VTG Lehnkering AG - 2007-09-14 - LG-Beschluss - Squeeze-out

Landgericht Hamburg
Kammer 017 für Handelssachen
417 0 162/02
Sievekingplatz 1, 20355 Hamburg
Telefon:040/42843 2681
Telefax: 040/ 42843 2395
fristwahrendes Telefax:
040/ 42843 4318 0. -19
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Justizkasse Hamburg
Dt. Bundesbank BLZ: 200 000 00
Konto: 200 015 01
(Gz. der Sache bitte angeben)
BESCHLUSS
vom 14.9.2007
In der Sache

Seite 4
gegen
beschliesst das Landgericht Hamburg, Kammer 017 für Handelssachen , durch
den Vorsitzenden Richter am Landgericht
als Vorsitzenden
und die Handelsrichter und

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417 0 162/02
1. Die Abfindung für die durch Beschluss der Hauptversammlung der Fa. VTG
Lehnkering AG (Handelsregister des Amtsgerichts Hamburg Nr. HRB 7299
und Handelsregister des Amtsgerichts Duisburg Nr. HRB 225, heute
firmierend unter Fa. VTG Deutschland GmbH, Handelsregister des
Amtsgerichts Hamburg Nr. HRB 98590) vom 30.10.2002 auf die
Hauptaktionärin übertragenen Aktien wird auf Euro 17,04 je► hennwertlos
Stückaktie festgesetzt.
2. Die Abfindung ist vom 18.12.02 an mit jährlich 2 Prozentpunkten über dem
jeweiligen Basiszinssatz nach § 247 BGB zu verzinsen.
3, Der Antrag des Antragstellers zu 3. wird zurückgewiesen. Die Anträge der
übrigen Antragsteller gegen die Antragsgegnerin zu 1. und die
weitergehenden Anträge der Antragsteller gegen die Antragsgegnerin zu 2.
werden zurückgewiesen.
4. Die gerichtlichen Kosten und Auslagen sowie die aussergerichtlichen Kosten
der Antragsteller, des gemeinsamen Vertreters und der Antragsgegnerin zu 1.
hat die Antragsgegnerin zu 2. zu tragen, jedoch fallen die aussergerichtlichen
Kosten des Antragstellers zu 3. diesem selbst zur Last.
5. a. Der gerichtliche Geschäftswert wird auf Euro 1.781.699,88 festgesetzt.
b. Die Gegenstandswerte für die aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller
betragen jeweils Euro 5.000.-, jedoch für folgende Antragsteller abweichend:
Antragsteller 4. Euro 64.925,37
Antragstellerin 8. Euro 7.762,01
Antragsteller 9. Euro 7.762,01
Antragsteller 10. Euro 9.702,52
Antragsteller 17, Euro 5.821,51
Antragstellerin 21. Euro 5.239,36
c. Der Geschäftswert für den gemeinsamen Vertreter beträgt Euro 1.665.528.80.
d. Der Geschäftswert für die Antragsgegnerinnen wird auf jeweils Euro
1.781.699,88 festgesetzt.
Gründe:
Die Parteien streiten über die Angemessenheit einer Barabfindung (§ 327f AktG)
nach einer Übertragung von Aktien der Minderheitsaktionäre auf den Hauptaktionär
(§ 327b AktG).

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A. Die tatsächlichen Grundlagen
Die Antragsgegnerin zu 1. war früher eine in die Handelsregister der Amtsgerichte
Hamburg (HRB 7299) und Duisburg (HRB 225) eingetragene Aktiengesellschaft, die
ri den Namen "VTG Lehnkering AG" führt) -1-h-r-erti dkapital betrug am 30.10.02 Euro
54.340.000.- und war in 20.900.000inerinwertlose Stückaktien aufgeteilt. Erst durch
Beschluss der Hauptvergammlung vom 30.8.06 w rde sie - irTeifie GmbH
umgewandelt, die heute nur noch im Handelsregister des Amtsgerichts Hamburg
(HRB 98590) eingetragen ist und den Namen "VTG Deutschland GmbH" führt.
Die Antragsgegnerin zu 2. war früher eine in das Handelsregister des Amtsgerichts
Hamburg eingetragene GmbH (HRB 6395) mit dem Namen ,
Sie wurde durch Verschmelzungsvertrag vom
23.2.06 auf die
verschmolzen, die ihren Sitz nach Hamburg verlegte, jetzt im Handelsregister des
Amtsgerichts Hamburg eingetragen ist und erneut den Namen
führt. Sie war bis 2004 zu 100%
Tochter der die wiederum aufgrund eines voraufgegangenen
Squeeze-Out (Stichtag: 21.6.02; Eintragung: 1./5.8.02) zu 100% Tochter der
ist.
Die Antragsteller und die Antragsgegnerin zu 2. waren Aktionäre der
Antragsgegnerin zu 1.; die Antragsgegnerin zu 2. war im Besitz der Aktienmehrheit.
Am 1.1.02 trat das Gesetz vom 20.12.01 zur Regelung von öffentlichen Angeboten
zum Erwerb von Wertpapieren und von Unternehmensübernahmen in Kraft (BGBl
2001 1, 3822f.), das den Ausschluss von Aktionären ermöglicht, wenn ein Aktionär
mehr als 95% der Aktien auf sich vereinigt (§§ 327a f. AktG, sog. "Squeeze-Out").
Zeitlich hierauf entschloss sich die Antragsgegnerin zu 2., die restlichen Aktien an
sich zu bringen.
Am 27.5.02 veröffentlichte die Antragsgegnerin zu 2. zunächst ein Ceptlichas
Kaufangebot über Euro 13,16 pro Stückaktie für den Ankauf der Aktien der
Aritfagügbgnerin zu 1. für die Zeit vom 1.7. bis 16.8.02 und kaufte weitere Aktien an.
Am 18.9.02 verlangte die Antragsgegnerin zu 2. die Einberufung einer
Hauptversammlung der Fa. VTG Lehnkering AG mit dem Ziel der Übertragung der
restlichen Aktien auf sie. Am 19.8.02 bestimmte das Landgericht Hamburg (417 0
122/02) auf ihren Antrag die von ihr einzig vorgeschlagene
(im folgengen:
Abfindungsprüferin) als Prüferin nach § 327c II 3 AktG. Die
Abfindungsprüferin firmiert heute unter
Am 12.9.02 übernahm eine Gewährleistung für eine
Abfindung der aussenstehenden Aktionäre über Euro 13,16 pro Aktie. Am selben Tag
legte die von der Antragsgegnerin beauftragte
(im folgenden:
ein Gutachten vor, in welchem der
Unternehmenswert der Fa. VTG Lehnkering AG bezogen auf den 30.10.02 auf Euro
274.200.000.- festgestellt wurde; auf dieser Basis ergebe sich ein auf jede Aktie
entfallender Abfindungsbetrag von Euro 13,12. Der damalige Börsenkurs habe zeitweise
höher gelegen, sei aber gegenüber einer beabsichtigten Abfindung von Euro 13,16 pro

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Aktie nicht beachtlich. Am selben Tag legte auch die Abfindungsprüferin ihr
Gutachten vor, in welchem sie die Berechnung der als zutreffend bestätigte
und eine Abfindung von Euro 13,16 als angemessen attestierte. Am selben Tag
schliesslich legte die Antragsgegnerin zu 2. einen Bericht über die beabsichtigte
Massnahme vor, in der sie eine Abfindung von Euro 13,16 pro Aktie vorsah.
Von den 20.900.000 hielt die Antragsgegnerin zu 2. am 12.9.02 bereits 20.350.049
Aktien und verfügte über option über weitere 90.750 Aktien (insgesamt
97,8%). Der Rest v.e 9.201 Akti n (2,2%) befand sich im Streubesitz, u.a. bei den
Antragstellern.
Auf der Hauptversammlung am S0.10.0 assten die Aktionäre der Fa. VTG
Lehnkering AG mit 20.368.339 Immen bei 115.961 Gegenstimmen den folgenden
Beschluss (notarielles Protokoll BI. 1117f. GA):
Die Aktien der übrigen Aktionäre (Minderheitsaktionäre) werden gemäss §§ 327a ff. AktG auf
den Hauptaktionär, mit
beschränkter Haftung, mit Sitz in Hamburg, Nagelsweg 34, 20097 Hambura übertraaen. Die
Übertragung erfolgt gegen Gewährung einer Barabfindung durch die
Die Barabfindung
beträgt Euro13,16 je Stückaktie der VTG Lehnkering Aktiengesellschaft. Die Barabfindung ist von
der Bekanntmachung des Übertragungsbeschlusses in das Handelsregister der VTG
Lehnkering Aktiengesellschaft an mit jährlich 2 vom Hundert über dem jeweiligen
Basiszinssatz zu verzinsen.
Der Beschluss wurde am,4.12.0.2.11 die Handelsregister der Amtsgerichte Hamburg
(HRB 7299) und Duisburg (HRB 225) eingetragen und am 11.12.02 (Hamburg) und
12.12.02 (Duisburg) im Bundesanzeiger und am 11.12.02 irr .-7randelsblatt", am
13.12.02 im "Amtlichen Anzeiger der Freien und Hansestadt Hamburg" und in der
"Rheinischen Post" sowie am 18.12.02 im "Hamburger Abendblatt" bekannt gemacht.
Ab dem 18.11.02 gingen die Anträge der Antragsteller auf gerichtliche Bestimmung
der Höhe der Abfindung bei Gericht ein. Am 4.7.03 beschloss das Landgericht, die
Frist zur Einreichung weiterer Anträge werde auf 2 Monate festgesetzt und
veröffentlichte diesen Beschluss am 24.7.03 im Bundesanzeiger und am 15.4.04 im
elektronischen Bundesanzeiger.
Am 25.3.04 bestellte das Landgericht einen gemeinsamen Vertreter für die nicht am
Verfahren beteiligten Aktionäre und machte diese Bestellung am 2.4.04 im
elektronischen Bundesanzeiger bekannt.
Durch Beschlüsse vom 4.7., 15.10. und 22.11.03 sowie 3.5., 14.5., 28.5. und 29.9.04
wurde die Anträge der Antragsteller auf das am 18.11.02 eingegangene erste
Verfahren verbunden.
B. Das Vorbringen der Parteien und ihre Anträge
I. Die Antragsteller sind der Auffassung, dass ihre Anträge zulässig seien und
sämtlich hinreichende Begründungen enthielten bzw. sie zur Begründung nicht
verpflichtet seien. Auch sei richtigerweise die Fa. VTG Lehnkering AG (jetzt die
Antragsgegnerin zu 1.) ebenfalls Beteiligte. Die angemessene Abfindung sei höher
zu bestimmen. Dies folge bereits daraus, dass der Börsenkurs am Tage der

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Hauptversammlung und in der Zeit davor höher als die Abfindung gelegen habe.
Auch müsse sich zu ihren Gunsten auswirken, dass die Antragsgegnerin den Wert
der VTG Lehnkering AG, nachdem sie alleinige Aktionärin geworden sei, durch
Verbund- und Synergieeffekte ganz erheblich steigern könne. Die Planungen, auf
denen die Berechnung des Ertragswertes beruhten, seien deutlich zu pessimistisch
angenommen worden.
Die zur Berechnung des abgezinsten Barwertes der zukünftigen Erträge
herangezogenen Werte (Basiszins, Markrisikoprämie, sog. Beta-Faktor und
Wachstumsabschlag) seien sämtlich zu hoch und nur mit dem Ziel angenommen
worden, den Unternehmenswert auf den gewünschten Betrag herunter zu rechnen.
Die Antragsteller meinen, dass weder das Gutachten noch das Gutachten
ausreichende Beurteilungsgrundlagen für eine gerichtliche Bewertung des
Unternehmenswertes darstellten. Das Gutachten sei aufgrund einer
unzulässigen parallelen Prüfung entstanden, wie sich daran zeige, dass es am
selben Tag wie das Gutachten unterzeichnet worden sei. Deshalb bedürfe es
der Einholung eines gerichtlichen Gutachtens.
Die Antragsteller beantragen deshalb teils gegenüber beiden Antragsgegnerinnen,
teils nur oder nur noch gegenüber der Antragsgegnerin zu 2.,
a. eine angemessene, höhere Abfindung zu bestimmen.
Einige Antragsteller beantragen ferner,
b. die Verzinsung der Abfindung nach § 327b II AktG anzuordnen.
II. Der gemeinsame Vertreter hat sich den Argumenten der Antragsteller
angeschlossen und beantragt
die gerichtliche Festsetzung der angemessenen, höheren Barabfindung
gemäss § 327f AktG.
Auch er vertritt in erster Linie die Auffassung, es müsse eine neue gerichtliche
Begutachtung stattfinden.
HI. Die Antragsgegnerin zu 2.
meint, die gegen die Antragsgegnerin zu 1. gerichteten Anträge seien unzulässig.
Unzulässig seien auch die Anträge derjenigen Antragsteller, die ohne eigenen
Sachvortrag lediglich die Erhöhung der Abfindung begehrten und des Antragstellers
zu 1., der seinen Antrag bereits vor der Eintragung des Beschlusses im
Handelsregister eingereicht habe. Die Antragsgegnerin hält das
Bewertungsverfahren und die Bewertungsergebnisse für überzeugend. Die parallele
Prüfung durch und sei zulässig und inhaltlich unbedenklich. Die
gefundenen Ergebnisse seien in allem gut begründet und deckten sich mit den
wissenschaftlichen Ergebnissen über die Bewertung und Abzinsung zukünftiger
Unternehmenserträge. Der Einholung eines.gerichtlichen Gutachtens bedürfe es
nicht.

Deshalb beantragt die Antragsgegnerin,
die Anträge zurückzuweisen.
IV. Der Sachvortrag der Antragsgegnerin zu 1. (VTG Lehnkering AG, jetzt VTG
Deutschland GmbH) wird unter dem Vortrag der Antragsgegnerin zu 2. berichtet, weil
er gleichlautend ist. Sie beantragt ebenfalls,
die Anträge zurückzuweisen.
V. Wegen des übrigen Vortrags der Parteien wird auf die von ihnen eingereichten
(teils sehr umfangreichen) Schriftsätze nebst Anlagen und auf das Protokoll der
mündlichen Verhandlung vom 10.7.07 Bezug genommen. Ausserdem werden
Einzelheiten des Vortrags der Parteien noch zu den jeweiligen Einzelpunkten unter
C.11. berichtet.
Am 10.7.07 fand eine mündliche Verhandlung statt, in der die Wirtschaftsprüfer
und der Abfindungsprüferin mündlich ihr Gutachten
erläuterten. Wegen des Anhörungsergebnisses wird ebenfalls auf das Protokoll der
mündlichen Verhandlung vom 10.7.07 verwiesen. Die nach dem Schluss der
mündlichen Verhandlung eingegangenen Schriftsätze, insbesondere die der
Antragsteller zu 8. und 9. vom 6.8.07, des Antragstellers zu 4. vom 8.8.07 und der
Antragsgegnerinnen vom 9.8.07 sind berücksichtigt worden.
Diesem Beschluss sind zwei Tabellen beigefügt. Die erste Tabelle vollzieht die
Berechnungen der Antragsgegnerinnen nach. Das geringfügig abweichende
Ergebnis beruht auf Rundungsdifferenzen. Die zweite Tabelle stellt die jeweils
kursiv kenntlich gemachten - Korrekturen durch das Gericht dar und zeigt das
tenorierte Ergebnis.
C. Die Begründung der gerichtlichen Entscheidung in der Hauptsache
1. Zulässigkeit
Die Anträge der Antragsteller sind bis auf den des Antragstellers zu 3. zulässig. Dies
ist nach dem vor Inkrafttreten des SpruchG am 1.9.03 geltenden Recht zu prüfen (§
17 II SpruchG; vgl. ebenso HansOLG, Beschluss vom 14.6:04, 11 W 94/03 = 417 0
57/03, AG 2004, 622f. = Konzern 05, 105 f. für eine weitere frühere Antragstellerin in
diesem Verfahren).
1. Die Aktien sind durch Beschluss vom 30.10.02 zulässigerweise auf die
Antragsgegnerin zu 2. als Hauptaktionärin übertragen worden.
Die Antragsgegnerin zu 2. war im Besitz von über 95% der Aktien (§ 327a 1 AktG);
allein die ihr selbst damals schon gehörenden 20.35.049 Aktien machten 97,37%

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aus, so dass es auf die Frage, ob sie später aufgrund einer Option weitere Aktien
erwarb, nicht ankommt. Sie hat die Übertragung der Aktien verlangt, diese ist mit der
erforderlichen Mehrheit der Hauptversammlung am 30.10.02 beschlossen worden
und der Beschluss hat durch Eintragung in das Handelsregister Wirksamkeit erlangt.
Der Einwand der Antragsteiler zu 2. und 7., die von der Antragsgegnerin zu 2. durch
die gestellte Bürgschaft decke nur einen Betrag von Euro 7.500.000.-
ab, dies reiche möglicherweise zur Befriedigung der vom Gericht höher festgesetzten
Abfindung und der darauf zu zahlenden Zinsen nicht aus und stelle die rechtliche
Wirksamkeit der Massnahme in Frage, kann in diesem Verfahren nicht berücksichtigt
werden. Dieser Einwand hätte nur durch die Erhebung einer Nichtigkeits- oder
Anfechtungsklage nach den §§ 245f. AktG geltend gemacht werden können.
Verfassungsrechtliche Bedenken bestehen weder gegen das Verfahren nach den §§
327a ff. AktG insgesamt noch hinsichtlich der nicht bestehenden Absicherung der im
Spruchverfahren höher ergebenden Abfindung (BVerfG, Beschluss vom 30.5.07, Az.
1 ByR 390/04, BB 2007, 1515 = WM 2007, 1329).
2. Antragsberechtigt sind sowohl nach dem bis zum 31.8.03 geltenden Recht als
auch nach § 3 Nr. 2 SpruchG alle Aktionäre, die bei Wirksamwerden der Übertragung
Aktionäre waren. Die Frage, auf welchen Zeitpunkt es hierbei ankommt, war und ist
streitig. Die herrschende Ansicht (Hüffer, AktG, 5. Auflage 2002, § 320b Rdn. 10;
MüKoAktG-Grunewald, 2. Auflage 2000, § 320b Rn. 17) stellte auf den Tag der
Eintragung, eine andere Meinung auf das Datum der Übertragung der Aktien auf den
Hauptaktionär ab (KöKoWpÜG-Hasselbach, 2003, § 327f, Rn. 7). Das HansOLG hat
sich in einem, eine andere frühere Aktionärin dieses Verfahrens betreffenden
Verfahren (11 W 94/03, AG 2004, 622f. = Konzern 05,.105f.) der herrschenden
Auffassung angeschlossen. Dieser Ansicht folgt die Kammer nicht. Sie ist völlig
unpraktikabel und belastet das Verfahren mit völlig unnötigem Streit. Nach dieser
Ansicht verbrieft die Akte nach der Eintragung bis zur tatsächlichen Übertragung den
Abfindungsanspruch (OLG Hamburg, AG 2004, 622f), während der Anspruch auf
Geltendmachung eines Erhöhungsbetrages bei dem demjenigen verbleibt, der zum
Zeitpunkt der Eintragung Eigentümer war. Ob und wann die Aktie bzw. der
Abfindungsanspruch übertragen wurden, kann streitig sein und werden. Diesen Streit
in einem aktienrechtlichen Verfahren auszutragen, widerspricht dem Sinn des
Aktienrechts, in welchem der Aktienbesitz zur Vereinfachung regelmässig die volle
Legitimation erbringt. Bescheinigungen der verwahrenden Banken über die
Ausbuchung der Aktie und der Gutschrift werden jedem Aktionär automatisch erteilt
und können leicht vorgelegt werden, während der Tag der Eintragung für einen
normalen Aktionär schwer zu ermitteln ist und danach von der verwahrenden Bank
bescheinigt werden muss, worauf der Aktionär keinen Rechtsanspruch gegenüber
der Bank hat. Der Tag der Eintragung braucht noch nicht einmal eindeutig zu sein,
wenn ein Doppelsitz vorlag; dies war im vorliegenden Verfahren der Fall und die
Eintragung fand hier nur zufällig am selben Tage statt. Die Erwägung, ein Aktionär,
der die Aktie zwischen der Eintragung und der tatsächlichen Übertragung erst
erworben habe, sei nicht schutzwürdig und könne kein Antragsrecht beanspruchen
(OLG Hamburg, a.a.O.), überzeugt nicht; ausschlaggebend ist allein, dass die
betreffende Aktie im Verfahren vertreten ist, durch wen auch immer.

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Die tatsächliche Übertragung der Aktien hat stattgefunden am Tage nach der letzten
Bekanntmachung der Eintragung, nämlich am 19.12.02. Für diesen Tage haben alle
Antragsteller eine Ausbuchungsbescheinigungen der verwahrenden Banken
vorgelegt, die sie als Aktionär ausweisen. Dies gilt nur nicht für den Antragsteller zu
3. der trotz Aufforderungen des Gerichts vom 4.7.03 und 30.4.07 überhaupt
keinen Nachweis vorgelegt hat. Sein Antrag war deshalb als unzulässig
zurückzuweisen.
3. Die Anträge sind auch fristgerecht eingegangen.
a. Dies gilt zunächst für den Antrag der Antragstellerin zu 1, der bereits am 18.11.02
und damit noch vor der Eintragung in das Handelsregister bei Gericht angekommen
ist. Es mag richtig sein, dass die Antragstellerin damals noch nicht zu den
antragsberechtigten Aktionären gehörte (MüKoAktG-Grunewald, 2. Aufl. 2000, §
320b Rn. 17 mwN.); sie ist dies jedoch später ausweislich der von ihr eingereichten
Bescheinigung geworden, womit dieser Mangel geheilt wurde. Auch hat sie am
8.1.03, also nach der Eintragung am 4.12.02, die Eintragungsbescheinigung
nachgereicht und deutlich gemacht, der Antrag solle aufrechterhalten bleiben. Damit
ist auch eine mögliche ursprüngliche Unzulässigkeit ihres Antrags nicht mehr
gegeben.
b. Dies gilt aber auch für die Anträge der Antragsteller zu 23-26, deren Anträge nicht
innerhalb der ersten Bekanntmachung des Gerichts im Bundesanzeiger vom 24.7.03
(2-Monatsfrist), sondern erst kurz vor bzw. innerhalb der Bekanntmachung des
Gerichts über die 2-Monats-Frist im elektronischen Bundesanzeiger am 15.4.04 bei
Gericht eingegangen sind. Die Frist zur Stellung der Anträge begann nach früherer
Rechtslage (§§ 320b Ill 3, 306 III AktG a.F.) nach der Bekanntgabe der Frist durch
das Gericht. Diese Bekanntgabe hatte nach § 25 AktG vor dem 1.1.03 im
Bundesanzeiger und aufgrund des Gesetzes zur weiteren Reform des Aktien- und
Bilanzrechts, zu Transparenz und Publizität - TransPuG - vom 19.6.02 (BGBI 2002 I,
2681f.) ab dem 1.1.03 im elektronischen Bundesanzeiger zu erfolgen (§ 25 AktG
n.F., Art 5 TransPuG). Die Veröffentlichung des Gerichts vom 24.7.03 im
Bundesanzeiger war deshalb unwirksam; es kommt allein auf die Veröffentlichung im
elektronischen Bundesanzeiger am 15.4.04 an. Die Anträge der Antragsteller zu 23-
26 sind innerhalb der dort gesetzten Frist von 2 Monaten in der Zeit bis zum 17.5.04
eingegangen.
4. Auch diejenigen Anträge der Antragsteller, die keine nähere Begründung enthalten
und in denen lediglich das Begehren deutlich wird, eine höhere Abfindung zu
erhalten, sind zulässig. Die Begründungspflicht für die Anträge nach § 327b 12 AktG
ist erst durch § 4 II des am 1.9.03 in Kraft getretenen SpruchG eingeführt worden.
Nach § 17 II SpruchG sind für Verfahren, in denen ein Antrag auf gerichtliche
Entscheidung vor dem 1.9.03 gestellt wurde, weiter die entsprechenden bis zu
diesem Tage geltenden Vorschriften anzuwenden. Das frühere Gesetz kannte eine
solche Begründungspflicht nicht. Ob sich, wie die Antragsgegnerin meint, aus dem
besonderen Charakter des sog. "echten Streitverfahrens" nach dem FGG eine
Begründungspflicht ergibt, kann dahinstehen. Jedenfalls einige Antragsteller haben
ihre Anträge umfassend und sehr vertiefend begründet und alle anderen

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Antragsteller haben sich zumindest auch deren Begründungen zu eigen gemacht.
Das reicht in Verbindung mit dem hier anzuwendenden Amtsermittlungsgrundsatz (§
12 FGG) aus, die Anträge für zulässig zu erachten.
5. Das Landgericht Hamburg ist für die Entscheidung zuständig. Nach § 306 AktG
a.F. war für die Zuständigkeit der Sitz der Gesellschaft massgebend. Der hier
vorliegende Fall des Doppelsitzes war nicht geregelt. Die Kammer tritt insoweit der
herrschenden Meinung bei, wonach in diesem Fall das Gericht zuständig ist, bei
welchem die erste Sache eingegangen ist (KG ZIP 1995, 1585, 1586, GKAktG-
Decher, 2001, Rn. 14; Hüffer, AktG, 5. Auflage 2002, § 14 Rn. 4, MüKoAkt-Volhard, §
2 SpruchG, Rn. 2). Im übrigen sind bei dem Landgericht Düsseldorf, das für den Sitz
Duisburg zuständig ist und war, nach der Verweisung des Verfahrens der
Antragstellerin zu 13. keine weiteren Verfahren mehr anhängig und ist die
Verweisung dieses Verfahrens ist für das Gericht bindend, an das verwiesen wurde.
II. Begründetheit gegen die Antragsgegnerin zu 1. (ehem. VTG Lehnkering AG)
1. Einige Antragsteller haben ihre Anträge nicht nur gegen die Antragsgegnerin zu 2.
(die Hauptaktionärin), sondern auch gegen die Antragsgegnerin zu 1. (die betroffene
AG) selbst gerichtet und meinen, zwar schulde allein die Hauptaktionärin die Zahlung
der Abfindung, jedoch betreffe der Vorgang die Gesellschaft, weshalb sie am
Verfahren zu beteiligen sei.
Die Antragsgegnerinnen stehen auf dem Standpunkt, der Antrag sei allein gegen die
Hauptaktionärin zu richten, gegen die betroffene Firma sei er unzulässig. Es gehe
allein um die Frage der Höhe der Abfindung, die allein die Antragsgegnerin schulde
und auf die die betroffene AG keinen Einfluss habe.
2. Die seit dem 1.9.03 geltende Vorschrift des § 5 Nr. 3 SpruchG, die diese Frage
eindeutig klärt (Antragsgegner ist nur der Hauptaktionär) kann nicht angewendet
werden, weil sämtliche Anträge vor dem 1.9.03 eingegangen sind (§ 17 II SpruchG).
Die davor geltende Rechtslage war nicht klar. Hinsichtlich des Verfahrens über die
Festsetzung der Höhe der Abfindung verwies § 327f II 3 AktG auf § 306 AktG a.F.,
also auf die bereits zuvor geltenden Regeln für die Überprüfung der Abfindungshöhe
bei Abschluss von Gewinnabführungs- und Beherrschungsverträgen (§§ 293f, 305f.
AktG). Auch hierin fand sich aber keine direkte Regelung über die Frage, gegen wen
der Antrag zu richten war. Präjudizien oder eine herrschende Literaturauffassung gab
es damals nicht. Ein Teil der Literatur und Rechtsprechung sehen nur den
Hauptaktionär als richtigen Antragsgegner (OLG Düsseldorf, DB 2004, 428,
KöKoWpÜG-Hasselbach, 2003, § 327f Rn.8; Emmerich/Habersack-Habersack,
KonzernR, 3. Auflage 2003, § 306 Rn. 48; Grunewald, ZIP 2002, 18, 20; Vetter, AG
2002, 176, 190), ein Teil nur die betroffene AG (Hüffer, AktG, 5. Auflage 2002, § 327f
Rdn. 5) und ein weiterer Teil meinte, der Antrag sei gegen beide Gesellschaften zu
richten (Steinmeyer/Häger, WpÜG, § 327f Rn. 7).
Das HansOLG hat in einem Beschwerdeverfahren betreffend die Antragstellerin zu
23 (11 W 95/03 = 417 0 136/03) die Frage dahin entschieden, dass ausschliesslich
der Antrag gegen die Antragsgegnerin zu 2., also gegen die Hauptaktionärin,

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zulässig sei. Dies hält die Kammer nicht für überzeugend, ist aber hieran für dieses
Verfahren gebunden. Deshalb waren alle Anträge, die sich gegen die
Antragsgegnerin zu 1. richteten und nicht zurückgenommen worden sind,
zurückzuweisen.
III. Die Begründetheit gegenüber der Antragsgegnerin zu 2. (Hauptaktionärin)
Die Barabfindung muss nach § 327b 11 AktG "die Verhältnisse der Gesellschaft im
Zeitpunkt der Beschlussfassung ihrer Hauptversammlung berücksichtigen". Gemeint
ist damit eine volle Entschädigung; der Aktionär soll wie bei der Abfindung bei
Abschluss eines Unternehmensvertrages (§§ 305f. AktG) einen vollen Ausgleich für
den Vermögensverlust erhalten, der ihm durch den zwangsweisen Verkauf seiner
Aktien entsteht (BVerfG NJW 1962,1667; BVerfG NJW 1999, 3769, 3770; BGH NJW
2001, 2080, 2081; BGH NJW 2003, 3272, 3273). Der Vermögensverlust besteht
darin, dass die zwangsweise verkaufte Aktie weder zukünftig verkauft werden kann
noch der Aktionär auf die Aktie zukünftig Dividenden erhält.
1. Der Börsenkurs
Nach der Rechtsprechung des BVerfG (NJW 1999, 3769 = ZIP 1999, 1436, 1441;
ZIP 1999, 1804ff) und des BGH (NJW 2001, 2080, 2081 = ZIP 2001, 734, 736) ist
davon auszugehen, dass die unterste Grenze der Abfindung stets der Verkehrswert
ist, der bei börsennotierten Aktien regelmässig durch den Börsenkurs repräsentiert
wird; der Aktionär soll nicht weniger erhalten, als er bei einer freien
Deinvestitionsentscheidung erhalten hätte.
Auf welchen Börsenkurs hiernach abzustellen ist, ist im Einzelnen streitig.
a. Die Antragsteller meinen, es sei auf den durchschnittlichen Börsenkurs (ermittelt
auf allen Börsenplätzen) für den Zeitraum von 3 oder 6 Monaten vor der
Hauptversammlung abzustellen. Der Zeitraum von Monaten vor der Ankündigung
des Squeeze-Out sei ungeeignet; im vorliegenden Fall zeige sich gerade an den
Börsenkursen, dass dieser Umstand keine Berücksichtigung gefunden habe. Die
Befürchtung, aussenstehende Aktionäre würden das Wissen um den bevorstehenden
Squeeze-Out dazu nutzen, den Börsenkurs zu manipulieren, sei ebenso haltlos wie
zweischneidig: die Möglichkeit des Hauptaktionärs zur Manipulation sei viel grösser
und wirkungsvoller; dieser könne leicht die Ankündigung des Squeeze-Out an das
Ende einer Phase niedriger Aktienkurse legen.
b. Die Antragsgegnerinnen hingegen stehen auf dem Standpunkt, es müsse auf
einen von der beabsichtigten Aktienübertragung unabhängigen Zeitraum abgestellt
werden, weil der Kurs nach Bekanntwerden einer Übertragungsabsicht nicht mehr
allein von einer Markteinschätzung, sondern vornehmlich von der Erwartung der
Marktteilnehmer über die Höhe der Abfindung bestimmt werde. Ausserdem seien die
binnen 3 Monaten vor dem Stichtag ermittelten Werte nicht repräsentativ, weil sie
generell und auch in diesem besonderen Fall von einer Marktenge und einem sehr
geringen Handelsvolumen gekennzeichnet gewesen seien. Schliesslich sei die

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Lösung des BGH nicht praktikabel, weil der Börsenkurs zum Zeitpunkt der
Hauptversammlung erst an diesem Tage feststehe, also unmöglich Grundlage des
Abfindungsvorschlags und der Prüfung sein könne. Deshalb erscheine allein das
Abstellen auf die 3 Monate vor Bekanntgabe des geplanten Ausschlusses
sachgerecht, wie es auch neuerdings in ähnlichem Zusammenhang § 5 1
WpUGAngebVO vorsehe.
c. Die Rechtsprechung hierzu ist uneinheitlich. Das BVerfG hat jüngst erneut
entschieden, dass diese Festlegung den lnstanzgerichten obliege (BVerfG, ZIP
2007, 175, 177). Der BGH (NJW 2001, 2080, 2081 = ZIP 2001, 736) und
verschiedene Oberlandesgerichte (u.a. OLG Hamburg, NZG 2003, 89, 90.; OLG
Düsseldorf, NZG 2003, 588, 590; OLG Karlsruhe, AG 2005, 45, 47; OLG München,
ZIP 2006, 1722, 1723) stellen auf einen Zeitraum von 3 Monaten vor dem Beschluss
der Hauptversammlung ab. Das Oberlandesgericht Stuttgart (NZG 2007, 302) hat
jüngst mit beachtenswerten Gründen für die entsprechende Anwendung von § 5 I
WpÜG-AngebotsVO (Referenzkurs von drei Monaten vor der Bekanntgabe der
Massnahme) plädiert und die Sache dem BGH zur erneuten Entscheidung vorgelegt.
Das Gericht ist zu einer Entscheidung im vorliegenden Fall nicht gehalten. Wird ein
Zeitraum von 3 Monaten vor der Bekanntgabe der Massnahme gewählt (27.5. -
27.8.02), liegt der Börsenkurs nach der von der Antragsgegnerin in ihrer Anlage Ag3
vorgelegten Übersicht unter der festgesetzten Abfindung. Stellt man auf den
Zeitraum von 3 Monaten vor der Hauptversammlung ab (30.7.02-30.10.02), finden
sich (Ag3) Kurse von maximal Euro 14,02 pro Aktie.
Es wird zu zeigen sein, dass selbst dieser Wert durch den Betrag überstiegen wird,
der sich nach den noch zu erörternden anderen Bewertungen ergibt.
2. Der Liquidationswert
Der Liquidationswert des Unternehmens ist der Wert, der nach seiner gedachten
Liquidation, also nach Veräusserung seines gesamten Vermögens und Begleichung
aller Verbindlichkeiten als Barvermögen verbliebe. Streitig ist, ob der Liquidationswert
eine weitere Untergrenze des Unternehmenswertes bzw. der Anteil hieran ist, der
durch die einzelne Aktie repräsentiert wird. Die herrschende Ansicht steht hierzu auf
dem Standpunkt, dass in allen Fällen, in denen der Unternehmer das Unternehmen
fortführen wolle, der Liquidationswert als Untergrenze der Abfindung dann
ausscheide, wenn die Unternehmensfortführung wirtschaftlich vertretbar und der
Unternehmer nicht zur Liquidation verpflichtet sei (BGH NJW 1982, 2497;
MüKoAktG-Bilda, § 305 Rdn. 82, OLG Düsseldorf, AG 2004, 325, 327).
Eine Entscheidung ist auch hierzu nicht veranlasst. Die noch zu begründende
Abfindung von Euro 17,04 pro Aktie entspricht bei insgesamt 20.900.000 Aktien einem
Unternehmenswert von Euro 356.157.048.- Dass durch eine Liquidation des gesamten
Unternehmens ein höherer Betrag erzielt werden könnte, hat keiner der Antragsteller
substantiiert behauptet.
Nach den mündlichen Erläuterungen der Abfindungsprüfer in der mündlichen
Verhandlung vom 10.7.07 (vgl. Übersicht BI. 1179 GA) haben per 31.12.2001 das

15
Vermögen der Fa. VTG Lehnkering AG (Anlagevermögen, Forderungen und liquide
Mittel nach Zeitwerten) 782.800.000.- und die Verbindlichkeiten (auch nach
Zeitwerten) 415.700.000.- betragen, so dass sich ein Substanzwert von
282.100.000.- ergab; wesentliche Änderungen habe es bis zum Stichtag 30.10.02
nicht gegeben. Den Antragstellern ist zuzugeben, dass diese Einschätzung nur
relativ wenig belastbar ist. Sie basiert nach Darstellung der sachverständigen Prüfer
auf der geprüften und testierten Bilanz per 31.12.2001 und den dortigen Annahmen
über die Zeitwerte der einzelnen Vermögensgegenstände (ca. 47.000.000.-
Grundstücke und Bauten sowie ca. 340.000.000.- Schiffe und Waggonpark), wobei
realistische Abschreibungen von bis zu 20 Jahren - z. B. für Waggonpark - in Ansatz
gekommen seien. Das Gericht hat gleichwohl eine weitere Aufklärung der wahren
Zeitwerte der Sachanlagen unterlassen, weil es nach einer überschlägigen
Schätzung (§ 287 ZPO) annimmt, dass sich hieraus kein so hoher richtiger Wert
ergäbe, dass die Differenz zwischen dem von den Prüfern angenommenen Wert (Euro
180.800.000.-) und dem unten noch errechneten Ertragswert von Euro 356.157.048.-
aufgezehrt würde. Auch ein Vergleich mit dem Kaufpreis für das Unternehmen
"Brambles" (durch die Fa. Aistertor Schienenlogistik, dessen Betriebsführung die Fa.
VTG Lehnkering übernommen hat), führt zu keiner anderen Annahme; der dort
gezahlte Kaufpreis war zwar für das vergleichbare Segment Schienenfahrzeuge
verhältnismässig höher, aber nicht so viel höher, dass die genannte Differenz erreicht
wird.
Für den Fall der (fiktiven) Liquidation müssen auch die (fiktiven) Liquidationskosten
abgesetzt werden. Diese Kosten geben die sachverständigen Prüfer mit
Sozialplanaufwendungen von 70.900.000.- und mit sonstigen Liquidationskosten
von 30.400.000.- an. Auch das erscheint plausibel: Der Gesetzgeber nimmt in
anderem Zusammenhang (§ 171 Ins0) Liquidationskosten von 5% an und dem
Gericht ist bekannt, dass Abfindungen von' - 1 Monatsgehältern pro Jahr der
Beschäftigungsdauer üblich sind. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass
damals ca. 3000 Mitarbeiter zum Unternehmen gehörten, erscheinen diese Zahlen
nach einer Schätzung des Gerichts (§ 287 ZPO) überzeugend.
3. Die Bewertung der VTG Lehnkering AG nach ihren zukünftigen Erträgen
a. Die Bewertungsmethode
Unter den insgesamt zur Verfügung stehenden Methoden zur Bestimmung des
Untenehmenswerts (Übersichten bei Grossfeld, Unternehmens- und Anteilsbewertung
im Gesellschaftsrecht, 4. Auflage 2002, S. 40ff.; Hüffer, AktG, 7. Auflage 2006, Rn.
19) ist die Ertragswertmethode die am häufigsten verwendete Methode; ihre
Anwendung ist von der Rechtsprechung gebilligt worden (BVerfGE 100, 289, 307 =
NJW 1999, 3769 ff Altana -; BGH NJW 2003, 3272, 3273; weitere Nachweise bei
Hüffer, a.a.O.). Ihr folgt deshalb das Gericht.
b. Die Durchführung der Bewertung

16
Bei der Bewertung der Fa. VTG Lehnkerinq AG stützt sich das Gericht u.a. auf die
Darlegungen der und der sowie auf das Ergebnis der mündlichen
Verhandlung.
aa. Bedenken gegen die Auswahl der sachverständigen Prüferin
Einige der Antragsteller wenden ein, der Bericht der dürfe bereits deshalb
nicht verwertet werden, weil sie entgegen dem Gesetz nicht durch das Gericht
ausgewählt, sondern nur dem einzigen Vorschlag der Antragsgegnerinnen
entsprechend ernannt worden sei.
Dem folgt das Gericht nicht. Das Gesetz sieht vor, dass das Gericht den Prüfer
auswählt, nicht aber, wie und anhand welcher Kriterien dies geschieht. Dem Gericht
Vorschläge zu unterbreiten, verbietet das Gesetz dem Hauptaktionär ebensowenig
wie dem Gericht, nach Überprüfung der Geeignetheit dem einzigen Vorschlag zu
folgen (OLG Stuttgart, NZG 2004, 146, 148; OLG Hamburg, NZG 2005, 86, 87).
Gleichwohl hat die Kammer seit Anfang 2005 die Ernennungspraxis geändert,
besteht auf dem Vorschlag dreier geeigneter Unternehmen, hält ggf. Rücksprache
mit diesen und behält sich vor, aus den zahlreichen, inzwischen für die Kammer
tätigen Prüfungsunternehmen ein anderes geeignetes Unternehmen auszuwählen.
Die dadurch eventuell eintretenden zeitlichen Verzögerungen bei der Durchführung
der Strukturmassnahmen werden die Unternehmen zukünftig vorausschauend zu
kalkulieren haben.
bb. Nichtverwertbarkeit wegen einer Parallelprüfung
Einige Antragsteller meinen ausserdem, das Gutachten könne auch deshalb
nicht zur Bewertung herangezogen werden, weil es am selben Tag wie das
Unternehmensgutachten der fertig geworden sei und deshalb aufgrund einer
parallelen Prüfung erstellt worden sein müsse.
Auch dies hat keinen Erfolg. Die Frage der Zulässigkeit der Parallelprüfung ist streitig
(bejahend OLG Stuttgart, NZG 2004, 146,148; LG Bonn, Der Konzern 2004, 491,
494, OLG Hamburg, NZG 2005, 86,87; Land/Hennings, AG 2005, 380, 383; dagegen
Puszkajler, ZPO 2003, 518, 521; LG Berlin, ZIP 2003, 1352, 1355). Das Gesetz
verhält sich nicht zu den Modalitäten der Prüfung durch den gerichtlich ernannten
Prüfer. Das Gesetz verbietet insbesondere dem Unternehmen nicht, eine einmal
vorgeschlagene Abfindungshöhe nach Vorliegen des Prüfungsergebnisses des
gerichtlich bestellten Prüfers zu verändern und einen erneuten Vorschlag zu
unterbreiten. Auch eine vom Unternehmen eingeschaltete eigene Prüferin darf ihr
Prüfungsergebnis selbstverständlich am Ergebnis des gerichtlich bestellten Prüfers
ausrichten. Und schliesslich ist der gerichtliche bestellte Prüfer von Gesetzes wegen
gehalten, alle ihm vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Unterlagen und damit
auch aktuelle Auswertungen wie Planungen und Bewertungen zur Kenntnis zu
nehmen und für das Gericht auszuwerten. Die parallele Prüfung ist nichts anderes
als das praktische Ergebnis dieser Abhängigkeiten und ist deshalb nicht untersagt.

17
cc. Neubegutachtung wegen unzureichender sachverständiger Prüfung
Schliesslich wenden einige Antragsteller ein, das Gutachten der sei in allem
unergiebig, lasse keine eigene Prüfungsleistung erkennen und erschöpfe sich in der
Bestätigung der Ergebnisse der Begutachtung durch
Der notwendige Inhalt des Gutachtens ist in § 327c II 4 mit Verweis auf § 293e AktG
a.F. genau beschrieben. Danach ist die Methode der Begutachtung anzugeben und
ihre Anwendung zu begründen und eine Prüfung vorzunehmen; dagegen wird weder
der Prüfungsumfang noch die Prüfungstiefe oder der notwendige Umfang der
Darstellung festgelegt. Über die angewendeten Methoden und die Gründe hierfür
verhält sich das Gutachten der umfangreich; dass hierbei ersichtlich
Textbausteine verwendet worden sind, trägt dem Inhalt keinen Abbruch, weil die
Darlegungen in vielen Fällen gleich ist.
Dass eine Prüfung stattgefunden hat, ergibt sich aus vielen Bemerkungen in dem
Gutachten und ist durch die detaillierten Angaben deutlich geworden, die
und in der mündlichen Verhandlung vom
10.7.07 erläuternd hinzuzufügen in der Lage waren.
Das Gericht hat sich nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung vom 10.7.07
und erneuter Beratung entschlossen, seine frühere Einschätzung, die bisherige
Begutachtung bzw. Prüfung sei nicht ausreichend, aufzugeben und auf die
Ausführung der bereits erlassenen Beweisanordnung betreffend die Einholung eines
gerichtlichen Gutachtens zu verzichten. Hinsichtlich der Planungen des
Unternehmens haben sich bereits in der Verhandlung genügende Anhaltspunkte für
eine Überzeugungsbildung des Gerichts ergeben. Dass ein Gutachten insoweit
tiefere und besser begründete Ergebnisse zutage fördern könnte, erscheint dem
Gericht nicht naheliegend; vielmehr dürfte sich auch die Einschätzung des
Gutachters auf dieselben, in allen Punkten wenig verlässlichen Prognosen der
zukünftigen Markt- und Unternehmensentwicklung stützen müssen wie die der
und sowie des Gerichts. Hinsichtlich der Annahmen für die
Diskontierungszinssätze liegen in Literatur und Rechtsprechung zahllose
Untersuchungen und Stellungnahmen vor und das Gericht hält es für überflüssig,
ihnen noch eine - bei der nötigen Tiefe immens teure - Begutachtung hinzu zu
fügen.
Dieses Vorgehen steht auch im Einklang mit den Ausführungen des BVerfG in dem
jüngsten Beschluss vom 30.5.07 (DB 2007, 1577), Zwar heisst es hierin zur
Begründung der Verfassungsmässigkeit der §§ 327a ff. AktG, die Rechte der
aussenstehenden Aktionäre würden durch den Umstand gewahrt, dass die Höhe der
Abfindung nicht vom Hauptaktionär, sondern von einem unabhängigen und vom
Gericht bestellten Gutachter ermittelt werde und der Gesetzgeber habe damit
weitgehend dafür Sorge getragen, dass bereits frühzeitig eine objektive Feststellung
des Wertes der Beteiligung an der Gesellschaft erfolge. Dies kann aber, da das
Gesetz eben kein zwingendes gerichtliches Gutachten vorsieht, nur bedeuten, dass
die Bestellung eines sachverständigen Prüfers und dessen Erstellung einer Prüfung
nach den oben genannten Kriterien sowie dessen Anhörung im Termin grundsätzlich
ausreicht, die Interessen der aussenstehenden Aktionäre zu wahren.

18
c. Die Berechnung des Wertes des Geschäfts der Fa. VTG Lehnkering AG
aa. Die Grundsätze der Unternehmensplanung
Die zukünftigen Erträge müssen auf der Basis der Zahlen der Vergangenheit für die
Zukunft geschätzt werden.
Hierfür ist zunächst die Ermittlung der in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse
nötig. Die gefundenen Zahlen sind zu bereinigen um Einflüsse, die sich nur
einzigartig ereignet haben und voraussichtlich nicht wiederkehren werden
(Naturkatastrophen, steuerliche Änderungen, grosse Anschaffungen u.ä.), um
verzerrende Wirkungen früherer Bindungen des Unternehmens (nichtäquivalente
Verrechnungspreise im Konzern, Nutzung unternehmensfremden Eigentums zu nicht
marktgerechten Preisen etc.) und um sonstige, nicht repräsentative Einflüsse.
Ausserdem ist zu prüfen, ob die Vergangenheitsperioden untereinander zu gewichten
sind (zu vielem Grossfeld, Unternehmens- und Anteilsbewertung im
Gesellschaftsrecht, a.a.O., S. 77ff, Standard der Vereinigung der Wirtschaftsprüfer S
1 (IDW S 1), Stand 28.6.2000, WPg 2000, 825f., Ziffer 108f). Danach ist zu prüfen,
ob und welche Abweichungen es in der Zukunft voraussichtlich geben wird.
bb. Die Berücksichtigung von Verbund- und Synergieeffekten
Die Antragsteller meinen, ihnen müsse zugute kommen, dass die Antragsgegnerin
nach ihrem "Herauswurr viel einfacher unternehmerische Entscheidungen treffen,
die Unternehmensform ändern und das Unternehmen von der Börse nehmen könne
sowie völlig freie Hand bei einer Veräusserung habe. Deshalb sei "die letzte Aktie"
besonders viel wert und müsse den Antragstellern ein "Paketzuschlag" gewährt
werden. Auch würden sich bei der Integration der Fa. VTG Lehnkering AG in die
Antragsgegnerin zu 2. in erheblichem Umfang Synergieeffekte ergeben, die den
Unternehmenswert bereits zum Zeitpunkt des Squeeze-Out steigerten. An diesen
erheblichen Vorteilen müssten die ausgeschlossenen Aktionäre beteiligt werden.
Die Antragsgegnerin bestreitet zum einen, dass die geschilderten Änderungen
nennenswerte Vorteile zur Folge hätten. Auch seien diese Vorteile, wenn es sie denn
gäbe, nach der Rechtsprechung nicht in den Unternehmenswert einzurechnen, weil
sie erst später als Folge der Massnahme entstünden.
Das Gericht folgt insoweit der Antragsgegnerin. Der Umstand, dass das
Unternehmen zukünftig nur noch allein dem Hauptaktionär zu Eigentum gehören
wird, muss ebenso ausser Betracht zu bleiben wie die sich hieraus möglicherweise
ergebenden Synergieeffekte; nur die bereits aus der hohen Beteiligung des
Hauptaktionärs resultierenden Effekte und jene, deren "Wurzeln" bereits angelegt
sind, dürfen berücksichtigt werden ("stand-alone-Bewertung, "Wurzel-Theorie", vgl.
Grossfeld, a.a.O; IDW-S1 Ziffer 109ff; BGH, ZIP 1998, 690; OLG Düsseldorf, AG
2004, 324 ff.).
Die sachverständigen Prüfer haben in der mündlichen Verhandlung vom 10.7.07
überzeugend begründet, dass und in welchem Umfang die Vorteile, Synergieeffekte
und Verbundvorteile berücksichtigt wurden, die bereits aufgrund der hohen

19
Beteiligung der Antragsgegnerin bestanden. (Dies betraf vor allem die zum Zeitpunkt
des Stichtags 30.10.02 bereits fast vollständig vollzogene Integration der
Bewirtschaftung des Unternehmens Brambles). Die übrigen Vorteile stehen nicht den
Antragstellern zu. insbesondere haben sie keinen Anspruch auf einen
"Paketzuschlag" oder eine "Lästigkeitsgebühr" für ihr Ausscheiden.
cc. Die Berücksichtigung der Beteiligungen bei der Unternehmensplanung
Konkrete Unternehmensplanungen sind seitens der VTG Lehnkering AG für die
grössten Teilbereiche des Unternehmens vorgelegt worden (Schienen- und
Tanklagerlogistik einerseits und Ulk- und Speziallogistik mit Binnenschiffahrt, Road
Cargo. Speziallogistik und Chemieservice andererseits) und wurden insoweit auch
durch einzeln nach Ertragswertgesichtspunkten bewertet. Für die übrigen
Beteiligungen der VTG Lehnkering AG (z.B. Lehnkering Mineralstoffe GmbH, VTG-
Lehnkering Reederei GmbH, Lehnkering EuroLogistik GmbH, Wintrans Spedition
GmbH und Schirm AG), mit denen in der Folge von Ergebnisabführungsverträgen
Organschaft besteht, sowie der Dupeg Holding GmbH und Waggon Holding AG
wurden teilweise Planungen vorgelegt; deren Ergebnisse wurden aber nicht
gesondert ausgewiesen, sondern auf der Ebene der VTG Lehnkering AG konsolidiert
und in deren Ergebnis unter der Rubrik "Finanzergebnis" berücksichtigt.
Der Antragsteller zu 7. insbesondere kritisiert insoweit, dass hierdurch in den
Tochtergesellschaften thesaurierte Erträge unentdeckt blieben.
Die Antragsgegnerin verteidigt das Vorgehen der Gutachter.
Das Gericht folgt insoweit den überzeugenden Ausführungen der sachverständigen
Prüfer in der mündlichen Verhandlung vom 10.7.07. Diese haben dargestellt, dass es
sich bei dem so bewerteten Teil des Konzerns um verhältnismässig geringe Werte
gehandelt habe, deren umfangreiche Einzelbewertung aufgrund von eigenen
Planungen teils zu aufwendig gewesen sei, teils wegen der Minderheitsbeteiligung
auch gar nicht möglich. Dem tritt die Kammer bei. Sie hält das gewählte Verfahren im
Hinblick auf die hier erforderliche Aufklärungstiefe für ausreichend.
dd. Die Ableitung der Planung aus der Vergangenheit
Im Bericht des Unternehmens und im Gutachten wird der Unternehmenswert
aus den Planungen für die Jahre 2002 bis 2005 errechnet. Die Planungen werden als
Konsequenz und Entwicklung aus den Vorjahren 1999 bis 2001 dargestellt, wobei
wegen der Umstellung des Geschäftsjahreszyklusses nur eine reale Dauer von 2 %
Jahren betrachtet wurde.
Hiergegen wenden sich mehrere Antragsteller und meinen, sowohl der Ableitungs-
als auch der Planungszeitraum seien zu kurz. Insbesondere die Antragsteller zu 8.
und 9. errechnen aus den Jahren 1991-2001 eine durchschnittliche
Ergebnissteigerung von 8,1% jährlich und meinen, diese Steigerung müsse in den
Planungen und vor allem auch für die Phase ab 2005 fortgeschrieben werden.

20
Diesen Einwendungen folgt die Kammer nach dem Ergebnis der Anhörung der
sachverständigen Prüfer nicht. Zum einen handelt es sich bei dem
Prognosebasiszeitraum von 2-3 Jahren keineswegs um eine unüblich kurze
Grundlage; der Kammer sind mehrere ähnlich kurze Zeiträume aus anderen
Verfahren bekannt. Ausserdem beruhte die geschäftliche Entwicklung vor dem
1.10.1999 infolge mehrerer Umstände auf abweichenden Grundlagen: Nicht nur,
dass der später veräusserte Bereich Maritime Dienstleistungen und andere, später
verkaufte Randaktivitäten mit hinzu zählten, auch die Bewirtschaftung der Fa.
Brambles kam erst später hinzu und der Rechnungslegungsstandard war zuvor ein
anderer. Eine Umrechnung (Elimination der verkauften Bereiche; Inkorporierung der
späteren Umsatzausweitungen; Umrechnung der Rechnungslegungsstandards) war
zudem, wie die sachverständigen Prüfer in der Verhandlung vom 10.7.07 glaubhaft
dargestellt haben, wegen Fehlens vollständigen Zahlenmaterials nicht leistbar.
Deshalb legt auch das Gericht lediglich diese Prognosebasis zugrunde.
ee. Die Aktualität der Planung
Die Antragsteller meinen, bei einer Planung per 30.10.02 hätte nicht auf die
Vorjahreszahlen abgestellt werden dürfen; vielmehr hätte die bereits im Laufe des
Jahres 2002 eingetretene deutliche Umsatzausweitung ausgewertet und
berücksichtigt werden müssen; gegenüber einer Planung der Umsatzerlöse von Euro
926.400.000.- habe sich ein tatsächlicher Umsatz von Euro 969.800.000.- ergeben, was
gewiss absehbar gewesen sei.
Hierzu haben die sachverständigen Prüfer in der mündlichen Verhandlung vom
10.7.07 überzeugend berichtet, dass die aktuellen Zahlen für 2002 bis etwa 30.6.02
vorgelegen hätten und zur Korrektur der Planungen für 2002 herangezogen worden
seien; insgesamt seien die Planungen zu diesem Zeitpunkt nicht ganz erreicht
worden, weshalb man in 2002 nur Euro 926.400.000.- und erst für 2003 Euro 967.400.000.-
Umsatz angenommen habe.
Die Aktualität der Planung kann deshalb nicht mit Erfolg angegriffen werden.
ff. Die konkrete Planung
Zu der konkreten Planung des Unternehmens ist nur in sehr wenigen Punkten
seitens der Antragsteller sowie des gemeinsamen Vertreters schriftlich und in der
mündlichen Verhandlungen Kritik laut geworden. Die Annahmen der Planung sind in
dem Unternehmensgutachten im einzelnen erläutert und aus sich heraus
verständlich. In Bezug auf die nicht angegriffenen Punkte sieht das Gericht von einer
weiteren Vertiefung ab.
aaa. Planung 2006 geringer als Steigerungen 2002-2004
Die Jahre 1999 bis 2001 waren - lässt man den in dieser Zeit veräusserten Bereich
Maritime Dienstleistungen ausser Betracht - von einem Umsatzzuwachs von 5%
gekennzeichnet, wobei es einen deutlichen Zuwachs im Schienenbereich und
rückläufige Ergebnisse im Bereich Speziallogistik gab. (In den diesem Beschluss

21
beigehefteten Tabellen ist, um diese Entwicklung deutlich zu machen, der Zeitraum
des Rumpfgeschäftsjahres 2000 von nur 3 Monaten auch hochgerechnet auf 1 Jahr
dargestellt.) Für die Jahre 2002 bis 2005 basieren die Annahmen des
Unternehmens, der und der sachverständigen Prüfer auf einer Steigerung
der Gesamtleistung um 3% jährlich, was zu einer Zunahme der Überschüsse vor
Steuern von 12.700.000.- in 2002 auf Euro 21.800.000.- in 2004, also um fast 100%
führen soll; für 2005 wird eine Steigerung auf Euro 18.900.000.-, also um 5%
angenommen.
Die Antragsteller, allen voran die Antragsteller zu 8. und 9., meinen eindringlich, es
müsse für das Jahr 2005, also für den rechnerischen Bereich der ewigen Rente, die
Steigerung des Ergebnisses aus einem langjährigen Durchschnitt errechnet werden.
Von 1990 bis 1999 seien die Erträge jeweils um 8,1% jährlich gestiegen, selbst dann,
wenn man einmal das besonders ertragreiche Jahr 1998/1999 ausser acht lasse. Es
sei kein Grund ersichtlich, nicht diesen Wert erneut anzunehmen.
Die Antragsgegnerinnen halten die Einschätzung der für eine abgewogene
Prognose und finden sie in der Prüfung durch bestätigt.
Das Gericht folgt der Einschätzung der sachverständigen Prüfer. Ausschlaggebend
hierfür ist in erster Linie die für die Jahre 2002 bis 2004 unterstellte immense
Ertragssteigerung von fast 100% bei nur moderater Ausweitung des Umsatzes.
Diese Planung erscheint der Kammer nicht realistisch dauerhaft fortsetzbar. Auch
eine unterstellte Steigerung um jährlich 5% ist bereits ein ambitionierter Wert. Die
früheren Steigerungen um 8,1% beruhten nicht allein auf Umsatzsteigerungen durch
betriebsinternes Wachstum, sondern zu einem erheblichen Teil auch auf Zukäufen
anderer weiterer Unternehmensteile, betrafen mithin ein völlig anders aufgestelltes,
also nur beschränkt vergleichbares Unternehmen.
bbb. Die Einbeziehung der Brambles-Gruppe
Die Antragsteller (insbesondere die Antragsteller zu 8/9. und 14/16/19.) vermissen
eine Berücksichtigung des Umstands, dass die VTG Lehnkering AG per 30.4.02 die
Brambles-Gruppe übernommen und damit zu europaweit führenden
Schienenlogistikanbieter geworden sei. Die daraus folgenden Umsatzerweiterungen
und Synergieeffekte seien unberücksichtigt geblieben.
Die Antragsgegnerin erwidert, nicht die VTG Lehnkering, sondern
und die hätten die
Brambles-Gruppe übernommen, lediglich die Bewirtschaftung des Wagenparks sei
der VTG Lehnkering AG übertragen worden. Die sich daraus ergebenden Effekte
seien berücksichtigt worden.
Die sachverständigen Prüfer haben in der mündlichen Verhandlung diese Umstände
genauer dargelegt und nachgewiesen, dass die nur in der Bewirtschaftung liegenden
Erträge und die aus der Zusammenlegung der Aktivitäten folgenden Vorteile in die
Ergebnisse eingerechnet wurden. Die Darlegungen haben die Kammer überzeugt.
ccc. Die Unternehmenssteuern

22
Das so gefundene, um das Finanzergebnis korrigierte operative Ergebnis muss um
die unternehmensbezogenen Steuern vermindert werden, also um die
Körperschaftssteuer, die Gewerbesteuer etc. Einwendungen hiergegen sind nicht
erhoben und das Gericht hält die Ansätze für überzeugend.
Die sachverständigen Prüfer haben dargelegt, dass die für den Planungszeitraum
angewendeten Steuersätze den in früheren Jahren üblichen Steuersätzen des
Unternehmens entsprachen. Für die Erträge aus ausländischen Gesellschaften (18%
der Gesamterträge) seien 30% durchschnittliche Unternehmenssteuern angesetzt
worden, für die Inlandserträge (82%) jeweils Körperschaftssteuern von 25%
zuzüglich Solidaritätszuschlag sowie Gewerbeertragssteuern auf der Basis eines
Hebesatzes von 450%, insgesamt ca. 40%. Das sind nach der Kenntnis des Gerichts
für den Stichtag 30.10.02 übliche Werte.
ddd. Die Steuern der Kapitaleigner
Die und haben die sich so ergebenden Beträge noch um eine
fiktive Einkommenssteuer der Kapitaleigner von 17,5% vermindert.
Die Behandlung der Steuern der Kapitaleigner bei der Ertragswertberechnung des
Unternehmens ist in Literatur und Rechtsprechung streitig. Gegen eine
Berücksichtigung wird vor allem vorgebracht (Zusammenfassung bei Barthels, DStR
2007, 83, 86; Emmerich-Habersack, AktG, § 305 Rdn. 64a) , dass es auf die
Verhältnisse der Gesellschaft und nicht auf die der Kapitaleigner ankomme
(Hennrichs, ZHR 2000, 453, 470f.), die Berücksichtigung aufgrund der komplizierten
und sich ändernden Steuergesetzgebung unübersichtlich und komplex sei (zuletzt
Barthels, DStR 2007, 83) und, weil die deutsche Betrachtung einen Sonderweg
darstelle und die Bewertung von international tätigen Unternehmen erschwere (z.B.
Reuter, AG 2007, 1, 8f.; Grossfeld/Stöver/Tönnes, BB-Special 7/2005, 1, 10f). Auch
das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) sah in ihren früheren Empfehlungen
(Stellungnahme des Hauptfachausschusses HFA 2/83) eine Verminderung um
persönliche Steuern nicht vor.
Für eine Berücksichtigung der persönlichen Steuern, also eine sog. Nachsteuer-
Betrachtung spricht die Überlegung, dass für den aus dem Unternehmen gedrängten
Kapitalanleger nicht die Überschüsse des Unternehmens von Bedeutung sind,
sondern nur das, was er zur Wiederanlage in einer vergleichbaren Aktie erhält; und
das ist der um die Einkommenssteuern verminderte Betrag (zuletzt Reuter, DB 2006,
1689, 1693; Reuter, AG 2007, 1, 4, 6 mwN.). Die Kehrseite dieses Abzugs ist und
muss sein, dass auch der Kapitalisierungszins, mit dem die zukünftigen Erträge der
Gesellschaft zur Ermittlung des Unternehmenswertes auf den Stichtag diskontiert
werden (vgl. unten 4.a.) einer Nachsteuerbetrachtung unterzogen und um die
jeweiligen persönlichen Einkommenssteuern vermindert wird (vgl. unten e.; zum
Zusammenhang anschaulich OLG Stuttgart, NZG 2007, 302f.). Diesen Weg geht seit
2000 das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW Sl; WPg 2000, 825f.) und hat ihn 2005
(IDW S1 neu) in modifizierter Form bestätigt (WPg 2005, 1303f.). Das Gericht folgt
aus den soeben genannten Erwägungen der Nachsteuerbetrachtung.

23
Bei ihr ergibt sich nur die Schwierigkeit, dass die Quote der Steuern der Kapitaleigner
davon abhängt, ob es sich um Privatpersonen oder Firmen handelt, ob es sich um in-
oder ausländische Kapitaleigner handelt und ob sie u.U. die anfallenden Steuern mit
anderen Steuern zu verrechnen berechtigt sind. Die herrschende Meinung steht
hierzu auf dem Standpunkt, dass insoweit eine generalisierende Betrachtung
zulässig und im Interesse der Vergleichbarkeit von Unternehmensbewertungen
zutreffend sei; eine die häufigsten Fälle erfassende und im Durchschnitt zutreffende
Steuerquote belaufe sich auf 35%. (vgl. zusammenfassend KöKo-Riegger, Anh § 11
SpruchG, Rn. 24; Grossfeld, a.a.O., S. 102f., 142; für die Rspr. zuletzt OLG München,
ZIP 2006, 1722, 1725). Dieser Auffassung schliesst sich die Kammer in ständiger
Rechtsprechung und auch in diesem Fall aus den genannten Gründen an.
Bei der Ermittlung des Steuersatzes für die ausschüttbaren Erträge gilt seit 2001 eine
andere Rechtslage. Früher mussten die Unternehmen von den ausgeschütteten
Überschüssen 30% Körperschaftssteuer abführen und die Kapitaleigner mussten die
an sie ausgezahlten Gewinne dann erneut versteuern; auf den Steuerbetrag wurden
allerdings dann die bereits vom Unternehmen gezahlten Steuern angerechnet, so
dass es letztlich auf die persönlichen Einkommenssteuern ankam (§ 27 IKStG a.F.;
kurze Zusammenfassung bei Tipke/Lang-Hey, Steuerrecht, 18. Auflage 1005, § 11
Rn. 7). Seit 2001 gilt das sogenannte Halbeinkünfteverfahren (Übersicht bei
Tipke/Lang-Hey, a.a.O., Rn 10), wonach der Gewinn von Körperschaften einheitlich
mit 25% belastet wird (§ 23 KStG); die Vorbelastung auf Unternehmensebene wird
für Ausschüttungen im Einkommenssteuerrecht pauschal dadurch berücksichtigt,
dass der Anteilseigner seine Gewinne nur zur Hälfte als Einnahmen aus
Kapitalvermögen anzusetzen hat (§ 3 Nr. 40 EStG). Das führt bei der
Unternehmensbewertung dazu, dass die ausschüttbaren Erträge um die Hälfte des
fiktiven durchschnittlichen persönlichen Einkommenssteuersatzes von 35%, also um
17,5% zu vermindern sind.
Das Gericht kürzt daher wie die Gutachter die ausschüttbaren Erträge um die Hälfte
einer fiktiven durchschnittlichen Einkommenssteuer in Höhe von 17,5%.
gg. Ergebnis der Unternehmensplanungen
Die sich aus den vorstehenden Erörterungen ergebenden - von der Berechnung der
Antragsgegnerin abweichenden - Erträge der Jahre 2002 - 2004 sowie für die darauf
folgenden Jahre (ab 2005, Bereich der sog. "ewigen Rente") sind aus der diesem
Beschluss angehängten Tabelle 2 ersichtlich.
hh. Das nicht betriebsnotwendige Vermögen
Zu dem Unternehmenswert müssen noch diejenigen Werte des Unternehmens
hinzugerechnet werden, die nicht in die Berechnung des Ertragswertes eingeflossen
sind. Dazu können namentlich diejenigen Unternehmensbeteiligungen und
Vermögenswerte gehören, die nicht betriebsnotwendig waren und die sofort
veräussert werden könnten oder sollten.
Nach der auf den Annahmen der beruhenden Darstellung der
Antragsgegnerin soll es solche Werte nicht geben, wenn man von einem Grundstück

24
in Duisburg und verschiedener nicht mehr genutzter Bauten im Hafen Duisburg
absehe, die allerdings wegen Rückbauverpflichtungen keinen Wert hätten.
Hieran haben insbesondere die Antragsteller zu 6., 14., 15., 21., und 23. erhebliche
Zweifel. Bei einem 1872 gegründeten Unternehmen müssten sich doch
ausschüttbare Steuerguthaben, mit Gewinn verwertbare Grundstücke und ähnliches
finden lassen, durch deren fiktive Verwertung sich der Unternehmenswert steigern
lasse.
Die Kammer hat hierzu in der mündlichen Verhandlung vom 10.7.07 ausführlich die
sachverständigen Prüfer angehört. Sie haben berichtet, sie hätten sich zwar in Bezug
auf mögliche Gegenstände des nicht betriebsnotwendigen Vermögens nicht selbst
kundig gemacht, sondern sich auf Mitteilungen der und des Unternehmens
verlassen; nach ihrer Einschätzung hätte es sich aber - da alles andere ausführlich
untersucht worden sei - allenfalls um verhältnismässig geringer wertige
Vermögensgegenstände mit nur marginalem Einfluss auf den Unternehmenswert
handeln können.
Dem tritt die Kammer bei; gegenüber den anderen, in diesem Beschluss für die
anderen Annahmen zutage tretenden Bewertungsunsicherheiten fällt es nicht ins
Gewicht, ob eventuell kleine Grundstücke o.ä. mit einem aktuellen Veräusserungswert
oder im Rahmen der Ertragswertfeststellung mit ihren zukünftig prognostizierten
Erträgen bewertet werden. Die Auswirkungen auf Höhe der angemessenen
Abfindung für die aussenstehenden Aktionäre könnten allenfalls geringe Centbeträge
ausmachen, die Kosten der zuverlässigen Einordnung und Wertfeststellung wären
dagegen erheblich. Deshalb belässt es das Gericht bei der vorhandenen Aufklärung
und einer Schätzung (§ 287 ZPO) und folgt den sachverständigen Prüfern.
4. Die Abzinsung der zukünftigen Erträge
a. Die Notwendigkeit der Abzinsung und die Methode
Der Wert der einzelnen Aktie kann noch nicht aus der Summe der zukünftigen
Erträge errechnet werden, weil berücksichtigt werden muss, dass die zukünftigen
Erträge erst später anfallen, die Abfindung aber bereits jetzt zu zahlen ist. Die
zukünftigen Erträge sind nur mit dem Wert anzusetzen, den die Aussicht auf ihre
künftige Zahlung hat. Dies geschieht durch mathematische Abzinsung
(Diskontierung). Der sich danach ergebende Betrag wird der Barwert genannt.
Streitig ist nun, mit welchem Zinssatz die Berechnungen vorzunehmen sind. Aus der
Sicht des Hauptaktionärs kann nur die Rendite als Zinssatz massgebend sein, die er
mit dem Unternehmen selbst erwirtschaften kann; also seine eigene Rendite. Aus der
Sicht des ausgeschiedenen Aktionärs kann der Hauptaktionär auch einen
Ratenkredit bei einer Bank aufnehmen, der vom Unternehmensergebnis völlig
unabhängig ist, wobei es dann auf die Renditeerwartungen der Bank ankäme, die
das Darlehen ausreicht. Nach allgemeiner Auffassung ist für den Kapitalisierungszins
auf die Sichtweise des Unternehmens abzustellen, weil sich auch der Aktionär beim
Erwerb der Aktie von diesem Wert hat leiten lassen und ihm zugemutet wird, eine
Ersatzinvestition in einem ähnlichen Geschäftsfeld, also in ähnlichen Aktien zu

25
suchen. Dieser grundsätzlichen Festlegung tritt das Gericht aus den genannten
Gründen bei.
Ausgehend von dieser Grundüberlegung sind Kriterien zu bestimmen, mit deren Hilfe
sich der Kapitalisierungszins möglichst wertungsneutral ergibt.
Dabei hat sich folgende Vorgehensweise durchgesetzt: Zunächst wird ermittelt,
welche Verzinsung sich bei einer risikofreien oder nahezu risikofreien Geldanlage
erzielen lässt (Basiszins, vgl. unten b.). Dann wird versucht festzustellen, welche
Mehrrendite im allgemeinen erzielt wird, wenn eine riskantere Anlage in Aktien
gewählt wird (sog. Marktrisikoprämie), wobei zunächst auf den gesamten
Aktienmarkt abgestellt wird (sog. Allgemeine Marktrisikoprämie, vgl. unten c.) und
danach erforscht wird, ob hiervon im Hinblick auf die spezielle Risikostruktur des hier
untersuchten Unternehmens Ab-,oder Zuschläge vorzunehmen sind (sog. Beta-
Faktor, vgl. unten d.).
Mit dem so gefundene Ergebnis kann der Barwert der noch durchgeplanten
zukünftigen Perioden errechnet werden. Bei dem Barwert der danach folgenden
Perioden (der wegen der Annahme einer unbegrenzten Unternehmensdauer die
"ewige Rente" genannt wird und im vorliegenden Fall mit "2005" beschrieben ist) gilt
im Grundsatz dasselbe, allerdings muss noch berücksichtigt werden, dass der dort
zugrunde gelegte Ertrag zunächst mit dem Nominalwert, also nicht als laufend
steigend, sondern als statisch angenommen wird. Das würde bei einer inflationären
Geldentwertung auf eine beständige Verringerung von Umsätzen und Erträgen
hinauslaufen und entspricht in den seltensten Fällen der Realität. In dem Mass, in
dem das Unternehmen voraussichtlich in der Lage sein wird, die inflationäre
Geldentwertung ganz oder teilweise an seine Abnehmer weiter zu geben, muss
vielmehr die Abzinsung verringert werden. Die Abweichung wird durch einen sog.
Wachstumsabschlag (vgl. unten e.) aufgefangen, mit welchem der Barwert der
ewigen Rente letztlich erhöht wird (zu allem vgl. Grossfeld, a.a.O., S. 107 ff.)
b. Der Basiszins
Erstes Ziel der Ermittlung ist also der Basiszins, nämlich der vermutliche Zins für fest
verzinsliche und praktisch risikolose Geldanlagen in der Zukunft. Die hierzu
vertretenen Meinungen gehen weit auseinander. Am ehestens besteht noch
Übereinstimmung darin, dass als risikoloseste Geldanlage Anleihen des deutschen
Staates, des deutschen staatlichen Sondervermögens und der Staaten des
europäischen Auslands angesehen werden (Grossfeld, a.a.O., S. 117).
aa. Die Antragsteller stehen mehrheitlich auf dem Standpunkt, es müssten möglichst
langfristige Titel zum Vergleich herangezogen werden (30 Jahre) und es müsse auf
deren aktuelle Zinshöhe massgebend sein. Konkret bringen die Antragsteller zu 8 und
9. vor, eine 30jährige Bundesanleihe habe im Oktober 2002 nur durchschnittliche
Zinsen von 5,2% versprochen; der Basiszins könne daher jedenfalls nicht höher
angenommen werden. Die Antragstellerin zu 20. meint etwa, der Basiszins dürfe
nicht höher als der derzeit für 10jährige Anlagen erzielbare Zins von 3,6% betragen.

26
bb. Die Antragsgegnerinnen dagegen meinen, in soich' langfristigen Festlegungen
liege wegen des praktisch nicht übersehbaren fernen Risikos der Abweichung vom
dann aktuellen Zins eine derart grosse Unsicherheit, dass sie aus guten Gründen nur
relativ selten gewählt würden; ein Häufungspunkt liege dagegen auf 10jährigen
Titeln, die daher eher repräsentativ seien. Zudem dürfe nicht auf den aktuell
angebotenen Zins abgestellt werden. Vielmehr müsse einkalkuliert werden, dass das
Geld mehrfach wieder angelegt werde und der dann aktuelle Zins ungewiss sei.
Diese Prognose sei unter Rückgriff auf die Erfahrungen aus der Vergangenheit zu
treffen. Hier sei festzustellen, dass es immer wieder Zinszyklen gegeben habe und
dass sich diese mit Wahrscheinlichkeit wiederholten, Der früher durchschnittlich
erzielbare Zins habe über 6,9% gelegen. Für die Wiederanlage sei deshalb zu Recht
ein Zinssatz von 6,5 bis 7% angenommen worden. Aus einer Mischkalkulation mit
derzeitig erzielbaren Zinsen rechtfertige sich ein Basiszinsssatz von 6"0Y0,--.
cc. Die Rechtsprechung zu diesem Punkt ist uneinheitlich (BGH NJW 2003, 3272:
9,5% für 6/92; OLG Stuttgart OLGR 2004, 6: 7,8% für 12/00; OLG Stuttgart NZG
2000, 744: 8% für 6/90; BayObLG NZG 2006, 156: 7-7,7% für 3/89; OLG München,
31 Wx 41/05, NJOZ 2006, 3010: 6,5% für 6/02). Seit jüngerer Zeit werden vielfach
die Empfehlungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer herangezogen, das auch den
Standard zur Unternehmensbewertung verantwortet (IDW S 1 in der Fassung vorn
28.6.00 - WPg 2000, 825f, - und 1DW S 1 neu in der Fassung ab dem 1.1.05 - WPg
2005, 1303f. -). Von dort wird vorgeschlagen, ab dem 1.1.03 einen Basiszins von
5,5% (IDW-Fachnachrichten 2003, 26) und ab dem 1,1.05 einen Basiszins von 5%
(IDW Fachnachrichten 2005, 70f.) anzunehmen (vgl. zuletzt OLG Stuttgart,
Beschluss vom 16.2.07, 20 W 6/06, NJW-Spezial 2007, 175).
dd. Die Kammer nimmt zur Kenntnis, dass es keine eindeutige Lösung dieses
Problems und auch keine zwingende rechtliche und/oder betriebs- oder
volkswirtschaftliche Ableitung gibt und sieht auch keine Möglichkeit, durch Einholung
eigener Gutachten oder Stellungnahmen weitere Klarheit zu schaffen. Daher ist der
zugrunde zu legende Zinssatz unter wertender Betrachtung zu schätzen (§ 287 ZPO,
BayObLG, AG 2006, 1324, 1325). Das Gericht neigt der Ansicht zu, dass dem
Zeitpunkt des Aktienentzugs und dem dann aktuellen Zinssatz für langfristige
Anleihen eine vordringliche Bedeutung zukommt, sofern es sich nicht ersichtlich um
die Spitze oder das Tal eines Zinszyklusses handelt. Die zur Zeit angebotenen
Zinssätze sind bereits seit längerer Zeit stabil, was auf die Einführung des EURO und
der Europäischen Zentralbank und die von den EU-Verträgen verlangte
Währungsstabilität zurückzuführen un -ei - ryelärtes politisches Ziel ist. Deshalb
schätzt das Gericht den Basiszins a 5,5% rid nimmt damit die Einschätzung des
Arbeitskreises Unternehmensbewe es Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW)
vom 1.1.03 für den 30.10.02 vorweg, weil es sich bei deren Einschätzungen stets
lediglich um Reaktionen auf bereits erfolgte Veränderungen des Marktes handelt,
aber keine aktuelle Bestandsbeschreibung darstellt.
c. Die allgemeine Marktrisikoprämie
Im zweiten Schritt ist zu ermitteln, welche durchschnittlich höhere Rendite sich mit
Aktien erzielen lässt.

27
Hierzu besteht zunächst einmal Einigkeit darüber, dass sich die Rendite von Aktien
nicht nur aus Dividenden ("Zinsen"), sondern auch aus Kursveränderungen
errechnet, weil Kursveränderungen durch Verkauf realisiert werden und zu einem
GewinnNeriust führen können, der - umgelegt auf die Besitzzeit der Aktie - die
Rendite erhöhen oder herabsetzen kann. Erheblicher Streit besteht aber über die
Frage, welche Aktien zum Vergleich heranzuziehen seien, und um den
Referenzzeitraum des Ermittlung (Überblick bei Grossfeld., a.a.O., S. 122 ff.).
aa. Die Antragsteller verweisen auf wissenschaftliche Untersuchungen (Stehle,
Renditevergleich, Arbeitspapier Humboidt-Universität, 1999, S. 18: 3,22%; Siegel,
The Shrinking Equity Premium, Journal of Portfolio Management, 1999, 10f.: 1-2%;
Fama/French, The Equity Premium, 412001: 2,02%) und auf verschiedene
gerichtliche Einschätzungen (zusammenfassend bei: SchmittlHörtnagel/Stratz,
UmwG, 3. Auflage 2001, § 5, Rdn. 19: 0,0 bis 1,0%). Sie verweisen darauf, dass bei
einer unterstellten Aktienanlage in DAX-Werten und einer von den
Antragsgegnerinnen angenommenen Aktienrendite von 11% (Basiszins 6%
zuzüglich Marktrisikoprämie 5%) der DAX, der 2004 bei 4.000 gestanden habe, 50
Jahre später bei dem überhaupt nicht vorstellbaren Wert von 738.000 stehen müsse.
Die Antragsteller meinen deshalb, der Ansatz von 5% sei völlig unvertretbar. Die
Marktrisikoprämie könne deshalb allenfalls 2,5% (Antragsteller zu 14.) oder zwischen
0,5 und 1,0% betragen (Antragsteller zu 8/9.).
bb. Die Antragsgegnerinnen entgegnen (zusammengefasst), der Berufsstand der
Wirtschaftsprüfer spreche sich in den - für Wirtschaftsprüfer quasi bindenden -
Verlautbarungen für die Verwendung von Marktrisikoprämien von 4%-6% aus (VVP-
Handbuch, 11. Auflage 1998, Band II_ S. 64); dies sei der im Durchschnitt über viele
Jahre festgestellte Mehrerlös für eine Anlage in Aktien gegenüber einer Anlage in
festverzinslichen Wertpapieren.
cc. Die Rechtsprechung hat früher geringe Marktrisikoprämien angenommen (OLG
Düsseldorf, BB 1988, 1109 und AG 1990, 397: 0,5-1,5%; OLG Hamburg, AG 2003,
585: 2%; OLG Ff/M, AG 2002, 405: 1,5%; BayObLG, AG 1996, 127, 129: 0,6%;,
OLG Düsseldorf, AG 1990, 397, 401: 0,5%; LG Dortmund, AG 1996, 278, 280: 1%).
In jüngerer Zeit werden höhere Werte angenommen bzw. von Obergerichten nicht
beanstandet (BGH NJW 2003, 3272, 3273: 3%; OLG Düsseldorf, NZG 2003,
588,595: 4%; OLG Düsseldorf, AG 2006, 287: 5%; OLG Stuttgart, NZG 2007, 478 =
BeckRS 2007, 05049: 4,5%).
dd. Die Kammer tritt im Grundsatz der Darstellung der Antragsgegnerinnen und den
Gutachtern, auf die sie sich stützt, bei. Die von den Antragstellern zitierten Ansichten
in der Literatur und Entscheidungen und zahlreiche bereits ergangene Urteile
beziehen sich auf solche Untersuchungen, bei denen bereits eine
Risikoeinschätzung bei der Ermittlung des prognostizierten Unternehmenserfolges
erfolgt ist. Das entsprach den bis 2000 geltenden Vorschlägen des
Hauptfachausschusses Unternehmensbewertung (HFA) des Instituts der
Wirtschaftsprüfer (IDW) in dessen Leitlinien (HFA 2/83). Seit Einführung des neuen
Standards 2000 (IDW S 1, WPg 2000, 825f.) sind die Unternehmensrisiken nicht
mehr in der Marktrisikoprämie, sondern bei dem unternehmens-individuellen
Betafaktor zu berücksichtigen (Rn 94). So ist es bei der Beurteilung durch die

28
und geschehen. Auch die Prüfer und haben in der
Verhandlung vom 10.7.07 eindringlich dargestellt, dass die Unternehmensplanung
mit einer prognostizierten Steigerung des Umsatzes sowie auch der Erträge mit
jährlich 3-4 % für 2002-2004 und mit jährlich 5% im Bereich der ewigen Rente
überaus ambitioniert sei. Es leuchtet also ein, dass die Antragsgegnerin und deren
Gutachter der neueren Berechnung des Ertragswertes gefolgt sind und Risiken im
wesentlichen erst auf der Ebene des Kapitalisierungszinssatzes bewertet haben.
Deshalb hält das Geric en herangezogenen Wert für die allgemeine
Marktrisikoprämie vo 5% ür nachvollziehbar und zutreffend.
d. Der Beta - Faktor
Der so gefundene Wert für die allgemeine Marktrisikoprämie wird von der derzeit
überwiegenden Meinung nun, um eine der früheren Kapitalanlage vergleichbare
Investition kalkulatorisch nachzuvollziehen, um einen dem Unternehmen
angepassten Faktor ergänzt werden.
aa. Die Methoden der Beurteilung der Risikostruktur sind streitig. Allen gemeinsam
ist die Erkenntnis, dass bei der Risikoeinschätzung nicht auf die Meinung des
Unternehmens selbst abgestellt werden kann; massgebend sind lediglich
Einschätzungen Dritter. Dabei werden ganz unterschiedliche Kriterien herangezogen,
zum Beispiel veröffentlichte Meinungen von Rating-Agenturen, die Höhe der Zinsen
für die von Banken an die Unternehmen ausgelegten Grosskredite und das Verhalten
des Börsenkurses im Vergleich zu anderen Unternehmen (Überblick bei Grossfeld,
a.a.O., S. 130f.).
Die verbreitetste und auch in den bereits erwähnten Standard der Wirtschaftsprüfer
(I DW S 1, Ziffer 97, 98) aufgenommene Methode ist das Kapitalpreisbildungsmodell
(Capital Asset Pricing Model, CAPM), das auf die sog. Volatilität der Aktie abgestellt,
also auf die Schwankungsbreite des Kursverlaufes: je höher und kurzfristiger die
Kursänderungen im Verhältnis zu anderen Aktien, desto risikoreicher ist die Aktie;
umgekehrt wird eine Aktie als risikoarm eingeschätzt, wenn sie in Relation zu
anderen Aktien wenig im Wert differiert und die Aktienwerte sich nur langsam
verändern (Grossfeld, a.a.O., S. 136). Dieser - Beta-Faktor genannte - Wert soll die
Risikorelation des zu beurteilenden Unternehmens zu dem Durchschnitt anderer
Unternehmen abbilden und wird mit 1 angegeben, wenn das Unternehmen nicht
abweicht, mit >1, wenn es als risikoreicher angesehen wird und <1, wenn es als
risikoärmer betrachtet wird. Die Beta-Werte werden für börsennotierte Unternehmen
regelmässig ermittelt und teilweise auch veröffentlicht.
Der Bewertung durch und liegt ein Betafaktor von 1,0 die zugrunde. Dies
ergibt sich rechnerisch daraus, dass eine allgemeine Marktrisikoprämie von 5%
angenommen und mit dieser auch auf das Unternehmen bezogen gerechnet wird
(Gutachten S. 21). Die diesem Beschluss angehängten Tabellen 1 und 2
zeigen den Rechenweg nachvollziehbar.

29
bb. Die Antragsteller, soweit sie dieses Problem überhaupt ansprechen, meinen, eine
Korrektur durch den Beta-Wert scheide bereits aus grundsätzlichen Erwägungen
aus. Den unternehmerischen Risiken stünden gleichwertige Chancen gegenüber und
es gehe nicht an, den Unternehmenswert an den zukünftigen Risiken zu messen und
die zwangsweise ausscheidenden Aktionäre nicht an den Chancen zu beteiligen. Die
Relativierung durch einen Betafaktor diene nur der Verschleierung des Ziels, den
Unternehmenswert herunter zu rechnen und sei wirtschaftswissenschaftlich
unhaltbar (Antragsteller 8. und 9.).
Wenn überhaupt eine Risikoprognose hier einzurechnen sei, seien bei der Fa. VTG
Lehnkering AG so grosse und aussergewöhnliche Chancen und so wenige ernst zu
nehmende Risiken vorhanden, dass der Faktor wie bei anderen vergleichbaren
Unternehmen auch auf maximal 0,7 (Antragsteller zu 7.), wahrscheinlich noch
geringer (Antragsteller zu 14., 16. und 19.) zu bemessen sei.
cc. Die Antragsgegnerinnen dagegen sind der Auffassung, dass es der Anpassung
der unternehmensspezifischen Merkmale an die allgemeine Marktrisikoprämie
bedürfe. Der Beta-Faktor sei ein standardisiertes Mass für das Risiko eines
Unternehmens und sei Ausfluss der Geschäftstätigkeit, des allgemeinen
Marktumfeldes und der Kostenstruktur des Unternehmens; es spiegele auch die
Auswirkung der Fremdfinanzierung auf das Risiko der Eigenkapitalgeber wider. Auf
den für die Fa. VTG Lehnkering AG tatsächlich festgestellten Wert könne es jedoch
nicht ankommen, weil der Bildung des Börsenkurses zu wenige Transaktionen
zugrunde gelegen hätten; in den drei Monaten vor dem 30.10.02 seien nur 10.000
von 20.900.000 Aktien an der Düsseldorfer Börse verkauft worden. Deshalb habe
die Beta-Werte vergleichbarer Unternehmen (anderer deutsche Logistik-
Unternehmen) herangezogen (Logidexx-Index der HypoVereinsbank, vgl.
Antragserwiderung S. 15). Insgesamt habe sich ein in allem durchschnittliches
Risikopotential ergeben, weshalb der Betafaktor bei 1,0 zutreffend angenommen
worden sei.
dd. Das Gericht folgt den Antragsgegnerinnen darin, dass der bei der
Barwertermittlung herangezogene Kapitalisierungszins möglichst genau auf die
zukünftige Risikoerwartung des konkreten Unternehmens abstellen sollte und hält es
daher im Grundsatz für zutreffend, dass die allgemeine Risikoprämie um einen
unternehmensbezogenen Faktor korrigiert wird (ebenso neuerdings ausführlich OLG
Stuttgart, NZG 2007, 478). Nicht überzeugend ist allerdings, bei der Bestimmung der
konkreten Risiken lediglich auf die Volatilität der Aktien abzustellen. Die Behauptung,
börsliche Kursschwankungen seien Ausdruck sich ändernder Risikoeinschätzungen,
ist nicht völlig überzeugend; massgebend dürften vielmehr in erster Linie sich
ändernde Renditeerwartungen sein, die aber mit der Frage, wie risikobehaftet die
Aktienanlage auf Dauer ist, nicht viel zu tun hat. Abzustellen ist daher neben der
Volatilität auch auf andere, die Risikostruktur beschreibende Faktoren.
Das Gericht folgt den Antragsgegnerinnen, der Unternehmensgutachterin und der
Prüferin auch darin, dass die tatsächlichen Beta-Faktoren der Fa. VTG Lehnkering
AG wegen des sehr geringen Handelsvolumens keinen verlässlichen Anhalt für die
Bewertung abgeben können. Nicht zu folgen vermag das Gericht den
Antragsgegnerinnen aber in ihrem Versuch, den massgeblichen Beta-Wert aufgrund

30
von Werten für andere Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen zu ermitteln. Die
Antragsgegnerin stützt sich hierbei auf Daten der von der das Gericht
weiss, dass sie die Ermittlung der Daten für ein Geschäftsgeheimnis hält und nicht
preisgibt, so dass es sich jeder Nachprüfung entzieht. Die herangezogenen
Unternehmen der Logidexx-Unternehmen erscheinen nicht vergleichbar, weil sie
überwiegend nicht das Geschäft der Vermietung von Eisenbahntankwagen und
Tankschiffen betreiben. Auf das Aktienverhalten der Chemiebranche kann es
ebensowenig ankommen, weil sich die Preisbildung für die Chemielogistik sich
regelmässig nicht nach den Renditen der Chemieunternehmen, sondern nach deren
Umsätzen, also dem Logistikbedarf richtet.
Das Gericht sieht sich nicht in der Lage, diese Frage für den konkreten Fall aufgrund
eindeutig nachprüfbarer Tatsachen und Ableitungen zu entscheiden. Die weitere
Aufklärung erscheint ebenfalls nicht möglich. Insbesondere ist keine Möglichkeit
ersichtlich, durch Einholung weitere Gutachten oder empirischer Untersuchungen
Klarheit zu gewinnen, weil alle herangezogenen Methoden zu viele wertende
Elemente enthalten: Deshalb muss das Gericht selbst eine wertende Betrachtung
und eine Schätzung vornehmen (§ 287 ZPO, BayObLG, AG 2006, 1324, 1325).
Hierbei erscheint der auf das CAPM zurück gehende Ansatz, eine durchschnittliche
Risikoerwartung mit 1 zu definieren, geringere Risiken mit geringeren Werten bis zu
0 (für eine gänzlich risikolose Anlage) und höhere Risiken mit höheren Werten
abzubilden, ein gangbarer Weg. Bei der Abwägung fallen insbesondere folgende
Argumente ins Gewicht:
Die Antragsteller heben zu Recht hervor, dass das Produktrisiko der Fa. VTG
Lehnkering (Gefahr, dass das Produkt in der Zukunft nicht mehr am Markt benötigt
wird oder vermehrt von anderen Marktteilnehmern angeboten wird) insbesondere in
ihrem Kerngeschäft der Tanklagerei und des Transports von Flüssigkeiten gering
war. Andere Gewerbe, insbesondere die produzierenden Gewerbe, können viel
leichter ins Ausland verlegt werden oder Standortvorteile an anderer Stelle nutzen.
Die Neueinrichtung von Tanklagern ist wegen zahlreicher behördlicher Auflagen und
eines regelmässig jahrelangen Genehmigungsprozesses in Deutschland sehr
schwierig geworden, weshalb die bereits bestehenden Einrichtungen als werthaltiger
angesehen werden müssen als andere normale Industrieanlagen. Die
Neubeschaffung der Spezialtransporter (Tanklaster, Binnenschiffe etc.), über die die
VTG Lehnkering verfügte, ist wegen des engen Marktes aufwendig und überaus
teuer. Schliesslich legt die eindrucksvoll dar, dass der Geschäftsbereich dieses
Anbieters stark oligopolisiert sei, was einträglichere Renditen eher begünstigt.
Das Gericht schätzt unter Abwägung dieser und aller aneere, hier nicht im
einzelnen geschilderten Umstände den Beta-Faktor aufs .8.
e. Die Steuern
Aus den vorstehenden Ausführung ergibt sich nach Addition des Basiszinses mit
dem um der Beta-Faktor veränderten allgemeinen Marktrisikoprämie ein Zinssatz von
9,5 %.

31
Hierbei handelt es sich um einen Brutto-Zinssatz. Er berücksichtigt also noch nicht,
welche Steuern derjenige zu zahlen hat, dessen Aktienanlage eine solche Rendite
erbringt. Der Aktionär, dessen Aktien der Hauptaktionär zwangsweise aufkauft, muss
aber, bevor er den Erlös wieder anlegt, hierauf seine persönlichen Steuern
entrichten, so dass er im Ergebnis in Höhe der Steuern keine zukünftigen Erträge
-hat. Um dies zu vermeiden, muss die Steuer dem Abfindungsbetrag hinzugerechnet
werden.
Dies geschieht nach überwiegender Meinung (vgl. die Darstellung zu oben III. 3. c.
dd. ddd.) dadurch, dass der Bruttozinssatz um den persönlichen Steuersatz ermässigt
wird; dadurch erhöht sich - weil sich der Abzinsungsfaktor verringert - die
Gesamtsumme des zu zahlenden Barwerts der zukünftigen Überschüsse, und zwar
genau um das Mass der jeweils zukünftig zu zahlenden Steuern.
Die Höhe der Ertragssteuern der Aktionäre ist natürlich höchst verschieden, je
nachdem, ob es sich um Kapitalgesellschaften oder um private Anleger handelt (vgl.
oben). Da es aber nicht um den konkreten Aktionär geht, sondern um eine
durchschnittlich für alle gleiche Ste g erla , erscheint es gerechtfertigt von einer
typisierten Einkommenssteuer voh 35% uszuoehen.
f. Der Wachstumsabschlag
Es ist bereits dargestellt worden, dass der Barwert der noch durchgeplanten
zukünftigen Perioden unter Einschluss der Steigerung der Erlöse infolge der zu
erwartenden Inflation errechnet wird.
aa. Es ist bereits dargestellt worden, dass bei dem Barwert der danach folgenden
Perioden ("ewige Rente") wird mit dem Nominalwert gerechnet wird und dass die
Folgen der inflationären Geldentwertung noch zu berücksichtigen sind. Wenn und
soweit zukünftig mit steigenden Überschüssen zu rechnen ist, muss die Abzinsung
weniger stark ausfallen. Die Abweichung wird durch einen sog. Wachstumsabschlag
aufgefangen, mit welchem der Barwert der ewigen Rente letztlich erhöht wird (zu
allem vgl. Grossfeld, a.a.O., S. 107 ff., ausführlich OLG Stuttgart NZG 2007, 478
BeckRS 2007, 05049 ; OLG Stuttgart, NZG 2007, 112, 118). Es ist also ein Abschlag
von dem Zinsfaktor vorzunehmen in dem Mass, wie es dem Unternehmen mutmasslich
gelingt, inflationsbedingte Kostensteigerungen wertgleich an seine Abnehmer weiter
zu geben (OLG Düsseldorf, NZG 2003, 588, 595) und wie weit darüber hinaus eine
stetige Geschäftsausweitung zu erwarten ist.
bb. Die Antragsteller prognostizieren, dass die VTG Lehnkering AG in Zukunft (also
nach dem 30.10.02) jederzeit in der Lage sein werde, inflationsbedingte
Kostensteigerungen über höhere Preise wieder zu verdienen. Ausserdem seien ihr
hervorragende Wachstumschancen eröffnet. Der Wachstumsabschlag müsse
deshalb wenigstens 1,5% (Antragsteller zu 8.19.: 2%) betragen. Die Annahme eines
Wachstumsabschlages von nur 0,5% sei nichts anderes als die Prognose, das
Unternehmen werde langfristig deutlich schrumpfen.

32
cc. Die Antragsgegnerinnen dagegen meinen, die Gewinnentwicklung im
Logistikmarkt sei zur massgeblichen Zeit verhalten eingeschätzt worden; die Fa. VTG
Lehnkering AG habe in den Jahren vor 2002 kein wesentliches Wachstum gezeigt.
Kosten könnten nicht in vollem Umfang weiter gegeben werden. Deshalb sei die
Bemessung des Wachstumsabschlages durch auf 0,5 % zutreffend und auch
von für angemessen erachtet worden.
dd. Die Kammer hat anhand der Mitteilungen der Beteiligten erneut die Überzeugung
gewonnen, dass es eindeutige Lösungen dieser Frage nicht gibt und zuverlässigere
Erkenntnisse über die zukünftig mögliche Kostenüberwälzungsguote der VTG
Lehnkering AG (jetzt GmbH) nicht geben wird. Es bedarf daher der bewertenden
Schätzung nach § 287 ZPO.
Hierbei fällt insbesondere ins Gewicht, dass die Fa. VTG Lehnkering AG
offensichtlich insgesamt in der Vergangenheit in der Lage war, auch bei höheren
Inflationsraten die dadurch bewirkten Kostensteigerungen stets zu überwälzen. Es
haben sich in den Jahren nach 1990, wenn man den Einfluss durch Zukäufe weiterer
Unternehmensteile nicht ausscheidet, Steigerungsraten von 8,1% ergeben. Die
Prüfer haben in der mündlichen Verhandlung keine Umstände dargestellt, dass es in
dem Markt, in welchem das Unternehmen tätig sei, in der Zukunft zu einem
Preisdruck kommen werde, der die Weitergabe aller inflationsbedingten
Preiserhöhungen nicht zulassen werde. Vielmehr haben sie zu Recht auf die
oligopolisierte Struktur dieses speziellen Logistik-Teilmarktes hingewiesen und
deutlich gemacht, dass die VTG Lehnkering AG zumal nach der Übernahme der
Betriebsführung der Fa. Brambles zu dem wesentlichen Anbieter in Europa
aufgestiegen sei. Von den Faktoren, die die allgemeine Teuerungsrate zukünftig
massgeblich beeinflussen werden (weltweite Steigerung Rohstoffpreise etc.) ist die
Fa. VTG Lehnkering AG weniger abhängig als das produzierende Gewerbe. Die
Gutachter der Antragsgegnerin und die Prüfer gehen für die Planjahre 2002 bis 2004
in allen Geschäftsbereichen - auch inflationsbereinigt - von einer deutlichen
Steigerung der Umsätze aus.
Deshalb erscheint die eahrle eines Wachstumsabschlages für alle
Geschäftsbereiche von UVangemessen.
5. Die Berechnung der Diskontierung
Die Berechnung der Diskontierung erfolgt nach den hierfür allgemein gebräuchlichen
Abzinsungsformeln (Grossfeld, a.a.O., S. 100f.). Sie sind den beigefügten Tabellen
hinterlegt.
6. Die plausibilisierende Bewertung des Ergebnisses
Im Ergebnis ergibt sich so mittels des Ertragswertverfahrens ein Barwert der VTG
Lehnkering AG, ihrer Beteiligungen und sonstiger Werte von Euro 356,157.048.-. Bei
insgesamt 20.900.000 Aktien ergibt das einen Wert von Euro 17,04 pro Aktie. Die
Einzelheiten der Berechnung ergeben sich aus den diesem Beschluss als Anlage
beigefügten Tabellen.

33
a. Von Seiten der Antragsteller wird darauf hingewiesen, dass sich ein Anhaltspunkt
für die Wertbemessung auch daraus ergebe, dass nur wenige Monate vor dem hier
zu beurteilenden Stichtag von der Fa. Alstertor Logistik und der Fa. Hapag-Lloyd AG
der Wagenpark der Fa. Brambies für ca. 360.000.000.- gekauft worden sei, der in
etwa gleich gross wie der der Fa. VTG Lehnkering gewesen sei.
Das mag zutreffen, hat aber im vorliegenden Fall nicht mehr als eine indizielle
Bedeutung. Es ist darauf hinzuweisen, dass der vom Gericht angenommene Wert
sich in dieser Grössenordnung bewegt.
b. Nach Durchführung der hier zu beurteilenden Strukturmassnahme hat die
Antragsgegnerin zu 2. das frühere Unternehmen der Antragsgegnerin zu 1. verkauft.
Für den Unternehmensbereich Bulk- und Speziallogistik (sog. UB II) sollen nach der
Darstellung der Antragsteller durch Verkauf im Jahre 2003 ausweislich des
Geschäftsberichts 2004 (BI. 865f. der Akte) Euro 129.051.000.- erzielt worden sein, für
den Geschäftsbereich Schienen- und Tankcontainerlogistik (sog. UB I) behaupten
die Antragsteller unter Bezugnahme auf Pressemitteilungen für Mitte 2005 einen
Erlös von mehr als Euro 600.000.000.-..
Die Antragsgegnerinnen haben hierzu auch nach Erörterung in der mündlichen
Verhandlung darauf hingewiesen, dass der Verkauf zum Zeitpunkt des
Bewertungsstichtages noch in keiner Weise geplant gewesen und deshalb auch nicht
in der Wurzel angelegt gewesen sei ("Wurzeltheorie", BGH NJW 1973, 509,511; OLG
Hamburg, AG 2001, 479, 480). Ausserdem sei insgesamt nur ein Erlös von Euro
258.000.000.- erzielt worden.
c. Die Rechtsansicht der Antragsgegnerinnen geht am Kern des Problems vorbei. Es
geht nicht um bereits geplante oder eingeleitete unternehmerische Massnahmen im
konkreten Unternehmen, sondern um den Marktwert, für den selbstverständlich der
konkrete Verkauf ein gewichtiges Indiz ist. Allein der zeitliche Abstand zwischen dem
Bewertungsstichtag und dem Datum des Verkaufs und die zwischenzeitlich erfolgten
Änderungen im Unternehmen und in der Wertschätzung durch den Markt sind
Gründe, die die Bedeutung des tatsächlichen Verkaufspreises relativieren können.
Eine rechtliche Handhabe, den tatsächlichen Verkaufspreis zu ermitteln, hat das
Gericht nicht, weil es sich um Tatsachen handelt, über die nach der glaubhaften
Darstellung der Antragsgegnerinnen in den Verträgen Stillschweigen vereinbart
worden ist und weil die Vorgänge so lange nach dem Stichtag liegen, dass die
Antragsgegnerinnen nicht zur Offenbarung verpflichtet sind. Es ist überdies nach den
Umständen anzunehmen, dass in der Zeit bis zum Verkauf im Unternehmen
tiefgreifende Veränderungen vorgekommen sind (Entschuldungen, Finanzbeihilfen,
Änderung der Strategien oder der Personalstruktur o.ä.) und in den Verträgen wie
üblich umfangreiche Begleitregelungen getroffen wurden (Garantien für Altlasten in
Tanklagern, evt. Besserungsvereinbarungen etc.), die den Verkaufswert
nennenswert zu beeinflussen geeignet waren.

34
Aus diesen Gründen sieht das Gericht davon ab, diesen Punkt weiter aufzuklären.
Immerhin ist zu berücksichtigen, dass der vom Gericht angenommene Ertragswert
mit Euro 356.157.048.- bereits deutlich über dem der bisherigen Abfindung zugrunde
liegenden Wert liegt.
c. Den Hinweis der Antragsgegnerinnen, ein gewichtiges Indiz sei auch die hohe
Zahl von Aktienkäufen durch die Antragsgegnerin im Rahmen des vorauf gehenden
öffentlichen Kaufangebots, in dessen Rahmen ebenfalls nur Euro 13,16 pro Aktie
geboten worden waren, hält die Kammer für kein tragfähiges Argument. Auch hier
werden nicht gleiche Bewertungszeitpunkte verglichen und sind die Gründe für die -
offenbar tranchenförmigen - Käufe im Dunklen.
D. Die Begründung der Nebenforderung - Die Verzinsung
Die Anordnung über die Verzinsung folgt aus § 327b II AktG.
Sie hat bereits in diesem Beschluss zu erfolgen, obwohl dieser noch keinen
Vollstreckungstitel darstellt und der Aktionär seine aus diesem Beschluss folgenden
Ansprüche bei nicht freiwilliger Zahlung erst vor dem ordentlichen Gericht einklagen
müsste (MüKoAktG-Volhard, § 11 SpruchG Rdn. 3,4 mwN). Denn Gegenstand dieser
Entscheidung ist die vollständige Beurteilung der Angemessenheit der Barabfindung,
die ohne ihre Begleitumstände, also insbesondere deren Fälligkeit und Verzinsung,
nicht vollständig geschehen könnte (a.A. offenbar OLG Hamburg, DB 2002, 521ff mit
der Bemerkung, der Zinsausspruch habe nur deklararatorischen Charakter).
Nach § 327b II AktG ist die Barabfindung mit jährlich 2% über dem jeweiligen
Basiszinssatz nach § 247 BGB zu verzinsen. Dies ist eine missverständliche
Formulierung. Gemeint ist nicht, dass die Verzinsung z.B. bei einem Basiszinssatz
von 4% der Höhe nach 4,08 % (also 2% höher) betrage, sondern dass dem
Basiszinssatz 2 Prozentpunkte hinzugerechnet werden, die Verzinsung in diesem
Fall also 6% p.A. beträgt, wie es § 288 I BGB auch deutlich ausspricht.
Die Verzinsung beginnt nach § 327b II AktG mit der Bekanntmachung der Eintragung
in das Handelsregister. Die Eintragung in die Handelsregister erfolgte am 4.12.02.
Die Bekanntmachung erfolgte am 11. und 12.12.02 im Bundesanzeiger und vom
11.12. bis zum 18.12.02 in vier Zeitungen. Abzustellen ist auf die letzte notwendige
Eintragung, denn erst die Bekanntmachung in allen notwendigen Blättern hat die
Bekanntmachung zur Folge, § 10 II HGB.
Hiergegen wird gelegentlich eingewandt, die Verzinsung müsse nicht erst ab der
Bekanntmachung der Aktienübertragung, sondern bereits ab dem
Übertragungsbeschluss erfolgen. § 327b II AktG verlange eine Abfindung, die "die
Verhältnisse der Gesellschaft zum Zeitpunkt der Beschlussfassung ihrer
Hauptversammlung berücksichtige". Werde diese Abfindung erst später gezahlt,
laufe dies auf die Gewährung eines zinslosen Darlehens durch die
Minderheitsaktionäre hinaus, die aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht
hingenommen werden könne.

35
Dem folgt das Gericht nicht. Die gesetzliche Regelung ist eindeutig. Das
Verfassungsrecht gebietet nicht, die Regelung ganz oder teilweise für unwirksam zu
halten oder gegen sie zu entscheiden. Zwar kann von der Beschlussfassung bis zur
tatsächlichen Übertragung durchaus (z.B. wegen der Anhängigkeit einer
Anfechtungsklage und/oder einem Streit über die Eintragungspflicht mit dem
Registergericht) eine längere Zeit vergehen, in welchem die Aktionäre weder an einer
Kurssteigerung der Aktie teilnehmen noch eine Verzinsung erhalten. Sie sind aber in
diesem Zeitraum noch berechtigt, Dividende zu beziehen; die Gewährung einer
Verzinsung würde auf eine doppelte Nutzungsziehung hinauslaufen. Wird in diesem
Zeitraum keine Dividendenzahlung fällig und beruht die Verzögerung der Eintragung
auf Umständen, die der Hauptaktionär zu vertreten hat, kommen
Schadensersatzansprüche nach den §§ 280 f. BGB in Betracht (MüKoAktG-
Grunewald, § 327b Rdn. 12). Dass der Gesetzgeber für den Fall, dass der
Hauptaktionär die verzögerte Eintragung nicht zu vertreten hat und auf spätere
Kursänderungen keine Rücksicht mehr genommen wird, keine Anpassung der
Abfindung oder eine Verzinsung angeordnet hat, erscheint bei Abwägung der
beiderseitigen Eigentumsgewährleistungen des Art. 14 GG nicht zu beanstanden
(BVerfG, Beschluss vom 30.5.07, Az. 1 11/R 390/04, BB 2007, 1515 = WM 2007,
1329; OLG Düsseldorf, AG 2004, 212; OLG Stuttgart, NZG 2004, 146; OLG
Hamburg, NZG 2003, 978 und NZG 2005, 86; OLG Köln, BB 2003, 2307).
E. Die Gründe für die Nebenentscheidungen
1. Anwendbares Recht
Bei der Kostenentscheidung ist das vor Inkrafttreten des SpruchG geltende Recht
anzuwenden (§ 17 II SpruchG). Für die Kosten des Verfahrens galt zuvor § 327f II s.
3 a.F. AktG, wonach für das Verfahren und für die Kosten des Verfahrens § 306 a.F.
AktG sinngemäss Anwendung finden sollte.
2. Die Gerichtskosten
Hinsichtlich der Gerichtskosten gilt § 306 VII S. 7 a.F. AktG. Hiernach sind
Kostenschuldner "die Vertragsteile des Unternehmensvertrages". Jedoch kann das
Gericht die Kosten ganz oder zum Teil einem anderen Beteiligten auferlegen, wenn
dies der Billigkeit entspricht.
Bei nach § 327f. II S. 3 a.F. AktG sinngemässer Anwendung ist die Kostenschuldnerin
die Hauptaktionärin, die - ähnlich wie die Vertragsteile bei einem
Unternehmensvertrag - das Abfindungsverfahren veranlasst hat. Das betroffene
Unternehmen (hier: die Antragsgegnerin zu 1.) dagegen hat das Verfahren nicht
veranlasst. Gründe, ihm die Gerichtskosten ganz oder teilweise aufzuerlegen, sieht
das Gericht nicht.
Angesichts des Umstandes, dass die Antragsteller obsiegt haben, erscheint es auch
nicht billig, die Gerichtskosten den Antragstellern aufzuerlegen. Dies gilt auch unter
Berücksichtigung des Umstandes, dass sie keinen bezifferten Antrag gestellt haben
und sich aus ihrem Vorbringen ergibt, dass sie eine noch höhere Abfindung für

36
angemessen gehalten haben und deshalb auch der weitergehende Antrag
zurückgewiesen wird. Denn veranlasst hat das Verfahren die Antragsgegnerin zu 2.
und sie allein verfügte über die Informationen, aus denen sich die
Unternehmenswerte ergaben; teilweise hat sie die Annahmen erst im Verfahren
näher erläutert.
Es bleibt daher bei der Verpflichtung der Antragsgegnerin zu 2., die Gerichtskosten
allein zu tragen. Den Antragsteller zu 3., dessen Antrag als unzulässig
zurückgewiesen wird, an den Gerichtskosten anteilig zu beteiligen, erscheint schon
zur Vermeidung unnötiger Arbeit nicht billig.
3. Die aussergerichtlichen Kosten
Hinsichtlich der aussergerichtlichen Kosten im Grundsatz dasselbe. Auch hier sieht
der Verweis in § 327f a.F. AktG auf § 306 a.F. AktG und dort speziell § 306 VII S. 7
AktG vor, dass die Kosten im Grundsatz die Antragsgegnerin zu 2. zu tragen hat, es
sei denn, eine Heranziehung anderer Beteiligter entspräche der Billigkeit.
a. Hinsichtlich der der Antragsgegnerin zu 2. entstandenen aussergerichtlichen
Kosten entspricht es im vorliegenden Fall nicht der Billigkeit, sie einem anderen
Beteiligten aufzuerlegen. Denn die Anträge der Antragsteller haben Erfolg. Es wird
entsprechend ihren Anträgen eine Erhöhung der Abfindung angeordnet. Da es weder
ihre Aufgabe ist noch sie die Möglichkeit haben, den Betrag zu errechnen und sie
auch den Betrag der Erhöhung nicht genannt haben, kann auch nicht von einem
anteiligen Obsiegen bzw. Unterliegen gesprochen werden, auch wenn aus formalen
Gründen, um den Rechtsstreit vollständig zu entscheiden, der weitergehende Antrag
der Antragsteller zurückzuweisen war.
b. Dagegen entspricht es aus den bereits genannten Gründen der Billigkeit, die
aussergerichtlichen Kosten der Antragsteller der Antragsgegnerin aufzuerlegen. Das
gilt nur nicht für den Antragsteller zu 3, dessen Antrag als unzulässig zurückzuweisen
war.
c. Hinsichtlich der aussergerichtlichen Kosten der Antragsgegnerin zu 1., also des
betroffenen Unternehmens, muss das Gericht für diesen Fall von der Auffassung des
HansOLG ausgehen, dass die Anträge gegen die Antragsgegnerin zu 1. insoweit
unzulässig sind. Deshalb erscheint es jedenfalls nicht billig, dass diese
Antragsgegnerin ihre aussergerichtlichen Kosten selbst trägt; es kommt nur die
Belastung der Antragsteller oder der Antragsgegnerin zu 2. in Betracht. Eine
Belastung der Antragsteller erscheint nicht billig, weil sie nach dem damaligen Stand
der Literatur und Rechtsprechung nicht wissen konnten, gegen welche der
Antragsgegnerinnen der Antrag zulässigerweise gerichtet werden musste. Billig
erscheint nur eine Belastung der Antragsgegnerin zu 2., die das Verfahren überhaupt
und mit der für die Antragsteller zu geringen Abfindung veranlasst hat.
4. Die Kosten des gemeinsamen Vertreters
Die Verpflichtung der Antragsgegnerin zu 2., die Kosten des gemeinsamen Vertreters
zu tragen, ergibt sich aus § 306 IV S. 6 a.F. AktG. Nach § 306 IV S. 7 a.F. AktG setzt

37
das Gericht den Ersatz der baren Auslagen und die Vergütung fest. Dies wird nach
einem entsprechenden Vorschlag des gemeinsamen Vertreters ggf. gesondert
erfolgen.
VII. Die Entscheidung über den Gegenstandswert und die Geschäftswerte
1. Der gerichtliche Geschäftswert ist gemäss § 306 VII S.6 a.F. AktG und § 30 1 KostO
nach billigem Ermessen zu bestimmen; die Grenzen des § 15 II SpruchG sind nicht
anwendbar, weil dieses Gesetz erst am 1.9.03 in Kraft trat. Bei der Ausübung dieses
Ermessens lässt sich die Kammer von dem Betrag leiten, der sich als Gesamtbetrag
der Zuzahlung ergibt (OLG Düsseldorf, NZG 2004, S. 429, Anmerkung der
Schriftleitung m.w.N.; Lutter-Krieger, UmwG, § 312 Rdn. 4; Kallrneyer-
Meister/Klöcker, UmwG, 2. Auflage, § 312 Rdn. 20 m.w.N.; Lutter-Krieger, UmwG
(1996), § 312, Rdn. 6), weil die Vermeidung dieser Zuzahlung das Interesse der
Antragsgegnerin widerspiegelt. Die Zuzahlung errechnet sich aus der Differenz
zwischen der neuen und der alten Abfindungshöhe (Euro 17,04 abzüglich Euro 13,16 = Euro
3,88) und der Anzahl der aussenstehenden Aktien zum Zeitpunkt der Massnahme
(459.201) mit Euro 1.781.699,88.
2. Der für die Berechnung der aussergerichtlichen Kosten (insbesondere die
Rechtsanwaltskosten) erforderliche Gegenstandswert für jeden Antragsteller ist
ebenfalls nach billigem Ermessen nach § 30 I KostO zu bestimmen. Die zum
früheren Recht überwiegende Auffassung sieht vor, dass der Geschäftswert sich
durch Multiplikation des Erhöhungsbetrages für jede Aktie mit der Anzahl der von
dem betreffenden Antragsteller gehaltenen Aktien ergibt (Lutter-Krieger, UmwG
(1996), § 312, Rdn. 7 mwN.; dagegen und für eine Übernahme des Wertes der
Gerichtskosten: Landgerichts Hamburg, Kammer 14 für Handelssachen AG 1994,
332). Dieser Auffassung schliesst sich das Gericht im Grundsatz an. Dies führt aber
für Prozessbevollmächtigte von Antragstellern, die nur wenige Aktien besitzen, dazu,
dass sie zu ganz geringen Gebühren tätig werden müssten. Im vorliegenden
Verfahren z.B. liegen etliche Aktienbesitznachweise nur für 1 Aktie vor, so dass die
auf diese Aktionäre entfallenden baren Zuzahlungen nur wenige Euro betragen. Das
ist keine billig erscheinende Lösung. Die Kammer hält es im Rahmen ihres billigen
Ermessens für angebracht, insoweit die Neuregelung aus § 31 14 RVG (jedenfalls
ein Mindestgegenstandswert von Euro 5.000.-) auch auf diese Aktionäre anzuwenden.
Danach ergeben sich die Geschäftswerte für folgende Antragsteller konkret
Antragsteller 4. (16729 Aktien) Euro 64.925,37
Antragstellerin 8. ( 2000 Aktien) Euro 7.762,01
Antragsteller 9. ( 2000 Aktien) Euro 7.762,01
Antragsteller 10. ( 2500 Aktien) Euro 9.702,52
Antragsteller 17, ( 1500 Aktien) Euro 5.821,51
Antragstellerin 21. ( 1350 Aktien) Euro 5.239,36
und für alle übrigen Antragsteller mit je Euro 5.000,00.
3. Der für die Gebühren des gemeinsamen Vertreters massgebliche Geschäftswert ist
nach der Anzahl der Aktien zu bestimmen, die aus seiner Sicht von ihm vertreten
werden können. Es gab 459.201 aussenstehende Aktien. Die Antragsteller haben in
diesem Verfahren den Besitz von 29.941 Aktien nachgewiesen. Der gemeinsame

https://www.handelsregister.de/
rp_web/documents-hb.do
https://www.handelsregister.de/
rp_web/documents-hb.do

Landgericht Hamburg
417 0 162/02 Spruchverfahren VTG Lehnkering
Tabelle 1: Wertberechnung der Antragsgegnerin
1. Allgemeine Parameter
Datum Bewertung vor Stichtag 31.12.2001
Datum Stichtag 30.10.02
Tage dazwischen 273
Tage gesamt im Jahr (Schaltjahr!) 365
Erstes Jahr der Berechnung: 2002
Gewerbeertragssteuersatz
Persönlicher Einkommenssteuersatz 35,000%
._
Halber pers. Einkommenssteuersatz 17,500%
II. Kpitalisierungszins
Jahr 1999/2000 RGJ 2000 RGJx4 2.001 2.002 2.003 2.004 2.005
allg Marktrisikoprämie für nicht festverz'l Anlagen 5,00 5,00 5,00 5,00
untern'bezog Abweichung (Betafaktor) 1,00 1,00 1,00 1,00
ergibt: untern'bezog Marktrisikoprämie 5,00 5,00 5,00 5,00
(Basis)-Zins für festverzinsliche Anlagen 6,00 6,00 6,00 6,00
Su Basiszins ÷ unternbez. MarktrisPrämie 11,00 11,00 11,00 11,00
J.typisierte EinkSteuer -3,85 -3,85 -3,85 -3,85
ergibt Kapitalanl'zs nach pers. Steuern 7,15 7,15 - 7,15 7,15
abzüglich Inflationsabschlag -0,50
ergibt Kapitalisierungszinssatz 7,15 7,15 7,15 6,65
III, Unternehmensergebnisse
Jahr 1999/2000 RGJ 2000 RGJx4 2.001 2.002 2.003 2.004 1 2.005
Umsatzerlöse Schienen-!Tanklager! 322.000 91.000 364.000 380.000 393.700 409.100 419.600 421.700,
Umsatzerlöse Bulk-/Spezial ogistik 566.000 135.000 540.000 554.000 530.400 549.800 566.700 569.500
Umsatzerlöte Sonstige 57.000 13.000 52.000 4.000 2.300 8.500 7.800 7.900
Umsatzerlöse Summe 945.006 239.000 956.000 938.000 926.400 967.400 994.100 999.100
Materialaufwand -576.000- -146.000 -584.000 -602.000 -587.300 -610.600 -628.800 -631.800
Personalaufwand -167.000 -40.000 -160.000 -141.000 -145.200 -150.800 -152.800 -153.300
Abschreibungen -76.000 -18.000 -72.000 -59.000 -58.500 -61.100 -60.000 -60.200
Übrige Erträge bzw. Aufwendungen -120.000 -21.000 -84.000 -91.000 -99.500 -100.100 -100.800 -100.000
Operatives Jahresergebnis 6.000 14.000 56.000 45.000 35.900 44.800 51.700 53.800
Finanzergebnis -14.000 -6.000 -24.000 -15.000 -14.400 -15.200 -15.400 -15.600
Ertragssteuern 3.000 1.000 4.000 -12.000 -7.800 -10.900 -13.500 -14.200
Jahresüberschuss -5.000 9.000 36.000 18.000 13.700 18.700 22.800 24.000
Anteile Dritter -6.000 -2.000 -8.000 -1.000 -1.000 -1_100 -1.000 -1.100
Jahresergebnis -11.000 7.000 28.000 17,000 12.700 17.600 21.800 22.900
abzüglich typisierte Einkommenssteuer -2.223 -3.080 -3.815 -4.008
Nettoausschüttung
..
10.478 14.520 17.985 18.893
111. Errechnung des Barwerts per 28.12.04
Jahr 1999/2000 RGJ 2000 RGJx4 2.001 2.002 2.003 2.004 2.005
Kapitalisierungszinssatz 7,15000 7,15000 7,15000 6,65000
Jahreskennzahl 1,00000 2,00000 3,00000 3,00000
Aufzinsungswert für die anteilige Periode -0,25205 -0,25205 -0,25205 -0,25205
Aufzinsungsfaktor 0,74795 1,74795 '2,74795 2,74795
Barwertfaktor 0,94966 0,88629 0,82715 12,59921
Barwert 9.950,05 12.868,92 14:876,25 238.030,65
IV. Ergebnis für das Abfindungsangebot
kumulierter Barwert per 30.10.02 275.725.863
Sonderwerte nicht betriebsnotwendiges Vermögen 0,00
Unternehmenswert per30.10.02 275.725.863
Anzahl der Aktien 20.900.000
Wert pro Aktie lt Gutachten 13,19