Salamander AG - 2012-10-16 - LG-Beschluss - Squeeze-out

- Ausfertigung -
Geschäftsnummer:
32 AktE 8/03 KfH
'330
gbov
Landgericht Stuttgart
32. Kammer für Handelssachen
Beschluss
in dem Verfahren

wegen Abfindung gemäss §§ 327 f., 306 AktG a.F.
hat die 32. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Stuttgart unter Mitwirkung von
Vors. Richter am Landgericht
Handelsrichter
Handelsrichter
beschlossen:
1. Die Anträge der Antragsteller Ziff. 1 bis 22 und des Vertreters der nicht antragstel-
lenden Aktionäre gegen die Antragsgegnerinnen Ziff. 1 und 2 werden
zurückgewiesen.
2. Die Antragsgegnerin Ziff. 1 trägt die Gerichtskosten, ihre aussergerichtlichen Kosten,
die aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller Ziff. 1 bis 22 sowie die Kosten des
Vertreters der nicht antragstellenden Aktionäre..
3. Der Geschäftswert wird auf 200.000,00 Euro festgesetzt.
4. Die Vergütung des Vertreters der nicht antragstellenden Aktionäre wird auf
10.000,00 Euro zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer festgesetzt.
Gründe:
I.
Die Antragsteller verlangen im Spruchverfahren die gerichtliche Festsetzung einer an-
gemessenen Barabfindung wegen ihres Ausschlusses als Minderheitsaktionäre der Sa-
lamander AG, der Antragsgegnerin Ziff. 2, durch Übernahme ihrer Aktien durch die An-

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tragsgegnerin Ziff. 1, als Mehrheitsaktionä-
rin (§ 327 a Abs. 1 S. 1 AktG)
Die Salamander AG, Kornwestheim, entstand im Jahr 1930 durch Zusammenschluss
mehrerer Vorgängergesellschaften. Durch den Erwerb diverser Unternehmensbeteili-
gungen seit dem Jahr 1986 hat die Salamander AG neben dem angestammten Ge-
schäftsfeld der Schuhproduktion und des Schuhhandels weitere Geschäftsfelder aufge-
baut. Die Salamander AG ist die Muttergesellschaft der Salamander-Gruppe und fun-
giert seit 1999 als Holding-Gesellschaft, die den Immobilienbestand der Salamander-
Gruppe betreut und zentrale Verwaltungsleistungen für die übrigen. Unternehmen der
Salamander-Gruppe erbringt.
Die Antragsgegnerin Ziff. 1 hält unmittelbar und mittelbar mehr als 95 % der Anteile der
Salamander AG.
Die Salamander-Gruppe hat vier Geschäftsfelder, wie folgt:
Geschäftsfeld "Holding/Immobilien" mit dem Tätigkeitsbereich der Verwaltung des Im-
mobilienbestandes und der zentralen Verwaltungsleistungen für die übrigen Konzernge-
sellschaften, bestehend aus der Antragsgegnerin Ziff. 2 (Salamander AG), der Sala-
mander Versicherungsvermittlungs GmbH, der Rovo Bauprojekt GmbH und der Sala-
mander Sorbus GmbH & Co. KG;
dem Geschäftsfeld "Schuhe" mit den Tätigkeitsbereichen der Schuhproduktion und des
Schuhhandels, bestehend aus der Salamander Shoes & Trend Company GmbH, der
Yellow Miles GmbH, der SIOUX GmbH (Schuhproduktion) und der Salamander Schuh-
handelsgesellschaft GmbH, Fricker Schuhe AG, Salamander France SAS, Salamander
Hungaria Kft, Salamander Polska sp.z.o.o. und der Salamander CR spol. (für den
Schuhhandel);
dem Geschäftsfeld "Service" für die Tätigkeitsbereiche Facility Management, Reinigung,
Sicherung durch das Unternehmen Gegenbauer-Bosse-Gruppe, Parkraumbewirtschaf-
tung durch die APC0 A-Gruppe, Beschaffung von Hilfs- und Betriebsstoffen durch die
Euro SourceLine GmbH, Objektsicherheit durch die Objektschutz Schäfer GmbH und
Industrie- und Gebäudeinstandhaltung durch die DIW AG;
dem Geschäftsfeld "Industrie" für die Tätigkeitsbereiche Produktion und Vertrieb von
Kunststoffen, Fensterprofilen, technischen Teilen und Lederfaserstoffen durch die Sala-

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nnander Industrie-Produkte GmbH und den Vertrieb von Schuh- und Lederpflegemitteln
durch die Melvo GmbH.
Das Grundkapital der Salamander AG betrug zur Zeit des Berichtes 47.860.320,17 Euro
und ist eingeteilt in 18.721.330 nennwertloser Stückaktien. Die Antragsgegnerin Ziff. 1
hielt zur Zeit des Ausschliessungsbeschlusses 95,42 %. Die restlichen 4,58 % befanden
sich im Streubesitz.
Der Salamander-Konzern beschäftigte damals rund 20.000 Mitarbeiter.
Die Salamander AG ist börsennotiert. Der durchschnittliche Börsenkurs betrug in dem
Dreimonatszeitraum vor Bekanntgabe der Strukturmassnahme (29.04.2002) 11,35 Euro.
Die Salamander AG hat mit der SIP, der Melvo, der OSD Schäfer, der Salamander Ver-
sicherungsvermittlung, der Rovo, der APCOA AG sowie der Euro Shoes and Fashion
Gewinnabfährungsverträge geschlossen.
Die Salamander AG veräusserte den Bereich der Schuhproduktion und des Schuhhan-
dels am 20.06.2003 an die Garant-Gruppe (Schuhproduktion und Schuhhandel ohne
SIOUX) sowie am 27.11.2003 an die Goldpfeil AG (Verkauf der SIOUX). Ihre Beteiligung
an der APCOA AG verkaufte sie am 28.04.2004 an die Kapitalbeteiligungsgesellschaft
"Investcorp", 28 % ihrer Beteiligung an der Gegenbauer-Bosse-Gruppe verkaufte sie an
den ehemaligen Eigentümer zurück und hält nunmehr ab 17.12.2003 an dieser Gruppe
eine Minderheitsbeteiligung von 49 %. Die Euro SourceLine GmbH veräusserte sie am
05.05.2003 an (100%ige Tochter der Antragsgegnerin Ziff. 1).
Gleiches gilt für die Veräusserung ihrer Beteiligung an der Objektschutz Schäfer GmbH
vom 25.04.2003 an eine Gesellschaft des Konzerns der Antragsgegnerin Ziff. 1. Am
20.12.2002 veräusserte die Salamander AG 20,1 % ihrer Anteile an der DIW AG (von
insgesamt 45,2 %). Am 02.04.2004 veräusserte sie ihre Beteiligung an der Salamander
Industrie-Produkte GmbH (SIP) sowie ihre Beteiligung an der Melvo GmbH am
30.12.2003.
Durch Beschluss der Hauptversammlung der Salamander AG vom 11.09.2002 wurden
die Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Hauptaktionärin, die Antragsgegnerin Ziff. 1,
übertragen gegen eine Abfindung der in Höhe von 22,71 Euro1Aktie der Salamander

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AG. Grundlage der Barabfindung war eine von der
im Auftrag der durchgeführte Unter-
nehmensbewertung, Die erstattete am 29.07.2002 den Prüfbericht.
Der Beschluss wurde am 22.01.2003 im Handelsregister der Antragsgegnerin Ziff. 1
eingetragen. Die Bekanntmachung erfolgte am 28.01.2003 im Bundesanzeiger.
In einem gerichtlichen Vergleich vom 20.12.2002 vor der 40. Kammer für Handelssa-
chen des Landgerichts Stuttgart im Rahmen einer Anfechtungsklage gegen den Haupt-
versammlungsbeschluss erhöhte die Antragsgegnerin Ziff. 1, die damalige Beklagte, die
Barabfindung für alle Aktionäre auf 26,00 Euro nebst Bekanntmachung des Vergleiches.
Die Antragsteller tragen vor,
die Barabfindung sowohl in Höhe von 22,71Euro /Aktie als auch die gemäss Vergleich vom
20,12.2002 in Höhe von 26,00 Euro/Aktie sei unangemessen niedrig. Die Unternehmens-
planung sei zu pessimistisch, da die Zukunftsaussichten nicht ausreichend bewertet
worden seien. Insbesondere sei davon auszugehen, dass zum Bewertungsstichtag der
Grossaktionär bereits die Absicht hatte, sich vom defizitären Schuhgeschäft zu trennen.
Ebenso fehle die Darlegung der Planungsgrundsätze, insbesondere für die einzelnen
Gesellschaften. So seien insbesondere die APCOA-Beteiligung unterbewertet und der
Wertansatz für die Beteiligung DIW AG unplausibel. Auch hätten die Unternehmensteile
einzelbewertet werden müssen bei Berücksichtigung zum Stichtag zeitnaher Verkaufser-
löse. Die Einzelunternehmen hätten zudem nach dem Liquidationswert berechnet wer-
den müssen. Auch fehlten Angaben zu den Immobilien, wobei auch eine fehlerhafte Ab-
grenzung des nicht betriebsnotwendigen zum betriebsnotwendigen Vermögen gerügt
werde. Dazuhin sei der Kapitalisierungszins zu hoch berechnet. Insbesondere gelte dies
für einen zu hohen Basiszins, eine zu hohe Marktrisikoprämie, einen zu niedrigen Beta-
faktor, der unplausibel aus einer unpassenden Peer-Group mit ausländischen Unter-
nehmen, die mit der Salamander AG nicht vergleichbar seien, hergeleitet worden sei.
Auch der Wachstumsabschlag mit 0,5 % sei bei Weitem zu niedrig angesetzt. Ebenso
wenig könne ein typisierter Steuersatz von 35 % der Unternehmensbewertung
zugrundegelegt werden. Zudem hätte der Börsenkurs auch der APCOA berücksichtigt
werden müssen.

Im Übrigen wird auf den Inhalt sämtlicher Schriftsätze aller Antragsteller und des Vertre-
ters der nicht antragstellenden Aktionäre nebst allen vorgelegten Anlagen verwiesen.
Die Antragsgegnerin 2 trägt vor,
dass der Unternehmenswert und damit die Barabfindung aufgrund richtiger Prämissen
zutreffend ermittelt worden sei.
Der Sachverständige und Wirtschaftsprüfer erstattete nach Beauftragung
durch die Kammer am 29.06.2007 ein Sachverständigengutachten. Am 24.09.2008 wur-
den die Sachverständigen und ergänzend zu diesem Grundachten ange-
hört. Nach Erstattung eines schriftlichen Gutachtens in dem Spruchverfahren Schutz-
gemeinschaft der Kleinaktionäre u.a. gegen u,a., Az.:
32 AktE 17/02 KfH, wegen eines Gewinnabführungsvertrages (Gutachtenerstattung
21,01.2011) ergänzte der Sachverständige im Hinblick auf die Auswirkung der Bewer-
tung der APCOA AG als Beteiligung der Salamander AG sein Hauptgutachten schriftlich
am 09.06.2011. Eine weitere Ergänzung des schriftlichen Gutachtens erfolgte mit einer
Stellungnahme vom 12.04.2012. Das Gutachten im Spruchverfahren 32 AktE 17/02 KfH
ging zur Kenntnisnahme an alle vorliegenden Beteiligten, soweit sie in dem Parallelver-
fahren 32 AktE 17/02 KfH nicht beteiligt sind.
II.
1. Zulässigkeit der Anträge:
Alle Antragsteller haben innerhalb der Fristen der §§ 327 f. Abs. 2 AktG a.F. (zwei
Monate nach dem Tag, an dem die Eintragung des Übertragungsbeschlusses in das
Handelsregister nach § 10 des Handelsgesetzbuches als bekanntgemacht gilt, hier
dem 28.01.2003) und des § 306 Abs. 3 S. 2 AktG a.F. (zwei Monate nach Bekannt-
machung des ersten Antrages durch das Landgericht, hier am 26.02.2003) ihre An-
träge beim Landgericht Stuttgart rechtzeitig eingereicht.
Soweit die Antragsteller, mit Ausnahme der Antragsteller Ziff. 3, 5, 6, 12, 13, 17, 18,
19, 22, ihre Anträge sowohl gegen die Salamander AG als auch gegen
als deren Hauptaktionär gerichtet haben, sind diese Anträ-
ge gegen die Salamander AG unzulässig, denn die Kammer schliesst sich bei der vor

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dem Inkrafttreten des Spruchverfahrensgesetzes (01.09.2003) streitigen Rechtsfra-
ge, wer richtiger Antragsgegner einer Barabfindungsüberprüfung beim Ausschluss
von Minderheitsaktionären ist, der dann auch Gesetz gewordenen (§ 5 Nr. 3
SpruchG) Rechtsmeinung an, dass sich solche Spruchverfahren nur gegen den
Hauptaktionär zu richten haben, der Träger des wirtschaftlichen Vorteils dieser
Strukturmassnahme ist. Jedoch bleibt diese Entscheidung ohne kostenrechtliche
Auswirkung für diese Antragsteller.
2. Die Anträge sind in der Sache nicht begründet.
Die Höhe der Barabfindung jedenfalls in der Fassung des gerichtlichen Vergleiches
vom 20.12.2002, Landgericht Stuttgart, Az.: 40 0 127/02 KfH, in dem die beschlos-
sene Barabfindung in Höhe von 22,71 auf 26,00 erhöht wurde, in Verbindung mit
einem echten Vertrag zugunsten Dritter, das heisst auch zu Gunsten nicht an dem
dem Vergleich zugrundegelegenen Nichtigkeits- und Anfechtungsverfahren bezüg-
lich des Hauptversammlungsbeschlusses vom 11.09.2002 beteiligte Minderheitsak-
tionäre, entspricht nach Überzeugung der Kammer den Verhältnissen der Salaman-
der AG, insbesondere dem vollen Wert des Unternehmens unter Berücksichtigung
seiner künftigen Ertragsaussichten bei Beachtung angemessener Abschreibungen
und Wertberichtigungen, bezogen auf den Zeitpunkt der Beschlussfassung (Stich-
tag) vom 11.09.2002 (§ 327 b Abs. 1 S. 1 AktG). Angemessen ist danach eine Bar-
abfindung, die dem ausscheidenden Aktionär eine volle Entschädigung verschafft im
Hinblick auf den Wert seiner Beteiligung an dem arbeitenden Unternehmen. Zu er-
mitteln ist der sog. "Grenzpreis", zu dem der ausscheidende Aktionär ohne Nachteil
aus der Gesellschaft ausscheiden kann.
Insbesondere aufgrund des schriftlichen Sachverständigengutachtens des Sachver-
ständigen vom 29.06.2007 in Verbindung mit seinen mündlichen Erläu-
terungen vor der Kammer am 24.09.2008, seinem schriftlichen Ergänzungsgutach-
ten im Hinblick auf die Bewertung der Beteiligung der Salamander AG an der
APCOA AG vom 09.06.2011 und seiner ergänzenden schriftlichen Stellungnahme
vom 12.04.2012 lag der Wert des Unternehmens zum 11.09.2002 bei
470.400.000,00 und damit bei 25,13 Euro/Aktie, ausgehend von insgesamt

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18.721.330 Aktien. Der Wert der Aktie liegt damit unter der erhöhten Abfindung von
26,00 Euro/Aktie gemäss Vergleich vom 20.12.2002.
Dieser Unternehmensbewertung lag die Anwendung richtiger Bewertungsmethoden
zugrunde, und der Beteiligungswert der ausgeschiedenen Antragsteller als Aktionäre
wurde unter Beachtung des Börsenkurses der Aktien der Salamander AG auch kor-
rekt ermittelt.
Der gerichtliche Sachverständige hat ebenso wie der Bewertungsgutachter und der
sachverständige Prüfer bei der Ermittlung des Unternehmenswertes die Ertrags-
wertmethode zugrundegelegt. Dies entspricht der Praxis der Gerichte, wonach sich
der Unternehmenswert nach dem Ertragswert des betriebsnotwendigen Vermögens
richtet. Der Ertragswert eines Unternehmens ist danach der Unternehmenswert, der
durch Diskontierung der den Unternehmenseignern künftig zufliessenden finanziellen
Überschüsse, die aus dem künftigen handelsrechtlichen Erfolg abgeleitet werden,
gewonnen wird. Bei der Bewertung des Unternehmens ist aber zu beachten, dass
kein mathematisch exakter oder "wahrer" Wert zum Stichtag festgestellt werden
kann. Vielmehr handelt es sich bei den in die Zukunft gerichteten Planrechnungen
des Unternehmens um Zukunftsprognosen, die zwangsläufig unsicher sind. Deshalb
sind bei der Erstellung von Planungsrechnungen regelmässig zum Teil erhebliche
Spielräume gegeben, die zu Bandbreiten möglicher Planansätze führen. Aussagen
über unternehmerische Planungsrechnungen können daher nicht in die Kategorie
von "richtig" oder "falsch" eingeordnet werden, sondern nur in die Kategorien "plau-
sibel" oder "nicht plausibel". "Plausibel" ist eine Planungsrechnung jedoch dann,
wenn sie ein in sich schlüssiges, widerspruchsfreies Rechenwerk darstellt und die
zugrundegelegten Planungsprämissen innerhalb einer angemessenen Bandbreite
liegen. Das Gericht hat sodann unter Beachtung anerkannter betriebswirtschaftlicher
Methoden den Unternehmenswert, der Grundlage für die Abfindung ist, im Wege der
Schätzung gemäss § 287 Abs. 2 ZPO zu bestimmen.
Ausgangspunkt für die Ermittlung des Ertragswertes der Salamander AG im Rah-
men der vom Gericht vorzunehmenden Tatsachenfeststellungen muss grundsätzlich
die vom Unternehmen erarbeitete Planung und die darauf aufbauende Prognose ih-
rer Zukunftserträge sein, die jedoch nur eingeschränkt überprüfbar ist. Die in die Zu-

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kunft gerichtete Planung ist nämlich in erster Linie ein Ergebnis der jeweiligen unter-
nehmerischen Entscheidung der für die Geschäftsführung verantwortlichen Perso-
nen. Diese Entscheidungen müssen auf zutreffenden Informationen beruhen und
sind auf realistischen Annahmen aufzubauen.. Sie dürfen zudem nicht in sich wider-
sprüchlich sein. Kann jedoch, die Geschäftsführung auf einer solchen Grundlage
vernünftigerweise annehmen, ihre Planung sei realistisch, darf diese Planung nicht
durch andere, letztlich ebenfalls nur vertretbare Annahmen des Gerichts ersetzt
werden.
Nach Überzeugung der Kammer, insbesondere aufgrund des schriftlichen Sachver-
ständigengutachtens nebst mündlicher Erläuterung und zusätzlichen schriftli-
chen ergänzenden Stellungnahmen hat dieser überzeugend dargelegt, dass der Un-
ternehmenswert zum Stichtag, dem 11.09.2003, auch unter Berücksichtigung der im
Parallelgutachten für das Spruchverfahren, Az.: 32 AktE 17/02 KfH, ermittelten Un-
ternehmenswertes für die Beteiligungsgesellschaft APCOA AG 470.400.000,00 Euro
betrug. Hierbei hat der Sachverständige den Unternehmenswert anhand betriebs-
wirtschaftlich anerkannter Methoden ermittelt, wobei Grundlage die Planungsrech-
nungen des Unternehmens waren, die ihrerseits auf Prämissen beruhten, die inner-
halb angemessener Bandbreiten lagen. Eine Tendenz zu unangemessenen niedri-
gen Planansätzen zulasten der Antragsteller lag nicht vor.
Hierzu im Einzelnen:
a) Vergangenheitsanalyse:
Im Rahmen der Vergangenheitsanalyse wird die Ertragskraft des Unternehmens
gewürdigt.
Dabei werden die bisherigen leistungs- und finanzwirtschaftlichen Entwicklungen
des zu bewertenden Unternehmens analysiert. Dies schafft die Voraussetzungen
für die Schaffung künftiger Entwicklungen und die Vornahme von Plausibilitäts-
beurteilungen. Zielsetzung der Bereinigung der Vergangenheitserfolgsrechnung
ist die Ermittlung von vergleichbaren, dem normalen Geschäftsverlauf entspre-
chenden Ergebnissen als Ausgangsbasis für die Ermittlung der am Bewertungs-
stichtag vorhandenen Ertragskraft. Dabei werden in der Vergangenheit gegebe-

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ne, aber in der Zukunft nicht mehr oder nur verändert wirkende Einflüsse ange-
passt.
Die Vergangenheitsanalyse betraf die Jahre 1999 bis 2001. Anhaltspunkte für
einen unangemessenen Zeitraum für die Vergangenheitsanalyse sind weder er-
sichtlich noch vorgetragen. Hierbei hat der Bewertungsgutachter die berei-
nigte Darstellung der Vergangenheitsergebnisse dieser Jahre den jeweiligen
Prüfungsberichten zu den Jahresabschlüssen der einzelnen Gesellschaften der
Salamander AG entnommen. Diese Prüfungsberichte enthielten eine Analyse
der Ertragslage, in der nicht wiederkehrende oder periodenfremde Aufwendun-
gen und Erträge gesondert ausgewiesen wurden, insbesondere unter Berück-
sichtigung von Restrukturierungsaufwendungen, GewinneNerluste aus Anla-
genabgängen, Auflösungen von Rückstellungen, Erhöhung oder Verminderung
von Einzel- und Pauschalberichtigungen, Kursgewinne und -verluste sowie Auf-
wendungen und Erträge aus Schadensfällen. Der Sachverständige führte hierzu
überzeugend aus, dass diese Vorgehensweise des Bewertungsgutachters im
Hinblick auf die Vergangenheitsanalyse üblichem Vorgehen entspricht. Jedoch
stellte der gerichtliche Sachverständige fest, dass eine erforderliche Bereinigung
der Vergangenheitsanalyse und die Ergebnisse aus nicht betriebsnotwendigem
Vermögen nicht stattgefunden hat. Allerdings errechnete der gerichtliche Sach-
verständige überschlägig einen Ergebnisbeitrag von 400.000 Euro p.a. aufgrund des
zu eliminierenden nicht betriebsnotwendigen Vermögens. Hinsichtlich der gerin-
gen Höhe im Verhältnis zum geplanten Gesamtertrag wirkte sich dieser Fehler
jedoch auf die Plausibilität der Planungsrechnungen nicht aus. Insgesamt ist da-
her festzustellen, dass eine Korrektur der Vergangenheitsanalyse bei Berück-
sichtigung der Ermessensspielräume der planenden Organe des Unternehmens
nicht zu erfolgen hat.
b) Unternehmensplanung für den Detailplanungszeitraum 2002 bis 2005:
Die Detailplanungsphase 1 umfasst einen vierjährigen Zeitraum, der im Rahmen
üblicher Unternehmensplanungen für die Detailplanungsphase liegt.
Aufgrund des schriftlichen Gutachtens nebst seinen Ergänzungen sowie der
mündlichen Erläuterung des Sachverständigen vor der Kammer bestehen für

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diese keine Anhaltspunkte dafür, dass zum Nachteil der Antragsteller bei der Sa-
lamander AG zu pessimistische Planannahmen zugrundegelegt wurden.
Grundlage für die Planungen des Detailplanungszeitraumes waren die Planun-
gen für die wesentlichen Gesellschaften der Salamander AG in den einzelnen,
oben dargestellten Geschäftsfeldern. Für Gesellschaften mit untergeordneter
Bedeutung wurde keine Planung erstellt. Diese gingen mit ihrem anteiligen Ei-
genkapital als Sonderwert in den Unternehmenswert ein. Der gerichtliche Sach-
verständige hat hierbei keine Lücken bezüglich der Vollständigkeit der Unter-
nehmenswertermittlung festgestellt. Auch die Kammer ist der Überzeugung,
dass es sachgerecht war, Gesellschaften von untergeordneter Bedeutung ohne
Planerstellung für den Detailplanungszeitraum mit ihrem anteiligen Eigenkapital
am Unternehmenswert der Salamander AG zu berücksichtigen.
Ebenso wenig ist der Planungsansatz fehlerhaft, dass, wie geschehen, Aus-
gangspunkt für die Detailplanung eine eigenständige Planung der Tochterunter-
nehmen im Herbst 2008 war in Verbindung mit einer Planung im zweiten Quartal
2002 auf Basis der Ergebnisse aus dem ersten Quartal durch dezentrale Anpas-
sung. Der Bewertungsgutachter hat zudem für die einzelnen Bereiche Marktstu-
dien eingesehen sowie parallel aus Kontrollgründen einen sog. "Vendor Report"
für die Antragsgegnerin erstellt. Zweck dieses Reports war die Präsentation der
Salamander AG insgesamt sowie der einzelnen Geschäftsbereiche und Unter-
nehmen für potentielle Kaufinteressenten im Zuge einer möglichen (Teil-
)Veräusserung der Salamander AG oder von Unternehmensbereichen. Nach den
Darlegungen des gerichtlichen Sachverständigen, der im Rahmen des Gutach-
tens auch das Bewertungsgutachten nachvollzogen und überprüft hat, wur-
den keine wesentlichen Abweichungen zwischen den Planungsrechnungen und
den Werten aus dem sog. "Vendor Report" festgestellt. Abweichungen, so der
Sachverständige, hätten sich lediglich durch die Eliminierung des nicht betriebs-
notwendigen Vermögens sowie die Umgliederung der sonstigen Steuern erge-
ben.
Ein Vergleich der Planungen insbesondere mit der Ist-Entwicklung für das Jahr
2002 (ein Vergleich mit Ist-Ergebnissen für das Jahr 2003 war wegen Veräusse-

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rung wesentlicher Geschäftsbereiche nicht mehr möglich) zeigt eine deutlich ne-
gative Entwicklung der Ist-Zahlen im Verhältnis zu den Planungen:
Insbesondere der Geschäftsbereich Schuhproduktion und Schuhhandel mit sei-
nen Hauptgesellschaften SIOUX GmbH, Yellow Miles GmbH sowie SSTC ver-
fehlte die Planungen deutlich. So wurde in diesem Bereich der Umsatz gegen-
über der Planung um 43,1 Millionen Euro unterschritten. Auch konnte der ge-
plante Rückgang der Materialaufwandsquote auf 58 % nicht erreicht werden.
Vielmehr stagnierte diese auf dem Stand von 2001 mit 60 %. Die Umsatzrück-
gänge von über 10 % und die Entwicklung der Materialaufwandsquote führten zu
einem um 19,7 Millionen Euro geringeren Ergebnis als in der Planung vorgese-
hen. Auch im Bereich Service verfehlte insbesondere die dort angesiedelte
APCOA-Gruppe die Planungen. Zwar lagen die Ist-Umsätze in 2002 noch mit
2,6 % über den Planumsätzen; jedoch wurde die geplante Konzern-EBIT-Marge
von 6,2 % mit 4,7 % im "Ist" deutlich unterschritten, mit der Folge, dass das ge-
plante Konzern-EBIT im "Ist' um rund 5,3 Millionen Euro verringert war. Auch der
Bereich Industrie verfehlte 2002 im "Ist" die Planungen aufgrund sonstiger be-
trieblicher Aufwendungen, die im Jahr 2002 dui: ch den Verkauf eines Teilberei-
ches Dichttechnik sowie den Erwerb des Kunststofffensterprofilgeschäftes von
einer Firma Brügmann geprägt waren. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg
der Betriebs- und Vertriebskosten in 2002.
Bei Berücksichtigung dieser Tatsachen (negatives Ist-Ergebnis, ungefährer
Gleichstand der Detailplanung im Verhältnis zu den Werten aus dem sog.
"Vendor Report", der, worauf der gerichtliche Sachverständige zu Recht hinwies,
tendenziell aus der Sicht eines Verkäufers höhere Unternehmenswerte enthält),
ist ersichtlich, dass dem Detailplanungszeitraum keinesfalls eine zu pessimisti-
sche, sondern eher eine zu optimistische Unternehmensplanung zugrundelag.
Dies deckt sich auch mit den Feststellungen eines sehr schwierigen Marktumfel-
des der SAG im Bereich Schuhproduktion und Schuhhandel einerseits und den,
wie oben dargestellten, Teilveräusserungen wesentlicher Tochtergesellschaften
nach dem Bewertungsstichtag 11.09.2002.
c) Detailplanungsphase 2 (ewige Rente), Kapitalisierungszins und seine Kompo-
nenten:

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cl . Die Kammer legt, wie der Bewertungsgutachter die Grundsätze des
IDW S1 a.F., die zum Bewertungsstichtag 11.09.2002 galten, zugrunde,
auch wenn bei einer gerichtlich zu überprüfenden Unternehmensbewertung
die Neufassung des 1DW S1 vom 18.10.2005 grundsätzlich zugrundegelegt
werden könne. Die Neufassung des IDW, die sich von dem IDW S1 a.F.
hauptsächlich durch die Ermittlung des Basiszinssatzes aus der sog. "Zins-
strukturkurve" der Deutschen Bundesbank, der Ermittlung der Marktrisiko-
prämie nach dem Tax-CAPM-Modell, das das Standard-CAPM um die Be-
rücksichtigung der Wirkung persönlicher Ertragssteuern erweitert, sowie
durch die Abkehr von der Vollausschüttungshypothese (neu: 50 % Ausschüt-
tung, 50 % Thesaurierung) unterscheidet, ergibt nach den überzeugenden
Darlegungen des gerichtlichen Sachverständigen zum Nachteil der Antrag-
steller einen geringeren Unternehmenswert der SAG zum 11.09.2002, näm-
lich in Höhe von 394.200.000,00 Euro zu 470.400.000,00 Euro nach dem alten IDW
S1 a.F. Zugunsten der Antragsteller legt deshalb die Kammer bei der Detail-
planungsphase 2 den alten IDW-Standard zugrunde.
c2. Basiszins:
Der vom gerichtlichen Sachverständigen zugrundegelegte und von 6 % auf
5,5 % reduzierte Basiszinssatz begegnet bei der Kammer keinen Bedenken.
Der Sachverständige legte überzeugend dar, dass bei Zugrundelegung eines
sog. "Mischmodells", das bei dem IDW S1 a.F. galt und bei der öffentliche
Anleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren oder mehr herangezogen wur-
den, sich ein Zinssatz von 5,608 % ergab. Auch bei Zugrundelegung des
IDW S1 n.F. unter Anwendung der Zinsstrukturkurve ergab sich ein Basis-
zinssatz vor Steuern von rund 5,5 %. Der vom Sachverständigen bevorzugte
Basiszinssatz von 5,5 % vor persönlicher Ertragssteuer bewegt sich, unab-
hängig von der Frage, welche Zeiträume für die Zinserträge risikoarmer ver-
gleichbarer öffentlicher Anlagen heranzuziehen sind, grundsätzlich innerhalb
angenommener Werte der Rechtsprechung und wird von der Kammer daher
nicht beanstandet und der Bewertung zugrundegelegt.
c3. Risikozuschlag:

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Die Berechnung des Risikozuschlages nach den Grundsätzen des CAPM-
Modells, mithin mit seinen Unterkomponenten Marktrisikoprämie und Beta-
faktor, wird auch von der Kammer der Unternehmensbewertung zugrundege-
legt.
Die Anwendung des CAPM-Modells ist nicht zu beanstanden, denn dessen
Vorteil liegt wegen der Zerlegung des Risikozuschlages in seine Komponen-
ten "Marktrisikoprämie" und "Betafaktor" in einer erhöhten Nachprüfbarkeit
und Objektivierbarkeit, mit der Folge, dass dieses Modell sich derzeit immer
noch zum herrschenden Modell für die. Entwicklung des Risikozuschlages
durchgesetzt hat. Ein neues, diesem Modell überlegenes, ist derzeit für die
Kammer nicht ersichtlich.
Die hier vom gerichtlichen Sachverständigen zugrundegelegte, mit derjeni-
gen des Bewertungsgutachters übereinstimmende Marktrisikoprämie in
Höhe von 5 % vor Steuern bewegt sich innerhalb der von der Recht-
sprechung angenommenen Bandbreiten und Bewertungen bei Anwendung
des IDW S1 a.F. Hierbei geht die Kamm& von dem Stand der Betriebswirt-
schaftslehre aus, ohne in grundsätzliche theoretische Fragen der Ermittlung
der Marktrisikoprämie einzutreten, nachdem weiterhin der Stand der Be-
triebswirtschaftslehre hier in diesem Punkt durch sehr uneinheitliche Auffas-
sungen bezüglich der Ermittlung der "wahren" Marktrisikoprämie geprägt ist.
Ein gerichtliches Spruchverfahren, wie auch sonstige gerichtliche Verfahren,
dienen nicht der Rechtsfortbildung rechtswissenschaftlich fremder anderer
Fachgebiete. Das Gericht hat bei der Rechtsfindung grundsätzlich den aktu-
ellen Stand der anderen Fachgebiete zugrundezulegen (Stand der Betriebs-
wirtschaftslehre, Stand der Technik, Stand der Medizinwissenschaft). Anträ-
ge der Antragsteller auf Einholung von Gutachten zu grundsätzlichen Fragen
der Weiterentwicklung der Betriebswirtschaftslehre zu dem angesprochenen
Punkt der Marktrisikoprämie sind deshalb nicht zu beachten.
c4. Betafaktor:
Der Betafaktor ergibt sich mathematisch aus der Volatilität der Rendite des
individuellen Wertpapieres im Verhältnis zur Volatilität der Rendite des

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Marktportfolios. Je geringer die Volatilität der Rendite des individuellen Wert-
papieres (hier SAG), umso geringer ist auch der Betafaktor.
Aufgrund der geringen Handelstätigkeit mit Aktien der Salamander AG konn-
te im vorliegenden Fall der Betafaktor nicht aus der Kursentwicklung der Ak-
tien der Salamander AG abgeleitet werden. Der Sachverständige wies zu
Recht darauf hin, dass eine geringe Volatilität im Fall eines geringen Han-
delsvolumens auf einem rein mathematischen Effekt beruht und nicht Aus-
druck der Erwartung des Marktes in eine besonders stabile Ertragsentwick-
lung des Unternehmens ist. Deshalb wurde im vorliegenden Fall zu Recht für
die Ermittlung des Betafaktors auf eine sog. "Peer-Group" zurückgegriffen.
Der Sachverständige hat bei der Ermittlung des Betafaktors detaillierte Un-
terlagen des Bewertungsgutachters untersucht und die von diesem vorge-
nommenen Berechnungen rechnerisch nachvollziehen können. Danach wur-
den über die Verwendung von differenzierten Betafaktoren je Geschäftsbe-
reich auch die unterschiedliche Risikosituationen der einzelnen Geschäftsbe-
reiche der SAG dem Grunde nach mit berücksichtigt.
Zudem kann dahinstehen, ob die Peer-Group-Mitglieder eine hinreichende
Vergleichbarkeit mit dem zu bewertenden Unternehmen aufweisen. Der
Sachverständige wies hier zu Recht darauf hin, dass diese indirekte Ablei-
tung des Betafaktors anhand einer Peer-Group die spezifische Risikosituati-
on der Salamander AG nur hilfsweise und ungenau abbilden kann. Keines-
falls ist ein derart abgeleiteter Betafaktor der einzig richtige, denn in diesem
Fall handelt es sich uni eine Scheinobjektivierung. Vielmehr, so wies der
Sachverständige zu Recht darauf hin, bedarf der Betafaktor einer weiteren
gesamten kritischen Würdigung. Auch die Kammer ist deshalb der Überzeu-
gung, dass bei Berücksichtigung der oben dargestellten, sehr optimistischen
Planung der SAG, der bei keinem anderen Peer-Group-Mitglied gegebenen
sog. "Turn- around-Situation", und der sehr unterschiedlichen Geschäftsfel-
der der Salamander AG das unternehmensindividuelle Risiko mit 0,9 deutlich
zu günstig abgebildet wurde. Bei Berücksichtigung der oben dargestellten
Risikosituation des Bewertungsobjekts ist deshalb mit dem Sachverständi-
gen der Betafaktor auf eine Bandbreite von 1,1 bis 1,4 heraufzusetzen, der

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eine etwas höhere Volatilität der Rendite der Salamander AG im Verhältnis
zur Volatilität der Rendite des Marktportfolios abbildet.
c5. Wachstumsabschlag:
Auch der Wachstumsabschlag von 0,5 %begegnet keinen Bedenken.
Bei dem relativ niedrigen Wachstumsabschlag war zu berücksichtigen, dass
die Planung für die ewige Rente schwerpunktmässig auf dem letzten Detail-
planungsjahr 2002 aufbaut. Damit wird die eher optimistische Planung als
Basis perpetuierend in die ewige Rente aufgenommen. Weiterhin war zu be-
rücksichtigen, dass alle Beteiligungsunternehmen der Salamander AG in ge-
sättigten Märkten mit hoher Wettbewerbsintensität tätig sind, nämlich der
Geschäftsbereich Service mit hoher Wettbewerbsintensität bei den Facility
Management-Anbietern sowie (APCOA) im Vergleich zu den 80er- und 90er
Jahren künftig geringerem Umfang bezüglich Fertigstellung von Parkhäu-
sern. Der Geschäftsbereich Industrie hat Kapazitätsüberhänge bei den Wett-
bewerbern zu verzeichnen. Es ist ein Beschaffungskostenanstieg bei PVC zu
erwarten, in Verbindung mit Bevölkerungsrückgang in Deutschland und
Westeuropa. Beim Geschäftsbereich Immobilien wird eine eher schwache
Geschäftsentwicklung erwartet, und im Geschäftsbereich Schuhe stagniert
die Marktnachfrage bei hoher Wettbewerbsintensität in Verbindung mit einer
schwachen Positionierung der Salamander Schuhsparte im Ausland sowie
bei Damen- und Kinderschuhen. Bei Berücksichtigung dieser Umstände (un-
ternehmensindividuelle Prognose) äst der Wachstumsabschlag von 0,5 %
plausibel und nicht zu beanstanden.
d) Abgrenzung betriebsnotwendigen Vermögens vom nicht betriebsnotwendigen
Vermögen:
Die Konzernstruktur der Salamander AG bei ihren untereinander sehr unter-
schiedlichen Geschäftsfeldern ist dadurch gekennzeichnet, dass der Immobilien-
besitz einen hohen Wertbeitrag (206 Millionen Euro) gemäss einem gesonderten
Gutachten der vom 22.07.2002 mit einem lmmobilienbewertungsstichtag
04.07.2002 (vgl. Sachverständigengutachten S. 46) aufweist.

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Die von den Antragstellern aufgeworfene Frage der korrekten Abgrenzung des
betriebsnotwendigen vorn nicht betriebsnotwendigen Vermögen kann sich des-
halb auf die Unternehmensbewertung auswirken, insbesondere aufgrund des
Umstandes, dass das nicht betriebsnotwendige Vermögen in der Regel mit dem
Liquidationswert bzw. bei Bestehen konkreter Veräusserungsabsichten mit dem
Veräusserungswert in die Unternehmensbewertung einzustellen ist und nicht
nach der Ertragswertmethode, der das betriebsnotwendige Vermögen unterliegt.
Vorliegend hat der Bewertungsgutachter sämtliche Immobilien, in denen
Einzelhandelsgeschäfte der Salamander AG betrieben wurden, vollumfänglich
inklusive fremdvermieteter Teile dem betriebsnotwendigen Vermögen zugeord-
net. Ebenfalls zum betriebsnotwendigen Vermögen wurde das Hauptareal in
Kornwestheim als Kernbereich des Geschäftsfeldes Immobilien zugeordnet. Als
nicht betriebsnotwendig wurden ausschliesslich vollumfänglich fremdvermietete
Geschäftsimmobilien in Gera, Halle und Leipzig, ein ungenutztes ehemaliges
Produktionsgelände in Worms und ein Wohnhaus in Kornwestheim eingestuft.
Für diese Immobilien wurde die jeweilige Marktbewertung dem Immobilien-
gutachten entnommen. Der Immobilienbestand der weiteren Konzerngesell-
schaften wurde vollumfänglich als betriebsnotwendig angesetzt.
Vorliegend hat der Sachverständige in für die Kammer überzeugender
Weise dargelegt und untersucht, dass Abweichungen von der Einordnung des
Vermögens in betriebsnotwendiges und nicht betriebsnotwendiges im Verhältnis
zu der Einordnung des Bewertungsgutachters bezüglich des Salamander-
Konzerns vorzunehmen ist, dies jedoch bei Berücksichtigung der entsprechen-
den Wertansätze (Liquidationswert bzw. Verkehrswert aufgrund konkreter Ve-
räusserungsabsichten) letztlich nicht zu einer Erhöhung des Unternehmenswertes
der SAG führt.
Zunächst ist mit dem gerichtlichen Sachverständigen davon auszugehen, dass
eine Abgrenzung zwischen betriebsnotwendigem und nicht betriebsnotwendigem
Vermögen in erster Linie aufgrund einer funktionalen Betrachtungsweise zu er-
folgen hat und nur in Einzelfällen eine wertbezogene Betrachtung hinzuzuziehen
ist unter Berücksichtigung des Sonderfalls einer bereits beschlossenen Veräusse-

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rung eines Vermögensgegenstandes als Ausfluss der sog. "Wurzeltheorie". Ent-
scheidend ist bei der funktionalen Zuordnung die Frage, ob die Nutzung des
Vermögens dem Unternehmenszweck dient (funktionale Betrachtungsweise).
Dies ergibt folgendes Ergebnis bei der Salamander AG und ihren Beteiligungs-
gesellschaften:
Die Immobilien der Salamander AG und der Beteiligungsgesellschaft Sorbus
GmbH, bestehend aus vier verschiedenen Gruppen, nämlich Geschäftsimmobi-
lien mit Schuhfilialen (teilweise fremdvermietet), Geschäftsimmobilien ohne
Schuhfilialen (ausschliesslich fremdvermietet), Immobilien am ehemaligen Pro-
duktionsstandort in Worms und Immobilien am ehemaligen Produktionsstandort
in Kornwestheim.
Hinsichtlich der Einzelhandelsfilialen befinden sich ca. 31 % in konzerneigenen
Gebäuden. Der Umsatzanteil von geschätzten 9 %, der über konzerneigene Fili-
alen erwirtschaftet wird, überschreitet auch nach Überzeugung der Kammer die
Wesentlichkeitsgrenze mit der Folge, dass eine Betriebsnotwendigkeit dieser
Grundstücke zu verzeichnen ist. Der Fremdvermietungsanteil bei den konzernei-
genen Filialgebäuden ist wertmässig dagegen von untergeordneter Bedeutung.
Deshalb ist auch insoweit die Einordnung als betriebsnotwendiges Vermögen
gemäss dem Bewertungsgutachter nicht, zu beanstanden. Allerdings ergab die
Durchsicht der Aufsichtsratsbeschlüsse, dass kurz vor dem Bewertungsstichtag
am 03.09.2002 Veräusserungsbeschlüsse gefasst wurden bezüglich der Ge-
schäftsimmobilien mit Schuhfilialen in München, Weinstrasse und Hameln, Be-
ckerstrasse. Diese Filialen sind daher als nicht betriebsnotwendiges Vermögen zu
erfassen.
Bei den Geschäftsfilialen ohne Schuhfilialen ist eine ausschliessliche Fremdver-
mietung zu verzeichnen. Wie der Bewertungsgutachter, so hat auch der gericht-
liche Sachverständige, von der Kammer nicht zu beanstanden, diese Objekte in
Gera, Halle und Leipzig als nicht betriebsnotwendiges Vermögen eingestuft.
Auch die Immobilie am ehemaligen Produktionsstandort Worms wurde als nicht
betriebsnotwendig korrekterweise eingestuft, da es sich um ein ungenutztes In-
dustrieareal mit abbruchreifen Gebäuden handelt.

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Zur Immobilie am ehemaligen Produktionsstandort in Kornwestheim:
bei diesen Gebäuden ist jedoch nach dem Sachverständigen festzustellen, dass
einige zum Bewertungsstichtag ungenutzt waren und somit keinen Unterneh-
menswertbeitrag geleistet haben. Entgegen dem Bewertungsgutachter sind die-
se Gebäude daher dem nicht betriebsnotwendigen Vermögen zuzuordnen.
Bei den Objekten der Objektgesellschaft PARGUM ist eine identische Nutzung,
wie bei den fremdvermieteten Immobilien in Gera, Halle und Leipzig zu ver-
zeichnen, mit der Folge, dass diese Immobilien zum nicht betriebsnotwendigen
Vermögen gehören.
Gleiches gilt für die Immobilien der Salamander Hungaria Kft, da gemäss einer
Hausmitteilung der Salamander AG vom 07.05.2002 ein Verkauf des Teileigen-
tums an dieser Immobilie aufgrund überdimensionierter Flächen vorgesehen
war.
Auch die Grundstücke der SIOUX GmbH sind als nicht betriebsnotwendiges
Vermögen anzusehen. Dies ergibt sich daraus, dass in den Jahren 2001 und
2002 Grundstücksverkäufe insoweit stattgefunden haben und die Ende 2002
noch verbliebenen Grundstücke im Jahr 2003 veräussert wurden. Dies gibt den
zutreffenden Rückschluss wieder, dass es sich hier um nicht dem Unterneh-
menszweck dienende Immobilien gehandelt hat.
Auch das Grundstück der Sabona Kft, bei der es sich um eine ungenutzte Acker-
fläche handelte, gehört zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen.
Gleiches gilt für ein Industrieareal der Salamander Industrie-Produkte GmbH
(SIP), bei der es sich um ein unbebautes ertragsunwirksames Grundstück mit
land- und forstwirtschaftlicher Nutzung handelte.
Bei Beachtung der Berechnung des. Liquidationswertes, ermittelt aus dem ge-
schätzten Veräusserungserlös, abzüglich der Liquidationskosten, der Steuerbe-
lastung auf Unternehmerebene aus entstehenden Veräusserungsgewinnen, der
zugehörigen Schulden der typisierten Ertragssteuern auf Anteilseigenerebene

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sowie des Wegfalls korrespondierender Erträge (z.B. Mieterträge) errechnete der
Sachverständige im Hinblick auf diese Korrektur der Abgrenzung des betriebs-
notwendigen zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen im Verhältnis zum Be-
wertungsgutachter einen "Mehrwert" von 5,2 Millionen Euro. Bezogen auf den
Wert je Stückaktie ergebe dies 22,99 Euro anstatt 22,71 Euro.
e) Problem der Bewertung der SAG als Holding-Gesellschaft als Summe der Werte
der einzelnen Geschäftsfelder:
Bei Holding-Unternehmen, wie hier, bei denen Beteiligungen in unterschiedli-
chen Märkten weitgehend unabhängig voneinander operieren, spricht mit dem
Sachverständigen einiges dafür, dass jedes Beteiligungsunternehmen eine eige-
ne Bewertungseinheit darstellt.
Andererseits ergeben sich auch bei einer Finanz-Holding Synergien, die nicht
eindeutig zugeordnet werden können (günstigere Finanzierungskonditionen
durch Konzernzugehörigkeit, steuerliche Verlustverrechnungsmöglichkeiten auf-
grund von Organschaftsverhältnissen). Allerdings weist der Sachverständige zu-
treffend darauf hin, dass bei konsistenter Handhabung, insbesondere der Ermitt-
lung der Risikozuschläge, die Summe der einzelnen Unternehmenswerte je Ge-
schäftsbereich zwangsläufig zum gleichen Unternehmensgesamtwert wie eine
Gesamtbewertung führen muss, da das Gesamtunternehmerrisiko aus den Risi-
ken der einzelnen Geschäftsfelder abgeleitet wird. Dies hat der Bewertungsgut-
achter bei seiner Gesamtbewertung durch die geschäftsfeldspezifische Ableitung
der Betafaktoren auch dem Grunde nach berücksichtigt, weshalb auch für die
Kammer grundsätzlich keine Bedenken gegen die Bewertungsvorgehensweise
des Bewertungsgutachters bestehen.
Allerdings erlangen die anteiligen Unternehmenswerte der einzelnen Geschäfts-
bereiche Bedeutung bei den Liquidationswerten. Eine vom gerichtlichen Sach-
verständigen durchgeführte Kontrollberechnung durch Ermittlung der anteiligen
Unternehmenswerte ergab jedoch keine Abweichung von dem Unternehmens-
gesamtwert. In Höhe von zunächst 430.400.000,00 Euro.

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Auch eine vom Sachverständigen durchgeführte Bewertung nach Liquidations-
werten der Beteiligungen oder Geschäftsbereiche (Zerschlagung des Salaman-
der-Konzerns) ergab letztlich keinen höheren Unternehmenswert der Salaman-
der AG (Liquidationswert als Untergrenze des Unternehmenswertes). Hierbei un-
tersuchte der Sachverständige zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Liquidati-
on, nämlich die Zerschlagung der Beteiligungsunternehmen durch Einstellung
von deren Betrieb, Veräusserung der einzelnen Vermögensgegenstände und
Schuldentilgung und zum anderen die Liquidation der Beteiligungsunternehmen
durch Verkauf insgesamt, wobei tatsächlich auch eine Grosszahl der Geschäfts-
bereiche der Salamander-Gruppe veräussert worden ist (vgl. oben Sachverhalt).
Hierbei ermittelte der Sachverständige einen überschlägigen Liquidationswert
der SAG insgesamt von 315.200.000,00 E, der wiederum hinter dem o.g. Unter-
nehmenswert zurückbleibt. Hierbei ermittelte der Sachverständige jedoch einen
Unternehmenswert von minus 249.700.000,00 E, da lediglich der Bereich
Schuhproduktion und Schuhhandel inklusive Immobilien einen höheren Unter-
nehmenswertbeitrag bei der Zerschlagung im Gegensatz zur Unternehmensbe-
wertung aufweisen konnte.
Weiterhin stellte der Sachverständige fest, dass auch bei Untersuchung der spä-
ter erfolgten Veräusserungen der Unternehmensteile sich keine Anhaltspunkte für
einen anteiligen unternehmenswertübersteigenden Liquidationswert ergaben.
f) Stille Reserven des Immobilienvermögens als Sonderwert:
Auch hier stellte der Sachverständige für die Kammer überzeugend fest, dass
das betriebsnotwendige Vermögen (s.o.) im Bereich Schuhproduktion und
Schuhhandel keinen Sonderwert aufgrund stiller Reserven enthielt.
Ausschlaggebend ist hierbei wiederum die funktionale Abgrenzung, also die Nut-
zung der Vermögensgegenstände für den Unternehmenszweck. Ein betrieblich
genutzter notwendiger Vermögensgegenstand wird deshalb allein dadurch, dass
er stille Reserven enthält, nicht zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen. Auch
kann eine Hebung stiller Reserven im Rahmen einer objektivierten Unterneh-
mensermittlung nicht einfach unterstellt werden. Sofern keine konkreten Ver-
kaufsabsichten bestanden, ist deshalb von der fortgesetzten Eigennutzung der

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Immobilien auszugehen, wodurch diese in den Ertragswertbetrachtungen aufge-
hen. Auch eine Hilfsberechnung des Sachverständigen gemäss Liquidation die-
ses Immobilienvermögens ergab keine Steigerung des Unternehmenswertes
(minus 1,7 Millionen Euro).
g)
Typisierter Einkommensteuersatz von 35 %:
Bewertungssystematisch ist die persönliche Einkommensteuerbelastung der An-
teilseigner bei der Ermittlung des Unternehmenswertes - in Abhängigkeit von der
Betrachtung der Alternativrendite und der dort eingerechneten Steuerbelastung -
mit zu berücksichtigen.
Die persönliche Einkommensteuer mindert den beim Anteilseigner verbleibenden
finanziellen Überschuss und ist damit bewertungsrelevant. Da die steuerlichen
Verhältnisse der aussenstehenden Aktionäre nicht oder zumindest nicht vollstän-
dig bekannt sind, ist eine Typisierung der Steuerbelastung notwendig. Dass der
Bewertungsgutachter und der gerichtliche Gutachter in den zum Stichtag gülti-
gen IDW S1 a.F. vorgesehenen typisierten Steuersatz von 35 % eingesetzt ha-
ben, beanstandet die Kammer nicht. Er stellt die bestmögliche verfügbare Schät-
zung dar.
h) Mit dem gerichtlichen Sachverständigen ist der Börsenkurs der APCOA AG als
Untergrenze nicht bewertungsrelevant.
Aus der Sicht der Minderheitsaktionäre wird die Beteiligung an der APCOA AG
durch die Salamander AG nur mittelbar gehalten. Dieser stellt deshalb im Ver-
hältnis zur Salamander AG keinen Verkehrswert dar.
i) Einfluss der Bewertung der APCOA AG auf den Wert der Salamander AG (vgl.
Ergänzungsgutachten des Sachverständigen vom 09.06.2011):
Vorliegend kann dahinstehen, ob hinreichende Anknüpfungstatsachen für ein
Sachverständigenbewertungsgutachten für den Unternehmenswert der APCOA
AG vorlagen (vgl. Bewertungsgutachten des Sachverständigen im
Spruchverfahren 32 AktE 17/02 KfH).

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Jedenfalls ergibt eine Einstellung des Unternehmenswertes der APCOA AG eine
Erhöhung des Wertes der Salamander AG zu deren Stichtag 11.09.2002 um 40
Millionen Euro daher inklusive der Erhöhung des Unternehmenswertes der SAG
gemäss Bewertungsgutachten von 425,2 Millionen Euro zuzüglich Erhöhung die-
ses Wertes um das nicht betriebsnotwendige Vermögen von 5,2 Millionen Euro
auf insgesamt 470,4 Millionen Euro. Dividiert durch die Gesamtzahl der Aktien
von 18.721.330,00 Euro ergibt dies einen Wert pro Aktie von 25,15 Euro, der weiterhin
unter dem erhöhten Vergleichsabfindungswert von 26,00 Euro liegt.
Da dieser gerichtliche Vergleich nicht nur mit Wirkung zwischen den dortigen
Verfahrensbeteiligten sondern über einen echten Vertrag zu Gunsten Dritter
auch für alle übrigen Minderheitsaktionäre gilt, steht einer erneuten Festsetzung
der Barabfindung in dieser Höhe durch einen "inter-ornnes" wirkenden Spruch-
verfahrensbeschluss das fehlende Rechtsschutzinteresse der Anträge entgegen.
Auch der Börsenkurs der SAG gebietet keinen höheren Wert der Barabfindung.
Nach alledem ist den Anträgen der Antragsteller der Erfolg zu versagen.
Der gerichtliche Geschäftswert in Höhe von 200.000,00 Euro ist im vorliegenden Verfah-
ren gemäss § 306 Abs. 7 S. 5, S. 6 AktG i.V.m. § 30 Abs. 1 KostO nach freiem Er-
messen zu bestimmen. Mangels Schätzgrundlage wurde der Regelmindestwert des
späteren § 15 Abs.1 SpruchG zu Grunde gelegt.
Die Gerichtskosten und die aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller sowie des
gemeinsamen Vertreters der nicht antragstellenden Aktionäre, für dessen Tätigkeit
10.000,00 Euro zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer angemessen sind, trägt die An-
tragsgegnerin Ziff. 1 gemäss §§ 327 ff. AktG a.F., 13 a I FGG. Da die Frage streitig
war, ob vor Geltung des Spruchgesetzes Anträge zur angemessenen Festsetzung
der Barabfindung bei Ausschluss von Minderheitsaktionären gegen das Unterneh-
men der Aktionäre oder gegen den Mehrheitsgesellschafter oder gegen beide
gleichzeitig zu richten waren, entspricht es billigem Ermessen, diese offene Rechts-
frage, die erst mit Inkrafttreten des Spruchverfahrensgesetzes vom Gesetzgeber ge-
klärt wurde, nicht zum Nachteil der Antragsteller auswirken zu lassen, mit der Folge,
dass diejenigen Anträge der Antragsteller, die sowohl unzulässig als auch unbe-