmenswert der MAN SE einen Wert-,von_ 80,56 je
Stamm- und Vorzugsaktie sowie eine Ausgleichszahlung von 3,07 je Stamm-
und Vorzugsaktie abzüglich eines von der Gesellschaft zu entrichtenden Betra-
ges für die Körperschaftssteuer inklusive SolidaritätszusChlan Diese reduzierte
Abfindung wurde von der Hauptversammlung am 6.6.2013 nicht zugrunde ge-
legt, sondern es verblieb bei den ursprünglich im Beherrschungs- und Gewinn-
abführungsvertrag festgelegten Werten von Euro 80,89 für die Abfindung und
3,30 brutto für den Ausgleich.

Hinüiphtlibh der näheren Einzelheiten des Bewertungsgutachtens und des . Prü-
fungsberichts wird in voller-1i Umfang auf die Anlagen LL 2 und LL 3 Bezug ge-
nommen.
Der Beschlusb über den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag wurde
am 16.7.2013 in das 1-1andelsregiSter eingetragen und anschliessend am
173.2013 durch das Amtsgericht - Registergericht München gemäss § 10
HGB bekannt gemacht.,
11.
Zur Begründung ihrer Spätestens am 17.10.2013 zumindest per Telefäx beim Land-.
_ gericht München 1 eingegangenen Anträge machen die Antragsteller im Wesentli-
chen geltend', aufgrund ihrer zuläSsig gestellten Anträge müsse die Barabfindung
ebensd wie) der Ausgleich. erhöht' werden: weil deren Festsetzung Unangemessen
niedrig -erfolgt sei.
Dies ergebe sich bereits aus den unplausiblen und demzufolge korrekturbedürf-
tigen Planannahmen.
a. Bereits allgemeine Planansätze seien unzureichend gewürdigt worden. So
zeige sich mangelnde Planungstreue in der Vergangenheit; gerade das
Ausmass der Abweichungen der Ist- zu den Planergebnissen belege die
Ungeeignetheit der Planannahmen. Auch seien in der Vergangenheit
Marktstudien zu stark vernachlässigt worden. Ebenso bestehe die Gefahr
der Vornahme einer anlassbezogenen Planung.

nung kommen.

Angesichts vorgenornmener. Plananpassungen im Service-Ges -chäft des
Bereichs DieSer& Turbo, bei einem Grossauftrag für schlüsselfertige Die-
selkraftwerke und der.Planungskorrektür
.
der Steuerrückstellungen müsse
von deren Erkennbarkeit schon im- Zeitpunkt der Prüfung ausgegangen
werden. Auch müsse die Dauerhaftigkeit 'der Plankorrekturen in Phase 1
hinterfragt werden, zumal gerade Steuerrückstellungen ein einmaliges Er-
eignis seien. Ebenso hätte es aber dann auch zu pcisitiven AnpaSsungen
kornnien . Müssen, weil beispielsweise . eine' Presseerklärung vom
30.9;2013 über die 'Lieferung von 5.200 Fahrzeugen -an den brasiliani-
. schen Staat diese NotWendigkeit ebenso belege wie ein Militärauftrag aus
einem Joint Ventüre mit Rheinmetall. Die Berücksichtigung schlechterer'
Erwartungen im -After-SalesGeschäft führe zu einer unzulässigen. Dop-
pelerfassüng des Risikos. Aufgrund der vorgenommenen Plankorrekturen
Müsse es'auch zu einer Überarbeitung der Personal- und Investitionspla-
Die fehlende Plausibilität der Planung resultiere weiterhin aus: unzutreffen-
den Annahmen in den -einzelnen Geschäftsfeldern der MAN SE.
(1) Dies zeige, sich: bereits im Bereich MAN Truck & Bus sowohl in der
Detailplanungsphase wie auch in der Ewigen Rente.
(a) Der Anpassungsbedarf in Phase I ergebe sich beteits daraus,
dass die tatsächlichen Betriebsergebnisse der Jahre 2010 und
201'1. erst, Wieder im dritten Jahr der Detaiipianungsphase er-
reicht werden sollten. Zudem spiegele die Planung nur vorge-
nommene: Erweiterungsinvestitionen wieder, nicht aber die all-
gemeine. Marktentwicklung. Gerade der Neubau eines Werks in
St'. Petersburg diene dem 1: - lalten der Position auf dem zweit-
stärksten Absatzmarkt und 'umgehe die bestehenden Einfuhr-
zölle: Gerade mit Blick auf die Weiterentwicklung' der Russi-
schen Föderation könne der Ansatz eines nur geringen langfris-

25
tigen Wachstums angesichts -der OlyMpischen Winterspiele in
2014 und der Fussball-Weltmeisterschaft im Jahr 2018 nicht .
plausibel sein; auch aus Marktstudien ergebe sich eine Fort-
entwicklung des Premiumsektors auf diesem Markt. Der Ansatz
zünächSt rückläufiger Ergebnisse rechtfertige sich auch nicht
aus der Lage in den Krisenländern Südeuropas mit nur 15
AnteR am gesamten Europäischen Markt für mittelschwere und
schwere Nutzfahrzeuge, weshalb sich vor allem die Staatskrise
in Griechenland nicht auswirken könne.
Die Planung berücksichtige nicht hinreichend - den weltweiten
Ahstieg der Transportleistungen. Auph. blende die Planung Vor-
zieheffekte aus der Einführung der .EURQ-1/1-Abgasncirm aus.
Die mangelnde Plausibilität ergebe sich züdem aus der Erwä-
gung heraus, dass MAN im Kernmarkt Europa ohne Deutsch-
land für 2012 bis 2017 angesichts einer Marktprognose von +
6,3 % p.a. bei einer geplanten - Wachstumsrate von 3 % p.a. bei
Stagnation von. 2015 bis 2017 auf einen Marktanteil von 16,5 %
absinken werde und andererseits in der Planung vom Gewin-
nen von Marktanteilen die Rede sei.
-Weiterhiri.müsse die Planung stärker die Umsatzpotenziale aus
den BRIC-Staaten, insbesondere in Indien berücksichtigen.
'Ebenso verkenne die Planung die Nachfrage nach hochwerti-
gen schweren LKW's vor allem in Russland. und China, aber .
gegebenenfalls auch in Indien. Beim Fehlen des Zugewinns
von technischer Expertise der indiächen Regionalanbieter stelle.
sich die Planung für Indien alS zu pessimistisch dar.
In DeutSdhland müsse es zu einem stärkeren Einfliessen der
sich aus der Liberalisierung des Fernbusverkehrs und dem Ein-
'satz von Gigalinern ergebenden Potentiale kommen. Auch
übersehe die Planung das Joint Venture mit Rheinmetall.

Die Ansätze zum After-Sales-Geschäft hätten positiver und.
nicht unterprOportional geplant werden müssen. Ebenso zeige
sich der zu konservative Ansatz angeSichts der Möglichkeit der
Rückgewinnung Von Marktanteilen insbesondere von Daimler
'Benz durch die sehr gute Annahme des Truck Concepts S.
Ein RüCkgang der EBIT-Marge auf 3,5 % im Jahr 2013 und 5,4
% im Jahr 2014 lasse sich nicht rechtfertigen. In der Detailpla-
nungsphase hätte eine margenbasierte Planung, ergänzt um
eine DiSkussion künftiger Preisentwicklungen; erfolgen müssen..
Unklar bleibe, inwieweit in Brasilien und Asien überhaupt neue
Anbieter in: den Markt drängen_ würden. Die Ergebnisse von
MAN Truck .ä Bus und KAFF hätten getrennt ausgewiesen wer-
den müssen:
. (h) Nicht hinnehmbar seien die . Ansätze - für den Terminal Value:
Bereits wegen der Dauer von Konjunkturzyklen und der- Le-
bensdauer der ErzeugnisSe wäre die Zwischenkhaltung 'einer
Grobplanungsphase zwingend erforderlich gewesen. Aus der
IHS-Studie ergebe sich gerade auch, dass das Jahr 2017 die
Mitte eines Konjunkturzyklus für den Nutzfahrzeugmarkt dar-
stelle. Züdem zeige sich dies schon an internen Hochrechnun-
gen bis in das Jahr 2022. Die Annahme eines grundsätzlich
zyklischen Verlaufs der Umsäte stelle sich als fehlerhaft er.,
(2) Bei den Pl2nannahmen für MAN Latin_America fehle
es
bereits an
.einer hinreichenden Berücksichtigung 'quantitativer Studien zum bra-
silianischen Büs-Absatzmarkt. Ebenso hätte die Entwicklung der. Ex-
portmärkte in Lateinamerika und Afrika die Un -isatzeriöse positivei -
beeinflussen müssen. Die fehlende Plausibilität beruhe auch auf der
Erwägung, die brasilianische Verkehrsinfrastruktur müsse höhere
Wachstumsraten nach sich ziehen. Weiterhin fehle die Berücksichti-
.
..oung der Einführung neüer_Abgashormen in Brasilien, die zu einem

-27
nicht hinreichend in die- Planung eingeflossenen. Absatzstaü führe.
Zudem komme es in Brasilien zu einer Verschiebung der LKW-Flotte
vom Niedrig- hin zum Premiumsegment, das MAN vor allem bediene.
In der Ewigen Rente werde das PreisWachstum in Lateinamerika zu
Unrecht ausser Betracht gelassen.
.Die Planung von MAN Diesel & Turbo mit sinkenden UmSätzen in
der DetailPlanungsphase :vernachlässige den vorläufigen Tiefpunkt
der Krise_am Schiffsmarkt bezogen auf die, Zahl der bestellten Schiffe
bereits im Jahr 2012: Zu Unrecht setze die 'Planung für Agien eine
Stagnation an. Ebensohätte im SChiffsbau verstärkt ein Aufwärtszyk-
lus .berücksichtigt werden Müssen. In .die Planung eingeflossene
Marktstudien
:
seien überholt. Angesichts des Alleinstellungsmerkmals
der Gesellschaft für Dieseltechnologie Müsse die Planung als zu
koriserVativ bezeichnet werden. - Unangemessen' hoch erfolge der
.

Ahsatz der Reduzierung der UmsatzrüCkgänge in Phase 1 angesichts
. .
eines hohen Umsatzrückgangs bereits im ersten Halbjahr 2013 mit
einem Wert von 7. % unter dem Vorjahresniveau; Dem After-Sales-
. Bereidh müsse dieselbe EBIT-Marge zugeordnet weiden wie dem
gesamten Bereich MAN Diesel & Turbo..
(4) Im Bereich Renk müsse es bereits deshalb zu einer Anpassung der
Planansätze kommen, weil ein Widerspruch zwischen der Planung
des 'Mitarbeiteraufbaus und dem Verlauf .der Umsatzerlösplanung
bestehe. Auch sei es unplausibeli wenn angesidhts des Vorliegens
eines vergleichsweise hohen Kiftragseingangs im Jahr 2012 und ei-
nes für 2013 erwarteten Grossauftrags dies erst ab 2014 sukzessive
umsatzwirkSam werde. Nicht nachvollzogen werden könne das prak-
tisCh nicht vorhandene UmSatzwachstum bei der Planung von Renk.
(3)

(5) Einet Reihe von Einzelpunkten der Planannahmen sowohl auf Um-
satz- wie auf Aufwandsseite fehle die Plausibilität ebenso wie die
entsprechende Grundlage für diese Annahmen.
(a) So stelle sich die sachgerechte Planung der Zinsergebnisse _als
fraglich dar. Ebenso hätte diä Beteiligung der Gesellschaft an
Scania zum nicht betriebsnotwendigen _Vermögen genommen
werden müsSen. Zudem hätte zur Bewertung der Beteiligungen
auf die zum Stichtag vorhandenen aktuellen Analystenreports
zurückgegriffen werden müssen. Weiterhin Wäre es notWendig_
gewesen, bäi Scania und dem chinesischen Unternehmen -
Sinotruk auf -Wachstumsraten entsprechend globaler Real-
wachstumsprognoSen und auf Inflationsentwicklungen abzuStel-
. len; D rag Förtschreiben der Dividenden' blende struktürelle Ver-
besserungen. der Aussichten für künftige Konjunkturzyklen in-
folge bestehender Synergien der und der MAN:.
SE sowie die Verbesserung des Umfelds ab 2014 aus, 'zumal.
selbst eine - Verdoppelung der Produktion erwarte und
langfristig gutes Absatzpotenzial entsprechend der Aussagen
derVerantwortlichen von sehe.
Vnplausibel sei das Absinken der sonstigen betrieblichen Erträ-
ge mit einem Anteil am Umsatz von 3,4 % in 2012 bis.auf 2,5 % -
im Terminal Value bei gleichzeitigem Anstieg der sonstigen be-
trieblichen

Aufwendungen in derselben Periode von 5,6 % in
2012 bis auf 6,8 % in der Ewigen Rente: Unklar sei; worauf sich.
der Wert des Guthabenzinses van 1 % irri Finanzergebnis be-
ruhe. Ebenso wenig könne die Entwicklung der UMSatzerlöse
irn Bereich ZentraielKoitc.;oLlierung von Euro 176 Mio. Jahr
2012 auf e - 443 Mio. im Jahr 2017 nachvollzogen werden;
(b) Der .Investitionsplanung mit Investitionen von Euro 793 Mio. und
Abschreibungen von Euro 494 Mio. fehle die Plausibilität; nachdem

der Konzernabschluss 2013 Investitionen von Euro 558 Mio. vor-
sehe. Ebenso wenig stelle sich der Anstieg der Abschreibungen
bei MAN Truck. & Bus um 8,2 % p.a. als plausibel dar ange-
sichts im Zeitablauf abnehmender. Investitionen. Der Anstieg
der sonstigen betrieblichen Aufwendungen könne angesichts
der Verzahnung mit dem und sehr hoher Entwick-
lungskosten bei einem nur marginalen, _unterhalb des Wachs-
tumS im Gesangkonzern verbleibenden Urnsatzwachstüms von
5,2 % p.a. bei MAN Truck & Bus nicht sachgerecht sein. Eben-
so unplausibel seien der. Anstieg der Verwaltungsaufwendun-
gen Lind die Verschlechterung deb EBIT im Bereich Zentra-
le/Konsolidierung:.
(c) Unklar bliebe die Planung der Wechselkurse; die Auswirkungen
von AbWeichungen in Relation im Gesamtumfang des Umsat-
zes sowie die Ekistenz von Sicherungsgeschäften. Ebenso unL
.

klar bleibe die angemessene und zutreffende BerüCksichtigung
steuerlicher Verlustvorträge.
(d) Der Ansatz eines Rückgangs der EBIT-Marge. auf 3,5 % trotz
eines leichten AnStiegs der Bruttoergebnismarge von 20,8 ')/0
auf 21,1 % sei inkonsistent. Beim After-Sales-Geschäft müsse
man die Margen und deren Branchenüblichkeit hinterfragen.
Unklar sei der Umsatzanteil, der bis 2017 auf das After-Sales-
Geschäft entfalten solle.
(e)
Hinsichtlich der anzusetzenden Synergien bleibe der Umfang in
den einzelnen Planjahren auch bei Angabe des Wertes von Euro
125 Mio. unklar. Dies' gelte auch für zu berücksichtigende Ver-
bundeffekte aus der Finanzierung. Angesichts des Innovations-
vorsprungS -von Scania und dem 17,8 %-Anteil der Gesellschaft
an Scania hätten Synergien Mit diesem Unternehmen,'von de-
nen die Gesellschaft präfitieren könne, in die Planung einfliessen

müssen. Ebenso, hätte die Planung Synergien im Bereich For-
schung & Entwicklung ausweisen müssen.
(f) Der Ansatz einer 50 %-igen Ausschüttungsguote müsse ange-
sichts der dips/DSVV-Dividendenstatistik als unrealistisch ange-
sehen werden. Zudem stelle es sich als widersprüchlich dar,
wenn das Zinsergebnis nicht

im Umfang der Thesaurierung sin-
ke. Die Besteuerung der Thesaurierung im Terminal Value mit
einem Ansatz von 12,5. % zuzüglich des Solidäritätszuschlags
erfolge nicht sachgerecht. Weiterhin stelle es einen systemati-
schen Fehler dar, einen Betrag von Euro 80 Mio, für organisches
Wachstum in der Ewigen Rente in Ansatz zu bringen. Aus-
schüttunaen hätten aus dem steuerlichen. Einlagenkonto erfol-
gen müssen.
Der Ansatz des Kapitalisierungszinssatzes erfolge unzutreffend und benachtei;.:
lige die Minderheitsaktionäre.
Dies gelte bereits für den mit 2,5 % vor Steuern zu hoch angesetzten Ba-
siszinssatz Däbei dürfe nicht auf Bundesanleihen als risikolose Alterna-
tivanlage abgestellt werden: Zudem müsse wegen der Existenz von Credit
Defaült Swaps ein Abschlag auf den Basiszinssatz vorgenommen werden.
b. Der Risikozuschlag falle in der. Detailplanungsphase ebenso wie im Ter-
minal Value zu hoch aus. Bereits das herangezogene (Tax-)CAPM stelle
sich als ungeeignet dar. In keinem Fall dürfe dabei das arithmetische Mit-
tel mit einem einjährigen Wiederanlagehorizont herangezogen werden:
Die Ermittlung des individuellen Risikos auf der Basis einer ohnehin unzu-
treffend zusammengesetzten Peer Group verkenne die Notwendigkeit des
Ansatzes des unternehmenseigenen Beta-Faktors der MAN SE. Es ver-
biete sich weiterhin ein Zuschlag auf den unverschuldeten. Beta-Faktor.
Zudem müsse entcheidend auf die Bonität der abgestellt
werden angesichts der Einordnung von MAN SE in diese Gesellschaft. Ei-

ne Erhöhung der- Marktrisikoprämie insbesondere auch wegen des als
Folge der Staatsschuldenkrise niedrigen. Basiszinssatzes dürfe nicht erfol-.
gen.
c. Im Terminal Valpe.müsse der. Wachstumsabschlag höher angesetzt wer-
den. Dies resultiere bereits aus der guten Wachstumsperspektive der Ge-
.
sellschaft und der unzureichenden Berücksichtigung ihrer Präsenz auf
Wachstumsmärkten mit der Folge der Möglichkeit, 'Preiserhöhungen . in
stärkerem Umfang auf die Kunden überwälzen zu können. Auch stehe der.
niedrige Wachstumsabschlag in Widerspruch zu den langfristig positiven.
Marktentwicklungen, wie dies beispielsweise in der Studie von LMS zum
Ausdruck komme, Ebenso hätte die höhere Inflation in den Schwellenlän-
dem einfliessen müssen. Der Umstand der zeitlich versetzten, aber gleich- -
förmigen Entwicklung von Steigerung des BruttoinlandsprodukteS und der
Inflationsrate führe dazu, dass die Inflationsrate auch den Wachsturnsab-
schlag bestimme. Aus einer Studie der Europäischen Zentralbank aus
.

dem Jahr 2007 über einen Zusämmenhäng zwischen Unternehmensver-
trägen und dern Pruttoinlandsproduktjasse sich ein höherer Wachstums-
abschlag ableiten. Zudem sei es .widerSprüchlich, wenn die
bei der Bewertung zu Rechnungslegungszwecken im Jahresabschluss
2012 von einer langfristigen Wachstumsräte von 2 % ausgehe.
Das angesetzte nicht betriebsnotwendige Vermögen - müsse gleichfalls hinter-.
fragt werden, wobei auch die Art und Weise der Ermittlung der Werte für die
nicht betriebsnotwendigen Grundstücke und die NotWendigkeit eines Besteue-
rüngsansatzes unklar bleibe. Zudem sei offen, ob es nicht weiteres nicht be-
triebsnotwendiges Vermögen bei der Gesellschaft gebe: Als Sonderwert müsse
die vorhandene Liquidität, ebenso wie das steuerliche Einlagenkonto in die Un-
ternehmensbewertung -einfliessen. Weiterhin sei zu prüfen, ob es konkrete An-
haltspunkte für das Bestehen von Schadensersatzansprüchen gegen Dritte -
also handelnde Personen, Berater, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder eine
D&O-Versicherung im Zusammenhang mit den (Korruptions-)Vorfällen bei

Ferrostaal gebe, es sei denn, diese seien hinreichend deutlich bei den sonsti-
gen betrieblichen Erträgen abgebildet.
4.
Die Unangemessenheit.der Abfindung resultiere weiterhin aus einem fehlerhaf-
ten Ansatz des Börsenkurses; seit der Übernahme durch die
müsse sich der Börsenkurs der MAN SE ähnlich wie der Kurs der
-herrschenden
Gesellschaft entwickeln. Auch werde der Aktienkurs von in Mehrheitsbesitz be-
findlichen Gesellschaften systematisch nach unten verzerrt und mit einem Opti-
onsabschlag gehandelt. Fehlerhaft erfolgt sei die Ermittlung des als Untergren-
ze anzusetzenden Börsenkurses unter Zugrundelegung eines Referenzzeit-
raums von 9.10.2012 bis einschliesslich 8.1.2013.
Unzutreffend sei zudem auch der Ansatz eines einheitlichen Abfindungsbetra-
ges für die Stamm- und die Vorzugsaktien.
Die angesetzte Ausgleichszahlung vön Euro 3,30 brutto sei unangemessen. Neben
dem zu niedrig ermittelten Ertragswert ergebe sich die Notwendigkeit einer Er-
. höhung des Ausgleichs aus der fehlerhaften Bildung des Verrentungszinssat-
zes. Dieser müsse aus dem vollen KapitaliSierungszinssatz, jedenfalls aber aus
einem risikoadjustierten Mittelwert aus Basiszinssatz und dem Kapitalisierungs-
zinseatz der MAN SE entspiechend dem in der obergerichtlich RechtspreChung
vorherrschenden Ansatz errechnet werden.
Die Antragsgegnerin beantragt demgegenüber die Zurückweisung der Anträge, wo-
bei dies zum Teil infolge ihrer Unzulässigkeit, in jedem Fall aber wegen der Ange-
messenheit der festgesetzten Kompensationsleistungen in Form der Abfindung und
des Ausgleich erfolgen müsse.

Die ünzulisSigkeit des Antrages betreffe zunächSt den Antragsteller zu 27), deSsen
Antrag nicht die -erforderliche Begründungstiefe aufweise. Bei den Antragstellern zu
58), 64) und 65) resultiere die Unzulässigkeit zum einen aus der fehlenden Wirksam-
keit der Verfahrensvollmacht für ihren sie anwaltlich vertretenden Vater, weil ein Er-
gänzungspfleger für die minderjährigen Antragsteller _hätte bestellt werden, müssen;
zum anderen fehle den Anträgen angesichts ihrer Rechtsmissbräuchlichkeit das
Rechtsschutzbedürfnis, nachdem die Antragstellung ausschliesslich dem Gebührenin-
teresse des Vaters - selbst Antragsteller - diene. Bei den Anträgen der Antragsteller
zu 94) und 95) resultiere die Unzulässigkeit aus der fehlenden Darlegung der Aktio-
närseigenschaft am Tag des Eingangs- bei Gericht.
Die fehlende Begründetheit aller übrigen Anträge resultiere aus der zutreffenden Er-
mittlung der Abfindung entsprechend der Ertragswertmethode Und_darauf aufbauend
beim Ausgleich aus dem sachgerecht gewählten Verrentungsginssatz.
Die Planannahmen - der Gesellschaft seien .plausibel und daher nicht korrektur-
bedürftig,
Sachgerecht erfolge die Darstellung der allgemeinen Planannahmen, die
der Vorstand der GesellsChaft, ohne Beeinflussüng durch die
. erstellt habe,. nachdem er erst durch die ,Ad hoc-Mitteilung vorn .
9.1.2013 über den gePlanten Beherrsdhungs- und Gewinnabführungsver-
trag informiert _worden sei: Die Effekte zwischen dem Zeitpunkt des Ab-
sChlusses der Bewertungsgutachten und' dem Bewertungsstichtag seien"
zutreffend in die Bewertung einbezogen worden; .was zunächst für den
nicht erwarteten Einbruch der Umsätze und Auftragseingänge im ServiCe-
Geschäft des. Bereich MAN Diesel & Turbo in den ersten.vier Monaten des
..Jahres 2013 ebenso gelte wie für den sich als zunehmend defizitär erwei-
senden Grossauftrag schlüsselfertiger Dieselkraftwerke in GuadelouPe, La
Reunion und Martinique.' Sachgerecht erfolgt sei auch die planüngskorrek-
tur hinsichtlich der Steuerrücksteliungen wegen neuer Erkenntnisse im

Züsammenhang mit einer Wertpapierleihe durch die Ferrostaal GmbH.
Positive Anpassungen seien dagegen entbehrlich gewesen, weil nament-
lich die Lieferung von rund 5.200 Fahrzeugen anden brasilianischen Staat
bereits in der Planung von MAN Latin Arnerica enthalten gewesen sei.
Ebenso wenig lasse sich aus den reduzierten Ergebniserwartungenim Af-
tdr-SaleS-Geschäft von MAN Diesel &. Turbo eine Doppelberücksichtigung
von Risiken ableiten:
b. Die Planannahmen in der gesamten Gruppe seien ebenso wie bei den
einzelnen Segmenten plausibel.
(1
) Did UniSatzentwicklung IM Bereich MAN Trück & Bus sei nicht zu
konservätiv, söndern arnbitioniert geplant, was sich bereits an der
Annahme des RückgewinnS von Marktanteilen von Wettbewerbern
und dem im DurchSChnitt über den WachsturnSraten der Wettbewer-
ber liegenden UmsatzwaChstüm zeige. Das -unterproportionale.
_ Wachstum des Bus-, Motoren- und Korrponenten- sowie After-Sales-
Geschäfts gründe in intensivem und ztanehMendem Wettbewerbe
gerade auch durch den verstärkten Eintritt unlizenzierter Werkstät-
ten. Der' Berücksichtigung des möglichen Verkaufs: von Gigalinern
stehe die_Rechtslage entgegen; zudem seien im Falle der Zulassung
die Effekte noch nicht analysiert, weil negative Auswirkungen durch
sogenannte KannibaliSierung zu berücksichtigen. seien.
Die auf Basis der LMC-Daten - getroffenen Wachsturnsannahmen :in
de► n Privatgutachten von seien mit hoher Unsicherheit verbun-- ,
den; die jüngeren LMC-Daten hätten deutlich schlechtere Werte aus-
gewiesen. Die Entwicklung der Zulasstangszahlen der MAN Truck &
Bus bestätige die Einschätzung der Planung dieses Teilbereichs als
ambitioniert. - Auch habä der. Vorstand der MAN SE ungeachtet .,des
negativen wirtSchaftliChen Umfelds vor allem in den südeuropäischen
Krisenländern eine erhebliche Steigerung der Absatzzahlen in der
Planung angesetzt. Diese 'bilde die erwarteten Tränsportvolumina

ebenso sachgerecht ab wie die Wachstumsraten in den BRIC-
Staaten, wobei das Wachstum in Brasilien wie in Lateinamerika auf
Basis einer detaillierten und sachgerechten Grundlage im Bereich
MAN Latin America erfasst werde.
Der Protektionismus in Russland zugunsten heimischer Produzenten
betreffe MAN Truck & Bus als grossen ausländische,n Wettbewerber
besonders. Zum Bewertungsstichtag sei die Entwicklung der Rechts-
lage in Bezug auf die "Utilization Fee" noch in Bewegung gewesen.
In Russland erwarte die Gesellschaft nur ein geringes langfristiges
Wachstum. Das neue Werk in St Petersburg solle nur die Produktion
ausserhalb Russlands gelegener Standorte übernehmen, um die
"Utilization Fee" zu vermeiden. Der Umsatzanteil in Indien sei ver-
schwindend gering und die EBIT-Marge gegenwärtig sogar negativ;
deren Verminderung beruhe auf Effizienzsteigenangsmassnahmen.
Die Liberalisierung des Fernbusmarktes führe nur zu einer Verlag&
rung der Geschäftsfelder bestehender Kunden, in Deutschland vor
allem der regionalen Busbetreiber. Zudem erwarte die Gesellschaft
einen Einsatz preisgünstigerer Busse durch die Betreiber der Fern-
buslinien bzw. der regionalen Busunternehmer, weshalb aus dieser
Entwicklung keine vermehrten Absatzchancen zu erwarten seien an-
gesichts der starken. Positionierung der MAN SE im Premium Seg-
ment.
Aus den strengeren Abgasnormen ergebe sich kein Wettbewerbsvor-
teil, weil deren Erfüllung Markteintrittsvoraussetzung sei und daher
keinem Wettbewerber Vorteile verschaffe. Vorzieheffekte berücksich-
tige die Planung angemessen, die zudem einen entsprechenden
Minderabsatz im Folgejahr nach sich zögen.
Die geringe erwartete Preissteigerung in Phase I sei dem sich ver-
schärfenden Wettbewerb geschuldet, der Preiserhöhungen kaum zu-
lasse. Eine unmittelbare Umsetzung der Kosten für Forschung &

Entwicklung in: Umsatz- und Ergebniswachstum könne nicht ange-
nommen Werden.
Bei der Entwicklung von Investitionen und Abschreibungen in Phase
I gebe es angesichts des AnStiegs der Investitionen mit 11,4 % p.a.
und der Abschreibungen mit 6,9 % .p.a. keinen Widerspruch.
(2) Die . Planungsrechnung für MAN tatin America beruhe für den Bus- -
markt in Brasilien insbeSondere auf internen Studien aus dem eige-
nen Vertriebsnetz ebenso wie auf externen Marktstudien, wobei die
eigene Marktplanung mit einer jährlichen Wachstumsrate im brasilia-
.
- niSchen Busmarkt von 8;9 % deütlich optimistischer -sei.- Trotz der
- anstehenden (3rossereignisSe der FussbalgWeltmeisterschaft irn Jahr
2014 und der OIWpischen Spiele in Rio de Jänpiro im Jahr 2016
könne nicht von einer Wachstumsprognose von deutlich mehr als 20 -
-
% über fünf jähre hinweg ausgegangen werden. Zudem müsse in. _
Brasilien mit dem Eintritt neuer Märktteilnehmer- gerechnet werden.
Ab dem Jahr 2014 erwarte Brasilien in.erster Linie Punktuelle InVesti-
tionen. in die Infrastruktur. des Landes ohne massgeblichen EinfluSs
auf die LangStreckeninfrastruktur des Landes, weshalb die unterent-
wickelte Infrastruktur mit nur 12 % asphaltierten Strassen .weiterhin
ein stärkeres Wachstum des LKW-Marktes behindere_
(3) Keiner Korrektur bedürfe es hinsichtlich der Planannahmen bei MAN
Diesel & Turbo.
Im Neubaubereich des Geschäftsbereichs Engines & Marine bestehe
ein Zeitversatz von mindestens.
-
12 Monaten zwischen Auftragsein
gang und dem Generieren von UmsatzerlöSen, weshalb die Verrin-
gerung der UrnsatzerlöSe in 2013 konsistent zum- Tiefpunkt des Auf-
tragseingangs im Jähr 2012 sei.' Von 2013 bis 2017 werde.ausge-
hend von dem niedrigen Niveau. des Jahres 2013 eine deutliche
Steigerung der Umsatzerlöse um durchschnittlich 8,8 % p:a. in der

Plänung angesetzt. Auch erwarte die Gesellschaft in Asien gerade
keine Stagnation, sondern gide Wachstumsperspektiven. Allerdings
erwarte die Gesellschaft im Bereich der. Schiffsneybästellungen kei-
ne rasche Erholung.
(4) Die angenommene Umsatzentwicklung im Geschäftsbereich Ränk
mit einer Wachstumsrate von % p,a. müsse als plausibel be-
zeichnet werden: Einem deutlichen Überschreiten der Schwelle von
Euro 600 Mio. stünden kapazitive Restriktionen entgegen. Das geplante
Wachstum der Belegschaft bei Renk stehe vor dem Hintergrund der
in. Zukunft geplanten hohen Kapazitätsauslastungen mit den Erwar-
tungen in
.
Einklang.
(5)
Die Planungsrechnung im Bereich Zentrale/Konsolidierung stelle sich
als nachvollziehbär dar. Der Rückgang der Urnsatzerlöse beruhe auf
einer AusWeitung der internen Lieferbeziehungen für die Baureihe
MAN TGX zwischen MAN Truck & Bus und MAN Latin America: Die
sich aus einer Verstärkung interner Liefer, . und Leistungsbeziehun-
gen ergebenen Effekte seien konolidierungsbedingt und ohne Aus-
wirkungen auf den Unternehmensert. -Negative EBIT-Effekte hätten
ihre Ursache aus einem Anstieg der Verwaltungskosten, der MAN SE
um rund Euro 30 Mio. Und aus nicht im Einzelnen. planbaren Belastun-
gen auf der Ebene der MAN SE.
(6)
Die Ableitung der Ewigen Rente erfolge sachgerecht - 'ohne die- .
Notwendigkeit .der Zwischenschaltung einer Grobplanungsphase -
auf der Analyse der langfristigen wirtschaftlichen Erwartungen. Die
Ewige Rente bilde einen durchschnittlichen Züstand über sämtliche
Phasen eines Konjunkturzyklus ab, wobei die nachhaltig angeSetzten
EBITs um mehr als. 17 % oberhalb des Dürchschnitts der im Detail=
-planungszeitraum geplanten EBITs vor AktualiSierungsanpassungen
lägen. Bei deren Berücksichtigung ergebe sich einnachhaltiges MT

von mehr als-34 % über dem durchschnittlichen EBIT der Jahre 2013
bis 2017. Der ausschliessliche Vergleich der Werte deS letzten Detail-
planungsjahres mit den nachhaltigen Werten könne angesichts des
zyklischen Charakters des Geschäfts der MAN SE .nicht sachgerecht.
sein.
Gerade im Bereich MAN . Truck & Bus liege die nachhaltig angesetzte
EBIT-Marge oberhalb der Durchschnittsmarge der Peer Group aus
den Jahren 2004
. bis 2012 und von MAN Truck & Bus selbst. Auch
, bei MAN: Latin America dürfe im Terminal Value nicht der Wert des
Rekordjahres 2017 herangezogen werden, was in gleicher Weige für'
MAN Diesel & Turbo gelte, wo es: gegenläufige Effekte aus den- un-
terschiedlichen Zyklen .der Geschäftsbereiche gebe. Bei Renk -ent-
spreche die angesetzte EBIT-Marge in Höhe von 13,3 %, der durch-
schnittlichen Marge des achtjährigen Zyklus von 2010 bis 2017 und -
steile somit eine angemessene Trendentwicklung dar.
- Irri Bereich Zentrale/Konsolidierung sei die Ertragskonsolidierung auf
Konzernebene nicht zahlungswirksam und somit als erfolgsneutral
anzusehen: Eine Anpassüng nach oben ziehe aufgrund der in kon;
sistenter. Art und Weise anzupassenden AufwandskonSolidierung
keine Veränderungen des EBIT , nach sich.
Hinsichtlich der Beteiligungsergebnisse Verfüge die Gesellschaft aus
rechtlichen Gründen über keine. Erkenntnisse zu den "Planungsunter-
lagen und -annahmen von Scania und Sinotruk, weshalb die MAN,
SE auf der Basis verfüabarer Consurnerschätzungen von Analysten
eine Abschätzung der zu erwartenden Dividendenzahlungen seitens
Scania und der At equity-Ergebnisse Sinotruk vorgenommen ha-
be. Im Terminal Value komme es zu einer Fortschreibung auf der
Basis des Mittelwerts, der in Phase I geplanten Jahresüberschüsse
bei Scania und der Fortschreibung des erwarteten Jahresübel -Schus-
ses aus 2017 bei Sinotruk jeweils mit der WachstUmSrate von 1 %.


39

(8)
Das Zinsergebnis auf der Basis eines Guthabenzinses von 1 °AD stehe
in keinem Widerspruch zu den .Thesaurierungsüberlegungen, weil die
Thesaürierungsbeträge vor allem zur -Refinanzierung des Nettoum-
laufvermögens und zur Finanzierung von Investitionen herangezogen.
: würden.: Zudem ergebe sich aus der Thesaurierung eine deutliche
nachhaltige Entlastung, der Zinsaufwendungen um Euro 116 Mio. p.a.,
während es bei einer Vollausschüttung zu einem deutlichen Anstieg
'des Zinsaufwandes käme. Beim Ansatz der Unternehmenssteuern
rechne die Gesellschaft mit den ab 1.1.2013. gültigen gesetzlidhen
Steuersätzen von 20 % in Russland sowie von 31 % bis 32 % in In-
dien in Abhängigkeit von der jeweiligen Rechtsform.
(9)
Die Ausschüttungsquote von 50 % im Terminal Value entspreche üb-
lichen Gepflogenheiten und werde von der. Rechtsprechung aner-
kannt. EbenSo sachgerecht vorgenommen sei der AnsatZ der
- sieden Einkommensteuerbelastung bezüglich der Veräusserungsge
winnbesteuerung in Höhe von rund 13,19 % inklusive Solidaritätszu-
Schlag. Eine Ausschüttung aus dem steuerlichen Einlagenkonto dür-
fe nicht vorgenommen werden.
2. Der Kapitalisierungszinssatz müsse angesichts seiner zutreffenden Herleitung
nicht verändert werden.
a. Hinsichtlich des Basiszinssatzes werde. vielfach übersehen, dass dem
Hauptversammlungsbeschluss bereits ein niedrigerer Basiszinssatz von
2,25 % zugrunde liege. Die Ableitung des Basiszinssatzes anhand der
Zinsstrukturkurve entsprechend dem Modell von Nelson/Siegel/Svensson
stelle sich als sachgerecht dar und erfolge unter Berücksichtigung der zeit-
lich unbegrenzten Lebensdauer des Bewertungsobjekts. Ein Ausfallrisiko
bei.Bundesanleihen könne ungeachtet der Preise für Credit Default Swaps
nicht angenommen werden.

Der In Anwendung des (Tax-)CAPM entsprechend den Empfehlungen des
FAUB: des IDW ermittelte Risikozusdhlag bedürfe keiner Korrektur, Dies
zeige bereits die Schätzung impliziter Kapitalkosten; die im Durchschnitt
der Peer Group-Unternehmen einen Wert von 5,62 % im Durchschnitt und
von 5,69 % im Median ergäben. Angesichts der Staatssbhuldenkrise und
des niedrigen Basiszinssatzes entspreche die Empfehlung des FAUB des.
IDW, die MarktriSikoprämie in einer Bandbreite von 5 % bis 6 % anzusie-
deln, den Erwartungen des Kapitalmarktes; Die seit Beginn der Firianzkri-
se zu beobachtende Risikoaversion , halte ah, Was sich aus dem andau-
ernden niedrigen Niveau der Rendite, deutscher Bundesänleihen ableiten
lasse, das die anhältendö Flucht in "sichere Häfen" reflektiere. Die vorge-
nommen arithmetische Mittelwertbildung stelle sich bei der BeStimmung
von Ab±insungsfaktoren alS sachgerecht dar. Der unverschuldete Beta-
: Faktor von 0,9 liege gerade auch im Vergleich zum unternehmenseigenen
Beta-Faktor der MAN SE am unteren Rand der sich ergebenden Band-
breite und beruhe auf einer sachgerechten Auswahl' von Peer Group
Unternehmen. Angesichts des verpflichtendem Übernahn'eangebots ge-
mäss § 35 ff. WpÜG und der Ad hoc-Mitteilung über den beabsichtigten
Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages könne
eine Beeinflussung und Verzerrung des originären Beta-FaktorS der Ge-
sellsähaft nicht ausgeschlossen werden.
Der Wachstumsabschlag von 1 % müsse nicht nach oben angepasst wer-
den. DieSer müsse sowohl Steigerungen der Gewinne in Phasen stärken
Wachstums als auch. rückläufige Entwicklungen oder gar einen Einbruch
berücksichtigen und in einen angemessenen Ausgleich bringen. Die Prog-
nose des Wachstumsabschlages für die Ewige Rente müsse von
Rnomiahrrn i
.
ind Re7essinnen nhstrnhiert uve;rden Der Warhsturnsnh-
schlag könne nicht anhand der Inflationsrate der Absatzländer ermittelt
werden, weil anderenfalls angesichts der Abbildung der der Bewertung
zugrunde gelegten Erträge der MAN-Gruppe in Euro das Prinzip der Wäh-
rungsäquivalenz verletzt werde. Ein reales Schrumpfen des Unterneh-.

41
mens resultiere aus dem Ansatz eines Wachstumsabschlags von 1 % -
nicht, weil bereits das thesaurierungsbedingte Wachstum für ein signifi-
kant höheres Wachstum sorge.. Ebenso wenig gebe,es einen Widerspruch
zur angesetzten Marktrisikoprämie von 5,5 %.
Die als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien mit einem Zeitwert von E 64
Mi0. sowie ein Grundstück in Südamerika mit einem Zeitwert von Euro 7 Miä. seien
ordnungsgemäss zu Marktwerten als Sonderwert in die Ermittlung des Unter-
nehmenswertes eingeflossen, wobei die fiktiv angenommene Veräusserung der
Immobilien zu einer Besteuerung des Veräusserungsgewinns auf Unterneh-
mensebene führe, Die Beteiligung an Scania könne neben ihrer separaten Er-
fassung nicht nochmals im nicht betriebsnotwendigen Vermögen als Sonder-
wert erfasst werden. Die liquiden Mittel seien angesichts der Summe langfristi-
ger und kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten der Gesellschaft zutreffenderweise
nicht .als Sonderwert erfasst worden, Eine gesonderte Bewertung der Marke.
"MAN" und weiterer zur MAN, Grüppb gehörenden Marken müsse ebenso un-.
terbleiben wie der Kundenbeziehungen, weil es sich dabei um .betriebsnotwen-
digen Vermögensüegenstände handele. Kunstgegenstände seien allenfalls in
geringem Umfang vorhanden und daher nicht zu berücksiChtigen. Eine steuer-
freie Ausschüttung von idem steuerlichen Einlagenkonto korinme auch hier als
berücksichtigungsfähig nicht in Betracht. Zum Stichtag bestehende -Realisie-
. rungschancen in Bezug auf Schadensersatzansprüche seien bereits durch die
Höhe der eingeplanten sonstigen betrieblichen Erträge gedeckt
Eine Berücksichtigung des Börsenkurses der und dessen Ent-
wicklung verbiete sich ebenso wie die Berücksichtigung einer Optionsprämie,
nachdem gerade die Überlegung, Börsenkursä von im Mehrheitsbesitz stehen-
den.Unternehmen seien um eine Prämie zu erhöhen, reine Spekulation beded-
te. Der BörSenkurs der Gesellschaft sei anhand deS massgeblichen Referenz-
zeitraurns ermittelt, worden und liege unterhalb des nach der Ertragswertmetho-
de errnittelten Unternehmenswertes. Die Annahrne eines längeren Zeitraiims
scheide Vorliegend angesichts der Zeitabläufe aus.

Die Ermittlung der Ausgleichszahlung auf der-Grundlage des risikolosen Basis:
zinssatzes und eines angemessenen Risikozuschlags für das Ausfallrisiko der
beruhe auf der Erwägung, dass der Empfänger der Aus-
gleichSzahlung lediglich das AuSfailrisiko des Schuldners tragen müsse, das
angesichts der von der
letztlich durch die Bonität der
auf den Zinssatz von Anleihen 'der
übernommenen Patronatserklärung
bestimmt werde. Daher müsse.
abgestellt werden. Das un-
ternehmerische Risiko der Entwertung- der Aktien aufgrund nachhaltiger Wel-
sungen itn Falle der Beendigung deS Beherrschungs- und Gewinnabführungs-
vertrages entfalle angesichts des Wiederauflebens des Abfindungsanspruches
bei Kündigung des Unternehmensvertrages.
IV-
1'. Das Gericht hat mit Beschluss vom 20.12.2013
.
(BI. 279 d. A.)
zur gemeinsamen Vertreterin der nicht selbst als An-
tragsteller am Verfahren beteiligten Aktionäre der MAN SE bestellt. Mit Verfü-
gung ,vom. selben Tag (BI. 280 d. A.) hat der Vorsitzende die Bekanntmachung
der Bestellung der Gemeinsamen Vertreterin im Bundesanzeiger veranlasst.
Die Gemeinsame Vertreterin rügt in erster Linie den Widerspruch zwischen der
Ablehnung eines von der Antragsgegnerin im Mai_ 2011 gemachten Abfin-
dungsangebots in Höhe von Euro 95,--. je. Stammaktie auf der Basis von Bewer- ..
tungsgutachten durch durch den:damali-
gen Vorstand und Aufsichtsrat als zu niedrig, weshalb auch die dem damaligen
Gutachten zugrunde liegenden Planungen vorzulegen seien. Ebenso sei. der
Kapitalisierungszinssatz vor allen') in der Ewigen Rente - zu hoch angesetzt. Die -
Berechnung des RisikoZuschlages unter Rückgriff auf das (Tax-)CAPM mit ef-
ner Märktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern müsse.kritisch gesehen werden.
Der mit 0,98 angesetzte Beta-Faktor könne angesichts des niedrigen Verschul-

dungsgrades der MAN SE kaum nachvollzogen werden. Der VVachstumsab-
schlag müsse auf mindestens 2 % erhöht werden.
In der mündlichen Verhandlung vom 12.6.2014, 1.10.2014 und 16.12.2014 hat
das Gericht die gerichtlich bestellten Vertragsprüfer der
mündlich angehört. Ferner hat das Gericht die, Vertragsprü-
fer mit Beschlüssen vorn 3.7.2014 (BL 950/953 d. A.) vom 1.10.2014 (BI. 1267
d. A.) und vom 16.12.2014 (BI. 1427 d. A.) beauftragt, zu weiteren Einwendun-
gen und Einzelfragen schriftlich Stellung zu nehmen. Ebenso haben die gericht-
lich bestellten Vertragsprüfer entsprechend einer im Termin vom 1.10.2014 ge-
äusserten Bitte Alternativberechnungen mittgeänderten Marktrisikoprämien an-
gestellt und entsprechend ihrer Zusage aus dem Termin vom 12.6.2014 ergän-
zende Ausführungen gemacht Hinsichtlich des Ergebnisses der Anhörungen
und der ergänzenden Stellungnahmen wird in vollem Umfang Bezug genom-
men auf die Protokolle der mündlichen Verhandlung vom 12.6.2014 (BI.
884/917 d. A), vom 1.10.2014 (BI. 1216/1268 d. A.) und vom 16.12.2014 (BI.
1376/1427 d. A.) sowie die ergänzenden Stellungnahmen der Vertragsprüfer
vom 1.9.2014 (BI. 997/1002 und
1003/1045 d. A.), vom 17.11.2014 (BI. 1280/1347 d. A.) sowie vom 12.3.2015
(BI. 1437/1489 d. A.); die den Verfahrensbeteiligten jeweils zugestellt worden
sind.
Die Antragstellerin zu 24), der Antragsteller zu 25) sowie der Antragsteller zu
26) haben mit jeweils im Wesentlichen identischen Schriftsätzen vom
30.7.2013, 2.8.2013 und 6.8.2013 an das Landgericht München I ebenfalls be-
antragt, eine angemessene Barabfindung festzusetzen. Die 38. Zivilkammer
cies Landgerichts München I hat sich jeweils mit Beschlüssen vom 6.9.2013 in
den Verfahren 38 0 17135/13, 38 0 17521/13 und 38 0 17701/13 für funktio-
nell unzuständig erklärt und das Verfahren an die zuständige 5. Kammer für

Handelssachen des Landgerichts 'Mü,nchen Verwiesen. (jeweils BL 7/10 d. A. in
den Verfahren 38 0 17135/13 und 38 0 17701/13 und Bl. 6/9 d. A. im Verfah-
ren 38 0 17521/13). Diese hat diese drei Verfahren mit Beschlüssen jeweils
vom 30.9.2013 wie alle anderen unmittelbar bei
,
dieser Kammereingegange-
nen - Verfahren auch zu diesem führenden Verfahren vor dem Landgericht
München I, Az. 5 HK 0 16371/13 hinzuverbunden.
Soweit die Antragstellerin zu 162).ihren Antrag zunächst _an das Landgericht
München I adressiert hat, hat sich die 38. ZiVilkammer des Landgerichts Mün-
chen I mit Beschluss vom 29.10:2013, Az. 38 0 22828/13 (BI. 5/8 d. A. des Ver-
fahrens 38 0 22828/13).,für funktionell unzuständig erklärt und das Verfahren an
die funktionell- und-naCh ,dem Geschäftsverteilungsplan des -Landgericht Mün-
chen 1 zuständige 5. Kammer für Handelssachen verwiesen. Diese hat das Ver-
fahren mit Beschluss vom 30.10.2013, Az. 5 HK 0 22828/13 (B). 9 d. A. des
Verfahrens 5 HK 0 22828/13) ebenfalls zu_ diesem führenden Verfahren vor
dem. Landgericht München i, Az. 5 HK 0 16371/13 hinzuverbunden:
Die Antragsteller zu 125) und zu 122) haben mit Schriftsätzen ihres
.
Verfah-
rensbevollmächtigten vom 15.7.201_4 (BI. 963 d. A,) und vom 8.7.2015 (BI. 1813
d.A.) ihre Anträge zurückgenommen, wobei der Antragsteller zu 125) auf eine-
' zwischenzeitlich erfolgte Veräüsserung der Aktien hingewiesen hat. '
Zur Ergänzung des \i ecilseiseitigen Vod)ringeiib des wi,(1 Bezug genum-
men auf die gewechselten Schriftsätze -samt Anlagen sowie die Protokolle der münd-
lichen 'Verhandlung vom 12.6.2014 (BI. 884/917 d. A.), vom 1.10.2014 (BL 1216/1268
d. A.) und vom 16.12.2014 (BI. 1376/1427 d. A.).

Soweit die Anträge auf Festsetzung einer angemessenen (Bar-)Abfindung zulässig
sind, sind sie auch begründet, weil die angemessene Abfindung auf Euro 90,29 je
Stamm- und Vorzugsaktie der MAN SE festzusetzen war.
Die Anträge der Antragsteller zu 94) und zu 95) sind .unzulässig.
Sie entsprechen nicht den Anforderungen aus § 4 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 SpruchG
wonach die Antragsbegründung die Darlegung der Antragsberechtigung nach §
3 SpruchG enthalten muss. Aufgrund von § 3 Satz 2 SpruchG ist in den Fällen
eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages die Antragsberechti-
gung eines aussenstehenden Aktionärs nur gegeben, wenn -der Antragsteller
zum Zeitpunkt der Antragstellung Anteilsinhaber ist. Dies wurde von den An-
tragsteller zu 94) und zu 95) in ihrer Antragsbegründung nicht hinreichend dar-
gelegt, als sie ausführten, am Tag der Eintragung des Beherrschungs- und Ge-
winnabführungsvertrages in das Handelsregister Aktien in näher bezeichnetem
Umfang gehalten zu haben. Der Tag der Eintragung dieser Strukturmassnahme
in das Handelsregister ist indes für die Antragsberechtigung - anders als beim
Squeeze out - ohne Bedeutung. Eine Auslegung der Anträge gemäss § 133
BGB analog entgegen dem klaren Wortlaut des Antrags kommt vorliegend nicht
in Betracht. Es ist zwar allgemein anerkannt, dass auch Verfahrenshandlungen
der Auslegung zugänglich sind und die Auslegungsregeln des materiellen
Rechts und dabei namentlich des § 133 BGB grundsätzlich entsprechende An-
wendung finden. Dabei kann zwar im Zweifel davon ausgegangen werden, dass
ein Beteiligter das anstrebt, was nach den Massstäben der Rechtsordnung ver-
nüni
ftig ist und der recht verstandenen Interessenlage des Beteiligten entspricht.

Im Zusammenhang mit der Auslegung verfahrensrechtlicher Erklärungen müs-
sen indes auch die schutzwürdigen Belange des Erklärungsadressaten berück-
sichtigt werden. Die aus Art. 2 Abs. 1 GG und dem Rechtsstaatsprinzip herzu-.
leitende Forderung an die Gerichte zur Rücksichtnahme gegenüber den Verfah-
rensbeteiligten in ihrer konkreten Situation (vgl. BVerfG NJW 1991, 3140)
schliesst indes keine Anleitung in sich, die Interessen des.nachlässigen Antrag-
stellers zu Lasten des Gegners zu wahren. Die Antragsgegnerin hat ein Inte-
resse daran, sich nur mit solchen Anträgen auch materielle befassen zu müs-
sen, die den Zulässigkeitsanforderungen des SpruchG entsprechen. . Gerade
das Erfordernis der Berücksichtigung auch der Interessen des Gegners in ei-
nem kontradiktorischen Verfahren verbietet es, eindeutigen Erklärungen nach-
träglich einen Sinn zu geben, der den Interessen des Erklärenden am besten
dient (vgl. BGH MDR 2003, 1434 = NJW 2003, 3203, 3204; BAG NJW 2010,
956, 957; Zöller-Greger, WO, 30. Aufl., Vor § 121 Rdn. 29). Zwischen dem Tag
der Eintragung des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages und dem
Eingang des Antrags bei Gericht lag indes eine Zeitspanne von drei Monaten.
In dieser Situation kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, es sei
nicht zum Verlust der Aktionärsstellung gekommen, nachdem auch der Nach-
weis der beiden Kreditinstitute, die diese Antragsteller vorgelegt haben, sich
ausschliesslich auf den 16.7.2013 bezog.
Insoweit unterscheidet sich die hier vorliegende Situation aüch.grundlegend von
der Konstellation, wie sie dem Beschluss des Landgerichts München I vom
28.5.2014, Az. 5 HK 0 22057/12 zugrunde lag, wo die Darlegung der Antrags-
berechtigung das Zusammenspiel der formellen und materiellen Regelungen
über die Besonderheit des verschmeizungsrechtlichen Squeeze out aus § 62
UrnwG zu berücksichtigen hatte. Vorliegend indes ist die Gesetzeslage eindeu-.
tig und unmittelbar aus der Vorschrift des .§ 3 Satz 2 SpruchG abzuleiten.
Angesichts dessen waren die Anträge der Antragstellerinnen zu 94) und zu 95)
wegen ihrer Unzulässigkeit zu verwerfen.

Die Anträge aller-anderen Antragsteller sind zulässig, soweit über sie noch zu
entscheiden war
Die Antragsteller zu 1) bis 93), zu 96) bis 121), zu 123) bis 124) sowie zu
126) bis 162) sind antragsbefugt, weil sie nicht nur dargelegt, sondern -
soweit dies nicht von der Antragsgegnerin unstreitig gestellt war - den
entsprechenden Aktienbesitz durch Vorlage entsprechender Bankbe-
scheinigungen auch nachgewiesen haben.
(1)
Der Antragsteller zu 143) hat seine Antragsberechtigung in seiner
Antragsschrift hinreichend dargelegt, die sich auf den 17.10.2013
beziehen muss und auch bezieht. Daran vermag nichts zu ändern,
dass er zunächst- einen Nachweis seiner Aktionärseigenschaft zum
16.9.2013 vorgelegt hat. Hier ergibt die Auslegung der Antragsschrift
des anwaltlich nicht vertretenen Antragstellers zu 143) gemäss § 133
BGB analog, dass er auch am Tag des Eingangs bei Gericht Aktio-
när der MAN SE war. Dabei ist bei Anwendung der oben genannten
Grundsätze zur Auslegung von Verfahrenserklärungen vorliegend
insbesondere zu berücksichtigen, dass der Antragsteller zu 143) - im
Gegensatz zu den Antragstellerinnen zu 94) und 95) - seinen Antrag
im Zusammenhang mit der Antragsberechtigung im Präsens und
nicht im Imperfekt formuliert hat. Dann aber ist dem Antrag - auch
unter Berücksichtigung der Interessen der Antragsgegnerin - ein
Sinngehalt zu geben, der zu seiner Zulässigkeit führt. Den Aktienbe-
sitz zum. 17.10.2013 des Antragstellers zu 143) hat die Antragsgeg-
nerin zuletzt auch nicht mehr bestritten, weshalb der entsprechende
Vortrag gemäss §§ 8 Abs. 3 SpruchG, 138 Abs. .3 ZPO als zugestan-
den gilt.
(2) Die Antragstellerin zu 39) hat mit Schriftsätzen ihres Verfahrensbe-
vollmächtigten vom 25.6.2014 (BI. 945 d. A.) und nochmals mit
Schriftsatz vom 28.10.2014 (BI. 1260/1261 d. A3 eine Bescheinigung

ihres Kreditinstitutes vorgelegt, wenach sie am 25.9.2013 - dem Tag
des Eingangs ihres Antrags beim Landgericht München 1- Aktionärin
der MAN SE war. An der Richtigkeit dieSer Bankbescheinigung be-
stehen keinerlei Zweifel.
(3) Hinsichtlich des Antragstellers zu 98) hät die Antragsgegnerin den
Vortrag seiner Aktionärsstellung mit Schriftsatz vom 3.3.2014 (BI.
4051406 d. A.) und nochmals mit Schriftsatz vom 3.7.2015 (BI:
1776/1812 d. A.) unstreitig gesteilt.
Alle Anträge wurden jeweils innerhalb der Frist 'des § _4 Abs. 1 Nr. 1 ,
SpruchG eingereicht, also innerhalb einer Frist von drei Monaten ab. Be-
känntmachung der Eintragung deS Bestehens des Unternehmensvertra-
ges im Handelsregister auf der Basis von § 10 HGB, die vorliegend am
17.7.2013 erfolgte, . weshalb die Frist am 17.10.2013- endete. Spätestens
an diesem Tag gingen die Anträge aller Antragsteller zumindest per Tele-
.

fax und damit fristwährend_beini Landgericht München I ein.. Dies gilt auch
für den am 17:10.2013 bei einer aufgrund der gesetzlichen Regelung in §§
95 Abs. 2 Nr. 2, 71 Abs." 2 .Nr. 4 Buchst. e) GVG funktionell zuständigen
Zivilkammer des Landgerichts München 1 eingegangen Antrag der Antrag-
stellerin zu 162). Daher kann: diesbezüglich. kein Zweifel an :der Fristwah:-.
rung bestehen, auch wenn der auf Antrag der Antragsgegnerin erlassene
Verweigungsbeschluss der 38. ZiVilkammer r-1. die 5. Kammer für Han- .
deIssächen des Landgerichts München 1 erst nach dem Ende der Antrags-
frist erfolgte.
Die Antragätelfer zu 1) bis. 92) zu 96) bis. 121), zu :123), zu 124) sowie Zu
126) bis 162) haben innerhalb der Frist des § 4 Abs.1 - SpruchG knnkrefe
Einwendungen gegen die Angemessenheit der Kompensation erhoben,
weshalb die Voraussetzungen von § 4 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 Satz 1 SpruchG
erfüllt sind.

4
(1) - Aufgrund dieser Vorschrift sind konkrete Einwendungen gegen die
Angemessenheit nach, § 1 SpruchG oder gegebenenfalls gegen den
-als Grundlage für die Kompensation ermittelten Unternehmenswert in
die Antragsbegründung . aufzunehmen: Die -Anforderungen an die'
Konkretisierungslast dürfen nicht überspannt werden.
Für die KönkretiSierung der Mindestanforderungen _ist zunächst auf
die vom Gesetzgeber beabsichtigte Funktion der Vorschrift abzustel-
len, die Überprüfung der Angemessenheit der Kompensation lind der
hierfür Massgeblichen Unternehmensbewertüng im Wesentlichen auf
die von den einzelnen Antragstellern vorzubringenden. Rügen zu be,
sdhränken (vgl. nur Blichet NZG 2003, 793, 795). Allerdings darf
hierbei nicht vernachlässigt .werden, dass der GesetZgeber es be-
wusst unterlassen hat, das Spruchverfahren vollständig aus der
amtSwegigen Prüfung zu lösen 'und in daS Verfahren der ZPO zu
überführen (kritisch hierzu Puszkajler ZIP 2003, 518, 520). Durch die.
Begründungspflicht sollen blosse pausdhale Und Schemenhafte. Be-
WertungSrügen ausgeschlossen Werden (vgl, Wasmann WM 2004,
819, 823; LaMb/Schluck-Amend OB. 2003, 1259,. 1.262).-Allerdings
.
.
darf dies nicht zu überzogenen Anforderungen führen; da zugleich
berücksichtigt werden muss; dasS der Hauptaktionär bzw. die be-
troffene Gesellschaft im Unterschied zum einzelnen Aktionär über ei-
ne Vielzahl von Detailkenntnissen verfügt und die jeweiligen Unter-
nehmens- und Prüfungsberichte erhebliche Unterschiede bezüglich
ihrer Ausführlichkeit und Detailliertheit aufweisen können sowie teil-
weise ebenfalls recht allgemein gehaltene Ausführungen enthalten
.(vgl. Puszkajler ZIP 2003, 518; 520 f.; Bungert/Mennicke BB 2003,
2021, 2026; Emmerich in: Emmerich/Habersack, 'Aktien- und GmbH- ,
Konzernrecht, 7. Aufl., § 4 SpruchG Rdn. 7 f.).. Aus dem Gesetzes-
Zweck sowie dem Erfordernis der Konkretheit der Einwendungen ist
somit zu schliessen; dass bloss pauschale BehaUptungen oder forMel-
hafte Wendungen ohne konkreten und nachvollziehbaren Bezug zu
der zur gerichtlichen Überprüfung gestellten Kompensation und der

ihr zu Grunde liegenden Unternehmensbewertung nicht. als msrej-
chend angesehen werden können (vgl. BGH NZG 2012, 191, 194
ZIP 2012, . 266, 269 = WM 2012, 280, 263-= DB 2012, 281, 284; Hüf-
fer, AktG, nAufl., Anh. § 305 §.4SpruchG-Rdn. 8), Zu fordern ist,
dass die vorgebrachten Einwendungen sich auf solche Umstände
oder Bewertungsparameter beziehen, die für die Bestimmung der
angemessenen Kompensation für die irri.Streit stehende. Struktur-
massnahme rechtlich von Relevanz sein können (vgl. OLG Frankfurt
NZG 2006, 674 f.;2007,. 873 f.; LG München I Der Konzern 2010,
- :
251, 252 f. = ZIP 2010, 1995,, 1996; ZIP- 2013, 1664, 1665; Be-
schluss vom 9.8.2013, Az 511K 0 1275/12; Beschluss vom
28.3.2014,. AZ. 5 HK O 18925/08, 22f.), Die Gegenansicht (vgl.
KG NZG 2008, 469, 470 = AG 2008, 451 f.; AG:2012, 795, 796;
Wittgens NZG 2007, 853, .855), wonach die Anforderungen an die
Substantiiertheit einer Bewertüngsrüge generell . hoch seien, wird.
dem Wesen des Spruchverfahrens gerade auch mit-Blick auf das In-
formationsgefälle zwischen dem von dem Squeeze out betroffenen
Minderheitsaktionären und der Aktiengeselischaft bzw. deren Haupt-
aktionärin nicht gerecht. -
Soweit sich die Antragsgegnerin auf die gegenteilige' Rechtspre-.
chung des Kammergerichts nach einer Erhöhung der Abfindung im
Vergleichswege beruft, überspannt auch dies die 'Anforderungen an
die Antragsteller,- nachdem vielfach auch in den - einander ähnlichen
BeWertungsgutachten die näheren Daten zur Ermittlung der Markt-
risikoprämie nicht offen gelegt werden und zur Begründung häufig im -
Wesentlichen auf .die - Erkenntnisse des Fachausschusses Unter-.
nehmensbewertung (FAUB), wie sie im aktuellen IDW S 1 und an-
schliessenden Verlautbarungen des IDVV niedergelegt wurden, ver-
wiesen wird. Dann aber von den Antragstellern last schon wissen-
schaftlich fundierte Widerlegungen und - Berechnungen zu fordern,
übersteigert- die Anforderungen an eine zulässige Bewertungsrüge
und wäre namentlich auch mit dem aus dem Rechtsstaatsprinzip ab=

geleiteten und damit verfassungsrechtlich abgesicherten Justizge-
währleistungsanspruch des Grundgesetzes nicht vereinbar. Es ge-
nügt, wenn einzelne Parameter mit einer nachvollziehbaren Begrün-
dung
.
in Frage gestellt werden. Dies ist hier von allen Antragstellern
zumindest in Bezug auf einen Bewertungsfehler in den jeweiligen An-
tragsschriften geschehen.
(2) Diesen Anforderungen werden alle Antragsschriften gerecht, wobei
dies auch für den Antrag des Antragstellers zu 27) gilt. Die Rüge der
Antragsgegnerin, dieser Antragsteller habe praktisch mit einem Satz
ein aufwendiges und kostenträchtiges Überprüfungsverfahren in
Gang setzen wollen, trifft nicht zu. Dieser Antragsteller verweist zu-
nächst auf einen zu hoch angSetzten Basiszinssatz, der zugunsten
der Aktionäre abgesenkt werden müsse. Vor allem aber sieht er die
angesetzte Marktrisikoprämie auf der Basis der Empfehlungen des
FAUB des IDW als unangemessen an. Dabei verweist er insbeson-
dere darauf, einem zu beobachtenden geänderten Risikoprofil müsse
widersprochen werden. Auch wenn in dem Prüfungsbericht wie auch
im Bewertungsgutachten der von der Antragsgegnerin beauftragten
VVirtschaftsprüfungsgesellschaften Ausführungen
zur Begründung des. Ansatzes der einzelnen Elemente des Kapitali-
sierungszinssatzes gemacht werden, kann von einem Antragsteller in
einem Spruchverfahren nicht verlangt werden, er müsse diese Er-
kenntnisse - quasi mittels eines nahezu wissenschaftlich formulier-
ten Gegengutachtens - als fehlerhaft widerfegen.
Die Anträge der minderjährigen Antragsteller zu 58), zu 64) und zu 65)
wurden wirksam gestellt.
(1)
Die Unwirksamkeit resultiert nicht aus dem Fehlen einer wirksam er-
teilten Verfahrensvollmacht für ihren Verfahrensbevollmächtigten,
auch wenn dieser ihr Vater ist. Zwar wird davon auszugehen sein,

dass die Erteilung einer Vollmacht und damit auch einer Prozess-
vollmacht als rechtlich nachteiliges Geschäft unter §§ 107, 111 BGB
fällt (vgl. allgemein zur Vollmachtserteilung Schmitt in: Münchener
Kommentar zum BGB, 6. Aufl., § 111 Rdn. 10 zu § 111; Erman: H.F.
Müller, BGB, 14. Aufl., § 111 Rdn. Staudinger-Knothe, BGB, Neu-
bearb. August 2011, § 111 Rdn. 3). Für eine wirksam erteilte Ge-
nehmigung durch beide Eltern fehlt es daran, dass §§ 1629 Abs. 2
Satz
.
1, 1795 Abs, 1 Nr. 1 BGB eingreifen, wonach die minderjähri-
gen .Antragsteller insoweit
.
nicht von Vater und Mutter vertreten wer-
den können; als nach § 1795 ein Vormund von der Vertretung des
Kindes ausgeschlossen ist. Dies muss vorliegend bejaht werden,
. : .
weil der Vormund den. Mündel bei einein Rechtsgeschäft zwischen
einem der Verwändten des Mündels 'in gerade Linie einerseits und
dein Mündel andererseits flieht vertreten kann, es sei denn; dass das
ReChtsgeschäft ausschiiesslich in der Erfüllung einer.Verbindlichkeit
besteht, wovon nicht ausgegangen werden kann. Die Ausnahme i-
wanach der Ausschlüss der Vertretung nicht für ReChtsgesChäfte gilt,
die dem Mündel bzw. dem Minderjährigen lediglich rechtliche Vorteile
bringen (vgl. BGH FamRZ 1975, 480.f.; Palandt-Göti, BGB, 7LE Aufl.,
§ 1795 Rdn. 4) greift bei der Erteilung einer Vollmacht und damit
auch einer Verfahrensvollmacht aus den .oben bereits genannten;
Gründen nicht ein.
Allerdings haben die Eltern jedenfalls unmittelbar einen Antrag im
Namen der Antragsteller zu 58), zu 64) und zu 65) gestellt, der auch
wirksam ist. Dabei muss nämlich davon ausgegangen werden,_ dass
die Mutter der drei minderjährigen Antragsteller den Vater:konkludent
bevollmächtigt hat, den Antrag auch in ihrem Namen für die drei Kin-
der zu stellen.
(2) Ein rechtsmissbräuchliches Verhalten kann nicht angenommen wer-
den. Allein aus dem Umstand, dass auch der Vater der minderjähri-
gen Antragsteller selbst einen entsprechenden Antrag gesteilt hat

und sie nur über einen vergleichsweise geringen Aktienbesitz verfü-
gen, kann kein Rückschluss auf ein rechtsmissbräuchliches Verhal-
ten gezogen werden. Aus einem gegebenenfallS anzunehmenden
wirtschaftlichen Interesse des als Rechtsanwalt tätigen VaterS kann
nicht auf einen Rechtsmissbrauch hinsichtlich der Kinder geschlos-
sen werden. Auch den Antragstellern zu 58), zu 64) und zu 65) steht
das Grundrecht aüs Art. 14 Abs. 1 GG zu; dann _aber müsSen sie
'auch die Möglichkeit haben, die Kompensation als Ausgleich für den
Eingriff in ihr, Eigentumsgrundrecht im Rahmen eines gerichtkhen
Verfahrens wie dem Spruchverfahren zur Überprüfung durch das Ge-,
richt zu stellen.
II.
. Die Anträge auf Festsetzung -einer angemessenen Barabfindung sind im zulässigen
Umfang. auch begründet,. weil die angemessene Barabfindung Euro 90,2 je Stamm-
und Vorzugsaktie der MAN SE beträgt.
Ein Gewinnabführungsvertrag hat gemäss § 305 Abs. 1 AktG die Verpflichtung des
anderen Vertragsteils zu erhalten, auf Verlangen eines aussenstehenden Aktionärs
dessen Aktien gegen eine im Vertrag bestimmte angemessene Abfindung zu erwer-
ben. Die angemessene Barabfindung muss dabei aufgrund von § 305 Abs. 3 Satz 2
AktG die Verhältnisse der Gesellschaft im Zeitpunkt der Beschlussfassung der
Hauptversarrimlung über den Vertrag berücksichtigen. Aufgrund von § 305 Abs. 2 Nr.
3 AktG muss in. all den Fällen, in denen. der andere Vertragsteil, mithin die herr-
schende Gesellschaft keine Aktiengesellschaft oder Kommanditgesellschaft auf Ak-
tien ist, der Vertrag eine Barabfindung vorsehen.

Die (Bar-)Abfindung ist dann angemessen, wenn sie-dem ausscheidenden Aktionär
eine volle Entschädigung dafür verschafft, was seine Beteiligung ah -dem arbeitenden
Unternehmen wert ist, die also den vollen Wert seiner Beteiligung_ entspricht. Zu er-
mitteln ist also der Grenzpreis, zu dem der aussenstehende Aktionär ohne Nachteil
aus der Gesellschaft- ausscheiden kann (vgl. nur OLG München WM 2009, 1848 f. =
ZIP 2009, 2339, 2340; Z11 3 2007, '375; 376; Beschluss -vom 5.5.2015, Az. 31 Wx
366/13; OLG Frankfurt AG 2012, 513, 514 = ZIP 2012, 124, 126; NZG 2013, 69 f. =
AG 2013, -647, .648; OLG Stuttgart ZIP 2010, 274, 276. = WM 2010, 654, 646; LG
München I ZIP.2013, 1664, 1665 f.; Beschluss vom 10.12.2010, 'Az. 51-1K 0
11403/09, S. 18; BesChlüss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17096/11,. S..21; BeschluSs
vom 28:3.2014, Az. 5 HK 0-18925/08, S. 24; Beschluss vom 23.6.2015 Az. 5 HK 0
2194/09).
, Der Unternehmenswert wurde im Ausganospünkt zutreffend unter Anwendung
der ErtragsWertmethode ermittelt. Danach bestimmt-sich der Unternehmenswert
.

primär nach- dem Ertragswert.des betriebsnotwendigen 'Vermögens; er wird er-
- gängt durch eine gesonderte Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermö-
gens, r das regelmässig- mit deM Liquidationswert angesetzt wird.
Der Ertragswärt eines Unternehmens wird 'dabei:durch Diskontierung der den
Unternehmenseignern künftig zufliessenden finanziellen ÜberschüsSe gewon-
nen, 'die aus den künftigen handelsrechtlichen Erfolgen abgeleitet werden. Da-
bei ist allerdings zu berücksichtioen,--dass es einen exakten oder eahren" Up-
ternehmenswert zum Stichtag nicht geben kann. Vielmähr kommt dem GeriCht
die Aufgabe. zu, 'unter. Anwendung anerkannter betriebswirtschaftliCher Metho-_
den den Unternehmenswert als Grundlage der Abfindung im Wege der Schät- .
zung nach § 287. Abs. 2ZPO zu bestimmen (vgl. nur OLG München WM 2009,
_1848, 1840 --- 2 :.009, 2330, 2340; AG 2007, 287, 288; AG 2015, 508, 510
ZIP 2015, 1166; _1169; Beschluss vom 11
.
.9.2014, AZ.. 31 Wx 278/13; OLG
Stuttgart AG 2007., 128, 130; OLG 'Düsseldorf WM 2009, 2220,. 2224; . OLG
FränkfürlAG 2012, 513,- 514 = ZIP 2012, 124,: 126; LG-München I Der Konzern
2010,. 188, 189; Beschluss vom 28.6,2013, Az. 5HK Q 18685/11; Beschluss

vom 26.11.2014, Az. 5HK 0 6680/10; Beschluss vom 19.12.2014. Az: 5HK 0
20316/09).
a.
Grundlage für die Ermittlung der künftigen Erträge ist die Planung für die
Gesellschaft, die auf der Basis einer Vergangenheitsanalyse vorzuneh-
men ist und vorliegend auch vorgenommen wurde. Bei Anwendung des
Ertragsweriverfahrens sind die in die Zukunft gerichteten Planungen der
Unternehmen und die darauf aufbauenden Prognosen ihrer Erträge aller-
dings nur eingeschränkt überprüfbar. Sie sind in erster Linie. ein Ergebnis
der jeweiligen unternehmerischen Entscheidung der für die Geschäftsfüh-
rung verantwortlichen Personen. Diese Entscheidungen haben auf zutref-
fenden Informationen und daran orientierten, realistischen Annahmen auf-
zubauen; sie dürfen zudem nicht in sich widersprüchlich sein. Kann die
Geschäftsführung auf dieser Grundlage vernünftigerweise annehmen, ihre
Planung sei realistisch, darf diese Planung nicht durch andere - letztlich
ebenfalls nur vertretbare - Annahmen des Gerichts oder anderer Verfah-
rensbeteiligter ersetzt werden (vgl. BVerfG NJW 2012, 3020, 3022 = NZG
2012, 1035, 1037 = AG 2012, 674, 676 = ZIP 2012, 1656, 1658 = WM
2012, 1683, 1685 f.; OLG München BB 2007, 2395, 2397; ZIP 2009, 2339,
2340 = WM 2009, 1848, 1849; Beschluss vom 11.9.2014, Az. 31 Wx
27843; OLG Stuttgart NZG 2007, 112, 114; AG 2006,420, 425; 2007,
705, 706). Demzufolge kann eine Korrektur der Planung nur dann erfol-
gen, wenn diese nicht plausibel und unrealistisch ist (vgl. OLG München
WM 2009, 1148, 1849 = ZIP 2009, 2339, 2340; OLG Frankfurt ZIP 2010,
729, 731; OLG Karlsruhe AG 2013, 353, 354; OLG Stuttgart AG 2014,
291, 296 f.; LG München I Der Konzern 2010, 188, 189 f.; Beschluss vom
24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11; Beschluss vorn 28.6.2013, Az. 5HK 0
18684/11; Beschluss vom 6.3.2015, Az. 5HK 0 662/13).
Unter Zugrundelegung dieses Prüfüngsmassstabes bedürfen die Planan-
nahmen der Organe der MAN SE keiner Korrektur.

(1) Dies gilt zunächst für die allgemeinen Erwägungen, die der Planung
zugrunde gelegen haben und die von den Vertragsprüfern entspre-
chend ihrem gesetzlichen Auftrag untersucht wurden.
(a) Die Vertragsprüfer
führten eine
ordnungsgemässe Vergangenheitsanalyse durch. Diese Ver-
gangenheitsanalyse einschliesslich der dabei zu beobachtenden
Planungstreue bedäutet den ersten Schritt zur Plausibilisierung
der Planannahmen. Die von den Vertragsprüfern dabei gewon-
nenen Erkenntnisse lassen keinen Rückschluss auf eine unzu-
reichende Planungssystematik zu, selbst wenn es im Jahr 2010
zu einer Unterzeichnung der Planungsrechnung und im Jahr
2012 zu einer Überzeichnung kam. Gerade aus dem Jahr 2010,
in dem die Ist- Ergebnisse deutlich besser ausfielen, lässt sich
1 /4
kein Rückschluss auf untaugliche Planungsverfahren ziehen.
Das Jahr 2010 war nämlich geprägt von einer Aufholbewegung
nach der durch den Zusammenbruch der US-amerikanischen
Investmentbank Lehman Brothers Inc. ausgelösten Finanz-
markt- und Wirtschaftskrise, mit der in diesem Ausmass nie-
mand gerechnet hat und die sich entsprechend den Erläuterun-
gen der Vertragsprüfer unter Hinweis auf das Bewertungsgut-
achten vor allem in einer weltweit steigenden Nachfrage nach
Nutzfahrzeugen bemerkbar machte. Zudem war beim EBIT im
Geschäftsjahr 2010 eine nicht geplante Wertaufholung bei der
Beteiligung an Scania zu beobachten - eine Entwicklung, die
angesichts des Geschäftsfeldes dieses Unternehmens ihre Ur-
sache ebenfalls in der gestiegenen Nachfrage nach Nutzfahr-
zeugen haben musste, die eben nicht vorhergesehen wurde
Die Abweichung des Ist-Ergebnisses zu den Planannahmen bei
den Umsatzzahlen des Jahres 2011 betrug knapp 10 %, was
nachvglIziehbar angesichts
der einer jeden Planuriö innewohnenden prognostischen Elä-

mente 'als 1r-iherhalb einer regulären Bandbreite liegend ike-
. zeichnet. Die deutlich stärkere. Abweichung beim EBIT mit 31,1 -
% beruht
,
auf der Tatsache, dass eine Gesellschaft bei den Kos-
: ten auf geänderte Marktbedingungen eben nicht sö flexibel rea-.
gieren kann.
Die zu optimistische 'Planung für das Jahr 2012 beruhte. auf der
in diesem Jähr eingetretenen Eintrübung der Konjunktur, die ih-
re Ursache in der andauernden Staatsschuldenkrise hatte. Die
Auswirkungen dieser Ursache machten. sich nach den Ausfüh-
rungen
.
der BeWertungsgütachter vcir allem im Bereich. MAN
Truck & Bus bemerkbar, wo es wegen niedrigerer Absatimen-
gen in Europa zu einer negativen Umsatzentwicklung von Ca:
13 % kam. Auch MAN Latin America verzeichnete ängesiChts
der. Einführung neuer- Abgasnorrhen mit Vorzieheffekten eine
negative Abweichung von:"8 %, während bei MAN Diesel & Tur7
bo die Umsatzzahlen rifiezti den PlanannahMen entsprächen:
"Die-Vertragsprüferbestätigten diese Zahlen.
Geringere Abweichungen-- der- Plan-/IStLErgebnisse in den drei
Jahren der Vergangenheitsanalyse - insbesondere- im Ge-
schäftslpereich.. Renk haben ihre. Ursachen
.
in der leichteren -
Planbarkeit dieses. Marktes.
Der Bereich MAN Diesel & Turbo stellt sich dagegen wiederum
als zyklisches Geschäft dar; bei dem es allerdings wegen der
Einteilung in. unterschiedliche Geschäftsbereiche zu gegenläu- .
- figen 'Effekten kommen kann. Angesichts. der Folgen der Über-
lagerung dieser gegenläufigen Effekte hat dies weniger grosse
Abweichungen des Ist-Ergebnisses von den Planannahmen zur
Folge.
Die im Rahmen der Vergangenheitsanalyse erfolgte Auflösung
von Rückstellungen im Jahr 2012 im Geschäftsbereich MAN

Diesel -8(T.urbo in Höhe von rund Euro 88 Mio. beruhte auf -der:Tat-
sache, dass Zum 31.12.20.11 gebildete, erfolgswirksame Rück-
stellungen für Külanzleistungen. zur Vermeidung von Reputati-
orisschäden.angesichis derlatsäChlichen Entwicklung im Jahr
- 2012 aufgelöst werden konnte, weil der Vorstand keine Belas-
tungen aus diesem Sachverhalt mehr erwartete. Die -Auflösung
- weiterer Rückstellungen in Höhe von e 49 Mio. hatte ihre Ursa-
che in der Anpassung der Systematik der Ermittlung von Rück-
- stellungen. für ausstehende, nachlaufende Kosten für abge-
. schlosSene Aufträge ..an die Methodik des restlichen Teilkon-
; zernA MAN Diesel & Turbo bei einer -ausländischen TOchterge-
sellschaft. Es ist einsichtig; daSS es sich dabei um einmalige
Vorgänge handelt, die. daher bereinigt werden mussten, um ei-
ne laugliche Basis für die Plausibilisierung der -künftigen Plan-
.
annahmen aus der Vergangenheit zu erhälten.
(b) Die im Jahr 2011. im Zusammenhang mit.dem Erwerbsangebot
aufgestellte Fairness Opinion musste von den Vertragsprüfern
nicht in ihre Erwägungen zu ihrer VergangenheitSanalyse und
zur Plausibilisierung der Planzahlen für die Phase I aufgenom-
men werden. Die FairnesS Opinion dient der Überprüfung des
angebotenen Übernahrnepreises im Rahmen des Übernahme-
- angebots von Juni 2011, während der Stichtag der Hauptver-
sammlung rund zwei Jahre, später lag. Folglich .können Annah-
men aus einer zwei Jahre alten Fairness Opinion nicht zur Ba-
sis der Prüfung der Plausibilität der Planungen und der Ange-
messenheit gemacht werden: Dies gilt vor allem auch deshalb,
weil sich die wirtschaftlichen Rahmenhertingiingen nr1
auch die ErgebniSse der MAN SE im Geschäftsjahr 2012 im
Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert hatten, was sich
neben dem erheblichen Rückgang des EBIT wie auch des EBT
auch in einer rückläufigen Entwicklung_ des Aktienkurses der_

GesellsChaft zeigte. Zum anderen können eine Fairness
.
öpini-
on und eine nach dem Ertragswertverfahren erfolgende Ermitt-
lung des. Unternehmenswerts angesichts - erheblicher Unter-
schiede zwischen diesen beiden Bewertungsmethoden nicht.
ohne Weiteres miteinander verglichen werden. Die hier im
Rahmen der Ermittlung der Angemessenheit. der KomPensation
einer anlässlich einer aktienrechtlichen Strukturmassnahme
durchgeführte Ertragswertbereähnung dient der Ermittlung ei-
.
. nes Grenzpreises .bzw. eines objektivierten -Wertes: .DenHge-
genüber dienen die Ergebnisse im Rahmen der Erstellung einer
.
Fairness Opinion als Indikator für einen hypothetischen .Märkt-
preis des TransaktionSobjekts; eine Fairnest Opinion dient
- ausschliesslich der Beurteilung der finanziellen Angemessenheit
eines vielfach bereits ausgehandelten Preises, wobei enge- .
. sichts der Methodenvielfalt der anzuwendenden Verfahren eine
Ergebnisbandbreite besteht. Weiterhin ist auch die ZielSetzung:
der
-
Fairness Opinion gänzlich unterschiedlich zu der einer Un-
ternemensbewertung mit der Festlegung der -Angemessenheit
- der Kompensationsleistung bei einer Strukturmassnähme, nach-
dem einer
,
der wesentlichen Zwecke der Fairness Opinion in der .
Absicherung der verantwortlichen Organmitglieder der beauf-
tragenden Gesellschaft .gegen etwaige SchadenSersatzansprü-
_ che liegt (vgl. Grün/Salcher/FecherANjtzleben in: Peemöller,
Praxishandbuch der Unternehmensbewertung, 6. Aufl., S. 926

t; auch Franken/Schulte, Fairness Opinion nach IDW S. 8,
2014, S. 7 f. Lind 37).
Gerade die Planzahlen des Jahres 2011 zeigen, dass das Um-
feld zu diesem Zeitpunkt von einer völlig anderen Marktein-
- schätzung ausging, wenn der Umsatz von 2011 bis 201.5 von Euro
6,84'Mrd. auf Euro 11;26 Mrd. steigen sollte.

(c) Die nach dem Abschluss der Prüfungstätigkeit vorgenommenen
Aktualisierungen, die zu einer Korrektur nach unten führen, er-
folgten sachgerecht und waren zum Zeitpunkt der Prüfungstä-
tigkeit durch die Vertragsprüfer Von- -nicht erkennbar.
Diese Anpassungen können auch im vorliegenden Spruchver-
_
fahren einfliessen, selbst wenn die Hauptversammlung den Ab-
findungspreis auf der Basis des ursprünglichen Bewertungsgut-
achtens beschlössen hat. Das Verbot der reformatia in pelüs
steht dem nicht entgegen. Eine unzulässige reformatio in peius
kann in der Berücksichtigung der Korrektur' von Planwerten
nach unten nämlich nicht gesehen werden. Dies wäre nur dann
. der Fall, wenn das Gericht die angebotene Barabfindung nach
unten korrigieren Würde. Dies ist indes nicht der Fall. Ein
sChutiwürdiges Interesse der Aktionäre im Rahmen eines Be-
wertungsparameters - bei einzelnen Elementen, die den Er-
tragSwert ermitteln sollen, nicht schlechter gestellt zu werden:
kann nicht anerkannt werden, Der Schutz der Antragsteller so-
.
wie der übrigen Aktionäre wird hinreichend dadurch gewährleis
tet, dass eine HerabsetZung der festgesetzten Abfindungs-
summe im SpruChverfahren ausgeschlossen ist.
(aa) Die SteueranpaSsungen. wurden den Vertragsprüfern nach
Abschluss ihrer Prüfungstätigkeit durch die Mitteilung der
Betriebsprüfer bekannt. Weitergehende Rückstellungen
für die Dieselkraftwerke wurden erforderlich aufgrund ei-
ner Sonderprüfung und des damit im Zusämmenhana ste-
henden Statusberichts. Zwar war in der Planung dieser
Aspekt bei der Risikoversorge 212 Eng! rtu ng s vve rt übge
bildet; es stellte sich jedoch heraus, dass die angesetzten
Werte nicht ausreichen würden.
Im Bereich des After7Sales-Geschäfts bei MAN Diesel &
Turbo hatte der Vorstand trotz ambitionierter Planansätze

keine Notwendigkeit einer
.
Plananpassung gesehen. Die
Zahlen für Februar 2013 zeigten dann indes einen erhebli-
chen Auftragseinbruch in diesem Bereich, weshalb der
Vertrieb gebeten wurde 'mitzuteilen, welche mittelfristigen
Vorhersagen aus dem :Ruckg.ang abzuleiten seien.- Die
Ergebnisäe dieser Befragungen wurden.erst nach der Fer-
tigstellung dieses Prüfungsberichts. am 26.4.2013 und-
.
der
Vornahme der Aktualitätsprüfung auggewertet und konn-
ten folglich entsprechend den Erläuterungen von
im. Termin vorn 12.6.2014
nicht in den 'Prüfungsbericht aufgenommen werden. Die
kritischen Ausführungen in den Privatgutachten von
-vom 16.10.2613 :und- vorm _17.4.2014 zum Um-
fang der Anpassungen der Prognosen des Umsatzes für
dag GesChäftsjahr 2013 im Bereich MAN :Diesel & Turbo
können .die- entsprechenden. EinschätZungen der Gesell-
.

schaft nicht als unplausibel erscheinen lassen. Die Ein-
schätzungen von FTI Consulting beruhen auf Analysten-
Schätzungen zur .Anpassung- der Umsatzprognosen bei
den WettbeWerbern, ohne die konkrete. Lage bei der Ge-
sellschaft im .gebotenen Umfang berücksichtigen zu kön-
nen: Die erforderliche Umsatzanpassung im Bereich MAN
Diesel & Turbo bezog sich auf das After-_Sales-Geschäft,.
wo die Marge über der Durchschnittsmarge des Gäsarrit-
bereiChs MAN Diesel & Turbä liegt. Zudem ist zu bemer-
ken, dass die EntWicklung bei VergieiChsunternehmen al-
lenfalls ein erster Anhältspunkt sein kann. Doch können
diese nicht die unternehmensspezifische Lage erklären,
die wie ausgeführt zur Überzeugung der Kammer
'plausibel ist. Selbst wenn die Ansätze von
plausibel sein sollten, kann es nicht Aufgabe des Gerichts
in _einem Spruchverfahren sein, eine plausible Annahme.

durch eine möglicherweise andere ebenfalls plauSible An-
nahme zu ersetzen.
(bb) Diese Korrekturen wirkten sich; ausweislich der ErkenntL
nisse der Vertragsprüfer nachhaltig allerdings gerade nicht
aus. Dies gilt insbesondere für das AfterSales-Geschäft -
ausgenommen ein Folgeeffekt_ aus den Zinsberechnun-
gen, wo in der Ewigen Rente ein:negatives Zinsergebnis
von Euro 80 Mio-. anstelle von Euro minus 56 Mio. anzusetzen
war:
Die Anpassungen belaufen sich im After,-Sales-Gesöhäft
im Jahr 2013 auf rund Euro 70 Mio. .bis 80 Mio.; in -den
Folgejahren betragen sie entsprechend den Angaben in
der Stichtagserklärungen samt Anlagen (Anlage LL
.141 Mio_ im Geschäftsjahr 2014, E 165 Mio. in2015; E 157
Mio. in 2016 und Euro 102 Mio. in 2017. Bei der Aktualisie-:
rung der Planannahmen zum After-Sales:Geschäft kam es
auch zu Anpassungen beim Personal, wobei. im Vergleich
zur ursprünglichen Planung von weniger Personal ausge-
gangen wurde, wie die Vertragsprüfer in_ ihrer - ergänzen-
den: Stellungnahine vom 1.9.2014 erläutert haben. Diese
Anpassungen lassen sich indes nicht, mehr quantifizieren,
weil es unabhängig und im Vorfeld der erforderlichen An-
passungen von Umsatz und EBIT zu einer Zuordnung der
Mitarbeiter der grobalen Organisation: auf die einzelnen
Business Units und die sogenannten Gruppenfunktionen
kam. Angesichts dieser geänderten Zuordnung scheidet
eine Vergleichsmöglichkeit aus.
Eine Offenlegung der, ,Umsatzanpassungen im Einzelnen
musste dabei nicht erfolgen. Zum einen ist -dies zur Plau-
sibilisierung der Planannahmen nicht zwingend erforder-

lich;, zum anderen würden Geschäftsgeheimnisse einer
detaillierten Darstellung entgegenstehen. Aus den_ Um-
satzerlösen und Umsatzanpassungen im Bereich des Af-
ter-Saleä-Geschäfts vom MAN DieSel & Turbo liessen sich
aus dem Zusarrimenspiel mit dem EBIT PrOfitabilitätsaus-
,.
sagen zu diesem Bereich quantifizieren. Diese Profitabili-
täiskennziffern müssen als GeSchäftsgeheimnis eingestuft
_werden, weshalb Tauch aus diesem Grund eine Offenle-
gung unterbleiben konnte. In gleicher Weise mussten die
Prüfer dann auch nicht erläutern, welche EBIT-Margen
marktüblich sind, nachdem dies auch von den Wettbewei --
bern nicht offengelegt wird undrAussageh zur Marktüblich-
keit folglich nicht möglich sind.
Die Steuerrückstellungen für das Jahr 2013 als erstem
Jahr der Phäse I wurden aufwandswirksam nur in diesem
Jahr berücksichtigt. Auch die Rückstellungen für das Die-
selkräftwerk wurden nicht dauerhaft in der Planung abge-:
bildet, weil das entsprechende Projekt in 2014- oder 2015
. beendet sein sollte. Für die Annahme eines WorSt-Case-
Sienarios bei den schlüsselfertigen Dieselkraftwerken an-
stelle

der Planung gibt es nach den Aussägen der Ver-
tragsprüfer keine Anhaltspunkte.
Auch die der 'Stichtagserklärung beigefügten -Berechnun-
gen der Bewertungsgutachten erhellen, dass für, den Ter-
minäl Value ein AnpassungSbedarr nach unten nicht an-
genommen wurde..
(cc) Positive Plananpassungen mussten dagegen nicht vorge-
nommen werden, auch wenn es innerhalb der Bereidhe
- gegenläufige Effekte gab. Im.. Bereich Latin Amerida war
das Schulbusprogramm, auf das die Presseerklärung ab-

Pro-
zielte, nämlich bereits in den Planannahmen enthalten,
nachdem es Planprämisse war und nur über dieses Pro-
gebeneErfordernis von Plananpassungen nach oben ge-..
zogen werden kann.
Das Joint-Venture mit Rheinmetall floss beim Beteili
gungsergebnis. in die Planung ein. und_ begründet folglich
auch keinen (nochmaligen) positiven Anpassurigsbedarf..
(d) - Aufgrund der
,
Anhörung der Vertragsprüfer hat die Kam-
mer keinen Zweifel daran, dasS der Vorstand der MAN SE.
die Planung eigenverantwörtlich erstellt hat und sie nicht
anlassbezogen erfolgte.
erläuterte, keinen Ansatzpunkt für eine anlassbezogene
Planung gäfunden zu. haben. Zur Begründung verwies er
auf die bereits vor der Ad hoc-Mitteilung vom 9.1.2013 er-
folgte.Verabschiedung der:Planung, die dann zur Grund-
lage der Ertragswertermittlung gemacht wurde. Zudem
enthielt die Planung auch die üblichen Planungsbestand-
teile, wie sie regelmässig erstellt Werden. So wurde die
Budgetplanung für die Jahre 2013 bis 2015 im Aufsichtsrat
bereits an) 27.11.2012 vorgestellt; die strategische Pla-
nung war schon am 4.9.2012 vorgelegt worden. _Hinsicht-
gramm ni
aus, woraus_ ebenfalls. ein Rückschluss auf das nicht cie-,
die entsprechenden Planwerte für den Busabsatz
in Brasilien im Geschäftsjahr erreichbar waren. Die Ab-:
weichungen des ist-Ergebnisses für das Jahr 2013 sind
namentlich in den Bereichen MAN Truck & Bus sowie
MAN Latin America marginal mit Werten im unteren ein-
stelligen Prozentbereich: Daraus läSst sich bereits der
Schluss ziehen, dass die Anpassungen insgesamt sach-
gerecht erfolgten. Bei MAN Diesel & Turbo. fiel das Ist-
Ergebnis beim:Umsatz trotz der. Anpassüngen schlechter

lich des Konzernplanungsprozesses gab es keine inhaltli-
chen Vorgaben seitens der herrschenden Gesellschaft,
wie anlässlich seiner
Anhörung betont hat. Dabei- muss.vOr allem auch berück-
sichtigt werden, dass derartige inhaltliche Vorgaben in ei-
nem faktischen Konzern ohnehin, keinerlei. Bindungswir-
kung gehabt hätten, weil die. Vorschrift des § 308 AktG
über die Verbindlichkeit von Weisungen der herrschenden
Gesellschaft in einem faktischen Konzern keine AnWen-
dung . finden kann und. der - Vorstand_der..faktisCh be-
herrschten Gesellschaft diese eigenverantwortlich führen
muss. Abgesehen davon kann selbst bei einer Einfluss-.
nahme der herrschenden Gesellschaft diePlausibilität der
Planannahmen des Vorstandes nicht von vornherein
fräge gestellt werden:
Ebenso wenig vermag die Kammer zu erkennen, es könn
te eine - Vielzahl von Planungen gegeben haben. Soweit
der Antragsteller zu 49) auf die Ausführungen auf Seite 26_
des Protokolls der mündlichen Verhandlung vom
1.10.2014 mit Ausführungen zu einer Stagnation auf dem.
Kernmarkt Europa als Beleg für seine These verweist,
übersieht er, dass die Formulierung "Stagnation von 2015
bis 2017 für Europa, (ohne Deutschland und Russland)"
einer Frage des Gerichts auf eine entsprechende Rüge
aus dem Kreis der Antragsteller entstammt, nicht aber ei-
ne Aussage der Vertragsprüfer darstellt. Zu diesem PrOb-
lemkreis äusserten sich die
dezidiert erst in ihrer ergänzenden
Stellungnahme vom 17.11.2014, indem sie auf einen An-
stieg des Marktanteils *um' 1 Prozentpunkt bis 2017 auf der
Basis der Marktplanupg von Februar 2013 hinWiesen.

(2) Die Sich auf- die fünf Jahre der Detailplanungsphase beziehenden
Annahmen für den Bereich MAN Truck &. Bus müssen als plausibel
bezeichnet werden, wie die Anhörung der. Vertragsprüfer zur Über-
zeugung des Gerichts ergeben hat.
-(a) 'Eine fehlende Plausibilität lässt sich nicht daraus ableiten, dass
die tatsächlichen Betriebsergebnisse der Jahre 2011 und 2012
erst wieder im dritten Jahr der Detailplanungsphase erreicht
werden sollen. Der Vergleich mit einzelnen Jahren der Detail-
planungsphase läsSt einen RückSchluss darauf, Ob die Planung
- ambitioniert ist oder nicht, nicht zu. Gerade auch wegen der be-
stehenden Zykfizität des_LKW-Marktes, der in besOnderem Ma-
sse von der allgemeinen wirtschaftlichen _.Entwicklung in den
Ländern abhängt, in denen MAN Truck .& Bus am Markt auftritt,
Muss ein Vergleich über längere Zeiträume angestellt werden.
Angesichts dieses Undstandes machten die Vertragsprüfer ver--
schiedene Analysen über Verschiedene Jahre, die zu dem Er-
gebnis führten, in der MehrZahl der Jahre liege die Gesellschaft
über dem Durchschnitt. ,
(b) Korrekturbedarf resultiert nicht aus den Auswirkungen deS Baus'
eines neuen Werks in St. Petersburg sowie bei den Planan7
nahmen für:die Russische Föderation ,insgesamt.
(aa)' Aus dem Bau des neuen Werks in St. Petersburg, dessen
Kapazität bei etwa 6.000 LKW liegen sollte, kann nicht da-
rauf geschlossen werden, es komme zü einem zusätzli7
chen.Absatz Von 6.000 LKW in Russland. Die Ursache für
den Bau lag_ in protektionistischen Massnahmen des russi-
schen Gesetzgebers, weil Einfuhrzölle und eine Abwrack-
prämie, die sogenannte "Utifization Fee", für solche LKWs
erhoben werden sollten, die ausserhalb. Russlands produ-
ziert Werden. Diese Gebühren entfallen bei einer Produkti-

an in'nerhalb des Territoriums der Russischen Föderation,
weshalb die "Utilization Fee" durch den Bau eines Werks
in St. Petersburg umgangen werden sollte. Angesichts
dieses Zwecks kann ausgeschlossen werden, dass an
anderen Standorten ebenfalls in diesem Urnfäng für den..
russischen Markt produziert werden wird. Wenn nur für
das Jahr 2017 in Russland ein Absatz von 6.800. LKW er-
wartet und dann auch die VollauslaStüng des Werks in St.
Petersburg erreicht sein wird, hat dies zur Folge; dass 800
LKW unter Inkaufnahme der Einfuhrzölle und der Ab-
wraCkprämie importiert werden müssen. Dieser Zusatz-
aufwand stärkt nicht die- Wettbewerbsfähigkeit: am Markt'
gegenüber den russischen Herstellern und auch ausländi-
schen Wettbewerbern mit Produktionsstätten innerhalb
der Russischen Föderation, weshalb aus Sicht -der Karrt-
,
mer Preisnachlässe nicht ausgeschlossen werden kön:
nen-.
Die Plausibilität der Planannahrpen für die Russische Fö-
deration kann nicht unter Hinweis auf die Expertise der
GTAI vom 21.2.2013 (Anlage ASt 11 zürn Schriftsatz der
VerfahrensbeVollmäChtigten des Antragstellers zu 2 vom
20.1.2014, BI. 306/348 d. A.) infrage gestellt werden, wo-
nach Russlands Automobilhersteller ihre Kapazitäten aus-
bauen. Die Analyse von GTAI bestätigt zum einen die
Dominanz russischer Produzenten, wobei allein der LKW-- -
Hersteller Kamanz im Jahr 20.12 nahezu 40 % der LKW
produzierte und weiter in erheblichem Umfang investieren
will. Zum anderen setzt sich die Analyse überhaupt nicht
mit MAN Truck. & Bus auseinander, sondern nennt von
ausserhalb Russlands beheimateten Herstellern nur
Scania, das zudem nur sein Händlernetz ausbauen will,
und Volvo Trucks; wobei letztgenannter Hersteller bereits

über Kapazitäten zur Montage von 15.000 LKWs im russi-
schen Kalya verfügt.
Auf das .Problem, inwieweit die AuSsagen Verantwortlicher
von Scania; der LKW-Bestand in Russland sei 'überaltert
und der Ausbau eines Servicenetzes verlange keine sol-
. chen Investitionen, die nicht ohne Weiteres getätigt wer-
den könnten, sachlich zutreffend sind oder nicht, kommt
es nicht.entscheidurigsetheblich an, wenn - wie hier - die
, Verantwortlichen von MAN Truck & Bus.oder MAN' SE die .
unternehmerische Entscheidung treffen, derartige Investi-
tionen- in ein ServiCe=Netz nicht z.0 tätigen. Anderenfalls
hätten .die Vertragsprüfer in der Investitionsplanung Hin-
weiSe darauf vorfinden müssen, was sie indes nicht taten.
Eine solche unternehmerische Entscheidung der verant-
wortlichen Organe einer AktiengeseliSchaft kann das Ge7
richt nicht mit der Begründung ersetzen, eine andere Ge=
Sellschaft hätte eine möglicherweise ebenso plausible -
gegenläufige unternehmerische Entscheidung gefällt.
. .
(bb) Die geplante Absatzentwicklung für Russland bedarf kei-
ner Korrektur; ; wobei auch der: im Jahr 2013 angenomme-
ne Rückgang plaüsibel ist. Der Grund- hierfür lag in den
Unsicherheiten in Bezug auf die "Utilization Fee": Das
Wachstum der AbSatzzahlen bis in das Jahr 2017 auf
6.700 bis 6.800 Einheiten kann nicht als zu pessimistisch
eingestuft werden, erläu-
terte, dass diese Annahme eines Wachstum von 2,1 6/0
p.a. innerhalb der Bandbreite mehrerer Studien lag. Die
Plausibilität dieser Wachstumsannahmen ist ungeachtet
der Grösse des Absatzmarktes zu bejahen: Es ist nämlich
bei der Angemessenheit der Wachstumsannahmen zu
beachten, dass ein Hersteller, der hochwenige Nutzfahr-

zeuge im Premiumegment anbietet, auch über ein ent-
sprechendes Servicenetz verfügen muss. Hierzu bedürfte
es weiterer Investitionen in einem nicht völlig zu vernach-
lässigenden Umfang, die die. Vertragsprüfer entsprechend
ihrer Aussage in der Investitionsplanung so nicht vorge-
funden haben: In der Detailplanungsphase sind lediglich
zwei Servicestancförte vorgesehen, was dazu führt,- dass
von einem deütlich höheren Wachstum in dieserri Markt
nicht ausgegangen werden kann.
Etwas anderes lässt sich -auch nicht aus der Veranstaltung
zweier sportlicher Grossereignisse in . Russland in den Jah-
ren 2014 und 2018. ableiten.. Das Geschäftsjahr 2013
brachte ausweislich des Geschäftsberichts für dieses Jahr
- ungeachtet der Olympischen Winterspiele des Jahres
2014 in Sotchi - in Russland -einen Rückgang der Auf,
tragseingänge. Dies stimmt mit der Tendenz der Planung
überein, die für 2013 rückläufige Umsätze prognöstizierte.
Die Fussballweltmeisterschaft im -Jahr 2018 findet in einem
nicht mehr zur Phase I gehörenden Jahr statt, weshalb
dieses Jahr und_ die mit dem Grossereignis verbundenen
Auswirkungen nicht mehr detailliert geplant Wurden. Der
im Vorfeld stattfindende Aus- oder Neubau von WM-
tauglichen Fussballstadien kann zwar sehr wohl auch ge-
stiegene Transportkapazitäten mit sich bringen: Doch
wurde für Russland in den Jahren nach 2013 bis 2017 mit-
einem Anstieg der Wachstumszahlen gerechnet, weshalb
die Auswirkungen der Fussballweltmeisterschaft in der
Planung angemessen berücksichtigt wurden.
Selbst wenn durch den Bau des Werks in St. Petersburg
LKWs nach den Bedürfnissen des russischen Marktes .
produgiert werden, darf nicht übersehen werden, dass der

russische-LKW-Markt - wie schon angedeutet - von loka-
len Herstellern dominiert wird. In Russland sind zudem
protektionistische Tendenzen bereits zum Stichtag der
Hauptversammlung nicht von der Hand zu weisen gewe-.
sen. Die Probleme des Absatzes schwerer Nutzfahrzeuge,
vor allem von LKWs in Russland im Jahr 2013 wird letzt-
lich auch durch den Geschäftsbericht dieses Jahres eines
der wesentlichen Wettbewerber- der MAN SE, nämlich der
Daimler AG, bestätigt, in dem ausgeführt wird, das Markt-
völumen in Russland im Jahr 2013 sei sogar deutlich unter
dem Vorjahresniveau geblieben. Diese tatsächliche Ent-
wicklung und Einschätzung durch einen zentralen Wett-
bewerber erhellt, dass gerade der angesetzte Rückgang
für 2013 keiner Korrektur bedarf.
(c) Die Planannahmen einer zunächst rückläufigen Entwicklung
können auch unter Berücksichtigung des Marktanteils der Kri-
senstaaten Südeuropas von insgesamt "nur" 15 % nicht als un-
angemessen und zu pessimistisch angesehen werden.
Die Vertragsprüfer verwiesen in diesem Zusammenhang da-
rauf, dass MAN Truck & Bus tatsächlich für Europa mit geringe-
ren Wachstumsraten plante als dies in externen Studien ange-
nommen wurde. Als Gründe hierfür nannten die Vertragsprüfer
im Termin, vom 12.6.2014 vor allem die schleppende Erholung
im südeuropäischen Raum und die schwierige Einschätzbarkeit
der Frage, inwieweit und gegebenenfalls wann es in Südeuropa
überhaupt zu einer Erholung kommen werde. Die Schwierigkei-
ten einer Prognose über den Zeitpunkt deS Einsetzens einer
Erholung in den südeuropäischen Ländern bezeichneten die
Vertragsprüfet auch im Zeitpunkt ihrer. Anhörung Mitte Juni
2014 als unverändert schwierig, wie auch die Massnahmen der
Europäischen Zentralbank von Juni 2014 zeigen,. weshalb

selbst zum Zeitpunkt ihrer ersten Anhörung erhebliches Krisen-
potenzial bestand. Wenn die Organe der MAN SE bzw. von
MAN Truck & Bus - im Gegensatz zu externen Studien - von
einer Erholung erst im Zeiträum 2014/2015 und damit etwa ein
Jahr später als die externen Studien ausgehen, rechtfertigt dies
angesichts der Ungewissheit der Entwicklung in den südeuro-
päischen Krisenstaaten nicht die mangelnde Plausibilität von
Pianannahmen. Zudem ist gerade Griechenland angesichts von
47 im Jahr 2012 verkauften LKWs für den GesamturnsatZ von
MAN Truck & BuS gering.
(d) Der weltweite Anstieg der Transportleistung sowie die weltweite
demogräphische Entwicklüng flossen hinreichend in die Pla- -
nung ein. Dabei 'beruhte die Planung- auf einer Markteinschät-
zung, die auf der Grundlage -dieser Faktoren im ..Rahmen eines'.
eigenen Marktmodells vorgenommen wurde, in däs die Planung;
eingebettetist. Mit diesem Marktmodell haben sich die .Prüfer
während ihrer Prüfungstätigkeit eingehend auSeinandergesetzt.
Die Ergebnisse dieses Marktmodells für einzelne Länder unter-
scheiden sich von den Studien, die von den Bewertüngsgytach-
tern und den Prüfern herangezogen wurden - also insbesonde-
re die IHS-Studie von. .November 2012, die A & P Studie von
August 2012, die von, herangezogene LMG-Studie für das
IV. Quartal 2012 sowie im Busbereich -die Döug Jack-Studie
von Juni 2012. -
Das Marktmodell, das seitens MAN herangezogen wurde, ist
geeignet, eine Basis für die Entwicklung der Absatz-und Um-
satzzahlen zu bilden. Es enthält Eignungsfaktoren, die makro-
ökonomische Grössen darstellen wie das Bruttoinlandsprodukt,
die Tränsportleistungen und Inflationserwartungen. Daraüf auf-
bauend wurde eine Regression angenomMen, aus der ein ers-

tes Marktvolumen abgebildet wurde, das dann wiederum ge-
spiegelt wird mit den lokalen AbsatzerWartungen.
'Im Rahmen ihrer Prüfungstätigkeit kam es zü einer Auswertung
durch Automotive-Experten der Vertragsprüferin, die "dieses
Modell gegen ihre.eigenen
.
Markterwartungen spiegelten. In ei-
nem nächsten Schritt glichen die Spezialisten der Vertragsprü-
ferin die Markterwartungen von MAN Truck & Bus mit den Stil-
dien ab, bevor es zur Vorstellung des eigenen Marktmodells der
GeSellschaft für die Märkte der MAN Truck & Bus kam: Dabei
waren wie bei den externen Studien - LKW und Busse ge-
trennt geplant; ebenso gab es länderspezifische Planungen,
und es -kam zu einer Untersuchung und Prognostiziärung künf-
lige( Marktvolumina. In einem nächsteh Folgeschritt kam 'das
makroä.konomische Modell der Gesellschaft mit 'Erwartun-
.
gen zur Entwicklung der Transportkapazitäten, der Inflation und:
-des Bruttoinlandsproduktes hinzu. Auf:diesen Faktoren aufbau- .
end wurde eine erste Marktindikation abgeleitet In einem weite-
ren Analyseschritt kam es. dann zur Spiegelung der bis dahin
.

entwickelten Daten gegen länderspezifiSdhe VertriebSerwartun
gen bezüglich der Marktvolumina,' bevär die Ergebnisse. gegen
diä externen Studien gespiegelt wurden und . eine Abwei-.
chungsanalyse erfälgte. Anschliessend gab.es die Entscheidung
der. Gesellschaft über eigene. fvlarkterwartungän wobei in erster.
Linie die Adressierbarkeit der Typen im Sinne - einer Prüfung er-
folgte, welche LKWs vom Markt nachgefragt werden und wie
innerhalb der Gewichtsklassen und nach Ländern differenziert
wird.
Dieses von den Vertragsprüfern im Termin vom 1.10.2014 be-
schriebene Marktmodell bildete die Basis der Umsatzplanung,
die dann in die bis ins Jahr 2017 reichende -Planungsrechnung
eingeflossen ist.

Diese Vorgehensweise zur Ableitung der Absatzplanung, die-
vor allem auch auf die Erkenntnisse der Business Intelligence;
Unit abstellt, ist methodisch nicht zu beanstanden. Dies gilt
auch unter Berücksichtigung der
.
Tatsache, dass die Gesell-
schaft dabei jedenfalls nicht primär auf die ihr bekannten Stu-
dien von LMC, FHS sowie A & P abgestellt hat. Die Vertragsprü-
fer untersuchten die Abweidhungen der Business Intelligence
Unit zum Ist-Ergebnis in Jahresscheiben für den Zeiträum 2007
bis . 2011 ebenso wie die Langfristabweichungen. Bei einer
Langfristbetrachtung jeweils für das nächste prognostizierte
Jahr zeigen die Gesamtmarktprognosen mit :einer Ausnahme
Abweichungen von plus 20,5 % bis minus 17,25' % im LKW-
Bereich Sowie von plus 11,7 % bis minus 6,1 % für den Bus-
Bereich. Für den LKW-Bereich ergab sich -für das Krisenjahr
- 2009 eine deutliche Oberschätzung des prognostizierten Absat-
zes von plus 72,7 % -. diese Abweichung, die in ähnlichem
Ausmass auch bei den externen Studien von IHS und A & P
festzustellen war, vermag das Planungsmodell oder -system
der Gesellschaft allerdingS nicht infrage zu stellen, weil ange-
sichts der Heftigkeit und des Ausmasses der Krise nach dem
Zusammenbruch von Lehman Brothers Inc. dies von' kaum ei- -
nem Unternehmen gerade auch in der Investitionsgüterindustrie
vorhergesehen werden konnte. Bei einer Langzeitbetrachtung
kann bei MAN eine tendenzielle Überschätzung angenommen
werden, deren Ausmass von 26,9 % im LKW-Bereich und von
4,4 % im Bus-Bereich vor allem auf die Prognöse für die Jahre
2009 und 2010 zurückzuführen ist. Für die übrigen Jahre lag
die durchschnittliche Prognoseabweichung der gesellschaftsin-
ternen Ansätze bei plus 3,8 %.
Vergleicht man die Prognosegenauigkeit der Studien von MAN
mit den externen Studien, so zeigt sich, .dass im LKW-Bereich
für die analysierten 23 Länder der- Europäischen Union in acht

von 15 Fällen die Prognose der Business Intelligence Unit von
MAN den besten. Schätzer gab. In fünf der übrigen sieben Fälle
wich die MAN-Prognose entweder lediglich marginal ab, oder
der Markt wurde überschätzt In lediglich zwei dieser fünf Fälle
unterschätzte die Gesellschaft die Ist-Zahlen; und wenigstens
eine der beiden externen Marktstudien enthielt eine bessere
Schätzung. Im Bus-Bereich war in neun von zwölf Fällen die
MAN-interne Prognose unter den betrachteten Marktprognosen
der beste Schätier, oder hat diä Gesellschaft den Markt über-
schätzt. In den anderen drei Fällen lagen die Prognoseunter-
schiede von MAN gegenüber der besten Marktstudie zwischen
rund 1 % und rund 3 %.
Diese internen Studien konnten im Rahmen der Planung her-
angezogen werden. Dabei zeigt sich gerade auch aus dem

Vergleich mit den externen Studien von Prognoseinstituten,.
dass die Abweichungen der Erkenntnisse der MAN-internen
Studie von den tatsächlich erzielten Ergebnissen im LKW-
Bereich in mehr als 50 % der Fälle die geringsten Abweichun-
gen hatte und dass die zugrunde gelegten Studien zumeist zu
optimistiacheren Planannahmen führten als in der Realität. Die
Studien aus dem eigenen Unternehmen beruhen auf Erkennt-
nissen der Vertriebsmitarbeiter in den einzelnen Ländern, die
die dortigen Gepflogenheiten besser kennen auch als Experten
aus den Marktforschungsinstituten wie IHS, A & P oder Doug
Jack im Bus-Bereich. Da die externen Studien durchaus auch
mit den eigenen Studien verglichen und gespiegelt wurden, ist
es dann nicht zu beanstanden, wenn die Erkenntnisse der Bu-
siness Intelligence Unit und deren Ansätze zur Grundlage der
Planung gemacht wurden.
Planungen und Prognosen sind in erster Linie das Ergebnis ei-
ner unternehmerischen Entscheidung der für die Geschäftsfüh-

75
rung einer Gesellschaft verantwortliChen -Personen. Diese Ent-.
scheidungen haben auf zutreffenden Informationen zu basieren
und sich daran zu orientieren, 'realiStische Annahmen in die
Planung aufzunehmen. Wenn dies - wie hier auf der BaSis_ent,
sprechenden. Datenmaterials, das auch die Abfindungsprüfer -
auf seinen Realitätsbezug hin untersucht häben - der Fall ist,
dürfen diese nicht durch ändere ebenfalls vertretbare Ahnah-
men deS Gerichts ersetzt werden, nachdern sich dieses bei
- plausiblen Planannahmen nicht in die Rolle eines für die Pla-
nung verantwortlichen "Ersatzorgans" begeben" därf und andere
Studien, die auch ähnlibh aUfgebaut Sind, aber zu anderen Er-
gebnissen führen, zur Grundlage einer Entscheidung machen
(vgl. OLG München, Beschluss vorn 7.11.2012, Az.: 31 Wx
163/12; LG München I, Beschluss vom 21.6.2013,, Az. 51-IK 0
19183/09).
Das Absinken des Marktanteils im Kernmarkt Europa ohne
Deutschland auf 16,5_ % angesichts einer Marktprognose mit
einem Wachstum von 6,3 % p.a. bei einer geplanten Wachs-
tumsrate von 3 % p.a. bei Stagnation in Europa ohne Deutsch-
land und Russland redhtfertigt keinen Rückschluss auf die feh-
lende Plausibilität der Planung. Im Jahr 2012 lag der Marktan-
teil von MAN Truck & Bus im_ Kernmarkt Europa ohne Deutsch-
land und Russland bei rund 13 %. Auf der _Grundlage der
Marktplanung vom Februar 2013 durch MAN Truck & Bus sollte
der Marktanteil bis zum Jahr 2017 auf rund 14 % ansteigen.
Diese Planansätze stehen insbesondere auch nicht im Wider-
sPruch zu den Ausführungen im Prüfungsbericht mit einer an-
genommenen Steigerung des Marktanteils von MAN Truck ',8L -
Bus in Europa auf rund 18 % bis zum Jähr 2015, weil sich die-
ser Wert auf Europa inklusive Deutschland, jedoch ohne die
Türkei und. Russland bezieht.' Das Marktwachstum von 6,3 %

wird in der Marktprognose von LMC für den Kernmarkt inklusive
Deutschland genannt. Dieser unterschiedliche Ansatz rechtfer-
tigt nicht die fehlende Plausibilität. Zum einen weichen die un-
terschiedlichen Marktprognosen voneinander ab, ohne dass der
Ansatz von LMC zwingend hätte zugrunde gelegt werden müs-
sen. Zum anderen sind stets unterschiedliche Märkte Ver-
gleichsgegenstand weshalb die einzelnen Wachstumsprogno-
sen nicht ohne weiteres miteinander verglichen werden können.
Aber auch aus anderen Gesichtspunkten zur Planung der
Marktanteile der Gesellschaft können die Ansätze für MAN
Truck & Bus nicht als unvertretbar angesehen werden. Die Ge-
sellschaft ging in ihrer Planung davon aus, den Marktanteil in
diesem Segment bis 2015 leicht zu erhöhen und sodann kon-
stant zu. halten. Dabei sollte in Europa ein Wert von 1.8 % erzielt
werden. Der zur Uberprüfung der Plausibilität mögliche und zu-.
lässige Vergleich mit den Ist-Werten für 2013 und wohl auch für
das erste Halbjahr 2014 belegt indes tatsächlich rückläufige
Marktanteile in Europa, wenn die Ist-Zahlen bei rund 16 % lie-
gen. Das MAN Truck Concept S stellt eine Machbarkeitsstudie
dar, die 2010 vorgestellt wurde. Einen fahrbaren Protötypen
gab es jedenfalls zum Stichtag der Hauptversammlung noch
nicht, weshalb aus- dieser Entwioklungschance eines neuen,
durchaus zukunftsweisenden Modelis aber noch keine konkre-
ten Planungen für die Rückgewinnung von Marktanteilen von
Mitbewerbern getroffen werden konnten.
(f) Auch in dem zu den BRIC-Staaten zählenden Indien kam es
nicht zu einer unzulässigen Vernachlässigung von Wachstums-
potenzialen, auch wenn dort mit einem Marktwachstum von 7 %
gerechnet wird. Daran wird MAN Truck & Bus allerdings kennen
so hohen Anteil haben können, weil das Produktprogramm von
MAN Force India für den Markt in diesem Land zu hochklassig

ist. Zudem befindet. sich die Ge$ellSchaft nach den Erläuterun-:
gen. der Vertragsprüfer in einer Phäse des Umbaus des Pro:
duktprogramms weg von 'Transportfahrzeugen hin zu bergbau-
'astigen FahrZeugen, um den spezifischen .Anforderungen in:
Indien gerecht zu werden. Insgesamt wurde für Indien ein An-
stieg geplant, wobei allerdings die abSoluteri Zählen nicht ausser
Betracht bleiben können, wonach -der Anteil von MAN Truck &
BUS am. indischen Markt - ebenso wie in - unter 1 %
liegt, weil in beiden Staaten der Markt- von lokalen Anbietern
dominiert wird. Ebenso muss. geSehen werden, daSs in Indien
nach den Erkenntnissen der Vertragsprüfer -dem negativen' ope-
rativen Ergebnis In 2013 durch- eine Modelländerung zwar ent-
gegen gesteuert werden sollte. Mit dieser .Umstellung soll mit-
telfristig in Indien auch eine Perspektive. geschaffen. werden,
durCh die das operativ negative Ergebnis auf eine -"schwarze
Null". oder leicht positiVe.oPerative ,Ergebnisse gebracht werden.
soll. Angesichts dieser Darstellung der Ergebnisse der Zahlen
ih Indien und der Zielvorstellungen der :GesellsChaft kann die
vom AntragSteller zu 49) zitierte AusSage des Vorstandsvorsit-
zenden der MAN' SE .auf der Hauptversammlung über die
Wachstumsaussichten in Indien nur als auf mittel und langfris-.
tige Perspektiven bezogen verstanden werden.
Aus ihren Arbeitspapieren konnten 'die Vertragsprüfer auch
nicht die Vom Antragsteller zu 49) genannten Absatzzahlen für
das Jahr 2012 von knapp 4
.
.000 LKW bestätigen; die Gesell=
schaft setzte danach im Jahr 20-12 nach den den Vertragsprü-
fern vorgelegten Unterlagen nur . gut 1,000 LKW auf diesem
Markt ab. Gerade die Restrukturierungsüberlegungen in Rich- 7
tung auf den Bergbautransport lassen zudem eine Verneun-
zehnfächung der Absetzzahlen als gänzlich - unrealistisch er-
scheinen, zumal - wie bereits ausgeführt der Markt von loka-
len Anbietern beherrscht wird und MAN Truck & Bus hochprei

sige Nutzfahrzeuge herstellt; für die in einem Schwellenland wie
Indien in überschaubarer Zukunft ein derart hoher Bedarf von
dann nahezu 20.000 Fahrzeugen im: Jahr nicht als realistisch
angesehen. werden kann. Gerade der Absatz hochwertiger.
LICW's wie beispielsweise des -TQX bedarf zudem eines Ser-
vice-Netzes, für dessen Aus- oder Aufbau keine Investitionen in
dem Unternehmenskonzept vorgesehen waren. Auch kann
nicht unberücksichtigt bleiben, dass in einer globalisierten Welt
und miteinander verflochtenen. Volkswirtschaften die lokalen
- Hersteller in der Lage sind, moderne .TechriiK zu - erlangen. Da
es
.
zudem keinerlei Anhaltspunkte dafür gäb, die. GesellSchaft
oder MAN Truck & Bus Würden lokale billigere Anbieter äufkau-
fen, können die Planannahmen in Bezug auf Indien als nicht zu
pessimistisch eingestuft werden.
Die Planannahmen für die Volksrepublik China müssen gleich-
.

falls als plausibel angesehen werden. In China setzte die Pia-

nung insgesamt ein Wachstum an, wobei der Marktzugang im:
Wesentlichen über Sinotruk difälgti- aber auch über in Indien
produzierte Modelle. Indes muss in China die Dominanz lokaler
Prodidenten in. gleicher Weise gesehen werden wie in Indien,
wobei auch dort gerade angesichts der Hochkiassigkeit und
Hochpreisigkeit der Modelle von -MAN Truck & Bus sich das
Problem des Service-Netzes in gleicher Weise stellt.
Die Fehlerhaftigkeit der Planung lässt sich nicht aus der Erwä-
gung heraus ableiten, sie blende im Jahr 2013 Vorzieheffekte
3us der Einfijhrung der Euro VrAbgnsnorm aus. Die Vertrags-
prüfer erläuterten; dass dieser Umstand sehr wohl berücksich-
tigt worden sei. Zum einen seien mit .der Einführung dieser
neuen Technologie Preiserhöhungen möglich; andererseits
komme es aber auch zu Kostenveränderungen, weshalb dar-

aus insgesamt keine signifikanten Margenveränderungen abge-
leitet werden können. Ebensä: musste die Planung die Folgen
' der Einführung der strengen Abgasnormen im Sinne von Vor-
zieheffekten beachten, die dann auch Nächfragelücken im
Folgejahr nach sich ziehen: Wenn ein LKW eine Geschäftsperi-
ode

früher gekauft wird,. so besteht in der sich unmittelbar an-
schliessenden Periode kein Bedarf mehr, diesen zu .erwerben.
Im Termin.vom 1.10.2014 Wiesen die Vertragsprüfer därauf hin,
daSs sich aus. den Ist-Zahlen für das erste Halbjahr 2014 deut-
lich schlechtere Absatzzahlen ergeben, was' nachvollziehbar
- zumindeSt auch auf den dänn unterschätzten Umfang der, Vor-
.
zieheffekte Zurückgeführt werden kann.
AuS einem technologischen Vorsprung gegenüber den -asiati-
- schen Herstellern wird die 'Gesellschaft auf
,
den Märkten gerade
in '.China und Indien dennoch kein höheres Wachstum ableiten.
können; auch wenn. insbesondere MAN Truck & Bus durch
seine' technologischen Möglichkeiten .im Gegensatz zu den ein-
heitniSchen Herstellern. in . der Lage wäre
.
neue, strengere Ab-
gasriormen zu erfüllen: Allerdings werden derartige heue, ver-
schärfte Abgasnormen erfahrungsgemäss nicht kurzfristig einge-
führt:. Zudem haben 'die in Asien beheimateten Hersteller viel-
fach bereits Kooperationen mit europäischen Lkw-Herstellern
oder unabhängigen ' Motorenproduzenten wie .Cummins
Worauf die Vertragsprüfer in ihrer zweiten ergänzenden Stel-
lungnahme aufmerksam machten. Foton gründete bereits im
Jahr 291 ein Joint Venture Mit der Daimler AG, was Foton den
Zugang zu hochwertigen Motoren eröffnet. Zudem hat dieses
Unternehmen ebenso wie Tata und Dongfeng ein Joint Venture
mit Cummins Inc.; zudem : ist die Volvo-Gruppe wesentlich am
Lkw-Bereich Von. Dongfeng beteiligt. Angesichts . dieser Situati-
on ist nicht zu erwarten, dass durch strengere Abgasnormen

auf Märkten, in denen MAN nur unwesentliche Marktanteile hat,
ein signifikanter Vorteil erzielt werden kann. Zudem muss' die
Überlegung berücksichtigt werden; dass . in China und Indien
‚nicht zu erwarten sein wird, dass 'Abgasnormen eingeführt wer,
den, die wesentliche einheimische Lkw-Hersteller nicht erfüllen
können und 'somit Gefahr laufen, aus. dem Markt hinausge-
drängt zu' werden. Nicht gänzlich ausser. Betracht bleiben kann
auch die Überlegung, dass strengere Abgasnormen in den
Heimatmärkten der asiatischen Hersteller für MAN Truck & Bus
ein Risiko darstellen könnten, wenn diese die europäischen und.
brasilianischen Abgasnormen erfüllen und dann als Konkurren-
ten auf wesentlichen Absatzmärkten der MAN SE auftreten.
Dieses Risiko ist gerade angesichts der Situation in Brasilien
nicht von der Hand zu weisen, wo spätestens im Jahr 2016
nach den Erkenntnissen der Prüfer der thinesisdhe 'Hersteller
Photon ein Werk errichten will.
(i)
Sich aus der Liberalisierung des Fernbusverkehrs. und der Ab-
schaffung des Postmonopols ergebende Potenziäle flossen in
an
.
gemessenem und ausreichendem Umfang in die Planung
ein. Die Gesellschaft ging von einem WachstuMVon 1,4 % p.a.
bis 2017 aus, nachdem der Busmarkt seit:1992 rüCkläufig war.
.Dies zeigt bereits, dass gerade die Liberalisierung des Fern-
busverkehrS bei der, Planung berücksichtigt wurde. Die inner- .
halb der Gesellschaft erstellten Studien gingen. Von einem,
Wachstum zwischen 0,5 % Und
.
1,3 % aus. Zudem zogen die
Vertragsprüfer = ebenso wie -die Gesellschaft. - vor allem- auch .
die'externe Studie von Doug ,lack herW/ vtiOhei im Vergleich
der internen zu der externen Studie besonders für den Bus-
markt die internem Studien bei MAN Truck & Bus in 75 % den
besten Schätzer abgaben und in den _anderen Fällen die Ab-
weichung von' den besseren externen Studien gering. war.

Wenn dann ein sogar leicht über den internen Studien liegen- -
des Wachstum angesetzt wird, bedarf dieser Ansatz keiner Kor-
rektur. -
(k) Die Möglichkeiten aus den Gigalinern berücksiChtigt die Pla-
nung in angemessener Art und Weise.. Eine stärkere Berück-
sichtigung Scheitert an tatsächlichen ebenso wie an rechtlichen
Fragestellungen. Zum einen muss berücksichtigt werden, dass
Gigaliner mit. einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 60 t
zu Effizienzsteigerungen bei Transportkosten 'führen, weil mit
einem Gigaliner sehr viel mehr transportiert werden kann als
mit einem LKW, der bislang mit einer Höchstgrenze von. 40 t
-zugelassen war. Diese höhere Transportkapazität der Gigaliner
führt zu einer Reduktion' des Bedarfs an LKWs = das zulässige
- Höchstgewicht von drei herkömmlichen Schwerlastkraftwagen
könnte. in Zukunft. von ledigliCh. zwei Gigalinern transportiert
.

werden. Dieser Effekt wird plastisch und nachvollziehbar als
,,Kannibalisierung" .beschrieben. Zum anderen aber war zum
Stichtäg der Hauptversanimlung das Ergebnis des Mödeliver-
süchs in einigen Ländern der Bundesrepublik nicht so weit fort
geschritten, dass eine gesetzliche Regelung über, die Zulässig-
keit des Einsatzes von Gigalinern absehbar gewesen wäre. Ein
sinnvoller Einsatz dieses Transportmittels müsste zudem er-
hebliche InVestitionen- der öffentlichen Hand in 'die Verkehrsinf-
rastruktur in Deutschland nach sich ziehen, damit die .Gigaliner
auf den Strassen tatsächlich einsetzbar sind.
Korrekturbedarf lässt sich auch nicht im After-Sales-Geschäft
begründen, was nicht positiver statt unterproportional zu planen
war. Der Schwerpunkt des After-äales-Geschäfts liegt bei MAN
Truck & Bus in Westeuropa, also in vergleichsweise gesättigten
Märkten, in denen insgesamt niedrigere Wachstumsräten zu

erwarten .sind. Da das After-SalesGeschäft gerade .nicht auf
NeugeSchäft beruht kann selbst .von einem überproportionalen
Anstieg desselben nicht auf einen vergleichbaren Anstieg im Af-
,
ter-SaleS-Geschäft geschlosSen Werden. Die Aussage des Vor-
standsvorsitzenden auf der HauptversaMmlyng über zuneh-
mende Inveütitionen in diesem Bereich rechtfertigen nicht den
RückschluSs auf eine unangemessene Planung; weil. eine Viel-
zahl von Massnahmen in diesem Bereich auf die Kostensenkung
abzielen, nicht auf die Steigerung der. Umsatzerlöse - durch
_ .
sinkende. KoSten kommt es in dieSem Bereidh "aber zu Margen- .
verbesSerungen. Zudem 'muss .für die Beurteilung der

Ange-
messenheit der Planannahmen entscheidend beachtet werden,
dass die Investitionen zum Ethalt des bestehenden Werkstatt-
netzes

.
erforderlich -sind Und daher gerade -nicht Unmittelbar um-
satzsteigernd wirken:. Die .ergänzende Stellungnahhne der
.
Her-
ren VVirtsdhaftgprüfer führt zudem.
erläuternd aus,' clasS dieser GeschäftsbereiCh
..
zwar mit 2,7 %
-unterproportional zum - Umsatzwachstum . von 5,2 % in Phase I
beiträgt,' aber hierdurchtlrnsatzerbse oberhalb der historischen
Höchstwerte angenommen werden; zudem. werden die 'Um-
satzerlöse im.After,Sales-Geschäft .eben überWiegend auf dem'
gleichfalls unterproportional steigenden europäischen Markt er-
zielt werden.
Korrekturen der Planannahmen für MAN Truck & Bus. oründen
nicht auf der, Möglichkeit des -Markteintritts neuer Wettbewerber
auf dem asiatischen Markt, insbesondere in Indien. Diese Mög-
lichkeit berücksidiltigten die Piam -inriahrnen, \mtöbe! davon aus
gegangen wurde, in der schweren Reihe Marktanteile zu verlie-
ren; während - wie bereits angesprochen - in Europa entsPre7
chencl Anteile gewonnen werden 'sollten:'. Die Planung erfolgt
dabei differenziert nach. Ländern und Gewichtsklassen unter

Berücksichtigung der Erwartungen des Vertriebs nach dem Ein-
tritt neuer Wettbewerber, wobei der Wettbewerb vor allem über
die Preise ausgetragen wird. Wenn dann auch in Indien ein all-
gemeiner Trend des Eintritts neuer Wettbewerber in die Plan-
annahmen einfliesst, so beruht dies auf einer nicht zu beanstan-
denden Einschätzung der Planverantwortlichen.
(n) _ Ein gesonderter Äusweis der Ergebnisse von MAN Truck & Bus
und MAN Finance musste nicht erfolgen, nachdem es sich bei
MAN Finence um eine Finanzierungsgesellschaft für Produkte
handelt, die in erster Linie im Europäischen Raum vertrieben
werden:
(3) Im Segment MAN Latin Arnerica gehen die Planungen von realisti-
schen und folglich nicht korrekturbedürftigen, plausiblen Annahmen
aus.
(a) Die. Planannahmen beruhen auf einer hinreichend detaillierten
Informationsgrundlage, weshalb es nicht notwendig war, wei-
tergehende quantitative Studien insbesondere zum brasiliäni-
Busmarkt durchzuführen und heranzuziehen. Die -Plan-
,
verantwortlichen gingen von einem Anstiegsdes Marktvolumens
am brasilianischen Busmarkt von 28:809 Fahrzeugen im Jahr
2012 auf 42.000 Fahrzeuge zum Ende. der Detailplanungspha-
se aus, was einem jährlichen Anstieg von rund 7,8 % ent-
spricht. Demgegenüber erwarteten die Marktanalysten ein deut-
lich geringeres Wachstum von lediglich 1,6 % jährlich. Zudem
verglichen die Prüfer die Markterwartungen von Doug Jäck und
Eric Gibbins aus dem Jahr 2012 mit den Erwartungen von MAN
Latin America, wobei auch diese Studien mit einem durch-
schnittlichen jährlichen Wachstum von 1,6 % deutlich niedrigere
Wachstumsraten aufwiesen. Gerade auch mit Blick auf die be-

reits beschriebene hohe Prognosegenauigkeit der internen Stu-
dien hat die Kaminer keinen Zweifel daran, dass die entspre-
chenden Planzahlen für den brasilianischen Busmarkt nicht als
zu pessimistisch und damit nicht mehr plausibel bezeichnet
werden können.
(b) Die Entwicklung der Exportmärkte in Lateinamerika und Afrika
floss sachgerecht in die Planung ein. Dabei muss zunächst be-
reits berücksichtigt werden, dass im Jahr 2012 der Schwer-
punkt des Absatzes von MAN Latin America auf dem "Heimat-
markt" Brasilien lag, auf dem mit einem Anteil an LKW von 86
% und bei Bussen von 76 % erzielt wurde, weshalb der Anteil
am Export vor allem in die mittel- und südamerikanischen Län-
der Argentinien, Chile, Mexiko, Peru und Uruguay gemeinsam
lediglich rund 11 % des LKW-Absatzes und rund 13 % des Bus-
Gesamtabsatzes ausmachten, wobei sich das Exportvolumen
vor allem in den Jahren 2001 bis 2005 signifikant erhöhte, im
Jahr 2007 mit 10.801 Fahrzeugen einen Höchststand erreichte,
der bei einer volatilen Entwicklung in den Jahren bis 2012 nie
mehr erreicht wurde. Bis, zum Ende der Detailplanungsphase
gegen die Planannahmen von einem durchschnittlichen jährli-
chen Umsatzwachstum von rund 14 % und einem Absatz-
wachsturn von rund 11 % aus. Das Exportvolumen soll dabei
von 8.980 Fahrzeugen im Jahr 2012 auf 17.000 Fahrzeuge 'im
Jahr 2017 ansteigen, womit ein jährliches Absatzwachstum von
durchschnittlich 13,66 % unterstellt wird. Dieses geplante
Wachstum gründet neben dem Marktwachstum in Lateinameri-
kn namentlich auf der für das Jahr 2016 geplanten Markteinfüh-
rung der Baureihe Phevos sowie der Verbesserung der Wett-
bewerbsfähigkeit von MAN Latin America auf den Exportmärk-
ten einschliesslich des Eintritts in neue Segmente und dem
Markteintritt in Nordafrika und dem Mittleren Osten. Der Ab-

gleich mit-der Marktstudie von IHS für die fünf wesentlichen la-
teinamerikanischen Exportländer zeigt, dass MAN Latin Ameri-
ca von einem,Wachsturn bis zum Ende der:Petailplanungspha-
se ausgeht, weiches über den Erwartungen der Marktstudien
von IHS hinausgeht, die eine jährliche Steigerung von 3 %
prognostizierten.
(c) . Aus der brasilianischen Verkehrsinfrastruktur und deren Aus-:
bau. kann nicht auf die fehlende Plausibilität der 'Planung ge-
schlossen werden, auch wenn die Regierung BraSiliens ein sich
auch auf die Infrastruktur beziehendes Konjunkturprogramm
gestartet hat, .das. bis 2014 laufen
.
sollte. Da das Strassennetz
ausgebaut werden und eine-damit bezweckte Verbesserung der
Strassenbedingungen .einhergehen sollte,. wirkt sich dieser Um-
stand .auch auf die Nachfrage nach LKW's und Bussen aua. Al-
lerdings betreffen diese _Strukturprojekte auch. den Aüabab von
EisenbahnstreCken, Häfen sowie von Flughäfen.Zwar handelt
es sich dabei um .konkurrierende.Transportmittel; .indes besteht
Transportbedarf mit LKWS, wenn .es um die Umsetzung der mit
den Investitionen Verbündenen, -Massnahmen geht: DeShalb
kommen diese Massnahmen ausserhalb des Strassenbaus mittel
bar auch der Nachfrage nach Nutzfahrzeugen
.
zugute. Seit

Be-
ginn der Konjunkturprogramme im Jahr 2007 stieg ausweislich
der ergänzenden - Stellungnahme der Vertragsprüfer die Zahl
der neu zugelassenen LKW' mit einem Gesamtgewicht von_
mehr als 5 t von -95.00ö im Jahr 2007 auf rund 137:000 im Jahr
2012. Bei der Prognose der weiteren Entwicklung fällt zum ei-
nen ist Gewicht, dass nach den Erkenntnissen zum Stichtag
dieses. Konjunkturprogramm 2014 auslaufen sollte. Zum ande-
ren muss aber Vor.allerri auch bei der Bejahung.der Plausibilität
gesehen werden; dass für den. brasilianischen LKW-Markt MAN .
Latin 'America von einem jährlichen MarktabsätzWaChstum von

rund 9 % ausging und der eigene LKW-Absatz von 45.829 Ein-
heiten im. Jahr 2012 auf 77.704 Einheiten gesteigert werden
soll. Das von MAN Latin America erwartete Marktwachstum be-
rücksichtigt dabei neben den Investitionen in die Infrastruktur
vor allem auch die Effekte aufgrund der Fussball-
Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele in. Rio de
Janeiro 2016. Da das Infrastrukturprogramm bereits über fünf
Jahre zum Stichtag der Hauptversammlung lief; vermag die
Kammer keine Anhaltspunkte dafür zu findeh, die Planung sei
zu pessimistisch, zumal die Prognose des Merktabsatzwachs-
tum von rund 9 % Wachstum jährlich nicht nur deutlich über
den Prognosen der externen Marktstudien lag, sondern auch
deutlich über dim für Brasilien vom Internationplen Währungs-
fonds erwarteten WachStum des BruttoinlandSproduktes von
rund 4 %.
(d) Die Auswirkungen der Einführung neuer Abgasnormen in Brasi-
lien führen nicht zur Notwendigkeit der Anpassung der Planzah-
len. Die Vertragsprüfer erläuterten in dem Prüfungsbericht wie
auch in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 1.9.2014 die
Folgen der Einführung des neuen Emissionsstandards Pro-
conve P7, der gerade keinen Absatzstau, sondern zu vorgezo-
genen Käufen von Proconve P5-Fahrzeugen im Jahr 2011 und
im ersten Quartal des Jahres 2012 führte, nachdem seit dem
zweiten Quartal des Jahres 2012 ein Auslieferungsverbot von
Fahrzeugen mit dem älteren P5-Standard bestand. Dieses Aus-
lieferungsverbot bezog sich indes nur auf den Hersteller, nicht
aber auf Händler, so dass diese die preisgünstigeren Fahrzeu-
ge mit. P5 noch verkaufen konnten. Da das Absatzvolumen der
Hersteller und damit auch von MAN Latin America im Jahr 2012
durch diese vorgezogenen Käufe aus dem Jahr 2011 negativ .

beeinflusst war, bestehen keine. Hinweise auf einen vernach-
lässigten Nachholeffekt.
(e)
Eine unzureichende Berücksichtigung der Verschiebung der
LKW-Flotten in Brasilien weg vom .NiedrigPreissegment hin zum
Premiumsegment_ kann nicht 'angenommen werden, weshälb
auch keine Plankorrekturen veranlasst sind. MAN Latin AmeriCa
erwartet einen Anstieg- oberhalb der Erwartungen der Boston
Consulting Group in dem in Brasilien stärker wachsenden Pre-
miumsegment. Auch liegt das erwartete WaChstum erhäblich -
oberbalb der Erwartungen in den von den Vertragsprüfern ana-
lysierten Marktstudien Zum brasilianischen LKW-Markt. Die Ge-
sellschaft ging für das stark wachsende Premiumsegment von
einem LKW-AbsatZ in Brasilien mit einem Wachstum von rund
39.000 im Jahr 2012 auf rund 65.000 im Jahr 2017 und damit
von durchschnittlich 10,6 Wachstum pro Jahr aus. Demge-
genüber unterstellt-die .Boston Consulting Group ein Absatz-
wachstuni für das Premiumsegment von 6 %, wobei die Gesell-
schaft seit 2011/2012- mit der tGX-Baureihe auch das Markt-
segment der extra schweren LKWs bedient: Der Anstieg des
Absatzwachstums .oberhalb där sonstigen. Märkterwartungen,
wie sie in externen Studien zum Ausdruck kommen, zeigt; dass
hier keine weiteren Plankorrekturen nach oben wegen man-
gelnder plausibilität veranlasst sind.
(f) Die Planung: berücksiChtigt auch angemessen das Auftreten
neuer Wettbewerber am Markt. Die Vertragsprüfer legten bei ih-
rer Anhörung dar, dass namentlich in BraSilien neue Wettbe-
werber in den Markt drängen. Zum Stichtag der Hauptver-
. sammlung hatte bereits der Hersteller DAF InVestitionen in ein
Werk in .BraSilien getätigt; um auf.diesem _Markt Fuss fassen zu
können. EbenSo drängt ein Chinesischer Hersteller auf den

Markt, bei dem lediglich unklar ,ist, ob dies kurzfristig oder erst
2016 erfolgen soll. In jedem Fall gerät durch einen derartigen
Keueintritt auch der Marktführer unter Druck, Marktanteile hal-
ten zu können, was dann regelrriSilig nur über Preise möglich,
sein wird; mithin sind rückläufige Margen die denkbare Konse-
quenz aus dieser Konstellation:
(4) Im Geschäftsbereich MAN Diesel & Turbo müssen keine Änderun-
gen der Planannahmen vorgenommen werden, weil insoweit die An-
hörung samt der ergänzenden Stellungnahmen dazu geführt hat,
dass die Kammer keine Zweifel an der Plausibilität der Planung in
diesem Geschäftsbereich hat. Der Bereich MAN Diesel & Turbo setzt
sich aus den Bereichen Power Plant, Engines & Marine Systems und
Turbomaschinen zusammen, so dass hier unterschiedliche Entwick-
lungen zu beachten sind.
) Der Annahme des Rückgangs der Umsätze im Geschäftsjahr
2013 steht nicht entgegen, dass der vorläufige Tiefpunkt der
Krise im Schiffsmarkt - gemessen an der Zahl der bestellten
Schiffe bereits im Jahr 2012 vorgelegen haben soll; daraus
kann allerdings kein Rückschluss darauf gezogen werden, die
Umsätze müssten bereits im Folgejahr 2013 wieder steigen. Im
Schiffsbau, der Zweitakt-Dieselmotoren für Antriebssysteme in
grossen Schiffen entwickelt und Viertakt-DieselMotoren als An-
trieb in kleinen Schiffen und als Hilfsmotoren entwickelt und
produziert, lag der Tiefpunkt der Bestellungen tatsächlich im
Jahr 2012. Allerdings muss ein erheblicher zeitlicher Versatz
zwischen dem Auftragseingang und dem Generieren von Um-
,satzerlösen berücksichtigt werden; dieSer zeitliche Abstand
hängt ab von der Art und Weise der Produktion und liegt in der
Eigenproduktion bei einem Jahr, im LiZenzbau .bei rund Sei
Jahren. Angesichts dessen ist es nicht unplausibel, %,,, ife,nn es im

Geschäftsjahr 2013 noch zu Umsatzrückgängen kam. Bei der
Entwicklung der Umsatzzahlen ist nach dem Rückgang noch im
ersten Halbjahr 2013 mit 7 % unter .dem Vorjahresniveau zu
beachten, dass danach in der Zeit bis 2017 von einem durüh-
Schnittlichen Wachstum yon 8,8 % p:a. ausgegangen wird. Die-
se Entwicklungen stehen in Einklang mit den Besonderheiten
im Schiffsbau.
(b) Die weitere Entivicklung in diesen Bereichen kann gleichfalls
nicht als unplausibel eingestuft werden; ein Aufwärtszyklus im
Schiffsbau floss hinreiChend in die Planung ein, wie gerade
auch das Umsatzwachstum ab 2014 erhellt. Zudem wiesen die
Vertragsprüfer darauf hin, dass die Eigenproduktion tatsächlich
auf einen stärkeren Wachstumspfad gesehen wird, während bei .
der Lizenzproduktion erheblicher Drück bestand, der- seine Ur-
sache

in Problemen mit chinesischen Lizenznehmern hatte: . -
- InsgeSamt erwartete.die Gesellschaft aber auch in diesem Be-
reich auf längere Sichtpositivere-Entwicklungen.
(c) Ebenso wenig kann davon ausgegangen werden, für die Ab-
satzmärkte in Asien sei im Bereich MAN Diesel & Turbo von ei-
ner Stagnation ausgegangen worden. Die Vertragsprüfer wie-
:sen während ihrer. Anhörung auf die Planung von Wachstum
auch in Asien hin.
(d) Die Planannahmen in diesern Bereich stehen nicht in Wider-
spruch zu Marktprognosen, die zur Plausibiiisierung herange-
zogen wurden und denen auch die Aktualität nicht abgespro-
Chen werden kann.
Dies gilt zunächst für die herangezogene Studie von Clarkson
von September 2012, die in der Planung, auch zugrunde gelegt
wurde Lind bei der sich. die Prüfer nach ihren Erläuterungen im

Termin vom 1.10.2014 insbesondere auch mit deren Aktualisie-
rung vom März 2013 befassten, wonach die Schiffsbestellun-
gen tatsächlich ansteigen sollten. Audh wenn es bis zum Jahr
2022 Prognosen mit einem deutlichen Rückgang der Schiffsbe-
stellungen gibt, veranlasste dies die Gesellschaft nicht zu einer
Anpassung der Planung nach unten: Sie ging im Bereich MAN
Diesel & Turbo vielmehr davon aus, dass der Wachstumspfad
durch von der Gesellschaft getroffene und zutreffende Mass-
nahmen beibehalten werden könne. Dabei weist bereits der
Prüfungsbericht auf die Einführung neuer Produkte in dem Be-
reich Engines & Marine Systems hin, die zum Gewinnen weite-
rer Marktanteile führen sollen.
Die Planung.im Bereich des Schiffbaus ist auch nicht wegen ei-
nes .Alleinstellungsmerkmals der Gesellschaft in der Diesel-
technol4e zu pessimistisch. Auch wenn MAN Diesel & Turba
mitführend in dieser Technologie ist, lässt sich ein Alleinstel-
lungsmerkmal tatsächlich nicht bejahen, nachdem beispielswei-
se der Hersteller Wärtsilä ebenfalls hochwertige Dieseltechno-
logieprodukte herStellt.
Kein Korrekturbedarf an den EBIT-Margen ergibt sich aus der
Erwägung heraus, dem After-Sales-Geschäft müsse dieselbe
EBIT-iVlarge wie dem gesamten Geschäftsbereich von MAN
Diesel & Turbo zugeordnet werden. Dies wäre mit der detaillier-
ten, nach Teilbereichen getrennt erfolgenden Planung nicht
vereinbar. Da der After-Sales-Bereich separat geplant wurde,
konnte und musste eine auf diesen Bereich bezogene EBIT-
Marge angesetzt werden.
(5) Die für den Geschäftsbereich Renk getroffenen Planungen müssen
nicht angepasst werden, weil sie plausibel zu bezeichnen sind.
(e)

(a) Dabei besteht kein Widerspruch zwischen der Plänung eines
Mitarbeiteraüfbausund dem Verlauf der Um'sätzerlöSplanung.
Die Anzahl der Mitarbeiter bei Renk soll von 2.245 im Jahr 2012
auf 2.501 im Geschäftsjahr 2017 ansteigen, was einem durch-
Schnittliehen jährlichen Wachstum von -ca. 2,2 '% entspricht.
Dieses Wachstum, 'ist allerdings geringer als der geplante'
durChschnittliche Anstieg des Umsatzwachstums, der bel rund
4;5 % p.a. liegen soll. Der Anstieg der Mitarbeiter reflektiert da-.
bei vor allem die zunehmend erhöhten Anforderungen bei der
Abwicklung komplexer Kundenaufträge - die zunehmende
Komplexität auch von Abläufen ist ein in einer vielfach vernetz-
ten, globalisierten;WeltwirtSchaft zu 'beobachtendes Phänorineni
weshalb auch der AnStieg der Mitarbeiterzahl nachvollZiehbar
ist.
) Die Kapazitätsauslastung sollte bei Renk in den Jahren der De- -
tailplanungsphase kontinuierlich ansteigen von rund 79 % auf
eine nahezu Vollauslastung 'von 99 ` ) /0 irri Jahr 2017 - bei einem
einmaligen leichten Rückgang um 1 Prozentpunkt im Jahr
2015. Bei dieser Entwicklung kann. eine mangelnde Plausibilität
nicht bejaht werden.
(c)
Die Umsatzentwicklung .in Relation zum. Auftragseingang bedarf
keiner Korrektur_ Die Vergangenheitsanalyse zeigt, dass es un-
terschiedliche Abwicklungszeiten gab - gerade bei Grossaufträ-
gen können die Laufzeiten der Auftragsabarbeitung bis zu zehn
Jahren betragen, was dann auch den Umsatzverlauf beein-
_ flusst. Den Vertragsprüfern lagen die Unterlagen zur Auftrags-
realisierung vor, woraus sie dann auch den Schluss auf eine
plausible Planung ziehen konnten.
In ihrer. Planung nahm die Gesellschaft für 'den Bereich Renk
an, alle akquirierten Grossprojekte würden bis zum Ende der

Detailplanungsphase abgearbeitet. Dabei kann insbesondere
nicht davon ausgegangen werden, bei Renk lege die Planung
kein Wachstum zugrunde: Die Umsatzerlöse sollen nämlich von
Euro 476 Mb. im Geschäftsjahr 2012 bis auf Euro 593 Mio. am Ende.
der Detailplanungsphaee wachSen; die durchschnittliche jährli-
che Wachstumsrate liegt dabei bei 4,5 %.
Angesichts der schwierigen Lage am weltweiten Schiffsbau-
markt kann dieses Wachstum nicht als zu pessimistisch be-
zeichnet werden, auch wenn Renk von staatlichen Beschaf-
fungsprogrammen für Marine und Küstenwache beispielsweise
in den Vereinigten Staaten von Amerika, Algerien und Korea
profitiert, wobei sich aber gegen Ende der Phase i eine Ab-
schwächung. der Nachfrage abzeichnet. Andererseits sollte es
bei Projekten der Offehore Windenergie bis 2017 trotz der aktu-
ell schwierigeh Rahmenbedingunaen zu einem deutlichen
Wachstum kommen, wobei Asien als Absatzmarkt mittelfristig
Bedeutung gewinnen sollte:
Unter . Berücksichtigung dieser Entwicklungen kann an der
Plaüsibilität der entsprechenden Planannahmen nicht gezwei-
felt werden.
(6) Im Bereich Zentrale/Konsoliclierung müssen keine Anpassungen vor-
genommen werden.
(a) Der Rückgang der Umsatzerlöse von Euro minus 176 Mio. auf Euro
minus 443 Mio. beruht auf der geplanten AusWeitung der Liefe-
rungs- Lind Leistungsbeziehungen innerhalb des Konzerns zwi-
schen MAN Truck SL Bus und MAN Latin America. Die Einfüh-
rung der Baureihe TGX in Brasilien im Jahr 2012 sowie die ge-
plante AbsatzausWeitung führt auch zu einem Anstieg der Lie-

. ferbeziehungen zwischen diesen beiden UnternehMensteilen.
Andererseits wird erwartet, dass MAN Lätin Arnerica den Phe-
vos nach dessen Markteinstieg. in Brasilien auch an MAN Truck
& Bus liefern wird, weshalb ein interner zu konsolidierender Lie-
ferverkehr zwischen den beiden Unternehmensteiien entstehen
wird. Angesichts dessen ist die geplante Entwicklung gerecht- -
fertigt.
(b) Neben dem Anstieg der. zu konsblidierenden Umsätie kämmt
es aber auch zu einem Anstieg der zu konsölidierenden Urn-
.
satzkosten. Der Anstieg der (negativen) Umsatzerlöse im Be-
reich Zentrale/Konsolidierung führt dementspreChend aber nicht .
zu einer entsprechenden negativen Beeinflussung des Unter-
nehmenswertes:
Der Anstieg-der VerwaltungsaufVvendungen im Bereich Zentra-:
. -
le/Konsolidierung muss nicht als unplausibel korrigiert werden:
Neben der Konzernholding umfasst er elf Gesellschaften, die im
Wesentlichen
.
Serviceleistungen für den Konzern erbringen. Da
das gesamte Geschäftsvormen der MAN SE in Phase 1 steigt,
kann .ein Anstieg der Verwaltungsaufwendungen der Zentrale
auch nicht ausbleiben
-
.. Allerdings steigen diese bereits weniger
- stark an als det Umsatz des Konzerns insgesamt: Hauptposten
der Verwaltungsaufwendungen sind däbei die PerSonalaufwen-
dungen, bei denen von einem relatiV konstanten Bestand der
Belegschaft ausgegangen wird und die erwarteten Tarifsteige-
rungen angesetzt werden. Da zudem auch externe Beratungs-
aufwendungen, Aufwendungen für Werbekampagnen und
Sponsoring unter die Verwaltungsaufwendungen fallen, kann
deren Entwidklung nicht als unplausibel bezeichnet werden.
(c) Darauf aufbauend muss darin aber auch die Entwicklung des
EBIT alS trägfähige Grundlage angesehen werden. Wenn die.

einzelnen Positionen, die in das EBIT einfliessen, plausibel ge-
plant sind, muss zwingend auch das EBIT plausibel sein.
(7
) Hinsichtlich sonstiger Einzelposten im Rahmen der Ertrags- und
Aufwandsplanung bedarf es keiner Anpassungen der entsprechen-
den Planannahmen.
(a) Dies gilt zunächst hinsichtlich des Ergebnisses der Beteiligun-
gen der Gesellschaft, bei denen mangelnde Plausibilität gerügt
wurde.
-(aa) Die Minderheitsbeteiligung der Gesellschaft an der Scania
AB floss sachgerecht in den Ertragswert ein, wobei diese
Erträge gerade nicht als nicht betriebsnotwendiges Verr
mögen eingestuft werden dürften. Nicht: betriebsnotwendig
sind nämlich nur solche Aktivitäten, die entsprechend den
individuellen Gegebenheiten des zu bewertenden Unter-
nehmens zur Erreichung des Betriebszwecks nicht erfor.-
derlich sind und denen folglich kein besonderes wirtschaft-
liches Gewicht für die Betriebsführung zukommt; sie kön-
nen-zum Stichtag veräussert Werden, ohne dass dies Ein-
fluss auf den Unternehmenszweck und die Fortführung
der Gesellschaft hätte. Demgegenüber gehören zum be-
triebsnotwendigen Vermögen all die Vermögens- und
Schuldpositionen, die ein Unternehmen zur Erzielung fi-
. nanzieller Überschüsse benötigt (vgl. BayObLG AG 2006"
41, 44 = NZG 2006, 156, 159; OLG München AG 2007,
411,414; OLG Frankfurt AG 2012, 330, 334 = ZIP 2012,
371,- 372 (Ls.); Paulsen in: Münchener Kommentar zum
AktG, 3. Aufl., § 305 Rdn. 139; Hüttemann/Meinert in:
Fleischer/Hüttemann, Rechtshandbudh Unternehmensbe-
,
wertung, 2015,§ 7 Rdn. 24; Popp in: - Peemöller, Praxis-

handbuch der UnternehmensbeWertung, a:a.0., S: 188 f.).
Unter Berücksichtigung _dieser Ausgangslage war es
-sachgerecht, die Erträge
.
aus der Beteiligung an Scania
AB dem betriebenotendigen Vermögen zuzuordnen.
Hierfür spricht bereits der satzungsmässige Unterneh-
mensgegenstand der MAN SE, der vor allem 'auch in der
.Beteiligung ;an Unternehmen des Fahrzeugs- und Mo7
torenbaus liegt: Scania ist als Nutzfahrzeughersteller im -
selben Geschäftsfeld- tätig wie die MAN SE. Der bereits
vor dem Stichtag der Hauptversammlung veröffentlichte
Geschäftsbericht des Jahres 2012 weist auf S. 101 auf die
Kooperation der MAN SE mit der und
Scania AB hin, MAN bildet deMnach gemeinsam mit die-
sen beiden anderen Herstellern eine stärke Nutzfahrzeug-
.
Allianz,:ürn ein führender Akteur auf dem weltweiten Markt
für LKW -und 'Busse. zu. werden. Auch ermöglicht die
anz die -Hebung umfangreicher Synergiepotenziale, die
der Geschäftsbericht aber nicht näher 'Umreisst. Gerade
diese Nutzfahrzeug-Allianz, an der auch Scania AB betei-
ligt ist, macht deütlich, dass die Beteiligung an dieser Ge-
sellSchaft von strategischer Bedeutung
.
für die Erzielung
von ÜberschüsSen ist und folglich dem betriebsnotwendi-
gen Vermögen zugeordnet Werden muss. Dies gilt umso
mehr als angesichts dieser Bedeutung auch keinerlei An-
haltspunkte für eine baldige Veräusserungsabsicht beste-
hen werden.
Der Wert der Beteiligung an der Scania .AB auf der Basis
zu erwartender Erträge aus dieser Aktiengesellschaft floss
sachgereCht in den Ertragswert ein. Dabei verglichen die
Vertragsprüfer die geplanten Ergebnisse aus der Beteili-
gung an .Scania AB nicht nur zeitnah zum Ende ihrer Prü-
fungshandlungen,. Sondern auch. zum BeWertungsstichtag

anhand von Datenbankabfragen bei Bloomberg und an
hand von Analystenschätzungen. Aus der Analyse dieser
Abfrage resultierten für die Jahre:2013 bis 2015 niedrigere
prognostizierte Ergebnisbeiträge als im Rahmen der Be-.
Wertung berücksichtigt würden. Für - die Jahre 2016 und
2017 erhielten die Bewertungsgutachter lediglich zwei
bzw. eine Analystenschätzung aus ihrer Abfrage.. Daher "
verzichteten sie auf das Abstellen- auf diese einzelnen
Einschätzungen und entwickelten die :Beteiligungserträge
ausgehend. von 2015 mit dem Wachstumsfaktor von 1
p.ä. fort. Die Vertragsprüfer erhielten für die Jahre 2016
und 2017 höhere. Konsenssdiätzungen aus Bloornberg.
Allerdings lagen diese mit 1:67 Mir), und Euro 169 Mio. im
Vergleich "Zu den im Rahrinen der Unternehmensbewer-
tung herangezogenen Werte von Euro 161 Mio. bzw. Euro 162
Mio. um knapp_ 3,75 % bzw. rund 4,32 %. höher: Ang&
sichts einer auch hier nur- möglichen Schätzung auf der
- Grundlage von Prognosen eines öder mehrerer Analysten
können diese Abweidhurigen in einer. Grössenordnung von
weniger als 5 % die angenommenen Beteiligungserträge
nicht in Frage stellen. Wenn die .Konserisschättung - des
.
.
Jahres 2015 fertgeSchrieben wurde, ist dies angesichts
der zu beobachtenden Bandbreite von Analystenschät-
zungen und deren Ungewissheit in 'Bezug auf die _Richtig-
keit der Vorhersage künftiger Entwicklungen kein syste7
matischer Planungsfehler.
Die Vertragsprüfer verwiesen
in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 1.9.20-14 auf
den zur Plausibilisierung vorgenommenen Vergleich der
Marktkapitalisierung där Scania AB und mit den zum Be=
wertungsstichtag vorliegenden 12-Mänats-Kursprognosen
- der Analysten für Scania AB sowie auf den durchschnittli-

chen Börsenkurs der Scania .AB für die letzten drei; sechs,
zwölf und 24 Monate vor dem 26.4.2013; dabei ergab sich
nie ein -höherer Wertbeitrag alt nach der Bewertungssys- -
tematik, wie . sie von den . Bewertungsgutachtern von
angewandt wurde.
Eine Einbeziehung von Erkenntnissen, die die
über Scania hatte, konnte nicht erfolgen.i Die Ver-
tragsprüfer .fragten diesbezüglich ausdrücklich bei . der .
nach und erhielten die Auskunft, es lägen
keine weitergehenden bewertungsrelevänten Informatio-
nen zu Scania.AB vor. Dabei muss zum einen berücksich-
tigt werden,.dass vertiefte Erkenntnisse, die überöffentlich
verfügbare Informationen 'hinausgehen, aufgrund des -
schwedischen Aktienrechts nicht erlangt werden können..
Zudem besteht auch für die MAN SE ausserhalb einer:
Hauptversammlung der keine Möglichkei-
ten, auf rechtlich gesicherter Basis. im Sinne eines beste- _
henden Anspruches Informationen der zu
_erhalten. Ein Ariprüdh besteht nur im Rahmen der Haupt-
versammlung gemäss § 131 Abs. 1 AktG.
Globale. Realwachstumsprognosen und Inflationserwar
tungen mussten nicht in die Bewertung einfliessen, weil mit
deren Berücksichtigung. kein ErkenntnisgeWinn zu erwar-
ten war. Das Ertragswachstum eines Unternehmens kann
.
gerade nicht aus diesen Parametern abgebildet werden,
sondern basiert auf den Planungsunterlagen und -
analysen, die bei Scania - ebenso wie bei Sinotruk für die
MAN 'SE nicht in Erfahrung zu bringen waren. Wenn dann
wie hier auf die Prognosen von Marktteilnehmern .abge7
stellt wird, ist am besten siChergestellt, dass wenigstens
die extern verfügbaren wertbildenden Faktoren hinrei-

chend berücksichtigt werden; in den Abgleich auch mit der
Marktkapitalisierung, der hier eben zu keinen höheren.
VVerten führte, sind dann mittelbar auch die globale Real-
wachstumsprognose ebenso abgebildet wie Inflationser-
wartungen.
Das Fortschreiben der Dividenden blendet auch nicht
strukturelle Verbesserungen mit positiven Aussichten für
künftige konjunkturelle Zyklen unzulässigerweise aus. Da-
bei wurden erhebliche Synergieeffekte für Scania beach-
tet, weil sich diese öffentlich yerfügbasj en Informationen
bereits in den Aktienkursen von Scania AB abgebildet ha-
ben. Dennoch ergab eine Analyse, dass sowohl zum
Stichtag als auch in Bezug auf die 12-Monats-Prognose
der Kursentwicklung die Marktkapitalisierung niedriger lag
als die Annahmen der MAN SE für ihr Beteiligungsergeb. -
nis. Dies zeigt auch ein Vergleich mit der Ist-Entwicklung
des Aktienkurses der Scania AB nach dem Bewertungs-
stichtag; die insbesondere nach dem 20:9.2013 einen
rüCkläufigen Trend aufzeigte. Die Äusserungen. des Vor-
standsvorsitzenden der Scania AB erfolgten rund 3 % Mo-
nate nach dem Stichtag des Hauptversammlung der MAN
SE und können daher schon wegen der Stichtagsbezo-
genheit der Unternehmensbewertung keine abweichende)
Beurteilung rechtfertigen. Die Entwicklung der Börsenkur-
se von Scania nach dieser Äusserung mit einem rückläuf1 1
gen Trend rechtfertigt zudem nicht den Rückschluss auf
die Notwendigkeit einer Änderung der Planansätze für die
Beteiligung an Scania AB.
(bb) Keine Änderung muss hinsichtlich des At equity-Ansatzes
der Beteiligung an Sinotruk erfolgen.

Die Beteiligung an Sinotruk ist als betriebsnotwendig ein-
zustufen. Hierfür spricht neben dem Unternehmensgegen-
stand der MAI SE insbesondere die Überlegung, dass
über die Beteiligung an SinOtruk auch der 'chinesische
Markt bedient werden kann.
Die Schätzung des erwarteten Beteiligungsergebnisses an
Sinotruk geschah auf derGrundlage und unter. Hiniuzie-
hung . der JahreSübersdhuss-Konsensschätzungen von .
Analysten. Die für Sinotruk angesetzten Beteiligungserträ-
ge_ lagen dabei durchgängig Oberhalb- der Erkenntnisse
aüs Abfragen bei Bloömberg. Den BeWertungsgutaChtern
lagen für die beiden ersten Planjahre sieben bzw. -vier
Vorhersagen von Analysten vor;Sclie Vertragsprüfer zdgen.
für 2015 noch zwei weitere Analystenprognosen heran,
die indes wiederum unterhalb des für 2015 angenomme7:
nen JahresüberschusSes lägen .. - Der Abgleich zur
Marktkapitalisierung führte wie bei der Scania AB zu dem
Ergebnis,' dass alle, Vergleichswerte unterhalb der ange-
setzten Beteiligungsergebnisse lagen. Ein Abstellen äuf
das. globale Realwachstuni und Inflationserwarftingen
musste für Sinotruk aus denselben Gründen wie bei der
Scania AB nicht erfolgen. Hinzu kommt, dass gerade.
Sinotruk regionale Schwerpunkte' hat und nicht global.
agiert.
(cc) Diese Planansätze zu Scänia AB und Sinotruk werden
insbesondere auch nicht durch die Ausführungen im Pri-
vatgutachten von (Anlage BR-9) infrage
gestellt, die die Antragstellerin zu 142) hat vorlegen las-
sen. In diesem Privätgutachten bleibt vor allem unklar, wa-
rum dort von einem' Wachstum in 2016 und 2017 ausge-
gangen wird, aus deM Ergebnis aus weltweitem

Wachstum der Verkaufszahlen für mittelgrosse und
Schwerlastkraftwagen sowie die Inflation in der Eurozone
abgeleitet wird und die Grundlage einer steigenden Divi-
dende sein soll; das Ergebnis in den Jahren 2016 und
2017 mit 30 Mio. bzw. Euro 31 Mb. bleibt indes deutlich hin-
_ ter. den Wertansätzen der MAN SE mit 41 Mio. in den
Jahren 2015 bis 2017 zurückbleibt. Dieses Privatgutach-
ten nennt für Scania AB zudem keine hinreichende Be-
gründung, die den von MAN SE gewählten Ansatz der Di-
videndenzahlungen als unplausibel erscheinen lässt.
(b) Die Investitionsplanung mit Investitionen von Euro 763 Mb. und
Abschreibungen von 494 Mio. bedarf keiner Korrektur, auch
wenn .der Konzernabschluss 2013 InVestitionen von 558 Mio:
vorsieht Die.Investitionsplanung innerhalb der MAN SE erfolgt
zunächst bottorn up, wobei die einzelnen Standorte, Business
Units etc. die Investitionsabsichten melden, dies dann auf Ebe-
ne der Teilkonzerne aggregiert und anschliessend nach Über-
prüfung der Finanzierungsmöglichkeiten angepasst und freige-
geben wird. Den
:
Vertragsprüferri lagen Übersichten mit den
wesentlichen geplanten Investitionsprojekten vor, die nach den
einzelnen Bereichen getrennt waren. Demgemäss nahm der
Prüfungsbericht auch jeweils separat zur Investitionsplanung
Stellung. Aus dem Konzernabschluss zum 31.12.2013 mit ei-
nem geringer'en Investitionsvolumen kann kein Rückschluss auf
die Fehlerhaftigkeit der Planung gezogen:werden. Dabei muss
nämlich gesehen werden, dass der Stichtag für die Bewertung
nicht einmal das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2013 um-
fasste und es im Laufe eines Jahres zu auch unerwarteten Ver-
schiebungen bei der Investitionsplanung kommen kann. Die
Planverantwortlichen hielten insgesamt an dem Investitionsvo-
lumen für das Jahr 2013 fest, auch wenn es in den ersten vier

Monaten ein rückläufiges.Volumen gab, was die Vertragsprüfer
bei ihren Prüfungshandlungen im Zusammenhang mit der Ak-
tualisierung der Planung auch hinterfragten. Ein Bedarf für An-
,
passungen wurde auch in den Folgejahren nicht gesehen. Dies
muss gerade auch angesichts der Grösse der Investitionen als
jedenfalls noch plausibel eingeschätzt werden. Es ist für die
Kammer nachvollziehbar, dass angesichts der Komplexität von
Grossprojekten und entsprechenden Investitionsvorhaben Ver-
schiebungen nach hinten auftreten können, weil beispielsweise
laufende Vertragsverhandlungen, erforderliche Freigaben und
Genehmigungserfordernisse zusammen mit technischen De-
tailplanungen und sich verändernden Funktionsanforderungen
zu zeitlichen Abweichungen im Sinne auch von Verzögerungen
führen können.
Geplante Investitionen wirken sich naturgemäss auch, auf die
Entwicklung des jährlichen Abschreibungsvolumens aus, wobei
das Investitionsvolumen in den Jahren der Detailplanungspha-
se oberhalb des Abschreibungsvolumens liegen soll.
Die Kammer hat keinen Anlass, an der Investitionsplanung und
deren ordnungsgemässer Überprüfung durch die Vertragsprüfer
zu zweifeln.
(c)
Der Anstieg der Abschreibungen im Bereich MAN Truck & Bus
um 8,2 % p.a. ist nicht unplausibel, auch wenn die Investitionen
im Zeitablauf abnehmen. Das durchschnittliche jährliche
Wachstum der Investitionen liegt im Zeitraum von 2012 bis
2017 bei minus 0,5 %, während die Abschreibungen durch-
schnittlich um 8,2 % p.a. ansteigen. Die Investitionen des Jah-
res 2012 beinhalteten allerdings den Erwerb der Anteile an der
indischen Gesellschaft MAN Force Trucks Private Limited, wo-
bei aus diesem Erwerb keine Abschreibungen erwuchsen und

daher für einen Vergleich der Entwicklung seit 2012 aus diesem
Jahr zu eliminieren sind. Angesichts dessen betragen die rele-
vanten Investitionen in Sachanlagevermögen und immaterielle
Vermögensgegenstände von MAN Truck & Bus im Jahr 2012
"nur" Euro 492 Mio., die auf Euro 625 Mio. im letzten Jahr der Detail-
planungsphase ansteigen, woraus sich ein jährliches durch-
schnittliches Wachstum von 4,9 % errechnet. Die Investitionen
liegen in allen Planjahren über den Abschreibungen, weshalb
ein fortlaufender Anstieg der Abschreibungen als nachvollzieh-
bar bezeichnet werden muss. Angesichts wachsender Umsätze
und Investitionen in den Jahren 2013 bis 2017 ist der leichte
Anstieg der Abschreibungsquote auf knapp 3 % der Umsatzer-
löse nicht zu beanstanden.
(d) Die Planung der Wechselkurse bedarf keiner Veränderungen
durch das Gericht. Dabei erfolgte die Konzernplanung, die der
Bewertung zugrunde liegt, in Euro; selbst wenn einzelne län-
derspezifische Planungen originär in Fremdwährung 'erstellt
wurden, erfolgte eine Umrechnung in Euro. Dabei werden die
Wechselkurse zentral vom Cohtrolling der MAN SE vorgege-
ben, wobei diese Einheit grundsätzlich von den Spot Rates zum
Zeitpunkt der jeweiligen Planungserstellung ausging. Diese An-
nahmen können der Planung der Wechselkurse zugrunde ge-
legt werden. Die Auswirkungen von Wechselkursschwankun-
gen bei der MAN SE sind dabei gering. Bei ausländischen
Standorten oder Gesellschaften fallen Erträge und Aufwendun-
gen häufig in gleicher Währung an, weshalb ein sogenannter
"natural hedge" vorliegt Wechselkurseffekte sind insofern nur
bei einem verbleibenden Fremdwährungsüberhang relevant. Al-
lerdings wurden innerhalb des MAN-Konzerns zur Reduzierung
der. Auswirkungen von Wechselkursschwankungen die wesent-
lichen Wechselkursrisiken 'durch Währungsderivate wie Devi-

sentermingeschäfte und Devisenoptionen abgesichert. Dabei
wiesen die Vertragsprüfer in ihrer ergänzenden Stellungnahme
vom 1.9.2014 darauf hin, dass die Gesellschaft insbesondere
fest kontrahierende Kündenaufträge, Bestellungen sowie For-
derungen und Verbindlichkeiten in Fremdwährung -en absichern,
soweit die Währungen keine hohe -Korrelation zum Euro 'auf-
weisen. Derartige Fremdwährüngsrelationen sind. US-Dollar
zum brasilianischen Real, brasilianischer Real zum Euro und
Britisches Pfund zum Euro.
Zur Plausibilisierung der Planannahmen nahrhen die Vertrags-
prüfer eine Gegenüberstellung der geplanten WeChselkurSe mit
den entsprechenden Forward Rates im Vorfeld der Hauptver-
sammlung vom 6.6.2013 vor. Die geplanten
.
Wechselkurse -la-
gen dabei - von weniaen Ausnahmen abgesehen nämlich dem
US-Dollar für 2013 und 2016 sowie dem Britischen Pfund für
2013 - .regelmässig Unterhalb der Färward Rates zum Bewer
tungsstichtag. Die Ausnahmen: betrugen für den - US -Dollar im
Jahr 2013 rund 2,5 % und 'für die übrigen zwei Währungspaare
jeweils weniger als 1 %. Die niedrigeren Planwechselkurse füh-
ren zu höheren Euro-Urnsat±erlöSen im Vergleich mit den von
den Vertragsprüfern herangezogenen Forward Räten. insoweit
haben die geplanten Wechselkurse keinen weilmindernden Ef-.
fekt. -
Eine weitere Prüfung, um wieviel Prozent sich die Gesamtum-
.
satzerlöse erhöhen oder vermindern, wenn sich der Wechsel-
kurs gegenüber den geplanten Kursen ändert; musste nicht er-
folgen. Dies rosul.jit aus der untergeordneten Bedeutung von
Wechselkurseffekten auf die Rentabilität der MAN SE, weil eine-
10 %-ige Auf- öder Abwertung des Wechselkurses Euro/US-
Dollar nahezu keine Veränderung des F'eriodenergebniSses mit
sich bringt. Beim Wechselkurs Eurö/Brasilianischer Real komint

es zu einer Veränderung des Periodenergebnisses von
plus/minus Euro 15 Mio. und beim Wechselkurs Euro/Britisches
Pfund von plus/minus Euro 4 Mio., was im Jahr 2013 mit dem nied-
rigsten prognostizierten Jahresüberschuss lediglich eine Ver-
änderung von rund 2,9 % und im Jahr 2017 von nicht einmal
mehr 1,2. % ausmachen würde. Beim Wechselkurs Eu-
ro/britisches Pfund sind die Veränderungen nochmals deutlich
geringer. Sie lagen jedenfalls innerhalb einer Bandbreite prog-
nostizierter Werte, die in jedem Fall als plausible Planannah-
rnen bezeichnet werden müssen.
(e) Keiner Korrektur bedürfen die Annahmen zum Finanzergebnis.
(aa) Der Ansatz eines pauschal mit 1 % angesetzten Gutha-
benzinssatzes ist plausibel. Die Vertragsprüfer verwiesen
zur Begründung zutreffend auf die zum Bewertungsstich-
tag bestehenden Konditionen für die kurzfristige Anlage li-
quider Mittel etwa. als Tagesgeld und als niedrigen 3-
Monats-Euribor von weniger als 1 %. Im integrierten Pla-
nungsmodell der Gesellschaft trat eine Guthabenverzin-
sung nur im ersten Planjahr auf. In den folgenden Jahren
kommt es aufgrund der Saldierung der verzinslichen liqui-
den Mittel mit den verzinslichen Schulden zu einem Netto-
schuldüberhang. Da dieser höher verzinst ist als die liqui-
den Mittel, wirkt die Saldierung zu Gunsten der Höhe des
Unternehmenswertes.
(bb) Das Zinsergebnis wurde sachgerecht ermittelt und be-
steuert. Die Ermittlung erfolgte ausgehend von den ver-
zinslichen Fremdkapitalbeständen unter Berücksichtigung
der bestehenden Kreditverträge und Schuldverschreibun-
gen, Anleihen und Pensionsverbindlichkeiten im Rahmen

einer integrierten Bilanz- und Finanzplanung unter Be-
rücksichtigung der geplanten Thesaurierung bzw.. Aus-
schüttungen. Dabei wurden entsprechend den vertragli-
chen Vereinbarungen durchschnittliche jährliche Zinssätze
zwischen 3 % und 4 % angesetzt.
(f)
Die Unternähmenssteuern wurden sachgerecht dadurch ermit-
telt, dass das Ergebnis vor Steuern angeSichts unterschiedli-
cher Steuersätze und unter zutreffender Berücksichtigung steu-
erlicher Verlustvorträge in fünf Steuercluster aufgeteilt wurde;
diese betreffen den deutschen ertragssteuerlichen Organkreis,
Renk, die Euro Leasing, MAN Latin America sowie den Rest
der Welt Für die deutschen Steuercluster wurden sowohl für
Gewerbesteuer- als auch für KörperschaftsteuerzweCke die
Regelungen zur Mindestbesteuerung in § 8 KStG in Verbindung
mit § 10 d EStG und § 10 a GewStG berücksichtigt und verblei-
bende steuerliche Verlustvorträge in daS Folgejahr vorgetragen.
Zudem kam es in einzelnen Steuerdustern zu Hinzurechnun-
gen zur steuerlichen Bemessungsgrundlage mit dem Ziel der
Korrektur steuerlich nicht abzugsfähiger Aufwendungen. In
Deutschland wurde dabei eine. gesetzliche Körperschaftsteuer-
belastung von 15 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag sowie
Gewerbesteuer unter Berücksichtigung des jeweils massgebli-
chen Gewerbesteuerhebesatzes angesetzt. Für den Bereich
MAN Latin America - also Steuercluster 4 - stellte die PInnung
ebenso zutreffend wie für die deutschen Steuercluster auf den
im jeweiligen Land gültigen Steuersatz ab; in Brasilien beträgt
die Unternelrrnenssteuertelastung nominai 34 %. Für die übri-
gen Länder setzte die Gesellschaft die jeweiligen länderspezifi-
schen Steuersätze an, die dann mit einer Abschätzung der in
den einzelnen Ländern erzielten Ergebnisanteile gewichtet
wurden.

Die zunehmende Steuerquote im Laufe der Detailplanungspha-
se steht der Plausibilität nicht entgegen, weil der Anhtieg ange-
sichts des sukzessiven Verbrauchs vorhandener steuerlicher
Verlustvorträge im Verlauf von Phase I als zwingend anzuse-
hen ist.
(g) Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen vermag
auch in Relation zum Umsatzwachstum keinen Änderungsbe-
darf bei den Planannahmen auszulösen, auch wenn die sich
vor allem aus den Kosten aus Forschung & Entwicklung,' Wert-
berichtigungen auf Vorräte und Förderungen, Aufwendungen
aus Finanzdienstleistungen, Sondervorgängen, Rechts-, Prü-
fungs- und Beratungskosten, Aufwendungen aus Finanzinstru-
menten und übrigen Aufwendungen zusarnmensetzenden Posi-
tionen absolut von Euro 877 Mio. im Geschäftsjahr 2012 auf Euro 1,5
Mrd. in 2017 ansteigen, was in Relation zu den Umsafterlösen
einer von 5,6 % auf 6,8 % steigenden Quote entspricht. Dieser
quotale Anstieg beruht vor allem auf dem Ansatz der Kosten für
Forschung & Entwicklung mit Schwerpunkten bei MAN Truck &
Bus sowie MAN Diesel & Turbo. Aus den gesamten betriebli-
chen Aufwendungen soll der Anteil für Forschung & Entwick-
lung von rund 49 % im Geschäftsjahr 2012 auf etwa 57 % im
letzten Planjahr ansteigen. Innerhalb des Gesamtkonzerns wird
ein Anstieg der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen' in
Relation zu den Umsatzerlösen von ca. 2,7 % in 2012 auf 3,8 %
im Planjahr 2017 erstrebt. Zur Begründung dieser Entwicklung
verwiesen die Vertragsprüfer in ihrer ergänzenden Stellung-
nahme auf die Notwendigkeit ständiger Produktoptimierungen
und Innovationen, die getrieben werden durch den Trend zur
Reduktion von Emissionen und der Betriebskosten eines LKW.
Dabei hat die Kundentreue nachgelassen; im Fokus für die
Kaufentscheidung stehen vor allem die Betriebskosten. Staatli-

che Regulierungen führen zur Notwendigkeit der Reduzierung
von Emissionswerten, was nur über innovative Produkte er-
reicht werden kann; dies wiederum zieht erhebliche Kosten für
Forschung & Entwicklung nach sich. Die Analyse der Vergan-
genheit, aber auch von VVettbewerbern wie Scania AB zeigt,
dass die Kosten für Forschung & Entwicklung sukzessive ge-
steigert wurden, ohne dass sich dies in einem gleichlaufenden
Anstieg der Umsatzerlöse niedergeschlagen hätte. Bereits dies
zeigt, dasS die Planannahmen nicht korrigiert Werden müssen.
Im SchWerpunktbereich bei MAN Truck & Bus ist daneben ins-
besondere noch zu sehen, dass diese einhergehen mit einem
durchschnittlichen .jährlichen Umsatzwachstum von etwa 5,2 %,
was angesichts der Märkte in denen MAN Truck & Bus seine
Schwerpunkte hat, nicht zwingend als "marginal" eingestuft
werden kann,
Bei MAN Diesel & Turbo erwartet die Gesellschaft, dass es be
reits durch einen leichten Anstieg der Aufwendungen für For-
schung & Entwicklung gelingen wird, die führende Stellung in
der Entwicklunb effizienter Motoren sowie die Turbomaschinen
zu halten, wobei die Rahmenbedingungen hinsichtlich Emissio-
nen; Effizienz und Betriebskosten hier genauso Gültigkeit be-
anspruchen wie bei MAN Truck & Bus.
(h) Die Ansätze der sonstigen betrieblichen Erträge müssen unge-
achtet ihrer rückläufigen Entwicklung in Relation zum Anteil an
den Umsatzerlösen als plausibel angesehen werden. Die man-
gelnde Plausibilität lässt sich dabei. namentlich nicht Mit dem
Vergleich zu den sonstigen betrieblichen Aufwendungen gegen-
läufigen Entwicklungen begründen. Ein korrespondierender Zu-
sammenhang zu den sonStigen betrieblichen Aufwendungen
besteht lediglich bei den Erträgen aus deh Finanzdienstleistun-
gen, bei denen ein Wachstum von durchsöhnittlidh 4,3 % p.a.

angenommen wird. Dieser Teilbereich enthält vor allem die Er-
träge aus den Geschäften der MAN Finance, die der Vertriebs-
unterstützung von MAN Truck & Bus dient, aber auf deutlich
weniger regionalen Märkten aktiv ist als MAN Truck & Bus. Die
von MAN Finance angebotene Form der Finanzierung findet
nämlich vor allem auf mit Deutschland vergleichbaren Märkten
statt. Angesichts der Unterschiedlichkeit de( Regionen, in de-
nen MAN Finance und MAN Truck & Bus tätig sind, kann aus
dem niedrigen Wachstum nicht auf die Fehlerhaftigkeit der Pla-
nung geschlossen werden. Es muss dabei 'zudem beachtet
werden, dass gerade die Merkte Westeuropas relativ gesättigt
sind. So geht beispielsweise das Bewertungsgutachten von
von einem durchschnittlichen Wachstum des
LKW-Marktes von 3,3 % p.a. von 2012 bis 2017 aus, während
in den Schwellenländern insgesamt höhere Zuwachsraten
prognostiziert werden, wo MAN Finance indes nicht vertreten
ist.
Der Rückgang der EBIT-Marge im Jahr 2013 auf 3;5 % trotz ei-
nes Anstiegs der Bruttoergebnismarge von 20,8 % auf 21,1 %
bei unveränderten Vertriebs- und Verwaltungskosten ist nicht
geeignet, die Plausibilität der Planannahmen infrage zu stellen.
Die EBIT-Marge ergibt sich letztlich aus der rechnerischen Ab-
leitung der dabei zu berücksichtigenden Positionen aus der Er-
trags- wie der Aufwandsrechnung. Die Verschlechterung beruht
vor allem auf der Veränderung der betrieblichen Erträge und
Aufwendungen. Da deren Ansätze plausibel sind, kann für die
Marge nichts anderes gelten.
(8
) Mögliche Synergieeffekte wurden im Rahmen der Planung, und der
Bewertung angemessen berücksichtigt.

Bei der Ermittlung des Ertragswerts im Zusammenhang mit aktien-
rächtlichen Strukturmassnahmen finden angesichts des grundlegen-
den Stand-alone-Prinzips nur solche Synergien oder Verbundeffekte
Berücksichtigung, die auch ohne die deplante Strukturmassnahme
durch Geschäfte mit anderen .Unternehmen hätten realisiert werden
können (vgl. OLG Stuttgart NZG 2000, 744, 745 f. = AG 2000, 428,
429; AG 2011, 420; BayObIG AG 1996, 127, 128; LG München I,
Beschluss vorn 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12; Zeidler in: Sem-
ler/Stehdel, UnriwG; 3. Aufl., § 9 Rdn. 47).
(a) Die. berücksichtigungsfähigen unechten Synergien -wurden in
den Planjahren ansteigend bis hin zu einem Wert von Euro 125
Mio. im letzten Jahr der Detailplanungsphase angesetzt. Finan-
- zierungsvorteile aus dern Verbund mit där VOlksWagen AG er-
geben sich bereits- aus der Vergangenheit, wobei dabei auf den
jeweiligen bestehenden .Finanzierungsmitteln aufgesetzt wurde
unter Fortentwicklung mit den jeweiligen Zinssätzen. Die Refi-
nanzierung im Termihal Value setzt auf diesem linsAatz und .
einerri entsprechenden Spread auf, der aus einem Vergleich mit
einer Anleihe von abgeleitet Wurde, wobei die Abweichun-
gen zur Minimal nach oben oder unten waren.'
.Eine weitere BerückSichtigung musste deShalb nicht erfolgen.
(b) Derhgegenüber waren Synergien mit Scania angesichts des ln-
növationsVorsprungs. diPses, Herstellers nicht 7u .herückgichti.-
gen mit der Felge; das rs die Kosten, für Forschung & Entwick-
lung auch nicht herabgesetzt werden müssen. Bei -der Zusam- .
mei .2;3e;t
.
UhLii i9 &
Entwicklung". handelt es sich regelmässig um solche Synergien,
die nicht zu berücksichtigen sind. Zudem wiesen die Verant-
wortlichen des Geschäftsbereichs MAN, Truck & Bus die Ver-
tragsprüfer
,
darauf hin, .dasS diesbezüglich Ideen mit lnformati-

onszuarbeiten an Scania scheitern würden. Daher musste die
Planung keine Synergien aus Forschung & Entwicklung ablei-
ten. Diesen Ansatz erachtet die Kammer für nachvollziehbar
und plausibel, weil Synergien aus dem Bereich "Forschung &
Entwicklung" das technische Kernkonzept eines Unternehmens
berühren, die ohne vertragliche Vereinbarung regelmässig nicht
erfolgen werden. Zudem kann nicht unberücksichtigt bleiben,
dass der avisierte Vertrag im Einzelfall auch scheitern kann; hat
- worauf zutreffend hinwies
- ein Vorstand derartiges Know how ohne vertragliche Grund-
lage herausgegeben, besteht ein hoher Rechtfertigungsgrund
gegenüber den eigenen Aktionären. Zudem kann er sich Scha-
densersatzansprüchen ausgesetzt sehen. Daher bestehen ge-
gen die Einordnung der Synergien aus Forschung & Entwick-
lung als echte Synergien keine Bedenken.
Diesem Ansatz kann namentlich nicht entgegen gehalten wer-
den, bei anderen Herstellern wie beispielsweise zwischen
und und Mercedes-Benz erfolge eine Koope-
ration auch ausserhalb eines Vertragskonzerns. Das Unterneh-
menskonzept der MAN SE sah nämlich nicht vor, über vertrag-
liche Vereinbarungen mit Scania könnten unechte Synergien
gehoben werden. Eine hinreichende Konkretisierung der.Wur-
zeltheorie lässt sich nicht bejahen. Da'nach sind nämlich bei der
Ermittlung des UnternehmenSwertes entsprechend: den
Grundsätzen der Wurzeltheorie nur solche Faktoren zu berück-
.
sichtigen, die zu .den am Stichtag herrschenden Verhältnissen
bereits angelegt waren (vgl. nur BGHZ 138, 136, 140; 140, 35,
38; OLG Düsseldorf WM 2009, 2220, 2224; OLG Stuttgart NZG
2007, 478, 479- ; AG 2008; 510, 514; LG München I, Urteil vom
18:1.2013, Az. 5HK 0 23928/09; Beschluss vom 24.5.2013;
Beschluss vom. 28.3.2014, Az. 5HK O' 18925/08; Beschluss
vom 28.5.2014, Az: 5 HK 0 22657/12, S. 74; BeschluSs vorn

6.3.2015, Az. 5HK 0- 662113; Riegger Kölner Kommentar
zum AktG, 3: Aufl., Are § 11 SpruchG Rdn_ 10; Rieg-
ger/Wasmann in: Festschrift für Goette, 2011, S: 433, 435;
Grossfeld, Recht der Unternehmensbeviertung, 7. Aufl., Rdn.
315). Eine derartige Konkretisierung, die vor allem auch über
blosse Ideen hinausging und bereits in konkrete Verhandlungen
gemündet wäre, konnte nicht
bestätigen. Es gab danach keine Verträge mit Scania;. aber
auch in den von ihm ausgewerteten Sitzungsprotokollen der
Orgäne fanden sich keinerlei Hinweise auf Verhandlungen über
solche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem LKW,
Hersteller Scania. Auch die Frage nach Verhandlungen stellten
die Vertragsprüfer bereits zu Beginn ihrer Prüfungen, erhielten
aber eine verneinende Antwort.
Soweit es: uni Beträge ging, die in Zusammenhang mit echten
Synergien geplant waren, kommt eine Berücksichtigung bei der
Planung bereits aus der Grundüberlegung heraus nicht- in Be-
tracht, nach der echte Synergien bei der Unternehmenswerter-
mittlung nicht einbezogen werden können. Abgesehen davon
fehlte 'es auch hier an' einer Konkretisierung dergestalt,- dass
Buchtingen_ ihrer Auswirkungen möglidh gewesen-wären:
wies in diesem Zusammenhang im
Termin vom 1.10.2014 darauf hin, es habe keine Informationen
seitens Scania AB für diese eöhten Synergien gegeben.
Soweit in dem von der Antragstellerin zu 142) Vorgelegten Pri-
vatgutachten von vom 25.4.2014 (Anlage BR-
. 12) dafaur .vei-vviesei-i wild, bei der Höhe. der Synergien blieben
die sich aus gesteigerter Verhandlungsmacht für künftige Ver-
träge ergebenden: Einkaufssynergien zu Unrecht ausser Be-
tracht, muss dem entgegen gehalten werden, dass gesteigerte
Verhandlungsrnacht den Abschluss, eines .Beherrschungs- und

Gewinnabführungsvertrages voraussetzt und es sich folglich
um unechte Synergien handeln muss. Die Höhe der Einkaufs-
synergien wurde daher zutreffend auf der Grundlage beste-
hender Verträge ermittelt. Aus dem Übernahmeangebot für Ak-
tien der Scania AG seitens der können ange-
sichts des Zeitpunktes vom 14.3.2014 - etwas mehr als neun
Monaten nach der Hauptversammlung der MAN SE vom
6.6.2013 - keine Rückschlüsse dergestalt gezogen werden, es
seien Synergien zu niedrig angesetzt werden.
Der allgemeine Hinweis auf die Nutzung von Synergien mit dem
im Geschäftsbericht 2012 kann die obi-
gen Überlegungen nicht infrage stellen. Zum einen verwiesen
die Vertragsprüfer bei ihrer Anhörung darauf, dass ihre Überle-
gungen zur Existenz von SVnergien und zur Abgrenzung in ech-
te und unechte Synergien in gleicher Weise für die
gelten. Vor allem aber kann aus diesem Hinweis im Ge-
schäftsbericht der MAN SE für das Jahr 2012 eine Differenzie-
rung des Umfangs von echten und unechten Synergien nicht
abgeleitet werden, wie diea für eine Ertragswertermittlung indes
von zentraler Bedeutung ist. Die Hinweise zu Synergien im Ge-
schäftsbericht für das Jahr 2012 nehmen gerade keine Diffe-
renzierung zwischen echten und unechten Synergien vor, wes-
halb daraus kein Rückschluss auf unPlausible PIanansätze ge-
zogen werden können.
(9) Die Planansätze für die Ewige Rente ab 2018 ff. müssen nicht ver-
ändert werden.
(a) Das Ende der Detailplanungsphase nach fünf Jahren im Jahr
2017 bedarf keiner Korrektur. Weder ist die angesetzte Detail- '
planungsphase zu kurz noch muss eine Grobplanungsphase

zwischen dem Ende der Phase I und dem Beginn des Terminal
Value eingeschoben werden.
- (aa) Die Zeitspanne von fünf Jahren entspricht einer üblichen
. Dauer und ist dabei - wie der Kammer aus einer Vielzahl
von Spruchverfahren bekannt ist am oberen Rand des
üblichen Zeitrahmens-en drei bis fünf Jahren angesiedelt.
Die Frage, für welchen Zeitraum eine Unternehmenspla-
nung erstellt wird; steilt sich als.-eine unternehmerische
Entscheidung des Vorstandes dar, die insbeSondere auch -
nicht dem Einfluss des Vertragsprüfers unterliegt und auch
vorn Gericht nur eingeschränkt überprüft werden kann. Bei
der Länge der Detailplanungsphase, die der VorStand fest-
legt, ist zu berüCksichtigen, dass-die PrOgnöSegenauigkeit
im. Zeitablauf naturgemäss immer weiter abnimmt und folg.-
lich mit einer längeren Detailplanungsphase kein Erkennt.
nisgewinn erwartet werden könnte.
(bb) Entgegen der Auffassung einer Reihe von Antragstellern
musste keine Grobplanungsphase vor _der Ableitung der
- Ewigen Rente eingeSchoben. Werden; .vielmehr kann am
Ende der -Detailplanungsphase von einem eingeschwur;
genen Zustand ausgegangen werden. Dies ist dann der
Fall, wenn sich VermögenS-, Finanz- und Ertragslage des . .
BeWartungsobjektes am Ende von Phase 1 im sogenann-
.
ten Gleichgewichts- oder BeharrungSzustand befinden . -.
und sich die zu kaPitaliSierenden ErgebnisSes annahme-
gernafs nicht mehr wesentlich .veranciern bzw. mit einer -
konstanten Rate, der mit -dem -, Wachstumsabschlag 'im
Kapitalisierungszinssatz. Rechnung getragen wird, .rierän7
dern. Dabei zeichnet sich die Ewige .Rente durch die Be-
rücksichtigung langfristiger Entwicklungstendenzen bei der

Projektion der in der Detailplanungsphase gewonnenen
Erkenntnisse aus (vgl. OLG Stuttgart; Beschluss vom
14.9.2011, Az. 20 W 7/08 - zit. nach juris; Simon/Leverkus
in: Simon, SpruchG, 1. Aufl., Anh. § 11 Rdn. 72; Paulsen
in: Münchener Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 305 Rdn.
97).
Das Erfordernis der Einschaltung einer Grobplanungspha-
se wird regelmässig bei Unternehmen angenommen, die in
innovationsgetriebenen VVachsturnsmärkten tätig sind.
Dies kann bei der MAN SE nicht angenommen werden,
weil sie in ihren Geschäftsfeldern seit langem etabliert ist
und sie ausgereifte Produkte anbietet, die preis- und kos-
tensensitiv reagieren und bei denen eine Abhängigkeit von
Konjunkturzyklen besteht. Dem lässt sich nicht der Ansatz
von über dem Abschreibungsniveau liegenden Investitio-
nen und die laufend steigenden Aufwendungen .für Forc
schung & Entwicklung entgegenhalten, weil diese im Zu-
sammenhang mit den Ergebnisverbesserungen gesehen
werden müssen, wie sie in Phase I geplant waren. Der
Umstand, dass die Investitionen über den Abschreibungen
liegen, beruht darauf, dass es sich nicht um Erweiterungs-
investitionen, sondern. um den Ersatz vorhandener Pro
dukte handelt. Dabei wiesen die Vertragsprüfer darauf hin,
dass der Wert von 5 % für Forschung & Entwicklung bei
MAN Truck & Bus als Zielquote angesehen wird, um sich
auf den Märkten behaupten zu können. Auch bei der Be-
urteilung des Gleichgewichtszustandes und dem Umfang
für Kosten bei Forschung & Entwicklung müssen die zu-
nehmenden Anforderungen bezüglich der Betriebskosten
und der. Emissionswerte beachtet werden, die aber nicht
die Annahme entkräften können, es liege ein einge-
schwungener Zustand vor.

Auch die Zahlen zur Kapazitätsauslastung bei MAN Truck
& Bus rechtfertigen nicht den Rückschluss auf das Erfor-
dernis einer Grobplanungsphase. Am Ende von Phase I
ist dabei von einer bei 70,8 % liegenden Auslastung ent-
sprechend der Erkenntnisse aus der dritten ergänzenden
Stellungnahme auszugehen. Im Jahr 2017 war ein Absatz
von 92.737 LKW-Einheiten geplant, während die techni-
sche Kapazität bei rund 131.000 LKW liegt. Dabei kann
nicht von der Normkapazität der Standorte München,
Salzgitter, Steyr, und Krakau mit rund 184.000 LKW aus-
gegangen werden, weil an den hierfür vorgesehenen
Standorten und München nur 131.000 Fahrerhäuser her-
gestellt werden können. Es ist jedenfalls für die Kammer
unmittelbar einleuchtend, dass ein LKW ohne Fahrerkabi-
ne nicht im Strassenverkehr eingesetzt werden kann. Das
Vorhandensein von rechnerischen Überkapazitäten
schliesst die Annahme eines eingeschwungenen Zustan-
des indes nicht aus, weil dieser eine Vollauslastung nicht
zwingend voraussetzt. Wesentlich ist vielmehr die Nach-
frage nach den Fahrzeugen am Markt. Auch kann nicht
unberücksichtigt bleiben, dass die Kapazitätsauslastuna
bei MAN Truck & Bus mit einem Zwei-Schicht-Betrieb bei
fünf Arbeitstagen pro Woche erreicht wird, weshalb eine
erhöhte Nachfräge sehr wohl auch über die "Personal-
schiene" abgefangen werden kann und gerade keine zu-
sätzlichen Investitionen für die Fertigung neuer Produkti-
onsstrassen getätigt werden müssen.
Gegen die Notwendigkeit; eine Grobplanungsphase zu
modellieren, spricht auch die weitere Erwägung, dass im
gesamten Bereich "Commercial VehiCles" - mithin IDAi
MAN Truck & Bus sowie MAN Latin Arnerica - keine Er-
weiteiungsinvestitiönen geplant waren, wie die Vertrags-

prüfer erläutert haben. Wenn im Bereich MAN Latin Arne-
rica am Rande der Kapazitätsgrenze gearbeitet wird, wäh-
rend diese bei MAN Truck & Bus nicht erreicht sein sollte,
so besteht gegebenenfalls auch die Möglichkeit des Ein-
satzes von Kapazitäten bei MAN Truck & Bus für den la-
teinamerikanischen Markt, nachdem die in Europa einge-
setzte Baureihe schwerer LKW TGX ausweislich des Ge-
schäftsberichts 2012 in diesem Jahr in Brasilien eingeführt
und lediglich speziell für die Bedürfnisse des dortigen
Marktes angepasst wurde.
Die Situation der Gesellschaft in Indien rechtfertigt gleich-
falls nicht das Erfordernis der Modellierung einer Grobpla-
nungsphase. Zum einen weist MAN dort einen Fahrzeug-
und Umsatzanteil von weniger als 1 % aus. Zum anderen
werden angesichts der geänderten Modellpalette in Phase
I dort auch keine Überschüsse erwirtschaftet.
Die von den Vertragsprüfern vorgenommenen Prüfungs-
handlungen zur Analyse der Möglichkeit des unmittelbaren
Übergangs in die Ewige Rente ab 2018 ff. müssen als
ausreichend angesehen werden. Sie analysierten die
Entwicklung von Umsatz, EBIT und EBIT-Marge und
nahmen auch einen Vergleich mit Peer Group-
Unternehmen vor. Ebenso lag den Vertragsprüfern eine
längerfristige Datenvorhersage der Business Intelligente
Unit vor, die für Deutschland negative Trends aufwies.
Auch die Entwicklung in Frankreich ist als tendenziell rück-
läufig zu bezeichnen, während im Vereinigten Königreich
allenfalls ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen ist,
was auch für die Russische Föderation und die Türkei gilt.
Diese Markteinschätzung steht der Annahme eines
Gleichgewichtszustandes nicht entgegen, weil kein über-

proportionales Wachstum der Gesamtabsatzzahleb in die-
sen Märkten zu erkennen ist. Im Jahr 2017 sollen danach
am gesamten Markt in diesen fünf Ländern 381.200 LKW
abgesetzt werden, während dies im Jahr 2022 387.200
sein sollen. Die Entwicklung auf diesen Märkten, die etwa
70 % des Absatzvolumens in Europa ausmachen, weist
eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 0,3 %
aus, wobei ein Höhepunkt im Jahr 2019 liegen soll. Dies
zeigt indes, dass die Annahme eines Gleichgewichtszu-
standes nach dem Ende der Detailplanungsphase als an-
gemessen und plausibel bezeichnet werden muss.
Die Prognosen externer Studien vor allem von
lHS
für die
Jahre 2018 bis 2025 oder von LMC mit langfristigen Prog-
nosen bis in das Jahr 2028 sind nicht.' geeignet, diese
Überzeugung der Kammer infrage zu stellen.. MAN Truck
Buä ist in der Investitionsgüterindpstrie tätig, die - wie
bereits erwähnt - stark abhängig ist von der Entwicklung
der Gesamtkonjunktur. In dieer Situation ist eine einzig
zutreffend Prognose, die dann zwingend einer Unterneh-
mensbewertung zugrunde gelegt werden könnte, ausge-
schloäsen. Dabei fällt insbesondere auch ins Gewicht,
dass die Vorhersagegenauigkeit Mit zunehmenden Zeit-
verlauf zwangsläufig deutlich abnehmen muss, weil der
Konjunkturverlauf über längere Zeiträume angesichts der
vielfältigen, auch geopolitischen Entwicklungen, von de-
nen er abhängt, nicht präzise vorhergesagt werden kann.
Demgemäss weisen nur wenige Monate später aufgestellte
Aktualisierungen derartiger Prognösen bereits deutliche
Veränderungen auf. Verlässliche Vorhersagen über einen
Zeitraum von 10 bis hin zu 15 Jahren sind daher kaum
möglich. Wenn diese externen Prognosen dann nach Ab-
gleichung und Vergleich mit den unternehmenseigenen

EinSchätiungen der BuSiness Intelligence Unit nicht zur
Grundlage einer Ableitung der in der Ewigen Rente_ mass-
geblichen Zahlen herangezogen werden, steht dies der
Plausibilität der geplanten Annahmen nicht von vornherein
'entgegen. Die Unreglichkeit sicherer Vorhersagen zeigen
auch die 'Geschäftsberichte der wesentlichen Wettbewer-
ber, die auch in die Peer Group der Vertragsprüfer aufge-
. normen wurde. In den jeweiligen Lageberichten der Ge-
schäftsberiChte für das Jahr 2012 finden sich EinsChät-,
- zungen, über den Gesamtabsatzmärkt der Marktvolumina
über das Jähr .2017 hinaus nur in zwei Einzelfällen der
Daimler AG. und von Scänia AB. Der Lagebericht der
'Daimler AG verwies auf die Expansion auf ein Absatzvo-
lumen von mehr als '700.000 Einheiten bis zum Ende des
Jahrzehnts, ohne dass daraus unmittelbar Schlussfolge-
rungen. zur Marktentwicklung gezogen werden könnten: .
Aus der Aussage im Lagebericht der Scania AB zu -wirt-
schaftlichen Vorhersägen über das Wachstum der Trans-
Portkapazitäten bis 2030 um 60 -% können keine. Folge-
rungen zur Angemessenheit: oder Unangemessenheit der

Ewigen Rente für die MAN SE abgeleitet werden; nach-
dem diese AusSage sehr pauschal gehalten ist. Die grosse
Mehrzahl- der-Wettbewerber gab . indes in ihren Lagebe-
richten Prognosen der Markteinschätzüngen üblicherweise
nur bis zu zwei Jahren im Voraus ab. Auch dies bestätigt,
'dass Vorhersagen über zehn oder noch mehr Jahre ver-
, läSslich nicht möglich sind.
Eine GrobplanüngsPhase musste ebenfalls nicht bei MAN
Diesel & Turbo modelliert werden. MAN Diesel & Turbo ist
seit Jahren am Markt etabliert, wobei die relevanten Märk-
te konjunkturellen Zyklen unterliegen wie sich allerdings
aufgrund der Zusämmenfassung der drei strategischen

Geschäftsbereiche Engines & Marine SySterns, Power-
plans und Turbomaschinen sich gegenseitig überlagernde
Effekte ergeben. Gerade wegen dieser .Effekte bei dem
differenzierten Produktportfolie kann nicht von .langfristi-
gen lnvestitions- oder PrOduktlebenszyklen sowie mittel-
bis langfristigen überdurchschnittlichen Wachstums- oder
Renditeaussichten gesprochen werden, die üblicherweise
die Notwendigkeit einer Grobplanungsphase nach sich
ziehen. Verbleibende steuerliche Verlustverträge wUrden
annuisiert und in der Ewigen Rente steuermindernd be-
rücksichtigt. Angesichts dieser Vorgehensweise erfordert
auch das Bestehen dieser VerlustVorträge keine Einschal7-
tung einer Grobplamingsphase, wäs zudem. für den, ge-
samten Geschäftsbereich der MAN SE und nicht nur, aber
wich für MAN biäsei & Turbo gilt.
Der Ansatz einer Detailplanungsphäse von', fünf Jahren'
muss auch bei MAN Diesel & Turbo als ausreichend an-
gesehen werden.. Nachdem' es dort drei Bereiche mit sehr
unterschiedlichen Wachstumsraten und gegenläufigen Ef-
fekten gibt, musste keine Grobplanungsphase modelliert
werden. Gerade bei MAN Diesel & Turbo mit seinen drei
unterschiedlichen Geschäftsbereichen kornmen unter-
schiedliche Auslastungsgrade_ der einzelnen :Produktions-
faktoren zum Tragen. Bei den in Lizenz verkauften Zwei-
taktmotbren, die Lizenzerläse erzielen; spielt eine techni-
_sche oder personelle Kapazitätsauslastung keine Rolle,
während die Viertaktmotoren zum Teil in Lizenz verkauft.
aber auch selbst hergestellt werden; im Jahr 2013 wir eine
Käpazitätsauslagtung von 80 bis 85 % erwartet. Wenn es
zu- Engpässen kommt,, kann die Kapazität mittels Invegtiti:-
onen auch erweitert werden. Bei dem Geschäftsbereich
"Power Plante ist bis 2014: die wesentliche personelle

Kapazität durch einen Grossauftrag bis Ende . 2014 voll
ausgelastet. Im Bereich "Turbomachinery" " operiert die
Gesellschaft bereits in 2013 an bzw. über der technischen
Kapazitätsgrenze, was indes. im DetailPlanungszeitraum.
durch das Hochfahren eines
.
Werks in China kompensiert
werden kann. Folglich muss davon 'ausgegangen werden,
dass .zwar in allen drei Strategischen Bereichen unter-
schiedne mögliche Engpässe auftreten können, die aber.
neben.dem,Hochfahren des Werks irr China durCh die Veu
lagerung von Wertschöpfung auf Zulieferer öder durch den
vermehrten Einsatz _von Leiharbeitern ausgeglichen wer-
den können, Dabei spielt gerade im Kraftwerksbau das
Personal eine erhebliche , Rolle; wo an - Leiharbeiter ge
dacht wird, wenn deren Einstellung erforderlich werden
söllte.
Die vom Antragsteller zu 49) zitierten Äusserungen des -
Vorstandsvorsitzenden _der MAN . SE, .
rechtfertigen gleichfalls keine andere Beurtei-
lung, _wobei dies namentlich für
,
die Ansätze. im Terminal_
Value gilt. Zum einen erfolgten die Annahmen zur EWigen
Rente seitens der Bewertüngsgutachten durchaus im Zu-
saMmenwirken mit den Einschätzungen des Vorstandes
über die künftige Geschäftsentwicklung. ZLIM anderen
..vermag die Kammer hierin auch keinen :grundlegenden
Widerspruch zu . erkennen, wenn
auf der Hauptversammlung auf mittelfristig und
langfristig bestehende Chancen für ein profitables, interna-
tionales Wachstum hinwies Dies steht, namentlich nicht
der Annahme eines eingeschwungenen Zustandes entge-
gen. Das Wachstum ist gerade nicht 'nur mengen- und
strukturbedingt getrieben, sondernfes muss vor allem
auch entsprechend den Ausführungen zum Wachs- .

tumsabsChlag - auch das thesaürierungsbedingte Wachs-
tum geSehen werden. Das Bevölkerungswachstum wird
sich bis zum Jahr 2050 nach der AuSsage des Vorstands-
vorsitzenden von 7 Mrd. Menschen im Jahr 2013 auf etwa.
9 Mrd. MenSchen erhöhen, wobei aber ein erheblicher Teil
auf die Länder der sögenannten dritten oder gar vierten
Welt entfällt, in denen MAN SE nicht stark auf den Märk-
ten vertreten ist. -In den Schwellenländern Südamerikas
ging die Planung von einem deutlichen Wachstum aus,
weshalb auch die dortige BevölkerungsentwiCklung sich
durchaus in den, Planansätzen widerspiegelt. Abgesehen
davon müssen gerade in diesen Ländern die Infrastruktur,
bedingungen, gesehen werden, die auch für den Schwer-
lastverkehr stets mit dem Bevölkerungswachstum -Schritt
halten.
(b) Bei. der Ableitung der Werte für den Terminal Value Müssen
keine ,Veränderungen vorgenommen werden, auch wenn diese-
nicht auf der Grundlage der Werte des letzten. Jahres der De-
tailplanungsphase vorgenommen wurden.
(aa) Dabei kann es keinen fehler bedeuten, wenn hier nicht
von einer konkreten Hanüng des Vorstandes _für die Ewi-
ge Rente ausgegangen wurde. Für die Jahre. ab 2018 ff.
gab es angeSichts des Endes der Detailplanungsphase'
gerade keine Planzahlen mehr, weshalb die Plaüsibilität
auf der Grundlage der aus der Detailplanungsphase ge-
wonnenen Zahlen zu überprüfen und zu bejahen ist. Die
angesetzten Werte wurden allerdings mit dem Vorstand
der Gesellschaft besprochen, wobei insbesondere auch
nach dessen Einsähätzung gefragt würde.

(bb) Das Jahr 2017 bildete keine geeignete Grundlage für die
Ansätze zur Ermittlung des TerMinal Value, weil dieses
nicht hinreichend den zyklischen-Charakter des LKW- Ge-
schäfts insbesondere von MAN Truck & Bus widerspiegelt.:
In einer_ zyklischen_ Branche kann nicht von einer fortlau-.
fend positiven Entwicklung ab -dem Höchstniveau ausge-
gangen Werden, sondern es ist eine die Zyklizität der Er-
gebnisse beachtende. Durchschnittsbetrachtung für das zu
bewertende Unternehmen anzustellen (so atedrüCklich
OLG München, Beschluss vorn 9.6.2015; _Az. Wx
246/14): Die Auswertung - der Ergebnisse der Vergangen-
heit durch die Vertragsprüfer reicht bis zurück in dai Jahr
2001; bei den Konjunkturzyklen erfolgte eine Auswertung
der entsprechenden Zahlen für eine Reihe Von Ländern,
wenn auch nicht für alle, zurück bis in das Jahr -1996. Ge-
rade die Auswertung dieSer Zahlenreihen macht indeS
deutlich, dass die Märkte, auf denen vor allem auch MAN
Truck & Bus seine Produkte absetzt, schwanken und zu-
Sarnmenhängende AufSchwungPhasen mit' steigenden
Marktvolumina in Folge nicht länger als sechs. Jahre an-
dauerten.
Weiterhin führten die Vertragsprüfer zur Plausibilisierung
der Annahmen für den' Terminal Value auch einen Ver-
gleich zwischen den EBIT und den EBIT-Margen der Peer
Group-Unternehmen durch, wobei sie neben der MAN SE
auch MAN Truck & Bus sowie MAN Diesel & Turbo einbe-
zogen haben. In den Jahren von 2001 bis 2012.waren mit
Ausnahme von maximau drei Jahren die.EBIT-Margen der
Peer Group-Unternehmen oberhalb der für die MAN SE
erwirtschafteten Werte, wobei auch dies namentlich so
wohl für die Konzernobergesellschaft als mich für MAN
Trick & Bus und damit für den umsatzstärksten Teilkon-

zern, innerhalb der MAN-Gruppe galt. In den Jahren der
Detailplanungsphase bleibt es für 2013 bis 2015 bei einem
Margenabstand von etwa 2,4, 2,6 und 2,4 Prozentpunk-
ten. Dänn aber ist angesichts der Konstanz dieses Ab-
standes zum Nachteil von MAN im Terminal Value nicht
zu erwarten, dass dieser Abstand dauerhaft verringert o-
der gar gedreht werden könnte, wenn in 15 Jahren die
Gesellschaft - nahezu durchweg schlechtere Zahlen auf-
wies

aJs. die Peer Gräup-Unternehmen.
Auf Konzernebene legte die Berechnung für . die Ewige
Rente einen Umsatz von Euro 20,6,-Mrd. zugrunde - mithin
einen Wert, der um. rund 25 .% über den Urnsatziahlen
,des Jahres 2011 liegt, wobei sich dieSes Jahr als sehr gu-
tes Jahr dar-Stellte. Der .Umsatz in. der Ewigen Rente liegt
auch :Lim 7 % über dem DurchSchnitt des - Umsatzes aus.
der DetailpianungsphaSe der Jahre 2013 bis -2017. Dies
zeigt sich auch aufgrund einer Analyse der erwarteten E-
BIT-Marge auf Konzernebene Diese liegt unter Berück-
sichtigung der Aktualisierungen im Jahr 2017 bei 9,1 %.
Die Return an Sales-Marge im Sinne des Verhältnisses
von $evVinn zü Umsatz lag mit über 10 % oberhalb des
langfristig erstrebten Ziel des Vorstandes.
Die in den von mehreren Antragstellern vorgelegten Pri-
vatgutachten insbesondere von
prognostizierten Entwicklungen vermögen die Ansätze für
dieEwige lente Z.L.;r Überzeugung d: -r Kemrn^r r-1C1 -',.t. ZU
erschüttern; die Annahmen aus dem Bewertungsgutach-
ten und insbesondere auch dem Prüfungsbericht werden
dadurCh nicht in Frage gestellt. Gerade das Gutachten von
IVC stützt sich in erster Linie auf die Prognosen der exter-
nen Studien insbesondere von LMC. Diese gehen im We-

sentlichen von einem stetigen Wachstum. der Absatz- und
Umsatizahlen aus; lediglich der prozentuale Anstieg im
VergleiCh.zum -Vorjahr ist_ bei dieser Studie 'Zum Teil rück-
läufig. DieSen Ansatz erachtet die karnmeijedenfalls nicht
als. eindeutig überlegen, weil er konjünkturälle Wellenbe-
wegüngen nicht im gebotenen Umfang -einfliessen lässt.
Gerade der zentrale Bereich von "Corhmercial Vehicles".,
auf. den sich die LMC-Studie, aber auch die IHS-Studie
- stützt, ist in erheblichem Ausmass von konjunkturellen Wel-
lenbewegungen.abhängig. Der Bereich der Investitionsgü-
terindustrie und damit auch von .Nutzfahrzeugen durchläuft
immer wieder Wellentäfer, wie vor allem auch-die Entwick-
lung von MAN Truck & .BuS deutlich macht. In der Vergan-
genheit kam es .eben nicht nur während der Finanzmarkt--
krise zu rückläufigen Entwicklungen, .auch wenn- diese nie:
so stark ausgeprägt waren wie nach dem ZuSämrned-:
brych der 'US-amerikanischen inVestmentbank Lehman
Brothers Inc. im Jahr 2008. Die Gesamtzahl der Neuzu-
lassungen. von LKW mit einem zulässigen GeSamtgewicht
von über 6 t ging beispielsweise in Deutschland im Zeit-
raum von .199.8 bis 2000 'ebenfalls. in einem -erheblichen -
Umfang zurück. Aber auch in anderen Märkten, in denen
MAN Truck & BuS tätig ist, kann - nicht von einem nahezu .
ungebröchenen Anstieg:ausgegangen werden, wie auch
die Zur_ Plausibilisierung von Planannahmen zulässiger-
weise heranzuziehende weitere _Entwicklung nach dem
Stichtag der Hauptversämmlung zeigt: So kam es.2014 zu
einem deutlichen Einbruch der Ergebnisse, der in _Wider-
spruch zu den Planannahmen .steht. Die Planansätze für
- 2014 wurden- in allen vier operativen Bereichen von MAN
SE deutlich verfehlt, nachdem bereits das erste Jahr der
Detailplanungsphase bei MAN Truck & Bus und MAN Tur-

bo & Diesel schlechtere Ist-Ergebnisse im Vergleich zur
Planung erbrachte. Diese Entwicklung erhellt den zykli-
schen Verlauf der Geschäftsbereiche der MAN SE vor at-
lern bei den Nutzfahrzeugen in allen Ländern.
Auch kann bei der Würdigung der Zahlen von LMC wie
auch von INS nicht verkannt werden, dass die Zahlen der
Business Intelligente Unit von MAN in der Vergangenheit
keinesfalls schlechtere Ergebnisse lieferte als die Zahlen
aus den externen Studien dieser beiden MarktforschungS-
Institute. Dies ist für die Kammer auch nadhvollziehbar,
weil die aus der Gesellschaft unmittelbar kommenden Er-
fahrungswerte in die MAN-Prognose eingeflossen sind.
Die Verfasser externer Studien haben einen derartigen In-
fonnationsVorsprung nicht, weshalb es durchaus nachvoll-
ziehbar ist; wenn sie weniger zielgenaue Erkenntnisse lie-
fern.
(cc) Diese Erwägungen können auch für MAN LM mit seinem
' Schwerpunkt in Brasilien Gültigkeit beanspruchen. Dort
wurden sogar Erwartungen zugrunde gelegt, die oberhalb
der Marktprognose der externen Studienlagen und die ihre
Grundlage in den Erkenntnissen der gesellschaftsinternen
Analysen hatten, AllerdIngs traten auch in Brasilien in der
Vergangenheit längerfristige Aufschwungphasen über ei-
nen Zeitraum von mehr als sechs Jahren nicht auf. Dann
aber muss es auch in diesem Geschäftssegment als plau-
sibel bezeichnet werden, wenn in der Ewigen nente, die
gerade langfristige Trends mit konjunkturellen Auf- und
Abschwungphasen widerspiegeln soll, nicht von den Um-
satzzahlen ausgegangen wird, die gegen oder am Ende
eines Wachstumszyklus auftreten sollen. Die tatsächliche
EntWicklung namentlich des Jahres 2014 belegt, dass in

diesem Jahr-ein deutlicher Rückgang des EBIT von Euro
219,5 Mio. auf Euro 65 Mio.. zu. verzeichnen war. In Latein-
amerika wurde das Buswachstum nicht zu Unrecht ausser
Betracht gelassen. Die Vertragsprüfer wiesen darauf hin;
die. Ewige Rente müsse einheitlich reit einem einheitlichen
Wachstum zu beträchten sein. Um. preisbedingtes Wachs-
tuirn zu erzielen, muss eine hohe Oberwelzbarkeit der Kos-
ten angesetzt werden. Dabei mussten über 90 % der Kos-
tensteigerüng weitergegeben werden: Dies war indes
nach der Analyse der Vertragsprüfer weder. in Lateiname-
rikä noch in Europa vollumfänglich mögliCh. Aus den Auf-
sichtsratsprotokollen konnten sie vielmehr ableiten, dass
es in Lateinamerika einen massiven Preisdruck und - -
wettbewerb .gab; der vor allem, durch die Wettbewerber
Daimler und Välvo ausgelöst wurde. Derngemäss gab es
.Klagen der Händler in Lateinamerika über die im Vergleich
zur Konkurrenz höheren Preise der FahrZeuge von MAN.
Der Rückgäng bei den "Commercial Vehicles" mag seine
Ursache auch in- den Folgen der Annexion der Krim durch
Russland und die im Anschlüss ebenso wie wegen der Si-
tuation in der. Ost=ukraine erfolgenden Sanktionen gegen
Russland 'haben. AngeSichts des Stichtagsprinzips konn-
ten und wurden dies -e Entwicklüngen in der Planung je-
doch nicht berücksichtigt. Allerdings zeigen diese Zahlen
deutlich, wie sehr sich Veränderungen auch des politi-
sChen und geostrategischen Umfelds auf konjunktursen-
sible Branchen auswirken. Selbst wenn sie - nicht vorher-
gesehen werden können, belegt die historische Erfahrung
ihr Auftreten, weshalb bei der Ermittlung des Terminal Va-
lue nicht. auf das Jahr 2017 aufgesetzt werden konnte.

Letztlich kann auch beim Ansatz in der Ewigen Rente der
Prüfungsmassstab von Prognoseentscheidungen nicht au-
sser Betracht bleiben. Selbst wenn den Zahlen externer
Studien nicht von Vornherein jede Plausibilität abzuspre-
chen sein sollte, kann es nicht Aufgabe des Spruchverfah-
rens sein; getroffene plausible Annahmen durch andere,
gegebenenfalls ebenfalls plausible Annahmen zu erset-
zen.
(dd) Ebenso muss der Ansatz eines eingeschwüngenen Zu-
stands bei Renk bejaht werden.
wies bei der Anhörung darauf hing dass auch in
diesem Geschäftsbereich - ebensä wie bei MAN Diesel &
Turbo - Auftragseingänge nicht sofort und unmittelbar zu
Umsätzen führen. Daher kann nicht davon auSgegangen
werden, im Folgejahr müsse es automatisch zu gleich ho-
hen Auftragseingängen kommen. Ein einfacher mathema-
tischer Zusammenhang zwischen Auftragseingang und
Umsatzrealisierung lässt sich angesichts der Besonderhei-
ten der Sparten, in denen Renk tätig ist, nicht herstellen.
Diese Unsicherheiten in der Entwicklung lassen sich auch
nicht über eine Grobplanungsphasä auffangen.
Die Annahme eines im Terminal Value erzielbaren Umsat-
2es von Euro 550 Mio., der sich eindeutig aus dem Bewer-
tungsgutachten und dem Prüfungsbericht ergibt und der
gerade nicht nur Euro 500 Mio. betragen soll, muss nicht in-
nage weiden.
wies darauf hin, dass bei Renk Umsatzkapazitäten für Euro
600 Mio. vorhanden seien. Die im Prüfungsbericht be-
schriebenen aktuellen Probleme für Offshore-Windparks
ängesichts der alberneinen Rahmenbedingungen recht-

fertigen wich hier einen -Abschlag im Vergleich zum letz-
ten Planjahr, nachdem auch in den Märkten, in denen
Renk engagiert ist, von einer Könjunkturabhängigkeit aus-
zugehen ist und daher nicht auf den Wert des Jahres 2017
aufgesetzt Werden kann, in dem die Kapazitäten weitge-
hend ausgelastet sein werden.
(c) Diese ErWägungen gelten auch für die angesetzten EBIT-
Margen für die wesentlichen Bereiche der Gesellschaft.
(aa) Bei MAN Truck & Bus muss die EBIT-Marge für die Ewige .
Rente nicht korrigiert werden. Der Vergleich mit den Zah
.len der Vergangenheit sowie der Detailplanungsphase
macht deutlich, dass dieser Ansatz zulässig ist. Die 'Marge
von 6 % liegt oberhalb der. in der Vergangenheit von .MAN.
- Truck & Bus _erzielten EBIT-Marge bzw. jedenfalls 'leicht
oberhalb der für die Phase I erwarteten EBIT-Marge: Da-
bei würden auch die erwarteten unechten Synergiepoten-
ziale aus- der Einbindung in den Konzern der
berücksichtigt, Die EBIT-Marge von 6 % lässt nämlich
in angemessenem Umfang die Auswirkungen von Syner-
gien einfliessen. Im - Termin vom 16.10.2015 erläuterten die
Prüfer, diese Marge sei nur unter Einbpziehung der Sy-
nergien erreichbar. Ohne Berücksichtigung der Synergien
hätte die -EBIT 7Marge in den Jahren :2013 bis 2017 im-
Durchschnitt bei 4,6 %. statt bei 5,6 % gelegen. Wenn
dann im Terminal Value von einem Wert von 6 % ausge-
gangen wird, muss daraus die Schlussfolgerung der Be-
rücksichtigung der Synergien auch bei der Ableitung des
Terminal Value gezogen:werden.

(bb) Die Zahlen der Ewigen- Rente einschliesslich der EBIT-
Marge für den Bereich MAN Diesel & Turbo können der
Ermittlung des Ertragswerts ebenfalls unverändert zu-
grunde gelegt werden; Die Fehlerhaftigkeit der Ansätze
resultiert namentlich nicht aus der Erwägung heraus, dass..
in Phase I die Investitionen stets oberhalb der AbsChrei,-
bungen gelegen hätten. Die Umsatzerlöse als eines der
zentralen Elemente zur Ableitung der Erfälgsgrösse EBIT
beruhen auf einer Einschätzung des nachhaltig erzielba-
ren Umsatzniveaus, was ausgehend vOn dem im Jahr
2017 erzielten UmSatzerlösen mit dem Wachstumsfaktor
von 1 % fortgeschrieben wurde, so dass die Erlöse im
Terminal Value mit Euro 5,05 Mrd. angesetzt wurden.
Die angesetzte EBIT-Marge von 11,75 % liegt zwar niedri-
ger als- im letzten Jahr der DetailplanungsPhase; dies be7.
ruht allerdings nachvollziehbar und plausibel auf dem Um:
stand, dass sich langfristig die Abschreibungsquote der
Investitionsquote angleichen wird. Demgemäss wurde die
Differenz zur Abschreibungs- und Investitionsquote von
rund 1 % im langfristigen EBIT berücksichtigt und folglich
die nachhaltige EBIT-Marge nur mehr Mit 11,75 % ange-
setzt, ohne dass deshalb eine Grobplanungsphase hätte ,
zwischengeschaltet werden müs'sen. Insgesannt liegt aber
die EBIT-Marge für die Ermittlung des Terminal Value
oberhalb der durchschnittlichen EBIT-Marge der Jahre
2013 bis 2017 von rund
.
11 % vor den Stichtagsanpassun-
qen wie auch über den längerfristigen Durchschnittsbe-
trachtungen im Zeitraum von 2001 bis 2012 als eine EBIT-
Marge von rund 9,2 % im Durchschnitt erzielt wurde.
Vom Grundsatz her wird im Terminal Value durch den
setz einer Reinvestitionsquote der Notwendigkeit der Sub--
.

stanzerhaltung Rechnung getragen. Dabei komrht es_ in
dieser Phase II nur noch zu Ersatzinvestitionen nicht zu
Erweiterungsinvestitionen; nachdem sich das Unterneh-
men in einem Gleichgewichtszustand befindet (vgl.. LG
München I, Beschluss vorn 28.05.2014 :Az. .5HK 0
22657/12- , ssesdhluss vorn 29.08:2014, Az. 5HK 0
7455/13; Peemöller/Kunowski in: Peemöller, Praxishand-
buch der Unternehmensbewertung, a.a.O., S. 336). Da die
Investitionen im Zeitraum der Vergangenheitsanalyse wie
auch in Phase I immer noch über den AbSphreibungen la-
gen, stiegen diese stärker als die Investitionen; wobei äm
Ende der Detailplanungsphase noch keine Parität erreicht
war. Daher musste dävon ausgegangen werden, dass die
Abschreibungen. In der Ewigen Rente tendenZiell steigen
müssten, weshalb die EBIT-Marge ab 2018 ff. gegenüber
Phase I tendenziell belastet ist und folglich niedriger aus:,
fallen musste.-Die InVestitionen in Phase I beinhalten akti-
.
vierungsfähige Entwicklungsaufwendungen sowie immate-
rielle Vermögensgegenstände und Sachanlagevermögen.
Geplant sind neben: Investitionen zur EffizierizSteigerung
in der Produktion vor allem notwendige Ersatz- und Erhal-
tungsinvestitionen, weshalb im Rahmen der Analyse keine
Bereinigung der Investitionsquote notwendig war. Die
durchschnittliche Investitionsquote beträgt_in Phase 13,7
%, im Zeitraum von 2010 bis 2017 3,4 % und im Zeitraum
von 201.2 bis 2017 3,8 %. Bei einer Fortschreibung erge-
ben sich somit nachhaltige Investitionen in einer Bandbrei-
te von Euro 173 bis Euro 192 Mio. Die Differenz zu den geplan-
ten Abschreibungen des Jahres 2017 betrug rund 1 % in
Relation zur -EBIT-Marge, um in der Ewigen Rente die
nachhaltige Reinvestitionsquote- abzubilden. Angesichts

dessen ist eine EBIT-Marge von 11,75 % als sachgerecht
zu bezeichnen.
(cc) Eine Analyse der Zahlen auf Konzernebene belegt letztlich
gleichfalls, dass die Zahlen für den Terminal Value keiner
Korrektur bedürfen, auch wenn bei den aggregierten Zah-
len ein Abschlag in den einzelnen Bereichen von
als sinnvoll und notwendig
bezeichnet wurde: Unter Fortschreibung der Ergebniszah-
len mit nachhaltig Euro 1,57 Mrd. ermittelt sich darauf auf-
bauend eine EBIT-Marge von 7,6 % in der Ewigen Rente.
Diese liegt prozentual oberhalb des Referenzzeitraurns.
Das EBIT auf Konzernebene liegt ebenfalls oberhalb des
durchschnittlichen EBIT der Phase I. Die Return an Sales-
Marge in der Ewigen Rente - abgeleitet aus der EBIT-
Marge von 7,6 % - entspricht dem kommunizierten Ziel-
wert der Gesellschaft.
(dd) Auch andere wesentliche betriebswirtschaftliche Kennzah-
len lassen keinen Rückschluss auf unangemessene An-
nahmen für die Ermittlung des Terminal Value zu.
Der angenommene Return of Equity von 19,4 % steht in
keinem Widerspruch zu den Ansätzen der Ewigen Rente.
Dieser Koeffizient aus Eigenkapital und Ergebnis vor
Steuern liegt bei der Ewigen Rente beispielsweise deutlich
höher als die Eigenkapitalrendite des sehr guten Ge-
schäftsjahres 2011, in dem dieser Wert 11,1
l!nri !PI
Jahr 2010 bei 19,4 % lag. Die Verschlechterung zwischen
diesen beiden Jähren beruhte vor allem auf Sondervor-
gähgen und negativen Ergebnissen mittlerweile aufgege-
bener Geschäftsbereiche. Wenn dann aber in der Ewigen
Rente eine Eigenkapitalrendite .angesetzt wird, die dem

Wert eines ebenfalls sehr guten Geschäftsjahres ent-
spricht, kann nicht davon ausgegangen werden, dieser
Wert müsse unangemessen sein.
Die im Terminal Value angesetzte Umsatzrendite ent- .
spricht mit einem Wert vori 8,7 % in etwa der im Ge-
schäftsbericht des Jahres 2012 genannten Zielmarge von
8,5 %, wobei allerdings auch die. Erkenntnisse im Prü-
fungsbericht zu berücksichtigen sind, däss im GeSchäftS-
bericht 2012 die anteiligen Dividenden von Scania einbe-
zogen werden, nicht die anteiligen JahresüberschüSse,
wie das in der .Unternehmenbewertung Vorgenornrhen
wurde. Aber auch bei, der Berücksichtigung dieses Effekts
ergibt sich eine mit, der Vergangenheit vergleiChbare ROS-
Marge in Höhe von rund' 8,3 % für. die Ewige Rente, die
immer noch klar in der kommuniZierten Bandbreite von
plus/minus 2 Prozentpunkten liegt_
(d) .
Für die Anwendung des bilanziellen Vorsichtsprinzips, das in
der Ertragswertmethode zur Ermittlung eines objektivierten Un-
ternehmenswertes kein Raum ist, sieht die Kammer angesichts.
dieser Ausgangslage keinen AnhaltSpunkt.
(10) Die in die Bewertung der MAN SE
,
eingeflossenen Thesaurierungs-
annahmen müssen nicht korrigiert werden, wobei dies sowohl für den
Zeitraum der Detailplanungsphase wie auch für den der Ewigen Ren:
te gilt.
(a) Die Ansätze zur Thesaurierung und Ausschüttung der. Jahres-
überschüsse entspricht dem Unternehmenskonzept der Gesell-
schaft und kann daher nicht in Frage gestellt werden. Es wird
näMlich regelmässig davon ausgegangen, dass sich der Umfang

der Ausschüttungen bzw. Thesaurierung in der Planungsphase
I an den konkreten Planungen der Gesellschaft zu orientieren
hat (vgl. nur LG München I, Beschluss vom: 24.5.2013, Az. 5
HK 0 17095/11, S. 37; Beschluss vom 6.11.2013, Az: .5 HK 0
2665/12; Beschluss vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12).
Die nachvollziehbaren Annahmen der Gesellschaft sahen dabei
Ausschüttungen vor, die durchschnittlich rund 31 % des Jahre-
süberschusses der Gesellschaft entsprachen. Dieser Ansatz
bedarf vor allem auch deshalb keiner Korrektur, weil die ent-
sprechende Verwendung der thesaurierten Mittel konsistent zu
den weiteren Planansätzen der MAN SE ist Die nicht ausge-
schütteten Mittel wurden dabei gerade nicht nur zur Rückfüh-
rung von Fremdkapital herangezogen, sondern auch zur Innen-
finanzierung im Unternehmen verwandt Der entsprechende In-
nenfinanzierungsbedarf resultiert aus der mit der Ausweitung
des Geschäfts einhergehenden Notwendigkeit der Finanzierung
des Working Capital wie aus den geplanten Investitionen. Damit
besteht aber auch kein Widerspruch dazu, dass das Zinsergeb-
nis nicht im Umfang der Thesaurierung sinkt. Dabei ist zum ei-
nen zu bedenken, dass ein direkt umgekehrt proportionaler Zu-
sammenhang ohnehin nicht darstellbar wäre. Zum anderen
muss gesehen werden, dass zur. Ermittlung des Zinsergebnis-
ses mit periodenspezifisch unterschiedlichen Zinssätzen ge-
rechnet wurde, weshalb eine derartige Wirkungskette zwischen
Thesaurierung und Zinsergebnis auch aus.diesem Grund nicht
dargestellt werden kann.
Dennoch zeigen die Planzahlen einen entsprechenden Wir-
kungszusammenhang auf, nachdem der Zinsaufwand vom ers-
ten Jahr der Detailplanungsphase bis in die Ewige Rente von Euro
135 Mio. auf 80 Mio. absinkt, was seinen Grund vor allem in
den abnehmenden Beständen verzinslichen Fremdkapels hat.

Dieser-Effekt tritt trotz des mit-dem Umsatzwachstum einherge-
henden Anstiegs des VVorking Capital und der damit verbunde-
nen Finanzierungsnotwendigkeiten ein und wirkt sich_ zudem
über einen sinkenden Risikozuschlag zugünsten, der Minder- .
heitsaktionäre aus.
Die thesaurierten Beträge über die Jahre der Detailplanungs-
phase hinweg von insgesamt Euro 3,209 Mrd.. führen zu einer Er-
höhu -ng des bilanziellen Eigenkapitals in den - Planbilanzen von
Euro 5,619 Mrd. " zum 31.12.2012 auf Euro- 8,828 Mrd. zum
31.12.2017. Allein aus dem Umstand, dass -keine Kapitalfluss-
rechnung mitgeteilt wurde, kann kein Rückschluss auf fehler-
hafte Planansätze gezogen werden, zumal dies in der Praxis
der Berichterstattung für aktienrechtliche -Strukturmassnahmen
ohnehin nur vergleichsweise . selten vorkommt :(vgl. Creutz-
mann/Spieä BewP 2014, 98, 99). Der
.
Hinweis auf eine rückläut
fige Entwicklung- der aktiven latenten Steuein durch einige An=
tragsteller übersieht. worauf die 'Antragsgegnerin zu Recht
hingewiesen hat - dass steuerliche Verlustvorträge direkt bei
derErmittlung -des SteueraufwandS in der G+V-Rechnung wert-
erhöhend in den Ertragswert der MAN SE eingeflossen - sind.
Eine nochmalige Berücksichtigung einer Veränderung der ent-
sprechenden Bilanzposition durch die Abbildung künftiger
Steuervorteile aus aktiven latenten 'Steuern würde zu einer
doppelten Berücksichtigung führen, was nicht sachgerecht sein
kann.
Soweit es um Rückschlüsse aus der Bilanz zum 31.12.2013 auf
den Stichtag zum '16.6.2013 geht, ist wiederum zu bemerken,
dass dies mit der Stichtagsbezogenheit der Unternehmensbe-
wertung nicht in Einklang steht und ein nicht so starker Rück-
gang der Verbindlichkeiten aus:Lieferungen und Leistungen wie
geplant .- Euro 1,992 Mrd. gegen Euro 1,747 Mrd. - keine Schlussfol-

aerungen hinsichtlich unzutreffender Planannahmen und Plan-
bilanzen rechtfertigt, auch wenn das Volumen des Rückgangs
im Vergleich zum Stichtag 31.12.2012 bei etwa 13 % lag, die
Bilanz zum 31.12.2013 indes einen Rückgang um etwas mehr
als 4 % ausweist.
Eine fiktive Zurechnung der im Detailplanungszeitraum thesau-
rierten Mittel an die Eigenkapitalgeber kann eine höhere Abfin-
dung nicht rechtfertigen. Diese Massnahme hätte zur Folge,
dass das bilanzielle Eigenkapital konstant auf dem Niveau zum
31.12.2012 mit Euro 5,619 Mrd. :verharren würde, weil dann ab
dem Geschäftsjahr 2013 keine Verwendüng der thesaurierten
Mittel entsprechend den Planannahmen erfolgen könnte. Dieser
Ansatz stünde aber schon im Widerspruch zur Bedeutung der
Planannahmen als Basis der Ermittlung des Ertragswertes,:
Zum anderen aber müssten vor allem die konkret verwandten
thesaunerten Mittel im Fälle einer fiktiven Zurechnung mit allen
negativen Auswirkungen auf das Zinsergebnis und den ver-
schuldeten Beta-Faktor fremdfinanziert werden. Das Zinser-
gebnis würde ab dem Jahr 2014 jedes Jahr deutlich schlechter
ausfallen - beginnend mit einer Differenz von Euro 10 Mb. im Jahr
2014 bis hin zu einer Differenz von Euro 97 Mio. am Ende der
Phase I und von Euro 116 Mio. zu Lasten der Minderheitsaktionäre
im Zeitraum der Ewigen Rente. Angesichts der Auswirkungen
auf den Verschuldungsgrad käme es zu einem Anstieg des ver
schuldeten Beta-Faktors auf 1,24 im Terminal Value. Demge-
mäss
würde auch der Ertragswert sinken, wie die Vertragsprüfer
in ihrer dritten ergänzenden Stellungnahme herausgearbeitet
haben. Die von den Antragstellern zu 85) und 86) favorisierte
fiktive Zurechnung der Thesaurierung würde sich somit zum
Nachteil der Minderheitsaktionäre ausWirken.

(b) Die Höhe:-der Thesaurierung mit-50 % in der Ewigen Rente und
demgeMäss einer Ausschüttungsquote von 50 % bedarf keiner
Korrektur. - Sie liegt innerhalb, der Bandbreite der ermittelten
Thesaurierungsquoten von anderen unternehmen. Da für den,.
Terminal Yalue eine konkrete . Upternehmensplanung gerade
nicht mehr vorliegt, ist es sachgerecht, auf den Durchschnitt der
Marktteilnehmer abzustellen (vgl. OLG München AG 2015:508, . -
511 = ZIP 2015, 1166,1170; OLG Stuttgart AG 2011, 560, 563;
LG München I, BeSchluss - vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0
22657/12; Beschluss vom 29.8.2014, Az: 5HK" 0 - 7455/13). Die
durchschnittliche Ausschüttungsquote bei den Aktiengesell-
schaften liegt zwischen 40 und 60 %. Die vorliegend vorgese-
hene Ausschüttungsquote Von 50 % liegt innerhalb der Band-
breite,. wie sie aus einerVielzahl von Spruchverfahren Berichts-
bekannt angenommen wird. AngesichtS dessen--konnte im Ter-
minal Value keine -vollständige Thesaurierung der ÜberschüsSe.
angenommen werden. -Anders: als in ,der _Detailplanungsphase,
in der auf die konkreten Planungen abzustellen ist, die hier von
einer vollständigen ThesaUrierung ausgegangen sind, ist dieser
Ansatz in der' EWigen Rente nichtmöglich, weil es keine Plane=
nsätze des Unternehmens mehr gibt.
Dem Ansatz einer Ausschüttungs- bzw. Thesaurierungsquote
von 50 % im Terminal Valüe lässt Sich nicht die dips/DSVV-
Dividendenstatistik entgegenhalten. Dabei muss nämlich be-
rücksichtigt werden, dass der Ansatz in der Ewigen Rente auch
innerhalb der Bandbreite des in Phase 1 erstrebten AuSschüt-
tungsverhaltens liegt, wo Ausschüttungsquoten mit 30 % bis 70
% des Ergebnisses nach Steüern angesetzt wurden.
(c) Die Steuerbelastung thesaurierter Gewinne in Höhe von
13,1875 % - mithin des hälftigen Steuersatzes von 25 % zuzüg-
lich » Solidaritätszuschlag = muss nicht korrigiert werden. Die

Festlegung eines Steuersatzes bedarf typisierender Annahmen.
Aus empirischen Studien, die es wenigstens in den Vereinigten
Staaten von Amerika, wenn auch nicht für Deutkhland gibt, er-
kennt man eine Haltedauer zwischen 25 und 3. 0 Jahren . . Auch
wenn diese lange Dauer entsprechend den Erkenntnissen der
Kammer aus anderen Spruchverfahren mit der Existenz von
sehr langfristig engagierten F'erisiänsfonds zusammenhängt
und dies für Deutschland nicht zwingend sein mag, kann 'es
beim angesetzten Steuersatz :bleiben. Dem lässt sich insbe-.
sondere auch nicht die Regelung aus § 52 ä Abs. 10 EStG
entgegenhalten. Ohne eine typisierende Betrachtung liesse sich
nämlich ein einheitlicher Unternehmenswert nicht festlegen. Die
Verwendung typisierter Steuersätze ist die notwendige Folge
der Ermittlung eines objektivierten Unternehmenswerts und
folglich: ünvermeidbar. Es ist deshalb auch nicht zu beanitan-
den, wenn eine inländische unbeschränkt steuerpflichtige natür-
liche Person als Anteilseigner angenommen wird. Wenn für
Stichtage nach dem 1.1.2009 im Rahmen der Ermittlung der
Zuflüsse an die Anteilseigner von der Besteuerung der Veiau-
sseiungsgewirine auszugehen ist, im Einzelfall aber ein Anteils-
inhaber einen steuerfreien Veräusserungsgewinn haben kann,
so muss dies bei der notwendigen Typisierung ausser Betracht
bleiben (vgl. OLG München NJW-RR 2014, 473, 474; AG 2015,
508, 511f. = ZIP 2015, 1166,1170; Beschluss vom 18.6.2014,
Az. 3'1 Wx 390/13, S. 5; OLG Stuttgart AG 2013, 724, ; 1 28; AG
2014, 208, 211; Beschluss vom 18.12.2009, Az. 20 W 2/08; LG
München I, Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK 0 19183/09, S.
131; Beschluss vom 28.6.2013, Az. 5HK 0 18685/11, S. 39 f.;
Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12, S. 40 f.;
Kunowski/Popp in: Peemöller, Praxishandbuch der Unterneh-
mensbewertung, a.a.O., S. 1060 f.; in diese Richtung auch

Grossfeld, Recht der Unternehmensbewertung, a.a.O., Rdn. 48.8
ff., insbesondere 491).
Ein AbSiellen auf die individuelle Haltedauer 'Und die individuel-
.
len Steuersätze eines jeden einzelnen Aktionärs -7 gegebenen-
falls 'auch. mit Sitz im Ausland - Würde eine Unternehmensbe-
wertung-
.
unmöglich machen, zumal die Gesellschaft. über Inh. a-
beraktien Verfügt und. folglich die Aktiönäre nicht einmal na-
mentlich bekennt sind. Ahgesichts dessen ist -die hier vorge-:
nommene typisierende Betrachtung unausweichlich;
(d) Eine Ausschüttung aus dem steuerlichen 'Einlagenkonto kann
nicht erfolgen. Im gesamten Planungszeitraum sollen in einer
Periode 'die Mehrbeträge: ausgeschüttet als angenommen wer-
den. Daher kommt es nicht zu einer steuerlichen Einlagenrück-
.
gewähr, Zudem handelt es sich bei der Art und Weie, wie Mit
dem steuerlichen Einlagenkonto verfahren wird, um eine mnter-
nehrnerische Entscheidung, die im Rahmen eines Spruchver-
fahrens allenfalls eingeschränkt überprüfbar ist (vgl. OLG
Frankfurt, Beschluss vom 22,2.2012, Az. 21 W 17/11, zit. nach
juris; LG München I, Beschluss vom 6.11.2013, Az. 5 HK 0
2665/12; Beschluss vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12):
(e)
Nicht zu beanstanden ist der Umstand, dass vor der Ermittlung
der zu kapitalisierenden Nettoausschüttung ein Betrag von Euro 73
Mio. als wachstumsbedingte Thesaurierung: in Abzug gebracht
würde. Die im nachhaltigen Ergebnis angesetzte Thesaurierung
berücksiChtigt, dass das mit dem langfristig erwarteten Wachs-
tum der G+V-Rechnung bzw. der Überschüsse einhergehende
Wachstum der Bilanz entsprechend finanziert weren muss.
Demgernäss bedingt das nachhaltige Wachstum der finanziellen
Überschüsse auch ein entsPrechendeS Wachstum der Bilanz;
was entweder über Eigenkapital erfolgen kann öder aber durch

Fremdkapital aufgebracht werden muss. Für die Finanzierung
über das Eigenkapital müssen zu dessen Stärkung Erträge the-
sauriert werden. Die Alternative der Finanzierung über Fremd-
kapital würde zwangsläufig das Zinsergebnis (negativ) beein-
flussen. Ein Wachstum ohne den Einsatz.zusätzlicher Mittel ist
.folglich nicht 'möglich:, nachhaltiges. Gewinnwachstum kommt
ohne Finanzierung -nicht in Betracht (sä ausdrücklibh: OLG
Karlsruhe, Beschluss vom 15.11.2012, :Az: 12 W 66/06; auch
.
Dörschell/Franken/Schulte, Der Kapitalisierungszinssatz in der
Unternehniensbewertung, 2. Aufl., S. 326 f.). Zudem ist zu be-
rücksichtigen, dass bei einer sich im eingesChwüngenen Zu-
stand befindlichen Gesellschaft die Kapitalstruktur in der Ewi-
gen Rente känstant bleiben soll. Auch dies spricht für die Not-
wendigkeit des AnSatzes eines entsprechenden .thesaurie-
rungsbedingten WachstUms.
Dem kann:nicht entgegengehalten werden, dadurch werde der
Effekt des Wachsturrisabschlags storniert. Es ist nämlich eine
differenzierende BetrachtOngsweise erforderlich. Die Erfassung
von thesaurierungsbedingtem Wachstum erfolgt in der- Phase
des Terminal Value zum einen zur Abbildung des preisbeding-
ten Wachstums in 'Forti -1 des Wachstumsabschlages -und zum
anderen zur Berücksichtigung des durch die Thesaurierung ge-
nerierten Mengenwachstums durch eine norninale Zurechnung
des .über die Finanzierung deS preisbedingten Wachstums hin-
ausgehenden Thesaurierungsbeitrages (vgl. Schieszi/Bach--
mann/Amann in: Peemöller, Praxishandbuch der Unterneh-
mensbewertuna a.a.O.. S. 706). Damit aber hat der Wachs-
tumsabschlag eine andere Funktion als , der Ansatz des thesau-
iierungsbedingten Wachstums. Bei der Höhe der wächstums-
bedingten TheSaurierung würde vorliegend zudem gerade nicht
pauschal der Wachstumsabschlag angesetzt sondern es kam
zu einer individuellen Ermittlung: Dabei wurde insbesondere

kein inflationsbedingtes Wachstum auf immaterielle -Vermö- .
genswerte, auf bestimmte Finanzanlagen sowie Steuerforde-
rungen und Steuerverbindlichkeiten unterstellt, Während das
Sachanlagevermögen in den Planbilanzen _steigend geplant.
.wurde.- Dieser Anstieg insbesondere auch des Sachanlagever-
rhögens wie auch der immateriellen Vermögensgegenstände
sollen 'vom 31.12.2012 auf den 31.12.20.17 u.m rund 830 % an-
steigen, was nahezu dem Niveau zum 'geplanten. th -nsatf7.
Wadhstum entspricht, Gerade dieSe Relation -ist für die Kanimer .
durdhaus nachvollziehbaK
Angesichts dessen berechnen die sich zu kapitalisierenden Überschüsse
folgenderMassen:
Ar-1,SJIIIkr 4 'ely(!:Az ,13 e2 1 .(''. i l
',10, 1tAütfilirP14(igj I FIa
Yarr%
256
137
-135
' r, ik' ,..
834
174
-101
1.202
218
. -106
'1:: h
Yin ,
1.577
225
-115
Ofto
`W)Iiir
9,1 'i Ire
1 1 1(D, . - . 2
1.572
221
-80
Ergebnis vor Zinsen und
Steuern (EBIT) .
Beteiligungsergebnis
Zinsergebnis
1.963
231
-89
Ergebnis vor Steuern
(EBT) - .259 908 1.314 1.687 2.105 1.713
Unternehmensteuern -23 -101 -264 -366 -481 .. -442
Jahresüberschuss
auf Minderheiten entfallen-
der Jahresüberschuss
236
9
807
12
1.049
11
1.321
12
1.624
12
1.271
11
auf MAN-Aktionäre ent-
fallender Jahresüber-
schuSs 226 796 1.038 1.309 1.612 1.260
Thesaurierung -39 -572 -637 -863 -1.096 -630
Ausschüttung 187 224 401 446 515 630
Persönliche Ertragsteuer
auf Ausschüttung -49 -59 -106 -118 -136 -166
Ausschüttung nach per- '
sönlichen Ertragsteuern 138 165 295 328 379 464
1

141
Fiktive Zurechnung von
Thesaurierung
Persönliche Ertragsteuer
auf fiktive Zurechnung
Wachstumsbedingte The-
saurierung
0 0
0
0
0
0
630
-83
-73
Der Wert der: so ermittelten Überschüsse muss nach der Ertragswertme-
thode auf den Stichtag der Hauptversammlung abgezinst werden. Der Ka-
pitalisierungszipssatz soll die Beziehung zwischen dem bewerteten Unter-
nehmen und den anderen Kapitalanlagemöglichkeiten herstellen. Aller-
dings kann selbst bei einer Reduzierung des Risiközuschlages nicht da-
von ausgegangen werden, dass damit ein Wert erreicht wird, der den Wert
der Marktkapitalisierung übersteigen würde.
Zutreffend ist der Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Kapitafisierung
- zinssatzes unter Berücksichtigung persönlicher Ertragsteuern in der Be-
. wertung..durch die Antragsgegnerin: Da die finanziellen ÜberSchüSse aus
der- alternativ am Kapitalmarkt zu tätigenden Anlage der perSönlichen.Erj.
tragSbesteuerung der Unternehmenseigner unterliegen, -ist der Kapitalisie-
rungszinssatz unter Berücksichtigung der persönlichen Steuerbelastung
zu ermitteln (vgl.
:
OLG München NJW-RR 2014, 473,, 474; AG 2007, 287,
290; ZIP 2006; 1722,172
.
5; 'OLG Stuttgart AG 2007, 128, 134.: OLG Kerb-
ruhe AG 2013, 353, 355). Dabei ist -im _Rahmen der Unternehmensbewer-
tung nach dem im Zeitpunkt der
.
Hauptversammlung massgeblichen Steu-
erregime -der Abgeltungssteuer von einem Steuersatz von 25 % entspre-
chend der gesetzlichen Regelungen in §§ 43, 43 a Abs. 1 Nr. 1, 32 d Abs:›
1 Satz 1 EStG auszugehen, der auch angesetzt wurde. Zudem ist der So-
- lidaritätszuSchlag. zu beachten, woraus sich dann ein Steuersatz von
26,375 % errechnet.

(1
- Der Ansatz eines Basiszinssatzes. von 2,25 % yor Steuern mass
nicht korrigiert werden, auch wenn von einem dreinionatigen Refe-
renzzeitrauni vor dem Zeitpunkt der Hauptversammlung ausgegan-
gen werden muss.
(a)
Der Basiszinssatz_ war in Anwendung det Zinsstrukturkurve der .
Deutschen Bundesbank ais sachgerechte' Methode zu seiner
Ermittlung auf 225 % vor Steuern bZw. 1;66 % nach Steuern
festzusetzen:
Der Basiszinssatz bildet eine gegenüber der Investition in' das
zu bewertende Unternehmen risikölose und laufzeitadäquate
Anlagenhöglichkeit ab, Die .Ermittlung des Basiszinssatzes-an-
hand der Zinsstrukturkurve ,vön Zeroborids quasi ohne Kredit-
ausfallrisiko kann MethodisCh nicht beanstandet werden. Es ist
nämlich betriebsWirtschaftlich gefordert, dass der: Kapitalisie-.:
_ . .
rungäzinssatz für ,
den zu ka-Pitalisierenden ZahlungSstrorn. hin-
sichtlich Fristigkeit,' ,Risiko und Besteuerung äquivalent sein
muss.. Die . Zinsstrukturkwve stellt den Zusammenhäng zwi-
schen der Verzinsung und den Laufzeiten von dem' .Markt ge-
handelten Anleihen dar und gibt den Zusammenhang.zwischen
VerzinSung bzw. .Rendite einer Anleihe und deren Laufzeit wi-
. der. Die nach der sogenannten 'Svensson-Methode ermittelte
Zinsstrukturkurve bildet den laufzeitspezifischen Basiszinssatz
den sogenannten Zerobcind-Zinssatz - ab. Sie ist in der
Rechtsprechung zu Recht weithin anerkannt (vgl. OLG ,Karlsru-
he, Beschluss vorn 15.11.2012, Az. 12 W66/06; OLG Frankfurt
NZG 2012, 1382; 1383; 2013,,69, 70; OLG hilünchen AG 2012,
749, 752 = Der Konzern 2012, 561, 564; ZIP 2009, 2339, 2341
= -WM 2009, .1848, 1850; Peemöller/Kunowski in Peemöller,
Praxishandbuch der UnternehmensbeWertung, a.a.O,, S. 323
f.). Nur ..dadurch kann der Grundsatz der Laufzeitäquivalenz
verwirklicht werden; Die
.
Annähme, es müsse auf den zum Be-

wertungsstichtag aktuellen Zinssatz für langläufige Bundesan-
leihen abgestellt werden, übersieht, dass die Unternehmens-
bewertung auf die Ewigkeit ausgelegt ist.
Zur Glättung kurzfristiger MarktschWankungen kann dabei al-
lerdinds nicht auf den stichtägsgenauen Basiszinssatz abge-
stellt- werden; vielünehr errechnet sich der Basiszinssatz aus -ei-
nem Drei-Monats-Durchschnitt, wobei der, massgebliche Zeit-
raum hier von der HauptverSammlung auszugehen .hat. .Dies
ergibt sich aus dem Grundgedanken, dass - die Barabfindung
gemäss § 327 b Abs. 1 Satz 1 AktG die Verhältnisse,der Gesell-
schaft im Zeitpunkt der Beschlussfassung -der :Hauptversamm-
lung berücksichtigen muss,
Dabei ist es auch nicht -geboten, den- BasiszinsSatz in -Phase I
. jeweils -für ein konkretes Planjahr gesOndert
.
auszuweisen,, die
einheitliche Festlegung des Basiszinssatzes für den gesamten
Beurteilungszeitraum stellt eine allgemein übliche und nicht zu
beanstandende Vorgehensweise' dar (so ausdrücklich OLG
München NJW-RR 2014;. 423, 474). Dies ergibt sich letztlich
auch aus der Überlegung, dass Erträge zwar. ährlich erzielt und
ausgeschüttet werden sollen, die Dauer des Unternehmens und'
. . .
damit die Ermittlung des Ertragswertes in die Ewigkeit angelegt
ist und demzufolge auch nicht von einer jährlich neu stattfin-
denden Alternativanlage ausgegangen werden kann, wenn Be-
wertungsaniass das Ausscheiden eines Aktionärs aus der Ge-
sellschaft ist (vgl. LG München!, Beschluss vorn 30:3.2012, Az,
5 HK 0 11296/06).
b) Eine Reduktion wegen der Existenz von Credit Default Swaps
muss nicht erfolgen. Allein der Umstand, dass am Markt auch
. Credit Default Swaps in Bezug auf staatliche Anleihen der Bun-
desrePublik Deutschland zu beobachten sind, -rechtfertigt nicht

den Ansatz einer Kürzung des Basiszinssatzes. Zum einen ist
die Bundesrepublik Deutschland - ungeachtet einer möglichen,
aber keinesfalls sicheren Verwirklichung: von Haftungsrisiken
als Folge der Staatsschuldenkrise innerhalb des Euro-RaurnS
Unverändert ein sicherer Schuldner. Auf ein theoretisches
Restausfallrisiko kornrrit es nicht entscheidend an, weil völlig ri-
sikofreie Anlagen ohnehin-.nicht verfügbar sind. Zudem ist aus
anderen SpruchVerfahren gerichtsbekannt, dass es zwar Spe-
kulationen gegen ,die Bundesrepublik Deutschland gibt; diese
sind indes zahlenmässig so gering, dass eine Berücksichtigung
beim Basisiinssatz nicht .gerechtfertigt sein kann. Weiterhin
kann auch nicht tirnberüCksichtigt bleiben, dass die Staatsschul
den der BUndegrepüblik Deutschland aufgrund der Neurege-
lungen in Art. 109 Abs. 3 und Art. 115 Abs. 2 GG zumindest
nicht in dem .Ausmass ansteigen dürfen, wie dies, in der Vergan-
genheit immer wieder zu beobachten war (vgl. OLG Frankfurt,-
Beschluss vom 24.11.2011, Az. 21 VV 7/11; LG München 1,

Be-
schluss vorn- - 7=5.2014, Az. 21386/12; Beschluss vom
28.6.2014, Az. 5HK 0 22657/12; Beschluss vom 29.8.2014, Az.,
5HK 0 7455/14; Beschluss vom 6,3.2015; Az: 5HK 0 662/13)..
(2) Für die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes muss der Basis-
zinssatz um einen RiSikozuschlag erhöht ,werden, der_ nach § 287
Abs. 2 ZPO zu schätzen ist. Der.Grund für den Ansatz eines Risiko-.
zuschlages liegt darin, dass Investitionen in Unternehmen 'im Ver-
gleich zur Anlage in sichere oder zumindest quasi-sichere öffentli-
chen Anleihen einem höheren Risiko ausgesetzt sind..Dieses Risiko
wird bei einem risikoaversen Anleger durch höhere Renditechancen
und damit einen, erhöhten Zinssatz aüsgeglichen, weshalb der An-
satz eines Risikczuschlages unumgänglich ist, zumal der Verzicht
auf dieSen die ohnehin nicht durch die Planring abgegoltenen Risiken
wie politische Krisen; Naturkatastrophen oder weitere nicht in die

Planungsrechnung einzubeziehenden allgemeinen wirtschaftlichen
Risiken vernachlässigen würde: Ebenso kann die Gefahr des Verfeh-
lens der Planungsziele nicht völlig unberücksichtigt bleiben. Ange-
sichts dessen geht die heute nahezu einhellig vertretene obergericht-
liche Rechtsprechung vorn Erfordernis des Ansatzes eines Risikozu-
schlages aus (vgl. nur OLG München ZIP 2009, 2339, 2341 = WM
2009, 1848, 1850; KG NZG 2011, 1302, 1304 = AG 2011, 627, 628 f.
= ZIP 2011, 2012, 2013 = WM 2011, 1705, 1706 f.; OLG Stuttgart,
Beschluss vom 17.10.2011, Az. 20 W 7/11; AG 2014, 208, 211; OLG
Frankfurt NZG 2012, 549, 550 = Der Konzern 2012, 199, 205 f.;
ebenso Peemöller/Kunowski in: Peemöller, Pradshandbuch der Un-
ternehmensbewertung, a.a.O., S. 325).
Vorliegend war dieser Risikozuschlag nach persönlichen Ertrags-
.
steuern in den Jahren der Detailplanungsphase auf 5,11 % im Jahr
2013, auf 5,45 % in 2014, auf 5,39 % in 2015, auf 5,21 % in 2016,
auf 5,23 % in 2017 sowie auf 5,02 % im Zeitraum der Ewigen Rente
festzusetzen.
(a) Die Frage, wie der Risikozuschlag im Einzelnen zu ermitteln ist,
wird in Rechtsprechung und Literatur nicht einheitlich beurteilt
(aa) Mehrheitlich wird davon ausgegangen, der Risikozuschlag
könne mittels des (Tax-)CAPNI (Capital Asset Pricing Mo-
del) ermittelt Werden: Danach wird die durchschnittliche
Marktrisikoprämie, die anhand empirischer Daten aus der
langfristigen Differenz zwischen der Rendite von Aktien
und iisikuiosen sidiatlichen Anleihen ei echnel vvird, mit
einem spezifischen Beta-Faktor multipliziert, der sich aus
der Volatilität der Aktie des zu bewertenden Unterneh-
mens ergibt. Zur Begründung der Massgeblichkeit dieses
kapitalmarkttheoretischen Modells wird vor allem ausge-

führt, dass bei der Feststellung des Unternehmenswertes
intersubjektiv nachvollziehbare Grundsätze unter Zugrun-
delegung von Kapitalmarktdaten. Anwendung fänden und
dass es kein anderes Modell gebe, das wie das CAPM die.
Bewertung risikobehafteterAnlagen,möglichkeiten erläute-
re. Demgegenüber verfüge die .herkömmliche Multipli-
katormethode über kein festes theoretisches, sondern e-
her ein empirisches Fundament und 'werde zudem nicht
durch.-die theoretische Forschung unterstützt. Mit dem
CAPM werde gegenüber der RisikozusChlagsMethode ei-
ne .ungleich höhere Qualität infolge der grösseren Nach-
prüfbarkeit erreicht (vgl. OLG Düsseldorf WM 2009, 2220,
2226; OLG Stuttgart AG ;2010; 510, 512; AG 2008, 510,
514 f.; NZG 2007, 112, 117 = AG 2007,:128, 133 f.; Paul-
sen in: Münchener Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 305
Rdn. 126; Sirnon/Leverkus in; Simon,' SpruchGl.
Anh § 11 Rcin. 126 f.).
(bb) Die Kammer vermag der vielfach vertretenen alleinigen
Massgeblichkeit des (Tax-)CAPM in dieser Allgemeinheit
nicht zu folgen. Es ist nämlich nicht erkennbar, dass das
(Tax-)CAPM -den anderen Methoden zur Ermittlung des
Risikozuschlages eindeutig überlegen wäre. Auch bei ihm
hängt das Ergebnis in hohem Masse von der subjektiven
Einschätzung des Bewerters ab, die nur nicht unmittelbar
durch die Schätzung des RiSikozuschlages selbst ausge-
übt wird, sondern Mittelbar durch die Auswahl der Para-
meter für die Berechnung der MarktrisikOprämie sowie des
Beta-Faktors. Die rechnerische Herleitung des Risikozu-
schlages" täuscht darüber hinweg, dass aufgrund der Viel-
zahl von Annahrinen, die für die Berechnung getroffen
werden müsSen, nur eine scheinbare Genauigkeit erreicht

wird und nicht etwa eine exakte Bemessung des für die
InVestition in das konkrete Unternehmen angemessenen
Risikozuschlages. Schon, die zu treffende Aussage, in-
wieweit die Daten aus der Vergangenheit auch für die zu-
künftige Entwicklung aussagekräftig sind, unterliegt :sub-
jektiver Wertung. Dies zeigt sich bereits am Auswertungs-
zeitraum, für den die Überrendite ermittelt wird. Aus einer
Vielzahl_ anderer - Spruchverfahren ist gerichtsbekannt,
dass es eine Reihe von Studien gibt, die für unterschiedli-
che Zeiträume Werte für die Marktrisikoprämie vor Steu-
ern in Anwendung des arithmetischen Mittels zwischen
4,90 % und 10,43 % ermittelten; hinsichtlich des geometri-
schen Mittels werden Studien aufgezeigt, die vor Steuern
Werte zwischen 1,7 % und 6,80 % ergaben. EbenSo ist
die Auswahl der Unternehmen, die in eine Peer Group
vergleichbarer Unternehmen einbezogen werden, stark,
von der 'subjektiven Einschätzung desjenigen abhängig,
der über die VergleiChbarkeit der Unternehmen im Einzel-
nen entscheidet (vgl. OLG. MCinchen WM 2009, 1848,
1850 f: =. ZIP 2009, 2339, 2341; Grossfeld, Recht, der Un-
ternehmensbewertung, a.a.O., Rdn. 694 'f.; -auch Reuter
AG 2007, 1, 5; sehr kritiSch zum CAPM auch-EmmeriCh in:
Festschrift für Uwe H. Schneider, 2011, 5. 323, '328 f.,
331).
Auch sieht die Kammer in der Anwendung des arithmeti-
schen Mittels Mit einer jährlichen Wiederanlage des voll-
.

stäzicligen.Aktienportfolios, wie es in den einz-inn !r_A!-
Standards- empfohlen wird, kein hinreichend taugliches
Kr,iterium.. Insoweit liegt nämlich ein Widerspruch .zu der
Annahme einer auf Ewigkeit angelegten Unternehmenstä-
tigkeit vor. Für daS aktuelle steuerliche Regime der Abgel
tungssieuer unter Einschluss der Versteuerung von Ver-

äusserungsgewinnen gehen empirische Untersudhungen
nämlich von einer sehr viel längeren Haltedauer aus.
" Wenn der Wert des Unternehmens in die Ewigkeit ermittelt
werden soll und vor allem auch die AlternatiVanlage in Ak- -
tien anderer Unternehmen vergleichbar sein soll, steht die-
Annahme eines jährlich stattfindenden vollständigen Akti-
enaustausches hierzu in Widerspruch. Weiterhin. ist gegen
das arithmetische-
.
Mittel als alleiniger Massstab zur Ermitt-
lung des Risikozuschlages zu berücksichtigen, dass in all
den Fällen, in denen die Anlageperiode. nicht 1 ist; es zu
Verzerrungen kommt (vgl. Wagner/Jonas/ BallWieser/
Tschöpel WPg 2006, 1005, 1017 f.),.
Die Alternative zum arithmetischen Mittel hegt im geomet-
rischen Mittel, bei dem die Wertpapiere zu Beginn des Un-
tersuchungSzeitraumes gekauft und an: deSsen Ende vefr
kauft werden; die jeweiligen Erträge werden dabei jährlich
wieder angelegt. Dabei. wird allerdings äLiCh zu berück-
sichtigen sein, dass das. geometrische Mittel. ebenso Wie
das arithmetische Mittel zu Verzerrüngen des" Unterneh-
menswertes führt, wenn die Anlageperiode nicht gleich 1
ist (vgl. .Wagner/Jonas/Ballwieser/Tschöpel WPg 2006,
1005, 1017 f.).
Insoweit geht die Kammer in ständiger Rechtsprechung
davon aus, zwischen diesen beiden Extremen liegende
Werte anzusetzen (vgl. nur LG München I, Beschluss vom
6.11.2013, Az. 5HK 0 2665. /12; Beschluss vom 28.3.2014,
Az. 5HK 0 18925/08; Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0
21386/12; Beschluss vom 29.8.2014, Az. 5HK 0 7455/13).
(cc) Vielniehr ist der Risikozuschlag mittels einer empirischen
Schätzung zu gewinnen, die im Rahnien einer Gesamt-

wördigung aller massgeblichen Gesichtspunkte der konkre-
ten Situation des zu bewertenden Unternehmens Rech-
nung trägt. Dabei können auch die unter Anwendung des
CAPM gewonnenen Daten als eines der Elemente für die
Schätzung des Risikozuschlages herangezogen werden.
(b) Beim (Tax-)CAPM als einem der massgeblichen Elemente zur
Ermittlung des anzusetzenden Risikozuschlags ergibt sich die-
ser aus dem Produkt von Marktrisikoprämie und dem Beta-
Faktor.
(aa) Das (Tax-)CAPM geht von einer Marktrisikoprämie aus,
die sich aus der Differenz zwischen der erwarteten Rendi-
te des Marktportfolios und dem risikolosen Zinssatz ergibt.
Dabei vermag die Kammer indes den Ansatz einer Markt-
risikoprämie von 5,5 °/0. nach Steuern nicht zu teilen, die
entsprediend einer Verlautbarung des FAUB des IDVV
vom 19.9.20'12 und einer, aufgrund voh aktuellen Marktbe-
obachtungen und Kapitalmarktstudien von Ratingagentu-
ren basierende implizit ermittelten Marktrisikoprämie von
den Bewertungsgutachtern angesetzt und von den Ver-
tragsprüfern nicht beanstandet wurde.
Der Ansatz einer impliiit aus Prognosen Von Finanzana-
lysten und - Ratingagenturen ermittelten Marktrisikoprämie
ist-nicht geeignet, diese Überrendite abzuleiten. Gerade
die Schätzung von Finanzanalysten und Ratingagenturen
ist in hohem Masse abhängig von deren subjektiver Ein-
schätzung. Angesichts dessen täuscht die rechnerische
Herleitung des -Risikozuschlages darüber hinweg, dass
aufgrund der Vielzahl der zu treffenden Annahmen nur
ne scheinbare Genauigkeit erzielt Werden kann und nicht
etwa eine exakte Bemessung des für die Investition in das

konkrete Unternehmen angemessenen RisikozuschlageS.
Ebenso wie die zu treffende Aussage, inwieweit Daten aus
der. Vergangenheit Auch. für die zukünftige Entwicklung
aussagekräftig sind, unterliegen die Überlegungen Und
Einschätzungen von Ratingagenturen, Finanzanalysten
oder auch von Kapitalmärktstudien subjektiVen Einschlä-
gen, weshalb es mehr als pröblematisch ist, aus ihnen die
künftige Marktrisikoprämie-unter Einfluss der -Folgewirkun-
gen der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise abzu-
schätzen. Gegen diesen Ansatz spricht insbesondere
auch die Überlegung> dass die Marktkapitalisierung als In-
put-Parameter, für die Bemessung der Marktrisikoprämie
herangezogen. wird (zu diesem Erfordernis ausdrücklich
Wagner/Mackenstedt/Schieszl/LencknerANillershausen
WiDg. 2013, 947, 967). Das Modell zur Ermittlung impliziter
Kapitalkosten muss konsistent zum Bewertungsmodell L
.

vorliegend also zum Ertragswertverfahren - sein. Ein in al-
le Verfahren einfliessender Paranieter ist der Unterneh-
Menswert bzw. der 'Marktwert des Eigenkapitals. Dabei
wird üblicherweise auf den Aktienkurs bzw. die Marktkapi-
talisierung zurückgegriffen. Würden aber die übrigen zur
Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten und damit der
impliziten Marktrisikoprämie erforderlidhen Parameter mit
Ausnahme des gesuchten Risikozuschlags entsprechend
den Annahmen im Bewertungsmodell angenommen, ist
.

die Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten nicht er-
forderlich, weil die Verwendung eines so ermittelten Ei-
genkapitalkostenansatzes exakt zum Börsenkurs führen
und dann unmittelbar auf diesen.abgestellt werden könnte
(vgl. LG München I, Beschluss vom 14.2.2014, Az. 5HK
16505/08; Beschluss vom 28,3.2014, Az. 5HK 0

18925108; auch Zeidler/Tschöpe/Bertram CF 2014, 70, 72
f.).
Gegen den Ansatz einer mit den Besonderheiten der
Auswirkungen. der Finanzmarkt- und Staatssdhuldenkrise
begründeten höheren Märktrisikoprämie Spricht weiterhin
der Umstand, dass die Vergangenheitszahlen, die zu der
vom IDW bislang zugrunde gelegten ursprünglicheni
Marktrisikoprämie . nach Steuern unter Geltung der Abgel-
. - tungssteuer mit Werten zwischen 4,0 °A. und 5,0 % führte,
bereits mehrere konjunkturelle Zyklen mit Phasendes Auf-
wie auch des Abschwungs umfasSte..Wenn davon auszu-
gehen ist, dass es nach der Finanzmarktkrise zu einem -
wenn auch' überraschend raschen - erneuten Aufschwung
kam, erScheint bereits fraglich, ob es sich dabei um eine
schwere und lange Wirtschaftskrise handelt (vgl. hierzu
LG Frankfurt, Beschluss. min 8.6.2015, Az. 3-05 0
198/13). Die These einer konstant realen 'Aktienrendite,
die angesichts eines, historisch niedrigen Basiszinssätzes
vertreten wird, lässt sich empirisch nur schwer.untermaü-
ern. In der Bewertungsliteratur wird zwar wiederhölt auf
Marktanalysen .verwiesen, wonach die GeSamtrenditeer-
Wartung der Anteilsnehmet nicht gesunken, sondern kon-
stant geblieben. sei (vgl: Wagner/Mackenstedt/
Sdhieszl/WillershauSenWPg 2013, 948, .950 ff.; Zeid-
ler/Tschöpe/Bertram . ,CF 2014, 70, 77 ff.; -
Baetge/Niemeyer/Kürnrnel/Schulz in: Peemölfer, Praxis=
handbuch där Unternehmensbewertung, a.a,O., S. 396 f.).
Diese These ist allerdings - wie die Kammer aus anderen
Spruchverfahren weiss
.
- nicht unumstritten, sondern- eben-
so vertreten wird, die Kapitalmarktteilnehmer würden in-
folge des VerharrPns des Renditeniveaus-quasi-risikoloser

Bundesanleihen auf dem-aktuell niedrigen Stand auch ihre
Renditeerwartungen für risikobehaftete Investitionen redu-
zieren.'Bei dieser Ausgangslage mit dem Fehlen eindeuti-
ger empirischer Studien, die konstant reale Renditeforde-
rungen beStätigen oder ausschliessen, ist ein Ansatz einer
Marktrisikäprämie, die _ sich im Schnittbereich der ur-
sprünglichen Empfehlung, des Fachausschusses Unter-
nehmensbewertung des IDW mit den angepassten neue-
ren Empfehlungen ansiedelt, sachgerecht.
Für den Ansatz einer - lViarktrisikoprämie in Höhe von 5 %
nach Steuern sprechen auch die Wertungen des Gesetz-
gebers, auf die zurückgegriffen werden kann. In § 203
Abs: 1 :BewG -legte der Gesetzgeber für das vereinfachte
Ertragswertverfahren einen Risikozuschlag von 4,5 % fest,
wobei diesem Ansatz ein durchschnittliches. Marktrisiko. ,
zugrunde liegt. Auch wenn diese Vorschrift nur im'verein-:
fachten Ertragswertverfahren zur Anwendung gelangt,
kann die darin zum Ausdruck gekommene Grundent 7
-scheidung und Wertung des Gesetzgebers nicht gänzlich
ausser Acht gelassen werden' (vgl. OLG München WM
2009, 1848, 18
.
51 = ZIP 2009, 2339, 2342, AG 2014; 453,
455 = Der Konzern 2014, 172, 174 = NJW-RR 2014, 473,
474 f; AG 2015, 508;512 = ZIP 2015, 1166: 1170). Zwar
lag zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Neuregelung in §.
203 Abs. 1 BewG. der BaSiszinssatz deutlich höher. Doch
-wird die Wertung des:Gesetzgebers bei einer ErhöhLing
der Marktrisikoprämie um einen Prozentpunkt zu stärk in
den Hintergrund gedrängt. Die Kammer erachtet den An-
satz, ein Investor berücksichtige .bei seiner Renditeerwar-
tüng auch den Rückgang des Bäsiszinssatzes, weshalb
die Überrendite in ihrer Höhe keiner Veränderung bedürfe,

-als jedenfalls nicht weniger geeignet, um die Marktrisi-
koprämie festzulegen.
Angesichts. dieser Überlegungen, denen -es ungeachtet
der unterschiedlichen - auch vor dieser Xammer vorge-
nommenen - Erkfärungsversüche zur Rechtfertigung der
Empfehlung des FAUB deS EDW an einer verlässlichen
empirischen Grundlage fehlt; sieht die Kammer im Wege
einer SChätzung nach § 287 Abs. 2 ZPO die "Schnittmen-
ge" von 5,0.% als sachgerecht an. Die Berechnungen der
Vertragsprüfer in ihrer dritten ergänzenden Stellungnahme
rechtfertigen auch kein anderes ErgebniS, weil auch' hier
der grundlegende Kritikpunkt gilt, dass dieses Ergebnis
stets abhängig ist von der Auswahl der-Zeitdauer und den
Anfangs- und Endpunkten der gewählten Zeitreihen.

(bb) Vorliegend bestehen keine grundlegenden Bedenken, dass
indiviclUelle Risiko im Rahmen der Anwendung des (Tax-
)CAPM als einem der Elemente zur Ermittlung des Risiko-
- zuschlages über eine Peer Group,abzuleiten, zumal diese
zu einem geringfügig niedrigeren RiSikozuschlag führt als
der Ansatz über den originären Beia-Faktor der.MAN SE.
Die Zusammensetzung -der Feet Group, aus der sich ein
unverschuldeter Beta-Faktor von 0,90. ergibt, - begegnet
keinen grundlegenden Bedenken. Allein aus dem Um-
stand, dass die MAN SE in vier Bereichen operativ tätig
ist, kann die sachgerechte Bewertung mit einem Beta-
Faktor und über eine Peer Group nicht infrage gestellt
werden.
Dabei muss nämlich gesehen werden, dass gerade auch
Vergleichsunternehmen wie die Daimler AG, Volvo, isuzu

Motors Ltd., Scania AB nicht nur schwere Lkw und Busse
vertreiben, sondern zum Teil auch im Bau Von Schiffsmo-
toren engagiert sind. Caterpillar Inc. produziert Bau- Lind
Bergbaumaschinen sowie -fahrzeuge, Diesel- und Gasmo-
toren sowie Industriegasturbinen, weshalb ein erheblicher
Teil des Geschäftsbereichs' grosse. Überschneidungen mit
MAN Diesel & Turbo aufWeist.
Dies -gilt in gleiCherWeise für Wärtsilä Corporation, einem .
internationalen Hersteller und Anbieter von Kraftwerksan-
lagen und Anteilslösungeri. für Schiffe. Dabei spricht der
oberhalb des Gesamtmarkts liegende. Beta-Faktor dieser
Gesellschaft, der je nach 'Betrachtüngszeitraum und Ren-:
diteintervall entsprechend den Ausführungen in der ergän-
zenden Stellungnahme vom 12.3.2015 zwischen 1,16 und
1,72 verschuldet Und zwischen 1,13 und 1;61 - unvers -chul:
det lag, nicht gegen die Unzulässigkeit der Einbeziehung"
dieses "Schiffsbauunterriehmeris in die Peer Group. Die
konStanten Ergebnisbeiträge alleine lassen nämlich kei-
.
nen Rückschluss darauf zu; es könne kein im VergleiCh
zum Gesamtmarkt überdurchschnittliches Risiko Vorlie-
gen: Erzielte Ergebnisse einer GesellSchaft stellen' zwar
durchaus eine kureeeinflussende Grösse dar; allerdings
handelt es sich dabei nur um eine von mehreren Einfluss-
grössen. Während der Finanzkrise gingen die Umsatzerlö-
se zwar nur:geringfügig zurück; allerdings war ein wesent- -
licher Einbruch. beim Auftragseingang zu verzeichnen -
der Auftragsbestand ging nämlich .von .Euro 6,683 Mrd. im
Jahr 2008 auf Euro 3,795 Mrd. im. Jahr 2010 und mithin um
rund 45 % zurück. Auch das operative Ergebnis sank um
über 30 -% im Vergleidh zum Vorjahr. Für das Ergebnis je
Aktie zwischen Euro 1,37 und Euro 1,97 in den Jahren 2007 bis
2012..Waren ausweislich der Geschäfteerichte dieser Ge-.

sellschaft zum Teil auch Sondereffekte wie ein Aktien-
rückkauf im Jahr 2010 oder ausserplanmässige Abschrei-
bungen im Jahr 2009 verantwortlich. Gerade der Rück-
gang der Auftragseingänge in den Jahren der Finanz-
marktkrise zeigt deutlich die Konjunkturabhängigkeit von
Wärtsilä als unter anderem in der Fertigung von Kraft-
werksanlagen und Antriebslösungen für Schiffe tätigem
Unternehmen, was sich letztlich in einem über 1 liegenden
und damit überdurchschnittlichen Betä-Faktor widerspie-
gelt.
Ebenso wenig muss die Einbeziehung der anderen Unter-
nehmen korrigiert werden. Eine vollständige Identität und
damit Vergleichbarkeit kann nie angenommen werden,
weshalb für die Frage der Vergleichbarkeit das Gesamt-
bild der einzelnen Unternehmen entscheidend ist; dabei.
spielen die angebotenen Produkte, ähnliche Techniken
oder das Tätigwerden auf vergleichbaren Märkten eine
wesentliche Rolle. In Anwendung dieser Kriterien konnte
lsuzu in die Gruppe der Vergleichsunternehrtien aufge-
nommen werden. Bei diesem Unternehmen gibt es den
Schwerpunkt "Vehicle", der aus den Bereichen Lkw, Bus-
se und Pick up besteht und knapp 2/3 des Umsatzes im
Fahrzeugbereich ausmacht Der Schwerpunkt der Um-
satzerzielung liegt mit 70 % in Asien; der Rest verteilt sich
auf die übrige Welt einschliesslich der Vereinigten Staaten
von Amerika. Da der Schwerpunkt der Absatzmärkte in
entwickelten Ländern liegt und vor allem auch die Ge-
schäftstätigkeit weitgehend mit der der MAN SE ver-
gleichbar ist, konnte dieses Unternehmen in die Peer
Group aufgenommen werden. Ähnliches gilt für Navistar,
das 61 % seiner Umsätze mit Lkw und 37 % mit Motoren
und Komponenten erzielt. Wenn die regionale Verteilung

auch einen deutlichen Schwerpunkt mit 78 % in den, USA
aufweist, steht dies derAufnahme in die Peer Group nicht
entgegen, selbSt wenn sich die regionale Aufteilung von
der der MAN SE unterscheidet. Wesentlich :ist auch hier
die. Qberlegung, dass Navistar einen erheblichen Teil' sei-
ner UmsätZe in entwiCkelten Märkten erwirtschaftet.
Caterpillar konnte ebenfalls in die Gruppe der Vergleichs-
unternehmen aufgenommen werden, weil die von diesem
Unternehmen hergeStellten grossmotorigen Maschinen vor
allem für den Baubereich durchaus mit MAN 'vergleichbar
sind.
Soweit von Seiten der AntragSteller gerügt wurde Mitsub-
ishi Heavy Ihdustries, Cummins .Inc. Und Alstom -seien
nicht in -die Peer Group aufgenommen worden, so ist dein
entgegenzuhalten, dass die Vertragsprüfer eine eigene
Peer Group auf der Basis einer Abfrage bei Bloorriberg
aufgestellt haben, in die dann' zwölf Unternehmen aufge-
nommen wurden,. nadhdem zunächst ein erweiterter Kreis
von 190 Unternehmen als potenziell vergleichbaraus der
Datenbank von Bloomberg herausgesuCht ,worden war.
Dabei wurde Cummins Inc. von den Vertragsprüfern mit
einem oberhalb des durchSchnittlichen Beta-Faktors der
Peer Group liegenden Risiko in ihrer Peer. Group berück-
sichtigt.
Eine Einbeziehung. weiterer Unternehmen, insbesondere
von Mitsubishi Heavy Industries und Alstom müSste nicht
erfolgen. Bei Mitsubishi Heavy Indüstries resultiert dies
aus der .Erwägung heraus, dass dieses Unternehmen -ei-
nen Grossteil seiner Umsatzerlöse in mit der MAN SE nicht
oder allenfalls bedingt vergleichbaren Geschäftsfeldern
erzielt. Dies gilt vor allem für-die Aktivitäten in den Berei-

chen der Luftfahrt, der Raumfahrtsysteme Lind des Schiff-
baus. Ebenso wenig müsste das französische Industrieun-
ternehmen Alsfarn äufgenomrnen werden, wie die Ver-
tragsprüfer in :ihrer zweiten ergänzenden Stellungnahme
herausgearbeitet haben. Zur Begründung verwiesen sie
insbesondere darauf, dass lediglich der Kraftwerksbau mit
MAN SE vergleichbar sei, während ein signifikanter. Anteil.
an Unisatzerlösen auf Märkten erzielt werde, auf denen
MAN SE nicht aktiv ist wie beispielsweise bei intelligenten
Stromsystemen. Abgesehen davon würde eine Einbezie-
hung dieser beiden Unternehnien keine Veränderungen
der Feststellunden zum Beta-Faktor nach sich ziehen, der
unverschuldet bei Pvlitsubishi Heavy Industries bei 0,7 und
bei AlStärn zwischen 0,95 und 1,17 lag.
Der Ansatz des unternehmenseigenen Beta-Faktors der
MAN SE würde zu keinen günstigeren Werten für die Min-
derheitsäktionäre führen. Die Vertragsprüfer ermittelten in
ihrem Prüfungsbehöht verschuldete Beta-Faktoren der

MAN SE, die bei wöchentlichen Renditeintervallen im Zeit-
raum bis zum 8.1.2013 bei Werten zwischen 1,09 bis 1,62
und zwischen 1,06 und 1,3 für Zeiträume vor dem
8.5.2011 - also für Zeiträume vor der Bekanntgabe der
Verpflichtung zur. Abjabe eines Übernahmeangebots
durch die - lagen. Bei moriatlichen Rendi-
teintervallen lägen die verschuldeten Beta-Faktoren zwi-
schen 1,45 und 1,86 bzw. 1,48 und 1,88.
Irr? Zeitraum vom 97 9 7007 bis zum 9 5 2011 gab es kei-
ne wesentliche Beeinflussung durch Zukäufe; der unver-
schuldete Beta-Faktor in einem Zweijahreszeitraum vor
dem 9.5.2011 läg unter Heranziehung unterschiedlicher
Refereeindizes in. einer Bandbreite von 0,88 bis 0,96.

Auch diese Werte sind :mit denen der Peer Gröup ver-
gleichbar, aus der ein .unverschuldeter- Beta-Faktor von
.0,9 abgeleitet Wurde.
Die auf diese Art und Weise ermittelten RiSikozuschläge für die
einzelnen GesChäftsjahre stehen in Einklang mit den sich aus
der speziellen "Situation der GeSellschaft am Märkt ergebenden
Risiken, die gerade auch unter Berücksichtigung der Verschul-
düngssituation der MAN SE leicht über -dern-.Marktdurchschnitt
, -
liegen und in der Ewigen Rente angesichts .rückläufiger .Ver7"
schuldung nahezu exakt dem MarktdurchSchnitt entsprechen.
Dabei bedeutet es ein erhebliches Risiko, dass MAN in der. In-
'vestitionsgüterindustrie tätig ist und folglich in nicht unerhebli-
chem 'Ausmass unmittelbar den konjunkturellen SChwankUngen
der Völkswirtschaften unterliegt. Bei. einer Verschlechterung der
gesamtwirtschaftlichen Lage ist die Gesellschaft 'unmittelbar
davon betroffen, selbst wenn infolge der Diyersifikation auf
mehrere GesChäftsbereiche und der "Phasenverschiebungen
beim Schiffsbau sich. die Auswirkungen einer Veränderung der
KonjunktUr in den einzelnen GeSchäftsfeldern unterschiedlich
auswirken werden. In bestimmten Märkten können bei der Risi-
koeinschätzung auch die geostrategischen Nachteile nicht un-
berücksichtigt bleiben: Zudem muss der in der Zukunft zuneh-
mende 'Wettbewerbsdruck gesehen werden, der gerade die er-
strebten Margen belasten kann. Dieser WettbewerbSdruck kann.
ebenso wie allgemeine Risiken
.
der politischen Lage in den
Märkten der MAN SE zum Verfehlen der Planzahlen führen. -
Andererseits kann die starke Stellung der MAN SE in wichtigen
Absatzmärkten nicht übersehen: werden, die sich auch in der
Planung mit dem Gewinnen weiterer Marktanteile widerspiegelt.

Das Finanzstrukturrisiko, das sich ebenfalls auf die Risikostruk-
tur einer Gesellschaft auswirkt, stellt sich so dar, dass die MAN
. SE nur in den Jahren 2013 und 2014 im Vergleich zum jeweili-
gen Vorjahr von einem höheren Verschuldungsgrad ausgeht
und es daran anschliessend jeweils zu einem Rückganq des
Nettobetrags der Verbindlichkeiten kommt. In ihrer dritten er-
gänzenden Stellungnahme legten die Vertragsprüfer noch de-
taillierter die Entwicklung des jeweiligen Verschuldungsgrades
dar, der 2013 bei 25,2 % und im Jahr 2014 bei 27,3 % liegen
sollte, bevor er auf Werte von 25,9 % im Jahr -2015, 22,9 % in
2016 und 20,5 % zum Ende der Detailplanungsphase in 2017
absinken soll. Für den Terminal Value wird von einem Ver-
schuldungsgrad von nur 15,7 % ausgegangen. Daher ist es
konsequent, wenn bei sinkendem Finanzstrukturrisiko auch der
Risikozuschlag ab 2015 sinkt und auch im Terminal Vaiue
nochmals zurückgeht.
(d) Die im Zähler des Bewertungskalküls ansetzende Sicherheits-
äquivalerizmethode stellt keine vorzugswürdige alternative
Möglichkeit zur Berechnung des Risikozuschlages dar. Bei ihr
erfolgt keinerlei Ableitung aus am Kapitalmarkt:zu beobachten-
den Daten; vielmehr sind die Risikoabschläge im Zähler ledig-
lich auf der Basis einer Risikonutzenfunktion der Anteilseigner
unmittelbar ableitbar. Allerdings- gibt es keine quantifizierbaren
Informationen zum Grad der RisikoaVersion der Anteilseigner
bzw. deren Risikonutzenfunktion. Deren Ermittlung wird indes
kaum möglich sein und weist inSbesondere in den Fällen, in
denen mehrere Pcrccncn ü
m ssewertLingsprczess beteHig
t
nahezu unlösbare Probleme auf. Zudem muss gesehen wer-
den, dass derartige Bewertungen, die_ vielfach nur für einen
speziellen Investor gelten, nicht intersubjektiv nachprüfbar wä-
ren und damit nicht qeeignet sein werden, einen objektivierten

Unternehmenswert zu ermitteln (vgl LG München I, Beschluss
vom 28.3.2014, Az. 5HK 0 18925/08; Beschluss vom
.
27.6-.2014, Az. 5HK 0 7819/09).
(3) Eine Erhöhung däs mit 1 % angesetkten Wachstumsabschlags für
den Zeitraum der EWigen Rente ist nicht veranlasst.
(a)
Mit dem Wachstumsabschlag wird zugunsten des Aktionärs be-.
rücksichtigt, dasS sich die Geldentwertung bei festverzinslichen -
Anleihen stärker., auswirkt .als bei einer Unternehmensbeteili-
gung. Das Unternehmen hat in der Regel die Möglichkeit, die
Geldentwertung zumindest zu einem Teil durch Preiserhöhun-
geh aufzufängen, während die Anleihe ohne
.
Inflationsausgleich
zum-Norninalwert zurückgezahlt wird. Die Höhe des festzuset-
_zenden.Abschlages ist dabei abhängig von den Umständen des.
EinzelfalleS. Massgeblich ist Vor allem, ob und in welcher Weise"
Unternehmen die erwarteten -Preissteigerungen an die . Kunden
weitergeben können; daneben sind aber auch sonstige prog-
nostizierte Margen und Strukturänderungen zu. berücksichtigen
(vgl: OLG Stuttgart AG 2007, 596, 599; NZG 2007, 302; 307;
AG 2008; 783, 788 f.; OLG München WM 2009, 1848, 1851 =
ZIP 2009, 2339, 2342; AG 2015, 508, 512 = ZIP 2015, 1166,
1171; OLG Düsseldorf WM 2009, 2220, 2227). Ausschlagge-
bend ist dabei primär die individuelle Situation des Unterneh- -
mens, nicht die allgemeine Entwicklung zum Bewertungsstich
tag. Dabei kann nicht auf Umsätze und deren Entwicklung. in
Relation- zur Inflationsrate abgestellt werden;
.
entscheidend ist
vielmehr das Wachstum der Ergebnisse. Indes kann die erwar-
tete durchschnittliche Inflationsrate nur einen ersten Ansatz-
punkt für die Höhe des Wachstumsabschlages bilden. Es ist
nämlich zu beachten, dass - wie auch aus anderen Verfahren
gerichtsbekannt ist 7 Unternehmensergebnisse anderen

Preiseinflüssen als der Verbraucherpreisindex unterliegen, weil
Chancen und Risiken nominalerrErgebnisveränderungen so-
wohl von der Marktlage und Wettbewerbssituation als auch der
- Struktur jedes einzelnen Unternehmens abhängen. Gerade bei
den Möglichkeiten, .Kostensteigerungen auf die Abnehmer um-
zulegen, muss- die strukturelle Lade des Marktes gesehen Wer-
den, in dern ein starker Wettbewerb gerade ' auch im .LKW-
Bereich herrscht, der sich auch - auf die MAN SE auswirkt und
dann aber gerade nicht zu höheren ErtragSsfeigerungen führen
kann: Abgesehene davon kann auch hier nicht ausser Betracht
bleiben, dass die Gesellschaft in einem .Sehr konjunkturabhän-
.digen, zyklischen WirtSchäftszweig tätig ist, bei dem es nicht
nur zu Gewinnsteigerungen kommt sondern dass in der Ewi-
gen Rente auch. Einbrüche. oder zumindest konjunkturelle Ab-.
Schwungphasen zu .berücksichtigen niedrigeren sind, die zu
Wachstumsraten "der- Überschüsse oder auch. zu Jahresfehlber
trägen führen können.
Eine höhere Überwälzbarken kann nicht angenommen werden.
Die. Vertragsprüfer -wiesen bei ihrer .Anhörung im Termin vom
16.12.2014 .überzeugend darauf .hin,- dasS auch
.
die Problematik
der Obenivälzbarkeit der Kostensteigerungen auf die Abnehmer.
berücksichtigt und entsprechend plausibilisiert werden muss:
Bei einer 5. %-igen InfiationSrate muss eine sehr hohe_ Über-
.
. wälzbarkeit angenommen werden, um auf ein 1 %-iges Wachs-
tum zu kommen. Für den zentralen Bereich. der "Commercial.
Vehiciesm ergibt sich aus .der G±V-Rechnung, die den Prüfern
vorlag, implizit, wie in der Vergangenheit Kosten- und Preisstei- 7.
gerungen vorlagen. Um ein Preiswachstum von 1 70 erzielen zu
können, müssen über 95 %, in Europa sogar über 97 -% über-
- wälzt Werden-können. Da aus den Erfahrungen der Vergangen-
heit bereits 90 % als utopisch angesehen werden mussten, gibt
es keine hinreichenden. Anhaltspunkte dafür, im zentralen Be-

reich "Commercial Vehicles", aber auch bei der MAN SE insge-
samt könne ein höheres Wachstum als 1 % erzielt werden,
auch wenn Kostensteigerungen ohne Preissteigerung durch Ef-
fizienzsteigerungen ausgleichbar sind:: Auch wenn die EBIT-
Marge im Terminal Value oberhalb des Wertes der Vergangen-
heit- und vor allem auch, der Detailplanungsphase angesiedelt
wurde, müssen Effizienzsteigerungen im Zeitverlauf an Kunden
weitergegeben werden, weil auch der Kunde an diesen einge-
tretenen Verbesserungen teilhaben möchte.
Auch die Preisentwicklung mit den Berechnungen eines durch-
schnittlichen Umsatzerlöees je LKW spricht gegen eine höhere
Überwälzbarkeit. Dabei haben die Vertragsprüfer im Rahmen
ihrer Prüfung die Kostenentwicklung über die gesamte LKW-
Flätte betraChtet und die für Phase I angesetzten Werte in ihre
Erwägungen zum Wachstumsabschlag einfliessen lassen. Sie.
erläuterten zudem anhand eines. konkreten Beispiels .der Ein-
führung neuer Abgasnormen, dass durch diese strengeren An-
forderungen entstehende Kostensteigerungen bei einem - mit
Ausnahme der Motorteile, die der Erfüllung dieser strengeren
Normen dienen sollen - unveränderten LKW nicht in vollem
Umfang an die Kunden weitergegeben werden können, wobei
gerade in diesem Fall die Kostensteigerungen nicht ganz nied7
rig waren. Angesichts der Planung in Euro musste nach dem
Grundsatz der Währungsparität auch nicht auf länderspezifi-
sche Inflationsraten abgestellt werden.
Ein denkbarer technologischer Vorsprung gerade auch bei der
Einführung strengerer Abgasnormen rechtfertigt aus den bereits
genannten Gründen auch keinen höheren Wachstumsabschlag.
(b) Dem Ansatz eines Wachstumsabschlages von 1 % kann nicht
entgegen gehalten werden, dadurch komme es zu einem dau-

erhaften Schrumpfen des Unternehmens, selbst wenn das infla-
tionsbedingte Wachstum unterhalb der erwarteten allgemeinen
Preissteigerungsrate liegen solite Der Wachstumsabschlag bil-
det im Terminal Value nur das preisbedingte Wachstum ab. _
sätzlich müssen aber auch die Folgen der Thesaurierung in die
_Betrachtung des künftigen Wachstums eines Unternehmens
einfliessen. Der Ansatz theSaurietungsbedingten Wachstums ist
angesichts der Aufgabe der Vollausschüttungshypothese not --
wendig. Durch die Berücksichtigung der Thesaurierung in der
Ewigen_Rente kann reales Wachsturb begründet werden. Dabei
muss ihsbesondere gesehen werden, däss die 'früher der Un-
ternehmensbewertung :Zugrunde gelegte VöllauSschüttungshy7
pothese den Re.alitäten nicht entsprochen hat, so dass der An-
satz von Thesaurierung .und. demgemäss auch -von thesalirie-
runasbedingten Wachstum in der Ewigen Rente als sachge-
reCht und zutreffend bezeichnet werden muss (vgl. auch OLG
.
'
München, Beschluss vom 9.6.2015, Az. 31 .Wx 246/14; .LG
München Beschluss vorn 28.3.2014, Az. 5 HK 0 18925/08, S.
55 f.; BeSchluss vom 7..5:2014, Az. 5HK 0 21386/12; 8..56).
Über den Ansatz dieses thesaurierungsbedingten WachStums
im Terminal Value kommt es zu einer d.eutlich höheren Wachs-
tumsrate von deutlich über 49/0 unter .Berücksichtigung auch ei-
ner Kursgewinnbesteuerung in Höhe von 13; 1875 %. Ange-
sichts des_ eingeschwungenen Zustands in der Ewigen Rente
lässt sich ein weiteres mengenbedingtes Wachstum allerdings - .
nicht rechtfertigen, weil gerade davon ausgegangen wird, es
komme 2(.1 keinen Erweiterungsinvestitiänen, weshalb auch die
Abschreibungen aus einer Reinvestitionsrate. gebildet werden.
Erwirtschaftete Ergebnisse bleiben über die Thesaurierung im
Unternehmen und erwirtsch- aften dort eine Rendite, die der Vor-
Steuer-Unternehmensrendite entspricht. Selbst wenn, der An-
satz einer fiktiven Ausschüttung eine Vereinfachung beinhaltet,

_kann er nicht verworfen werden.. Dabei handelt es sich gerade
nicht um ein rein theoretisches Modell, weil - wie bereits ausge-
führt - in der Realität deutscher AktiengeSellschaften eine Voll-
.
ausschüttung der Gewinne gerade nicht stattfindet. Der thesau-
rierte Teil bleibt im Unternehmen .und erwirtschaftet dort dann
auch. entsprechende Renditen, die dann wiederum eine im
nächsten Jahr zumindest leicht angestiegene Dividende .brin-
gen sollen. Eine fiktive Vollausschüttung neben einer Thesau-
rierung zu unterstellen würde aber. zü einer züsätzlichen:AuS-
schüttung deSsen führen,. was ein Aktionär' letitlich bereitS er
halten hat.
(c) Aus der Studie. der Europäischen Zentralbank zum Gewinn-
wachstum börsennotierter Aktiengesellschaften lässt sich ein
anderes Ergebnis irn Sinne eines höheren-Wachstumsabschla-
ges nicht rechtfertigen. In dieser Studie sind näinlich auch die:
im Unternehmen verbleibenden thesaurierten Gewinne enthal-
ten. Deren Berücksichtigung führt - wie bereits' erläutert - zu
deutlich höheren Wachstumsraten als das rein preiggetriebene
Wachstum, das im Wachstumsabschlag berüCksichtigt wird.
Ebenso wenig ergibt sich aus der Studie von Creutzmann
BewP 2011, 24 ff., eine ändere Beurteilung, auch - wenn er die
Kerngrössen zur Ermittlung des Wachstumsabschlags Brutto-
inlandsprodukt, :Inflationsrate und GewinnWachStum der Unter-
nehmen - zusammenfasst. Danach lag das Gewinnwachsturn
der Unternehmen in DeutSchland von 1992 bis 2009 bei 2,4 %
und damit oberhalb der allgemeinen Preissteigerungsrate von
1,9 %. Der Wachstumsabschlag von 1 % spiegelt dabei aller-
dings nicht das Gesamtwachstum der erzielbaren Überschüsse
wider. Dieses ist vielmehr unter Einbeziehung des (impliziten)
thesaurierungsbedingten Wachstums zu ermitteln, das - wie
bereits erläutert - deutlich höher liegt.

Zudem lassen Studien; die auf die von der Europäischen Zent-
ralbank angepeilte Inflationsrate von 2 % abstellen, ausser Be-
tracht, dass für den Wachstumsabschlag wesentlich die Inflati-
on auf den Beschaffungsmärkten für das bewertete Unterneh-
men ist. Demgemäss rechtfertigt namentlich eine Untersuchung
von Schüler/Larnpenius, die
.
in Auswertung von. 134 Bewer-
tungsgutachten aus dem Zeitraum von 1985 bis 2003 zu dem
.Ergebnis gelangte, für zwei von drei denkbaren Inflatiensschät-
zern sei ein negatives Realwachstum festgestellt worden, kein
anderes Ergebnis ableiten,' nachdem die Datengrundlage mit
dem Ansatz des Verbraucherpreisindex in Deutschland bzw.
den Schätzungen der Deutschen Bundesbank insofern nicht zu
überzeugen vermag, weil sie nicht die unternehmensSpezifi-
sche Inflation auf den jeweiligen BeSchaffungsmärkten des zu
bewertenden Unternehmens hinreichend beachtet.
(d) Die Problematik, inwieweit mit weiteren Investitionen eine-höhe-
re Rendite als die des Kapitalisierungszinssätzes zu verdienen
sein könnte, kann im Rahmen dieses Verfahrens keine Rolle
spielen. Die Vertragsprüfer wiesen nämlich zu Recht darauf hin,
dass das Unternehmenskonzept der MAN SE mit seinen ein-
zelnen Einheiten keine Erweiterungen im Sinne von Erweite-
rungsinvestitionen für neue Werke oder eine Erweiterung der
Modellpalette auf grundlegend neue Modelle wie beispielsweise
Motorräder vorgesehen hat. Dabei handelt es sich um eine un-
ternehmerische Entscheidung des Vorstandes - gegebenen-
falls unter Einschaltung des Aufsichtsrates-, die indes von den
(Minderheits-) Aktionären nicht beeinflusst werden .kann und
auch für das Spruchverfahren hingenommen werden muss. In
der Vergangenheit eingetretene Optimierungseffekte, die Preis-
steigerungen auf Beschaffungsseite ausgleichen konnten, kön-
nen in der Ewigen Rente angesichts des vorhandenen Gleich-

gewichtszustandes nicht einfliessen und damit auch den Wachs-
tumsabschlag nicht beeinflussen.
(e) Ein - Zusammenhang zwischen der Marktrigikoprämie und dem
Wadhstumsahschlag besteht _nicht in der Art und Weise, wie er
zum Teil von den AntragStellern geltend gemacht wird. Der
Urnstahd, dasS ein Anleger von risikobehäfteten Investitionen in
- Aktien gegenüber der Anlage in quasi-risikofreie deutsche
Staatsanleihen einen Aufschlag verlangt, steht mit der Frage,
-inwieweit es.-den enterechehden Aktiengesellschaften gelingt,
die Kostensteigerungen langfristig in vollem Umfang auf ihre
Kunden abwäben zu können, -in keinern Zusarnmenhang. Auch
ist nicht erkennbar, warum die.- Renditeanfordeningen. mit der
Inflatioh steigen sollten. Es handelt ich
.
.hierbei um grundlegend
verschiedene Bewertungsparameter, die in keinem zwingenden
Grössenverhältnis. zueinander stehen (vgl. OLG Frankfurt Der
Konzern 2012, 199, 208; OLG München AG 2014, 453, 456; LG
München - I, Beschluss väm 27.6:2014, Az. 5HK 0 7819/09).
(-0
Ein höherer Wachstumsabschlag lässt sich auch - nicht aus- der
Überlegung heraus ableiten, däss nach dem Vortrag eines An-
tragstellers bei Volvo und Scania für die Bewertung der Anteile
an -der Gesellschaft ein VVachstumsabschlag von 2 % angesetzt
werde. Dies bedeutet indes keinen Widerspruch zu dem ermit-
telten Wachstumsabschlag, Die Gesamtwachstumsrate bei
MAN SE liegt nämlidh über diesem Wert von 2 %. Abgesehen
davon unterscheiden sich auch die Aufgaben eines impairment-
Tests von den der Ermittlung des Ertragswerts- eines Unter-
nehmens im Rahmen einer aktienrechtlichen Strukturmassnah-
me, weil der Impairment-Test in erster Linie Bezug zur Bilanzie-
rung hat: und nicht der Ermittlung eines objektivierten Unter-.

nehmenswertes dient (vgl. LG München I, Beschluss vom
21.6.2013, Az. 5HK 0 19183/09).
(g) Auch aus Aussagen von Vorstandsmitgliedern anderer LKVV-
Hersteller, die zudem zeitlich nicht in unmittelbarem Zusam-
menhang mit dem Stichtag der Hauptversammlung stehen,
kann kein anderer Wachstumsabschlag begründet werden.
Dies resultiert bereits aus der Erwägung heraus, dass die Or-
gane anderer Aktiengesellschaften andere Vorstellungen hin-
sichtlich des eigenen Tätigwerdens auf bestimmten Märkten
haben und deren Entwicklung gegebenenfalls auch unter-
schiedlich einschätzen können.
Angesichts dessen ergibt sich aus den kapitalisierten Überschüssen er-
rechneter ErtragsWert unter BerücksiChtigung einer Aufzinsung vorn be-
wertungstechnischen Stichtag 31.12.2012 auf den Tag der Hauptver-
sammlung am 6.6.2013 in Höhe von Euro 13,212 Mrd. wie folgt:
236
9
i=J
7 4 ?1 ( 2 litY. -17 ~IYl2
807
12
1.049
11
1.321
12
1.624
12
UI
1.271
11
Jahresüberschuss
auf Minderheiten entfallender.
Jahresüberschuss
auf MAN-Aktionäre entfal-
lender Jahresüberschuss 226 796 1.038 1.309 1.612 1.260
Thesaurierung -39 -572 -637 -863 -1.096 -630
Ausschüttung
Persönliche Ertragsteuer auf
187 224 401 446 515 630
Ausschüttung -49 -59 -106 -118 -136 -166
Ausschüttung nach persön-
lichen Ertragsteuern 138 165 295 328 379 464
Fiktive Zurechnung von The-
saurierung
Persönliche Ertragsteuer auf
fiktive Zurechnung
0 0
0
0.
0
0 0 630
-83

q Ihz311 .1.1 ,f2:11
Wachstumsbedingte.Theau-
rierune 0 0 -73
Kapitaliierungsinssetz 6,76 . 7,11.% 7,04 %. 6,87 % 6,88 % 6,68%
Barwert zum 1. Januar : 129 144 - .241 251 . 271 11.81 .0
Ertragswert zum 31. De-
zember 2012
Aufzinsungsfaktor
12.847
'1,028
Das nicht betriebsnotwendige Vermögen der Gesellschaft wurde zutref
fend mit einem Wert von Euro 64 Mio.. angesetzt und bedarf folglich keiner
Korrektur.
( ) Dies gilt .zunächst für die als Finanzanlagen gehaltenen Immobilien.
sowie ein Grundstück in -Brasilien, die mit einem Wert von insgesamt
Euro 57 Mio. in den-Unternehmenswert eingeflossen sind. Dabei würde
der von den Vertragsprüfern hinreichend analysierte Marktwert von Euro
71 Mio. zum Stichtag zugrunde gelegt. Ausgangspunkt waren :einer-
seits die , Buchwerte- der Immobilien; andererseits enthielt die' den
Prüfern vorgelegte Liste auch die Angaben, die zur Ermittlung des
Marktwertes der einzelnen Immobilien notwendig waren wie bei- -
piplsweise Angebote, Bodenrichtwerte, Erbbauzinsen sowie, vor-.
handene Gutachten. Zur Analyse erörterten die 'Vertragsprüfer die
Werte mit den VerantWortlichen, nahmen aber insbesondere auch
Stichproben vor hinsichtlich der Bewertungen bzw. des Nachweises
des Marktpreises.
Da beim nicht betriebsnotwendigen Vermögen ,zum Stichtag eine
Veräusserung unterstellt wird, müssen die steuerlichen Folgen aus
der Aufdeckung stiller Reserven in die Unternehmensbewertung ein-

fliessen, weshalb von dem Veräusserungserlös die anfallenden Unter-
nehmenssteuern in Höhe von Euro 14 Mio. abgezogen werden mussten,
wozu namentlich die Körperschaftsteuer samt Solidaritätszuschlag
auf den Veräusserungsgewinn sowie die Gewerbesteuer gehören
(vgl. LG München I, Beschluss vom 284.2015, Az. 5HK 0
13475/01).
(2) Zutreffend bewertet wurde auch das zum 31.12.2012 vorhandene
Körperschaftsteuerguthaben, in dem es über den Zeitraum der vo-
raussichtlichen Auszahlung auf den Zeitpunkt der Hauptversamm-
lung diskontiert wurde; woraus sich ein Sonderwert von Euro 7 Mio.
ergab.
(3) Weitere Positionen konnten dem nicht betriebsnotwendigen Vermö-
gen dagegen nicht zugeordnet werden.
(a) Bei
.
der MAN SE existierte -kein über die Darstellung in dem
Bewertungsgutachten und dem ,Prüfungsberiäht hinausgehen-'
des' nicht betriebsnotwendiges :VerMögett.- Hierfür' fanden sich
ausweislich der Auskunft der Vertragsprüfer in ihrer ergänzen-
den Stellungnahme vorn 1.9:2014 keinerlei Anhältspunkte. Sie
erörterten dieses Thema mit den Vorstandsmitgliedern insbe-
sondere auch anhand der zu sseginn der Prüfung erbetehen An-
forderungsliste. Dem Konzernabschluss sowie den Teilkon7
zernabschiüssen konnten die Verträgsprüfer keine Anhalti-
punkte für das Vorhandensein wertrelevanten, nicht betriebs-
notWendigen Vermögens entnehmen. Gerade die (testierten)
Abschlüsse bieten eine 'gute Basis für die vorzunehmende Ana-
lyse, weil deren Inhalt auch im Spruchverfahren verwertet wer-
den kann. Es gibt nämlich keine Hinweise auf die Ungültigkeit
dieser Abschlüsse, weshalb die Vertragsprüfer darauf auch
aufbauen .konnten (vgl. OLG München, Beschluss vom

7.12.2012; Az. 31 Wx 16
.
3/12; LG München I, Beschluss vom
21.6.2013,'Az. 5HK 0 19183109).
'Diese Erwägung führt dann aber auch dazu, dass - auch wenn
es sich bei der MAN SE. um ein .
Unternehmen mit einer langen
Tradition handelt - nicht vom 'Vorhandensein auch nur ansatz-
weise

wertrelevanter Kunstgegenstände ausgegangen werden
kann, nachdem diese dann .auch entsprechend bilanziert wer-
den müssten. Allein um eine Erhöhung der garabfindung um 1
Cent zu erreichen, müssten Kunstgegenstände im Wert von
.
-fast Euro 1,5 Mio; unberücksichtigt geblieben sein. Da der Kon-
zernabschluss testiert wurde, kann auch hier nicht angenom-
Men ,Werden, Kunstgegenstände seien zu Unrecht unberück-
sichtigt geblieben.
(b) Die vorhandenen liquiden Mittel konnten nicht als Sonderwert
angesetzt werden, weil sie alä betriebsnotwendig einzustufen
waren. In Phase I besteht ein Nettofirianzschyldenunterhang;
der - wie schon dargestellt - zu einem negativen Zinsergebnis
führt; Infolge der bewertungstechnischen Verrechnung der li-
quiden- Mittel in diesem Zeitraum wird sichergestellt, dasS nicht
niedrig verzinsliche liquide Mittel und gleichzeitig ,höher verzins-
liche Schulden vorgehalten werden und damit Unternehmens-
werte planungStechnisch "vernichtet" würden: Diese Planungs-
prämisse mit ihrer Unterstellung der Schaffung eines erfolgrei-
chen konzernweiten Pooling geht folglich nicht zulasten der
Minderheitsaktionäre.
(c) Ein steuerliches Einlagenkonto im Sinne des § 27 KStG musste
nicht als Sonderwert einfliessen. Im gesamten Zeitraum der De-
tailplanungsphase wie auch im Terminal Value wird nicht davon
ausgegangen, dass es zu Ausschüttungen kommen werden,
die den Umfang der erwirtschafteten Jahresüberschüsse über-

steigen könnten. Folglich kommt es nicht zu einer als Kapital-
rückzahlung zu qualifizierenden Ausschüttung. Angesichts des-
sen wäre der Ansatz eines Sonderwerts für das steuerliche Ein-
lagenkonto nicht sachgerecht.
(d) Für realisierbare Schadensersatzansprüche gegen Dritte fan-
den die Vertragsprüfer keine hinreichend belastbaren Anhalts-
punkte. Dabei muss in diesem Verfahren nicht abschliessend
entschieden werden, ob derartige Ansprüche nur dann zu be-
rücksichtigen sind, wenn sie vom Schuldner nicht bestritten o-
der durch ein Gericht rechtskräftig festgestellt sind (so OLG
Gelle AG 2007, 865, 866 = ZIP 2007, 2025, 2026; OLG Stuft-
' gart NZG 2000, 744, 746 = AG 2000, 428, 430). Ein derartiger
Ersatzanspruch kann als Sonderwert indes nur denn berück-
sichtigt werden, wenn aus der Sicht des Stichtags ein Zufluss
mit hinreichender' Sicherheit zu erwarten war. Dies lässt sich
vorliegend allerdings nicht bejahen, weil nicht erkennbar ist,
dass derartige Ansprüche seitens der hierfür zuständigen Or-
gane der MAN SE gerichtlich oder aussergerichtlich geltend ge-
macht worden wären (vgl. OLG München AG 2015, 508, 512 =
ZIP 2015, 1166, 1171).
(e) Der Wert der Marke "MAN" oder weiterer der Gesellschaft zu-
stehenden Markenrechte musste ebenso wenig wie der Wert
von Kundenbeziehungen als Sonderivert im Rahmen der Er-
mittlung des Werts des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
berücksichtigt werden.
(aa) Die Marke dient nämlich unmittelbar dem Erzielen der Er-
löse, weshalb ihr Wert über die Ertragsplanung in die Un-
ternehmensbewertung einfliesst und demzufolge nicht im
Rahmen des nicht betriebsnotwendigen .Vermögens Be-
rücksichtigung finden kann (vgl. LG München I, Beschluss

vorn 21.11.2011, AZ, 5HK ..O 14093/09; Beschluss vorn
24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11; Beschluss . vom
21.6.2013, Az. 5HK 0 19183/09; Beschluss vorn 7.5.2014,
Az. 5 HK 0 21386/12; Beschluss vom 28.5.2014, Az. 5HK
0.22657/12; Beschluss vom 31.10.2014, AZ. 5HK 0.
16022/07: LG Frankfurt :am - Main, Beschluss vom
9.8.2010, Az. 3-5 0 73/04).
(bb) Diese Überlegungen gelten in der gleichen Art und Weise
für die Kundenbeziehungen; weil auch diese dem Erzielen
der Überschüsse dienen Lind folglich vollumfänglich beim
Ertragswert BerüCksichtigung fanden (vgl. LG München I,
Beschluss vorn 29.08.2014, AZ. 5HK 0 7455/13).
Daraus ergibt sich dann ein UnternehmensWert Von Euro 13,276 Mrd. oder Euro
90,29 je Aktie:
Die Anhörung der Vertragsprüfer von hat zu diesem für die
Kammer überzeugenden ErgebniS geführt Die DurChführung einer ge-
sonderten Beweisaufnahme durch Einholung eines gerichtlich bestellten
Sachverständigen ist auch unter Berücksichtigung des in § 17,Abs. 1
SpruchG in Verbindung mit § 26 FarnFG normierten Amtsermittlungs-
grundsatzes nicht geboten. Ein gerichtliches Sachverständigengutachten
muss nur dann eingeholt werden,. wenn nach der Anhörung des Prüfers,.
die sachlich auf § 8 Abs. 2 Satz 1SpruchG gestützt wurde, weiterer Auf-.
klärungsbedarf besteht (vgl.. OLG München Der Konzern 2014, 172, 173;
AG 2015, 508, 512 = ZIP 2015; 1166, 1172; Klöcker in: Schmidt/Lutter,
AktG, 2. Aufl., § 8 Rdn.4 Fn.7; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., § 8
Rdn. 21 .; im Grundsatz auch Drescher in: Spindler/Stilz, AktG, 2. Aufl.; § 8
SpruchG Rdn. 8). Aufgrund des , Vertragsprüfungsberichts, der ausführli-
chen- Erläuterungen in mehreren Anhörungsterrninen und den aufgrund .
von § 7 Abs. 6 SpruchG eingeholten ergänzenden Stellungnahmen der

Vertragsprüfer hat die Kammer keinen Zweifel an der Plausibilität der
Planannahmen sowie den Fes. btellungen zur Ewigen Rente einschliesslich
der Grundfragen des Kapitalisierungszinssatzes sowie zum nicht betriebs-
notwendigen Vermögen.
Soweit von Seiten einer Reihe von Antragstellern die Auffassung vertreten
wird, die Anhörung der gemäss § 293 c Abs. 1 AktG bestellten Vertragsprü-
fer diene nur der Aufklärung über ihre anlässlich der Prüfung getroffenen
Feststellungen, nicht jedoch der Überprüfung der inhaltlichen Angemes-
senheit der Planung und sonstiger Bewertungsparameter (in diese Rich-
tung auch Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., Vorb. §§ 7
bis 11 Rdn. 29 und § 8 Rdn. 32 f.) vermag dem die Kammer nicht zu fol-
gen. Diese Auffassung ist mit dem vom Gesetzgeber befolgten Zweck des
§ 8 Abs. 2 SpruchG nicht vereinbar. Mit der Anhörung des sachverständi-
gen Prüfers soll nach dem Willen des Gesetzgebers die Erkenntnisbasis
schon zu Beginn des Verfahrens verbreitert und eine eventuell zusätzlich
notwendig werdende Beauftragung eines gerichtlichen Sachverständigen
zur Begutachtung bestimmter Fragen erleichtert werden. Damit allerdings
erschöpft sich nicht die Zielsetzung dieser Vorschrift. Bereits aus der For-
mulierung in der Begründung des Regierungsentwurfs zu § 8 SpruchG,
die sich der Deutsche Bundestag erkennbar zu eigen gemacht hat, ist zu
entnehmen, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, es könne auch auf-
grund der Anhörung des Prüfers eine abschliessende Entscheidung des
Gerichts getroffen werden. Hierfür spricht insbesondere auch der Gedan-
ken in den Gesetzesmaterialien, die Prüfungsberichte sollten künftig ver-
stärkt als Grundlage zur Entscheidungsfindung der Gerichte beitragen; der
Beschleunigungseffekt soll sich dann gerade auch daraus ergeben, dass
ein gerichtliches Sachverständigengutachten als Folge der Bestellung und
letztlich auch der Anhörung ganz vermieden werden kann (vgl. BT-
Drucksache 15/371 S. 14 f und 18; auch Riegger/Gayk in: Kölner Kom-
mentar zum' AktG, a.a.O., Einl SpruchG Rdn. 50). Dann aber muss es
dem Gericht möglich sein, auch Aussagen des gerichtlich bestellten Sach-
verständigen zu Bewertungsfragen im Rahmen seiner Entscheidung
zu

verwerten.- Dem steht letztlich auch nicht die Formulierung iri § 8 Abs. 2
Satz 1 SpruchG entgegen, wenn dort die Anhörung des Prüfers als "sach-
verständiger Zeuge" beschrieben wird. Auch wenn dies suggeriert, er solle
dem Gericht nur Tatsachen bekunden, die er aufgrund seiner besonderen .
Sachkunde wahrgenommen hat (vgl § 414 ZPO), kann seine Rolle nicht
'auf die eines sachverständigen Zeugen_ beSchränkt werden, weil anderen-
falls der vom Gesetzgeber bezweckte: Effekt der Beschleunigung des Ver-
fahrens konterkariert Würde. Dies gilt _urnso mehr, als das Problem der
rechtlichen Einordnung des gerichtlich' bestellten Prüfers in den Geset-
. zesmaterialien nicht weiter problematisiert wurde.
(1) . Die weitere Einschaltung eines gerichtlich bestelften Sachverständi-
gen wird namentlich auch nicht vom Schutz der Minderheitsaktionäre
gefordert. Die Einsdhaltung eines Vom. Gericht bestellten sachver-
ständigen Prüfers im Vorfeld der Strukturmassnahmen soll dem prä7-:
ventiven Schutz der. Anteilseigner im' Spruchverfahren, dienen; des- .
halb kann sein Prüfungsbericht zusammen mit dem Ergebnis einer
auf § 8 Abs. 2 SpruchG gestützten Anhörung zusammen mit der auf;
grund von § 8 Abs, 2 Satz 3 SpruchG eingeholten ergänzenden Stel-
lungnahme im gerichtlichen Verfahren berücksichtigt
.
werden: IM Üb-
rigen haftet der sachverständige Prüfer nach. §§ 293 d Abs. 2 AktG,
323 HGB auch gegenüber dän Anteilsinhabern. Gerade durch die
Verweisung auf . die für AbschluSsprüfer geltenden Bestimmungen
der §§ 319 Abs.. 1 bis Abs, 3, '323 HGB. ist die Unabhängigkeit des
Prüfers sichergeStellt. Der Umstand der Parallelprüfung, also der
Prüfung zeitgleich mit dem. Erstellen - des Berichts, des - Hauptaktio-
närs, vermag' an der Unabhängigkeit der Prüfung. nichts zu ändern
und begründet für siclIgenomMen keine Zweifel, an der Unparteilich-
keit und UnVoreingenommenheit des vom Gericht bestellten Prüfers
(vgl. OLG München ZIP 2007, 375, 377 f.; AG 2014; 453, 454; OLG
Stuttgart AG 2007, 128, 129 f.; LG München I, Beschluss vom
29.6.2012, Az...5HK 0 .6138/11, S. 38 f.; Beschluss vdrn 28.6.2013,

Az: 5HK 0 18685/11; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., § 8 Rdn.
21; Emmerich in Emmerichfrlabersack, Aktien- und GmbH-
Konzernrecht, a.a.O., § 8 SpruchG Rdn. 6).
(2) Die` Kammer hat vor allem aber keine Zweifel an der Richtigkeit der
Feststellungen der gerichtlich bestellten Vertragsprüfer. Bei der Wür-
digung ihrer Erkenntnisse muss auch gesehen werden, dass sie -die
Annahmen aus dem. Bewertungsdufachten von ge-
- rade nicht kritiklos übernommen haben, sondern beispielsweiSe .
auch die Zusammensetzung gerade der Peer GrOup durch eigen-
ständige Oberprüfungen und die Aufnahme zweier weiterer Unter-
nehmen - Cummins Inc. sowie die in Deutschland ansässige Deuti
AG kritisch gewürdigt haben.
-.(a) Allein der Umstand, dass eine Reihe von Antragstellern PriVat-
gutachten zu ausgewählten Fragen der' Unternehmensbewer7..
tung mit. Schwerpunkt in erster Linie in der Ewigen Rehte'vorge-.
legt haben, rechtfertigt nicht die Einholung. eines 'gerichtlichen
SachverStändigengütachtens. Der Hauptkritikpunkt dieser Gut-
achten - nämlich die unterbliebene Zwischenschaltung einer
Grobplanungsphase und der Vorwurf fehlerhafte .Ansätze zum:
Umsatz Lind zur EBIT-Marge für den Terminal- Value - ist zur
Überzeugung der Kammer widerlegt, wie bereits
.
bei den ein- .
. _
zelnen Fragestellungen dargelegt wurde. Der. Ansatz. im We-...
senfileen:dauerhaft steigender.Absatziahlen In' einer konjunk-
.

lurabhängigen Branche - wie die Privatgutachten dies. auf der
BaSis von externen Studien' von LMC und IHS. .annehmen
steh LuE Übeizeuung der Kammer lm Widerspruch zur kon
junkturell -en Wirklichkeit. Gerade ein mit aus dem Wirtschaftsle-
ben' stammenden ehrenamtlichen Richtern besetzter Spruch-
körper kennt" die_ Schwankungen in einzelnen Branchen .und die
konjunkturellen Entwicklungen so weit, dass beurteilt werden

kann,. ob Annahmen zu Absatz- und Umsatzzahlen für sich ge-
nommen plaUsibel sind oder nicht, selbst wenn die ehrenamtli-
chen Handelsrichter nicht der Nutzfahrzeugbranche entstam-
men. Die Erwägungen aus den Studien vor allem von LMC,
aber auch yön HS tragen daher zur Überzeugung der Kammer -
nicht, um die Ansätze zum Umsatz und. zur EBIT-Marge in der
Ewigen Rente zu erschüttern. Zudem sieht das- Gericht auch
einen gewissen . Widerspruch, wenn einerseits über 10 oder gar
15 Jahre ein mehr oder minder starkes Wachstum angenom-
men

wird, andererseits dann aber eine Grobplanungsphase ge-
fordert wird obwohl nach den Marktstudien ein weitgehend kon-
tinuierliches Absatzwadhstum auftreten soll. :
Soweit _in den Privatgutachten die Inhalte der Schriftsätze der
Antragsgegnervertreter kritisiert werden, diese hätten darauf
verwiesen, die 114S-Prognosen sollten nicht berücksichtigt weu.
den, ist dem entgegenzuhalten, dass die Vertragsprüfer ent-:
sprechend ihrer Aufgabe die Prognosen der
.
-Business '-intelli-
gence Unit von MAN auch mit den Erwartungen insbesondere
von IHC verglichen und dabei die Abweidhungen analysiert ha-
ben. Auch. in diesem Zusammenhang muss gesehen werden,
dass die Prognosegenauigkeit der Business Intelligence Unit in
der Vergangenheit besser war als die der externen Studien.
Dieser Umstand ist für die- Kammer auch nachvollziehbar, weil
aus - einem Unternehmen Stammende Mitarbeiter die Märkte
und die Besonderheiten des eigenen Unternehmens besser
.kennen als aussenstehende Marktforscher, auch wenn deren
Erkenntnisse- durchaus in die Würdigung vorr.Prognos.en einge-
flossen sind.. Gerade bei den Absatzzahlen für MAN Latin Arne-
rica sind die von der Gesellschaft zugrunde gelegten Zahlen
deutlich besser 'als die Erkenntnisse der Marktstudien, . ohne
dass dann aber hinreichend erkennbar geworden wäre, dass
die 'Privatgiltachter diesem Geschäftssegment der MAN SE die

ungünstigeren Marktprognosen " zugrunde gelegt hätten, die
namentlich LMC angesetzt hat: Dies ist zwar aus Sicht der An-
tragsteller nachvollziehbar - doch macht dies deutlich, dass ei-
nerseits die Analysen der Privatgutachten nicht restlos stringent
sind und andererseits nicht davon ausgegangen werden kann,
die Gesellschaft habe stets nur Are', ungünstigen eigenen
Prognosen als Datenmaterial herangezogen.
Ebenso wenig sind die ErWädunaen in den Privatgutachten zur
EBITDA-Marge geeignet, die Erkenntnisse der Vertragspritter
zu erschüttern. In den Jahren der Vergangehheitsanalyse war
die EBITDA-Marge stets schlechter als die vergleichbarer Un-
ternehmen aus der Peer Group. Letztlich machen auch die im
Privatgutachten von
gezeigten Graphen deut-
lich, dass sich die UmSätZe im Wesentlichen parallel zu denen
der Vergieichsunternehmen entwickelten, was gerade auch für.
MAN Diesel & Turbo gilt. Die EBITDA-Marge selbst war nur im
Jahr 2013 schlechter; dies kann aber nach den Planannahmen
rasch aufgeholt werden, weshalb insbesondere Mitsubishi Hea-
vy Industries sowie die nach Einschätzung der Privatgutachter
vergleichbare Alstom überholt werden sollen. AngesichtS des-
Sen vermag die Kammer aus den Erwägungen der Privatgut-
achten heraus keine mangelnde Plausibilität der Planannahmen
ableiten.
Hinsichtlich der Zusammensetzung der Peer Group, die na-
mentlich von Krifisied wurde, übersieht dies,
dass die Vertragsprüfer gerade auch Cummins Inc. - im Ge-
gensalz zu den Beweducigsyuitwilielii voll
einbezogen haben. Auch haben sie überprüft, inwieweit sich ei-
ne Einbeziehung von Mitsubishi Heavy Industries und Alstom
auf den Beta-Faktor auswirken würde.

_Die Kritikpunkte am Wachstumsabschlag, die in den Privatgut-
achten vorgetragen wurden, vermögen die Kammer nicht zu
überzeugen. - Bei ihren Anhörungen und in der dritten ergänzen-
: den Stellungnahme
.
gingen die Vertragsprüfer überzeugend da-
rauf ein; Warum eine vollständige -Überwälzupg der unterneh-
mensspezifischen Inflation auf die Abnehmer nicht möglich ist ,
Und ein höheres preisbedingtes Wachstum folglich nicht ange-
setzt werden kann..
Auch aufgrund der Ausführungen in Stellungnahmen des An-
tragstellers zu 49) vermag die Kammer auch 'Sonst keine Grün-
de zu erkenhen, die dazu führen, die Planannahmen als nicht
plausibel zu bewerten, folglich muss kein Sachverständigen-
gutachten eingeholt werden: Dies gilt vor allem, äber nicht nur

für den -Bereich MAN 'Truk & BUs. .Dort erwarfet die Gesell-
söhaft im Zeitraurn der Detailplanungsphase einen Anstieg der
Umsätze vom Ist-Zustand 2012 mit Euro 8; 822 Mrd. auf Euro 11,360
Mrd., - .was einer durchschnittlichen jährlichen -WachstumSrate
von 5i 2 % entspricht. Der. Umsatz soll vom Ist-Zustand in 2012
bis -zum Ende der Phase I um ca. 28,75 % ansteigen. Auch
wenn diese Zahlen von MAN Truck & Bus mehr Ländern um-
fassen- alS die vom Antragsteller zu 49) -genannten Absatzzah-
len für Europa ohne Deutschland und Russlahd, so liegt die
Steigerungsrate deutlich über den genannten Prozentzahlen
aus der Aufstellung des Antragstellers zu 49).
(b) Die Erkenntnisse der Vertragsprüfer sind in vollem Umfang
verwertbar. Der Verwertbarkeit _ihrer Ausführungen steht nicht
der Umstand entgegen, dass in der Vergangen-
heit in Einzelfällen in geschäftlichen Beziehungen zum
stand; Die für SachverStändige geltenden Vor-
schriften der §§ 17 Abs. 1 SpruchG, 30 Abs. I FamFG, 406
ZPO finden auf die gerichtlich bestellten Vertragsprüfer keine

Anwendurg, weil sie nicht während eines kontradiktorischen
Verfahrens im Rahmen einer förmlichen Beweisaufnahme be-
stellt wurden und sie auch nicht gegenüber dem Gericht ver-
antwortlich sind, weshalb sie auch nicht als Gehilfen des Ge-
richts wie ein Sachverständiger tätig werden. Vielmehr sind die
gerichtlich bestellten sachverständigen Prüfer als Beweis- oder
Erkenntnismittel sui generis zu verstehen (vgl. Kubis in: Mün-
chener Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 8: SpruchG Rdn. 2;
Krieger/Mennicke in: Lutter, UmwG, 4. Aufl., § 8 SpruchG Rdn.
6; Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, .a,a.0., § 8
SpruchG Rdn. 14 und 16; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., §
8 Rdn. 12; Hüffer, AktG, a.a.0:, Anh § 305 § 8 SpruchG Rdn.
4).
Die Gründe für das Bestehen eines Bestellungsverbotes erge-
ben sich vielmehr aus §§ 293 b Abs. 1 Satz 1 AktG, 319 Abs. 1
bis Abs. 4 HGB; deren Voraussetzungen indes nicht erfüllt sind.
Angesichts dessen kann'ein Verwertungsverbot nicht bestehen,
ohne dass die Kammer abschliessend entscheiden müsste, ob
ein derartiges Bestellungsverbot auch diese Rechtsfolge eines
Verwertungsverbotes nach sich ziehen würde.
Ein Bestellungsverbot in Bezug auf.
aus § 319 .
Abs. 4 St.z 1 HGB liegt erkennbar nicht vor. Angesichts der .
Beteiligungsverhältnisse bei der MAN SE. Aus dem Zusam-
menhang zwischen § 319 Abs. :4 Satil letzter Halbsatz HGB
.
und § 319 Abs. 2 HGB muss - weiterhin die Schlussfolgerung
gezogen vverden,:dass . die Tätigkeit anderer als der für den Prü-
tungsbericht verantwortlich zeichnenden Wirtschaftspruter nicht
.
zu einem . Ausschluss und einem Bestellungsverbot. führen
-kann. Der Prüfungsbericht wurde unterzeichnet und damit Ver-
- antwortet von
, ninht jedoch von den Mitgliedern

des AutomotiVe-Teams einschliesslich deren Verantwortlichen
Eine frühere Tätigkeit der den Be-
richt vor där Kamhier erläuternden
wurde von keiner Seite behauptet: Sie haben lediglich
die in dem Bäreich AutoMotive -übermittelten Informationen
verwertet -und sich darauf aufbauend ein eigenVerantWortliches
Urteil gebildet.
Abgesehen dävon konnte
während seiner Anhörung nurnicht ausschliessen, dasS die Lei-
ter des Aütomotive-Teams in der Vergangenheit im Einzelfall
für den tätig waren. Dieser Umstand begründet
selbst wenn diese Tätigkeit tatsächlich erfolgt sein sollte - keine
. .
Besorgnis der Befangenheit im Sinne der §§ 293 d_Abs. 1 AktG,
3 .19 Abs-. 4 Satz 1 und Abs. 2-HGB. Selbst wenn - noch eine Eig7 .-:
nung 'Zur Beeinflussung des Ergebnisses :durch die Mitglieder
des Automotive-Teams bejaht werden sollte, kann nicht von ei-
ner Besorgnis der Befangenheit ausgegangen' werden. Diäs ist
nämlich nur dann der Fall, wenn ein wirtschaftliches 'oder sons-
tiges Eigeninteresse von nicht nur untergeordneter Bedeutung
am Ergebnis der .Prüfung besteht, nahe Beziehungen zu der zu
prüfenden Gesellschaft bestehen oder besondere Einflussnah-
men durch_ die zu prüfende. GesellsChaft bestehen. Letzteres
kann indes nur dann angen6mmen werden, wenn geschäftliche
Beziehungen in ungewöhnlichem Ausmass
.
bestehen (vgl: '
Hopt/Merkt Baumbach/Hopt, HGB, 36. Aufl.; e 319 Rdn: 9;
für den gerichtlich bestellten Sachverständigen ebenso OLG
München MDR 1998, 858; Zöller-Greger, ZPO, a.a.O., § 406
Rdn. 8). Davon, kann bei einer Tätigkeit in Einzelfällen nicht die
Rede .s -ein. Ein Befangenheitsgrund ergibt sich insbesondere
auch nicht aus der Person des bereits ca. zwei Jahre vor dem
Termin am. 1.10.2014 bei der ausgeschiede-

nen Partner, der für den
ProzesSberatung im Sinne von Ingenieursleistungen erbracht
..hat. Angesichts dieser Art der Tätigkeit sowie des Ausschei-
dens bereits vor dem Beginn der Prüfung ist vor allem auch ei-
ne -Einflussnahnie auf das Prüfungsergebnis durbh
nicht erkennbar. , der an. der Trans-
aktion zwischen der beteiligt
war, war in die Prüfung der MAN SE nicht involviert.
Da kein Bestellungsverbot bestand,-'kann ein Verwertungsver--
bot folglich nicht angenorprnen werden. AndeSichts dessen wa-
ren und-seine Kollegen von
auch nicht verpflichtet, eine
Aufstellung
von Pro-
jekten zwischen dieser Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein-
schliesslich ihrer Tochtergesellschaften und - dem
aus den letzten fünf Jahren vorzulegen:
(c) Der Verwertbarkeit der Ausführungen der Vertragsprüfer lässt
- sich namentlich auch nicht der von einigen Antragstellern vor-
gebraChte Ansetz entgegenhalten, der Prüfungsbericht ent-
spreche- nicht den gesetzlichen Anförderungen.. Dieser ohnehin
nicht näher begründete Vortrag ist nämlich nicht zutreffend. Der
Prüfungsbericht entspricht den Anforderungen, die § 293 e Abs:
1 AktG an. ihn stellt. Durch ihn soll jeder Minderheitsaktionär in
die Lage versetzt werden, die dei Festlegüng der Barabfindung
zugrunde liegenden _Überlegungen nachzuvollziehen (vgl. BT-
Drucks. 14/7034; S. 73; BGH NZG 2006, 905, 906 f. = AG
2006. 887, 889 = ZIP 2006. 2080, 2083 = DB 2005, 2506. 2508
= DB 2543, 2545 = NJW-RR 2007, 99, 100; LG München 1 AG
2009, 632,- 634 = Der Konzern 2009, 364, 369). Gemessen an
diesen Grundsätzen enthält der Prüfungsbericht eine Vielzahl
von Darlegungen, aus denen die Aktionäre Rückschlüsse zie-
hen können, ob die der Ermittlung des Ertragswerts zugrunde;

gelegte Planung plausibel ist oder nicht. Zudem haben die An-
tragsteller alS Aktionäre eine Vielzahl von Rügen erheben kön-
nen, die auf Ausführungen in dem Prüfungsbericht abgeleitet .
waren = auch dies Zeigt, däss er den an seine Tiefe zu stellen-.
den Anforderungen gerecht würde." Der Prüfungsbericht muss
demgemäss auch nicht jedes Detail der vorgenommenen Prü-.


fungshandiungen enthalten, die sie dann in der Anhörung von
den beteiligten Wirtschaftsprüfern erläutert. würden. Die 'Anfor-
derungen an einen verwertbaren Prüfungsbericht würden über-
steigert, wenn darin jeder einzelne AnalysesChritt. detailgetreu-
dargestellt werden müsste.
e. Weitere Massnahnien zur Aufklärung des Sachverhalts' sind nicht geboten.
(1)
Es besteht namentlich kein AnspruCh auf Vorlage der Planungsunter-.
lagen der Gesellschaft und der Arbeitspapiere der beteiligten ,Wirt
schaftsprüfer, weil die Voraussetzungen des §. 7 Abs. 7 Sati 1
SpruchG nicht erfüllt sind. Nach dieser sehr weit gefassten Vorschrift
sind sonstige Unterlagen, die für die Entscheidung des Gerichts er-
heblich sind, auf Verlangen der Anträgsteller oder des Vorsitzenden
des Gerichts und gegebenenfalls eines vom Gericht bestellten ge-
Meinsainen Vertreters unvärzüglidh vorzulegen. Zwar gehören auch
Planungsunterlagen einer Gesellschaft zu , den sonstigen ünterlagen
im Sinne .
dieser Vorschrift (vgl. - nur Winter in: Simon, SpruchG,
a.a.O., § 7 Rdn. 55). Allerdings haben die Antragsteller die Entschei-
dungserheblichkeit der Vorlage der vollständigen Planungsunterla-
gen nicht plausibel dargelegt, was indes zwingende Vöraussetzung
für eine entsprechende Anordnung wäre (so OLG Stuttgart, Be-
schluss vom 14.10.2010,. Az. 20 W 17. 106; Puszkajler
.
in: Kölner
Kommentar zum AktG, a.a.O., § 7 SpruchG. Rdn. 57; LG MünChen I,
Beschluss voni 7.5.2014, Az. 5HK 0 21386112). Eine derartige Ent-
scheidungserheblichkeit vermag die Kammer nicht zu erkennen. In

diesem Zusanimenhang ist entscheidend zu berücksichtigen, dass
wesentliche Grundlagen der Planung im Prüfungsbericht der gericht-
lich bestellten Vertragsprüfer dargestellt wurden, weshalb dieser eine
ausreichende Basis für die Erhebung hinreichend substantiierter.
Einwendungen bildet.
Die Antragsgegnerin ist weiterhin nichtverpflichtet, die Arbeitspapie-
re der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie der
Vertragsprüfer vorzulegen. Einem derartigen Verlangen steht nach
h.M. bereits die Regelung in § 51 b Abs. 4 WPO entgegen, weil es
keinen durchsetzbaren Anspruch des Auftraggebers - hier also der
Antragsgegnerin - gegen den VVirtschaftsprüfer auf Herausgabe der
Arbeitspapiere gibt (vgl, nur Bungert/Mennicke 13B 2003, 2021, 2029;
Wasmann/Rosskopf ZIP 2003, 1776, 1780; Winter in: Simon,
SpruchG, a.a.O., § 7 Rdn. 58; Emmerich in: Emmerich/Habersack,
Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 8). Ob
dem mit Blick auf § 17 Abs. 1 SpruchG i. V. rn. § 26 FamFG in je-
dem Fall zu folgenden sein wird (kritisch zur h.M. Drescher in: Spind-
ler/Stilz, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 9), kann vorliegend aber dahin-
stehen. Es fehlt nämlich jedenfalls -an der Entscheidungaerheblich-
keit. Zwar sind die Arbeitspapiere in der Begründung zum Regie-
rungsentwurf des Spruchverfahrensgesetzes (vgl. BT-Drucks. 15/371
S. 15) beispielhaft aufgeführt. Dies bedeutet indes nicht, dass die An-
tragsteller verlangen können, ihnen müssten sämtliche Unterlagen in
jedem Fall zugänglich gemacht werden, die die Wirtschaftsprüfer
verwendet und in ihren Arbeitspapieren festgehalten haben. Der Be-
richt des Hauptaktionärs wie auch der Bericht des gerichtlich bestell-
ten Prüfers sollen - wie oben unter B. Il. 1. d. (1) ausgeführt - neben
den allgemein zugänglichen Erkenntnisquellen nur eine Plausibili-
tätskontrolle ermöglichen. Diese ist durch die Vorlage des Berichts
des Hauptaktionärs sowie des Prüfungsberichts des gerichtlich be-
stellten Vertragsprüfers gewährleistet. Zudem fehlt es vorfiegend an
einem begründeten Vorlageverlangen der Antragsteller, die sich auf

einen Anspruch nach § 7 Abs. 7 Satz 1 SpruchG hinsichtlich der Ar-
beitspapiere berufen. Sie haben nicht hinreichend begründet, warum
ihnen nur mit Hilfe der Vorlage der
,
Arbeitspapiere eine hinreichend
substantiierte Rüge namentlich in BeZug auf die Planung möglich ,
sein sollen; dies wäre indes erforderlich gewesen (vgl. OLG Karlsru-
he AG 2006, 463, 464 = NZG 2006, 670, 671 f.; Puszkajler in: Kölner
Kommentar zum AktG, a.a.O., § 7 SpruchG. Rän., 57; Drescher in:
Spindler/Stilz, AktG, a.a.O.; § 7 - SpruchG Rdn. 9; Klöcker in:
Schmidt/Lufter, AktG, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 13). Gerade auch
unter diesem Gesichtspunkt können wie oben ausgeführt - keine
überspannten Anforderungen än die Substantiierungslast bezüglich
einzelner Rügen gestellt werden.
(2) Eine Verpflichtung zur Vorlage der prognostizierten Gesamtabsatz-
zählen der Business- Intelligence Unit für die GesamtMärkte bis 2022
kann nicht bejaht 'werden, weil sich aus § 7 Abs. 7 SpruchG nicht
ableiten lässt. Die Antragsgegnerin hat namentlich die Prognosen für
die -,Märkte von fünf Ländern vörgelegt, in denen rund 70 % deS Ab-
satzes von MAN Truck & Bus erfdlgen - Deutschland; Frankreich,
Grossbritannien, Russland und -Türkei. Angesichts dieses Volumens
von 70 % konnten daraus bereits hinreichende Schlussfolgerungen
gezogen werden. Abgesehen davon wurden diese internen Absatz-
zahlen ab 2018 ff. der Ermittlung des Ertragswerts nicht zugrunde
gelegt. Aus ihnen kann däher nicht abgeleitet werden, inwieweit die
Annähmen zur Ewigen Rente zutreffend sind oder nicht. Demgemäss
fehlt es; bereits an der erforderlichen Entscheidungserheblichkeit,
nachdem die Ableitung der Zahlen für den Terminal Value auf ande-
ren Kriterien beruhte. Abgesehen davon ist die Annahme. einer. Re-
zession, - die nach Auffassung. einiger Antragsteller anhand dieser
Zahlen widerlegt werden soll, nach dem Ende der Detailplanungs-
phase so nicht zutreffend. Im Terminal Value wird ausgehend von
der Existenz konjunktureller Schwankungen nicht auf den Werten

des Jahres 2017 aufgesetzt. Bei einem jährlichen preisbedingten
Wachstum von 1 % wird entsprechend den obigen Ausführungen le-
diglich unterstellt, dass es konjunkturelle Aufschwung- ebenso wie
Abschwungphasen gibt. Damit aber fehlt es auch aus diesem Grund
an der EntsCheidungserheblichkeit, weshalb eine weitergehende Vor-
lage ausscheiden muss.
Über andere Ansätze lässt sich eine höhere Abfindung als Euro 90,29 je Aktie nicht
begründen.
a. Dies gilt zunächst für den Börsenkurs, der im massgeblichen Referenzzeit-
raum von drei Monaten vor der Bekanntgabe des beabsichtigten Ab-
schlusses eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit ei-
nem Wert von Euro 79,08 je Stammaktie sowie Euro 73,39 je Vorzugsaktie ermit-
telt wurde.
(1) Nach der Rechtsprechung insbesondere auch des Bundesverfas-
sungsgerichts ist bei der Bemessung der Barabfindung nicht nur der
nach betriebswirtschaftlichen Methoden zu ermittelnde Wert der quo-
talen Unternehmensbeteiligung, sondern als Untergrenze der Abfin-
dung wegen der Wertung des Eigentumsschutzes aus Art. 14 Abs. 1
Satz 1 GG der Börsenwert zu berücksichtigen (vgl. BVerfGE 100;
289, 305 ff. = NJW 1999, 3769, 3771 ff. = NZG 1999, 931, 932 f =
AG 1999, 566, 568 f; =ZIP 1999, 1436, 1441 ff. = WM 1999, 1666,
1669 ff. = DB 1999, 1693, 1695 ff. = BB 1999, 1778, 1781 f.
DAT/Altana; BVerfG WM 2007, 73 = ZIP 2007; 175, 176 = AG 2007;
1191; BGH NJW 2010, 265/, 2658 = WM 2010, 1.4/1, 14./3 = Zir
2010, 1487, 1488 f = AG 2010, 629, 630 = NZG 2010; 939, 940 f =
DB 2010, 1693, 16941. = BB 2010, 1941, 1942 = Der Konzern 2010,
499, 501 - Stollwerck; OLG München AG 2007, 246, 247; OLG
Frankfurt AG 2012, 513, 514; Hüffer, AktG, a.a.0 § 327 b Rein. 5

und § 305 Rdn.. 24 p; Schnorbus in: Schmidt/Lutter, AktG, a.a.O., §
327 b Rdn. 3; Habersack in: Ernmerich/Habersack, Aktien- und
GmbH-Kohzernrecht, a.a.O., § 327 b Rdn. 9; Simon/Leverkus in: Si-
mbh, SpruchG, 1. Aufl.; Anh § 11 Rdn. 197 f.; Meilicke/Kleinertz" in:
Heide', Aktienrecht und Kapitalmarktrecht, 4. Aufl., § 305 AktG Rdn.
36).
Der BGH geht nunmehr in Übereinstimmung mit der überwiegend
vertretenen Ansicht in Rechtsprechung und Literatur und unter teil-
. weiser Aufgabe seiner früher vertretenen Auffassung mit Beschluss
vom 19.7.2010, Az. II ZB 18/09 (vgl. BGH NJW 2010, 2657, 2658 ff. .
= WM 201-0, 1471, 1472 ff. = ZIP .2010, 1487, 1488 f. = AG 2010,
629, 630 ff: = NZG 2610, 939, 941 ff. = DB 2010, 1693; 1694 f. = BB
2010, 1941, 1942 ff. = Der Konzern 2010, 499, 501 ff. - Stollwerck;
bestätigt dürch BGH AG 2611; 590 f = ZIP 2011, 1708 f.; ebenso
OLG Stuttgart ZIP 2007; 530, 532 ff. = AG 2007, 209, 210 ff. NZG
2007, 302, 304 ff. - Daimlerehrysler; ZIP 2010, 274, 277 ff:; OLG
Düsseld -öff ZIP 2009, 2055, 2056 ff. = WM 2009, 2271, 2272 ff.; Der
Konzern 2010, 519, .522; OLG München AG 2015, 508, 510 = ZIP
2015, 11.66,1167 f.; OLG Frankfurt NZG 2010, 664; AG 2012, 513,
51 .4; Paulseri in:. Münchener Kommentar zum AktG, 3.- Aufl., § 305
Rdn. 88 f.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 305 Rdn.- e; Emmerich Em-
merich/Häbersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 305
Rdn. 45, 46 und 46 a; Tonner in; Festshrift Karsten Schmidt, 2009,
S. 1581, 1597 ff.) davon aus, der einer angernessenen Abfindung -
zugrunde zu leüende Börsenwert der Aktie müsse grundsät2lich auf-
grund eines nach Umsatz gewateten - Durchschnittskurses innerhalb
einer drefmpntigen Referenzperiode vor der Bekanntmachung einer
Strukturmassnahme ermittelt werden.
Diese Drei-Monatsfrist endete vorliegend am 8.1.2013, nachdem die .
Gesellschaft die Ad hoc-Mitteilung über den Abschluss des Unter-

nehmensvertrages mit der Antragsgegnerin am 9.1.2013 an die Kapi-
talmärkte publizierte.
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz. ist hier nicht gerechtfertigt.
Da die Hauptversammlung am 6.6.2013 stattfand, also knapp fünf
Monate nach der Bekanntgabe an die Kapitalmärkte, lässt sich ein
längerer Zeitraum, der eine Hochrechnung erforderlich machen wür-
de, nicht, annehmen (vgl. vgl. BGH NJW 2010, 2657, 2660 = WM
2010, 1471, 1475 = ZIP 2010, 1487, 1491 = AG 2010, 629, 632 =
NZG 2010, 939, 942 = DB 2010, 1693, 1697 = BB 2010, 1941, 1944
= Der Konzern 2010, 499, 503 - Stollwerck). Angesichts des Erfor-
dernissee der Ermittlung der Höhe des 'Unternehmenswertes ein-
schliesslich der Prüfung der Angemessenheit der ermittelten Korn-
pensatiönsleistungen sowie des Erfordernisses der Einhaltung der
Einberüfungsfristen aus § 123 AktG für eine börsennotierte Aktien-
gesellschaft muss der hier gegebene Zeitraum von nicht einmal fünf
Monaten angesichts der Grösse der zu bewertenden, Gesellschaft als
im Rahmen des Üblichen angesehen werden. Soweit in einer jünge-
ren Studie für den vom Grundgedanken her vergleichbaren Squeeze
out die Ansicht vertreten wird, angesichts eines Durchschnitts von
vier Monaten und drei Tagen im Median müsse bei einem längeren
Zeitraum eine Anpassung erfolgen (vgl. Weimann, Spruchverfahren
nach Squeeze out, 2015, S..409) kann dem nicht gefolgt werden..
Auch wenn dieser Zeitraum der Durchschnitt sein mag, führt nicht je-
,
der um wenige Tage - hier nicht einmal 25 - längere Zeitraum zur
Annahme, es müsse eine Anpassung erfolgen. Dieser Ansatz über.
einen Durchschnitt berücksichtigt nicht hinreichend die Besonderhei-
ten des Einzelfalles wie insbesondere die Grösse des zu bewertenden
Unternehmens. Angesichts dessen muss mit der Rechtsprechung
davon ausgegangen werden, dass jedenfalls ein Zeitraum bis zu
sechs Monatenkeinesfalls' eine Hochrechnung erforderlich macht.
Anderenfalls gingen auch die praktischen Vorteile, die mit der auf
den Bekanntimadhungszeitpunkt abstellenden Referenzperiode ver-

bunden sind;- wieder verloren (vgl. OLG Frankfurt AG 2011, 832, 833
= Der Konzern 2011; 427, 429; OLG Stuttgart, Beschluss vorn
19.01.2011, Az. 20 W 3/09 - zit. nach juris;_ Bungert BB 2010, 2227,
2229; Bücker NZG 2010, 967, 970).
(2) Der Kurs der spielt für den hier anzusetzenden Bör-
senkurs keine Rolle, selbst wenn ein beherrschender Einfluss auf die
MAN SE seit dem Übernahmeangebot bestanden haben sollte. Im
massgeblichen Referenzzeitraum von drei Monaten vor der Bekannt-
gabe der Absicht, einen Beherrschunge- und Gewinnabführungsver-
,
trag abzuschliessen; waren die Mehrheitsverhältnisse auf den Kapi-
talmärkten längst bekannt. Dann aber konnte ein Aktionär. bei Seiner .
Deinvestitionsentscheidung nur einen Kurs erzielen, der von diesem
Umstand des Vorhandenseins eines Grossaktionärs wie der
beeinfluest ist.
(3)
Ebenso wenig können Analystenschätzungen "namhafter Bankhäu-
ser" eine abweichende Beurteilung des Börsenkurses rechtfertigen.
Hier ist wiederum 'auf den :Gairidgedäriken. des Ansates des Bpr- -
senkurSes als Mindestwert hinzuweisen. Die' Abfindung muss so be-
messen sein, dass die Minderheitsaktionäre jedenfalls .niCht wenigen
erhalten, als -sie bei einer freien Deinvestitionsentscheidung zum
Zeitpunkt des Unternehmensvertrages. erlangt hätten, Die börsenno-
_fierten Aktien werden an der Börse gehalten und erfahren dort durch
das 2usarnmenSpjer von Angebot und Nachfrage eine Wertbestim-
.
mang, an der sich die Aktionäre bei ihrer Investitionsentscheidung
orientieren. Namentlich' Kleinaktionäre, die regelmässig 'nicht über alle
wertrelevanten Informationen verfügen, steht kein anderer Massstab
zur Verfügung; an dem-sie den Wert dieses spezifiSchen Eigentums-
objektS "Aktie" messen könnten. Der VermögensVerlust, den ein
Minderaktionär
.
durch den Unternehmensvertrag erleidet, stellt sich
für ihn als Verlust des VerkehrSwerts dar, der mit dem .Börsenkurs

189
der Aktie regelmässig identisch ist und die Untergrenze der vollen
wirtschaftlichen Entschädigung bedeutet (vgl. grundlegend BVerfGE
100, 289, 307 f. NJW 1999, 3769, 3771 .= NZG 1999, 931, 932 =
AG 1999, 566, 568 = ZIP 1999, 1436, 1441 = BB 1999, 1778, 1781 =
DB 1999, 1693, 1695 f. = JZ 1999, 942, 944 f: = DNotZ 1999, 831,
834 7 DAT/Altana). Demgegenüber vermitteln Analystenschätzun-
gen, auch wenn sie von renommierten Bankhäusern stammen, allen-
falls Hoffnungen auf eine bestimmte Kursentwicklung, die sich reali-
sieren können oder auch nicht. Eine durch Art. 14 Abs. 1 GG verfas-
sungsrechtlich abgeSicherte Rechtsposition lässt sich aus derartigen ,
Schätzungen jedenfalls nicht ableiten; Chancen und Hoffnungen sind
nicht durch das Eigentumsgrundrecht des Art. 14 Abs. 1 GG ge-
schütgt. Deshalb können sie auch keinen Anhaltspunkt
.
für die An-
gemessenheit der Höhe der Entschädigung zum vollen Verkehrswert
bieten.
b. Die Höhe der Abfindung muss weder Vorerwerbspreise noch das öffentli-
che Erwerbsangebot aus dem Jahr 2011 berücksichtigen.
(1) Soweit teilweise in Ftechtsprechung und Literatur die Ansicht vertre-
ten wird, Vorerwerbspreise seien zu berücksichtigen, weil auch eine
sogenannte "Kontrollprämie" Teil des Unternehmenswertes sei (vgl:
LG Köln AG 2009, 835, 838 = Der Konzern 2009, -494, 496 f.;
SchüppenfTretter in: Frankfurter Kommentar zum WpÜG, 3. Aufl., §
327 b AktG Rdn. 16; Behnke NZG 1999, 934; in diese Richtung auch
Emmerich in: Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-
Konzernrecht, a.a.O., § 305 Rdn. 50), vermag dem die Kammer nicht
zu fölgen. Erwerbspreise, die ein Hauptaktionär in sachlichem und
zeitlichem Zusammenhang mit einer aktienrechtlichen Strukturmass-
nahme zahlt, spielen für die Bemessung der angemessenen Barab-
findung keine Rolle. Der Preis, den ein Mehrheitsaktionär an die
Minderheitsaktionäre zu zahlen bereit ist, hat zu dem "wahren" Wert

des Anteilseigentums in der Hand der Mindestaktionäre regelmässig
keine Beziehung: In ihm kommt nämlich der Grenznutzen zum Aus-
druck,. den der Mehrheitsaktionär an den erworbenen Aktien ziehen
kann. Dieser ist wesentlich dadurch bestimmt, dass der Mehrheitsak-
tiOnär mit den so erworbenen Aktien ein Stirnmenqudrum, erreicht,
das aktien- oder umwandlungsrechtlich Voraussetzung für bestimmte
gesellschaftsrechtliche Massnahmen ist. Daher ist der:Metwheitsakti-
'onär vielfach bereit, einen "Paketzuschlag" zu zählen. Aus -der Sicht
deS Minderheitsaktionärs ist der. vom -Mehrheitsaktionär äusserbörs-
lich bezahlte (erhöhte) Preis, nur erzielbar, 'wenn es ihm gelingt, ge-
rade seine Aktien an den MehrheitSaktionär zu veräussern. Darauf
aber hat der Minderheitsaktionär weder verfassungsrechtlich aus Art.
14 Abs. 1 GG noch einfaChrechtlich angeSichts des Grundsatzes der
Vertragsfreiheit einen Anspruch .(vgl. BVerfGE 100; 289, 306 f. =
NJW 1999, 3769,- 3771 = NZG 1999, 931, 932 = WM 1999, 1666,
1669 = AG 1999, 566, 568.= ZIP 1999, 1436, 1441 = DB 1999, 1693,
1695 = BB 1999; 1778; 1780 = JZ 1999, 942, 944 DAT/Altana;
BGHZ 186, 229, 241 = -NJW, 2010, 2657, 2660 = NZG 2010, 939,
943 = ZIP 2010', 1487; 1491 = AQ.2010, 629, 632 = DB- 2010, 1693,
1697 =WM 2010, 1471, 1475 = Der Konzern 2010, 499, 503 - Stoll-
werck; LG München 1,, Beschluss vorn 10.12.410, Az. 5HK 0 -
11403/09; Beschluss vorn 21.6.2013, Az: 5HK 0 '19183/09; .Vetter
AG 1999, 569, 572; OLG Frankfurt AG 2012, 513, 514).
(2) Das Erwerbsangebot aus dem Jahr 2011 seitens der
lag zeitlich deutlich vor dem hier allein relevanten Stichtag der
Hauptversammlung am 6.6.2013 und kann schon deshalb keine Rol-
le spielen (vgl. LG München I ZIP 20 . 10, 1995, 1997 = Der Konzern
2010, 251, 253; Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK 0 19183/09).
c. Die Planungen zu einem Stichtag Mitte 2010 sind' für die Ermittlung des
Ertragswerts zum Tag der Hauptversammlung am 6.6.2013 daher auch .

aus diesem Grund ohne Bedeutung und müssen folglich mangels Ent-
scheidungserheblichkeit auch nicht aufgrund von § 7 Abs. 7 SpruchG vor-
gelegt werden. Dies gilt selbst dann, wenn sich aus ihnen ergeben sollte,
dass die Stammaktie zum Zeitpunkt des Pflichtangebots tatsächliCh mehr,
als Euro 95 Wert gewesen sein sollte und deshalb die Organe der MAN SE
die Ablehnung des Erwerbsangebotes empfohlen haben.
Ebenso wenig ergibt sich die Unangemessenheit der Barabfindung aus
dem Vortrag einiger Antragsteller, die so ermittelte Barabfindung bedeute
einen Verstoss. gegen von der Bundesrepublik Deutschland abgeschlosSe-
.
ne Investitionsschutzabkommen, wonach bei Enteignungen, . Verstaatiil
phungen oder anderen Massnahmen, die einer Enteignung öder Verstaatli-
chung gleichkommen, dem Investor eine, den üblichen Marktwert der Kapi-
talanlage entsprechende Entschädigung zu leisten ist und sich die Höhe
'nach den Faktoren zu .dem Zeitpunkt richte, zu dem der Beschlüss zur
Enteignung angekündigt oder öffentlich bekannt gemaCht wurde. Dieser
Grundgedanke aus den Investiffonsschutzabkommen kann schon deshalb
keine Anwendung finden, weil es sich bei einem Beschluss über die Zu-
stimrhung zu, einem Beherrschungs-. und Gewinnabführungsvertrag nicht
um eine Enteignung handelt (vgl. allgemein. BVerfGE 14, 363 ff. - Feld:
mühle). Zum anderen aber liegt keine Enteignung oder einer Enteignung
gleichstehende Massnahme durch den Vertragsstaat vor; vielmehr geht es
um den Beschluss: der Hauptversammlung einer privatrechtlich organisier-
ten Aktiengesellschaft. Diese ist nicht Adressat der Regelung, weil sie
nicht der andere Vertragsstaat ist (vgl. bereits LG München I, Beschluss
vom 24.5.2013, Az. 5HK 0. 17095/11, S. 59; Beschluss: vorn 7.5.2014, Az.
5HK 0 21386112, S. 64 f.; Beschluss vom 29.8.2014, Az. 5HK 0 7455/13):
e.
Eine unterschiedliche Festsetzung der Abfindung je nach Aktiengattung ist
aus Rechtsgründen nicht angezeigt.
Auszugehen ist dabei vom Grundsatz der Gleichbehandlung der Aktionä-
re, wie er in § 53 a AktG normiert ist. Eine Schlechterstellung der Vor-

zugsaktionäre im Vergleich zu den Stammaktien lässt sich nicht rechtferti r-
geh. Dabei kann sich die Minderbewertung der Vorzugsaktie nicht schon
aus dem fühlenden Stimmrecht ergeben und trotz der Gewährung von
Mehr- öder Voriugsdividenden an der Böre niedriger notieren. Gerade .
der Börsenkurs
,
erhellt indes, dass dem Stimmrechtsverlust keine zentrale -
Bedeutung zugemessen Wird, wenn der Kurs der, stimmrechtslosen Vor-
zUgsaktien im massgeblichen Referenzzeitraum um weniger als 10 % über
dem Kurs der Stammaktien lag (vgl. OLG- Karlsruhe NZG 2006, 670 f. =
AG 2006; 463 f.; LG Mündhen I, Beschluss vorn 28.3.2014, AZ. 5HK 0
18925/08; auch OLG Düsseldorf, Beschluss vom 6.4.2011, Az. 26 W 2/06
(AktG); OLG: Düsseldorf WM. 2009, -2220, 2227; Hachmeis-
ter/Ruthardt BB 2014, 427 ff.).
3. - Die Entscheidung über die Zinsen hat ihre Grundlage in § 305 Abs. 3 Satz- 3
AktG.
a. Die Verzinsung beginnt dabei mit.der Bekanntmachung der. Eintragung 'in
das Handelsregister, - die hier am .17.7.20.13 erfolgte. Da die Zinspflicht mit
Ablauf des - Tages beginnt, an dem die Bekanntmachung vorgenommen
wurde (vgl. Singhof in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., Rdn. 11 zu § 320 b),
war die Verzinsung ab dem 18.7.2013 auszusprechen. Eine bereits mit
dem Tag der Hauptversammlung beginnende Verzinsung kann nicht an-
genommen Werden. Die an die Bekanntmachung der Eintragung anknüp-
fende gesetzliche Regeluhg entspricht verrassungsre'chtlichen Vorgaben
(vgl. BVerfG NJW 2007, 3268, 3271 = NZG 2007; 587, 589 f. = AG 2007,
544, 546 = ZIP 2007, 1261, 1263 = WM 2007, 1329, 133.1 = DB 2007,
1577, 1579 = BB 2007, 1515, 1517; OLG Stuttgart ZIP 2006, 27, 30 = AG
2006, 340, 343
.
= WM 2006;292, 296; LG München 1, Beschluss vom
- 30:3.2013, Az. 5HK 0 1129.6/06, S. 56; Beschluss vom 24.5.2013, Az.
.5HK 0 17095/11,. S. 59 f.; Hüffer, AktG, § 305 Rdn_ 26). Dabei
durfte insbesondere berücksichtigtwerden, dass die Aktionärsstellung und
damit der Verlust des durch Art. 1.4 Abs. 1 GG geschützten Aktieneigen-

tums erst mit der Eintragung des Beschlusses in das Handelsregister ein-
tritt, nicht aber bereits im Zeitpunkt des Beschlusses der Hauptversamm-
lung.
b. Die Höhe des Zinssatzes ergibt sich unmittelbar aus § 327 b Abs. 2 1. Hs.
AktG.
Die zulässigen Anträge auf Festsetzung eines angemessenen Ausgleichs sind je-
doch nicht begründet. Unter Berücksichtigung der geänderten Marktrisikoprämie
ergibt sich ein Ausgleich von Euro 3,44 brutto, was indes eine Erhöhung des Ausgleichs
noch nicht nacksich ziehen kann.
1. Nach § 304 Abs. 1 Satz 1 AktG muss ein Gewinnabführungsvertrag einen an-
gemessenen Ausgleich für die aussenstehende Aktionäre durch eine auf die An-
teile am Grundkapital bezogene wiederkehrende Geldleistung (Ausgleichszah-
lung) vorsehen. Aufgrund von § 304 Abs. 2 Satz 1 Aktd muss die Ausgleichs-
zahlung mindestens die jährliche Zahlung des Betrages zusichern, der nach der
bisherigen Ertragslage und ihren künftigen Ertragsaussichten unter Berücksich-
tigung angenommener Abschreibungen und Wertberightigungen, jedoch ohne
Bildung anderer Gewinnrücklagen, voraussichtlich als durchschnittlicher Ge-
winnabteil auf die einzelne Aktie verteilt werden kann.
a. Anders 2Is die Abfindung ersetzt der Ausg!eich after nicht den Wert der
Beteiligung insgesamt, sondern nur die Dividende. Massgeblich ist für sei-
ne Berechnung der sich nach der bisherigen Ertragslage der Gesellschaft
und ihren künftigen Ertragsaussichten je Aktionär zur Verteilung ergeben-
de Gewinn, den die Gesellschaft als unabhängiges, durch eine Ergeb-
nisabführungsVertrag nicht gebundenes Unternehmen hätte (vgl. BGHZ

156, 57; 60 f. = NJW 2003, 3272, 3273 = NZG 2003, 1017, 1019 = AG
2003, 627,..628 = ZIP 2003, 1745, 1.746 e WM 2003, 1859, 1861 = BB
2003, 2083, 2084 = DB 2003, 2168, 2169 = DNötZ 2004, 71, 72 - Ytong;
Veil in: Spindler/Stilz,:AktG, a.a.O.:, 304 Rdn. 54; ). Als wirtschaftlicher..
Gewinn ist auch betriebswirtschaftlich. der Gewinn Vor Körperschaftsteuer ..
anzusetzen, weil_ die Höhe der. Körperschaftsteuer von der Gesellschaft
selbst nicht beeinflusst werden kann:Demzufolge ist den Minderheitsakti-
onären der voraussichtlich verteilungsfähige, durchschnittliche Bruttoge-
winnanteil als feste Grösse zu gewähren, von dem die jeweilige Körper-
> schaftsteuerbelastung zuzüglich Solidaritätszuschlag in der jeweils gesetz-- --
lich vorgegebenen Höhe abzusetzen ist. Dieäe Auslegung des Begriffs -
des zuzurechnenden durchschnittlichen Gewinnahteils wird den verlas-
sunggrechtlichen Anforderungen gerecht, wonach der
.
Minderheitsaktionär
für die Beeinträchtigung seiner vermögensrechtlichen Stellung durch den
Ausgleich -wirtschäftlichvoll entschädigt werden muss (vgl. nur grundsätz-
-.lieh -BVerfGE 100, 289, 304. f..= NJW 1999, 3769, 3770 f. = NZG 1999;
931; 932
.
= AG 1999, 566, 567 = ZIP 1999, 1436, 1440 = WM 1999, 1666,
1668 = BB 199, 1778, 1780' = DB 1999, 1693, 169
.
4 f; = JZ 1999, .942,
943 = DNotZ 1999, 831, 833 - DAT/Altana; Meilicke in: 'Heidel, Aktienrecht
und Kapitalmärktrecht, a.a.O., Rdn. 32 zu § 304). DiesesVerständnis trägt
dem Wesen. des Ausgleich als Substitution der ordentlichen DiVidende am
besten Rechnung, weil der Aktionär stets den zur Ausschüttung bereit ge-
stellten Bruttogewinn abzüglich der jeweils geltenden gesetzlichen Steu-
erbelastung des Unternehmens erhält (vgl. BGHZ 151, 57, 61 f. = NJW .
2003, 3272; 3273 = NZG 2003, 1017, 1019 = AG 2003, 627, 628 = ZIP
2003, 1745, 1746 f = WM 2003, 1859, 1861 = BB 2003, 2083, 2084 f. =
DB 2003, 2168, 2169 f. = DNotZ 2004; 71, 72 f. Ytong; OLG München
AG 2008,.28, 32; OLG Stuttgart AG 2013, 724, 731).
Ebenso wie die Abfindung kann indeS auch der Ausgleich nur durch ge-
richtliche Schätzung im Sinne des § 287 ZPO ermittelt werden, weil auch
hier Prognosen über die künftige Entwicklung anzustellen sind, die natur-.
gemäss noch nicht feststehen und folglich mit Unsicherheiten behaftet sind.

Angesichts der theoretischen Ableitung aus den künftigen Ertragserwar-
tungen der Gesellschaft bestehen keine Bedenken, wenn, die Ausgleichs-
forderung durch Verrentung des ermittelten Unternehmenswertes errech-
net wird (vgl. BGHZ 156, 57, 63 = NJW 2003, 3272, 3274 = NZG 2003,
1017, 1019 = AG 2003, 627, 629 = ZIP 2003, 1745, 1747 = WM 2003,
1859, 1862 = BB 20b3, 2083, 2085 = DB 2003, 2168, 2169 - Ytong; OLG
München AG 2007, 287, 291; 2008, 28, 32; OLG Stuttgart AG 2013, 724,
731).
Auszugehen ist dabei von dem Wert zum insoweit von keinem der Betei
ligten in Frage gestellten Stichtag der Hauptversammlung 'am 6.6.2013.
Der Verrentiingszinssat2 von 3,8 % vor persönlichen Ertragsteuern bzw.
2,798 % nach Steuern bedarf keiner Korrektur.
(1) Dabei kann nicht der volle Zinssatz wie bei der Ermittlung der Abfin-
dung angesetzt werden; vielniehr musste ein Mischzinssatz aus tisk
kofreiem- Basisiinssatz und risikoadjustierten Kapitalisierungszins-
satz herangezogen werden. Mit diesem Ansatz wird der für den ga-
rantierten Ausgleichsbetrag abnehmenden Risikostruktur Rechnung
getragen. Das Risiko des garantierten Ausgleichs liegt unter dem
normalen Risiko einer unternehmerischen Beteiligung, weshalb ein.
risikoangepasster Verrentungszinssatz herangezogen werden muss.
Angesichts einer im Vergleich zum Bewertungsstichtag geänderten
Risikostruktur ist es Sachgerecht, einen über dein quasi risikolosen
Basiszinssatz, aber unter dem risikobehafteten vollen Kapitalisie-
rungszinssatz liegenden Verrentungszinssatz anzuwenden. Auch
wenn der Ausgleich die Dividendenzahlung substituiert, liegt eine
andere Risikostruktur vor, weil die Zahlung einer Dividende - anders
als der feste Ausgleich - unsicher ist, bei der die Minderheitsaktionä-
re im Wesentlichen während der Laufzeit des Vertrages dem Insol-
venzrisiko der Antragsgegnerin als Schuldnerin des Angebots aus-
gesetzt sind. Die Verrentung mit dem vollen Kapitalisierungszinssatz

ist demgemäss: nicht geboten und -ergibt sich auch -nicht - aus .dem
Zweck des. Ausgleichs. Dieser verfolgt nämlich das Ziel, dass die An-
teilseigner insgesamt Zahlungen in Höhe der ohne den Ergebnisab-
führungsVertrag voraussichtlich anfallenden Dividende erhalten. Die
Höhe -der Dividende ist von der Entwicklung der Erträge abhängig
und denizufolge risikobehaftet, was sich bei der Unternehmensbe-
wertung im KapitalisierungszinsSatz darstellt. Demgegenüber ist der
Ausgleichsbetrag vertraglich- garantiert und durch eine Verlustüber-
nahmeverpflichtung nach § 302 AktG sogar abgesichert. Daher be-
steht tatSächlich ein geringeres Risiko für den Minderheitsaktionär,
das sich dann auch entsprechend allgemein anerkannte betriebswirt-
schaftlicher Grundsätze in einem niedrigeren Zinssatz niederschla-
gen muss: Anderenfalls würde die Verrentung mit dem vollen Kapita-
lisierungszinssatz auf längere Sicht bei-dem risikoärmeren Ausgleich
zu einem voraussichtlich -höheren Ergebnis -führen als die Minder-
-heitsaktionäre bei Erhalt der Dividende ohne den Ergebnisabfüh-
rungsvertrages erhalten hätten. Dieser Überlegung trägt die Verwen-
dung eines 'Mischzinssatzes Rechnung (vgl. OLG München AG
2008, 28, 32; OLG Stuttgart AG' 2013, 724;731 t; OLG 'Frankfürt AG
2013, 647, 651; Stephan in Schmidt/L.utter, § 304 Rdn. 85;
EmmeriCh in: Ernmerich/Habersack, Aktien- - und GmbH-
Konzernrecht, a.a.0:, § 304. Rdn. 39; Maul DB 2002, 1423, 1425; im
Ansatz auch Laüber, Das Verhältnis .des Ausgleichs gemäss § 304
AktG zu den Abfindungen gemäss den §§ 305,.327 a AktG, a.a.0., -S.
207 ff.).
(2} Vorliegend kann dieser MischzinsSatz allerdings nicht aus dem risi-
kolosen Basiszinssatz zuzüglich des hälftigen Risikozuschlages an-
gesetzt werden, wie dies üblicherweise geschieht (vgl. OLG Frankfurt
AG 2015,.504, 507; LG München I, Beschluss vom 27.6.2014, Az.
5H'K 0 7819/09), weil dies den Besonderheiten der Vereinbarungen

im Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zwischen der
MAN SE und der Antragsgegnerin nicht gerecht würde.
(a) Der auf unbestimmte Zeit abgeschlossene Unternehmensver-
trag sieht in seiner Ziffer 5.6 nämlich vor, dass im Falle einer
Beendigung des Vertrages durch Kündigung nach Ablauf der
Annahmefrist jeder zu diesem Zeitpunkt. aussenstehende Aktio-
när'berechtigt ist, seine zum Zeitpunkt der Beendigung des Ver-
trages gehaltenen MAN-Aktien zu dem Preis, der gegebenen-
falls nach rechtskräftigem Abschluss eines Spruchverfahrens
als angemessen festgesetzt wurde, zu veräussern, wobei eine
Erwerbsverpflichtung der Antragsgegnerin besteht.
In, dieser Situation aber ist - im Gegensatz zu den regelmässig
zu beobachtenden Vertragsgestaltungen, die eine derartige
Regelung nicht aufweisen das Risiko der Vertragsbeendigung
angesichts des Wiederauflebene des Abfindungsanspruches
begrenzt. Wenn es zu einer Kündigung des Beherrschunds-
und Gewinnabführungsvertrages kommen sollte, haben die au-
ssenstehenden Aktionäre dieses befristete Veräusserungsrecht,
wodurch sich ihr Risiko im Wesentlichen auf das InsolvenzriSiko
der Antragsgegnerin reduziert. Angesichts dieses Rechts wer-
den sie.- anders als im Regelfall nicht gezwungen, Aktionär
der Gesellschaft zu bleiben und auf Dividenden einer Societas
Europaea angewiesen zu sein, die nach aufgrund von § 308
AktG zu befolgenden Weisungen nicht mehr -die Ertragskraft hat
wie im Zeitpunkt der Zustimmung der Hauptversammlung zu
dem Unternehmensvertrag. Somit sind die Aktionäre vor den
Folgen einer Ausplünderung" der Gesellschaft in hohem Masse
geschützt, weil sie im Falle einer Kündigung dann die Abfin-
dung so verlangen können, als hätten sie nie den Ausgleich be-
zogen. Folglich tragen die den Ausgleidh Wählenden Aktionäre
im VVesentlichen nur das Insolvenzrisiko der Antragsgegnerin.

Dieses ist indes angesichts der Patronatserklärung die von der
abgegeben wurde, im Wesentlichen mit dem
der identiSch. Angesichts dessen bestehen
keine grundlegenden -Bedenken, Wenn dieses Zahlungsausfall=.
. risiko für die Aktionäre aus dem Ausfallrisiko der
abgeleitet wird. Selbst bei einem Beherrschungs- und Ge-
- winnabführungsvertrag, in dem der -Abfindungsanspruch nicht
wieder aufleben soll, wird in der Literatur darauf hingewieSen,
- das Risiko der Ausgleichszahlung gleiche eher dem einer In-
dustrieanleihe, bei der aber nicht einmal die' Verlustübernah-
mepflicht der herrschenden Gesellschaft bestehe. Der Unter-
schied der dann möglichen anderen Risikostruktur nach dem
Ende eines UnterhehmenSvertrages wird dabei gesehen, wes-
halb ein Zinssatz zwischen dem Zinssatz für risikolose Anlagen.
und dem risikobehafteten Kapitalisierungszinssatz 'gewählt
werden muss (vgl. Maul DB 2002 '1423, 1425).
(b) Wenn sich ein Aktionär für den Verbleib im Unternehmen ent-
scheidet, kann dann aber zur Bewertung des Risikos der Aus-
gleiCh-szahlüng auf die am Markt zu. beobachtenden Spreads
von Unternehrhensanleihen der abgestellt
werden, weil diese in erster Linie das verbleibende Insolvenzri-
siko abbilden und das Auszehrungsrisiko durch die nachträgli:
che Wahl der Abfindung kompensiert wird (vgl. = OLG Frankfurt
AG 2012, 513, 517 = ZIP 2012,. 124, 132 f.; LG Berlin, Be-
schluss vom 23.4.2013, Az. 102 0 134/06 AktG).
(aä) Nicht zu beanstanden ist der Ansatz über die von einer
100 %igen TochtergeSellschaft der emit-
tierten Anleihe mit langen Laufzeiten, nachdem der Be-
herrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hier nicht be-
- friStet abgeschlossen wurde und eine Kündigung erstmals

zum: Ende des GeschäftSjahres möglich ist; dass mindes-
tens fünf Jahre nach dem Beginn des Geschäftsjahres der
MAN SE endet, für das derAusgleich der Antragsgegnerin
nach den vertraglichen Vereinbarungen wirksam wird. An-
- sonsten kann es nur zu einer ausserordentlichen Kündi-
gung aus : wichtigem Grund kommen. Bei einer im März
2013 ausgegebenen Anleihe der
mit einer Läufieit von 20 Jahren
bis zum 20.3.2033 betrug der Spread :dieser Ahleihe zu
Laufzeitgleichen sicheren Bundesanleihen bis Zu . 130 Ba-
sispunkten. Dann aber. ist es sachgerecht, wenn dieser
Wert angesetzt wird. Dieser spiegelt nämlich das ver-
gleichsweise geringe InsdIveriziisiko der
wider; deren Ausblick von Ratingagenturen mit ,;stabil":
eingestuft wird. Zudem kann nicht verkannt werden, dass
mit dem ein wesentlicher Aktionär -
dieser Gesellschaft über eine Sperrminorität verfügt, wo.,.
bei dieser Aktionär ein massives Interesse daran hat, Ar --
beitsplätze zu erhalten und demgemäss eine Insolvenz des
grössten Arbeitgebers der Region tunlichst zu vermeiden
gedenkt.
.(bb) Die hiergegen- vorgebrachten Einwände überzeugen nicht.
Diesein Ansatz kann vor allem nicht der höhere Risikoz . u-
schlag der MAN SE entgegengehalten werden, weil es ge-
rade nicht um daS operative Geschäft und Risiko dieser
Gesellschaft geht, deren Risiko über den angesetzten Ri-
sikozuschlag beim Ertragswert zu bewerten ist.
Das Risiko der- Aufhebung des Unternehmensvertrages
nach § 296 AktG muss als denkbar gering eingeschätzt
Werden; da dieses ohnehin nicht -einseitig erfolgen kann;
sonddrn nur durch eine vertraglicher Vereinbarung. Eine

derartige Aufhebung des Unternehmensvertrages setzt in-
des aufgrund der ausdrücklichen Regelung in § 296 Abs.
2 Satz 1 AktG einen SonderbeschluSs der aussenstehen-
den Aktionäre voraus.- Vän der Teilnahme an diesem Son-
derbeschluss sind
.
allerdings.Yon der Obergesellschaft ab-
hängige Aktionäre ebenso ausgeschlossen wie Aktionäre,
die die Obergesellschaft beherrsöhen oder als Treuhänder
Aktien für diese.halten (vgl: OLG Nürnberg AG 1996, 228,
229; LG Essen AG 1995, 189, 190 f.;Altmeppen in: Mün-
chener Kommentar zum AktG, 3 Aufl., § 295 Rdni.
Langenbucher in: Schmidt/Lütter,'AktG, § 295 Rdn.
23 ff.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 295 Rdn. 12; Veil in: Spind-
ler/Stilz,"AktG, a.a.O.; §. 295 Rdn.. 24; Emmerich
merich/Habersack, Aktien- und GmbH-Könzernrecht
§ 295 Rdn. 30; im Ergebnis auch Pentz. -AG. 1996,,
97, 109, wobei dieser von einem StimMrechtsverbot aus-:
geht).
Per Fall: der Auflösung der Gesellschaft nach .§ 262 Abs. 1
Nr. 2 AktG ist angesichts der AktiOnärsstruktur mit dem
Land Niedersachsen als über - eine Sperrminorität Verfü-
.

gendem Aktionär der und den- Interesse
am Fortbestand des. grössten Arbeitgebers der Region
gleichfalls eher theoretiScher Natur.
Zwar ist die Gefahr eines Squeeze out nicht auszuschlie-
.
ssen. Andererseits rechtfertigt dieses Risiko nicht die An-
nahme, es müsse ein deutlich höherer Zinssatz angesetzt
werden, zumal im Zeitpunkt einer Bewertung bei einem
- Sqüeeze out dann die angestrebten Synergien aus dem
integrierten in die Berechnung des
Ertragswertes einfliessen könnten..

(c) AngeSichts der Feststellungen im Bewertungsgutachten wie
auch im Prüfungsbericht hat die Kammer keinen Anlass zu
Zweifeln an der Richtigkeit des Spreads der Industrieanleihe
aus dem im Vergleich zu ebenso langlau-
fenden Bundesanleihen. Das Erfordernis der Beobachtung der
Geschehnisse bei einer Gesellschaft, deren Aktionär man ist,
um die Frist von 2 Monaten nach der Eintragung der Beendi-
gung des Unternehmensvertrages in das Handelsregister zu
wahren, überfordert einen durchschnittlich interessierten Aktio-
när nicht, zumal sich diese Frist an den gesetzlichen Vorgaben
aus § 305 Abs. 4 AktG orientiert.
(d). Soweit eine Reihe von Antragstellern auf im Monat Mai 2015
publizierte Medienberichte hinweist, denen Absichten der
zu entnehmen sein sollen, bei der MAN SE be-
reits Verlagerungen ihrer Assets auf die Antragsgegnerin oder
andere Gesellschaften des
zu veranlas-
sen, kann dies im Rahmen dieses Spruchverfahrens keine Be-
deutung gewinnen. Abgesehen davon, daSs die Antragsgegne-
rin den Inhalt dieser Zeitungsberichte als jedenfalls so nicht zuT
treffend bestritten hat besteht ein Schutz der Minderheitsaktio-
näre vor der Auszehrung bereits durch den aktuelle geschulde-
ten Ausgleich mit seiner Funktion als, Ersatz für die Dividende,
während der gesamten Laufzeit des Vertrages: Im Falle einer
Kündigung des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvedra-
ges stehen die aussenstehenden Aktionäre der MAN SE eben
gerade nicht schutzlos da, weil sie dann die Veräusserung ihrer
Aktien an die Antragsgegnerin gegen die festgelegte
Barabfin-
dung verlangen können. Das Verfolgen entsprechender Veröf-
fentlichungen stellt sich nicht als unzumutbar dar.

12
lief4.9;
. ,
'1i1:u:E- --le:111
Auf der Basis eines Wedes von Euro 90,29 je Aktie ergibt sich ein Aus-
gleichsaneruch von Euro 3,44 brutto.
(1) Die Art und WeiSe, wie der Ausgleich indeni Vertragsbericht ermittelt.
wurde, kann vom, Grundsatz her nicht beanstandet werden; abzuän-
-dem ist lediglich der geänderte Unternehmenswert. Die Berechnung
berücksichtigt zutreffend den Ansatz, wonach ein BrUttobetrag als
Ausgleich geschuldet wird. Dem kann nicht .entgegengehalten wer-
- den, .bei der Berechnung werde -von dem Wert ausgegangen, der be-
reits von einer BerückSichtigung persönlicher ErtragSteuern.wie auch
von- Unternehnnenssteuern ausgeht. Vorliegend wurde nämlich- zur
Ermittlung des festzuSetzenden: Bruttoausgleichsbetrages die Steu-
erbelastung mit der persönlichen FinkoMmensteuer aufgeschlagen,
wobei entsprechend der zum Bewertungsstichtag massgeblichen
SteuergeSetzgebung in §§ 43, 43 a Abs. 1- Nr. 1, 32 a EStG ein
SteuersatZ von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag angesetzt würL:
de. Zu dem so ermittelten Zwischenwert wurden sodann die anfal-
lende KörperSchaftsteuer sowie der auf diese entfallende Solidari
tätszüschlag in Höhe. von insgesamt 15,825 %- aufgesehlaged; wo=
raus sich dann die jährliche Bruttoausgleichszahlung von Euro 3,44 je ,
Stammaktie und Vorzugsaktie errechnet. Dieses Vördehen ist nieht ..
zu beanstanden und. ermöglicht es: vor allem, eine vollständige Neu-
berechnung des Unternehmenswertes zu vermeiden und stattdessen
auf das ErgebniS der oben ermittelten und dargestellten Nachsteu-
erwederrnittlung zurüdkzugreifen (so ausdrücklich OLG München AG
.
2008, 28,.32; OLG Stuttgart AG 2013, 724, 731).
(2) Angesichts dessen berechnet sich der Ausgleich in Höhe von e 3,44
brutto folgendermassen:

UnternehmenSwert zuM6. Juni 2013 (in
Mio. Euro)
Anzahl Aktien (Stämme und Vorzüge)
Unternehmenswert pro Aktla0n Euro)
5.141 ss.135 13.276.
147.040.000 147.040.000 147.040.000
34,96 55,32 90,29
Jährliche Ausgleichszahlung pro
Aktie nach persönlicher
Einkommensteuer und nach KSt,
SolZ (in Euro), verrentet mit 2,614 % 0,91 1,45 2,36
zuzüglich persönlicher Einkommens-
teuer 26,375 % 0,33 0,52 0,85
Jährliche Nettoausgleichszahlung
pro Aktie vor persönlicher
Einkommensteuer und nach KSt,
SolZ (in Euro) 1,24 1,96 3,21
zuzüglich KSt und SoiZ 15,825 %
Jährliche Bruttoausgleichszahlung
pro Aktie vor persönlicher
Einkommensteuer und vor KSt, SolZ
(in Euro)
0,23
1,96
Allerdings rechtfertigt dies nicht eine Erhöhung der auf e 3,30 brutto festgesetz-
ten Ausgleichszahlung. Der-Wert von Euro 3,44 brutto liegt um 4,24 % höher als
der im Vertrag festgesetzte Wert von Euro 3,30 brutto; bei den Nettobeträgen wür-
de sich die Erhöhung auf 4,56 % belaufen. Dies befindet sich noch im Rahmen
zulässiger Bandbreiten.
Die Ermittlung eines Unternehmenswerts beruht gemäss § 287 Abs: 2 ZPOauf`
einer Schätzung. Dabei ist es nicht rriöglich, einen mathematisdh exakten oder
"wahren" Unternehmenswert zum Stichtag zu ermifteiri, da dieser angesichts
der Zukunftsorientiertheit und der damit zwangsläufig verbundenen Ungenauig-
keiten vom Gericht nur geschätzt werden kann und somit eine Bandbreite von
Werten angemessen sein muss (vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 6.4.2011,
Az. 26 W 2/06 (AktG); OLG Karlsruhe NZG 2008, 791 Ls; BayObLG NZG 2006,
156, 157 = AG 2006, .41, 42 - Pilkington; LG München I, BeschlusS vorn
27.6.2014; Az. 5HK 0 7819/09). Die Grenze innerhalb derer Werte noch als
angemessen anzusehen sind, wird bei nicht unter 5 % angesiedelt (in diese
0,23
3,44

Richtung': OLG Frankfurt ZIP 2012, 371, 376; auch Püszkajler BB 2003, 1692,
1694 für den Fall einer Verschmelzungswertrelation; die Grenze sogar erst bei
10 % ziehend
.
Paschos ZIP 2003, 1017, 1024; Simon/Leverkus in: Simon,
SpruchG, Anh: § 11 Rdn. 11). Bei der vorliegend gegebenen Abwei-
chung kann folglich nicht als unangemessen angesehen werden; eine Erhö-
hung des von der Hauptversammlung beschlossenen, Ausgleichs; kann folglich
. 'nicht stattfinden. .
1: a; Die Entscheidung ;über die Gerichtskosten beruht auf §.15 Abs. 2 Satz .1
'und Satz 2 SpruchG a.F., nachdeM diese. Regelungen aufgrund der Über=
leitungsvorsdhrift in § 136 Abs. 5 Nr. 2 GNotKG noch anwendbar sind. Der
erste Antrag ging am 24.7.2013 und damit noch vor dem Inkrafttreten des
GNotKG arn1.8.2013 beim Ländgericht München I ein.
(1) Hinsichtlich der Gerichtskosten müsste bezüglich der Antragsteller zu
94) und zu 95) § 15 Abs.- 2 Satz 2 SpruchG zur Anwendung gelan-:,
gen. InsoWeit entspricht des der Billigkeit, diesen beiden AnttagStel-
lern die Gerichtskosten anteilig aufzuerlegen, soweit sich diese nach
der KostO bemessen. Ihr Antrag war von Anfang än offensichtlich
unzulässig geweSen; in diesen Fällen können die Gerichtskosten.
dem betreffenden Antragsteller-auferlegt werden (vgl. LG München I,
Beschluss Vorn 26.4.2014, Az. 5 HK O. 6680/10; Klöcker in:
Schmidt/Lutter; AktG, a.a.O., § 15 Rdn. 11; Emmerich Em-
merich/Habersack, Aktien, und GmbH-Konzernrecht,i a.a.O., § 15
SpruchG Rdn. 21)..

(2) Hinsichtlich aller anderen Antragsteller muss es bei der Gruhdregel
des § 15 Abs. 2 Satz 1 AktG verbleiben, wonach die Antragsgegnerin
die Gerichtskosten zu tragen hat Vorliegend kam es zu einer Erhö-
hung der Abfindung; eine Erhöhting des Ausgleidhs blieb nur mit
Blick auf die Bandbreite angemessener Werte nach einer umfangrei-
chen Anhörung aus: In Bezug auf den Antragsteller zu 125) war trotz
der Rücknahme keine Kostentragungspflicht auszusprechen, weil
'sein zurückgenommener Antrag zunächst zweifelsohne zulässig War
und er wegen der erfolgten Veräusserung selbst das Verfahren nicht
fortführeh wollte. Hinsichtlich des zurückgenommenen Antrags des
Antragstellers zu 122) hat die AntragSgegnerin zugesichert, keinen
Kostenantrag zu stellen, weshalb eine Auferlegung der Gerichtskos-
ten auf den Antragsteller zu 122) unbillig wäre.
Bezüglicly der aussergerichtlichen Kosten findet die Entscheidung ihre ,
Rechtsgrundlage in § 15 Abs. 4 SpruchG. Danach ordnet das Gericht an,
dass die Kosten der Antragsteller, die zur zweckentsprechenden Erledi-
gung der Angelegenheit notwendig waren, ganz oder zum Teil vom An-
tragsgegner zu erstatten sind, wenn dies unter Berücksichtigung des Aus-
gangs des Verfahrens der Billigkeit entspricht.
(1) .Wenn es---wie hier - zu einer Erhöhung einer der beiden massgebli-
chen Kompensationsleistunden kommt, ist eine kostenaufteilung
keinesfalls gerechtfertigt Da Informationsmängel hinsichtlich der An-
gemessenheit der Kompensation ebenso wenig wie die Rüge der
fehlenden Angemessenheit ein erfolgreiche Anfechtungsklage be-
gründen können, was sich beZüglich Informationsmängeln nunmehr
aus § 243 Abs. 4 Satz 2 AktC ergibt, stoUt sich die Koetenbebstung
der Antragsteller bei Anträgen, die sogar zu einer Erhöhung des
Ausgleichs führen - unabhängig von prozentualen Werten im Einzel-
nen -, als dazu angetan dar, Aktionäre von ihrem Rechtsschutz ab-
zuhalten, wenn sie selbst bei einem erfolgreichen Ausgang des

Spruchverfahrens einen Teil ihrär aussergerichtlichen Kosten selbst
tragen müssten (so ausdrücklich Emmerich in: Emmerich/Habersack,
Aktien:. und GmbH-Konzernrecht, a,a.0., §. 15 SpruchG Rdn. 20 f.).
Wenn es wie hier jedenfalls bei einer der beiden Kompensationsleis-.
tungen eines: Ergebnisabführungsvertrgges zu einer Erhöhung um
ca. 11,5 % -kommt, ist eine Kostenaufteilung keinesfalls gereetfer-
tigt. DieSigilt auch, wenn der Ausgleichsbetrag nicht verändert wurde,
weil die Antragsteller. erfolgreich Rügen in Richtung auf die Abfin-
dung erhoben haben; auch wenn diese nicht zu einer Erhöhung des
Ausgleichs führen, kann dies angesichts des strukturellen -Informati-
onSgefälles, wie es sich in einem SpruChverfahren zwischen den
Minderheitsäktionären und der Antragsgegnerin als nunmehr herr-
schender Gesellschaft darstellt, eine KoStenauftellung nicht rechtfer-
tigen.
(3)
Infolge der Unzulässigkeit der Anträge der Antragsteller zu 94). und-
zu 95) sowie der Antragsrüdknahme der Antragstellpr zu 122) :und
zu. 125) kann sich der Kostenerstattungsanspruch gegen die . An-
tragsgegnerin jedoch nicht .p.uf diese. Antragsteller beziehen. Ande-
rerseits sind diese Antragsteller auch nicht anteilig zur KoStenerstat-
tung än die Antragsgegnerin .verpflichtet. Für eine Auferlegung eines
Teils der aussergerichtlichen Kosten auf die Antragsteller, die ihre An-
träge zurückgenommen haben, besteht trotz der Antragsrücknahme
keine Rephtsgrundlage, weil .§ 15,Abs. 4 SpruchG eine abschliessen-
de Regeking enthält und dort eine Erstattungspflicht hinsichtlich der
.

aussergerichtlichen Kosten -des Antragsgegners durch die Antragstel-
ler nicht Vorgesehen ist (so ausdrücklich BGH NZG 2012, 191, 193 f
= AG 2012, 173, 174 f. = ZIP 2012, 266, 268 f.= WM 2012, 280, 282
f. = DB 2012, 281, 282 f. = MDR 2012, 293 f.; LG München I, Be-
schluss vom 27.6.2014, Az. 5HK 0 7819/09).