W.E.T. Automotive Systems - 2015-12-21 - LG-Beschluss - Squeeze-out

Landgericht München 1
Az. 5HK 0 24402/13
ve 1.12.2015
Justi-ange ellte
Urkundsbeamtin der Ge-
schäftsstelle
In dem Spruchverfahren
1) Jaeckel Jürgen, Osterbühlstrasse 7, 93158 Teublitz
- Antragsteller -
2) Jaeekel Peter, Augustenstrasse 40, 93133 Burglengenfeld
- Antragsteller -
3) Jaeckel Markus, Spilhofstrasse 58, 81927 München
- Antragsteller -
4) Vogel Evelyne, Rennweg 26, 93049 Regensburg
- Antragstellerin -
5) Jaeckel Ursula, Osterbühlstrasse 7,93158 Teublitz
- Antragstellerin -
6) Neugebauer
Olaf, 3-4, 9/F, Block B, 15 Hing Yip Street Kwun Tong, Hong Kong,
China
- Antragsteller -
7) Kalbitzer Lars, Semmelweisstrasse 16, 51016 Köln
- Antragsteller -
8) Dr. Hillmann Robert, Silcherstrasse 34, 97074 Würzburg
- Antragsteller -
9) Verbraucherzentrale für Kapitalanleger e.V.,
vertreten durch den Vorstand Dr.
Martin Weimann, Hiddenseer Strasse 9, 10437 Berlin
- Antragsteller -
10)AAM-Atlantic Asset Management Inc.,
22006 Douglas Blvd., Suite 10, 95661
Roseville California, Vereinigte Staaten von Amerika
- Antragstellerin -

Verfahrensbevollmächtigter zu 50 und 51:
Rechtsanwalt Klauke Ulrich, Brandisstrasse 48, 44265 Dortmund
Verfahrensbevollmächtigte zu 52:
Rechtsanwälte Conzelmann, Lichtentaler Strasse 3, 76530 Baden-Baden
Verfahrensbevollmächtigter zu 62 und 63:
Rechtsanwalt Spruth Rouven, Richterstrasse 2, 22085 Hamburg
Verfahrensbevollmächtigte zu 64:
Rechtsanwälte Dreier & Riedel, Graf-Adolf-Platz 1 - 2, 40213 Düsseldorf
Verfahrensbevollmächtigte zu 65:
Rechtsanwälte Lister Anwälte am Moltkeplatz, Gabelsbergerstrasse 7, 30163 Han-
nover
Verfahrensbevollmächtigter zu 66:
Rechtsanwalt Zilkens Johannes, Eupener Strasse 70, 50933 Köln
Verfahrensbevollmächtigter zu 67:
Rechtsanwalt Hoffmann Horst, Krebsgasse 4 - 6, 50667 Köln
gegen
Gentherm Europe GmbH,
vertreten durch die Geschäftsführer, Ulmer Strasse 160b,
86156 Augsburg
- Antragsgegnerin -
Verfahrensbevollmächtigte:
Rechtsanwälte
Milbank, Tweed, Hadley & McCloy LLP, Maximilianstrasse 15,
80539 München
Gemeinsamer Vertreter der nicht selbst als Antragsteller am Verfahren beteiligten
Aktionäre @ 6ISpruchG):
Rechtsanwalt Dr. Andreas Wirth,
c/o Rechtsanwälte Taylor Wessing, Isartorplatz 8,
80331 München, Gerichtsfach-Nr. 1
wegen Barabfindung

erlässt das Landgericht München I, 5. Kammer für Handelssachen durdh Vorsitzen-
den Richter am Landgericht Dr. Krenek, Handelsrichter Zeyda und Handelsrichter
Zoch nach mündlicher Verhandlung vom 5.3.2015 und 9.7.2015 am 21.12.2015 fol-
genden
Beschluss:
Die von der Antragsgegnerin an die ehemaligen Aktionäre der W.E.T. Automo-
tive Systems AG zu leistende Barabfindung wird auf Euro 95,53 je Aktie festge-
setzt. Dieser Betrag ist unter Anrechnung geleisteter Zahlungen ab dem
7.11.2013 mit 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz zu verzin-
sen.
II. Die Antragsgegnerin trägt die Kosten des Verfahrens einschliesslich der ausser-
gerichtlichen Kosten der Antragsteller.
III. Der Geschäftswert für das Verfahren erster Instanz sowie der Wert für die Be-
messung der von der Antragsgegnerin an den gemeinsamen Vertreter der nicht
selbst als Antragsteller am Verfahren beteiligten ehemaligen Aktionäre zu zah-
lenden Vergütung wird auf Euro 200.000,-- festgesetzt.

Gründe: .
Zwischen der W.E.T. Automotive Systems AG (im Folgenden auch:
W.E.T. AG oder die Gesellschaft) als beherrschter Gesellschaft und der
Antragsgegnerin als herrschender Gesellschaft besteht ein mit Eintragung
in das Handelsregister am 22.2.2013 wirksam gewordener Beherr-
schungs- und Gewinnabführungsvertrag, der eine Ausgleichszahlung in
Höhe von Euro 3,71 je W.E.T.-Aktie sowie eine im Wege eines aussergerichtli-
chen Vergleichs auf Euro 85,-- erhöhte Barabfindung vorsah. Die ordentliche
Hauptversammlung der W.E.T. AG fasste am 28.8.2013 unter Tagesord-
nungspunkt 7 den Beschluss, die Aktien der Minderheitsaktionäre gegen
Gewährung einer Barabfindung auf Euro 90,05 auf die Antragsgegnerin zu
übertragen, nachdem diese rund 99,5 % der Aktien der über ein Grundka-
pital von Euro 9,6 Mio. verfügenden Gesellschaft hielt. Der Geschäftsgegen-
stand des Unternehmens liegt aufgrund von § 2 Abs. .1 der Satzung der
Gesellschaft in der Herstellung sowie dem Handel, Import und Export von
Komponenten und Systemen der Wärme- und Elektrotechnik und damit
verwandter Gebiete, überwiegend für den 'Einsatz im Automobilbereich.
Darüber hinaus ist die Gesellschaft nach § 2 Abs. 2 ihrer Satzung zu allen
Geschäften und Massnahmen berechtigt, die geeignet erscheinen, dem
Gegenstand des Unternehmens zu dienen; zu diesem Zweck kann sie die
Geschäftstätigkeit auch durch Tochter-, Gemeinschafts- und Beteiligungs-
,
unternehmen ausüben sowie Unternehmens- und Kooperationsverträge
mit anderen Unternehmen abschliessen.
Die Aktien der W.E.T. AG waren zum Handel im regulierten Markt der
Frankfurter Wertpapierbörse sowie im Freiverkehr der Börsen Berlin,
Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und München zugelassen. Am 22.3.2013
veröffentlichte die Gesellschaft eine ad hoc-Mitteilung, in der, sie das Ver-

langen der Antragsgegnerin nach einem aktienrechtlichen Squeeze out
bekanntgab. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ermittel-
te im Zeitraum vom 22.12.2012 bis zum 21.3.2013 einschliesslich einen
nach § 31 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 7 WpÜG ermittelten Mindestpreis von Euro
82,94.
Im Vorfeld der Hauptversammlung vom 28.8.2013 liess die Antragsgegne-
rin von der PricewaterhouseCoopers Wirtschaftsprüfungsgesellschaft AG
(im. Folgenden: PwC) eine gutachterliche Stellungnahme zum Unterneh-
menswert der W.E.T. AG und zur Ermittlung der angemessenen Barabfin-
dung (Anlage zum Schriftsatz vom 26.11.2013,
)
131. 12/13 d.A., Anlage 1
zum Übertragungsbericht vom 17.6.2013) erstellen, in der unter Anwen-
dung der Ertragswertmethode zum Stichtag der Hauptversammlung ein.
Unternehmenswert von Euro 288,17 Mio. oder von Euro 90,05 je Aktie ermittelt
wurde. Dabei gingen die Bewertungsgutachter von PwC von einer die Jah-
re 2013 bis 2016 umfassenden Detailplanungsphase aus, an die sich ab '
den Jahren 2017 ff. die Ewige Rente anschloss, wobei die für die Ermitt-
lung eines nachhaltigen Umsatzniveaus für das Jahr 2017 ff. anzusetzen-.
den Umsatzerlöse des Jahres 2016 mit einer Wachstumsrate von 1 %
fortgeschrieben und eine EBIT-Marge von 8 % angesetzt wurde. Bei der
Kapitalisierung der Ergebnisse setzten die Bewertungsgutachter von PwC
einen einheitlichen Basiszinssatz von 2,25 % vor Steuern an. Der unter
Anwendung des (Tax-)CAPM ermittelte Risikozuschlag wurde unter Be-
rücksichtigung .des Finanzierungsstrukturrisikos auf 6,8 % in den Jahren
2013 und 2014, auf 6,7 % im Jahr 2015 sowie auf 6,6 % im Jahr 2015 und
in der Ewigen Rente angesetzt. Dabei gingen die Bewertungsgutachter
von einer Marktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern aus; den Beta-Faktor
leiteten sie aus einer Peer Group ab, die sich aus in- und ausländischen
Unternehmen zusammensetzte. In der Ewigen Rente gingen die Bewer-
tungsgutachter von einem Wachstumsabschlag in Höhe von 0,9 % aus.
Zudem setzten sie zum bewertungstechnischen Stichtag 31.12.2013 Son-

derwerte in Höhe von Euro 5,521 Mio. sowie nicht betriebsnotwendiges Ver-
mögen in einem Umfang von Euro 5,657 Mio. an.
Die vom Landgericht München I mit Beschluss vom 3.4.2013, Az. 5HK 0
7469/13 zum Abfindungsprüfer bestellte Rölfs RP Aktiengesellschaft Wirt-
schaftsprüfungsgesellschaft (im Folgenden: Rölfs RP) gelangte in ihrem
Bewertungsbericht vom 18.6.2013 (Anlage zum Schriftsatz vom
26.11.2013, BI. 12/13 d.A.) zu dem Ergebnis, die von der Antragsgegnerin
festgelegte Barabfindung von Euro 90,05 je Stückaktie sei angemessen.
c. Der Beschluss über den Squeeze out würde am 30.10.2013 in das Han-
delsregister der W.E.T. AG eingetragen und anschliessend am 6.11.2013
durch das Amtsgericht - Registergericht - Augsburg gemäss § 10 HGB
bekannt gemacht. Im Zeitpunkt der Eintragung des Squeeze out-
Beschlusses in das Handelsregister waren alle Antragsteller Aktionäre der
W.E.T. AG.
Zur Begründung ihrer spätestens am 6.2.2014 beim Landgericht München I
zumindest per Telefax eingegangenen Anträge machen alle Antragsteller gel-
tend, die festgesetzte Barabfindung von Euro 90,05 sei zu niedrig und folglich urt-
angemessen.
Der Wert der zu kapitalisierenden Überschüsse liege deutlich höher als in
den beiden Gutachten von PwC und Rolfs RP angenommen.
(1) Dies zeige sich bereits an der mangelnden Eignung der Planung,
nachdem davon ausgegangen werden müsse, die Antragsgegnerin
habe Einfluss hierauf genommen. Das deutliche Überschreiten der
Planergebnisse in zumindest Teilen der Jahre der Vergangenheits-
analyse von 2010 bis 2012 zeige die mangelnde Systematik, nach-
dem darin Trends falsch wiedergegeben worden seien. Verdächtig
sei auch eine parallele Entwicklung in allen Produktklassen der Ge-

sellschaft. Der Ansatz einer Detailplanungsphase von Vier Jahren er-
scheine als zu kurz.
(2) In jedem Fall aber bedürfe die Planungsrechnung angesichts zu pes-
simistischer und nicht mehr plausibler Annahmen der Korrektur.
(a) Die Umsatzplanung mit sinkenden Zuwachsraten vor allem von
2015 auf 2016 sei unplausibel, nachdem das Bewertungsgut-
achten ebenso wie auch der Prüfungsbericht auf deutlich positi-
vere allgemeine Wachstumsaussichten hinweise und. die Auto-
mobilbranche vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika
und in Asien als massgebliche Absatzmärkte von einem Wachs-
tum von durchschnittlich über 3 % p. a. auch nach 2014 ausge-
he. Der Widerspruch resultiere zudem aus dem wachsenden
Anteil der Zulieferer in der Wertschöpfungskette und dem be-
grenzten Preisdruck .der Hersteller auf Zulieferer. Zudem be-
rücksichtige der Planansatz zu wenig die Bedeutung zuverläs-
siger Zulieferer. Der angenommene Umsatzrückgang stehe in
Widerspruch zur Positionierung der Gesellschaft im Premium-
sedment mit der Folge, dass die W.E.T. AG von Überkapazitä-
ten nicht so stark getroffen werde. Die zunehmende Bedeutung
von Sitzheizungen und Klimasitzen auch unterhalb der Premi-
umklasse und in Asien müsse stärker in die Planung einfliessen.
Bei den Ansätzen in 2015 und 2016 komme die Stellung als
Hidden Champion auf dem Markt der Sitzheizungen und als
Marktführer mit Alleinstellungsmerkmal und technologischer
Führerschaft nicht ausreichend zum Tragen. Die Tatsache des
Abschlusses langfristiger Verträge mit den Original Equipment
Manufacturern (OEM) nehme den Wettbewerbsdruck. Unklar
bleibe, auf welcher Basis die Zahl von Wettbewerbern in Phase
I beruhe. Zudem gebe es hohe Markteintrittsbarrieren auch re-
gulativer Art. Die Planung berücksichtige zudem zu wenig die
allgemeinen Wachstumsaussichten des Bruttoinlandsprodukts

mit hohen Wachstumsraten vor allem in Nordamerika und Asien
sowie die weltweiten Förderprogramme für umweltfreundliche
Technologien. Die Dauer von Konjunkturzyklen hätte stärker in
die Planung einfliessen müssen. Fraglich sei, inwieweit alle.
Tochtergesellschaften berücksichtigt worden seien. Ebenso
müsse der Anstieg der Aufwendungen für Forschung & Ent-
wicklung zu einer verstärkten Teilnahme an positiven Markt-
entwicklungen führen. Angesichts des Ergebnisses des ersten
Halbjahres mit Euro 17,9 Mio. entsprechend dem Halbjahresbericht
sei der Ansatz eines Jahresergebnisses von lediglich Euro 31,2
Mio. und damit weit unter dem Ergebnis des Jahres 2012 feh-
lerbehaftet.
(b) Im Rahmen der Aufwandsplanung fehle dem Anstieg der Ver-
waltungskosten in vier Jahren um Euro 10 Mio. nach einem Anstieg
von nur Euro 4 Mio. in den Jahren der Vergangenheitsanalyse die
Plausibilität. Völlig unklar bleibe die Planung der Rohstoffpreise,
was namentlich für Kupfer gelte. Dem angenommenen Anstieg
der Preise hierfür fehle die Plausibilität angesichts einer Pres-
seerklärung vom 05.01.2014 - also einem Zeitpunkt von nur
rund vier Monaten nach der Hauptversammlung - über gesun-
kene Rohstoffpreise. Der Rückgang der Bruttomarge von 28,4
% im Jahr 2012 auf 25,3 % zum Ende der Detailplanungsphase
könne vor allem wegen der Produktionsverlagerung in Niedrig-
lohnländer nicht nachvollzogen werden; beim Beherrschungs-
und Gewinnabführungsvertrag sei die geplante Entwicklung mit
einem Absinken auf 25,2 % auch nicht eingetreten, sondern '
vielmehr sei es zu einer Verbesserung gekommen. Weiterhin
stehe der Rückgang der Bruttomarge in Widerspruch zu den
von der Antragsgegnerin selbst angeführten Prozessverbesse-
rungen. Klärungsbedürftig sei, wie sich in der Planung der Pro-
duktmix verschoben habe und welchem prozentualen Umfang
sich der Materialkostenaufwand im Vergangenbeitszeitraum

und in der Detailplanungsphase wie in der Ewigen Rente auf
Sitzheizungen, Klimasitze und Autokabeltechnik verteile. Die
Gesellschaft müsse doch in der Lage, sein, Materialkostenstei-
gerungen im Segment Autokabeltechnik an ihre Kunden weiter-
zugeben. Unklar sei weiterhin, worin der erhöhte Materialkos-
tenaufwand durch den Einsatz der Positive Temperature Coef-
ficient-Technik (PTC-Technik) Gründe und in welcher Höhe sich
der Materialaufwand auf diese Technologie mit welchen wert-
mässigen Auswirkungen verschiebe. Ebenso müsse erläutert
werden, ab wann die Planung mit einer Verlagerung der Pro-
duktion nach Indonesien oder Vietnam ausgehe und wie sich
dies auf die Personalkosten auswirke. Der Anstieg der Materi--
alkostenquote in Phase I sei wegen fehlender Berücksichtigung
von Kostendegressions- und Skaleneffekten unplausibel.
Nicht nachvollzogen werden könne der Ansatz einer pauscha-
lierten Qualitätsrückstellung; zudem zeige die Planung nicht,
wie die Bildung sonstiger Rückstellungen mit der Auflösungs-
quote in der Vergangenheit korrespondiere. Angesichts der
starken. Erweiterung des asiatischen Marktes sei der Rück-
schluss auf die Notwendigkeit des Ansatzes von 7% der stark
steigenden Umsatzerlöse für Forschung & Entwicklung unzu-
lässig.
(c) Die Entwicklung des EBIT könne nicht beibehalten werden.
Aufgrund der hohen Aufwendungen für Forschung und Entwick-
lung müsse es zu Margensteigerungen kommen. Das langsame
Wachstum des EBIT ab 2014/2015 könne nicht mir der Allein-
stellung und der technologischen Führerschaft in Einklang ste-
hen, weil dadurch für die Gesellschaft die Möglichkeit bestehe,
Preissteigerungen relativ einfach an ihre Kunden weiterzu-
reichen. Das Wachstum ab 2016 unterhalb des erwarteten
Wachstums der Automobilbranche sei fehlerhaft angenommen.

15
(d)
Bei den Synergien fehle jegliche Erläuterung zur Berücksichti-
gung in ihrer Höhe in den einzelnen Planjahren. Unzulässig sei
in jedem Fall der Ansatz negativer echter Verbundeffekte ange-
sichts der fraglichen Rückbelastung der durch die Übernahme
der Vertriebsmitarbeiter der Antragsgegnerin in Korea entstan-
denen Kosten, wobei der Umfang der der Gesellschaft entstan-
denen Kosten für den Vertrieb von Produkten der Antragsgeg-
nerin in Korea ebenso zu ermitteln sei wie die Höhe der Weiter-
belastung dieser Kosten an die Antragsgegnerin und die Be-
rechnung marktüblicher Aufschläge an die Antragsgegnerin.
Zudem hätten sich die Synergien auch bei den Kosten für For-
schung & Entwicklung niederschlagen müssen.
(e)
Beim Finanzergebnis bleibe unklar, warum kein Zinsertrag aus-
gewiesen sei, während andererseits trotz Thesaurierung in Hö-
he von Euro 46,3 Mio. in den Jahren 2013 bis 2015 Zinsaufwand in
erheblicher Höhe das Ergebnis der Gesellschaft belaste. Die
Planung der zinsbehafteten Verbindlichkeiten müsse in Phase I
wie auch,im Terminal Value dargestellt werden.
(f)
In der Ewigen Rente lasse sich der Rückgang der EBIT-Marge
auf 8 % nicht rechtfertigen, nachdem dieser Wert nicht uner-
heblich unter dem niedrigsten Wert aller Jahre der Vergangen-
heitsanalyse und der Detailplanungsphase liege. Dies resultiere
aus dem Umstand, dass die W.E.T. AG aufgrund von Produkt-
und Grössenmerkmalen vom Verdrängungswettbewerb profitiere
und jeder OEM leistungsstarke und krisenfeste Zulieferer benö-
tige. Die EBIT-Marge müsse angesichts der fehlenden Berück-
sichtigung konkreter Programmverluste in der Planung und da-
raus resultierend nicht nachlassender Fixkosteneffekte sowie
wegen der Folgen der ,Gründung von Niederlassungen in Viet-
nam oder Indonesien höher angesetzt werden. Dies ergebe
sich auch aus Programmverbesserungen und damit einherge-

henden Kostensenkungen, was zeige, dass Steigerungen der
Rohstoffpreise wie auch der Lohnkosten in der Vergangenheit
hätten kompensiert werden können. Aus den Investitionen in
Forschung & Entwicklung mit dann neuen Innovationsfeldern
und neuen Anwendungsbereichen zeige sich, dass im Terminal
Value eine höhere EBIT-Marge zu erzielen sei.
(g) Unzulässig sei es, wenn ein erheblicher Teil der geplanten Er-
gebnisse und Unternehmenssteuern, bei denen gerade auch
die Ermittlung des Konzernsteuersatzes unklar bleibe, dem Un-
ternehmenswert weder als Ausschüttung noch fiktiv als Thesau-
rierung zukämen. Klärungsbedarf bestehe zudem nach der
Verwendung eines Betrages von Euro46,5 Mio. in Phase I und
hinsichtlich der Art und Weise der Verwendung der thesaurier-
ten Überschüsse. Angesichts der starken Einschränkung des
Wachstums bereits im Jahr 2014 bestehe keine Notwendigkeit
für eine Thesaurierung. Nicht nachvollzogen werden könne es,
wenn thesaurierte Beträge bei der Ertragswertermittlung unbe-
rücksichtigt blieben und dadurch eine Reduzierung der Unter-
nehmensbewertung auf die Ewige Rente eintrete, weil dies eine
Vermischung von Ertragswert, und Substanzwert bedeute. Bei
Aktienrückkäufen würden keine persönlichen Ertragssteuern
anfallen; daher sei fraglich, inwieweit die Thesaurierung be-
rücksichtigt werden müsse. Die Notwendigkeit einer Thesaurie-
rung müsse angesichts eines nachhaltigen Wachstums von 0,9
% infrage gestellt werden.
(3) Der Kapitalisierungszinssatz bedürfe in all seinen Komponenten der
Korrektur zugunsten der Minderheitsaktionäre.
(a) Der Basiszinssatz sei mit 2,25 % vor Steuern zu hoch ange-
setzt, weil dieser Wert zum Stichtag der Hauptversammlung
nicht für Wiederanlagen zur Verfügung stehe. Auch müsse der

Basiszinssatz unter Zugrundelegung der durchschnittlichen
Laufzeit der Kreditverbindlichkeiten der W.E.T. AG von zwei bis
vier Jahren ermittelt werden. Die Notwendigkeit des Absinkens
resultiere zudem aus der Insolvenzgefahr auch der öffentlichen
Hand; dies zeige sich beispielsweise an der Existenz von Credit
Default Swaps auch für deutsche Bundesanleihen.
(b) Ebenso müsse der Risikozuschlag reduziert werden, sofern ein
solcher überhaupt angesetzt werden dürfe. Das zu seiner Er-
mittlung herangezogene (Tax-)CAPM stelle sich als hierfür je-
denfalls ungeeignet dar. Keinesfalls könne die auf Basis einer
Empfehlung des FAUB des IDW in der Mitte einer Bandbreite
von 5 % bis 6 % angesiedelte Marktrisikoprämie von 5,5 %
nach Steuern sachgerecht sein; das niedrigere Niveau des Ba-
siszinssatzes rechtfertige diesen Ansatz nicht. Nicht sachge-
recht sei auch die arithmetische Mittelwertbildung; massgeblich
sei vielmehr das geometrische Mittel. Die angesetzte Marktrisi-
koprämie berücksichtige auch nicht die Minderung ,des Risikos
durch hohe Rückstellungen. Das unternehmensspezifische Ri-
siko der W.E.T AG müsse durch das Heranziehen ihres originä-
ren Beta-Faktors abgebildet werden und nicht über eine ohne-
hin fehlerhaft zusammengesetzte Peer Group. Zudem lasse der
Beta-Faktor die Besonderheit der Existenz eines Grossaktionärs
ausser Betracht, der das Risiko der W.E.T. AG, deutlich absen-
ke.
(c)
Der Wachstumsabschlag müsse erhöht werden, weil er zu we-
nig die Positionierung der W.E.T. AG in oligopolistischen Märk-
ten berücksichtige mit der dadurch bedingten Möglichkeit zur
Weitergabe inflationärer Kostensteigerungen. Dieser Ansatz
lasse auch eine Studie ,zum Gewinnwachstum deutscher Un-
ternehmen unberücksichtigt, das über dem hier angesetzten
Wachstumsabschlag liege. Auch dürfe der Wachstumsabschlag

nicht unterhalb der Rendite der Thesaurierungsquote liegen.
Gerade der prognostizierte PKW-Absatz in Indien und Asien mit
hohen Zuwachsraten stehe in Widerspruch zu dem niedrigen
Wachstunisabschlag.
(4) Bei den Sonderwerten sei der angesetzte Steuervorteil aus dem ka-
nadischen SR&ED-Programm nicht nachvollziehbar abgeleitet. Frag-
lich sei, ob es nicht auch weiteres nicht betriebsnotwendiges Vermö-
gen gebe. Nicht gefolgt werden könne der Bewertung hinsichtlich der
als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien in Odelzhausen sowie in
Ungarn mit einem um mehr als 18 % unterhalb der Anschaffungs-
und Herstellungskosten liegenden Betrag. Die Liquiditätsbestände in
Höhe von Euro 9 Mio. und sonstige kurzfristige Vermögenswerte wie
namentlich Steuererstattungsansprüche in Höhe von Euro 5,8 Mio. hät-
ten überwiegend als nicht betriebsnotwendig eingestuft werden müs-
sen. Die Auflösung von Gewinn- und Kapitalrückstellungen hätte
gleichfalls als Sonderwert berücksichtigt werden müssen. Fehlerhaft
erfolgt sei der Ansatz eines Sonderwerts im Zusammenhang mit der
Auflösung von mit der UniCredit Bank AG geschlossenen Währungs-
swaps und einen in diesem Zusammenhang geführten Rechtsstreit
der Gesellschaft mit dieser Bank: Ebenso hätte der Wert der Marke
"W.E.T." als Sonderwert berücksichtigt werden müssen.
b. Über den Börsenwert ergebe sich eine höhere Barabfindung, weil der Bör-
senkurs'der Aktie zuletzt deutlich oberhalb der angebotenen Barabfindung
gelegen habe. Weiterhin müsse der offenbar oberhalb der Barabfindung
liegende Preis ermittelt werden, zu dem die Antragsgegnerin die letzte Ak-
tie der VV.E.T. AG gekauft habe. Die nur überschlägig erfolgte Ermittlung
des Liquidationswertes stelle sich als unzureichend dar.

3. Die Antragsgegnerin beantragt demgegenüber die Zurückweisung der Anträge,
weil die über den Ertragswert ermittelte Barabfindung angemessen sei und sich
ein höherer Wert aus anderen Gründen nicht ableiten lasse.
a. Die Ermittlung der zu kapitalisierenden Überschüsse auf der Grundlage
der plausiblen Planannahmen der Gesellschaft sei zutreffend erfolgt.
(1) Die Vergangenheitsanalyse von PwC baue auf geprüften und mit un-
eingeschränkten Bestätigungsvermerken versehenen Konzernab-
schlüssen auf, die dann um einmalige oder ausserordentliche Effekte
bereinigt worden seien, wobei die im einzelnen genannten Anpas-
sungen nötig gewesen seien, um Sondereffekte vor allem des Ge-'
schäftsjahres 2010 zu eliminieren. Die Abweichungen der Ist-
Ergebnisse gegenüber historischen Prognosen hätten ihre Ursache
in nicht oder nur sehr eingeschränkt absehbaren wirtschaftlichen
Entwicklungen bei den für. die Automobilindustrie wesentlichen Roh-
ölpreisen und am Automobilmarkt in den USA. Die Planung sei we-
der anlässlich des Squeeze out noch auf Weisung der Antragsgeg-
nerin erstellt worden, sondern beruhe auf der vom Aufsichtsrat der
W.E.T. AG am 27.11.2015 verabschiedeten Planung für die Jahre
2013 bis 2015, die der Vorstand für die Unternehmensbewertung im
Rahmen deS Squeeze out aktualisiert und um das Jahr 2016 erwei-
tert habe; dies sei dann vom Aufsichtsrat am 4.6.2013 verabschiedet
worden. Die Länge des Detailplanungszeitraums entspreche den
sachgerechten Festlegungen des IDW 51; eine Verlängerung hätte
den Planungsprozess der Gesellschaft erheblich erschwert.
(2) Die der Bewertung zugrunde gelegten Planzahlen und -annahmen
seien durchweg plausibel.
(a) Dies gelte zunächst für die Entwicklung der Umsätze und des
Umsatzwachstums. Die Entwicklung bis 2015 stütze sich auf
eine geringere Beeinflussung der W.E.T. Group von Überkapa-

20
zitäten angesichts der Positionierung vor allem im Premium-
segment. Zuschüsse von Förderprogrammen seien sachge-
recht verarbeitet, wobei diese für die. W.E.T. AG keine grosse
Bedeutung hätten. Gerade bei Klimasitzen gehe der Trend zum
Ausbau der Kompetenzen bei den OEM, deren Verhandlungs-
macht zudem die der Zulieferer deutlich übersteige, was sich
auch an den Vereinbarungen in den Verträgen mit späteren
Preissenkungen zeige. In Europa erwarte die W.E.T. AG über-
durchschnittliche Wachstumsraten - ausgenommen das Ge-
schäftsjahr 2016. Die Gesellschaft könne nicht als Hidden
Champion bezeichnet werden; ihre Technologie sei leicht ver-
fügbar und die Gesellschaft selbst als Zulieferer daher leicht
austauschbar, was sich auch am zunehmenden Auftritt von
Wettbewerbern in Asien und dem Wiedereintritt von Wettbe-
werbern in Nordamerika zeige. Das im Vergleich zum Vorjahr
geringere EBIT im Jahr 2013 resultiere aus dem externen Be-
zug der PTC-Technologie im Segment Nordamerika, weshalb
für die folgenden Jahre auch wieder ein erheblich höheres EBIT
erwartet werde.
(b) Die Kostenplanung stelle sich als sachgerecht dar. Dies gelte
vor allem für die Materialkostenquote, deren Steigerung nach-
vollziehbare Ursachen wie die Verschiebung des Produktmix zu
materialintensiveren Produktkategorien "Klimasitze" und "Auto-
kabeltechnik" und weg von den Sitzheizungen, wie die Möglich-
keit der Weitergabe von Preissteigerungen nur bei der Autoka-
beltechnik und der in Amerika nachgefragten Materialkosten in-
tensiven PTC-Technologie hätten. Eine (Ober-)Kompensation
lasse sich nicht durch zunehmende Fixkostendegressionseffek-
te erreichen. Die Produktionskostenquote werde trotz erwarte-
ter erheblicher Lohnerhöhungen fallen, was sich auch mit dem
neuen Produktionsstandort in Indonesien oder Vietnam be-
gründen lasse. Die Steigerung der Verwaltungskosten gehe

einher mit dem in der Planung höher angesetzten Umsatzni-
veau, wobei aber das Verhältnis der Vertriebskosten zu den
Umsatzerlösen sinke. Eine Zielquote von 7 % der Umsatzerlöse
bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung werde
für notwendig erachtet, um die künftige Wettbewerbsfähigkeit
der Gesellschaft sicherzustellen.
(c) Zu keiner Korrektur müsse es beim Ansatz des EBIT kommen.
Dessen Anstieg in den Jahren 2010 bis 2012 beruhe auf der
unerwartet starken Erholung der Automobilindustrie vor allem
ab der zweiten Jahreshälfte 2011, könne aber nicht fortgeführt
werden. Die Planungsrechnung lege ein stärkeres Wachstum
als das des Gesamtmarkts zugrunde - lediglich bei dem Seg-
ment Europa werde für 2016 wegen des absehbaren Verlusts
von Programmen grosser europäischer Automobilhersteller ein
Wachstum unterhalb des Marktwachstums angesetzt.
Das Halbjahresergebnis 2013 dürfe nicht auf das gesamte Jahr
hochgerechnet werden, um für das gesamte Jahr das Ergebnis
vor Steuern zu ermitteln. Ein Gleichsetzen der beiden Halbjahre
sei nicht gerechtfertigt. Zudem liege das Ergebnis für 2013
nach den erforderlichen Plananpassungen ohnehin oberhalb
des Ergebnisses des Vorjahres.
(d) Das. Finanzergebnis sei sachgerecht aus der Finanzbedarfs-
rechnung abgeleitet, wobei die W.E.T.-Group ihre Finanzschul-
den bei gleichzeitiger Sicherstellung der Finanzierung von In-
vestitionen und eines betriebsnotwendigen Bestandes an liqui-
den Mitteln in Höhe von Euro 8 Mio. zurückfahren werde. Darüber
hinaus werde eine Ausschüttung von 40 % bis 70 % des Jahre-
süberschusses auf der Basis einer notwendigen Typisierung
anhand von Kapitalmarktdaten angesetzt. Die Soll-Zinssätze
seien mit 3,4 % bis 4,5 % berechnet worden, was sich mit den.

realen Finanzierungskonditionen decke; für die Nachhaltigkeit
sei der Zinssatz des letzten Planjahres von 4,5 % angesetzt
worden. Die betriebsnotwendige Liquidität sei mit einem Zins-
satz von 0,5 % verzinst worden.
(e) Die in der Ewigen Rente angesetzte nachhaltige EBIT-Marge
von 8 % liege bereits deutlich über dem Wert der Wettbewerber
und lasse auch nicht den Rückschluss auf einen Einbruch zu.
Aufgrund der Zyklizität des PKW-Marktes und des zunehmen-
den Wettbewerbs dürfe allerdings zur Bestimmung eines nach-
haltigen EBIT-Niveaus nicht die hohe EBIT-Marge des Jahres
2016 fortgeschrieben, werden. Die hohe Marge der Vergangen-
heit könne aufgrund bereits zum Bewertungsstichtag nicht mehr
bestehender Sondereffekte der Automobilkrise in den USA im
Jahr 2010 und einer auf Dauer nicht haltbaren starken Position
in Asien nicht mehr erreicht werden.
Sachgerecht erfolgt seien die Ansätze zur Thesaurierung und
Ausschüttung anhand. durchschnittlicher Ausschüttungsquoten
am Kapitalmarkt mit Werten zwischen 40 und 70 %. Nur zu Be-
ginn der Phase I liege die Ausschüttungsquote wegen des Be-
darfs des Überschusses für Investitionen und wegen des Un-
terschreitens der betriebsnotwendigen Liquidität die Ausschüt-
tungsquote niedriger. Die Reduktion der Nettofinanzschulden
wirke sich sinkend auf den verschuldeten Beta-Faktor aus, wo-
bei allerdings der Verschuldungsgrad der Gesellschaft aufgrund
des hohen Marktwertes des Eigenkapitals bereits im Jahr 2013
nahe "null" liege. Der Ansatz einer Ausschüttungsquote von 50
% in der Ewigen Rente stelle sich als sachgerecht dar.
Die Besteuerung thesaurierter Gewinne könne angesichts der
Notwendigkeit einer typisierenden Betrachtung unter Berück-
sichtigung der Abgeltungssteuer mit einem Steuersatz von

13,19 % nicht infrage gestellt werden. Ebenso, wenig müsse der
Diskontierungszeitpunkt korrigiert werden, weil die künftigen
Nettoausschüttungen Zinserträge in Höhe von 0,5 % erbrächten
und die Dividende erst mit dem Beschluss der Hauptversamm-
lung über die Gewinnverwendung zur Verfügung stünde.
(3
) Der Kapitalisierungszinssatz müsse nicht zugunsten der Minder-
heitsaktiohäre reduziert werden angesichts seiner zutreffenden Ablei-
tung in allen drei Elementen.
(a) Der mittels einer Zinsstrukturkurve der Deutschen Bundesbank
ermittelte Basiszinssatz dürfe einheitlich über den gesamten
Planungszeitraum festgelegt werden; ein periodenspezifischer
Ansatz müsse nicht erfolgen. Ebenso wenig könne eine Reduk-
tion wegen des Bestehens von Credit Default Swaps verlangt
werden.
(b) Der Ansatz eines Risikozuschlags rechtfertige sich aus dem mit
der Anlage von Kapital in einem Unternehmen stets verbunde-
nen höheren Risiko im Vergleich zu der Anlage in einer (quasi-
)sicheren Bundesanleihe. Das angewandte (Tax-)CAPM eigne
sich auch in einem Squeeze out-Fall zur Ermittlung des Risiko-
zuschlags. Die gestiegene Marktrisikoprämie beruhe auf der
gestiegenen Unsicherheit an den Kapitalmärkten und den damit
einhergehenden Risiken auf der Basis von Volatilitätskennzah-
len. Nicht beanstandet werden könne der Ansatz des arithmeti-
schen Mittels, weil dieses im Vergleich zum geometrischen Mit-
tel der bessere Schätzer sei. Der unternehmenseigene Beta-
Faktor bilde das individuelle operative Risiko der Gesellschaft
angesichts verzerrter Aktienrenditen und einer deutlich höheren
Geld-Brief-Spanne sowie einer hohen Zahl von Handelstagen
ohne Aktienhandel mit W.E.T.-Aktien nicht sachgerecht ab. Die
aus letztlich sechs Unternehmen gebildete Peer Group sei gut

geeignet; die Einbeziehung auch ausländischer Unternehmen
könne nicht beanstandet werden, zumal diese in den USA oder
Asien und damit in Märkten der W.E.T. AG beheimatet seien.
Die Ableitung aus Daten über einen fünfjährigen Zeitraum, wie
er teilweise verlangt werde, führe zu höheren Kapitalkosten und
damit einem reduzierten Unternehmenswert.
(c) Der Wachstumsabschlag müsse als sachgerecht ermittelt be-
. zeichnet werden. Dieser müsse nicht mit der allgemeinen
Preissteigerungsrate korrespondieren, weil diese nicht allein
massgeblich sein könne für dessen Ermittlung. Zentral sei viel-
mehr eine branchentypische und effektive Kostensteigerungsra-
te. Mit diesem Ansatz komme es enfgegen der Meinung einiger
Antragsteller auch nicht zu einem realen Schrumpfen des Un-
ternehmens, weil in der Ewigen Rente bereits das thesaurier
rungsbedingte Wachstum dafür sorge, dass ein signifikant hö-
heres Wachstum und gerade kein Schrumpfen eintreten werde.
Es gebe dabei auch keinen Widerspruch zu Marktentwicklun-
gen in Indien und China, weil die entsprechenden Studien nur
zeitlich begrenzte Zeiträume in der Zukunft umfassten, während
der Terminal Value weit darüber hinaus abgeleitet werde; zu
dem seien diese Wachstumsraten nicht auf die nur 1/3 ihres
Umsatzes in Asien erwirtschaftende W.E.T.-Group übertragbar.
Es bestehe, auch kein Zusammenhang zwischen den Aufwen-
dungen für Forschung und Entwicklung und dem Umsatz-
wachstum, das vor allem von Marktentwicklungen beeinflusst
werde. Die Adjustierung des Wachstumsabschlags um die ef-
fektive Veräusserungsgewinnbesteuerung stelle die Steueräqui-
valenz. der Ausschüttungen des Bewertungsobjekts und der Al-
ternativanlage aus der fiktiven Zurechnung sicher.
(4) Das nicht betriebsnotwendige Vermögen einschliesslich bestehender
Sonderwerte sei entsprechend dem funktionellen Abgrenzungskrite-

rium zwischen betriebsnotwendigem und nicht betriebsnotwendigem
Vermögen ermittelt worden. Der Wert des SR&ED bestimme sich
nach den ansatzfähigen qualifizierten Aufwendungen, von denen die
Gesellschaft 75 % steuerlich in Abzug bringen dürfe. Der Sonderwert
aus dem Währungsswap sei durch die Gegenüberstellung zweier
Szenarien mit einer Obsiegenswahrscheinlichkeit der W.E.T. AG in
dem Rechtsstreit mit der UniCredit Bänk AG von 65 % zutreffend
ermittelt worden. Die Immobilien seien unter Fortführung des Werts
zum Bilanzstichtag bis zum Tag der Hauptversammlung fortge-
schrieben worden; eine Verminderung der höheren Anschaffungs-
kosten im Zeitlauf sei nichts Aussergewöhnliches. Die bei der Gesell-
schaft vorhandene Liquidität sei in Höhe von Euro 8 Mio. betriebsnot-
wendig; ein darüber hinausgehender Betrag fliesse den Anteilseig-
nern in Form fiktiver Zurechnung zu. Die Auflösung eines Teils der
Kapital- und Gewinnrücklagen müsse nicht als Sonderwert angesetzt
werden; die Gesellschaft plane keine Kapitalherabsetzung, die zu-
dem bei gleichem Kapitalbedarf zu einem höheren Verschuldungs-
grad mit höheren Zinsen und einem höheren Eigenkapitalkostenan-
satz führe. Der Wert der Marke "VV.E.T." finde seinen Niederschlag in
den Planungen über die künftige Geschäftsentwicklung.
Der überschlägig ermittelte Liquidationswert betrage weniger als 20 % des
Ertragswerts, weshalb davon ausgegangen werden müsse, eine detaillier-
tere Ermittlung werden den Ertragswert nicht übersteigen. Der Barwert der
Ausgleichszahlung liege mit Euro 50,52 unter dem Ertragswert, was auch für
den umsatzgewichteten durchschnittlichen Börsenkurs in den drei Mona-
ten vor Bekanntgabe der Absicht zur Durchführung eines Squeeze out an-
gesichts eines Wertes von Euro 82,94 gelte. Die Berücksichtigung von Vorer-
werbspreisen bei der Bemessung der angemessenen Barabfindung sehe
§ 327 b AktG nicht vor.

4. a.
Das Gericht hat mit Beschluss vom 14.5.2015 (BI. 128 d.A.) Herrn
Rechtsanwalt Dr. Andreas Wirth zum gemeinsamen Vertreter der nicht
selbst als Antragsteller am Verfahren beteiligten ehemaligen Aktionäre
bestellt. Mit Verfügung vom selben Tag hat der Vorsitzende die Bekannt-
machung der Bestellung des gemeinsamen Vertreters im Bundesanzeiger
veranlasst (BI. 129 d.A.). Der gemeinsame Vertreter rügt in erster Linie die
Höhe des zum Bewertungsstichtag nicht zu erzielenden Basiszinssatzes,
der zudem fristenadäquat und nicht einheitlich anzusetzen sei. Das
Wachstumspotenzial der W.E.T. AG hänge nicht vom Heimatmarkt ab,
weshalb der Wachstumsabschlag erhöht werden müsse.
In der mündlichen Verhandlung vom 5.3.2015 und vom 9.7.2015 hat das
Gericht die gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer von Rölfs RP - Herrn
Wirtschaftsprüfer Michael Wahlscheidt und Frau Wirtschaftsprüferin Sylvia
Fischer - mündlich angehört. Ferner hat das Gericht mit Beschlüssen vom
5.3.2015 (BI. 249 d.A.) und vom 9.7.2015 (BI. 306 d.A.) die Abfindungs-
prüfer gebeten, in ergänzenden schriftlichen Stellungnahmen zu Einzel-
fragen der Unternehmensbewertung Stellung zu nehmen sowie Alternativ-
berechnungen mit geänderten Kapitalisierungszinssätzen durchzuführen.
Hinsichtlich des Ergebnisses der mündlichen und schriftlichen Anhörung
der gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer wird Bezug genommen auf die
Protokolle der mündlichen Verhandlung vom 5.3.2015 (BI. 217/249 d.A.)
und vom 9.7.2015 (BI. 279/308 d.A.) sowie die zum Gegenstand der
mündlichen Verhandlung gemachte ergänzende Stellungnahme vom
12.5.2015 (BI. 261/275 d.A.) und die ebenfalls allen Beteiligten zugestellte
ergänzende Stellungnahme vom 21.8.2015 (BI. 313/343 d.A.).
Hinsichtlich der näheren Einzelheiten des wechselseitigen Vorbringens der Be-
teiligten wird Bezug genommen auf die gewechselten Schriftsätze samt Anla-
gen sowie die Protokolle der mündlichen Verhandlung vom 5.3.2015 (BI.
217/249 d.A.) und vom 9.7.2015 (BI. 313/343 d.A.).

27
Die Anträge auf Festsetzung einer angemessenen Barabfindung sind zulässig und
begründet; diese war auf Euro 95,53 je Stückaktie festzusetzen.
1.
Die Anträge aller Antragsteller sind zulässig, weil sie den Anforderungen des
Spruchverfahrensgesetzes entsprechen.
1. Alle Antragsteller sind antragsbefugt im Sinne des § 3 Satz 1 Nr. 2 SpruchG,
weil sie zum Zeitpunkt der Eintragung des Squeeze out-Beschlusses in das
Handelsregister am 30.10.2013 Aktionäre der W.E.T. AG waren. Die Antrags-
gegnerin hat den jeweils rechtzeitigen Vortrag der Antragsteller, mit dem diese
ihre Antragsberechtigung dargelegt haben, nach der - ebenfalls rechtzeitig er-
folgten - Vorlage entsprechender Bankbescheinigungen nicht oder jedenfalls.
nicht mehr bestritten bzw. unstreitig gestellt, weshalb der entsprechende Vor-
trag aller Antragsteller gemäss §§ 8 Abs. 3 SpruchG, 138 Abs. 3 ZPO als zuge-
standen gilt.
2. Die Anträge wurden jeweils innerhalb der Frist des § 4 Abs. 1 Nr. 3 SpruchG
beim Landgericht München I als örtlich zuständigem Gericht eingereicht, also
innerhalb einer Frist von drei Monaten ab der Bekanntmachung des Eintra-
gungsbeschlusses auf der Basis von § 10 HGB, die vorliegend am 6.11.2013
erfolgte; demgemäss endete die Frist am 6.2.2014. An diesem Tag gingen die
Anträge der Antragsteller spätestens zumindest per Telefax und damit fristwah-
rend beim Landgericht München 1 ein.

28
3.
Alle Antragsteller haben innerhalb der Frist des § 4 Abs. 1 SpruchG konkrete
Einwendungen gegen die Angemessenheit der Kompensation erhoben, wes-
halb die Voraussetzungen von § 4 Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 SpruchG erfüllt sind.
Aufgrund dieser Vorschrift sind konkrete Einwendungen gegen die Angemes-
senheit nach § 1 SpruchG oder gegebenenfalls den als Grundlage für die Kom-
pensation ermittelten Unternehmenswert in die Antragsbegründung aufzuneh-
' men. Diesen Anforderungen werden alle Anträge gerecht, weil die Anforderun-
gen an die Konkretisierungslast nach der ständigen Rechtsprechung der Kam-
mer in Übereinstimmung mit dem BGH nicht überspannt werden dürfen (vgl.
BGH NZG 2012, 191, 194 = ZIP 2012, 266, 269 = WM 2012, 280, 283 = DB
2012, 281, 284; LG München I, Beschluss vorn 21.6.2013, Az. 5HK 0
19183/09, Beschluss vom 28.6.2013, Az. 5HK 0 18685/11; Beschluss vom
9.8.2013, Az. 5HK 0 1275/12; Beschluss vorn 28.5.2014, Az. 5HK 0 22657/13,
S. 34 ff.; Drescher Spindler/Stilz, AktG, 3. Aufl., § 4 SpruchG Rdn. 21). Die
Antragsgegnerin hat insoweit auch keine Bedenken geäussert, weshalb weitere
Ausführungen hierzu nicht veranlasst sind.
II.
Die Anträge auf Festsetzung einer angemessenen Barabfindung sind auch begrün-
det, weil diese Euro 95,53 je Aktie beträgt und demzufolge eine Erhöhung des von der
Hauptversammlung vom 28.08.2013 beschlossenen Betrages von Euro 90,05 zu erfol-
gen hat; die Verzinsung in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basis-
zinssatz war ab dem 7.11.2013 auszusprechen.
Aufgrund von § 327 b Abs. 1 Satz 1 AktG legt der Hauptaktionär die Höhe der Barab-
findung fest; sie muss die Verhältnisse der Gesellschaft im Zeitpunkt der Beschluss-
fassung ihrer Hauptversammlung berücksichtigen. Die Barabfindung ist dann ange-
messen, wenn sie dem ausscheidenden Aktionär eine volle Entschädigung dafür
verschafft, was seine Beteiligung an dem arbeitenden Unternehmen wert ist, die also
den vollen Wert seiner Beteiligung entspricht. Zu ermitteln ist also der Grenzpreis, zu

dem der aussenstehende Aktionär ohne Nachteil aus der Gesellschaft ausscheiden
kann (vgl. nur OLG München WM 2009, 1848 f. = ZIP 2009, 2339, 2340; ZIP 2007,
375, 376; Beschluss vom 11.9.2014, Az. 31 Wx 278/13; OLG Frankfurt AG 2012,
513, 514 = ZIP 2012, 124, 126; Beschluss.vom 28.3.2014, Az. 21 W 15/11, zit. nach
juris; OLG Stuttgart ZIP 2010, 274, 276 = WM 2010, 654, 646; LG München I ZIP
2015, 2124, 2127; Beschluss vom 10.12.2010, Az. 5HK 0 11403/09, S. 18; Be-
schlüss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17096/11, S. 21).
1 Der Unternehmenswert wurde im Ausgangspunkt zutreffend unter Anwendung
der ErtragsWertmethode ermittelt. Danach bestimmt sich. der' Unternehmenswert
primär nach dem Ertragswert des betriebsnotwendigen Vermögens; er wird er-
gänzt durch eine gesonderte Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermö-
gens, das regelmässig mit dem Liquidationswert angesetzt wird.
Der Ertragswert eines Unternehmens wird dabei durch Diskontierung der den
Unternehmenseignern künftig zufliessenden finanziellen Überschüsse gewon-
nen, die aus den künftigen handelsrechtlichen Erfolgen abgeleitet werden. Da-
bei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es einen exakten oder "wahren" Un-
ternehmenswert zum Stichtag nicht geben kann. Vielmehr kommt dem Gericht
die Aufgabe zu, unter Anwendung anerkannter betriebswirtschaftlicher Metho-
den den Unternehmenswert als Grundlage der Abfindung im Wege der Schät-
zung nach § 287 Abs. 2 ZPO zu bestimmen (vgl. nur OLG München WM 2009,
1848, 1849 = ZIP 2009, 2339, 2340; AG 2007, 287, 288; Beschluss vorn
11.9.2014, Az. 31 Wx 278/13; OLG Stuttgart AG 2007, 128, 130; OLG Düssel-
dorf WM 2009, 2220, 2224; OLG Frankfurt AG 2012, 513, 514 = ZIP 2012, 124,
126; LG München 1 Der Konzern 2010, 188, 189; ZIP 2015, 2124, 2127; Be-
schluss vom 28.6.2013, Az. 5HK 0 18685/11).
a.
Grundlage für die Ermittlung der künftigen Erträge ist die Planung für die
Gesellschaft, die auf der Basis einer. Vergangenheitsanalyse vorzuneh-
men ist und vorliegend auch vorgenommen wurde. Bei Anwendung des
Ertragswertverfahrens sind die in die Zukunft gerichteten Planungen der
Unternehmen und die darauf aufbauenden Prognosen ihrer Erträge aller-,

30
dings nur eingeschränkt überprüfbar. Sie sind in erster Linie ein Ergebnis
der jeweiligen unternehmerischen Entscheidung der für die Geschäftsfüh-
rung verantwortlichen Personen. Diese Entscheidungen haben auf zutref-
fenden Informationen und daran orientierten, realistischen Annahmen auf-
zubauen; sie dürfen zudem nicht in sich widersprüchlich sein. Kann die
Geschäftsführung auf dieser Grundlage vernünftigerweise annehmen, ihre
Planung sei realistisch, darf diese Planung nicht durch andere - letztlich
ebenfalls nur vertretbare - Annähmen des Gerichts oder anderer Verfah-
rensbeteiligter ersetzt werden (vgl. BVerfG NJW 2012, 3020, 3022 = NZG
2012, 1035, 1037 = AG 2012, 674, 676 = 211 3 2012, 1656, 1658 = WM
2012, 1683, 1 .685 f.; OLG München B13 1 2007, 2395, 2397; ZIP 2009, 2339,
2340 = WM 2009, 1848, 1849; Beschluss vom .11.9.2014, Az. 31 Wx
278/13; OLG Stuttgart NZG 2007, 112, 114; AG 2006, 420, 425; 2007,
705, 706). Demzufolge kann eine Korrektur der Planung nur dann erfol-
gen, wenn diese nicht plausibel und unrealistisch ist (vgl. OLG München
WM 2009, 1148, 1849 = ZIP 2009, 2339, 2340; OLG Frankfurt ZIP 2010,
729, 731; OLG Karlsruhe AG 2013, 353, 354; OLG Stuttgart AG 2014,
291, 296 f.; LG München I Der Konzern 2010, 188, 189 f.; ZIP 2015, 2124,
2127; Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11; Beschluss vom
28.6.2013, Az: 5HK 0 18684/11).
Unter Zugrundelegung dieses Prüfungsmassstabes bedürfen die Planan-
nahmen der Organe der W.E.T. AG keiner Korrektur.
(1) Dies gilt zunächst für die allgemeinen Erwägungen die der Planung
ugrunde gelegen haben und die von den Abfindungsprüfern ent-
sprechend ihrem gesetzlichen Auftrag untersucht wurden.
(a) Aus der vorgenommenen Vergangenheitsanalyse lässt sich
kein Grund für eine unsystematische Vorgehensweise bei der
Planung ableiten, die zur Folge haben könnte, dass bereits
deshalb die angenommenen Planzahlen für die Detailpla-
nungsphase als unplausibel einzustufen wären und deshalb

keinen Bestand haben könnten. Die Vergangenheitsanalyse
dient vor allem dem Zweck zu ermitteln, inwieweit die Zukunfts-
prognose hinreichend zuverlässig ist. Die Abfindungsprüfer Mi-
chael Wahlscheidt und Sylvia Fischer erläuterten im Termin
vom 5.3.2015, warum allein aus dem Überschreiten der Plan-
zahlen in zumindest Teilen der Jahre 2010 bis 2012 eine Unge-
eignetheit der Planungssystematik nicht abgeleitet werden
kann, auch wenn beim Umsatz im Jahr 2011 im Vergleich zur
Planung ein um 14,2 % besseres Ist-Ergebnis und im Jahr 2012
ein Überschreiten der Planzahlen um 21,2 % festzustellen war.
Das Jahr 2011 hatte eine unerwartet gute Entwicklung in Asien
mit einem Schwerpunkt im Chinageschäft und in einer höheren
Nachfrage nach Premiumfahrzeugen in Europa. Im Jahr 2012
lagen die Ursachen in einer weiterhin positiven Marktentwick-
lung bei Premiumfahrzeugen in China sowie einer wider Erwar-
ten. hohen Nachfrage nach Premiumautos in den USA mit der
Folge anderer und besserer Ausstattungsmerkmale, wobei bei
der Entwjcklung in den Vereinigten Staaten von Amerika positi-
ve VVährungseffekte in sehr viel stärkerem Masse noch als 2011
auftraten. Die Umsatzentwicklung namentlich in den USA war
so nicht vorherzusehen. Die Gesellschaft profitierte nämlich
ganz wesentlich von einer zeitweisen Monopolstellung als ein-
ziger Anbieter vor allem von Sitzheizungen. In den Jahren 2011
und 2012 fielen dort die beiden grossen Hersteller General Mo-
tors und Chrysler unter Chapter 11, weshalb sich andere Wett-
bewerber zurückzogen, wovon die Gesellschaft deutlich profi-
tiert hat.
Aber auch,das deutlich bessere Ist-Ergebnis beim EBIT in die-
sen Jahren rechtfertigt nicht den Rückschluss auf eine untaugli-
che Planungsgrundlage. Massgebend für das insgesamt um
17,3.% über dem Planansatz liegende tatsächliche EBIT des
Jahres 2011 und des um 77,5 % höheren EBIT im Jahr 2012

waren vor allem erhebliche Währungskursgewinne im Zusam-
menhang mit dem Produktionsstandort in der Ukraine; auch
führte der höhere Umsatz zu Fixkostendegressionseffekten.
Wesentlich für die Planabweichung war vor allem aber auch der
Bereich "Sonstiges" mit einem Plus von 59 VO, das indes auf Ef-
fekten beruhte, die gerade nichts mit dem operativen Bereich
zu tun haben. Ein gegenläufiger Effekt in Asien beruhte auf
nicht geplanten Lohnerhöhungen in China und dem Erfordernis
von mehr Personal. Im Jahr 2012 lag das EBIT in den Vereinig-
ten Staaten von Amerika zwar um 70,5 % über dem Plan, wofür
vor allem Fixkostendegressionseffekte aufgrund des höheren
Umsatzes verantwortlich zeichneten und im Bereich "Sonstiges"
die Zuschreibung einer Tochtergesellschaft mit einem Plus von
Euro 13 Mio. oder über 100 % als Ursache anzusehen sind.
Im Zusammenhang mit der Problematik des Ausgleichs von
VVährungsschwanküngen unter Einsatz eines Hedging wies
Frau Fischer darauf hin, dass für die Planung ein bestimmtes
Budget festgelegt sei und die NotWendigkeit eines Hedging ad
hoc. entschieden werde. Zudem muss gerade in den USA ge-
sehen werden, dass sich dort Währungseffekte zumindest teil-
weise neutralisieren, weil dort ge- und verkauft wird. In der Uk-
raine mussten deutlich weniger Euros eingesetzt werden, um
die dortigen Mitarbeiter in ihrer nationalen Währiing zu bezah-
len. Die Planerwartungen des Vorstandes hinsichtlich der Ent-
wicklung der Währungskurse stimmen mit denen der Kapital-.
marktteilnehtner überein, was die Abfindungsprüfer mit Hilfe ei-
ner Datenbank von Bloomberg abgeglichen haben. Zudem wie-
sen sie darauf hin, dass die ihnen bekannten Hedging-
Zeiträume maximal ein Jahr betrügen. Angesichts dessen kann
auch daraus nicht auf die mangelnde Plausibilität und eine un-
zureichende Planungssystematik geschlossen werden.

33
(b)
Die Tauglichkeit der Planungssystematik der W.E.T. erhellt sich
aber vor allem aus einem Vergleich des im Rahmen der Aktuali-
tätsprüfung vorgelegten Forecast für das zweite Quartal des
Jahres 2013 in Relation zu den Werten des ersten Quartals, die
bei der Prüfung bereits vorlagen. Bei den Umsatzzahlen sah
der Forecast Q1/2013 einen Betrag von Euro 90 Mio. vor, während
tatsächlich Euro 89 Mio. realisiert wurden; beim EBIT ging die Pla-
nung für das erste Quartal von einem Wert von Euro 8,4 Mio. aus,
während tatsächlich ein Betrag von Euro 8,5 Mio. erzielt wurde. Die
Gründe für die abweichende Entwicklung lagen vor, allem in
Asien, wo aufgrund geringerer Nachfrage ein um 18,3 % niedri-
ger Umsatz zu verzeichnen war, während in Europa die Berei-
che Autokabeltechnik und Sitzheizungen relativ gut liefen und
zu einem Plus von 5,1 % beim Umsatz führten. Die Gründe
hierfür sind in einer besseren Materialeffizienz zu sehen, nach-
dem ein wichtiges Programm an einen Wettbewerber verloren
ging. Gegenüber der Planung ging die EBIT-Marge um 59 %
gegenüber den Planannahmen für Q1/2013 zurück, weil Asien
mit Anlaufverlusten für neue Aufträge behaftet war: Gerade da-
raus kann dann aber nicht ein dauerhafter Rückgang ange-
nommen werden, weil Anlaufverluste im Laufe der Zeit ausge-
glichen werden. Insgesamt war die Abweichung in der Summe
der gegenläufigen Effekte gering; angesichts dessen kann von
einer tauglichen Planungsgrundlage ausgegangen werden.
In der Gesamtbetrachtung des ersten Halbjahres 2013 blieb der
Umsatz um 4 % hinter den Planannahmen zurück, was ange-
sichts der jeder Prognose anhaftenden Unsicherheit eine relativ
geringfügige Abweichung darstellt. Das Ergebnis blieb um Euro 2,6
Mio. hinter den Planannahmen zurück, was zur Hälfte durch ei-
nen Sondereffekt bei Personalaufwendungen in Form von Ab-
findungszahlungen zu erklären ist.

Insgesamt zeigt aber gerade der Vergleich der Planzahlen mit
den bereits für das Jahr 2013 vorliegenden Ist-Zahlungen, dass
sich die Abweichungen insgesamt in einem sehr moderaten
Rahmen bewegten und gerade das Ergebnis für das erste
Halbjahr von einmaligen Ereignissen geprägt waren, so dass
die Systematik der Planung dadurch nicht infrage gestellt wer-,
den kann und auch eine Hochrechnung des ersten Halbjahres
auf das gesamte Geschäftsjahr nicht erfolgen konnte.
(c) Weiterhin kann nicht davon ausgegangen werden, die Vergan-
genheitsanalyse gebe Trends falsch wieder. Die im Bewer-
tungsgutachten von PwC dargestellten Bereinigungen um Ein-
maleffekte mussten nach den Erkenntnissen von Herrn Wahl-
scheidt und Frau Fischer vorgenommen werden, um eine sach-
gerechte Grundlage für die Planung zu erlangen. Dies gilt ins-
besondere auch für die Eliminierung des Ertrags aus Wertauf-
holung der Kundenbeziehung in Höhe von Euro 20 Mio. im Jahr
2010, die ebenso auf einem aussergewöhnlichen Einmaleffekt
beruhte wie in der Vergangenheit vorgenommenen Abwertun-
gen aus Kundenbeziehungen. Eine Anpassung des operativen
EBIT im Jahr 2010 insbesondere auch um einen Betrag von Euro 4
Mio. wegen der Auflösung von Rückstellungen konnten die Prü-
fer nicht bestätigen. Im' Jahr 2012 indes kam es zu einer Auflö-
sung einer Gewährleistungsrückstellung in einem Umfang von Euro
4 Mio., die ausweislich der von den Prüfern nicht beanstande-.
ten Erkenntnisse im Bewertungsgutachten von PwC aufgrund
von Prozessverbesserungsmassnahmen bei der Entwicklung
und Produktion sowie aufgrund von allgemeinen Qualitätsstei-
gerungen vorgenommen werden konnte.
(d) Die Abfindungsprüfer fanden nach ihren Angaben im Termin
vom 5.3.2015 keinerlei Anhaltspunkte für eine Einflussnahme
der herrschenden Gesellschaft auf die Planannahmen der

W.E.T. AG für den Zeitraum der Detailplanungsphase. Die
Planannähmen für die Jahre 2013 bis 2015 datierten vom
Herbst 2012 und entsprachen dem bei der Gesellschaft übli-
chen dreijährigen Planungszeitraum. Im Zuge der Aktualisie-
rung der Planung nahm der Vorstand dann die Ergänzung um
das Jahr 2016 vor, was sich aus dem Umstand ergab, dass das
in der Ausgangsplanung enthaltene Jahr 2013 zum Zeitpunkt
der Hauptversammlung am 28.8.2013 bereits zu nahezu 2/3
abgelaufen war. Diese geänderte Planung wurde dann vom
Aufsichtsrat am 4.6.2013 nochmals bestätigt. Die Plananpas-
sungen erfolgten in allen Bereichen unter Beachtung der zu
diesem Zeitpunkt aktuellen Auftragslage, wobei gewonnene
und verlorene Aufträge antizipiert wurden. Dabei kam es zu ei-
ner Erhöhung der Umsatzzahlen für die Jahre 2013 und 2014,
während der Umsatz für das Geschäftsjahr 2015 rückläufig an-
gesetzt wurde. Das EBIT wurde in allen Jahren reduziert. Die
von den Abfindungsprüfern vorgenommenen Analysen der
neuen Planzahlen zeigten dabei, dass die Gesellschaft spezi-
fisch für ihre Aufträge plant.
Allerdings handelt es sich bei den Abfragen der OEM nach
Sitzheizungen um einen ständigen Vertriebsprozess, bei dem
Aufträge' gewonnen, aber auch verloren werden. Aufbauend auf
diesen Erkenntnissen auch aus der Vergangenheit wurde die-
ser Umstand in der Planung angemessen berücksichtigt. Dabei
muss gesehen werden, dass die grossen Automobilhersteller
nicht in starke Abhängigkeit von einem einzigen Zulieferer gera-
ten wollen und daher ein "Exklusivstatus" kein dauerhafter Zu-
stand sein kann.. Eine dauerhafte Beauftragung kann realisti-
scherweise nicht unterstellt werden, weil es bei den Automobil-
herstellern einen ständigen Wechsel von Baureihen gibt, die
dann auch immer wieder neu an die Zulieferer vergeben wer-
den. Zudem gibt es OEM, die von der W.E.T. AG überhaupt

nicht beliefert werden. Langfristige Verträge prägen das Ge-
schäft gerade nicht; auch wenn für eine bestimmte Baureihe ein
Auftrag gewonnen wurde, bedeutet dies für die Gesellschaft
keine Sicherheit dahingehend, die Sitzheizungen zwingend
auch bis zum Auslaufen der Baureihe produzieren zu können.
Bei den Planansätzen für das Jahr 2013 ist es folglich als
durchaus plausibel zu bezeichnen, wenn die Gesellschaft da-
von ausgeht; dass - worauf Herr Wirtschaftsprüfer Späth von
der Bewertungsgutachterin hingewiesen hat - die Situation_in
den USA in den Jahren der Vergangenheitsanalyse ein Glücks-
fall war, der so nicht aufrechterhalten werden könne, weshalb
im Jahr 2013 die Rückkehr von Wettbewerbern eingepreist
wurde. Andererseits gewann die W.E.T. AG nach dem Ab-
schluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages
mit der Antragsgegnerin einen Status als Exklusivlieferant für
Hyundai und KIA, wobei allerdings auch hier anzunehmen ist,
dass diese Hersteller einen zweiten Zulieferer sehen werden,
weshalb im Jahr 2013 das Umsatzwachstum mit 14 % im Ver-
gleich zu den Jahren 2011 und 2012 nicht mehr so stark an-
steigen wird.
(e) Die Länge der Detailplanungsphase mit vier Jahren muss nicht
korrigiert werden. Es kann nämlich nicht davon ausgegangen
werden, diese sei zu kurz bemessen. Die Zeitspanne von vier
Jahren entspricht einer üblichen Dauer und ist dabei - wie der
Kammer aus einer Vielzahl von Spruchverfahren bekannt ist -
im mittleren Bereich des üblichen Rahmens von drei bis fünf
Jahren angesiedelt. Die Frage, für welchen Zeitraürn eine Un-
ternehmensplanung erstellt wird, stellt sich als eine unterneh-
merische Entscheidung des Vorstandes dar, die insbesondere
auch nicht dem Einfluss des Vertragsprüfers unterliegt und
auch vom Gericht-nur eingeschränkt überprüft werden kann.

Bei der Länge der Detailplanungsphase, die der Vorstand fest-
legt, ist zu berücksichtigen, dass die Prognosegenauigkeit im
Zeitablauf naturgemäss immer weiter abnimmt und folglich mit
einer längeren Detailplanungsphase kein Erkenntnisgewinn er-
wartet werden könnte.
(2) Die Umsatzplanung für den Zeitraum der Jahre 2013 bis 2016 bedarf
keiner Korrektur.
) Hinsichtlich der Plausibilität der Umsatzentwicklung im Jahr
2013 kann auf die obigen Erwägungen verwiesen werden.
) Die Annahme sinkender Zuwachsraten beim Umsatz vor allem
im Vergleich des Jahres 2016 zum Vorjahr muss als plausibel
bezeichnet werden.
(aa) Die Abfindungsprüfer begründeten diese rückläufige Ent-
wicklung unter Hinweis auf das absehbare Ende der rela-
tiv exklusiven Lage der Gesellschaft in den USA, wo je-
denfalls bereits ab dem Jahr 2015 mit einem zunehmen-
den und sich damit verschärfenden Wettbewerb zu rech-
nen ist, weil Wettbewerber, die im Zuge der Krise der Jah-
re 2011 und 2012 mit dem Unterstellen zweier grosser US-
amerikanischer Hersteller unter Chapter 11 aus dem
Markt ausgeschieden sind, wieder in den Markt zurück-
kehren. Gerade deshalb muss damit gerechnet werden,
dass künftige Verträge auch an diese Wettbewerber ver-.
geben werden. Dies wird zu einem Abflachen des VVadhs-
tums vor allem in Nordamerika führen. Gerade der Wett-
bewerber I.G. Bauerhin GmbH möchte sich wieder auf
dem nordamerikanischen Markt positionieren. Zudem wird
die Exklusivbindung mit Hyundai und KIA nachvollziehbar
auf Dauer nicht gehalten werden können, nachdem bereits

zum Stichtag der Hauptversammlung nach den vom Vor-
stand und den Vertriebsmitarbeitern den Abfindungsprü-
fern vermittelten Erkenntnissen absehbar war, dass in
Asien und dabei speziell in China, wo die Gesellschaft zu-
nächst den Vorteil hatte, als erster Wettbewerber am
Markt aufgetreten zu sein, lokale Anbieter ebenso wie eu-
ropäische Anbieter in den Markt drängen und dort als
Wettbewerber auftreten werden. Von diesen Wettbewer-
bern - insbesondere Panasonic, Kurawe, Quanjing und
Golden Wing - ist nach den Ausführungen von Herrn
Wirtschaftsprüfer Späth im Termin vom 5.3.2015 ein sehr
preisintensiver Wettbewerb zu erwarten, wobei der Vor-
stand Preiskämpfe erwartet, uni gegenüber der W.E.T. AG
Marktanteile zu gewinnen. Dabei ist es für die Kammer
nachvollziehbar, dass - gerade wenn zusätzlich noch ein
neuer Wettbewerber mit Golden Wing auftritt - alle Unter-
nehmen versuchen werden, neben der Qualität auch über
den Preis in Asien Marktanteile zu gewinnen. Dann muss
aber auch ein am dortigen Markt etablierter Teilnehmer
wie die Gesellschaft mit niedrigeren Preisen kalkulieren,
um sich gegenüber den konkurrierenden Unternehmen
behaupten zu können. Angesichts dessen ist der prozen-
tuale, nicht absolute Rückgang des Umsatzwachstums als
plausibel zu bezeichnen.
(bb) Allein aus der Tatsache, dass das Bewertungsgutachten
auf positive 'allgemeine Wachstumsaussichten hingewie-
sen hat und die Automobilbranche vor allem in den. Verei-
nigten Staaten von Amerika und in Asien - mithin auf
durchaus zentralen Absatzmärkten der Gesellschaft.- von
einem Wachstum von durchschnittlich über 3 % p.a. auch
nach 2014 ausgeht, lässt sich nicht auf die mangelnde
Plausibilität der Planung schliessen. Dies resultiert zum ei-

nen aus der Erwägung heraus, dass nach den Erkenntnis-
sen der Abfindungsprüfender Vorstand keine Marktvolu-
mina fortschreibt, sondern einzelne Projekte plant, die ge-
wonnen und verloren werden. Dieser Ansatz ist stärker auf
die Gesellschaft bezogen als der Ansatz über allgemeine
Markterwartungen. Zum anderen werden der Gesamt-
markt und dessen Entwicklung auch von Klein- und Mittel-
klassefahrzeugen geprägt, während die W.E.T. AG vor al-
lem den Premiummarkt beliefert, in dem die OEM Exklusi-
vität vermeiden. Dann aber lässt sich die Plausibilität der
Planannahmen nicht alleine deshalb verneinen, weil die
angesetzten Wachstumsraten nicht exakt mit denen des
Gesamtmarkts übereinstimmen. Nachdem die Gesell-
schaft ihren Schwerpunkt bei den Premiumfabrikaten und
-produkten hat und der Vorstand Erwartungen für zu ge-
winnende Projekte plant, ist ein Abweichen von den
Trends des Gesamtmarkts nachvollziehbar, zumal es für
die Produkte der W.E.T. AG keine geschlossenen Markt-
studien gibt, an denen die Planung gespiegelt werden
könnte.
(cc) Der Ansatz eines unterdurchschnittlichen Wachstums
im Vergleich zur Automobilbranche in den Jahren 2015
und 2015 steht nicht im Widerspruch zum wachsenden
Anteil der Zulieferer an der Wertschöpfungskette und
einem begrenzten Preisdruck der Hersteller auf Zulie-
ferer. Diese Effekte werden nämlich überlagert durch den
erwarteten Verlust der exklusiven Zulieferung von Hyundai
und KIA sowie der absehbaren Schwächung der sehr
starken Position am amerikanischen Markt. Die Exklusivi-
tät der Verträge mit Hyundai und KIA bedeutet dabei näm-
lich nur, dass die W.E.T. AG aktuell der einzige Lieferant
war; diese Verträge enthalten indes gerade keine Klausel

40
in dem Sinne, dass Aufträge von diesen beiden Herstel-
lern nicht auch an andere Automotive-Anbieter vergeben
werden dürften, worauf Herr Späth als Vertreter der Be-
wertungsgutachterin im Termin vom 5.3.2015 ausdrücklich
hingewiesen hat.
Der angenommene Rückgang des Umsatzes in den Jah-
ren 2015 und vor allem in 2016 steht nicht in unauflösba-
rem Widerspruch zur Positionierung der Gesellschaft in
den von Überkapazitäten vor allem in airopa nicht so
stark betroffenem Premiumsegment. Die Abfindungsprüfer
wiesen nämlich darauf hin, dass die W.E.T. AG in der
Vergangenheit tatsächlich nicht so stark von der Entwick-
lung der Produktionszahlen betroffen war angesichts ihrer
Stellung vor allem im Premiumsegment. Derartige Wachs-
tumsraten werden indes vor allem in Europa nicht mehr zu
erzielen sei, nachdem gerade in den europäischen Län-
dern dem Auto auch und gerade in diesem Segment nicht
mehr die Bedeutung als Statussymbol zukommt und bei
den Angehörigen der jüngeren Generation durchaus ver-
änderte Nutzungserwartungen auch in Bezug auf das Auto
zu beobachten sind. Zudem muss gesehen werden, dass
die Gesellschaft im Bereich "Klimasitze" tatsächlich auch
konkrete Projekte mit Mercedes als einem der führenden
Hersteller im Oberklassenbereich verloren hat. Zudem
muss in der Planung weiterhin gesehen werden, dass die
Gesellschaft zum Ende der Detailplanungsphase abseh-
bar Folgeprojekte nicht mehr erhalten würde. Daraus re-
sultiert dann für die Kammer nachvollziehbar und plausibel
der Ansatz rückläufiger Umsatzzahlen.
Da die Gesellschaft konkrete Projekte plant, kann nicht die
erwartete allgemeine Entwicklung des Bruttoinlandspro-
dukts mit hohen Wachstumsraten vor allem in Nordarneri-

ka und Asien als zu wenig berücksichtigt angesehen wer-
den. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, die
Planung berücksichtige zu wenig die Dauer von Konjunk-
turzyklen, nachdem sich die Gesellschaft auf einem
Wachstumspfad befindet, der auch in der Planung na-
mentlich der Jahre 2013 und 2014 abgebildet ist, in denen
die W.E.T. AG ein Gewinner des Aufschwungs der Auto-
mobilindustrie ist.
(dd) Die Planansätze gewichten auch nicht zu stark die Ri-
siken im Vergleich zu den Chancen. Es handelt sich bei
dem zentralen Geschäftsfeld der W.E.T. AG um ein ext-
rem ausschreibungsgetriebenes Geschäft, wobei sich im
Falle der Planung eines neuen Modells durch einen der
Automobilhersteller die Zulieferer, zu denen auch die Ge-
sellschaft gehört, entsprechend bewerben können. Mit
Blick auf die Wettbewerbssituation kann allerdings bei ei-
ner angemessenen Berücksichtigung von Chancen und
Risiken in der Planung nicht ausser Betracht bleiben, dass
die W.E.T. AG angesichts des von Herstellern ausgeübten
Drucks auf die Marge ihre Beteiligung an Ausschreibun-
gen nicht immer aufrecht erhält, worauf Herr Wirtschafts-
prüfer Späth hingewiesen hat. An der Existenz eines ent-
sprechenden Drucks auf die Preise und damit auch auf die
erzielbare Marge hat die Kammer keinen Zweifel. Diese
lässt sich aus den Geschäftsberichten der Gesellschaft
ableiten. Wenn die Marge der W.E.T. AG dann höher liegt
als bei einer Vielzahl der grossen Automobilhersteller, so
können diese in Kenntnis der Zahlen aus dem Geschäfts-
bericht entsprechenden Druck auf die Zulieferer wie die
W.E.T. AG ausüben, die Preise zu senken, wodurch ei-
nerseits die Kosten der OEM sinken, andererseits aber
auch die Erträge der W.E.T. AG als Zulieferer gesenkt

Werden. Solange sich die Marge für einen Zulieferer noch
in einem auskömmlichen Rahmen bewegt, wird ein Zulie-
ferer auf den Druck der Automobilhersteller reagieren und
bereit sein, die Verkaufspreise zu senken, um nicht den
Auftrag insgesamt zu verlieren. Gerade in diesem Zu-
sammenhang kann nicht ausser Acht gelassen werden,
dass nach den Ausführungen der Abfindungsprüfer bereits
vor dem Stichtag der Hauptversammlung bekannt war,
dass bei BMW als einem der grossen Automobilhersteller
insbesondere im Premiumsegment eigene Sitzheizungen
von der dortigen Forschungs- und Entwicklungsabteilung
entwickelt werden, was dann wiederum negative Auswir-
kungen auf den Umsatz und die EBIT-Marge eines Zulie-
ferers wie der W.E.T. AG hat.
Die mangelnde Plausibilität der Planung resultiert auch
nicht aus der Erwägung heraus, es müsse die zunehmen-
de Bedeutung von Sitzheizungen und Klimasitzen auch
unterhalb der Premiumklasse und in Asien stärker berück-
. sichtigt werden. Auch in diesem Zusammenhang gilt der
nachvollziehbare Ansatz des Vorstands, gerade in Asien
müsse wegen der aufkommenden bzw. sich verstärken-
den Konkurrenz einheimischer Hersteller mit Marktanteils-
verlusten und Preiskämpfen jedenfalls am Ende der Pha-
se I gerechnet werden.
Die Auswirkungen des Preisdrucks zeigen sich auch da-
ran, dass die Gesellschaft bei zwei Ausschreibungen nicht
mehr von Modellen nicht mehr willens war, diesen Preis-
druck mitzumachen; diese Entscheidung der Gesellschaft
muss als unternehmerische Entscheidung im Rahmen ei-
nes Spruchverfahrens hingenommen werden.

(ee) Bestehende Verträge flossen angemessen in die Pla-
nung ein. Herr Wahlscheidt wies darauf hin, dass die be-
stehenden langfristigen Verträge Vereinbarungen enthal-
ten, wonach die OEM für eine bestimmte Modellreihe eine
bestimmte Stückzahl beispielsweise an Sitzheizungen ab-
rufen können. Dann beträgt die Vorlaufzeit etwa zwei bis
drei. Monate, so dass die Gesellschaft innerhalb von drei
Monaten die. angeforderte Stückzahl an den Automobil-
hersteller liefern muss. Eine feste Abnahmeverpflichtung
von bestimmten Mengen ist - entsprechend den Gepflo-
genheiten der Branche - in diesen Verträgen allerdings
gerade nicht vereinbart. Weiterhin kann nicht unberück-
sichtigt bleiben, dass seitens der Hersteller im Zeitablauf
typischerweise Abschläge auf den Preis verlangt werden,
selbst wenn die Kosten beim Zulieferer wie der Gesell-
schaft inflationsbedingt steigen. Demgemäss warten Zulie-
ferer und damit auch die W.E.T. AG vielfach auf neue
Modellreihen, weil dann die Preise neu , verhandelt wer-
den können, während bei aktuell zu beliefernden Modell-
reihen eine stabile EBIT-Marge nur über Kostenoptimie-
rungen beim Zulieferer erreicht werden könne.
Angesichts des auch von den Abfindungsprüfern bestätig-
ten Abruf-Verfahrens sind diese längerfristigen Vereinba-
rungen, bei denen es sich gerade nicht um feste Abnah-
meverträge handelt, nicht geeignet, den Wettbewerbs-
druck zu nehmen.
(ff) Die Umsatzplanung berücksichtigt auch hinreichend die
Entwicklung neuer Produkte wie beheizbare Cupholder
oder beheizbare Sitze in Fussballstadien oder für Skilifte;
auf der arabischen Halbinsel sind auch kühlbare Sitze für
Stadien in der Platiung. Auch wenn es in diesen Berei-

chen noch keine Marktdurchdringung gibt, sind in der Pla-
nung erwartete Umsätze aus diesen Projekten nach den
bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnissen der Abfin-
dungsprüfer sehr wohl enthalten.
(gg) Es kann nicht davon ausgegangen werden, die Umsatz-
planung vernachlässige das Interesse der Automobilher-
steller an zuverlässigen Zulieferern. Auch wenn dieses In-
teresse zweifelsohne zu bejahen ist, führt dies aber ge-
rade dazu, dass die OEM Wert auf die Existenz mehrerer
Zulieferer legen, um nicht in zu grosse Abhängigkeit von
lediglich einem Unternehmen mit allen negativen Auswir-
kungen zu geraten, wenn es bei diesem - aus welchen
Gründen auch immer - zu Stockungen in der Produktion
kommt.
(hh) Dem Rückgang der Zuwachsraten lässt sich nicht entge-
genhalten, es gebe hohe Markteintrittsbarrieren auch re-
gulatorischer Art, weshalb das Auftreten neuer Wettbe-
werber unwahrscheinlich sei. Die Abfindungsprüfer wiesen
darauf hin, dass das Bestehen regulatorischer Vorgaben
in einzelnen Ländern bei ihren Erörterungen mit den Ver-.
antwortlichen kein Thema gewesen sei. Der Vorstand der
Gesellschaft sah vor allem keine Hindernisse technologi-
scher und wirtschaftlicher Art, nachdem das erforderliche
Kapital bei potenziellen Wettbewerbern vorhanden sei. Als
wesentlich für den Markteintritt müsse deshalb vielmehr
das Erfüllen der Qualitätsanforderungen der OEM ange-
sehen werden. Dabei kann allerdings nicht davon ausge-
gangen werden, ein grosser Hersteller könne es sich nicht
leisten, auf gänzlich neue Zulieferer oder Zulieferer ohne
Erfahrungen bislang für diesen OEM zurückzugreifen. Die
grossen Automobilhersteller eruieren nämlich im Vorfeld

stets, , inwieweit die Zulieferunternehmen ihren Qualitäts-
anforderungen genügen oder nicht. Auch wenn der "Kon-
takt zum Kunden" wichtig und ein nicht zu vernachlässi-
gender Faktor ist, den gänzlich neu eintretende Wettbe-
werber so nicht aufweisen, kann allein daraus angesichts
der sonstigen Entwicklungen am Markt eine unplausible
Planung der Gesellschaft nicht angenommen werden.
Ebenso wenig vernachlässigen die Planannahmen, bei
der Gesellschaft könnte es sich um einen sogenannten
Hidden Champion und um einen Marktführer mit einem Al-
leinstellungsmerkmal und technologischer Führerschaft
handeln. Dieser Annahme stehen nämlich die leichte Ver-
fügbarkeit der Technik und damit die Austauschbarkeit der
W.E.T. AG in der Zulieferkette entgegen.
(ii) Weltweite Förderprogramme für umweltfreundliche
Technologien mussten nicht stärker in die Planung
einfliessen, weil diese bei der Gesellschaft nahezu keine
Rolle spielen. Die Antragsgegnerin hat in ihrer Erwiderung
für die Kammer überzeugend darauf hingewiesen, dass
der Einbau von Sitzheizungen oder Klimasitzen eher zu
einem erhöhten Kraftstoffverbrauch führt und die Herstel-
ler von Förderprogrammen umweltfreundlicher Technolo-
gien profitieren, nicht aber die W.E.T. AG als Zulieferer ei-
nes Produkts, das zwar den Komfort im Fahrzeug erhöht,
aber hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit eher kontrapro-
duktiv ist
(jj) Aus den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung
kann ein höheres Umsatzwachstum als angenommen
nicht zwingend abgeleitet werden. Die Aufwendungen der
Gesellschaft in diesem Bereich fliessen vor allem in die Op-

timierung bei der Entwicklung neuer Baureihen, mithin al-
so in die Anpassung und Verbesserung für die Modelle,
denen man zuarbeitet. Der Schwerpunkt dieser Aufwen-
dungen liegt eben gerade nicht in der Grundlagenfor-
schung, auch wenn es einzelne Projekte für die Zukunfts-
entwicklung gibt, die aber noch keine relevanten Umsatz-
felder darstellen. Das Ziel der Aufwendungen im Bereich
Forschung und Entwicklung besteht somit in erster Linie
darin, die Kostenoptimierung voranzutreiben, um so die
Forderungen der Hersteller nach Preisnachlässen kom-
pensieren zu können.
Soweit der Halbjahresbericht 2013 auf eine Kostensteige-
rung in diesem Bereich in Höhe von Euro 2,2 Mio. hinweist,
die vor allem auf der Neueinstellung von Mitarbeitern zur
Entwicklung von Interieur-Heizungen beruhte, so ist dieser
Ansatz deutlich in die Zukunft gerichtet, wenn irgendwann
verstärkt elektrifizierte Autos auf dem Markt sein werden.
Da aber insoweit die zeitlichen Dimensionen bis in das
Jahr 2030 reichen, kann daraus kein verstärkter Umsatz
im Verlauf der Detailplanungsphase abgeleitet werden.
Dasselbe gilt für Kühl- oder heizbare Krankenbetten als
Bereich, in dem ebenfalls Grundlagenforschung betrieben
wird.
(3) Die Aufwandsplanung muss als plausibel eingestuft werden und be-
darf folglich keiner Korrektur.
(a) Dies gilt zunächst für den Anstieg der Verwaltungskosten in vier
Jahren in einem Umfang von Euro 10 Mio., nachdem es in den drei
Jahren der Vergangenhehanalyse zu einem Anstieg von ledig-
lich Euro 4 Mio. gekommen war: Der dabei vorgenommene Ansatz
der erhöhten Zahlen übersieht nämlich, dass die Verwaltungs-

47
kosten im Vergleich zum Umsatz unterproportional ansteigen
sollen. Während der Umsatz von Euro 335,445 Mio. im Jahr 2012
auf Euro 465,859 im Jahr 2016 steigen soll, was ein Wachstum von
Euro 130,414 Mio. oder 38,88 % darstellt, steigen Vertriebskosten
von Euro 12,493 Mio. im Jahr 2012 um Euro 4,042 Mio. auf Euro 16,535
oder um 32,35 %. Soweit die Antragsteller zu 1) bis 5) darauf
hinweisen, aus dem Bewertungsgutachten von PwC Tz. 240
ergebe sich ein Anstieg der allgemeinen Verwaltungskosten
von Euro 23 Mio. im Jahr 2012 auf Euro 32 Mb. im Jahr 2016, ist dies
bereits dem Bewertungsgutachten nicht zu entnehmen; unter
Tz. 240 und 267 werden für das Geschäftsjahr 2013 um 2,3 %
fallende Verwaltungskosten in Höhe von Euro 22,511 Mio. und für
das Geschäftsjahr 2016 Verwaltungskosten von Euro 24,46 Mio.
angesetzt. Diese Zahlen entsprechen auch den Erkenntnissen
der Abfindungsprüfer, wie sie in der Tabelle auf Seite 43 des
Prüfungsberichts wiedergegeben sind. Damit liegt aber der An
stieg dieser Kosten mit ca. 8,66 % deutlich unter dem Anstieg
des Umsatzes. Aber auch die Vertriebskosten steigen mit 32,35
% weniger stark als das Umsatzwachstum der Phase I im Ver-
gleich zum letzten Ist-Wert des Jahres 2012. Diese Entwick-
lung hat ihre Ursache in Fixkostendegressionseffekten. Ande-
rerseits ist es zwingend, dass ein Umsatzwachstum höhere
Vertriebskosten ebenso nach sich zieht wie höhere allgemeine
Verwaltungskosten.
(b) Nicht korrigiert werden müssen die Ansätze zur Planung der
Rohstoffpreise allgemein und vor allem auch die dabei getroffe-
nen Überlegungen zur Entwicklung des Preises für Kupfer.
Ausgangspunkt für die entsprechenden Planannahmen waren
nach den Erkenntnissen der Abfindungsprüfer die erwarteten
Umsätze für die einzelnen Komponenten nach der Stückzahl
und hinsichtlich der. Preise die aktuellen Terminpreise, die dann
mit den Erwartungen der Marktteilnehmer insbesondere über

48
Rohstoffpreise abgeglichen wurden. Dabei konnte für das Jahr
2013 noch detailliert geplant werden, während für die Folgejah-
re die Rohstoffpreise mit pauschaleren Annahmen fortgeschrie-
ben wurden. Gerade für Kupfer wird die Planung indes durch
die hohe Volatilität der Kupferpreise erschwert. Wenn die Ge-
sellschaft entsprechend den Angaben der Abfindungsprüfer in
ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 12.5.2015 von einem
Preis von US-$ 8,10 je kg Kupfer ausgingen, kann dieser An-
satz nicht infrage gestellt werden; er muss vielmehr als plausi-
bel angesehen werden, weil die Kontrolle der-Planung gerade
über den Vergleich mit Einschätzungen anderer Marktteilneh-
mer sinnvoll ist und auch bestätigt wurde. Der Ansatz des Kup-
ferpreises in der Planung beruhte auf der Prognose der Aurubis
. AG als einem der grossen Kupferproduzenten, die im Juli 2012
einen Mittelwert für 2013 von etwa US-$ 8,10 je kg nannte. Am
31.7.2012 wurde von. UniCredit Research - also zu einem Zeit
punkt rund vier Wochen vor der Hauptversammlung - in einem
Marktausblick festgestellt, der Kupferpreis befinde sich in einem
langfristigen Seitwärtstrend, wobei als Faktoren für einen anhal-
tend hohen Kupferpreis von diesen Analysten die anhaltend
hohe Nachfrage nach Kupfer durch Infrastrukturprojekb in
Schwellenländern sowie die enttäuschende Angebotsentwick-
lung aufgrund fehlender Erzgehalte und mangelnder Verfügbar-
keit von Wasser, Energie und Arbeitskräften genannt wurde.
Andererseits sehen diese Analysten Abwärtsrisiken aufgrund
eines langsameren Wirtschaftswachstums in, den Nachfrage-
ländern China und Indien.
Die in der Planung angesetzten Kaufpreise lagen dabei nach
den Erläuterungen der Abfindungsprüfer in einer rnöglichen
Bandbreite von Kupferpreisen und bedürfen daher keiner Kor-
rektur. Es muss dabei nämlich besonders die Schwierigkeit der
Prognose der Entwicklung von Rohstoffpreisen gesehen wer-

den, weil diese mit erheblicher Unsicherheit verbunden ist und
es keine weithin akzeptierte Vorgehensweise zur Verwendung
von Forward Rates oder Stichtagskursen als Schätzer für die
zukünftigen Preise gibt. Die Entwicklung der Kupferpreise in der
Vergangenheit unterlag erheblichen Schwankungen - so wie-
sen Herr Wahlscheidt und Frau Fischer darauf hin, dass in ei-
n'em Zeitraum zwischen Februar und Oktober 2011 der Preis je
Tonne Kupfer zwischen US-$ 10.147,15 und US-$ 6.975,25
schwankte. Auch waren die allgemeinen Markterwartungen
zum Prüfungszeitpunkt unterschiedlich ebenso wie zum mass-
geblichen Stichtag der Hauptversammlung. Neben den Progno-
sen einer geringeren Nachfrage wegen konjunktureller Proble-
me besonders in China gab es auch Einschätzungen dahinge-
hend, dass sich kommerzielle Marktteilnehmer durch den Kauf
von Futures wegen erwartet, steigender Preise absichern wür-
den. Aus all diesen Gründen muss der angesetzte Wert von
US-$ 8,10 je kg als plausibel bezeichnet werden.
Dem steht auch nicht eine Pressemitteilung vom Januar 2014
entgegen, wonach der Kupferpreis im Jahr 2013 angesichts zu-
nehmender Förderkapazitäten um 7,8 % in US-$ und 10,7 % in
Euro gesunken sei. Diese Pressemitteilung rechtfertigt allerdings
nicht die Annahme eines zu hoch geschätzten Kupferpreises,
weil dadurch letztlich nur die Volatilität der Entwicklung auf den
Rohstoffmärkten gerade für Kupfer bestätigt wird.
Die Gesellschaft nahm zudem eine Absicherung gegen vor al-
lem für sie selbst nachteilige Schwankungen der Rohstoffpreise
dergestalt vor, dass in den von ihr abgeschlossenen Verträgen
Klauseln aufgenommen wurden, wonach 2/3 der Preissenkun-
gen an die Kunden weitergegeben werden können oder. müs-
sen. Dadurch wird gewährleistet, dass angesichts der Volatilität
der Rohstoffpreise nicht oder gegebenenfalls nur schwer prog-
nostizierbare und planbare Veränderungen keine zu starken

50
Auswirkungen auf die Planannahmen entfalten, wobei ange-
sichts der in der Vergangenheit zu beobachtenden Entwicklun-
gen und unterschiedlichen Prögnosen auch nicht klar sein
konnte, in welche Richtung sich die Preise entwickeln würden,
wenn es zu deutlichen Veränderungen auf den Rohstoffmärkten
für Kupfer kommt.
(c) Die Annahme einer zurückgehenden Bruttomarge rechtfertigt
keinen Rückschluss auf eine unplausible Planung; weil diese
Annahme nach den Erläuterungen der Abfindungsprüfer im
Termin zur mündlichen Verhandlung sachgerecht war.
(aa) Die Umsatzkostenquote, die herangezogen wurde, setzt,
sich dabei zusammen aus der Materialkosten- und der
Produktionskostenquote, wobei der Modellmix bei der
W.E.T. ÄG hin zu materialintensiveren Produkten geht.:
Dabei kommt es zu Verschiebungen zwischen den Sitz:
heizungen, der Autokabeltechnik und dem vor allem in
Nordamerika befindlichen Produkt mit der PTC-
Technologie, wo für diesen Bereich sehr unterschiedliche,
aus der jeweiligen Materialeinsatzquote begründete Mar-
gen bestehen, die von den Abfindungsprüfern auch im
Verlaufe der Prüfung erhoben wurden. Der deutlich erhöh-
te Materialaufwand beruht dabei gerade auch auf der
Notwendigkeit des Einkaufs der PTC-Technologie; dies
führt dazu, dass die Herstellkosten für diese Technologie,
die in Nordamerika in der Produktkategorie "Sitzheizun-
gen" zum Teil zum Einsatz kommt, über dem Verkaufs-
preis liegt. Das Bewertungsgutachten, auf das die Prüfer
zur vertiefenden Begründung ihrer Annahme verwiesen
haben und dies auch konnten, macht deutlich, dass für die
Detailplanungsphase mit dem Automobilhersteller General
Motors keine Abrede wird getroffen werden. können, die

margenstärkere klassische Sitzheizungstechnologie zum.

Einsatz zu bringen. Wenn die Gesellschaft auf diese Vor-
gaben eines grossen US-amerikanischen Automobilherstel-
lers eingeht, um diesen nicht insgesamt als Kunden zu
verlieren, ist dies eine unternehmerisdhe Entscheidung
des Vorstandes; die nachvollziehbar ist und in einem
Spruchverfahreh hingenommen werden muss, auch wenn
sich dadurch Margen verschlechtern.
Bei der Autokabeltechnik ist der Materialeinsatz viel höher
als bei der klassischen Sitzheizung mit Litzentechnik; bei
Klimasitzen muss zusätzlich eine Kühlung angeboten
werden, wodurch ohne jeden Zweifel der Materialaufwand
ansteigt. Da die Umsatzsteigerungen in den Produktkate-
gorien "Klimasitze" und "Kabeltechnik" vor allem ausweis-
lich der Tabelle auf Seite 43 des Prüfungsberichts in den
Jahren 2014. bis 2016 über den Steigerungsraten bei der
Sitzheizung liegt, auch wenn diese Kategorie in absoluten
Zahlen immer noch dominiert, ist es nachvollziehbar, dass
die Bruttomarge sinkt, nachdem die Bereiche "Klimasitze"
und "Autokabeltechnik" einen höheren Materialaufwand
verlangen.
Eine weitere Aufschlüsselung des Produktmix und der Ma-
terialaufwandsquote auf die einzelnen Produktkategorien
muss auch unter Berücksichtigung des in §§ 17 Abs. 1
SpruchG, 26 FamFG normierten Amtsermittlungsgrund-.
satzes durch die Vorlage von entsprechenden Planungs-
unterlagen nicht erfolgen. Damit würden Geschäftsge-
heimnisse preisgegeben, weil nähere Angaben zur Mate-
rialaufwandsquote im Produktmix und dabei vor allem zur
PTC-Technologie den Kern der Tätigkeit der Antragsgeg-
nerin betreffen; dieser Umstand wird auch von Seiten der
Antragsteller nicht in Frage gestellt. Eine Übermittlung der

52
Detailinformationen - wie angeregt - ausschliesslich an die
Kammer oder den Vorsitzenden mit dem Ziel einer Bewer-
tung durch das Gericht ist zur Überzeugung der Kammer
nicht möglich, weil dieser Vorgehensweise grundlegende
rechtsstaatliche Bedenken entgegenstehen. Die Antrag-
steller haben entsprechend dem in Art. 20 Abs. 3 GG ver-
ankerten Rechtsstaatsgrundsatz einen Anspruch darauf,
dass nur solche Tatsachen zur Grundlage einer gerichtli-
chen Entscheidung gemacht werden, zu denen sie sich
äussern konnten, ihnen also auch rechtliches Gehör im
Sinne des Art. 103 Abs. 1 GG gewährt wurde (vgl. Pus-
zkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 7
SpruchG Rdn. 76). Dies wäre dann nicht der Fall, wenn
das Gericht Exklusiverkenntnisse erlangt, wobei es letzt-
lich keinen Unterschied machen kann, ob diese zugunsten
oder zulasten der Antragsteller verwertet würden. Vorlie
gend muss insbesondere auch berücksichtigt werden,
dass die Abfindungsprüfer die Grundstrukturen der Ent-
wicklung des Produktmix und der Materialaufwandsquote
in ihrem Prüfungsbericht dargestellt haben und insbeson-
dere auch die Grundtendenzen der Entwicklung in den
einzelnen Produktkategorien. Dann aber kann nicht davon
ausgegangen werden, nur mit der Kenntnis weiterer De-
tails, die dann aber Rückschlüsse auf die geheim zu hal-
tende Geschäftsstrategie zuliessen, könnten die Antrag-
steller sachgerecht vorgehen und insbesondere hinrei-
chend bestimmte Rügen gegen die Angemessenheit der
Planung erheben. In dieser Situation muss das Interesse
der Gesellschaft an der Geheimhaltung überwiegen. Ein
"in-camera-Verfahren", wie es beispielsweise in § 99
VwG0 mit der Vorlage von Unterlagen ausschliesslich an
ein Gericht vorgesehen ist, kann nur der Gesetzgeber an-
ordnen (vgl. OVG Münster, Urteil vorn 1.4.2014, Az. 8 A

654/12), was indes im Fall des § 7 Abs. 7 SpruchG so
nicht vorgesehen wurde.
(bb) Der Plausibilität der entsprechenden Planannahmen kann
nicht entgegen gehalten werden, die Materialaufwands-
quote müsse angesichts von Kostendegressions- und
Skaleneffekten sinken. Die Abfindungsprüfer haben näm-
lich bei ihrer Anhörung darauf hingewiesen, dass derartige
Effekte tatsächlich in die Planung eingeflossen seien und ,
der steigende Umsatz tatsächlich zu rückläufigen Materi-
alaufwandsquoten führe. Diese und Produktionsaufwen-
dungen sind indes durch produktbezogene Faktoren be-
einflusst.
(d) Die Personalkosten wurden angemessen geplant, wobei insbe-
sondere aus der Verlagerung der Produktion nach Vietnam kei-
ne stärkeren Effekte zu berücksichtigen waren. Es ist nachvoll-
ziehbar, wenn angesichts der in Aussicht gestellten Fertigung
der Produktionsanlagen im Jahr 2014 die Effekte dann im Ver-
lauf der Phase I kaum spürbar sein werden. Die Planung sah
diesbezüglich nach den von den Antragstellern nicht mehr be-
strittenen und damit gemäss §§ 8 Abs. 3 SpruchG, 138 Abs. 3
ZPO als zugestandenen geltenden detaillierten Vortrag der An-
tragsgegnerin im Schriftsatz vom 30.3.2015 vor, dass die Ge-
sellschaft für die Fabriken in Langfang, China und Vietnam zu-
sammen je Mitarbeiter von sinkenden Kosten ausgegangen sei.
Demgegenüber nahmen die Kosten pro Mitarbeiter von 2013
auf 2014 um ca. 9,6 % zu. Die Bewertung legte indes den ge-
planten Hochlauf der Produktion und entsprechend positive
VVertsteigerungen' zugunsten der Minderheitsaktionäre zugrun-
de; das insoweit tatsächlich schlechtere Ist-Ergebnis geht folg-
lich nicht zu Lasten der, ausgeschlossenen Aktionäre und damit
der Antragsteller. Die mit der Verlagerung von Produktions-

standorten allgemein verbundenen Prozessverbesserungen
genügen auch nicht, um den Rückgang der Bruttomarge hinrei-
chend zu kompensieren.
(e) Der Ansatz einer pauschalierten Qualitätsrückstellung ist nicht
geeignet, die fehlende Plausibilität der Planung zu begründen.
Die Berücksichtigung einer derartigen Rückstellung in der Pla-
nung beruht auf den Erfahrungen der Vergangenheit, wonach
immer wieder Gewährleistungsansprüche erfüllt werden muss-
ten. Demgemäss enthielt auch der Konzernabschluss zum
31.12.2012 eine entsprechende Rückstellung über Euro 2 Mio.,
weshalb insbesondere auch kein Gegensatz zu den Vorjahren
festgestellt werden kann. Die Höhe entspricht nach den Er-
kenntnissen und Angaben der Abfindungsprüfer den durch-
schnittlichen Erfahrungswerten aus der Gesellschaft. Verbesse-
rungen im Produktionsprozess führen indes zu einer Reduktion
der Rückstellungen und demgemäss zu deren teilweiser Auflö-
sung. Eine doppelte Berücksichtigung dieser Gewährleistungs-
rückstellungen wurde nicht vorgenommen; die Summe der
Rückstellungen auch in 2012 entsprach einem uneingeschränk-
ten Testat der Abschlussprüfer, dass die Abfindungsprüfer nicht
hinterfragen müssen und ihre Erkenntnisse darauf aufbauen
können (vgl. OLG München, Beschluss vom 7.12.2012, Az.: 31
Wx 163/12; LG München I, Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK
0 19183/09). Das Bestehen entsprechender Verpflichtungen
wurde dann fortgeschrieben, wobei dies in Phase 1 aufgrund ei-
ner verbesserten Qualität und eines deutlich geringeren Risikos
hinsichtlich des Umfangs von Gewährleistungsansprüchen
niedriger erfolgte als im Vergangenheitszeitraum. Wenn bei-
spielsweise im Jahr 2013 bei einem geplanten Gesamtumsatz
von Euro 382,4 Mio. ein pauschalierter Betrag von Euro 500.000r- o-
der 0,13 % vom Gesamtumsatz angesetzt wird, sieht dies die
Kammer nicht als überzogen an. Bei technischen Produkten

55
kann die Geltendmachung von Gewährleistungsansprüchen nie
ausgeschlossen werden. Eine Fortschreibung der Werte des
EBIT des letzten Jahres der Vergangenheitsanalyse kann an-
gesichts der Vornahme einer detaillierten Planung gerade nicht
angenommen werden.
Hinsichtlich der weiteren Rückstellungen finden sich aus der in-
tegrierten Bilanzplanung mit dem Aufsatzpunkt 2012 abgeleitet
Pensionsrückstellungen in Höhe von Euro 3,2 Mio., die dann in der
Detailplanungsphase rückläufig geplant waren, wobei diese
Tendenz ebenfalls bei den sonstigen Rückstellungen zu ver-
zeichnen ist, die vom Aufsatzpunkt des Jahres 2012 mit insge-
samt Euro 24 Mio. auf Euro 16 Mio. am Ende der Detailplanungsphase
zurückgehen sollen. Nicht notwendig ist es dabei gewesen, die-
se in Relation zu Auflösungsquoten in der Vergangenheit zu
setzen. Die Planung erfolgt nämlich gerade in einem Umfang,
dass die Auflösung von Rückstellungen gerade nicht notwendig
werden muss.
(f) Nicht korrekturbedürftig stellen sich die Planansätze für den Be-
reich Forschung & Entwicklung dar, bei dem 7 % des Umsatzes
angenommen wurden. Diese Aufwendyngen, die im Wesentli-
chen nicht für Grundlagenforschung herangezogen werden,
dienen vielmehr der Produktionsentwicklung und verfolgen das
Ziel, den Anforderungen der OEM ergebnisorientiert gerecht zu
werden. Diese Aufwendungen sind nach den Erkenntnissen der
Abfindungsprüfer die Voraussetzung dafür, dass es angesichts
der Vereinbarungen in den Verträgen über Preisnachlässe nicht
zu Margenrückgängen kommen wird. Die Aufwendungen für
Forschung & Entwicklung führen demgemäss zu Produktions-
und Materialkosteneinsparungen, die den Effekt von Preisnach-
lässen in den langfristigen Verträgen ausgleichen sollen. Insge-
samt aber muss gesehen werden, dass der Anteil dieser Kos-

ten am Umsatz im ersten Jahr der Detailplanungsphase noch
bei 7,7 % lag und dann kontinuierlich auf die angeführte Ziel-
quote von 7 % zurückgehen soll. Demgemäss steigen die Auf-
wendungen für Forschung und Entwicklung mit durchschnittlich
3,1 % p.a. deutlich geringer als die Umsätze mit einem jährli-
chen Durchschnittswachstum von 6,8 % im gleichen Zeitraum.
Dabei wachsen allerdings die Kosten für Forschung & Entwick-
lung für die Produktsparte "Commercial/Industry", zu denen
auch die Projekte beispielsweise für beheizbare oder kühlbare
Stadionsitze gehören, die in Phase I um rund 14,4 % wachsen
und zum. Wachstum der Produktkategorie "andere" mit einem
Durchschnittswachstum von 24,6 % im selben Zeitraum beitra-
gen.
(4) Die Ansätze zu den Synergien flossen plausibel in die Planung ein.
Bei der Ermittlung des Ertragswerts im Zusammenhang mit aktien-
rechtlichen Strukturmassnahmen finden angesichts des grundlegen-
den Stand-alone-Prinzips nur solche Synergien oder Verbundeffekte
Berücksichtigung, die auch ohne die geplante Strukturmassnahme
durch Geschäfte mit anderen Unternehmen hätten realisiert werden
können (vgl. OLG Stuttgart NZG 2000, 744, 7451. = AG 2000, 428,
429; AG 2011, 420; BayObIG AG 1996, 127, 128; LG München I,
Beschluss vom 28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12; Zeidler in: Sem-
ler/Stengel, UmwG, 3. Aufl., § 9 Rdn. '47). Gegen diese Grundsätze
wurde nicht verstossen.
(a) Frau Fischer wies darauf hin, dass gerade auch die sich aus
dem Beherrschung und Gewinnabführungsvertrag ergeben-
den Einkaufsynergien implizit in der Planvorschau berücksich-
tigt wurden. Angesichts dieser Vorgehensweise über eine impli-
zite Berücksichtigung konnten die Auswirkungen rechnerisch im
Einzelnen nachvollziehbar nicht dargestellt werden.

(b)
Die Berücksichtigung der Übernahme von Vertriebsmitarbeitern
der Antragsgegnerin in Korea erfolgte sachgerecht. Frau Fi-
scher und Herr Wahlscheidt wiesen darauf hin, dass in den
Umsatzerlösen fünf Mitarbeiter mit einem Konzernaufschlag
enthalten sind, die ihrerseits wiederum Kosten von Euro 600.000,--
verursachten. Die von den Abfindungsprüfern gestellte Frage,
inwieweit diese Ansätze einem Drittvergleich standhalten, be-
jahte die Gesellschaft. Letztlich verhält sich diese Problematik
aber weitgehend ergebnisneutral, da die Ansätze einmal bei
den Umsatzerlösen und zum anderen auch bei den Aufwen-
dungen enthalten sind.
(c) Synergien mussten sich nicht bei den Kosten für Forschung &
Entwicklung niederschlagen, weil es keine vergleichbaren Pro-
dukte zwischen der W.E.T. AG einerseits und der Antragsgeg-
nerin und ihrem Mutterkonzern andererseits gibt. Daher konn-
ten Synergien bei diesem Aufwandsposten nicht einfliessen.
(5
) Das Finanzergebnis wurde ebenso wie die Steuerplanung zutreffend
angesetzt; Anhaltspunkte für eine mangelnde Plausibilität der ent-
sprechenden Ansätze können nicht angenommen werden.
(a) Vom Fehlen des Ausweises eines Zinsertrags kann nicht aus-
gegangen werden, auch wenn dies die Originalplanung der Ge-
sellschaft, wie sie auf Seite 43 des Prüfungsberichts abgebildet
ist, nicht darstellt. Insoweit mussten nämlich wegen des Aus-
weises des Währungsswaps als Sonderwert bei der Ermittlung
des Unternehmenswertes Anpassungen durch die Bewertungs-
gutachter zwingend vorgenommen werden, weil es anderenfalls
zu einer unzulässigen doppelten Erfassung bei der Ermittlung
des Ertragswerts und dann noch als Sonderwert gekommen
wäre. In den Ertragswert eingeflossen sind dann tatsächlich ,
Zinserträge in Höhe von Euro 31 Mio. entsprechend dem Forecast

für das Jahr 2013 und von Euro 20 Mio. jährlich ab dem Jahr 2014.
Dieser Wert resultiert namentlich aus der Verzinsung der be-
triebsnotwendigen Liquidität, die durchgehend mit Euro 8 Mio. an-
gesetzt wurde, wovon die Hälfte - also Euro 4 Mio. - mit einem
Haben-Zinssatz von 0,5 % verzinst wurden. Die verbleibenden
weiteren Euro 4 Mio. setzen sich entsprechend den Erkenntnissen
der Abfindungsprüfer nachvollziehbar so schnell um, dass keine
Möglichkeit zu einer verzinslichen Anlage besteht.
(b) Die zinsbehafteten Verbindlichkeiten wurden aus der integrier-
ten Planungsrechnung abgeleitet, wobei Ausgangspunkt die Bi-
lanz zum 31.12. mit einem Betrag von Euro 17 Mio. war. In den
Folgejahren verringerten sich diese Verbindlichkeiten über Euro 14
Mio. im Jahr 2013, Euro 8 Mio. im Jahr 2014, Euro 4 Mio. im Jahr 2015
auf einen Betrag von noch Euro 2,4 Mio. im letzten Jahr der Detail-
planungsphase, der dann auch als Grundlage für den Terminal
Value herangezogen wurde. Demgemäss sinkt dann aber auch
der Zinsaufwand von Euro 616,000,-- entsprechend dem Forecast
für 2013 auf nur mehr Euro 109.000,-- am Ende von Phase I, wobei
der Vorbestand zu berücksichtigen war. Die Sollzinsen lagen in
der Detailplanungsphase entsprechend den bestehenden Kre-
ditkonditionen zwischen 3,4 % und 4,5 %, wobei der letztge-
nannte Zinssatz auch in der Ewigen Rente herangezogen wur-
de.
(c) Frau Fischer erläuterte im Termin vom 5.3.2015 die Ermittlung
des Konzernsteuersatzes und verwies dabei namentlich darauf,
dass in Phase I die Steuersätze für die einzelnen Länder unter
Berücksichtigung der vor Ort geltenden Steuersätze angesetzt
wurden. Dabei lagen fast alle Gesellschaften in der Nähe der
Konzernsteuerquote und der in Deutschland geltenden Steu-
ersätze. Zwar gab es einige Ausreisser nach oben oder unten;

59
die wesentlichen Länder lagen indes im Bereich der Konzern-
steuerquote.
(6) In der Ewigen Rente müssen keine Anpassungen vorgenommen
werden.
Bei der Gesellschaft muss mit Ablauf des Jahres 2016 von einem
eingeschwungenen Zustand ausgegangen werden - dies ist dann
der Fall, wenn sich Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Bewer-
tungsobjektes am Ende von Phase I im sogenannten Gleichge-
wichts- oder Beharrungszustand befinden und sich die zu kapitalisie-
renden Ergebnisses annahmegennäss nicht mehr wesentlich verän-
dern bzw. mit einer konstanten Rate, der mit dem Wachstumsab-
schlag im Kapitalisierungszinssatz Rechnung getragen wird, verän-
dern. Dabei zeichnet sich die Ewige Rente durch die Berücksichti-
gung langfristiger Entwicklungstendenzen bei der Projektion der in
der Detailplanungsphase gewonnenen Erkenntnisse aus (vgl. OLG
Stuttgart, Beschluss vom 14.9.2011, Az. 20 W 7/08 - zit. nach juris;
Simon/Leverkus in: Simon, SpruchG, 1. Aufl., Anh. § 11 Rdn. 72;
Paulsen 'in: Münchener Kommentar zum AktG, 4. Aufl., § 305 Rdn.
97).
(a) Als korrekturbedürftig kann namentlich nicht der Ansatz einer
EBIT-Marge von 8 % angesehen werden, auch wenn diese in
den Jahren der Detailplanungsphase höher waren.
Die Gesellschaft ist iri ihrer Entwicklung abhängig von der Au-
tomobilbranche, nachdem sie Zulieferer für die grossen Auto-
mobilhersteller bzw. Tier 1 - dabei vorwiegend für Bosch - ist.
Diese Industriesparte ist in hohem Masse konjunkturabhängig,
wie sich im Verlaufe der weltweiten Finanzmarkt- und Wirt-
schaftskrise nach dem Zusammenbruch der US-
amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Inc. zeigte.
Die Krise und anschliessend im Jahr 2009 die Einführung der

Abwrackprämie führte zu Ergebniskapriolen. Zudem zeigt sich
diese hohe Konjunkturanfälligkeit auch an der Sondersituation
in den USA, wo zwei grosse OEM unter Chapter 11 gestellt wur-
den und die W.E.T. AG nach dem Rückzug von Wettbewerbern
praktisch einziger Hersteller hochwertiger Sitzheizungen auf
dem nordamerikanischen Markt war. Andererseits zeigt die
Planungsrechnung der W.E.T. AG - ausgehend vom Ist des
Jahres 2012 und dem aktualisierten Forecast 2013 - eine dy-
namische Wachstumsentwicklung, die sich bis. 2016 zwar ab-
flacht, aber das höchste EBIT mit Euro 46,4 Mio: im letzten Jahr
der Phase I zu verzeichnen hat. Diese Planzahlen bilden keine
konjunkturellen Veränderungen ab, was auch zu den Erwartun-
gen der IHS als Referenzstudie passt.
Bei dem Ansatz einer EBIT-Marge im Terminal Value kann je-
doch nicht angenommen werden, es werde zu keinerlei kon-
junkturellen Einbrüchen oder zumindest Rücksetzern kommen.
Dies ist mit allen volkswirtschaftlichen Erfahrungen in einer kon-
junkturabhängigen Branche nicht zu . vereinbaren. Deshalb
mussten für einen sachgerechten Ansatz der EBIT-Marge in der
Ewigen Rente auch konjunkturelle 'Rücksetzer angenommen
werden. Auch wenn es keine festen Kriterien für die Dauer ei-
nes Konjunkturzyklus bei der W.E.T. AG gibt, zeigt gerade die
Erfahrung der letzten Jahre, wie sensibel die Realwirtschaft auf
die Friktionen an den Finanzmärkten reagiert. Im Bereich der
Automobilindustrie deuten auch Marktstudien wie vor allem die-
jenige von IHS darauf hin, dass es bereits zu einem nur mehr
schwachen Anstieg des Mengenwachstums in den relevanten
Regionen der Absatzmärkte der Gesellschaft kommen wird, wo-
rauf Herr Wahlscheidt im Termin vom 9.7.2015 ebenso hinge-
wiesen hat, wie hierzu Ausführungen im Prüfungsbericht ge-
macht wurden. Bei der Einschätzung der nachhaltigen EBIT-
Marge ist auch zu beachten, dass ein Grossteil des prognosti-

61
zierten Wachstums auf Mittelklassefahrzeuge und vor allem
auch auf Kleinwägen entfallen wird, deren Ausstattung mit Sitz-
komfortprodukten tendenziell sparsamer ausfällt als in den
Fahrzeugen der Oberklasse. Selbst wenn in diesem Bereich
der Mittelklasse- und Kleinwagen mittelfristig mit besseren Aus-
stattungsquoten zu rechnen ist, kann daraus nachvollziehbar
indes angesichts entsprechenden Preisdrucks nur mit niedrige-
ren Margen gerechnet werden.
Ebenso zeigen die langfristig ermittelten Werte der EBIT-Marge
der Gesellschaft über Zeiträume, in denen es auch zu konjunk-
turellen Rücksetzern und teilweise sogar Krisen kam, dass die
angenommene Marge im Terminal Value nicht als zu niedrig
angesetzt angesehen werden kann. Im Zeitraum von 2002 bis
2012, von 2004 bis 2012 und von 2007 bis 2012 erzielte die
Gesellschaft EBIT-Margen von durchschnittlich 6,9 %, 6,2 %
und 7,6 %. Wenn dann nachhaltig ein höherer Wert 'angenom-
men wird, vermag in dem Ansatz einer EBIT-Marge von 8 % ei-
ne Unangemessenheit nicht erblickt werden. Dies wird insbe-
sondere bestätigt durch die von den Wettbewerbern der Peer
Group in denselben Zeiträumen ermittelten Werten, die im
Durchschnitt bei 4,6 %, 5,2 % und 3,9 % lagen. Der Durch-
schnitt der EBIT-Margen bei den OEM als Abnehmer der
W.E.T. AG lag im Jahr 2010 bei 5,9 % im Jahr 2011 bei 7,6 %
und im Jahr 2012 bei 6,4 % - mithin auch bei Werten, die
schlechter sind als die nachhaltige EBIT-Marge der Gesell-
schaft, die eben nicht nur konjunkturelle Aufholbewegungen
abbilden soll, wie sie gerade in der Nachkrisenzeit nach der Fi-
nanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise zu beobachten waren.
Dieser Umstand wirkt sich - wie bereits ausgeführt - dahinge-
hend aus, dass ein nicht unerheblicher Druck auf die Zulieferer
ausgeübt wird.

Dem kann nicht entscheidend entgegengehalten werden, dass
in dem soeben beschriebenen Zeitraum ein Teil der im Premi-
umsegment angesiödelten Automobilhersteller - Audi, Porsche
und BMW - EBIT-Margen erzielte, die über den Werten des
Terminal Value bei der W.E.T. AG lagen. Zum einen muss be-
rücksichtigt werden, dass diese Werte in konjunkturell guten
Zeiten erzielt wurden, in denen die bereinigte EBIT-Marge der
Gesellschaft in den Jahren der Vergangenheitsanalyse mit
Werten von 10,2 %, 8,5 % und 9,0 % auch höher lag und bei-
spielsweise im Jahr 2010 bereinigt sogar über den Werten von
BMW und Audi lag. Zum anderen lag, ein anderer Hersteller von
Fahrzeugen der Oberklasse - die Daimler AG - in den Jahren
der Vergangenheitsanalyse unter den durchschnittlichen Wer-
ten der W.E:T. AG, weshalb ein allgemeiner Trend dergestalt,
dass ein Produzent von Fahrzeugen der Premiumklasse stets
bessere Werte als die Gesellschaft erreicht, nicht angenommen
werden kann.
Die Fehlerhaftigkeit des Ansatzes der EBIT-Marge von 8 % im
Terminal Value lässt sich auch nicht daraus ableiten, dass. in
der Phase II vermehrt auch Mittel- und Kleinwagen mit derarti-
gen Komfortheizungen ausgestattet werden. Dabei fällt auf,
dass neben VW namentlich die japanischen Hersteller Honda
und Toyota EBIT-Margen aufwiesen, die in der Vergangenheit
deutlich unter denen der Gesellschaft lagen. Aus der Entwick-
lung bei Hyundai lässt sich ein anderer Schluss nicht ableiten,
weil dort die Marge zum Teil über, zum Teil unter den Werten
der W.E.T. AG lag.
(b) Bei der EBIT-Marge kann letztlich auch nicht unberücksichtigt
bleiben, dass in Zeiten konjunktureller Rücksetzung Fixkosten-
degressionseffekte nachlassen. Die sich darauf beziehenden
Überlegungen im Bewertungsgutachten von PwC sind plausi-

63
bel. Die Planung bis 2016 ging vom Verlust weiterer Kunden
aus. Dies führt nun dazu, dass auch der Deckungsbeitrag auf
diese Fixkosten jedenfalls zum Teil verloren geht, weil die Kos-
ten für Verwaltungsgebäude, Mitarbeiter oder auch den Vor-
stand bestehen bleiben. Je höher der Umsatz ist, desto höher
sind dann die Fixkostendegressionseffekte. Bei einem Verlust
von Aufträgen mit dem damit verbundenen Verlust an Umsatz
steigt der Fixkostenanteil, nachdem es in Phasen einer kon-
junkturellen Rücksetzung nicht nur die variablen Kosten wie
Materialkosten gibt, die nur im tatsächlichen Umfang anfallen;
Verwaltungskosten können in einem Abschwung nur zum Teil
oder gar nicht angepasst werden.
(c) Auch aus dem Ansatz der Investitionen im Bereich Forschung &
Entwicklung lässt sich ein zu niedriger Ansatz der EBIT-Marge
nicht begründen. Der Schwerpunkt dieses Bereichs liegt in der
Optimierung der Produkte, nicht in der Grundlagenforschung für
neue Produkte, wovon auch für den Terminal Value angesichts
des Grundgedankens eines Gleichgewichtszustandes ausge-
gangen werden muss. Nur ein kleiner Teil dieser Aufwendun-
gen geht daher - ebenso wie in der Detailplanungsphase - in
die Entwicklung neuer Produkte wie beheizbare Skilifte oder
gekühlte Sitze in Sportstadien. Dann aber kann aus den Investi-
tionen in diese Innovationsfelder und die neuen Anwendungs-
gebiete nicht geschlossen werden, die Gesellschaft werde in
Phase II zwingend eine höhere EBIT-Marge erzielen.
(7
) Hinsichtlich der Annahme zur Thesaurierung bzw. der Ausschüttung
der Jahresüberschüsse kann eine Änderung der hierzu bei der Be-
wertung getroffenen Überlegungen nicht vorgenommen werden. Im
Ausgangspunkt muss auch bei den Ansätzen zur Thesaurierung da-
von ausgegangen werden, dass plausible Annahmen zu treffen sind,
was allerdings nicht bedeutet, dass die jeweils für die Minderheitsak-

64
tionäre günstigste Prämisse angesetzt werden muss. Es ist insbe-
sondere nicht vom Eigentumsgrundrecht des Art. 14 Abs. 1 GG ge-
boten, den Ansatz heranzuziehen, der die Minderheitsaktionäre am
meisten begünstigt (vgl. BVerfG NJW 2011, 2497, 2498 = NZG 2011,
869, 870 = AG 2011, 511 f. = ZIP 2011, 1051, 1053= WM 2011,
1074, 1076 = BB 2011, 1518, 1521; LG München I, Beschluss vom
21.8.2015, Az. 5HK 0 1913/14). Annahmen für die Grundlage zur
Ermittlung des Ertragswerts müssen plausibel sein. Angesichts der
Unsicherheiten, mit denen jede in die Zukunft gerichtete Wertermitt-
lung behaftet ist, kann es nicht Aufgabe des in einem Spruchverfah -
ren zur Entscheidung berufenen Gerichts sein, eine plausible An-
nahme zur Thesaurierung durch eine andere, möglicherweise eben-
falls plausible Annahme zu ersetzen.
(a) Eine Fehlerhaftigkeit lässt sich nicht aus dem Vergleich mit der
Bewertung des Jahres 2011 ableiten, als noch von einer
Vollthesaurierung der Jahresüberschüsse für die Planjahre
2013 und 2014 sowie eine Thesaurierungsquote von nur 30 %
für die Jahre 2015 und 2016 angesetzt wurde. Die Annahme
einer Vollthesaurierung wie im Rahmen der Planung des Jahres
2011 kann vorliegend nicht zugrunde gelegt werden. Der Um-
fang der Ausschüttungen bzw. der Thesaurierung hat sich in
der Detailplanungsphase regelmässig an den konkreten Planun-
gen der Gesellschaft zu orientieren (vgl. LG München I, Be-
schluss vom 24.5.2013, Az. 5 HK 0 17095/11, S. 37; Beschluss
vom 6.11.2013, Az. 5 HK 0 2665/12; Beschluss vom
28.5.2014, Az. 5 HK 0 22657/12; Beschluss vom 31.7.2015,
Az. 5HK 0 16371713), wovon auch bei den vorangegangenen
Planungen aus dem Jahr 2011 ausgegangen wurde. Diese
Überlegungen können vorliegend jedoch nicht herangezogen
werden, weil sich die Übernahme von rund zwei Jahre alten
Planannahmen bereits nicht mit der Stichtagsbezogenheit jeder
Planung vereinbaren lässt. Zum anderen übersieht dieser An-

65
satz das Wirksamwerden des Beherrschungs- und Gewinnab-
führungsvertrages vor dem entsprechenden Stichtag der
Hauptversammlung am 28.8.2013. Aufgrund dieses Vertrages
ist die Gesellschaft verpflichtet, ihren gesamten Jahresüber-
schuss an die Antragsgegnerin als herrschende Gesellschaft
abzuführen. Dieser Umstand muss berücksichtigt werden. Folg-
lich dürfte wegen einer letztlich begriffsnotwendig fehlenden
Planung der Ausschüttungs- bzw. Thesaurierungsquoten auf
am deutschen Kapitalmarkt zu beobachtende Ausschüttungs-
quoten abgestellt werden. Der dabei gewählte Ansatz einer
Ausschüttung der für die Finanzierung des Geschäftsbetriebs
nicht notwendigen freien Liquidität in einem Umfang hin bis zu
einer Ausschüttungsquote von 70 0 7 bedarf keiner Korrektur.
Daraus ergab sich dann für das Geschäftsjahr 2013 eine Aus-
schüttungsquote von 13,5 %, die bis zum Ende der Phae I auf
70 % ansteigen soll. Die Annahmen zu den möglichen Aus-
schüttungen erfolgten dabei auf der Grundlage einer integrier-
ten Planungsrechnung mit Bilanzplanung-, G+V-Planung und
Cash flow-Planung. Über die Bilanzplanung floss auch der von
der Hauptversammlung am 28.8.2013 beschlossene Gewinn-
vortrag aus dem Jahresüberschuss in die Ertragswertermittlung
ein. Auf der Aktivseite steht dem gebundene Liquidität gegen-
über, die über die Cash flow-Planung Verwendung gefunden
hat.
Dieser Ansatz ist zur Überzeugung der Kammer als plausibel
zu bezeichnen, nachdem er auf die konkrete Situation der Ge-
sellschaft abstellt. Der so ermittelte Durchschnitt der Ausschüt-
tungsquote beträgt 53,8 %. Dies entspricht -. wie der Kammer
aus einer Vielzahl von Spruchverfahren bekannt ist - marktübli-
chen Ausschüttungsquoten, die regelmässig zwischen 40 und
jedenfalls 60 % liegen.

66
(b) Der Richtigkeit der getroffenen Annahmen lässt sich nicht ent-
gegenhalten, ein erheblicher Teil der geplanten Ergebnisse
nach Steuern komme dem Unternehmenswert weder als Aus-
schüttung noch fiktiv als Thesaurierung zugrunde. Diese Rüge
berücksichtigt nämlich nicht hinreichend den Umstand, wofür
die liquiden Mittel verwendet werden sollen. Danach soll es zu
einer starken Reduzierung der Fremdfinanzierung in Richtung
auf "null" kommen, wodurch der Zinsaufwand von rund Euro
600.000,-- deutlich auf nur mehr etwas mehr als 100.000,--
zurückgehen wird. Die zinstragenden Verbindlichkeiten sollen
von 57 Mio. auf 2,4 Mio. abgebaut werden. Zudem muss
berücksichtigt werden, dass Investitionen in einer Grössenord-
nung von rund 12 Mio. p. a. nicht fremdfinanziert werden sol-
len, sondern aus freiem Cash flow und den Abschreibungen. So
gibt es im ersten Planjahr 2013 Nettoinvestitionen von 24 Mio.
und Abschreibungen von 14 Mio., weshalb 10 Mio. gerade
nicht aus den Abschreibungen finanziert werden. Weiterhin
muss auch das Working Capital gesehen werden, das von 2012
auf 2013 auf der Aktivseite um 18 Mio. und auf der Passivsei-
te um 6 Mio. anstieg, weshalb es sich im Jahr 2013 auf eine
Grössenordnung von etwa 100 Mio. nach 80 Mio. zum Bi-
lanzstichtag 31.12.2012 belief.
Letztlich wirkt sich diese Entwicklung aber insgesamt zum Vor-
teil der Minderheitsaktionäre aus. Zum einen muss der in der
Detailplanungsphase zu beobachtende Wachstumspfad einen
Grund haben, der auch aus vorgenommenen Thesaurierungen
abzuleiten ist. Zum anderen führt die Verbesserung des Zinser-
gebnisses zu einem sinkenden verschuldeten Beta-Faktor und
damit zu einem sinkenden Risikozuschlag mit umgekehrt stei-
gendem Unternehmenswert. Da auch im Zeitraum - 2014/2015
zinstragendes Fremdkapital abgebaut werden soll, stehen sin-
kende Wachstumsraten der Notwendigkeit einer Thesaurierung

67
nicht entgegen. Deren Berücksichtigung im Rahmen der Rück-
führung der Verschuldung zeigt sich auch an einem im Verläufe
der Detailplanungsphase sinkenden Beta-Faktor, wobei dieser
lediglich wegen des ohnehin vergleichsweise geringen Ver-
schuldungsgrades der W.E.T. AG auch schon zu
,
Beginn der
Detailplanungsphase nicht so stark zurückgehen kann. Unge-
achtet dessen wirkt sich der Rückgang zugunsten der Minder-
heitsaktionäre aus.
(c) Ab dem Geschäftsjahr 2015 kommt es zu einer fiktiven Zurech-
nung von Werten, die über die im Geschäftsmodell angelegten
thesaurierten Beträge hinausgehen. Darin kann aber keine un-
zulässige Vermengung des Ertragswerts und des Substanz-
werts gesehen werden, nachdem die thesaurierten Beträge bei
der Ermittlung des Ertragswerts gerade nicht ausser Betracht
bleiben und es insbesondere auch im Terminal Value zu einer
fiktiven Zurechnung kommt, wie der Zusammenstellung auf Sei-
te 72 des Prüfungsberichts zu entnehmen ist.
(d) Die Steuerbelastung thesaurierter Gewinne in Höhe von
13,1875 % - mithin des hälftigen Abgeltungssteuersatzes von
25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag - muss nicht korrigiert
werden.
Die Festlegung eines Steuersatzes bedarf typisierender An-
nahmen. Aus empirischen Studien, die es wenigstens in den'
Vereinigten Staaten von Amerika; wenn auch nicht für Deutsch-
land gibt, erkennt man eine Haltedauer zwischen 25 und 30
Jahren. Auch wenn diese lange Dauer entsprechend den Er-
kenntnissen der Kammer aus anderen Spruchverfahren mit der
Existenz von sehr langfristig engagierten Pensionsfonds zu-
sammenhängt und dies für Deutschland nicht zwingend sein
mag, kann es beim angesetzten Steuersatz bleiben. Dem lässt

68
sich insbesondere auch nicht die Regelung aus § 52 a Abs. 10
EStG entgegenhalten. Ohne eine typisierende Betrachtung lie-
sse sich nämlich ein einheitlicher Unternehmenswert nicht fest-
legen. Die Verwendung typisierter Steuersätze ist die notwen-
dige Folge der Ermittlung eines objektivierten Unternehmens-
werts und folglich unvermeidbar. Es ist deshalb auch nicht zu
beanstanden, wenn eine inländische unbeschränkt steuerpflich-
tige natürliche Person als Anteilseigner angenommen wird.
Wenn für Stichtage nach dem 1.1.2009 im Rahmen der Ermitt-
lung der Zuflüsse an die Anteilseigner von der Besteuerung der
Veräusserungsgewinne auszugehen ist, im Einzelfall aber ein
Anteilsinhaber einen steuerfreien Veräusserungsgewinn haben
kann, so muss dies bei der notwendigen Typisierung ausser Be-
tracht bleiben (vgl. OLG München NJW-RR 2014, 473, 474; AG
2015, 508, 511f. = ZIP 2015, 1166, 1170; Beschluss vom
1,8.6.2014, Az. 31 Wx 390/13, S. 5; OLG Stuttgart AG 2013,
724, 728; AG 2014,208, 211; Beschluss vom 18.12.2009, Az.
20 W 2/08; LG München I, Beschluss vom 21.6.2013, Az. 5HK
0 19183/09, 5. 131; Beschluss vorn 28.6.2013, Az. 5HK 0
18685/11, S. 39 f; Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0
21386/12, S. 40 f.; ; Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0
16371/13; Kunowski/Popp in: Peemöller, Praxishandbuch der
Unternehmensbewertung, 6. Aufl., 5. 1060 f.; in diese Richtung
auch Grossfeld, Recht der Unternehmensbewertung, 7. Aufl.,
Rdn. 488 ff., insbesondere 491).
Ein Abstellen auf die individuelle Haltedauer und die individuel-
len Steuersätze eines jeden einzelnen Aktionärs - gegebenen-
falls auch mit Sitz im Ausland - würde eine Unternehmensbe-
wertung unmöglich machen, zumal die Gesellschaft über Inha-
beraktien verfügt und folglich die Aktionäre nicht einmal na-
mentlich bekannt sind. Angesichts dessen ist die hier vorge-
nommene typisierende Betrachtung unausweichlich.

69
(e) Ein unangemessener Ansatz resultiert auch nicht aus den Aus-
führungen im Bewertungsgutachten von PwC zum langfristigen
Zufluss von Erträgen aus Aktienrückkäufen, weil diese zwar
nicht von der Abgeltungssteuer betroffen sind, aber infolge der
damit verbundenen Kurssteigerungen aller anderen Aktien ein
Wertzuwachs dieser anderen Aktien zu beobachten ist, der
dann aber gerade der Abgeltungssteuer unterliegt.
b. Der Wert der Ausschüttungen nach persönlichen Ertragsteuern muss nach
der Ertragswertmethode mit Hilfe des Kapitalisierungszinssatzes auf den
Stichtag der Hauptversammlung abgezinst werden, wobei dieser einer
Korrektur bedarf. Mit Hilfe des Kapitalisierungszinssatzes soll die Bezie-
hung zwischen dem bewerteten Unternehmen und den anderen Kapitalan-
lagemöglichkeiten hergestellt werden.
Zutreffend ist der Ausgangspunkt bei der Ermittlung des Kapitalisierungs-
zinssatzes unter Berücksichtigung persönlicher Ertragsteuern in der Be-
wertung .durch die Antragsgegnerin. Da die finanziellen Überschüsse aus
der alternativ am Kapitalmarkt zu tätigenden Anlage der persönlichen Er-
tragsbesteuerung der Unternehmenseigner unterliegen, ist der Kapitalisie-
rungszinssatz unter Berücksichtigung der persönlichen Steuerbelastung
zu ermitteln (vgl. OLG München NJW-RR 2014; 473, 474; AG 2007, 287,
290; ZIP 2006, 1722, 1725; OLG Stuttgart AG 2007, 128, 134: OLG Karls-
ruhe AG 2013, 353, 355). Dabei ist im Rahmen der Unternehmensbewer-
tung nach dem im Zeitpunkt der Hauptversammlung massgeblichen Steu-
erregime der Abgeltungssteuer von einem Steuersatz von 25 % entspre,
chend der gesetzlichen Regelungen. in §§ 43, 43 a Abs. .1 Nr. 1, 32 d Abs,
1 Satz 1 EStG auszugehen, der auch angesetzt wurde. Zudem ist der So-
lidaritätszuschlag zu beachten, woraus sich dann ein Steuersatz von
26,375 % errechnet.
Nicht beanstandet werden kann auch die zum Teil gerügte Tatsache, dass
die Ergebnisausschüttung jeweils zum 28.8. eines jeden Jahres erfolgt. Es
muss von einer zahlungsstromorientierten Betrachtungsweise ausgegan-

70
gen werden, bei der Zahlungstermine realistisch anzunehmen sind. Der
Gewinn des Vorjahres wird nicht zum Bilanzstichtag ausgeschüttet, son-
dern erst mit einem gewissen zeitlichen Nachlauf, der bedingt ist durch
das Erfordernis der Aufstellung des Jahresabschlusses und den Be-
schluss der Hauptversammlung über die Gewinnverwendung gemäss §
174 AktG. An diese rechtlichen Vorgaben ist selbstverständlich auch ein
Grossaktionär gebunden. Daher ist die Vorgehensweise im Bewertungs-
gutachten unter Tz. 347, wie dies auch von den Abfindungsprüfern bestä-
tigt wurde, nicht zu beanstanden (vgl. auch OLG München, Beschluss
vom 26.7.2007, Az. 31 Wx 99/06).
(1) Der Basiszinssatz war unter Heranziehung der Zinsstrukturkurve der
Deutschen Bundesbank entsprechend der Svenssoh-Methode auf
2,5 % vor Steuern und demgemäss 1,84 % nach Steuern festzuset-
zen.
(a) Der Basiszinssatz bildet eine gegenüber der Investition in das
zu bewertende Unternehmen risikolose und laufzeitadäquate
Anlagemöglichkeit ab.. Die Ermittlung des Basiszinssatzes an-
hand der Zinsstrukturkurve von Zerobands quasi ohne Kredit-
ausfallrisiko kann methodisch nicht beanstandet werden. Es ist
nämlich betriebswirtschaftlich gefordert, dass der Kapitalisie-
rungszinssatz für den zu kapitalisierenden Zahlungsstrom hin-
sichtlich Fristigkeit, Risiko und Besteuerung äquivalent sein
muss. Die Zinsstrukturkurve stellt den Zusammenhang zwi-
schen der Verzinsung und den Laufzeiten von dem Markt ge-
handelten Anleihen dar und gibt den Zusammenhang zwischen
Verzinsung bzw. Rendite einer Anleihe und deren Laufzeit wi-
der. Die nach der sogenannten Svensson-Methode ermittelte
Zinsstrukturkurve bildet den laufzeitspezifischen Basiszinssatz
- den sogenannten Zerobond-Zinssatz - ab. Sie ist in der
Rechtsprechung zu Recht weithin anerkannt (vgl. OLG Karlsru-
he, Beschluss vorn 15.11.2012, Az. 12 W 66/06; OLG Frankfurt

71
NZG 2012, 1382, 1383;2013, 69, 70; OLG München ZIP 2009,
2339, 2341 = WM 2009, 1848, 1850; AG 2012, 749, 752 = Der
Konzern 2012, 561, 564; AG 2015, 508,512 = ZIP 2015, 1166,
1170; Peemöller/Kunowski. in Peemöller, Praxishandbuch der
Unternehmensbewertung, a.a.O., S. 323 f.). Nur dadurch kann
der Grundsatz der Laufzeitäquivalenz verwirklicht werden. Die
Annahme, es müsse auf den zum Bewertüngsstichtag aktuellen
Zinssatz für langläufige Bundesanleihen abgestellt werden,
übersieht, dass die Unternehmensbewertung auf die Ewigkeit
ausgelegt ist.
Zur Glättung kurzfristiger Marktschwankungen kann dabei al-
lerdings nicht auf den stichtagsgenauen Basiszinssatz abge-
stellt werden; vielmehr errechnet sich der Basiszinssatz aus ei-
nem Drei-Monats-Durchschnitt, wobei der massgebliche Zeit-
raum hier von der Hauptversammlung auszugehen hat. Dies
ergibt sich aus dem Grundgedanken, dass die Barabfindung
gemäss § 327 b Abs. 1 Satz 1 AktG die Verhältnisse der Gesell-
schaft im Zeitpunkt der Beschlussfassung der Hauptversamm-
lung berücksichtigen muss.
Auf dieser Basis ergab sich ausweislich der Ausführungen von
Herrn Wahlscheidt. im Termin vom 9.7.2015 ein Wert von exakt
2,53 % vor Steuern für den Zeitraum von drei Monaten vor der
Hauptversammlung vom 28.8.2013. Wenn dieser Wert dann auf
2,50 % abgerundet wird, bestehen hiergegen keine Bedenken.
Die Verpflichtung zur Zahlung einer angemessenen Barabfin-
dung, die dem vollen Wert der Beteiligung entspricht, liegt ein
einfach- wie auch verfassungsrechtlich gebotener Ausgleich der
jeweils geschützten gegenläufigen Interessen der Minderheits-
aktionäre und der Antragsgegnerin als Hauptaktionärin zugrun-
de. Die Heranziehung von Parametern, die den richtigen Wer-
ten möglichst nahe kommen, wird dem gesetzlich vorgegebe-
nen Interessenausgleich am ehesten gerecht. Die vorgenom-

72
mene (Ab-)Rundung auf 2,5 % vor Steuern ist daher von § 287
Abs. 2 ZPO gedeckt (vgl. OLG Frankfurt Der Konzern 2011, 47,
50 f.; LG München I, Beschluss vorn 28.5.2014, Az. 5HK 0
22657/12: Beschluss vom 21.8.2015, Az. 5HK 0 1913/14). Ab-
gesehen davon wirkt sich die Abrundung zugunsten der Min-
derheitsaktionäre aus.
(b) Eine Reduktion wegen der Existenz von Credit Default Swaps
muss nicht erfolgen. Allein der Umstand, dass am Markt auch
Credit Default Swaps in Bezug auf staatliche Anleihen der Bun-
desrepublik Deutschland zu beobachten sind, rechtfertigt nicht
den Ansatz einer Kürzung des Basiszinssatzes. Zum einen ist
die Bundesrepublik Deutschland -ungeachtet einer möglichen,
aber keinesfalls sicheren Verwirklichung von Haftungsrisiken
als Folge der Staatsschuldenkrise innerhalb des Euro-Raums -
unverändert ein sicherer Schuldner. Auf ein theoretisches
Restausfallrisiko kommt es nicht entscheidend an, weil völlig ri-
sikofreie Anlagen ohnehin nicht verfügbar sind. Zudem ist aus
anderen Spruchverfahren gerichtsbekannt, dass es zwar Spe-
kulationen gegen die Bundesrepublik Deutschland gibt; diese
sind indes zahlenmässig so gering, dass eine Berücksichtigung
beim Basiszinssatz nicht gerechtfertigt sein kann. Weiterhin
kann auch nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Staatsschul-
den der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der Neurege-
lungen in Art. 109 Abs. 3 und Art. 115 Abs. 2 GG zumindest
nicht in dem Ausmass ansteigen dürfen, wie dies in der Vergan-
genheit immer wieder zu beobachten war (vgl. OLG Frankfurt;
Beschluss vom 24.11.2011, Az. 21 W 7/11; LG München I, Be-
schluss vom 7.5.2014, Az. 21386/12; Beschluss vom
28.5.2014, Az. 5HK 0 22657/12; Beschluss vorn 29.8.2014, Az.
5HK 0 7455/14; Beschluss vom 6.3.2015, Az. 5HK 0 662/13;
Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0 16371/13).

73
(c)
Ebenso wenig ist es geboten, den Basiszinssatz in Phase I je-
weils für ein konkretes Planjahr gesondert auszuweisen, die
einheitliche Festlegung des Basiszinssatzes für den gesamten
Beurteilungszeitraum stellt eine allgemein übliche und nicht zu
beanstandende Vorgehensweise dar (so ausdrücklich OLG
München NJW-RR 2014, 423, 474). Dies ergibt sich letztlich
auch aus der Überlegung, dass Erträge zwar jährlich erzielt und
ausgeschüttet werden sollen, die Dauer des Unternehmens und
damit die Ermittlung des Ertragswertes in die Ewigkeit angelegt
ist und demzufolge auch nicht von einer jährlich neu stattfin-
denden Alternativanlage ausgegangen werden kann, wenn Be-
wertungsanlass das Ausscheiden eines Aktionärs aus der Ge-
sellschaft ist (vgl. LG München I, Beschluss vom 30.3.2012, Az.
5 HK 0 11296/06; Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0
16371/13).
Aus demselben Grund muss auch nicht auf die durchschnittli-
che Laufzeit der Finanzierungskredite der GBVV AG von zwei
bis vier Jahren abgestellt werden.
(d)
Diesem Ansatz lässt sich nicht entgegenhalten, aus den Bei-
spielen der PIIGS-Staaten ergebe sich die konkrete Gefahr ei-
ner Insolvenz auch der öffentlichen Hand. Auch hier gilt es zum
einen zu berücksichtigen, dass es sich bei Anleihen der Bun-
desrepublik Deutschland um hinreichend (quasi-)sichere Papie-
re handelt: Zum anderen muss aber vor allem gesehen werden,
dass infolge der Neuregelungen im Grundgesetz, die auch als
"Schuldenbremse" bezeichnet werden, die Gefahr eines
Staatsbankrotts der Bundesrepublik Deutschland als in höchs-
tem Masse, unwahrscheinlich bezeichnet werden muss und folg-
lich vernachlässigt werden kann.

74
(e) Der im Vergleich zum Zeitpunkt der Erstellung des Bewer-
tungsgutachtens höhere Basiszinssatz kann der Entscheidung
zugrunde gelegt werden; ein Verstoss gegen das Verbot der re-
formatio in peius kann darin nicht gesehen werden. Dies wäre
nur dann der Fall, wenn das Gericht die angebotene Barabfin-
dung nach unten korrigieren würde. Dies ist indes nicht der Fall.,
Ein schutzwürdiges Interesse der Aktionäre im Rahmen eines -
wenn auch wesentlichen - Bewertungsparameters bei einzel-
nen Elementen, die den. angemessenen Kapitalisierungszins-
satz ermitteln sollen, nicht schlechter gestellt zu werden, kann
nicht anerkannt werden. Der Schutz der Antragsteller sowie der
übrigen Aktionäre wird hinreichend dadurch gewährleistet, dass
eine Herabsetzung der festgesetzten Abfindungssumme im
Spruchverfahren ausgeschlossen ist (so die einhellige Meinung;
vgl. nur BGH NZG 2010, 1344, 1345 = AG 2010, 910, 911 =
ZIP 2010, 2289, 2290 = WM 2010, 2225, 2226 = Der Konzern
2011, 36, 37; Drescher in: Spindler/Stilz. AktG, a.a.O., § 11
SpruchG Rn. 3; Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG,
a.a.O., § 11 SpruchG Rn. 14; Kubis in: Münchener Kommentar
zum AktG, 4. Aufl., § 11 SpruchG Rn. 6; Emmerich in: Em-
merich/Habersack, Aktien- und GmbH- Konzernrecht, 7. Aufl., §
11 SpruchG Rdn. 3).
(2) Für die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes muss der Basis-
zinssatz um einen Risikozuschlag erhöht werden, der nach § 287
Abs. 2 ZPO zu schätzen ist und vorliegend nach Steuern auf 6,19 %
im Jahr 2013, 6,2 % im Jahr 2014, 6,08 % im Jahr 2015, 6,01 % im
Jahr. 2016 sowie 5,97 % in der Phase der Ewigen Rente festgesetzt
werden muss.
Der Grund für den Ansatz eines Risikozuschlages liegt darin, dass
Investitionen in Unternehmen im Vergleich zur Anlage in sichere oder
zumindest quasi-sichere öffentlichen Anleihen einem höheren Risiko

75
ausgesetzt sind. Dieses Risiko wird bei einem risikoaversen Anleger
durch höhere Renditechancen und damit einen erhöhten Zinssatz
ausgeglichen; weshalb der Ansatz eines Risikozuschlages unum-
gänglich ist, zumal der Verzicht auf diesen die ohnehin nicht durch
die Planung abgegoltenen Risiken wie politische Krisen, Naturkata-
strophen' oder weitere nicht in die Planungsrechnung einzubeziehen-
den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken vernachlässigen würde.
Ebenso kann die Gefahr des Verfehlens der Planungsziele nicht völ-
lig unberücksichtigt bleiben. Angesichts dessen geht die heute nahe-
zu einhellig vertretene obergerichtliche Rechtsprechung vom Erfor-
dernis des Ansatzes eines Risikozuschlages aus (vgl. nur OLG Mün-
chen ZIP 2009, 2339, 2341 = WM 2009, 1848, 1850; KG NZG 2011,
1302, 1304 = AG 2011, 627, 628 f. = ZIP 2011, 2012, 2013 = WM
2011, 1705, 1706 f.; OLG Stuttgart, Beschluss vom 17.10.2011, Az.
20 W 7/11; AG 2014, 208,211; OLG Frankfurt NZG 2012, 549, 550 =
Der Konzern 2012, 199,.205 f.; ebenso Peemöller/Kunowski in:
Peemöller, Praxishandbuch der Unternehmensbewertung, a.a.O., S.
325).
(a) Die Frage, wie der Risikozuschlag im Einzelnen zu ermitteln ist,
wird in Rechtsprechung und Literatur nicht einheitlich beurteilt.
(aa) Mehrheitlich wird davon ausgegangen, der Risikozuschlag
könne mittels des (Tax-)CAPM (Capital Asset Pricing Mo-
del) ermittelt werden. Danach wird die durchschnittliche
Marktrisikoprämie, die anhand empirischer Daten aus der
langfristigen Differenz zwischen der Rendite von Aktien
und risikolosen staatlichen Anleihen errechnet wird, mit
einem spezifischen Beta-Faktor multipliziert, der sich aus
der Volatilität der Aktie des zu bewertenden Unterneh-
mens ergibt. Zur Begründung der Massgeblichkeit dieses
kapitalmarkttheoretischen Modells wird vor allem ausge-
führt, dass bei der Feststellung des.Unternehmenswertes

76
intersubjektiv nachvollziehbare Grundsätze unter Zugrun-
delegung von Kapitalmarktdaten Anwendung fänden und
dass es kein anderes Modell gebe, das wie das CAPM die
Bewertung risikobehafteter Anlagenmöglichkeiten erläute-
re. Demgegenüber verfüge die herkömmliche Multipli-
katormethode über kein festes theoretisches, sonde- rn e-
her ein empirisches Fundament und werde zudem nicht
durch die theoretische Forschung unterstützt. Mit dem
CAPM werde gegenüber der Risikozuschlagsmethode ei-
ne ungleich höhere Qualität infolge der grösseren Nach-
prüfbarkeit erreicht (vgl. OLG Düsseldorf WM 2009, 2220,
2226; OLG Stuttgart AG 2010, 510, 512; AG 2008, 510,
514 f.; NZG 2007; 112, 117 = AG 2007, 128, 133 f ; Paul-
sen in: Münchener Kommentar zum AktG, 4. Aufl., § 305
Rdn. 126; Simon/Leverkus in: Simon, Spruchtal. Aufl.,
Anh § 11 Rdn. 126.f.).
(bb) Die Kammer vermag der vielfach vertretenen alleinigen
Massgeblichkeit des (Tax-)CAPM in dieser Allgemeinheit
nicht zu folgen. Es ist nämlich nicht erkennbar, dass das
(Tax-)CAPM den anderen Methoden zur Ermittlung des
Risikozuschlages eindeutig überlegen wäre. Auch bei ihm
hängt das Ergebnis in hohem Masse von der subjektiven
Einschätzung des Bewerters ab, die nur nicht unmittelbar
durch die Schätzung des Risikozuschlages selbst ausge-
übt wird, sondern mittelbar durch die Auswahl der Para-
meter für die Berechnung der Marktrisikoprämie sowie des
Beta-Faktors. Die rechnerische Herleitung des Risikozu-
schlages täuscht darüber hinweg, dass aufgrund der Viel-
zahl von Annahmen, die für die Berechnung getroffen
werden müssen, nur eine scheinbare Genauigkeit erreicht
wird und nicht etwa eine exakte Bemessung des für die
Investition in das konkrete Unternehmen angemessenen

Risikozuschlages. Schon die zu treffende Aussage, in-
wieweit die Daten aus der Vergangenheit auch für die zu-
künftige Entwicklung aussagekräftig sind, unterliegt sub-
jektiver Wertung. Dies zeigt sich bereits am Auswertungs-
zeitraum, für den die Überrendite ermittelt wird. Aus einer
Vielzahl anderer Spruchverfahren ist gerichtsbekannt,
dass es eine Reihe von Studien gibt, die für unterschiedli-
che Zeiträume Werte für die Marktrisikoprämie vor Steu-
ern in Anwendung des arithmetischen Mittels zwischen
4,90 % und 10,43 % ermittelten; hinsichtlich des geometri-
schen Mittels werden Studien aufgezeigt, die vor Steuern
Werte zwischen 1,7 % und 6,80 % ergaben. Ebenso ist
die Auswahl der Unternehmen, die in eine Peer Group
vergleichbarer Unternehmen einbezogen werden, stark
von der subjektiven Einschätzung desjenigen abhängig,
der über die. Vergleichbarkeit der Unternehmen im Einzel
nen entscheidet (vgl. OLG München WM 2009, 1848,
1850 f. = ZIP 2009, 2339, 2341; Grossfeld, Recht der Un-
ternehmensbewertung, a.a.O., Rdn. 694 f.; auch Reuter
AG 2007, 1, 5; sehr kritisch zum CAPM auch Ertimerich in:
Festschrift für Uwe H. Schneider, 2011, S. 323, 328 f.,
331).
Auch sieht die Kammer in der Anwendung des arithmeti-
schen Mittels mit einer jährlichen Wiederanlage des voll-
ständigen Aktienportfolios, wie es in den einzelnen IDW-
Standards empfohlen wird; kein hinreichend taugliches
Kriterium. Insoweit liegt nämlich ein Widerspruch zu der
Annahme einer auf Ewigkeit angelegten Unternehmenstä-
tigkeit vor. Für das aktuelle steuerliche Regime der Abgel-
tungssteuer unter Einschluss der Versteuerung von Ver-
äusserungsgewinnen gehen empirische Untersuchungen
nämlich von einer sehr viel längeren Haltedauer aus.

Wenn der Wert des Unternehmens in die Ewigkeit ermittelt
werden soll und vor allem auch die Alternativanlage in Ak-
tien anderer Unternehmen vergleichbar sein soll, steht die
Annahme eines jährlich stattfindenden vollständigen Akti-
enaustausches hierzu in Widerspruch. Weiterhin ist gegen
das arithmetische Mittel als alleiniger Massstab zur Ermitt-
lung des Risikozuschlages zu berücksichtigen, dass in all
den Fällen, in denen die Anlageperiode nicht 1 ist, es zu
Verzerrungen kommt (vgl. Wagner/Jönas/ Ballwieser/
Tschöpel WPg 2006, 1005, 1017 f.).
Die Alternative zum arithmetischen Mittel liegt im geomet-
rischen Mittel, bei dem die Wedpapiere zu Beginn des Un-
tersuchungszeitraumes gekauft und an dessen Ende ver-
kauft werden; die jeweiligen Erträge werden dabei jährlich
wieder angelegt. Dabei wird allerdings auch zu berück-
sichtigen sein, dass das geometrische Mittel ebenso wie
das arithmetische Mittel zu Verzerningen des Unterneh-
menswertes führt, wenn die Anlageperiode nicht gleich 1
ist (vgl. Wagner/Jonas/BallwieserfTschöpel WPg 2006,
1005, 1017 f.).
Insoweit geht die Kammer in ständiger Rechtsprechung
unter Berücksichtigung der gebotenen kritischen Ausei-
nandersetzung mit diesem Modell davon aus, zwischen
diesen beiden Extremen liegende Werte anzusetzen (vgl.
nur LG München I, Beschluss vom 6.11.2013, Az. 5HK 0
2665/12; Beschluss vom 28.3.2014, Az. 5HK 0 18925/08;
Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12; Beschluss
vom 29.8.2014, Az. 5HK 0 7455/13; in diese Richtung
auch OLG Karlsruhe Der Konzern 2015, 442, 448 f.)..
(cc) Vielmehr ist der Risikozuschlag mittels einer empirischen
Schätzung zu gewinnen, die im Rahmen einer Gesamt-

würdigung aller massgeblichen Gesichtspunkte der konkre-
ten Situation des zu bewertenden Unternehmens Rech-
nung trägt. Dabei können auch die unter Anwendung des
CAPM gewonnenen Daten als eines der Elemente für die
Schätzung des Risikozuschlages herangezogen werden
(so auch OLG München ZIP 2009, 2339, 2342 = WM
2009, 1848, 1851).
(b) Beim (Tax-)CAPM als einem der. massgeblichen Elernente zur
Ermittlung des anzusetzenden Risikozuschlags ergibt dieser
aus dem Produkt von Marktrisikoprämie und dem Beta-Faktor.
(aa) Dabei geht das kapitalmarktorientierte (Tax-)CAPM von
einer Marktrisikoprämie aus, die sich aus der Differenz der
erwarteten Rendite des Marktporffolios und dem risikolo-
sen Zinssatz ergibt. Allerdings vermag die Kammer den
Ansatz einer entsprechend einer aktuellen' Verlautbarung
des FAUB deS IDW vom 19.9.2012 und einer aufgrund
von aktuellen Marktbeobachtungen und Kapitalmarktstu-
dien von Ratingagenturen basierenden implizit ermittelten
Marktrisikoprämie von 5,5 % nach Steuern nicht zu teilen.
Der Ansatz einer implizit aus Prognosen von Finanzana-
lysten und Ratingagenturen ermittelten Marktrisikoprämie
ist nicht geeignet, diese Überrendite abzuleiten. Gerade
die Schätzung 'von Finanzanalysten und Ratingagenturen
ist in hohem Masse abhängig von deren subjektiver Ein-
schätzung. Angesichts dessen, täuscht die rechnerische
Herleitung des Risikozuschlages darüber hinweg, dass
aufgrund der Vielzahl der zu treffenden Annahmen nur ei-
ne scheinbare Genauigkeit erzielt werden kann und nicht
etwa eine exakte Bemessung des für die Investition in das
konkrete Unternehmen angemessenen Risikozuschlages.

Ebenso wie die zu treffende Aussage, inwieweit Daten aus
der Vergangenheit auch für die zukünftige Entwicklung
aussagekräftig sind, unterliegen die Überlegungen und
Einschätzungen von Ratingagenturen, Finanzanalysten
oder auch von Kapitalmarktstudien subjektiven Einschlä-
gen, weshalb es mehr als problematisch ist, aus ihnen die
künftige Marktrisikoprämie unter Einfluss der Folgewirkun-
gen der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise abzu-
schätzen. Gegen diesen Ansatz spricht insbesondere
auch die Überlegung, dass die Marktkapitalisierung als In-
put-Parameter für die Bemessung der Marktrisikoprämie
herangezogen wird (zu diesem Erfordernis ausdrücklich
VVagner/Mackenstedt/Schieszl/Lenckner/VVillershausen
WPg. 2013, 947, 957). Das Modell zur Ermittlung impliziter
Kapitalkosten muss konsistent zum Bewertungsmodell -
vorliegend also zum Ertragswertverfahren - sein. Ein in al-
le Verfahren einfliessender Parameter ist der Unterneh-
menswert bzw. der Marktwert des Eigenkapitals. Dabei
wird üblicherweise auf den Aktienkurs bzw. die Marktkapi-
talisierung zurückgegriffen. Würden aber die übrigen zur
Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten und damit der
impliziten Marktrisikoprämie erforderlichen Parameter mit
Ausnahme des gesuchten Risikozuschlags entsprechend
den Annahmen im Bewertungsmodell angenommen, ist
die Ermittlung der impliziten Eigenkapitalkosten nicht er-
forderlich, weil die Verwendung eines so ermittelten. Ei-
genkapitalkostenansatzes exakt zum Börsenkurs führen
und dann unmittelbar auf diesen abgestellt werden könnte
(vgl. LG München 1 ZIP 2015, 2124, 2130; Beschluss vom
14.2.2014, Az. 5HK 0 16505/08; Beschluss vom
28.3.2014, Az. 5HK 0 18925/08; auch Zeid-
lerfTsphöpe/Bertram CF 2014, 70, 72 f).

81
Eine im Vergleich zu der früheren Empfehlung des FAUB
des IDW um einen Prozentpunkt erhöhte Marktrisikoprä-
mie lässt sich auch nicht mit den Besonderheiten der
Auswirkungen der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise
begründen. Auch die Vergangenheitszahlen, die die
Grundlage der vom IDW bis zur der angesprochenen Ver-
lautbarung angesetzten Empfehlung einer Marktrisikoprä-
mie nach Steuern unter Geltung des Steuerregimes der
Abgeltungssteuer mit Werten in einer Bandbreite von 4 bis
5 % bildete, umfassten mehrere konjunkturelle Zyklen mit
Phasen des Aufschwungs wie auch des konjunkturellen
Abschwungs. Wenn davon auszugehen ist, dass es nach
der ,Finanzmarktkrise zu einem - wenn auch unerwartet
raschen - erneuten Aufschwung kam, erscheint bereits
fraglich, ob es sich dabei um eine schwere und lange
Wirtschäftskrise handelt (vgl. LG Frankfurt, Beschluss vom
8.6.2015, Az. 3-05 0 198/13). Die These einer konstant
realen Aktienrendite, die angesichts eines historisch nied-
rigen Basiszinssatzes vertreten wird, lässt sich empirisch
nur schwer untermauern. In der Bewertungsliteratur wird
zwar wiederholt auf Marktanalysen verwiesen, wonach die
Gesamtrenditeerwartung der Anteilsnehmer nicht gesun-
ken, sondern konstant geblieben sei (vgl. Wag-
ner/Mäckenstedt/ Schieszl/VVillershausen WPg 2013, 948,
950 ff.; Zeidlerffschöpe/Bertram CF 2014, 70, 77 ff.;
Baetge/Niemeyer/Kümmel/Schulz in: Peemöller, Praxis-
handbuch der Unternehmensbewertung, a.a.O., S. 396 f.).
Allerdings ist diese These - wie die Kammer aus anderen
Spruchverfahren weiss - gerade nicht unumstritten, son-
dern ebenso vertreten wird, die Kapitalmarktteilnehmer
würden infolge des Verharrens des Renditeniveaus quasi-
risikoloser Bundesanleihen auf dem aktuell niedrigen'

Stand auch ihre Renditeerwartungen für risikobehaftete
Investitionen reduzieren.
Auch andere Versuche zur Begründung, wie sie zum Teil
über den Unterschied zwischen der Rendite deutscher
Staatsanleihen und dem lnterbankenzins - mithin dem
Zinssatz, zu dem sich ein Kapitalmarktteilnehmer mit dem
geringsten Risiko und folglich dem geringsten Zinssatz
verschulden kann - vorgenommen werden, vermögen
nicht restlos zu überzeugen. Nach einem Anstieg dieses
Spreads im Gefolge der Finanzmarkt- und der europäi-
schen Staatsschuldenkrise noch bis in das. Jahr 2013 hin-
ein kam es wieder zu einem Rückgang des Delta des 12-
Monats-Euribor, wobei Werte erreicht wurden, die nicht
deutlich über dem Spread aus der Zeit vor der Finanz-
marktkrise lagen. Dann aber lässt sich auch aus dieser
Überlegung heraus nicht der Schluss auf eine um 1 Pro-
zentpunkt erhöhte Marktrisikoprämie ziehen.
Für den Ansatz einer Marktrisikoprämie von 5 % nach
Steuern im Anwendungsbereich des (Tax-)CAPM spre-
chen auch die Wertungen des Gesetzgebers, auf die zu-
rückgegriffen werden kann. In § 203 Abs. 1 BewG legte
der Gesetzgeber für das vereinfachte Ertragswertverfah-
ren einen Risikozuschlag von 4,5 % fest, wobei diesem
Ansatz ein durchschnittliches Marktrisiko zugrunde liegt.
Auch wenn diese Vorschrift nur im vereinfachten Ertrags
wertverfahren zur Anwendung gelangt, kann die darin zum
Ausdruck gekommene Grundentscheidung und Wertung
des Gesetzgebers nicht gänzlich ausser. Acht gelassen
werden (vgl. OLG München WM 2009, 1848, 1851 = ZIP
2009, 2339, 2342; AG 2014, 453, 455 = Der Konzern
2014, 172, 174 = NJW-RR 2014, 473, 474 f.; AG 2015,

508, 512 = ZIP 2015, 1166. 1170). Zwar lag zum Zeitpunkt
des Inkrafttretens der Neuregelung in § 203 Abs. 1 BewG
der Basiszinssatz deutlich höher. Doch wird die Wertung
des Gesetzgebers bei einer Erhöhung der Marktrisikoprä-
mie um einen Prozentpunkt zu stark in den Hintergrund
gedrängt. Die Kammer erachtet den Ansatz, ein Investor
berücksichtige bei seiner Renditeerwartung auch den
Rückgang des Basiszinssatzes, weshalb die Überrendite
in ihrer Höhe keiner Veränderung bedürfe, als jedenfalls
nicht weniger gut geeignet, um die Marktrisikoprännie fest-
zulegen.
Bei dieser Ausgangslage mit dem Fehlen eindeutiger em-
pirischer Studien, die konstant reale Renditeforderungen
bestätigen oder ausschliessen, und den unterschiedlichen
- auch vor dieser Kammer vorgenommenen - Erklärungs-
versuchen zur Rechtfertigung der Empfehlung des FAUB
des IDW - ist eine im Wege der Schätzung gewonnene
Marktrisikoprämie von 5 % , die sich im Schnittbereich der
ursprünglichen Empfehlung des Fachausschusses Unter-
nehmensbewertung des IDW mit den angepaSsten neue-
ren Empfehlungen ansiedelt, zur ,Überzeugung der Kam-
mer sachgerecht (sä schon LG München I ZIP 2015,
2124, 2130 f.).
(bb) Der zur Ermittlung des unternehmensindividuellen Risikos
herangezogene Beta-Faktor konnte aus einer Peer Group
vergleichbarer Unternehmen abgeleitet werden, weil das
unternehmenseigene Beta nicht als aussagekräftig einge-
stuft werden kann. Die fehlende Massgeblichkeit des un-
ternehmenseigenen Beta-Faktors beruht auf folgenden
Erwägungen.

Gegen den Ansatz spricht bereits der t-Test mit seinen
Ergebnissen. Dieser gibt Auskunft darüber, inwieweit die
Märktrendite als unabhängige Variable Einfluss auf die Ak-
tienrendite als abhängige Variable hat. Ein t-Wert für den
jeweiligen Regressor - also die Rendite des Aktienindex -
wird empirisch aus dem Regressionskoeffizienten Beta-
Faktor und dessen Standardfaktor berechnet. Auf diese
Art und Weise wird mit dem t-Te'st überprüft, ob der Beta-
Faktor statistisch signifikant einen vom vorgegebenen
Wert verschiedenen Wert annimmt. Somit kann ermittelt
werden, ob aufgrund des ermittelten Stichproben-Beta mit
einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden kann, dass das Beta Null ist (vgl. Meit-
ner/Streitferdt in: Peemöller, Praxishandbuch der Unter-
nehmensbewertung, a.a.O., S. 532). Vorliegend fehlte in
vier von fünf Beobachtungszeiträumen dem t-Test , die
Signifikanz, wobei die Prüfer jeweils auf den letzten Frei-
tag vor der Ad hoc-Mitteilung abstellten. Bei einem Be-
trachtungszeitraum von zwei, drei und vier Jahren mit
wöchentlichen Renditeintervallen von fünf Jahren und von
fünf Jahren mit monatlichen Renditeintervallen war das
Ergebnis negativ; nur bei fünf Jahren mit wöchentlichen
Renditeintervallen konnte die Signifikanz bejaht werden.
Das Bestirnmtheitsmass R2 als Korrelationskoeffizient zwi-
schen einer Aktie und dem Referenzindex ergab in den
selben Zeiträumen Werte von 0,000; 0,006, 0,007, 0,022
sowie von 0,044 gegen den CDAX als breitestem nationa-
len Index, wie dem Prüfungsbericht von Rölfs RP und den
noch detaillierteren Ausführungen der Abfindungsprüfer im
Termin vom 9.7.2015 zu entnehmen ist. Die Angabe im
Protokoll der mündlichen Verhandlung für das letzte Jahr
von 0,44 beruht auf einem Schreibversehen; auch dieses

Jahr wies lediglich 0,044 als Bestimmtheitsmass auf. Dem-
gemäss wird nur ein äusserst geringer Teil des Risikos die-
ser Aktie durch Marktfaktoreq bestimmt. Diese Werte be-
sagen nämlich, dass maximal 4,4 % - also fünfjähriger
Beobachtungszeitraum bei monatlichen Renditeintervallen
- der Variabilität der Rendite des CDAX die Variabilität der
Rendite der W.E.T. AG zu erklären vermögen. Auch wenn
teilweise Bedenken geäussert werden, allein wegen eines
niedrigen Bestimmtheitsmasses das originäre Beta im Ein-
zelfall nicht heranzuziehen (OLG Frankfurt, Beschluss
vom 24.11.2011, Az. 21 W 7/11; zit. nach juris; auch Meit-
ner/Streitferdt in: Peemöller, Praxishandbuch der Unter-
nehmensbewertung, a.a.O., S. 532), kann das unterneh- ,
menseigene Beta der Gesellschaft, das von den Abfin-
dungsprüfern bei dem einzigen Beobachtungszeitraum mit
einem positiven t-Test bei einem Beobachtungszeitraum
von fünf Jahren mit wöchentlichen Renditeintervallen und
einem verschuldeten raw Beta von 0,29 ermittelt wurde,
nicht herangezogen werden.
Entscheidend dagegen spricht nämlich die mangelnde Li-
quidität der Aktie der W.E.T. AG. Zum einen wurden die
Aktien der W.E.T. AG über einen Zeitraum von fünf Jahren
hinweg an weniger als 2/3 der üblichen Handelstage ge-
handelt. Eine Ausnahme bildete lediglich der Zeitraum
vom 11.5.2010 bis zum .10.5.2011 mit einem Handel an 80
% der Börsentage. Zum anderen aber spricht der hohe
Bid-Ask-Spread entscheidend gegen den Ansatz des ori-
ginären Beta-Faktors. Dieser lag im Durchschnitt eines
Jahres in den Jahren ab dem 12.5.2008 bis zum
10.5.201.3 bei'2,3 %, 2,7 %, 3,6 % sowie in den beiden am
nächsten zum Stichtag gelegenen Jahresintervallen je-
weils bei 3,1. %, woraus sich dann über den Durchschnitt

86
der fünf Jahre ein Wert von 3,0 % errechnet. Bei Aktien
mit einem geringen Handelsvolumen liegt der Bid-Ask-
Spread deutlich über dem sehr liquider Aktien. Daher
müssen Käufer bzw. Verkäufer einer Aktie mit geringem
Handelsvolumen einen erheblich höheren Abschlag auf ih-
re Bruttorendite hinnehmen als Käufer bzw. Verkäufer ei-
ner Aktie mit hohem Handelsvolumen. Infolge dessen wird
ein rationaler Investor nicht unmittelbar auf jede neue Ka-
pitalmarktinformation reagieren, weil er bei jeder Transak-
tion erhebliche Renditeabschläge hinnehmen müsste
durch die höheren Bid-Ask-Spreads. Folglich zeigt sich'
das tatsächliche Risiko eines Unternehmens nicht am em-
pirisch ermittelten Beta-Faktor, da der Kurs aufgrund der
hohen Transaktionskosten nur träge auf neue Kapital-
marktinformationen reagiert. Üblicherweise wird bei Bid-
Ask-Spreads, die unter 1 % liegen, die Liquidität der Aktie
bejaht. Angesichts eines Durchschnittswerts von 3,0 %
muss die Liquidität der W.E.T.-Aktie verneint werden.
Gegen die Massgeblichkeit des unternehmenseigenen Be-
ta-Faktors spricht letztlich auch der Ansatz über die Peer
Group mit Blick auf die unverschuldeten Beta-Faktoren
dieser Vergleichsunternehmen. Die Unternehmen aus der
von den Bewertungsgutachtern von PwC zusammenge-
stellten Peer Group wiesen einen. unverschuldeten Beta-
Faktor im Mittelwert von 1,2 und im Median von 1,4 auf;
die um drei weitere Unternehmen ergänzte Peer-Group
der Abfindungsprüfer wies einen unverschuldeten Beta-
Faktor 1,28 im Mittel und 1,45 im Median auf. Dann aber
zeigt sich ein deutlich überdurchschnittliches operatives
Risiko von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie,
nachdem auch nur ein Unternehmen einen Beta-Faktor

aufwies, der mit 0,4 unverschuldet in der Nähe des signifi-
kanten raw Beta der W.E.T. AG lag.
Der Ansatz eines unverschuldeten Beta-Faktors von 1,2,
der das operative Risiko widerspiegelt, über eine Peer
Group im Rahmen der Anwendung des (Tax-)CAPM ist
folglich nicht zu korrigieren, zumal im Interesse der Min
derheitsaktionäre der niedrigste denkbare Wert angesetzt
wurde, nachdem die sich aus insgesamt neun Unterneh-
men zusammensetzende Peer Group einen um 0,08 Pro-
zentpunkte höheren Beta-Faktor auswies. Grundlegende
Bedenken gegen die Zusammensetzung der Peer Group
können nicht erhoben werden. Namentlich kann nicht ein-
gewandt werden, es seien dabei zu viele Unternehmen mit
Sitz im Ausland einbezogen worden, nachdem nur die
Grarnmer AG in Deutschland ansässig ist. Es ist in der
Rechtsprechung weithin anerkannt, dass auch ausländi-
sche Unternehmen in eine Peer Group aufgenommen
werden können (vgl. OLG Gelle AG 2007, 865, 867 = ZIP
2007, 2025, 2028; OLG Düsseldorf WM 2009, 2220, 2226;
LG München I, Beschluss vom 28.5.2014, Az. 51-IK 0
22657/12). Dies resultiert neben der Verflechtung der Ka-
pital- und Aktenmärkte vor allem auch aus der Erwägung
heraus, dass alle Unternehmen der Peer Group in gleicher
Weise wie die W.E.T. AG auf internationalen Märkten tätig
wird und wesentliche Teile. ihres Umsatzes - wenn auch
mit teilweise unterschiedlicher Gewichtung im Vergleich ,
zur Gesellschaft - auf denselben Märkten wie die W.E.T.
AG erzielen und zumindest auch in nicht unerheblichem
Umfang Klimaprodukte produzieren oder diesdlben Ab-
nehmer wie die Gesellschaft haben. Denkbare Währungs-
schwankungen können kein zentrales Argument gegen die

Einbeziehung auch ausländischer Unternehmen sein,
nachdem der Beta-Faktor jeweils gegen den breitesten
nationalen Index abgeleitet wurde. Auch wiesen die Abfin-
dungsprüfer darauf hin, beim Euro STOXX 600 verschul-
dete Beta-Faktbren in einer Grössenordnung zwischen 1,2
und 1,4 ermittelt zu haben. Angesichts dieser Werte wird
die Währungsproblematik keine zentrale Rolle spielen.
Die Aufnahme weiterer Unternehmen in die Peer Group
war nicht geboten.
Dies gilt zunächst für die Elring Klinger AG, die trotz ihrer
Ausrichtung als international aufgestellter Automobilzulie-
ferer nicht in die Peer Group aufgenommen werden muss-
te. In ihrem umsatzstärksten Segment "Erstausrüstung"
mit 80,4 % Umsatzanteil entwickelt, produziert und ver-
treibt dieses Unternehmen Teile und Baugruppen für Mo-
toren, Getriebe- und Abgassysteme von Kraftfahrzeugen
sowie Batterie- und Brennstoffzellkomponenten. Ange-
sichts dieses Schwerpunktes im Bereich Antriebstechnik
und Abgassysteme, die für jedes Fahrzeug als essentiell
zu bezeichnen sind, kann eine Vergleichbarkeit mit der
W.E.T. AG angesichts der anderen Unternehmen, die vor
allem auch PwC als vergleichbar eingestuft hat und auf
deren Basis der Beta-Faktor errechnet wurde und deren
Produktportfolio deutlich näher an dem der W.E.T. AG
liegt, nicht bejaht werden.
Ebenso wenig mussten die Unternehmen MIBA, Rheinme-
tall, Aisin Seiki, Continental und Bridgestone in die Peer
Group aufgenommen werden. Bei Bridgestone und Conti-
nental ergibt sich dies .vor allem aus der Erwägung her-
aus, dass diese beiden Unternehmen um ein Vielfaches -
Continental etwa 100-mal - grösser sind als die W.E.T.

AG. Ein derartiger Grössenunterschied rechtfertigt es je-
denfalls denn die Vergleichbarkeit zu verneinen, wenn es
Unternehmen gibt, die auch von ihrer Grösse her mit der
W.E.T. AG sehr viel besser vergleichbar sind. Rheinmetall
ist zwar auch in dem Bereich Automotive tätig, hat jedoch
einen weiteren Bereich in der Wehrtechnik und ist somit
partiell ein Rüstungsunternehmen, was mit dem Ge-
schäftsfeld der W.E.T. AG nicht ansatzweise verglichen
werden kann.
Da die anderen von einigen Antragstellern genannten Un-
ternehmen über die Auswahlkriterien nach dem Hauptsitz
der Unternehmen und der Branche der Automobilzuliefe-
rer nicht identifiziert werden konnten, ist für die Kammer
nicht erkennbar, warum ihre Vergleichbarkeit mit der Ge-
sellschaft angenommen werden könnte.
Takata erwirtschaftet zwar das Zehnfache an Umsatz, hat
aber im Gesamtbild ähnliche Kundenstruktuten, ähnliche
Teilnehmer und ähnliche Regionalität, weshalb dieses Un-
ternehmen in die Peer Group aufgenommen werden konn-
te.
Die gebildeten Rückstellungen bei der W.E.T. AG wie
auch die Existenz der langfristigen Verträge rechtfertigen
nicht die Reduzierung des Risikozuschlages. Sie werden
nämlich innerhalb des (Tax-)CAPM über den Beta-Faktor
abgeleitet, nachdem beide Positionen das operative Risiko
der Gesellschaft betreffen.
Neben dem operativen Risiko muss indes auch das Fi-
nanzierungsstrukturrisiko beim unternehmensindividuellen
Risiko, das über den Beta-Faktor ermittelt wird, einfliessen.
Demgemäss erhöht- sich das Risiko der Eigenkapitalgeber

90
mit steigender Verschuldung des Unternehmens, weshalb
dann der operative unverschuldete Beta-Faktor entspre-
chend angepasst werden muss. Angesichts des ver-
gleichsweise niedrigen Verschuldungsgrades, der zudem
infolge der Verwendung thesaurierter Beträge zur Redu-
zierung von Verbindlichkeiten weiter sinken wird, kann das
verschuldete Beta nur geringfügig höher liegen, wobei
dieses dann auch noch ab dem Jahr 2014 rückläufig an-
gesetzt werden muss. Der Umstand, dass der verschulde-
te Beta-Faktor im Terminal Value um 0,01 Prozentpunkte
unter dem unverschuldeten liegt, resultiert aus einem
Überschuss'an freier Liquidität in der Ewigen Rente.
(c) Die auf diese Art und Weise ermittelten Risikozuschläge für die
einzelnen Geschäftsjahre und die Ewige Rente stehen in Ein-
klang mit den sich aus der speziellen Situation der W.E.T. AG
am Markt ergebenden Risiken, die auch unter Berücksichtigung
ihrer positiven Finanzierungsstruktur über dem Marktdurch-
schnitt liegen. Die Gesellschaft ist als Automobilzulieferer in ei-
ner Branche tätig, die einer starken Zyklizität ausgesetzt und
folglich anfällig für konjunkturelle Risiken und Schwankungen
ist. Gerade dieser Umstand zeigte sich anhand der Auswirkun-
gen der Finanz- und Weltwirtschaftskrise, als auch die Gesell-
schaft - wie aus dem Verfahren vor dem erkennenden Gericht
über die Angemessenheit von Abfindung und Ausgleich aus
dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, Az. 5HK 0
7455/13 bekannt ist - erhebliche Verluste erwirtschaftete. An-
dererseits erholte sich der Markt im Jahr 2010 überraschend
schnell, wovon dann auch die W.E.T. AG profitierte. Zudem
muss in diesem Zusammenhang auch die starke Stellung der
Automobilhersteller als ein das Risiko erhöhender Faktor in die
Bewertung einfliessen. Über ihre Preis- und sonstige Geschäfts-
politik üben die OEM starken Einfluss auf die Zulieferer wie die

W.E.T. AG aus. Zum einen können sie angesichts der oligopo-
listischen Struktur des Marktes mit einer überschaubaren Zahl
potenzieller Abnehmer der Zulieferunternehmen Druck auf die
Preise ausüben, nachdem eine Exklusivstellung eines Zuliefe-
rers nicht die Regel ist; dadurch ist das Erreichen des Margen-
ziels einem nicht unerheblichen Risiko ausgesetzt. Nicht aus-
geschlossen werden kann auch, dass sich Standortvorteile in
Niedriglohnländern und Schwellenländern reduzieren, weil auch
dort die Löhne kräftiger ansteigen werden. Politische Risiken an
den Produktionsstandorten müssen realistisch betrachtet wer-
den.
Dem stehen zwar durchaus auch positive Aspekte gegenüber,
die indes nicht dazu führen, dass ein auch nur dem Markt-
durchschnitt entsprechendes Risiko angenommen werden
kann. Neben der positiven Finanzierungsstruktur gehören dazu
die aktuell gute Positionierung der Gesellschaft am Markt und
das Auftreten von Chancen auch ausserhalb des Premiumseg-
ments bei Herstellern, die ihren Schwerpunkt eher im Bereich
der. Mittelklassewägen und der kleineren Fahrzeuge haben,
auch wenn dort die Marge eher geringer sein wird. Die Gesell-
schaft besitzt zudem eine gute Marktposition.
Insgesamt müssen indes die Risiken als leicht überwiegend
angesehen werden, weshalb der Risikozuschlag zutreffend et-
was über dem Marktdurchschnitt angesetzt werden muss. Allein
aus der Existenz eines Grossaktionärs lässt sich nicht auf ein
deutlich reduziertes Risikos schliessen. Zum einen ist zu beach-
ten, dass die Antragsgegnerin bis zum Wirksamwerden des
Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages über keinerlei
rechtliche Weisungsmöglichkeiten in Bezug auf die W.E.T. AG
verfügte. Selbst bei Bejahung eines faktischen Konzerns zwi-
schen diesen beiden Gesellschaften hätte die Antragsgegnerin
keine Möglichkeit, verbindliche Weisungen zu erteilen. Zudem

92
senkt die Existenz eines Grossaktionärs nicht das unternehmeri-
sche Risiko des Unternehmens, zumal aus Sicht der Aktionäre
der abhängigen Gesellschaft noch das Insolvenzrisiko des
Grossaktionärs als zusätzliches Risiko zu beachten ist. Allein
das Vorhandensein eines Grossaktionärs ändert nichts an dem
Umstand, dass es sich bei einer Aktie um ein Risikopapier han-
delt (vgl. OLG München ZIP 2007, 375, 379 = Der Konzern
2007, 356, 360; OLG Stuttgart, Beschluss vom 19.1.2012, Az.
20 W 3/09; LG München I, Beschluss vorn 6.11.2013, Az. 5 HK
0 2665/12).
(3) Der mit 1 % angesetzte Wachstumsabschlag muss nicht erhöht wer-
den.. Soweit im Bewertungsgutachten ein (gerundeter) Wert von 0,9
% herangezogen wurde, beruht dies auf der unterstellten Besteue-
rung des Wertbeitrages aus Thesaurierung in Höhe von 13,1875 %.
(a) Mit dem Wachstumsabschlag wird zugunsten des Aktionärs be-
rücksichtigt, dass sich die Geldentwertung bei festverzinslichen
Anleihen stärker auswirkt als bei einer Unternehmensbeteili-
gung. Das Unternehmen hat in der Regel die Möglichkeit, die
Geldentwertung zumindest zu einem Teil durch Preiserhöhun-
gen aufzufangeh, während die Anleihe ohne Inflationsausgleich
zum Nominalwert zurückgezahlt wird. Die Höhe des festzuset-
zenden Abschlages ist dabei abhängig von den Umständen des
Einzelfalles. Massgeblich ist vor allem, ob und in welcher Weise
Unternehmen die erwarteten Preissteigerungen an die Kunden
weitergeben können; daneben sind aber auch sonstige prog-
nostizierte Margen und Strukturänderungen zu berücksichtigen
(vgl. OLG Stuttgart AG 2007, 596, 599; NZG 2007, 302, 307;
AG 2008, 783, 788 f.; OLG München WM 2009, 1848, 1851 =
ZIP 2009, 2339, 2342; AG 2015, 508, 512 = ZIP 2015, 1166,
1171; OLG Düsseldorf WM 2009, 2220, 2227; OLG Karlsruhe

Der Konzern 2015, 442, 450 f.). Ausschlaggebend ist dabei
primär die individuelle Situation des Unternehmens, nicht die
allgemeine Entwicklung zum Bewertungsstichtag. Dabei kann
nicht auf Umsätze und deren Entwicklung in Relation zur Inflati-
onsrate abgestellt werden; entscheidend ist vielmehr das
Wachstum der Ergebnisse. Indes kann die erwartete durch-
schnittliche Inflationsrate nur einen ersten Ansatzpunkt für die
Höhe des Wachstumsabschlages bilden. Es ist nämlich zu be-
achten, .dass - wie auch aus anderen Verfahren gerichtsbe-
kannt ist - Unternehmensergebnisse anderen Preiseinflüssen
als der Verbraucherpreisindex unterliegen: weil Chancen und
Risiken nominaler Ergebnisveränderungen sowohl von der
Marktlage und Wettbewerbssituation als auch der Struktur je-
des einzelnen Unternehmens abhängen.
Gerade bei den Möglichkeiten, Kostensteigerungen auf die Ab-
nehmer der W.E.T. - im Wesentlichen also die OEM - umzule-
gen, muss die strukturelle Lage des Marktes gesehen werden,
in der die Abnehmer der Gesellschaft eine starke Marktposition
haben. Aus diesem Grund kann nicht davon ausgegangen wer-
den, es werde der W.E.T. AG als Zulieferer regelmässig gelin-
gen, die beschaffungsseitig zu erwartenden Kostensteigerun-
gen angesichts der Verhandlungsstärke der Automobilhersteller
in vollem Umfang auf diese abzuwälzen.
Ein dauerhaftes Wachstum eines einzelnen Unternehmens au-
sserhalb des Wachstums in der gesamten Volkswirtschaft im
Rahmen der Ewigen Rente muss zudem als widersprüchlich
bezeichnet werden, weil in diesem Fall das Unternehmen un-
endlich lange stärker als die Volkswirtschaft wachsen würde;
dieser Ansatz ist nicht nachvollziehbar (so OLG Frankfurt Der
Konzern 2012, 199, 209), wobei auch hier zu berücksichtigen
ist, dass die Gesellschaft in einem engen Markt tätig ist. Gegen
einen höheren VVachstumsabschlag spricht weiterhin die Über-

94
legung, dass mit diesem Wert von 1 % ein Durchschnittswachs-
tum angesetzt wird und es gerade auch angesichts der geschil-
derten konjunkturellen Abhängigkeit der W.E.T. AG sehr wohl
denkbar ist, dass in den Jahren der Ewigen Rente es zu niedri-
geren Wachstumsraten der Überschüsse oder gar 2u Jahres-
fehlbeträgen kommen kann.
Bei der Festlegung des Wachstumsabschlags muss vor allem
auch gesehen werden, dass ein stetiger linearer Trend nach
oben angesichts der Konjunkturanfälligkeit der Automobilbran-
che einschliesslich ihrer Zulieferer nicht angenommen werden
kann. Etwas anderes lässt sich auch nicht aus dem prognosti-
zierten PKW-Absatz in China und Indien ableiten. Für den Zeit-
raum der Ewigen Rente kann nicht von Wachstumsraten von
7,4 % bzw. 11 % in diesen beiden Ländern ausgegangen wer-
den. Dies zeigen bereits die Studien von IHS, die für die Jahre
2017 und 2018 in der für die W.E.T. AG relevanten Regionen
von einem Wachstum von insgesamt 2,9 % und für Asien von
3,4 % ausgehen. Auch muss gesehen werden, dass die Men-
genzahlen der IHS konzeptionell keine Rücksetzer ausweisen,
wie sie allerdings erfahrungsgemäss erwartet werden müssen.
(b) Selbst wenn dieses inflationsbedingte Wachstum unterhalb der
erwarteten allgemeinen Preissteigerungsrate liegen sollte, von
der zum Stichtag ausgegangen wurde, rechtfertigt dies nicht
den Schluss auf ein dauerhaft real schrumpfendes Unterneh-
men. Es müssen nämlich auch die Folgen der Thesaurierung in
die Betrachtung zum künftigen Wachstum einfliessen. Der An-
satz thesaurierungsbedingten Wachstums ist angesichts der
Aufgabe der Vollausschüttungshypothese notwendig. Durch die
Berücksichtigung der Thesaurierung in der Ewigen Rente kann
reales Wachstum begründet werden. Dabei muss insbesondere
gesehen werden, dass die früher der Unternehmensbewertung

zugrunde gelegte Vollausschüttungshypothese den Realitäten
nicht entsprochen hat, so dass. der Ansatz von Thesaurierung
und demgemäss auch von thesaurierungsbedingten Wachstum
in der Ewigen Rente als sachgerecht und zutreffend bezeichnet
werden muss (vgl. auch LG München I, Beschluss vom
28.3.2014, Az. 5 HK 0 18925/08, S. 55 f.; Beschluss vom
7.5.2014, Az. 5HK 0 21386/12, S. 56).
Diesem Ansatz können auch nicht neuere Studien aus der Lite-
ratur entgegengehalten werden, wie der Kammer aus anderen
Verfahren bekannt ist. Dies gilt zunächst für eine Dissertation
von Bork. Dieser Arbeit ist nämlich nicht zu entnehmen, inwie-
weit der Umstand von Gewinnsteigerungen auch zu Wertsteige-
rungen des Unternehmens führt. Der auf Zahlen der Deutschen
Bundesbank mit der Entwicklung des bilanziellen Eigenkapitalg
beruhenden Aufstellung ist zu entnehmen, dass das bilanzielle
Eigenkapital stärker wuchs als die Gewinne; Ursachen für diese.
Entwicklung können. der Zahlenreihe indes nicht entnommen
werden. Das Gewinnwachstum der Vergangenheit konnte nicht
kostenlos erfolgen, sondern erforderte Thesaurierungen. Dann
aber bestätigen die Zahlen aus der Arbeit von Bork diese Über-
legungen - je höher das Wachstum, desto geringer ist der aus-
schüttungsfähige Teil der Ergebnisse. Auch aus einer Studie
von Creutzmann lässt sich erkennen, dass die Ergebnisse
wachsen und das bilanzielle Eigenkapital stärker mitwächst. Al-
lerdings kann ihr nicht entnommen werden, inwieweit dies tat-
sächlich eine Wertsteigerung nach sich zieht.
(c) Der Abzug von 0,13 Prozentpunkten vom Wachstumsabschlag
führt nicht zu einer doppelten Berücksichtigung der persönli-
chen Ertragssteuern von 13,1875 % in. der Ewigen Rente.

96
(aa) Dieser seitens der Bewertungsgutachter von PwC gewähl-
te Ansatz beruht auf der ökonomischen Annahme, dass
sich Wachstum auch in Kursrenditen niederschlägt, die
dann zu versteuern sind, wobei auch hier von einer langen
durchschnittlichen Haltedauer ausgegangen wird entspre-
chend den obigen Ausführungen zur Besteuerung der fik-
tiven Zurechnung aus Thesaurierung.
(bb) Damit ist aber gerade keine doppelte Berücksichtigung der
persönlichen Ertragsteuern im Terminal Value verbunden.
Bei der Ableitung der zur Finanzierung des Bilanzwachs-
tums in der Ewigen Rente erforderlichen Thesaurierungen
wurde vom Bewertungsgutachter bereits ein um die per-
sönlichen Ertragssteuern gekürzter Wachstumsabschlag
herangezogen, weshalb keine doppelte Berücksichtigung
von Ertragsteuern erfolgte. So ist zur Ermittlung der zur
Finanzierung des Bilanzwachstums erforderlichen The-
saurierung grundsätzlich der nicht um die persönliche Er-
tragssteuer gekürzte Wachstumsabschlag relevant. Mit
dieser Vorgehensweise soll Steuerneutralität hergestellt
werden. Wertgleich hätte auch zunächst die, erforderliche
Thesaurierung, die sich: auf der Grundlage des nicht um
die persönliche Ertragsteuer gekürzten Wachstumsab-
schlags ergibt, abgezogen und anschliessend die persönli-
che Ertragsteuer auf die dann verbleibenden Thesaurie-
rungen gerechnet werden können. Demgemäss ergab eine
Kontrollrechnung der Abfindungsprüfer auch als Ergebnis,
dass sich dabei dieselbe zu diskontierende Grösse ergibt,
wie sie dies in ihrem Ergänzungsgutachten vom 21.8.2015
dargestellt haben.

Ausschüttung nach persönlichen Ertragsteuern
Kapitalisierringszinssatz,
Barwertfaktdr
Kapitahsierungszinssatz
Barwertfaktor
Barwert zum 1. Januar 2013
Aufzinsungsfaktor
Somit ergibt sich folgender Ertragswert der W.E.T. AG aus dem Er-
tragswert der Ausschüttungen und der fiktiven Zurechnung:
mke- ,
--- -t,
EBIT nach Plananpassungen 33.631 43.506 45.818 . 46.433 37.641
Anserträge - 31 20 20 20 20
Zinsaufwendungen -616 -377 -249 -154 -109
EBT 33.046 43.149 45.589 46.299 37.552
Unternehmenssteuern -6.698 -11.343 -11.625 -12.276 -10.083
Ergebnis nach Steuern 26.348 31.805 34.564 34.022 27.469
Thesaurierung 22.791 15.146 10.369 10.207 13.735
Ausschüttung 3.557 16.659 24,195 23.815 13.735
Persönliche Ertragsteuer auf Ausschüttung -938 -4.394 -6.381 -6.281 -3.623
Ausschüttung nach persönlichen Ertragsteuern 2.619 12.266 17.813 17.534 - 10.112
Fikti'e Zurechnung \nm Thesauderung - 1.970 10.002 13.735
Persönliche Ertragsteuer auf fikti'e Zurechnung - - -260 -1.319 -1.811
Veränderung Net Debt -13
-
- -
,

98
c. Das nicht betriebsnotwendige Vermögen wurde ebenso wie die Sonder-
werte zutreffend zum bewertungstechnischen Stichtag mit einem Betrag
von Euro 11,348 Mio. ermittelt und anschliessend auf den Stichtag der Haupt-
versammlung aufgezinst.
(1) Zutreffenderweise wurde für den Ansatz der Steuervorteile in Kanada
ein Sonderwert von Euro 2,408 Mb. angesetzt. Während in der Detail-
planungsphase diese Steuervorteile in die Steuerplanung eingeflos-
sen sind, ergibt sich der Sonderwert aus der Diskontierung der Steu-
erersparnis im Terminal Value entsprechend den Schätzungen des
Managements. Dabei ist von qualifizierten Aufwendungen in Höhe
von US-$ 2-Mio. auszugehen, die dann mit dem in, der Planung hin-
terlegten Kurs von 0,80 umgerechnet wurden.
(2) Nicht korrekturbedürftig ist die Schätzung des Nettoeffekts aus den
Risiken des Rechtsstreits um die Korrekturen der Währungsswaps
mit der UniCredit Bank AG. Dabei wurden die Erfolgswahrscheinlich-
keiten auf der Grundlage einer Stellungnahme der Rechtsanwälte
angesetzt, nachdem zum Stichtag der Hauptversammlung eine Ent-
scheidung über die Berufung gegen ein erstinstanzliches Urteil des
Landgerichts München I noch ausstand. Diese Vorgehensweise über
eine Risikoeinschätzung als unternehmerische Entscheidung auf der
Grundlage einer fachlich qualifizierten Stellungnahme kann nicht in-
frage gestellt werden, wobei die Chance eines Obsiegens mit 65 %
angesetzt wurde, woraus ein positiver Werteffekt abgeleitet wurde,
weshalb dieser Ansatz nicht nachteilig für die Minderheitsaktionäre
ist.
(3) Die zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen gehörenden Immobi-
lien in Odelzhausen und in Ungarn waren mit einem, Wert von Euro
5,657 Mio. anzusetzen. Allein der Umstand, dass der Wert um mehr
als 18 % unterhalb der Anschaffungs- und Herstellungskosten liegt,
kann nicht zur Annahme einer Unterbewertung der Immobilien füh-

ren. Die Abfindungsprüfer verwiesen darauf, dass der Zeitwert ent-
sprechend den IFRS-Grundsätzen ermittelt wurde. Dabei kann der
Anschaffungswert nicht immer erhalten werden, was namentlich für
die Immobilie in Odelzhausen gilt, bei der erheblicher .Modernisie-
rungsbedarf bestand.
(4) Weitere Sonderwerte oder darüber hinausgehendes nicht betriebs-
notwendiges Vermögen mussten in die Ermittlung des Unterneh-
menswertes nicht einfliessen.
(a) Dies gilt zunächst für die Liquidität. Nach der integrierten Pla-
nung der Gesellschaft und den Annahmen zur Verschuldung
unter Einschluss auch der Cash flow-Planung waren Euro 8 Mio.
als regelmässig erforderliche Liquidität angesetzt, wovon Euro 4 Mi-
o. im Zinsergebnis enthalten sind. Die weiteren .Euro 4 Mio. waren
nicht verzinst, können aber auch nicht ausgeschüttet werden,
weil bei einem Umsatz von Euro 500 Mio. gegebenenfalls kurzfris-
tig Zahlungen geleistet werden müssen.
(b) Der Wert der Marke "W.E.T." kann nicht als Sonderwert in die
Ermittlung des Unternehmenswertes einfliessen. Die Marke
dient nämlich unmittelbar dem Erzielen der Erlöse, weshalb ihr
Weil über die Ertragsplanung in die Unternehmensbewertung
einfliesst und demzufolge nicht im Rahmen des nicht betriebs-
notwendigen Vermögens Berücksichtigung finden kann (vgl.
OLG Stuttgart, Beschluss vom 19.1.2011, Az. 20 W 3/09; LG
München I, Beschluss vom 21.11.2011, Az. 5HK 0 14093/09;
Beschluss vom 21.6.2013, .Az. 5HK 0 19183/09; Beschluss
vom 7.5.2014, Az. 5 HK 0 21386/12; Beschluss vom
28.5.2014, Az. 5HK Ö 22657/12; Beschluss vom 31.10.2014,
Az. 5HK 0 16022/07; Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0
16371/13; LG Frankfurt am Main, Beschluss vom 9.8.2010, Az.
3-5 0 73/04).

279.1 .90
5.657
2.408
3.283
Ertragswert
Nicht betriebsnotwendiges Vermögen
SR&ED
Nettoeffekt CRS Korrektur
(c) Kurzfristige Steuererstattungshnsprüche sind regelmässig als
betriebsnotwendig einzustufen; daher würde eine Berücksichti-
gung als Sonderwert eine unzulässige Doppelerfassung nach
sich ziehen.
(d) Effekte aus der Auflösung von Gewinn- und Kapitalrücklagen
mussten nicht als Sonderwert einfliessen. Diese gehören zum
Eigenkapital der Gesellschaft, das sich als Saldo aus Vermö-
gen und Schulden darstellt und folglich keinen eigenen Vermö-
genswert darstellen kann. Zudem könnten derartige Massnah-
men ohnehin nur dann in die Unternehmensbewertung einflie-
ssen, wenn sie zum Stichtag der. Hauptversammlung bereits in
der Wurzel angelegt sind, wofür keinerlei Anhaltspunkte beste-
hen. Mögliche, aber noch nicht eingeleitete Massnahmen sind
demnach nicht zu berücksichtigen, was auch für die Auflösung
bestimmter Rücklagen oder Beschlüsse der Hauptversammlung
zur Herabsetzung des Kapitals gelten muss.
Somit ergibt sich folgender Unternehmenswert der W.E.T. AG:

101
Angesichts dessen war die angemessene Barabfindung angesichts eines Un-
ternehmenswerts zum Stichtag' der Hauptversammlung in Höhe von 305,682
Mio. auf Euro 95,53 festzusetzen. Da diese um ca. 6,0 % über dem im Beschluss
der Hauptversammlung festgelegten Betrag liegt, musste auch eine Erhöhung
ausgesprochen werden. Dem kann nicht die Überlegung entgegengehalten
werden, angesichts der auf § 287 Abs. 2 ZPO beruhenden Schätzung liege die
' Erhöhung noch innerhalb einer zulässigen Bandbreite, die die Angemessenheit
der Kompensation nicht in Frage stelle. Es ist nämlich nicht möglich, einen ma-
thematisch exakten oder "wahren" Unternehmenswert zum Stichtag zu ermit-
teln, da dieser angesichts seiner Zukunftsorientiertheit und der damit zwangs
läufig verbundenen Ungenauigkeit vom Gericht auf der Basis von § 287 Abs. 1
ZPO nur geschätzt werden kann und somit eine Bandbreite von Werten ange-
messen sein muss (vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 6.4.2011, Az. 26 W
2/06 (AktG); OLG Karlsruhe NZG 2008, 791 Ls; BayObLG NZG 2006,.156, 157
= AG 2006, 41, 42 - Pilkington). Die Grenze innerhalb derer. Werte noch als
angemessen anzusehen sind, wird bei nicht unter 5 % angesiedelt (in diese
Richtung: OLG Frankfurt ZIP 2012, 371, 376; auch Puszkajler BB 2003, 1692,
1694 für den Fall einer Verschmelzungswertrelation; die Grenze sogar erst bei
10 % ziehend Paschos ZIP 2003, 1017, 1024; Simon/Leverkus in: Simon,
SpruchG, a.a.O., Anh. § 11 Rdn. 11). Da die Grenze von 5 % allerdings wie hier
nicht unerheblich überschritten wird, muss insbesondere auch unter Berück-
sichtigung des Eigentumsgrundrechts der Minderheitsaktionäre aus Art. 14 Abs.
1 GG eine Erhöhung erfolgen.
2.
Aus anderen Gründen lässt sich eine höhere Barabfindung als Euro 95,53 je Aktie
nicht rechtfertigen.
Dies gilt zunächst für den Börsenkurs, nachdem dieser entsprechend den
Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit Euro 82,94
unter dem Ertragswert lag.

(1) Der Ansatz eines Börsenkurses von Euro 82,94 je Aktie auf der Basis
eines Referenzzeitraums von drei Monaten vor der Bekanntgabe des
von der Antragsgegnerin förmlich gestellten Verlangens nach § 327 a
AktG zur Übertragung der Aktien. am 22.3.2013 durch die W.E.T. AG
ist rechtlich zutreffend erfolgt und führt daher zu keiner höheren
Barabfindung.
Nach der Rechtsprechung insbesondere auch des Bundesverfas-
sungsgerichts ist bei der Bemessung der Barabfindung nicht nur der
nach betriebswirtschaftlichen Methoden zu ermittelnde Wert der quo-
talen Unternehmensbeteiligung, sondern als Untergrenze der Abfin-
dung wegen der Wertung des Eigentumsschutzes aus Art. 14 Abs. 1
Satz 1 GG der Börsenwert zu berücksichtigen (vgl. BVerfGE 100,
289, 305 ff. = NJW 1999, 3769, 3771 ff. = NZG 1999, 931, 932 f. =
AG 1999, 566, 568 f. =ZIP 1999, 1436, 1441 ff. = WM 1999, 1666,
1669 ff. = DB 1999, 1693, 1695 ff. = BB 1999, 1778, 1781 f. -
DAT/Altana; BVerfG WM 2007, 73 = ZIP 2007, 175, 176 = AG 2007,
119 f.; BGH NJW 2010, 2657, 2658 = WM 2010, 1471, 1473 = ZIP
2010, 1487, 1488 f. = AG 2010, 629, 630 = NZG 2010, 939, 940 f. =
DB 2010, 1693, 1694 f. = BB 2010, 1941, 1942 = Der Konzern 2010,
499, 501 - Stollwerck; OLG München AG 2007, 246, 247; OLG
Frankfurt AG 2012, 513, 514; Hüffer, AktG, 11. Aufl., § 327 b Rdn. 6
und § 305 Rdn. 29; Schnorbus in: Schmidt/Lutter, AktG, 3. Aufl., §
327 b Rdn. 3; Habersack in: Emmerich/Habersack, Aktien- und
GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 327 b Rdn. 9; Simon/Leverkus in: Si-
mon, Spruch?, 1. Aufl., Anh § 11 Rdn. 197 f.; Meilicke/Kleinertz in:
Heidel, Aktienrecht und Kapitalmarktrecht, 4. Aufl., § 305 AktG Rdn.
36).
Der BGH geht nunmehr. in Übereinstimmung mit der überwiegend
vertretenen Ansicht in Rechtsprechung und Literatur und unter teil-
weiser Aufgabe seiner früher vertretenen Auffassung mit Beschluss
vom 19.7.2010, Az. II ZB 18/09 (vgl. BGH NJW 2010, 2657, 2658 ff.
= WM 2010, 1471, 1472 ff. = ZIP 2010, 1487, 1488 f..= AG 2010,

629, 630 ff. = NZG 2010, 939, 941 ff. = DB 2010, 1693, 1694 f. = BB
2010, 1941, 1942 ff. = Der Konzern 2010, 499, 501 ff. - Stollwerck;
bestätigt durch BGH AG 2011, 590 f. = ZIP 2011, 1708 f.; ebenso
OLG Stuttgart ZIP 2007, 530, 532 ff. = AG 2007, 209, 210 ff. = NZG
2007, 302, 304 ff. - DaimlerChrysler; ZIP 2010, 274, 2.77 ff.; OLG
Düsseldorf ZIP 2009, 2055, 2056 ff. = WM 2009, 2271, 2272 ff.; Der
Konzern 2010, 519, 522; OLG Frankfurt NZG 2010, 664; AG 2012,
513, 514; Paulsen in: Münchener Kommentar zum AktG, 4. Aufl., §
305 Rdn. 88 f.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 305 Rdn. 45; Emmerich in:
Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzerrirecht, a.a.O., §
305 Rdn. 45, 46 und 46 a; Tonner in: Festschrift Karsten Schmidt,
2009, S. 1581, 1597 ff.) davon aus, der einer angemessenen Abfin-
dung zugrunde zu legende Börsenwert der Aktie müsse grundsätz-
lich aufgrund eines nach Umsatz gewichteten Durchschnittskurses
innerhalb einer dreimonatigen Referenzperiode vor der Bekanntma-
chung einer Strukturmassnahme ermittelt werden.
Die Drei-Monats-FriSt lief angesichts der Bekanntgabe des Squeeze
out-Verlangens am 22.3.2013 vom 22 12 2012, bis zum 21.3.2013,
also bis zu dem Tag vor der Bekanntgabe an die Kapitalmärkte. Da
die Hauptversammlung am 28.8.2013 stattfand, also etwas mehr als
fünf Monate nach dem Ende des Referenzzeitraums, kann auch ein
längerer Zeitraum, der eine Hochrechnung des Börsenkurses erfor-
derlich machen würde, nicht angenommeh werden (vgl. BGH NJW
2010, 2657, 2660 = WM 2010, '1471., 1475 = ZIP 2010, 1487, 1491 =
AG 2010, 629, 632 = NZG 2010, 939, 942 = DB 2010, 1693, 1697
BB 2010, 1941, 1944 = Der Konzern 2010, 499, 503 - Stollwerck).
Angesichts des Erfordernisses der Ermittlung des Unternehmensvver-
tes einschliesslich der Prüfung der Höhe der ermittelten Abfindung
durch den gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer sowie des weiteren
Erfordernisses der Einhaltung der Einberufungsfrist zu der Hauptver-
sammlung einer Aktiengesellschaft liegt der hier gegebene Zeitrah-
men von etwas mehr als fünf Monaten im üblichen Rahmen dessen,

104
was realistischerweise - auch aus der Erfahrung der erkennenden
Kammer - als erforderliche Zeitspanne zwischen Bekanntgabe des
Abfindungsverlangens und der beschliessenden Hauptversammlung
angenommen werden känn (vgl. hierzu Hasselbach/Ebbinghaus Der
Konzern 2010,.467, 473; Zeeck/Reichard AG 2010, 699, 705;
Neumann/Ogorek DB 2010, 1869, 1871; Decher ZIP 2010, 1673,
1675 f).
Auch wenn in einer jüngeren Studie die Ansicht vertreten wird, ange-
sichts eines Durchschnitts von vier Monaten und drei Tagen im Me-
dian müsse bei einem längeren, also über diesen Durchschnitt hin-
ausgehenden Zeitraum eine Anpassung im Sinne einer Hochrech-
nung erfolgen (vgl. Weimann, Spruchverfahren nach Squeeze out,
2015, S. 409), kann dem nicht gefolgt werden. Selbst wenn diese
Zeitspanne der Durchschnitt sein mag, führt nicht jede Überschrei-
tung um etwas mehr als einen Monat zu der Annahmeges müsse ei-
ne Anpassung oder Hochrechnung erfolgen. Dieser Ansatz in der Li-
teratur berücksichtigt nämlich nicht hinreichend die Besonderheiten
des Einzelfalles wie beispielsweise die Grösse und Komplexität des
zu bewertenden Unternehmens. Deshalb muss mit. der Rechtspre-
chung und überwiegenden Literaturmeinung davon ausgegangen
werden, dasS jedenfalls ein Zeitraum bis zu sechs Monaten keines-
falls eine Hochrechnung erforderlich machen kann. Andernfalls gin-
gen auch wieder die Vorteile, die mit der auf den'Bekanntmachungs-
zeitpunkt abstellenden Referenzperiode verbunden sind, verloren
(vgl. OLG Frankfurt AG 2011, 832, 833 = Der Konzern 2011, 427,
429; OLG Stuttgart, Beschluss vom 19.01.2011, Az. 20 W 3/09 - zit.
nach Juris; LG München I, Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK
16371/13; Bungert BB 2010, 2227, 2229; Bücker. NZG 2010, 967,
970).
(2) Angesichts der zutreffenden Ableitung des Börsenkurses aus dem
soeben beschriebenen Referenzzeitraum kann es keine Rolle spie-

105
len, ob der Börsenkurs im. weiteren Verlauf nach der Bekanntgabe
und insbesondere vor der Einstellung des Börsenhandels deutlich
oberhalb der von der Hauptversammlung festgesetzten Barabfindung
oder auch über der nunmehr von der Kammer festgesetzten Barab-
findung lag. Die Höhe dieser Kurse spielt bei der Bemessung der
Barabfindung nämlich, keine Rolle mehr und ist folglich nicht ent-
scheidungserheblich, weshalb nicht darauf eingegangen werden
muss, inwieweit die Höhe von den Antragstellern noch näher hätte
konkretisiert werden müssen oder nicht.
Der Ansatz einer höheren Barabfindung ergibt sich auch nicht aus dem Li-
quidationswert, nachdem dieser nach den Ausführungen im Bewertungs-
gutachten von PwC weniger als 20 % des Ertragswerts ausmacht.
(1) Der Liquidationswert stellt sich als Barwert der Nettoerlöse aus dem
Verkauf aller Gegenstände des Unternehmens dar, wenn also Vorrä-
te, Maschinen, Patente, Marken, Gebäude oder Grundstücke veräu-
ssert werden; sodann sind die Schulden, Liquidationskosten und
eventuell anfallende Ertragsteuern abzuziehen (vgl. LG München I,
Beschluss vom 29.6.2012, Az. 5HK 0. 6138/11; Beschluss vom
28.5.2014, Az. 5HK 0 22657/12; Sieben/Maltry in: Peemöller, Pra-
xishandbuch der Unternehmensbewertung, a.a.O. S. 761). Soweit
teilweise die Ansicht vertreten wird, der Liquidationswert bedeute
stets die Untergrenze des Unternehmenswertes (vgl. KG WM 1971,
764), vermag die Kammer dieser Ansicht nicht zu folgen. Der Liqui-
dationswert ist dann nicht als Wertuntergrenze anzusehen, wenn
keine Absicht besteht, das Unternehmen zu liquidieren, nicht die fi-
nanzielle Notwendigkeit besteht, den Betrieb ganz oder teilweise
aufzulösen, die Betriebsfortführung wirtschaftlich nicht unvertretbar
erscheint oder der Unternehmer den Anspruchsgegnern nicht zur Li-
quidation verpflichtet war (vgl. BGH NJW 1982, 2497, 2498; OLG
Düsseldorf AG 2004, 324, 327; LG München I, Beschluss vom
31.10.2007, 5HK 0 16022/07; Beschluss vom 19.12.2014, Az. 5HK

0 20316/09; Beschluss vom 21.11.2015, Az. 5HK 0 5593/14; Rieg-
ger/Gayk in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., Anh. § 11
SpruchG Rdn. 82). Dies resultiert aus der Überlegung heraus,, dass
bei nicht geplanter Liquidation der Liquidationswert rein hypothetisch
wäre und der Aktionär keine Aussicht auf die Realisierung des Liqui-
dationswerts hätte, wenn es nicht zu der Strukturmassnahme ge-
kommen wäre.
Vorliegend erwirtschaftete die W.E.T. AG in den Jahren der Vergan-
genheitsanalyse Überschüsse. Demgemäss ging die Planung auch
für die Detailplanungsphase ebenso wie im Terminal Value stets von
nicht unerheblichen Jahresüberschüssen aus. Dann aber bestand
keinerlei Notwendigkeit, das Unternehmen zu liquidieren; vielmehr
war ersichtlich die Fortführung des Unternehmens geplant. Dies aber
bedeutet, dass bei Zugrundelegung eines höheren Liquidationserlö-
ses die Antragsteller einen Wert erhielten, auf dessen Realisierung:
sie ohne die aktienrechtliche Strukturmassnahme wie hier den'
Squeeze out keinerlei Aussicht gehabt hätten.
(2) Abgesehen davon muss es bei realistischer Betrachtungsweise als
ausgeschlossen angesehen werden, dass eine detaillierte Ermittlung
des Liquidationswertes zu einem mehr als fünf Mal so hoch liegen-
den Wert kommen könnte als er nach den überschlägigen Ermittlun-
gen errechnet wurde.
c. Vorerwerbspreise, die die Antragsgegnerin zahlte, sind für die Ermittlung
der Barabfindung rechtlich ohne Bedeutung.
Soweit teilweise in Rechtsprechung und Literatur die Ansicht vertreten
wird, Vorerwerbspreis seien zu berücksichtigen, weil auch eine sogenann-
te "Kontrollprämie" Teil des Unternehmenswertes sei (vgl. LG Köln AG
2009; 835, 838 = Der Konzern 2009, 494, 496 f.; Schüppen/Tretter in:
Frankfurter KoMmentar zum WpÜG, 3. Aufl., § 327 b AktG Rdn. 16; Behn-
ke NZG 1999, 934; in diese Richtung auch' Emmerich in : Em-

merich/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht, § 305 Rdn.
50), vermag dem die Kammer nicht zu folgen. Erwerbspreise, die ein
Grossaktionär in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit einem Be-
herrschungs- und Gewinnabführungsvertrag entrichtet, spielen für die
Bemessung der angemessenen Abfindung keine Rolle. Der Preis, den ein
Mehrheitsaktionär an die Minderheitsaktionäre zu zahlen bereit ist, hat zu
dem "wahren" Wert des Anteilseigentums in der Hand der Mindestaktionä-
re regelmässig keine Beziehung. In ihm kommt nämlich der Grenznutzen
zum Ausdruck, den der Mehrheitsaktionär an den erworbenen Aktien zie-
hen kann. Dieser ist wesentlich dadurch bestimmt, dass der Mehrheitsak-
tionär mit den so erworbenen Aktien ein Stimmenquorum erreicht, das ak-
tien- oder umwandlungsrechtlich Voraussetzung für bestimmte gesell-
schaftsrechtliche Massnahmen ist. Daher ist der Mehrheitsaktionär vielfach
bereit, einen "Paketzuschlag" zu zahlen. Aus der Sicht des Minderheitsak-
tionärs ist der vom Mehrheitsaktionär ausserbörslich bezahlte (erhöhte)
Preis nur erzielbar, wenn es ihm gelingt, gerade seine Aktien an den
Mehrheitsaktionär zu veräussern. Darauf aber hat der Minderheitsaktionär
weder verfassungsrechtlich aus Art. 14 Abs. 1 GG noch einfachrechtlich
angesichts des Grundsatzes der Vertragsfreiheit einen Anspruch (vgl.
BVerfGE 100:289, 306 f. = NJW 1999, 3769;3771 = NZG 1999, 931, 932
= WM 1999, 1666, 1669 = AG 1999, 566, 568 = ZIP 1999, 1436, 1441 =
DB 1999, 1693, 1695 = BB 1999, 1778, 1780 = JZ 1999,.942, 944 -
DAT/Altana; BGHZ 186, 229, 241 = NJW 2010, 2657, 2660 = NZG 2010,
939, 943 = ZIP 2010, 1487, 1491 = AG 2010, 629, 632 = DB 2010, 1693,
1697 = WM 2010, 1471, 1475 = Der Konzern 2010, 499, 503 - Stollwerck;
LG München I, Beschluss vom 10,12.2010, Az. 5HK 0 11403/09, S. 48 f.;
Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11, S. 57 f.; Beschluss vom
31.7.2015, Az.r5HK 0 16371/13; Vetter AG 1999, 569, 572).
Ebenso wenig ergibt sich die. Unangemessenheit der Barabfindung aus
dem Vortrag einiger Antragsteller, die so ermittelte Barabfindung bedeute
einen Verstoss gegen von der Bundesrepublik Deutschland abgeschlosse-
ne Investitionsschutzabkommen, wonach. bei Enteignungen, Verstaatli-.

chungen oder anderen Massnahmen, die einer Enteignung oder Verstaatli-
chung gleichkommen, dem Investor eine den üblichen Marktwert der Kapi-
talanlage entsprechende Entschädigung zu leisten ist und sich die Höhe
nach den Faktoren zu dem Zeitpunkt richte, zu dem. der Beschluss zur
Enteignung angekündigt oder öffentlich bekannt gemacht wurde. Dieser
Grundgedanke aus den Investitionsschutzabkommen kann schon deshalb
keine Anwendung finden, weil es sich bei einem Beschluss über einen
Squeeze out nicht um eine Enteignung handelt (vgl. BVerfGE 14, 363 ff. -
Feldmühle; BVerfG NJW 2007, 3268, 3269 = ZNG 2007, 587, 588 = AG
2007, 544, 545 = ZIP 2007, 1261, 1262 = WM 2007, 1329, 1330 = BB
2007, 1515, 1516 = DB 2007, 1577 = Der Konzern 2007, 524, 525; Ha-
bersack in: Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-Konzernrecht,
a.a.O., § 327 a Rdn. 7). Zum anderen aber liegt keine Enteignung oder ei-
ner Enteignung gleichstehende Massnahme durch den Vertragsstaat vor;
vielmehr geht es um den Beschluss der Hauptversammlung einer privat-
rechtlich organisierten Aktiengesellschaft. Diese ist nicht Adressat der Re-
gelung, weil sie nicht der andere Vertragsstaat ist (vgl. bereits LG Mün-
chen I, Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0 17095/11; Beschluss vom
7.5.2014, Az. 51-1K 0 21386/12; Beschluss vom 31.7.2015, Az. 5HK 0
16371/13).
Aus der Kapitalisierung der Ausgleichszahlung, wie sie im Beherrschungs-
und Gewinnabführungsvertrag vom 18.6.2011 festgesetzt wurde, lässt
sich eine höhere Barabfindung aus tatsächlichen wie aus rechtlichen
Gründen nicht ableiten. Zum einen haben die Bewertungsgutachter von
PwC aus dieser Ausgleichszahlung in Höhe von Euro 3,71 brutto je Aktie ei-
nen 'kapitalisierten Wert von Euro 50,72 abgeleitet, der deutlich unter der an-
gemessenen Barabfindung liegt. Zum anderen muss rechtlich davon aus-
gegangen werden, dass dieser Ansatz über eine Verrentung des Aus-
gleichsanspruchs nicht geeignet ist, die angemessene Barabfindung im
Sinne des § 327 b Abs. 1 AktG zu ermitteln. Der Ansatz einer Verrentung
des Ausgleichsanspruches aus dem Gewinnabführungsvertrag stellt sich
nämlich nicht als geeigneter Weg dar, um die angemessene Barabfindung

zu bestimmen. Soweit hier in Rechtsprechung und Literatur eine abwei-
chende Auffassung vertreten wird (vgl. insbesondere OLG Frankfurt NZG
2010, 664, 665; Leyendecker NZG 2010, 927 ff.) vermag dem die Kammer
nicht zu folgen. Die Annahme der Verrentung des Ausgleichsanspruches
widerspricht zum einen dem Stichtagsprinzip. Die Abfindung nach § 327 b
Abs. 1 Satz 1 AktG muss die Verhältnisse der Gesellschaft zurri Stichtag
der Hauptversammlung berücksichtigen, während der der entsprechende
Beschluss über den Squeeze Out gefasst wird. Bei einer Verrentung des
Barwerts des Ausgleichs käme es dagegen zum einen zu einer Zementie-
rung der Verhältnisse der Hauptversammlung, die über den Gewinnabfüh-
rungsvertrag zu einem früheren Zeitpunkt beschlossen hat. Veränderun-
gen im Unternehmenswert aufgrund der Konzernierung liegen im Risiko-
bereich des Aktionärs, der sich für den Ausgleich entschliesst. Zum ande-
ren fliessen in die Festlegung des Ausgleichs nicht die Vermögenswerte
ein, die keinen Einfluss auf den Unternehmensertrag haben; bei der Fest-
setzung des Ausgleichs wird nämlich das nicht betriebsnotwendige Ver-
mögen nicht berücksichtig. Die Möglichkeiten der Veräusserung nicht be-
triebsnotwendigen Vermögens, der Auflösung stiller Reserven sowie die
Abführung an sich anfallender Gewinne müssen nicht dazu führen, dass
solche Vermögenswerte zum massgeblichen Stichtag dem abhängigen Un-
ternehmen bereits tatsächlich entzogen worden wären. Die Beschränkung
»
der Barabfindung auf den Kapitalwert des Ausgleichs wird somit insbe-
sondere auch nicht dem Grundsatz gerecht, dass der volle Wert der Betei-
ligung am Unternehmen zu entschädigen ist. Deshalb kann der Barwert
des Ausgleichs auch nicht als Untergrenze der Baräbfindung beim Squee-
ze Out herangezogen werden. Wer den Ausgleich wählt, ist Inhaber eines
Anteils dessen Wert durch die Ergebnisse und den Verlauf des Unterneh-
mensvertrages bestimmt sind (wie hier OLG München ZIP 2007, 375, 376;
OLG Düsseldorf NZG 2012, 1181, 1183 = AG 2012, 716, 718 f. = ZIP
2012, 1713, 1715 f. = Der Konzern 2012, 521, 525 f.; Singhof in: Spind-
ler/Stilz, AktG, a.a.O., § 327 b Rdn. 4; Popp AG 2010, 1, 8 ff.).

Weitere Massnahmen zur Aufklärung des Sachverhalts sind auch unter Berück-
sichtigung des in §§ 17 Abs. 1 SpruchG, 26 FamFG normierten Amtsermitt-
lungsgrundsatzes nicht veranlasst.
a. Dabei ist namentlich die Durchführung einer gesonderten Beweisaufnah-
me durch die Einholung des Gutachtens eines gerichtlich bestellten Sach-
verständigen nicht erforderlich, weil die Anhörung der gerichtlich bestellten
Abfindungsprüfer zu diesem für die Kammer überzeugenden Ergebnis ge-
führt hat.
(1) Ein gerichtliches Sachverständigengutachten muss nur dann einge-
holt werden, wenn nach der Anhörung des Prüfers, die sachlich auf §
8 Abs. 2 Satz 1 SpruchG gestützt wurde, weiterer Aufklärungsbedarf
besteht (vgl. OLG München Der Konzern 2014, 172, 173; AG 2015,
508, 512 = ZIP 2015, 1166, 1172; Klöcker in: Schmidt/Lutter, AktG,
a.a.O., § 8 Rdn.4 Fn.7; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., § 8 Rdn.
21; im Grundsatz auch Drescher in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 8
SpruchG Rdn. 8). Aufgrund des Berichts der Abfindungsprüfer, der
ausführlichen Erläuterungen in zwei Anhörungsterminen und den
aufgrund von § 7 Abs. 6 SpruchG eingeholten. ergänzenden Stel-
lungnahmen der Abfindungsprüfer hat die Kammer keinen Zweifel an
der Plausibilität der Planannahmen sowie den Feststellungen zur
Ewigen Rente einschliesslich der Grundfragen des Kapitalisierungs-
zinssatzes sowie zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen.
Dem kann nicht entgegengehalten werden, die Anhörung der gemäss
§ 293 c Abs. 1 AktG bestellten Abfindungsprüfer diene nur der Auf-
klärung über ihre anlässlich der Prüfung getroffenen Feststellungen,
nicht jedoch der Überprüfung der inhaltlichen Angemessenheit der
Planung und sonstiger Bewertungsparameter (in diese Richtung
auch Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., Vorb. §§ 7
bis 11 SpruchG Rdn. 29 und § 8 Rdn. 32 f.). Diese Auffassung ist mit
dem vom Gesetzgeber verfolgten Zweck des § 8 Abs. 2 SpruchG

nicht vereinbar. Mit der Anhörung des sachverständigen Prüfers soll
nach dem Willen des Gesetzgebers die Erkenntnisbasis schon zu
Beginn des Verfahrens verbreitert und eine eventuell zusätzlich not-
wendig werdende Beauftragung eines gerichtlichen Sachverständi-
gen zur Begutachtung bestimmter Fragen erleichtert werden. Damit
allerdings erschöpft sich nicht die Zielsetzung dieser Vorschrift. Be-
reits aus der Formulierung in der Begründung des Regierungsent-
wurfs zu § 8 SpruchG, die sich der Deutsche Bundestag erkennbar
zu eigen gemacht hat, ist zu entnehmen, dass der Gesetzgeber da-
von ausgeht, es könne auch aufgrund der Anhörung des Prüfers eine
abschliessende Entscheidung des Gerichts getroffen werden. Hierfür
spricht insbesondere auch der Gedanken in den Gesetzesmateria-
lien, die Prüfungsberichte sollten künftig verstärkt als Grundlage zur
Entscheidungsfindung der Gerichte beitragen; der Beschleunigungs-
effekt soll sich dann gerade auch daraus ergeben, dass ein gerichtli-
ches Schverständigengutachten als Folge der Bestellung und letzt-
lich auch der Anhörung ganz vermieden werden kann (vgl. BT-
Prucksache 15/371 S. 14 f. und 18; auch Riegger/Gayk in: Kölner
Kommentar zum AktG, a.a,O., Einl SpruchG Rdn. 50). Dann aber
muss es dem Gericht möglich sein, auch Aussagen des gerichtlich
bestellten Sachverständigen zu Bewertungsfragen im Rahmen seiner
Entscheidung zu verwerten. Dem steht letztlich auch nicht die For-
mulierung in § 8 Abs. 2 Satz 1 SpruchG entgegen, wenn dort die An-
hörung des Prüfers als "sachverständiger Zeuge" beschrieben wird.
Auch wenn dies suggeriert, er solle dem Gericht nur Tatsachen be-
kunden, die er aufgrund seiner besonderen Sachkunde wahrge-
nommen hat (vgl. § 414 ZPO), kann seine Rolle nicht auf die eines
sachverständigen Zeugen beschränkt werden, weil anderenfalls der
vorn Gesetzgeber bezweckte Effekt der Beschleunigu,ng des Verfah-
rens konterkariert würde. Dies gilt umso mehr, als das Problem der
rechtlichen Einordnung des gerichtlich bestellten Prüfers in den Ge-
setzesmaterialien nicht weiter problematisiert wurde.

112
Die weitere Einschaltung eines gerichtlich bestellten Sachverständi-
gen wird namentlich auch nicht vom Schutz der Minderheitsaktionäre
gefordert. Die Einschaltung eines vom Gericht bestellten sachver-
ständigen Prüfers im Vorfeld der Strukturmassnahmen soll dem prä-
ventiven Schutz der Anteilseigner im Spruchverfahren dienen; des-
halb kann sein Prüfungsbericht zusammen mit dem Ergebnis einer
auf § 8 Abs. 2 SpruchG gestützten Anhörung zusammen mit der auf-
grund von § 8 Abs. 2 Satz 3 SpruchG eingeholten ergänzenden Stel-
lungnahme im gerichtlichen Verfahren berücksichtigt werden. Im Üb-
rigen haftet der sachverständige Prüfer nach §§ 327 c Abs. 2 Satz 4,
293 d Abs. 2 AktG, 323 HGB auch gegenüber den Anteilsinhabern.
Gerade durch die Verweisung auf die für Abschlussprüfer geltenden
Bestimmungen der §§ 319 Abs. 1 bis Abs. 3, 323 HGB ist die Unab-
hängigkeit des Prüfers sichergestellt. Der Umstand der Parallelprü-
fung, also der Prüfung zeitgleich mit dem Erstellen des Berichts des
Hauptaktionärs, vermag an der Unabhängigkeit der Prüfung nichts zu
ändern und begründet für sich genommen keine. Zweifel an der Un-
parteilichkeit und Unvoreingenommenheit des vom Gericht bestellten
Prüfers (vgl. OLG München ZIP 2007, 375, 377 f.; AG 2014, 453,
454; OLG Stuttgart AG 2007, 128, 129 f.; LG München I, Beschluss
vom 29.6.2012, Az. 51-IK 0 6138/11, S. 38 f.; Beschluss vom
28.6.2013, Az. 5HK 0 18685/11; Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O.,
§ 8 Rdn. 21; Emmerich in: Emmerich/Habersack, Aktien- und GmbH-
Konzernrecht, a.a.O., § 8 SpruchG Rdn. 6).
(2) Die Kammer hat keinen Zweifel an der Richtigkeit der Feststellungen
der gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer. Sowohl Herr Wahlscheidt
als auch Frau Fischer verfügen zweifelsohne über die zur Beurtei-
lung auch komplexer Fragen der Unternehmensbewertung erforderli-
che Fachkompetenz. Im Rahmen ihrer Prüfungshandlungen haben
sie auch anderslalitende Ansätze gewählt, um die Erkenntnisse der
Bewertungsgutachter von PwC zu verifizieren, was sich insbesonde-
re an der Peer Group zeigt, als sie weitere Vergleichsunternehmen

113
identifizierten, die von den Bewertungsgutachtern nicht aufgenom-
men wurden. Dieser Umstand zeigt deutlich, dass sie sich ihrer Auf-
gabe und Funktion als Prüfer in vollem Umfang bewusst Waren und
die Feststellungen aus dem Bewertungsgutachten kritisch durch-
leuchtet haben. Im Rahmen ihrer mündlichen Anhörung wie auch in
ihren beiden ergänzenden Steljungnahmen haben die Vertragsprüfer
sich eingehend, umfassend und kenntnisreich mit den erhobenen
Rügen auseinandergesetzt.
Deshalb besteht kein weiterer Aufklärungsbedarf durch Einholung eines
weiteren Gutachtens zu Einzelaspekten der Unternehmensbewertung.
Die Vorlage von Planungsunterlagen der Gesellschaft oder der Arbeitspa-
piere der beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften war nicht veran-
lasst, weil die Voraussetzungen von § 7 Abs. 7 Satz 1 SpruchG nicht er-
füllt sind.
(1)
Nach dieser sehr weit gefassten Vorschrift sind sonstige Unterlagen,
die für die Entscheidung des Gerichts erheblich sind; auf Verlangen
der Antragsteller oder des Vorsitzenden des Gerichts und gegebe-
nenfalls eines vom Gericht bestellten gemeinsamen Vertreters un-
verzüglich vorzulegen. Zwar gehören auch Planungsünterlagen einer
Gesellschaft zu den sonstigen Unterlagen im Sinne dieser Vorschrift
(vgl. nur Winter in: Simon, SpruchG, a.a.O., § 7 Rdn. 55). Allerdings
haben die Antragsteller die Entscheidungserheblichkeit der Vorlage
der vollständigen Planungsunterlagen nicht plausibel dargelegt, was
indes zwingende Voraussetzung für eine entsprechende Anordnung
wäre (so OLG Stuttgart, Beschluss vom 14.10.2010, Az. 20 W 17/06;
Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., § 7 SpruchG
Rdn. 57; LG München I, Beschluss vom 7.5.2014, Az. 5HK 0
21386/12). Eine derartige Entscheidungserheblichkeit vermag die
Kammer nicht zu erkennen. In diesem Zusammenhang ist entschei-
dend zu berücksichtigen, dass wesentliche Grundlagen.der Planung

im Prüfungsbericht der gerichtlich bestellten Abfindungsprüfer darge-
stellt wurden, weshalb dieser eine ausreichende Basis für die Erhe-
bung hinreichend substantiierter Einwendungen bildet.
(2) Die Antragsgegnerin ist weiterhin nicht verpflichtet, die Arbeitspapie-
re der Bewertungsgutachterin PwC sowie der Abfindungsprüfer von
Rolfs RP vorzulegen. Einem derartigen Verlangen steht nach h.M.
bereits die Regelung in § 51 b Abs. 4 WPO entgegen, weil es keinen
durchsetzbaren Anspruch des Auftraggebers - hier also der An-
tragsgegnerin - gegen den WirtschaftSprüfer auf Herausgabe der
Arbeitspapiere gibt (vgl. nur Bungert/Mennicke BB 2003, 2021, 2029;
Wasmann/Rosskopf ZIP 2003, 1776, 1780; Winter in: Simon,
SpruchG, a.a.O., § 7 Rdn. 58; Emmerich in: Emmerich/Habersack,
Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 8). Ob
dem mit Blick auf § 17 Abs. 1 SpruchG i. V. m. § 26 FamFG in je-
dem Fall zu folgenden sein wird (kritisch zur h.M. Drescher in: Spind
ier/Stilz, a.a.O., § 7 SpruchG Rdn. 9), kann vorliegend aber dahin-
stehen. Es fehlt nämlich jedenfalls an der Entscheidungserheblich-
keit. Zwar sind die Arbeitspapiere in der Begründung zum Regie-
rungsentwurf des Spruchverfahrensgesetzes (vgl. BT-Drucks. 15/371
S. 15) beispielhaft aufgeführt. Dies bedeutet indes nicht, dass die An-
tragsteller verlangen können, ihnen müssten sämtliche Unterlagen in
jedem Fall zugänglich gemacht werden, die die Wirtschaftsprüfer
verwendet und in ihren Arbeitspapieren festgehalten haben. Der Be-
richt des Hauptaktionärs wie auch der Bericht des gerichtlich bestell-
ten Prüfers soll neben den allgemein zugänglichen Erkenntnisquellen
nur eine Plausibilitätskontrolle ermöglichen. Diese ist durch die Vor-
Lage des Berichts des Hauptaktionärs sowie des Prüfungsberichts
des gerichtlich bestellten Abfindungsprüfers gewährleistet. Zudem
fehlt es vorliegend an einem begründeten Vorlageverlangen der An-
tragsteller, die sich auf einen Anspruch nach. § 7 Abs. 7 Satz 1
SpruchG hinsichtlich der Arbeitspapiere berufen. Sie haben nicht hin-
reichend begründet, warum ihnen nur mit Hilfe der Vorlage der Ar-

beitspapiere eine hinreichend substantiierte Rüge namentlich in Be-
zug auf die Planung möglich sein sollen; dies wäre indes erforderlich
gewesen (vgl. OLG Karlsruhe AG 2006, 463, 464 = NZG 2006, 670,
671 f.; Puszkajler in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., § 7
SpruchG Rdn. 57; Drescher, in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 7
SpruchG Rdn. 9; Klöcker in: Schmidt/Lutter, AktG, a.a.O.., § 7
SpruchG Rdn. 13). Gerade auch unter diesem Gesichtspunkt können
- wie oben ausgeführt - keine überspannten Anforderungen an die
Substantiierungslast bezüglich einzelner Rügen gestellt werden.
(3
) Soweit die Vorlage näher bezeichnete Unterlagen gefordert wurde,
musste diesem Verlangen gleichfalls nicht entsprochen werden.
(a) Dies gilt namentlich für die von den Antragstellern zu 9) und zu
10) beantragte Vorlage der alten Planungsunterlagen aus dem
Herbst 2012 für die Jahre 2013 bis 2015. Insoweit fehlt es näm-
lich an der Entscheidungserheblichkeit, weil diese Planung der
' Ermittlung des Ertragswerts gerade nicht zugrunde gelegt wur-
de, sondern - wie oben unter B. II. 1. a. (1) (d) - ausgeführt ei-
ne Aktualisierung infolge neuer Erkenntnisse vorgenommen
wurde.
(b)' Hinsichtlich der Vorlage von näher bezeichneten Unterlagen
zum Produktmix kann auf die obigen Ausführungen unter B. II.
1. a. (2) (c) (aa) verwiesen werden, wo dargelegt wurde, warum
eine,Vorlage zu unterbleiben hat.
4. Die Entscheidung über die Zinsen hat ihre Grundlage in § 327 b Abs. 2 1. Hs.
AktG.
a. Die Verzinsung beginnt dabei mit der Bekanntmachung der Eintragung in
das Handelsregister, die hier am 6.11.2013 erfolgte. Da die Zinspflicht mit

116
Ablauf des Tages beginnt, an dem die Bekanntmachung vorgenommen
wurde (vgl. Singhof in: Spindler/Stilz, AktG, a.a.O., § 320 b Rdn. 11), war
die Verzinsung ab dem 7.11.2012 auszusprechen. Eine bereits mit dem
Tag der Hauptversammlung beginnende Verzinsung kann nicht ange-
nommen werden. Die an die Bekanntmachung der Eintragung anknüpfen-
de gesetzliche Regelung entspricht verfassungsrechtlichen Vorgaben (vgl.
BVerfG NJW 2007, 3268, 3271 = NZG 2007, 587, 589 f = AG 2007, 544,
546 = ZIP 2007, 1261, 1263 = WM 2007, 1329, 1330 = DB 2007, 1577,
1579 = BB 2007,1515, 1517; OLG Stuttgart ZIP 2006, 27, 30 = AG 2006,
340, 343 = WM 2006, 292, 296; LG München I, Beschluss vorn 30.3.2013,
Az. 5HK 0 11296/06, S. 56; Beschluss vom 24.5.2013, Az. 5HK 0
17095/11, S. 59 f.; Hüffer, AktG, a.a.O., § 305 Rdn. 26). Dabei durfte ins-
besondere berücksichtigt werden, dass die Aktionärsstellung und damit
der Verlust des durch Art. 14 Abs. 1 GG geschützten Aktieneigentums erst
mit der Eintragung des Beschlusses in das Handelsregister eintritt, nicht
aber bereits im Zeitpunkt des Beschlusses der Hauptversammlung.
Die Höhe des Zinssatzes ergibt sich unmittelbar aus § 327 b Abs. 2.1. Hs.
AktG.
1. a. Die Entscheidung über die Gerichtskosten hat ihre Grundlage in § 15 Abs.
1 SpruchG, n. F., weil das Verfahren nach dem 01.08.2013 eingeleitet
wurde und deshalb aufgrund der Oberleitungsvorschrift in §
.
136 Abs. 5 Nr.
2 GNotKG bereits neues Recht anwendbar ist. Nachdem es zu einer Er-
höhung der Kompensationsleistung kam, besteht für eine vom Grundsatz
des § 15 Abs. .1 SpruchG n. F. abweichende Regelung kein Anlass; dem-
gemäss hat die Antragsgegnerin die Gerichtskosten zu tragen.

117
Bezüglich der aussergerichtlichen Kosten beruht die Entscheidung auf § 15
Abs. 2 SpruchG. Demnach ordnet das Gericht an, dass die Kosten der An-
tragsteller, die zur zweckentsprechenden Erledigung der Angelegenheit
notwendig waren, ganz oder zum Teil vom Antragsgegner zu erstatten
sind, wenn dies unter Berücksichtigung des Ausgangs des Verfahrens der
Billigkeit entspricht. Davon muss vorliegend ausgegangen werden. Soweit
teilweise in der Rechtsprechung die Auffassung vertreten wird, selbst bei
einer Erhöhung der Kompensationsleistung unterhalb einer Grössenord-
nung von 15 bis, 20 c/o, sei eine Kostenteilung angemessen (vgl. OLG
Frankfurt, Beschluss vom 5.11.2009, Az. 5 W 48/09), vermag dem die
Kammer nicht zu folgen. Auch wenn es wie hier zu einer Erhöhung der.
massgeblichen Kompensationsleistung von ca. 6 % kommt, ist eine Kos-
tenaufteilung nicht gerechtfertigt. Da Informationsmängel hinsichtlich der
Angemessenheit der Kompensation ebenso wenig wie die Rüge der feh-
lenden Angemessenheit eine erfolgreiche Anfechtungsklage begründen
können, was sich bezüglich Informationsmängeln nunmehr aus § 243 Abs.
4 Satz 2 AktG ergibt, indes schon vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Un-
ternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechtes am
1.11.2005 auch für den Squeeze out von der h.M. vertreten wurde, stellt
sich die Kostenbelastung der Antragsteller bei Anträgen, die sogar zu ei-
ner Erhöhung der Barabfindung führen - unabhängig von, prozentualen
Werten im Einzelnen -, als dazu angetan dar, Aktionäre von ihrem
Rechtsschutz abzuhalten, wenn sie selbst bei einem erfolgreichen Aus-
gang des Spruchverfahrens einen Teil ihrer aussergerichtlichen Kosten
selbst tragen müssten (so ausdrücklich Emmerich in: Em-
rnerich/Habersack; Aktien- und GmbH-Konzernrecht, a.a.O., § 15
SpruchG Rdn. 20 f.).
2. Der Geschäftswert musste in Anwendung von § 74 S. 1 GNIotKG auf den Min-
destwert von Euro 200.000,-- festgesetzt werden. Von dem Squeeze out waren
insgesamt 16.147 aussenstehende Aktien betroffen, weshalb bei einer Multipli-
kation dieser Aktienzahl mit dem Erhöhungsbetrag von Euro 5,48 einrechnerischer.